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Ein Kapitel deutsche Flugpost
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Der Prozeß gegen Sinowjew
Die Anklageschrift.
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Dor einer Auf ösung des schlesischen Sejms.
Am 15. Februar 1913 stürzte auf dem Militärflugplatz Leipzig der. Telegraphenassistent Willy Lenk mit seinem Mars-Doppeldecker ab. Es war ihm leider nicht vergönnt, Zeuge der vollen Entfaltung des Flugwesens zu werden und vor allem seinen Traum, die Brief- und Paketpost dem Flugzeug als Beförderungsmittel anzuvertrauen, erfüllt zu sehen. Dennoch kann Willy Lenk mit Recht als der e r ft e deutsche P o st f l i e - g e r angesprochen werden. Bereitwillig wurde ihm seinerzeit von seiner vorgesetzten Behörde ein längerer Urlaub erteilt, als er den Wunsch äußerte, sich mit dem Flugwesen vertraut machen zu dürfen, um seine so gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse dann in den Dienst der Reichspost stellen zu können. Ihm schwebte damals die Einrichtung von Flugstrecken in den deutschen Kolonien vor, weil es hier nu schnellen postalischen Beförderungsmitteln mangelte.
"Zwischen damals und heute liegt eine verhältnismäßig kurze Zeitspanne, die aber ausreichte, aus dem Flugzeug eine Verkehrseinrichtung zu machen, auf die niemand mehr verzichten will. Rund um den Erdball ziehen sich zahllose Flualinien, alle V^kehrsnetze sind miteinander verbunden und zumeist auch auf die internationalen Verkehrsbedürsnisse abgestimmt. Was für die Personenbeförderung gilt, trifft auch für die Beförderung der Brief- und Paketpost zu. Schon während des Krieges wurde das Flugzeug benutzt, um besonders wichtige Schriftstücke im Dienste der Heeresleitung aus dem Hauptquartier nach Berlin oder an bestimmte Frontabschnitte zu bringen. Rach dem Kriege erfolgte ein langsamer Aufbau auch der Flugpost. Mit den klapprigen Flugzeugen, die uns geblieben waren, wurden doch rund 10 OOO Kilogramm Post im Jahre
lin C a m b o n gegenüber noch Ende Juli seinen zuversichtlichen Glauben an Englands Neutralität ausgedrückt habe. Der Beweis sticht nicht, denn die Sprache der Diplomatie, die Jagow beherrschte, spricht oft Ueberzeugungen aus, um Irrtümer und Zweifel zu erzeugen. Psychologisch aber ist es wahrscheinlich, daß Jagow an das einzige politische Ziel, das er sich in seiner Laufbahn gesteckt hatte, zäh glauben wollte, auch als es schon entrückt war. Wenn man heute, nach erst zwanzig Jahren, die freilich den Inhalt eines Jahrhunderts haben, an Gestalt und Wirken Jagows zurückdenkt, so wirkt es im jungen Deutschland fast so, wie wenn man von einer sagenhaften Vorzeit spricht.
Die Anklageschrift hebt hervor, daß Sinowjew und seine Freunde versucht haben, das bürgerliche Regime wiederherzustellen und gewaltsam das
nale, Kamenew war seinerzeit Botschafter in Rom und stellvertretender Vorsitzender des Volkskommis- saren-Rates der Sowjetunion.
von unwahren Gerüchten sei die Ermordung Kirows vorbereitet und dann im Dezember von Nikolajew ausgeführt worden. „Wir find", erklärte der Angeklagte, „schuldig, die Massen gegen die Sowjetregierung und Stalin aufgehetzt zu haben und müssen unsere Verantwortung hierfür tragen."
1919 befördert, damals zumeist jedoch zwischen der Nationalversammlung in Weimar und den Reichsbehörden in Berlin.
Heute ist das Postflugzeug auf allen deutschen Flugplätzen zu einer alltäglichen oder richtiger gesagt nächtlichen Erscheinung geworden. Auch in diesem Punkte hat sich die Post den Bedürfnissen der Wirtschaft und des Publikums angepaßt. Sie nutzt die Nachtstunden aus, um die spät eingelieferte Post innerhalb von wenigen Stunden dem Bestimmungsort per Flugzeug zuzuführen, so daß sie fast überall schon auf dem ersten Bestellgang ausgetragen werden kann. Wie die Reichsbahn, wie der 'Personenflug, so besitzt auch der Postflug seinen eigenen Flugplan. Zum Dienst am Kunden rechnet die Post die besondere Pflege des Nachbringedienstes, der für den Briefverkehr mit Nordamerika sehr wertvoll ist. Briefe, die lange nach der Abfahrt der Dampfer aufgeliefert werden, kommen noch rechtzeitig nach Cherbourg, um hier an Bord gebracht werden zu können. Wichtig ist auch der Postverkehr zwischen den größten deutschen Amerikadampfern und dem amerikanischen wie europäischen Festland. Ist schon durch das Nachbringen viel Zeit gewonnen worden, so entsteht ein neuer Gewinn durch das Aufsteigen eines Flugzeuges von Deck aus viele hundert Kilometer vor der Küste. Auch der Post- verkehr auf der Südstrecke nach Brasilien über die Westfalen hinweg darf nicht vergessen werden, der teils durch das Flugzeug, teils durch den Zeppelin oonftatten geht. Durfte Willy Lenk den gigantischen Auf- und Ausbau des deutschen Luft- postvprkehrs nicht erleben, so ist eg doch sein (Seift, der unser Luftpostwesen erfüllt und es zu stets neuen Anstrengungen ermuntert.
Regierung und der R e g i e r u n g s v i o cr keine Mehrheit besitzen, ist bemerkenswert, daß die halbamtliche „Gazeta Polska" eine volle Seite einem „moralischen Porträt" Korf an tys widmet, in Verbindung damit, daß der schlesische Sejm die Freigabe des Abgeordneten K o r f a n t y zu g e r i ch t l i ch e r A b u r t e i - lung abgelehnt habe. In diesem Portrat wird' Korfanty u. a. politische Käuflichkeit Verletzung der Gesetze und staatsfeindliche Tätigkeit vorgeworfen.
lediglich zu dem „Abrüstungsschwindel" zurückführen.
„Echo de Paris" will wissen, daß Laval sich mit dem Gedanken trage, Deutschland und Polen als Ehrenmitglieder (Membres honoraires) am Ostpakt zu beteiligen. Sie würden in diesem Falle nur Pflichten und Rechte übernehmen, die über diejenigen des Kellogg- pattes nicht hinausgingen, während die anderen Unterzeichner die gesamten B e i = standsverpflichtungen übernehmen. Auf die deutschen Einwände habe man sehr eingehend geantwortet. Besonders der Hinweis der Reichsregierung, daß eine Beteiligung am Ostpakt schon deshalb unmöglich sei, weil in der Rüstungs- frage keine Gleichberechtigung bestehe, soll die Aufmerksamkeit der französischen Regierung erweckt haben. In der neuen französischen Note habe Frankreich durchblicken lassen, daß dieser Unterschied einige Abänderungen ersah - r e n könnte, wenn Deutschland sich entschlösse, dem Pakt beizutreten.
schiedenen Angeklagten versucht, neue Sympathien in der Arbeiterschaft zu werben. Außerdem habe sie versucht, eine straffe illegale Organisation aufzubauen, um dadurch den Stoß gegen die Partei und Regierung auszuführen. Die Anklageschrift betont u a daß Sinowjew, Kamenew und Genossen m i t aller Schär fe bestraft werden müßten.
Dienststrafordnung für den Freiwilligen Arbeitsdienst
Berlin, 16.Jan. (DNB.) Der Reichskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst, Konstantin H i e r l, hat für die Dienststrafordnung für die Angehörigen des Freiwilligen Arbeitsdienstes folgende Einführung erlassen:
Die Führer des Arbeitsdienstes sind berufen, dis Ehre, Manneszucht und Kameradschaft in unserer Gemeinschaft zu hüten. Die Verleihung der Dienststrafgewalt gibt ihnen ein gewichtiges Mittel, sich in der Erfüllung ihrer Aufgaben durchzusetzen, legt aber zugleich eine große Verantwortung auf ihre Schultern. Bewußte Auflehnung gegen die sittlichen Grundsätze unserer Gemeinschaft muß zum Schutze der Gemeinschaft hart und schonungslos unterdrückt werden. Die Anwendung der Strafe als Erziehungsmittel bei Feh- lern und Schwächen muß maßvoll und verständnisvoll erfolgen. Belehrung, lieber» wachung und vor allem das eigene Vorbild sind die in der Regel ausreichenden und wirksamsten Erziehungsmittel. Nicht Zwang und Furcht vor Strafe, sondern Ehrgefühl, Pflichtgefühl und kameradschaftlicher Ge- meinschaftsgeist sollen den inneren Zusam- menhalt im Arbeitsdienst sichern.
Die Verordnung bestimmt, daß der Dienststrafordnung alle Angehörigen des Arbeitsdienstes wäh- rend der Dauer ihrer Dienstverpflichtung unterworfen sind. Strafbar sind alle Handlunaen und Unterlassungen, die die Ehre der Gemeinschaft und das öffentliche Ansehen des Arbeitsdienstes ver- letzen oder gefährden oder gegen Zucht und Ordnung im Arbeitsdienst verstoßen. Die Dienststrafen werden eingeteilt in kleine Dienststrafen und förmliche Dienststrafen; Zurechtweisungen, Ermahnungen oder Rügen sind keine Dienststrafen. Zuständig für die Verhängung der Dienstsirafe ist der unmittel- bare Dienstvorgesetzte des Täters. Die Art des Strafvollzugs regelt sich nach der Strafvollzugs- ordnung. Gegen jede Dienftstrafe steht dem Verurteilten der Beschwerdegang nach Maßgabe der Beschwerdeordnung offen.
Die Partei
im Dienste der Erzeugungsschlacht.
Berlin, 17.Jan. (DNB.) Die Reichspropa- gandaleitung ordnet an: Die Erzeugungsschlacht d e r deutschen Landwirtschaft ist eine echt nationalsozialistische Zwangsmaßnahme zur grundsätzlichen Lösung der wirtschaftlichen Fragen, vor denen sich unser Volk befindet. Ihre siegreiche Beendigung bedeutet die Sicherung der Ernährungsgrundlage sowie eines wesentlich vergrößerten Teiles unserer Rohstoffver- s o r g u n g. Das ganze Volk in allen seinen Ständen muß zum Träger dieses Kampfes werden. Neben Bauern und Landwirten muß d i e ft ä dtische Bevölkerung zum inneren Verständnis der Bedeutung der Erzeugungsschlacht erzogen werden.
Deshalb wird hiermit angeordnet, daß bis auf weiteres jeder Partei redner in allen Par- teiversammlungen auf die grundlegende BedeutungderErzeugungsschlachtfur die Sicherung unserer Zukunft hinzuweisen hat. Auch alle anderen Mittel zur Aufklärung sind in diese Aufgabe im gleichen Sinne durch die Gaupropagandaleitungen der Partei in Fühlung mit den zuständigen Stellen des Reichsnährstandes ein- mletzen
Die sachlich landwirtschaftliche Aufklärung der Bauern und Landwirte im Rahmen der Erzeugungs-
Die Saarabftimmung in prozentzahien.
Berlin, 16. Jan. (DNB.) Unter Zugrundelegung des amtlichen Ergebnisses der Saarabstimmung ergeben sich für die unteren Verwaltungsbezirke (Kreise) folgende Prozentzahlen, gemessen an der jeweiligen Gesamtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen:
Saarbrücken-Land: Deutschland 90,37 o.H., Frankreich 0,49 v. H., Status quo 9,14 v. H.
Saarbrücken-Stadt: Deutschland 87,33, Frankreich 0,34, Status quo 12,33 v. H.
Ottweiler : Deutschland 91,04, Frankreich 0,15, Status quo 8,81 v. H.
Saarlouis: Deutschland 91,19, Frankreich 0,82, Status quo 7,99 v. H.
Merzig: Deutschland 94,94, Frankreich 0,27, Status quo 4,79 v. H.
St. Wendel: Deutschland 94,69, Frankreich 0,12, Status quo 5,19 v. H.
S t. Ingbert: Deutschland 91,41, Frankreich 0,34, Status quo 8,25 v. H.
Homburg: Deutschland 92,74, Frankreich 0,14, Status quo 7,12 v. H.
Im Gesamtergebnis haben sich für Deutschland 90,76 v. H. für Frankreich 0,40 v. H., für den Status quo 8,84 v. H. der abgegebenen gültigen Stimmen ausgesprochen.
Die Eu ig fönten fallen schon lästig
Paris, 17. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Die Ab-
Die Debatte über -en Ostpakt lebt wieder auf.
Frankreich antwortet auf das deutsche Memorandum. — Laval wirbt um polen.
sicht des Marxistenführers Matz Braun, am kommenden Freitag in Paris zu sprechen, stößt jetzt auch im „Jour" auf heftigen P r o t e ft Unter der Ueberschrift „Etwas mehr Takt, Herr Braun" verwahrt sich das Blatt dagegen, daß Emigranten in Frankreich Politik machen. Da die Kundgebung am Freitag nicht der Saarabftimmung gelte, sondern der „Entwaffnung der faschistischen Organisationen", hält es das Blatt für eine unmittelbare Einmischung Brauns in d i e französische Innenpolitik, wenn er am Freitag das Wort ergreift. Als Gast Frankreichs fei es seine erste Pflicht, s i ch jeder politischen Handlung zu enthalten; andernfalls dürfe er sich nicht wundern, wenn er eines Tages von französischen Gendarmen an die Grenze gebracht werde.
Mehrere französische Blätter bringen die ausgefallensten Berichte über Erschießungen im Saargebiet usw., die nur meist von Emigranten, die an der französischen Grenze eingetroffen sind, herrühren. Ein treffendes Beispiel für diese neue Greuelpropaganda bringt das „Journal". Etwa 100 Emigranten hätten sich an der französischen Grenze bei Forbach eingefunden und furchtbare Mordgeschichten erzählt. Die französischen Grenzbehörden haben sich daraufhin sofort mit dem französischen Konsulat in Saarbrücken in Verbindung gesetzt, das diese Nachricht dementierte und feststellen mußte, daß überall völlige Ruhe herrsche. Alle Greuelmärchen werden von Emigranten erzählt, die ohne Papiere sind und deshalb die französischen Grenzbehörden von der Gefahr überzeugen wollen, die sie laufen, wenn man sie nicht über die Grenze läßt.
des Verhältnisses zu England. Daß er dabei ängstlich bat, davon nichts laut werden zu lassen, bewies nur, daß er die heimischen politischen Zustände immerhin richtig einschätzte und wußte, daß ihm der Stempel der Englandfreundlichkeit die Arbeit dort nur erschweren konnte. So richtig dies war, aber ein zaghafter Mann, der sich fürchtete, konnte jenes schwere Werk nicht mehr bewältigen. Der Eintritt Englands in den Krieg war für ihn icherlich d i e schwerste Enttäuschung seines Lebens. Daß die deutsche Politik bis zuletzt an diese Möglichkeit nicht glaubte, wird allgemein auf feine Rechnung geschrieben und zum Beweis dafür angeführt, daß er dem französischen Botschafter in Ber-
Erinnerungen an 3aaoto.
Die Zahl der Männer, die im August 1914 bei Abbruch des Weltkrieges im Mittelpunkt der poli- Uchen und diplomatischen Geschäfte standen, wird irmer kleiner. Nun ist auch der damalige Leiter ds Auswärtigen Amtes, der Staatssekretär Siottlieb vonJagow, gestorben, dem formell > Verantwortung für den geschäftsmäßigen Ablauf di Ereignisse zufällt, die dem Ausbruch der Kata- stLphe oorausgingen und sie in einem komplizierten kniel von Minen und Gegenminen, von Hoffnungen uid Enttäuschungen schließlich unvermeidlich mach- tra. Wir sagen formell, weil die letzten Entscheidun- qn und die erste Verantwortung beim leitenden Gflatsmann, dem Reichskanzler von Beth - nwnn-Hollweg, lagen, bei dem eine dilettan- iitye Vorliebe für die auswärtigen Geschäfte den Mangel an Erfahrung ersetzte. Dennoch hätte em Saatssekretär, der nicht nur wie Jagow der typische Fichdiplomat, sondern auch, wenigstens mit einem Topfen politischen Oeles gejalbt war, die Ereignisse ftirter beeinflussen können, die uns heute wie eine sä cksalhafte Perkettung erscheinen, eben weil sie
kitt wurden. Man ist versucht, dabei an Jagows Irrgänger zu denken, den robusten und politisch fciijabten K i d e r l e n--W ä ch t e r, der vielleicht ftuE genug gewesen wäre, das deutsche Schicksal coers zu formen.
Jagow gehörte weder nach feiner Laufbahn, noch »i,ch feinen persönlichen Eigenschaften zu den Män- rrn, die wie seine internationalen Gegenspieler, beiden Cambon, Iswolski, Barrere und wie sie eie hießen, die Beherrschung des diplomatischen H ndwerks mit der Kenntnis der wirksamen neuen
Die Anklageschrift besagt, daß alle 19 Angeklagten eine geheime Organisation gebildet hätten, die eine heftige sowjetfeindliche Propaganda betrieben habe und an der Ermordung des Sekretärs der Kommunistischen Partei, K i r o w - schuld sei. Die illegale Organisation, die den Mord Kirows in Leningrad ausgeführt habe, habe mit einer politischen Äruppe in Moskau, „M oskauer 3 e n = trum" genannt, in Verbindung gestanden. Diese Gruppe habe versucht, alle sowjetiemdlichen Persönlichkeiten unter der Führung Sinowjews zu vereinigen und sie illegal zu erziehen, um dadurch em Führerkorps für den Kampf gegen die Partei zu schaffen Da diese illegale politische Gruppe die Idee des Terrors verbreitet habe, sei der Leningrader Mord eine Folge ihrer Politik.
Der Angeklagte Baschkirow habe ausgesagt, daß der Schuß Nikolajews gegen Kirow eme Folge der politischen Lage gewesen sei, die fid) m öer Leningrader Parteiorganisation entwickelt habe. Sinowjew habe die Verantwortung für den Mord abgelehnt und sogar erklärt, daß er keine Sympathien für den Mörder habe und die Tat verabscheue. Der Angeklagte Kamenew habe zugegeben, daß er bis zum Jahre 1932 der illegalen Gruppe Sinowjew angehörte; seine Beziehungen zu dieser Gruppe habe er wegen seiner persönlichen freund- s<-haftlichen Beziehungen zu Sinowjew nicht ab- bl •’djen können. Jewdokimow erflade dem Gericht, daß er voll und 9 anz sel ne Schul sowie die Schuld der anderen 21ngeflagten er = kenne, seine sowie der Mitangeklagten Tätigkeit sich nicht von derjenigen anderer Kreise unter- cheide di? offen gegen die Sowjetreglerung 'm Ausland aufgetreten seien. Durch das jahrelange Verbreiten
p: itifdjen Weltkräfte und mit der zähen Verfolgung p: itisch konstruktiver Ideen verbanden. Er war ir der diplomatischen Epigonenschule der Bülow- zck im Auswärtigen Amt und auf verschiedenen tliünen Posten zu einer verhältnismäßig raschen uö glänzenden Karriere emporgestiegen. Im Alter »r-i 40 Jahren bekleidete er einen der wichtigsten -kitschen Botschafterposten, den in Rom, wo es flc! t, den Dreibund nicht nur zu hüten und formell 311 konservieren, sondern an diesem Drehpunkt der <‘iropäifd)en Politik die schon sichtbare Zersetzungs- oreeit der Entente-Diplomatie abzuwehren. In N,m hätte in den Vorkriegsjahren ein politisch ak- ticer und befähigter Diplomat dem Reiche schon fcrd) sorgfältige Beobachtung der ganzen euro- po schen Politik die wertvollsten Dienste leisten kon- Tci, denn dort war, namentlich während der Zeit ie: Balkankriege, manches zu hören, was Berlin M7 späteren Enttäuschungen hätte bewahren kon- wn. Dafür war der scheue, durch körperliche H^wächlichkeit und Kränklichkeit zu einem aufregenden Verkehr in der Gesellschaft nicht befähigte -kitsche Botschafter wenig geschaffen. Der Pa- lczzo Caffarelli, der auf dem Capitolhugel l)d) über das alte Rom ragende Sitz der Deutschen Dtschaft, dessen bevorzugte Lage einst rote em S mbol der ewigen deutsch-italienischen Freund- fifaft wirkte — er wurde ebenso symbolhaft nach titn Krieger niedergelegt — war in den Jchren, in denen Jagow dort als Botschafter Kai- fei und Reich vertrat, das stille Heim eines Smgge feilen, in das die lauten Geratüche i(,. in einer politischen Gärung und Wandlung Uiindlichen Europas nur leise und gebrochen drin-
Warschau, 17. Jan. (DNB.-Funkspruch). Warschau gehen Gerüchte um, daß der schlesische Sejm, der auf Grund der schlesischen Autonomiebestimmungen existiert, a u f g e l ö st werden soll. Nach den vom Senat gestern angenommenen Aen- berungen zum Verfassungsgesetz besteht die Möglichkeit das schlesische Autonomiestatut auch ohne Zustimmung des schlesischen Sejms zu ändern. Gegen diese Bestimmung der neuen Verfassung hat der schlesische Sejm einen feierlichen Protest erhoben, den der Marschall des schlesischen Sejms gestern in Warschau persönlich überreichte. Im Zusammenhang mit diesen Gerüchten über eine Auflösung des schlesischen Sejms, in dem d le g und der Regierungsblock hrheit besitzen, ist bemerkenswert,
Berlin, 16. Jan. (DRV.) Der französische Botschafter übergab am Mittwoch im Auswärtigen Amt die französische Stellungnahme zu dem deutschen Memorandum vom 8. Dezember vorigen Jahres, betreffend den sogenannten O st p a k t.
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Der immer noch schonungsbedürftige polnische Außenminister Beck empfing in Genf den Besuch Lavals, der dem Minister die Note zur Kenntnis brachte, die die französische Regierung in der Ost- paftfrage an Deutschland gerichtet hat. Die Unterredung hat nach Ansicht der Pariser Blätter noch zu keinem Ergebnis geführt. Beck soll Laval auf das Interesse hingewiesen haben, das man in Warschau dem römischen Abkommen entgegen bringe, dessen Verwirklichung e i n en O st- p ar k überflüssig erscheinen lasse. Die Beteiligung am Ostpakt ohne Deutschland würde Polen zu einer Art Geisel der Sowjets machen. Mit Deutschland aber würde er
konnten.
Italien war damals noch ein demokratisch-parla- N ntarisch regiertes Land, in dem Presse, Parteien, l h-geizige Abgeordnete, die Freimaurerloge, die , evolutionäre Tradition eines Mazzini und Gari- ic bi nicht vernachlässigt werden durften, wenn man iitnntnis politischer Vorgänge erwerben und Ein- ; auf sie gewinnen wollte. Der märkische Adelige mtt feinem peinlichen Sauberkeitsgefühl war nicht e- Mann dazu, in einen Verkehr mit menschlich i nicht sehr erfreulichen Erscheinungen etwa mit ßn französischen Botschafter Barrere zu wett- «lern der, ein alter Pariser Kommunarde und mit to Mitteln politischer Verschwörung, Intrige und ßiitechunq vertraut, immer bereit, einem anruchi- iem Subjekt die Hand zu drücken, wenn er es für feine Ziele gebrauchen konnte, den Sitz der fran= Üiischen Botschaft in Rom zu einem Zentrum der W die Vernichtung Deutschlands zielenden euro- iciischen Politik zu machen wußte. Der konservative P euße stand innerlich dem Wesen des Landes em, das feine nationale Wiedergeburt zu einem m (entliehen Teile der historischen Erscheinung des ,/.Säuberhauptmanns Garibaldi verdankt^ über )in ein anderer, allerdings liberaler Preuß , Hinrich v. T r e i t s ch k e, eines femer tm und blutvollsten Essays geschrieben bat. Ser Rutsche Botschafter von Jagow wird kaum in die
; 'ir ihn peinliche Lage gekommen sein, emem j Mntastischen Rotbemden persönlich zu begeg , )i bei jedem politischen Auszug als Erinnerung bi revolutionäre Geburt des neuen Italiens m - ?rührt wurden. Die Erinnerung an Dijon, roo ou deutschen Waffen den Alten von Caprera gegen jicy mitten, wäre bei ihm sicher stärker gewesen, a
stinkt für die politischen Notwendigkeiten einer modernen Diplomatie
Bei allem war Jagow sicherlich Hug genug, um 1 e Gefahren der deutschen Stellung u erkennen. Die Lösung des Knotens lag für ipn ii Verhältnis Deutschlands z u C 8 - cnd, dem überhaupt neben lebhaftem ^^er ü 'ii- die englische Literatur auch seine politische isy - xlhie zugewandt war. Als er im 3anuar . icch der letzten Erneuerung des Dreibundes, Z^aatssekretär des Auswärtigen _ es nach Berlin berufen wurde, ein Ruf, den er ittht betrieben hatte und dem er nur ungern folg , e.eichnete er einem deutschen Journalisten 9 9 ' uter, mit dem er in einem für sem Wesen verhalt- i mäßig vertraulichen Umgang stand, als M seiner Amtsführung die Entspannung
Leningrad, 16. Jan. (DNB.) Am Dienstag begann der Hochverrats-Prozeß gegen Sinowjew und 18 weitere Angeklagte, unter ihnen Kamenero,BaschkiroroundJawdo- fimoro, der Mitglied des Zentralausschusses und früher Chef der GPU. im Kaukasus war. Mehrere Angeklagte haben, vor ihrem Ausschluß aus der Vartei bedeutende Aemter im Heer oder in der ö .... v _
russischen Schwerindustrie bekleidet. Sinowjew war ^Schicksal der Sowjetrevolution umzudrehen Diese früher Vorsitzender der Kommunistischen Jnternatio-politische Gruppe habe nach den Aussagen von ver- •ru,t)er^ÜDI! ö .....:* in trhiohpnon ylnneklaalen ver uckt. neue Svmpathler


