An die dauern und Landwirte in Heffen-Aaffau.
Die Landwirtschaft braucht Arbeitskräfte. Wenn ich auch die Verhältnisse in der Landwirtschaft irp olge einschneidender gesetzlicher Maßnahmen seit »er Machtübernahme durch den Nationalsozialismus wesentlich gebessert haben, so sind doch die Schwierigkeiten, die der Versorgung der Landwirtschaft mit geeigneten Arbeitskräften entaegenstehen, noch nicht völlig überwunden. Durch gesetzliche Maßnahmen allein können diese Schwierigkeiten nicht beseitigt werden. Zur Behebung des Leutemangels auf dem Lande ist die Mithilfe der Betriebsführer unumgänglich notwendig. Dazu gehört, daß sie ihre Arbeitskräfte nicht — wie es sich im liberalistischen Zeitalter herausgebildet hatte — alsbald nach Beendigung der Feldarbeiten entlassen, sondern auch in der arbeitsärmeren Zeit auf dem Hofe halten. Dies gilt insbesondere auch für die Landhelfer und sonstigen jugenolichen Kräfte, die zu ihrer Ausbildung zur Zeit auf dem Lande sind. Die Heranbildung des beruflichen Nachwuchses und die Neubildung des Landarbeiterstandes erfordern, daß die Jugend Gelegenheit hat, sich völlig, — d. h. also auch während des Winters — in das dörfliche Leben einzugewöhnen. Landwirtschaftlich geschulte und ausgebildete Hilfskräfte müssen die Sicherheit be-
Lmkertagung in Gießen.
Die Ortsfachgruppe Gießen in der Reichsfachschaft Imker hielt am gestrigen Sonntag im Hotel Hopfeld ihre letzte diesjährige Versammlung ab, zu der sich aus dem Dereinsgebiete von 34 Ortschaften der Kreise Gießen und Wetzlar über 70 Mitglieder ein« gefunden hatten. Nach der Begrüßung durch den Ortsgruppenoorsitzenden G. Bodenbender (Gießen) wurde von ihm ein anschauliches Bild über die 3. Reichstierschau in Leipzig gegeben. Die Reichsfachgruppe Imker war durch die Bienenzucht aus allen Gauen unseres Vaterlandes vertreten, lieber 600 Ortsfachgruppen traten in den Wettbewerb, die jede einen Satz Einheitsgläser mit Honig ausgestellt hatten. Auch das zweite Erzeugnis der heimischen Bienenzucht, das Wachs, war zu seinem Rechte gekommen. Von der Wachserzeugung durch die einzelnen Bienen bis zur vielfältigen Wachsverwertung durch die Industrie wurde ein fesselndes Bild vermittelt. Das Preisgericht ging mit großer Schärfe vor, um den deutschen Imker zur Erzeugung und Lieferung einwandfreier Ware (Markenware) zu erziehen. Obgleich in den letzten Jahren schon ein großes Stück Erziehungsarbeit geleistet wurde, bleibt dennoch manches zu tun. Verschiedene oberhessische Imker, darunter auch der Vorsitzende, wurden mit guten Preisen ausgezeichnet. Aus volkswirtschaftlichen Gründen soll der Preis des Honigs einmal dem Wert, dann aber auch der Kaufkraft der Bevölkerung angepaßt sein, so daß auch der minderbemittelte Volksgenosse dieses edle Naturprodukt als Nahrungs-, Genuß- und arzneiliches Hausmittel erwerben kann. Der Honigverbrauch ist in den beiden letzten Jahren stark gestiegen, da die ihm innewohnenden gesundheitlichen Kräfte immer mehr erkannt werden. Bei einem Gesamtbestand von rund 2 Millionen Bienenvölkern im deutschen Vaterland muß es in kürzester Frist möglich werden, den Bedarf des Volkes an Bienenhonig aus heimischen Ernten zu erzeugen.
Sängertag des Sängerkreises Chattia in Lich.
kommen, daß sie im Herbst nicht arbeitslos werden. Im nationalsozialistischen Staat geht es nicht an, daß die Landarbeiter einerseits auf Grund gesetzlicher Maßnahmen verpflichtet werden, auf dem Lande zu bleiben, während sie andererseits für die Dauer der Wintermonate keine Beschäftigung finden.
Bei Beginn der Arbeiten im nächsten Frühjahr wird mit Rücksicht auf die Einberufung zum Ar- beits- und Wehrdienst die Nachfrage nach geeigneten Mitarbeitern für die Landarbeit noch stärker als bisher in Erscheinung treten. Es Hilt daher für die landwirtschaftlichen Betriebsführer m Hessen-Nassau, sich rechtzeitig ihre Mitarbeiter zu sichern. Dies geschieht wohl am besten dadurch, daß die Landarbeiter und jugendlichen Helfer über den Winter auf dem Hofe gehalten und, soweit nicht andere Bedingungen bestehen, auf Jahresarbeitsvertrag verpflichtet werden.
Reichsnährstand Landesbauernschaft Hessen-Nassau:
Der Landesbauernführer Dr. Wagner.
Der Präsident des Landesarbeitsamts Hessen:
I. V. gez. Dr. Lins.
Königin, Imker und Witterung sind die drei Faktoren, die den Honiaertrag beeinflussen. Daneben ist noch besonderes Gewicht auf die Verbesserung der Bienenweide zu legen.
Das Jahr 1935 brachte in weiten Gebieten unseres Vaterlandes eine schlechte Honigernte. Da die Gefahr des Rückgangs der Imkerei dadurch zum mindesten vergrößert wird, hat sich die Reichsregierung auf Anregung des Reichsnährstandes entschlossen, steuerverbilligten Zucker als Auswinterungs« prämie zur Verfügung zu stellen, wovon ein Drittel im zeitigen Frühjahr zur Reizfütterung in erster Linie den organisierten Bienenzüchtern geliefert wird.
Die beiden vorgeschriebenen Schulungsvorträge behandelten folgende Themen: „Wesen und Aufgaben unserer Organisation" und „Das Bienenrecht". Im zweiten Vortrage wurden an Hand praktischer Fälle und Gerichtsentscheidungen das Bienenrecht im allgemeinen und das Schwarm- und Tierhalterrecht im besonderen besprochen und Anweisungen zum Bau von Bienenhäusern auf Grund ortspolizeilicher Bestimmungen gegeben.
Der Jahresbeitrag wurde mit Rücksicht auf die neuzeitlichen Forderungen, insbesondere der Rassezucht von hochwertigen Stockmüttern, auf 4,80 Mk. festgesetzt. Davon fließt ein Betrag dem Winterhilfswerk zu.
Die Königinbelegstation im Krofdorfer Forst soll im Frühjahr weiter ausgebaut und nach den von der Reichsfachschaft ausgestellten Grundsätzen (Einheitsbegattungskästchen nach Enoch Zander) betrieben werden.
Nachdem noch eine Filmvorführung über „Zuchtwesen und Zuchtverfahren der Königinnen nach Pro. Zander" neue Anregungen zu diesem bienenwirtschaftlichen Gebiete gegeben hatte, wurde die Tagung mit dem Gedenken an Führer, Volk und Vaterland geschlossen.
nehmer des Abends, betonte, daß der Sinn der Veranstaltung darin bestehe, Fühlung mit der Elternschaft zu gewinnen in gemeinsamer Arbeit von Elternhaus, Schule und HI. die Jugend zu formen und zu fördern. In weiteren kurzen Ausführungen sprach der Redner von besonderen Veranstaltungen und sportlichen Erfolgen der Schule.
Nach einer weiteren musikalischen Darbietung und dem Liede „Haia Safari", von einem Schülerchor gesungen, hielt Studienassessor Walther einen kurzen Vortrag über das Thema: „Die deutsche Kolonialforderung". Er wies zunächst auf die aufgehängten Wandtafeln hin, die unter der Anleitung von Dr. Maul von den Schülern ge- zeichnet worden waren und klare Ueberblicke ermöglichten über die geopolitischen Verteilungen unserer Erde und die rassenpolitische Situation in der Welt. Der Vortragende betonte, daß es notwendig sei, daß das ganze deutsche Volk die Bedeutung der Kolonien für Deutschland erkenne und sich für diese Forderungen einsekte, solange der Regierung keine Möglichkeit gegeben sei, zu han-
Noch drei läge!
HZ. sammelt.
helft der Zagend Hitlers Helsen!
19. bis 22. Dezember.
dein. Er wies ferner darauf hin, "daß es allein durch den Besitz von Kolonien möglich fei, Rohstoffe in das Mutterland zu bringen, oyne Devisen aufwenden zu müssen. Er erinnerte ferner an die Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung, die gerade im Kolonialbesitz gegeben seien und sprach davon, daß es in Deutsch-Südwestafrika durch einige zweckmäßig angelegte Staudämme gelingen könnte, das Land in ein Neu-Kalifornien zu verwandeln. Abschließend betonte der Redner, daß Kolonialbesitz nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern eine Frage der nationalen Ehre sei.
Der weitere Verlauf des Abends brachte sine sehr anregende Aufführung des Schauspiels „Deutsch- Südwest" (von Paul K e d i n g), die allein von Schülerinnen und Schülern der Anstalt bestritten wurde, Das Theaterstück zeigte in dramatischen Bildern den Kampf der deutschen Farmer um ihre erworbenen Rechte, ihr mutiges Bekennen zur deutschen Sache, schilderte aber auch Kampf und Not der deutschen Farmer, im Hereroaufstand. Die Aufführung wurde mit großem Interesse verfolgt und fand lebhaftesten Beifall. Der Sprechchor „Wir sind ja jenes Volk" von I. Schmidt-Wissendorf und der Sprechchor „Kolonien heraus" von H. A. Aschenborn, die sehr diszipliniert zu Gehör gebracht wurden, vertieften den Gehalt des Abends. Klar vorgetragene Worte des Reichsstatthalters Epp, des Generals der Flieger Göring und des Führers Adol^H i t - l e r zur Kolonialforderung Deutschlands, ein dreifaches „Sieg-Heil!^ auf den Führer und die gemeinsam gesungenen ersten Verse des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes beschlossen den ersten Teil des Abends. Nach einer kurzen Pause stellte die höhere Privatschule ihre Arbeit um die körperliche Ertüchtigung der Jugend mit ausgezeichneten Hebungen unter Beweis. Der Abend in seiner Gesamtheit hinterließ bei allen Teilnehmern den besten Eindruck.
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** Aus dem Stadtiheater-Büro wird uns geschrieben: Um den Theaterabonnenten auch eine Weihnachtsfreude und eine kleine Ueberraschung zu bereiten, hat die Intendanz in diesem Jahre erstmalig die Möglichkeit eingeräumt, daß an den Feiertagen in den Abendvorstellungen außer dem Wahlabonnement auch Operetten- und Operngutscheine eingelöst werden können. Anfangs- und Endzeiten der Vorstellungen sind sämtlich so gelegt, daß auswärtige Theaterbesucher sowohl den Beginn der Aufführung erreichen, wie auch regelmäßig bis zum Schluß in der Vorstellung verbleiben können, ohne befürchten zu müssen, den Zug nicht mehr rechtzeitig zu erreichen.
** Auf dem Bahnkörper tot aufgefunden. Am gestrigen Sonntag früh fand man auf dem Bahnkörper der Strecke Gießen—Fulda in der Nähe der Schießstände im Gießener Stadtwald die Leiche eines Mannes auf. Der Tote war von einem Zuge überfahren worden. Es handelt sich um den Hilfsarbeiter Karl Herzberger aus Harbach, der vermutlich auf der Heimfahrt von feiner Gießener Arbeitsstätte aus dem Zuge gestürzt ist und dabei den Tod gefunden hat. Die behördliche Untersuchung über Den Vorfall ist noch im Gange.
* Lich, 15. Dez. Am heutigen Sonntag versammelten sich im Saale Des „Holländischen Hofes" die Vertreter der dem Sängerkreis Chattia an- geschlossenen Vereine zum Kreissängertag. Von den angeschlossenen 28 Vereinen hatten alle bis auf vier Vertreter entsandt.
Nach dem Vortrag des Deutschen Sängergrußes durch die Sängervereinigung „Cäcilia"-Lich begrüßte der Vereinsfüyrer der „Cacilia" Karl Lotz die Vertreter der Vereine und die Leitung des Kreises und dankte ihnen, daß sie die alte Sängerstadt Lich, den Geburtsort des Dirigenten und Komponisten N e e b , als Tagungsort bestimmt hatten. Sodann trug Die „Cäcilia" unter Der stellvertretenden Leitung Hermann Uhrhans Die beiden Chöre „Deutschland, heil'ger Name" von Baußnern und das im Volkston gehaltene Lied „Morgen marschieren wir" von Stilz unter dem Beifall der Gäste vor.
Hierauf sprach Kreisführer Karl Rinker (Non-
nenroth) herzliche Begrüßungs- und Dankesworte und gedachte in ehrenden Worten der im verflossenen Jahr verstorbenen Sangesbrüder, deren Andenken in übrlicher Weise geehrt wurde. Aus den vielen geschäftlichen Mitteilungen sei u. a. erwähnt, daß Der Sängerkreis Chattia allen Verpflichtungen dem Hessischen Sängerbund gegenüber nachgekommen ist, was vor allem dem Kreiskassenwart Heinrich Wagner (Birklar) zu danken sei. Ein Antrag des Vereins von Gonterskirchen, aus dem Kreis wegen Ruhens der Vereinstätigkeit auszuscheiden, wurde abgelehnt. Kreisführer Rinker sprach ferner über Die befonDeren Aufgaben Der Gesangvereine im neuen Deutschland.
Eine längere Aussprache über den im kommenden Jahre abzuhaltenden L i e d e r t a g folgte. Ein Antrag des Männergesangvereins „Eintracht" Hungen, vertreten durch Vereinsführer K a m b e i tz - Hungen, wünschte den Liedertag für Hungen, da im Jahre 1936 der Verein „Eintracht" Hungen auf fein
lOOsThrlges Bestehen zurstckbllcken kann. Nachdem Laubach, das für 1936 als Tagungsort schon vorgesehen war, zurücktrat, fand der Antrag Hungen Genehmigung. Die 28 Kreisvereine werden im kommenden Jahr also nicht in zwei Orten, wie dies im Jahre 1935 in Inheiden und Wetterfeld der Fall war, ihren Liedertag begehen, sondern im Juli geschlossen in Hungen sein. Für Den Tag wird ein Gruppensingen vorgesehen. Die Auswahl Der Chöre für das Gruppensingen bleibt dem Ermessen der einzelnen Gruppen überlassen. Allgemein soll das Verfahren wie seither bestehen bleiben, daß Der fiieDertag in einem Jahre geschlossen mit allen Vereinen an einem Orte unD im fommenDen Jahre getrennt in zwei Abteilungen an zwei Orten begangen roirD, um auch kleinere Orte bei Den Festen berücksichtigen zu können. BesonDere Wünsche einzelner Vereine bei 100-, 75- oder 50jährigem Bestehen sollen der Unterstützung der übrigen Kreis- oereine sicher sein und bei Der Veranstaltung von LieDertagen in erster Linie Berücksichtigung finden.
Kreischorleiter Lehrer i. R. Karl Stein-Lich, Der währenD Der letzten VerhanDlungen zur Tagung gekommen war, wurDe von Kreisführer Rinker herzlich begrüßt unD sprach anschließenD über Das Deutsche LieDgut. Er betonte, Die zu fingenDen Lie-- Der seien in erster Linie aus Den Quellen Volkstum, Heimat unD Vaterland zu entnehmen. Der Chormeister habe Die EntscheiDung, ob Neuerscheinungen als wertvoll anzusehen oder abzulehnen seien. Gutes altes LieDgut aus Der Vergangenheit sei besonders neben dem neuen guten zu empfehlen. Gut bewährt habe sich Die Mitwirkung von Frauen- und Kinderchören bei Konzerten. Kreis- führer Rinker dankte Lehrer Stein für Die vielen Anregungen und bat, fie in Die Tat umzusetzen. Er forderte die Sänger ferner auf, die Vereinsführer mit Rat und Tat zu unterstützen, Die Singstunden fleißig zu besuchen und den Dienst am Lied als Dienst am deutschen Volk anzusehen. Alle Vereinsarbeit müsse nationalsozialistische Aufbauarbeit sein.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurden Die Verhandlungen fortgesetzt. Die Sängeroereinigung „Cäcilia" sang zur Eröffnung Den Sängergruß „Einig im Lied" und den Chor „Köln am Rhein" von Geller. Der stellvertretende Kreischorleiter, Lehrer Hinkel- Nieder-Bessingen, berichtete über seine Eindrücke als Teilnehmer am ersten (Sänger« schulungslager des Hessischen Sängerbundes, das in Brandau im Odenwald stattgefunden hatte.
Die Rechnung Des Sängerkreises, die von den Sangesbrüdern Silß-Laubach und Heinz-Ober- Bessingen geprüft und für richtig befunden worden war, fand die Genehmigung des Sängertages. Dem Rechner Heinrich Wagner- Birklar wurde Entlastung und Anerkennung für feine mustergültige Arbeit ausgesprochen. Die Rechnung zeigte in Einnahme 1537,42 Mark und in Ausgabe 1406,63 Mark, mithin einen Ueberschuß von 130,79 Mark und einen Kassenbestand von 84,83 Mark.
Während der Rechnungsablage tagten im Nebensaal die Chorleiter und nahmen die Einteilung Der Gruppen für das nächstjährige Gruppensingen in Hungen vor. Es roerben im ganzen sieben Gruppen von je 120 bis 150 Sängern auftreten.
Mit Dem Bekenntnis Der Treue zu Volk und Führer schloß Kreisführer Rinker gegen 17 Uhr den sehr arbeitsreichen Liedertag.
Landkreis Gießen.
£ W1 eseck, 15. Dez. Die Bautätigkeit in unserem Orte, Die Anfang Des Jahres sich nicht zu beleben schien, hat sich noch sehr gut entwickelt. So konnten im Laufe des Jahres vier Wohnhäuser bezugsfähig fertiggestellt werden. Weitere Drei Wohnhäuser wurden noch unter Dach gebracht. Ferner wurden noch eine Werkstatt erstellt und zahlreiche Reparaturen ausgeführt, so Daß von einer guten Beschäftigung im heimischen Baugewerbe berichtet werden kann. Ferner erstanden an Der Gemarkungsgrenze an Der Marburger Straße ein bezugsfertiges Wohnhaus, weitere sieben Wohnhäuser finD unter Dach gebracht, bzw. in Angriff genommen worden.
Schwerer Sturmschaden
in den Waldungen bei Laubach.
♦ Laubach , 15. Dez. Bei Dem ft a r f e n Sturm, Der in Den letzten Tagen über unsere GegenD Dahinbrauste, wurDe in Den WalDungen Des gräflich Solms-Laubachschen For- stes großer SchaDen angerichtet. In Den Forstrevieren um Laubach wird mit einem Windbruch von etwa 3000 Festmeter Fichtenbestand ge«
Nicht müde werden, Annelies?
Vornan von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin.
11. Fortsetzung. Nachdruckverboten!
„Der oder ein anderer! Das bleibt sich gleich. Jrn übrigen haben wir ja keine Veranlassung, uns zu verstecken."
Er beugte sich zur Seite nach dem blitzenden silbernen Kühler, um Die Gläser aufs neue zu füllen.
Es war weit in Der neunten AbendftunDe, als Günter Die Uhr zog.
„Nun wird es aber Zeit, zu gehen. Meine Mutter fühlt sich schon seit ein paar Tagen nicht wohl, und ich möchte mich doch noch mal sehen lassen, ehe sie wieder zu Bett geht."
Mia war klug genug, keine Einwendungen zu machen.
„Würdest du so gut fein, mal ins Hotel nach meinem Wagen zu telephonieren?" bat sie „Ich mag nicht mehr laufen, meine Füße sind richtig schwer von dem Wein — ich vertrage nicht viel." Günter erhob sich bereitwillig, um ihrem Wunsche nachzukommen. Als er wieder aus der Telephonzelle heraustrat, stieß er auf Schulenburg, Der ihm nachgegangen war unD offensichtlich auf ihn gewartet hatte. Ein unangenehmes Gefühl beschlich ihn bei dessen Anblick, aber ein Ausweichen war nicht möglich.
„Ei, ei, Sartorius!" drohte Schulenburg. „So einer also firtt) Sie? Ist verlobt bis an Die Halsbinde und treibt sich seelenruhig mit der schönsten Frau der Welt herum. Aber Spaß beiseite: Das ist ja ein ganz wundervolles Geschöpf! Sie werden vierfach beneidet um Diese Eroberung. Von mir ganz besonders. Donnerwetter nochmal — kann man Die Dame nicht mal kennenlernen? Sie sind ja in festen Händen, Ihnen kann es also nicht weh tun. Oder Doch? Nein? Na also! Wollen Sie mich Der Dame nicht mal vorstellen? Sie würden mir einen riesengroßen Gefallen damit tun und können be- stimmt auf Gegenseitigkeit rechnen. Das ist nämlich
mein Typ, wissen Sie. Ein blödes Wort, meinen Sie? Aber nein — was man so seinen Typ nennt, Das ist nur einmalig. Wenn er einem begegnet, soll man sich dazuhalten."
Günter hatte sich gefaßt. Er zeigte ein kleines Lächeln.
„Sie sind ja ganz auseinander, Schulenburg! Aber ich kann es natürlich verstehen. Was mich anbetrifft, so können Sie sich getrost zum Sturm bereitmachen. Aber ich fürchte, daß Sie keine Gelegenheit zum Angriff haben werden. Es hat keinen Zweck, Sie jetzt erst noch miteinander bekannt zu machen, denn wir wollen ausbrechen — ich habe soeben den Wagen bestellt. Und bann weiß ich auch nicht, ob die Dame länger zu bleiben gedenkt, wir haben nicht darüber gesprochen. Jedenfalls ist sie nur vorübergehend hier. Also, wie gesagt ..."
„Schade, jammerschade! Aber vielleicht — wo wohnt sie?"
Günter zögerte mit der Antwort, während Schu- lenburgs Augen erwartungsvoll an seinem Gesicht hingen.
„Im Continental-Hotel", gab er dann Auskunft.
„Danke! Mal sehen — vielleicht findet sich Gelegenheit. Ich werde mich jedenfalls um sie kümmern, verlassen Sie sich daraus!"
„Na, Dann Hals- und Beinbruch!"
Mit raschen Schritten ging Günter nach der Veranda zurück.
„Du hast eine Eroberung gemacht, Mia, ohne daß du es weiht", sagte er mit halbem Lächeln.
„So ...?"
„Ja. Besagter Schulenburg brennt lichterloh für dich."
„Na, na!"
„Du wärst fein Typ, behauptet er. Du warst für ihn etwas Einmaliges. Ob es das gibt ...?"
Mias Augenlider sanken herab. Es sah aus, als ob eine Schlafende, Träumende Dasäße. Ganz langsam hoben sich Die schweren, Dunklen Wimpern Dann mieDer.
„Ob es Das gibt?" wiederholte sie seine Worte. ,,Oh, ja — es gibt für jeden Menschen etwas, was nur' einmalig für ihn ist, und was niemals ober doch nur selten wiederkommt, wenn man es einmal hat aus Den Händen gleiten lassen. Es kommt einem manchmal nur erst bann zum Bewußtsein, wenn es zu spät ist."
Günter schwieg Dazu unD trank sein Glas aus. Da fuhr Mias Wagen Draußen vor. Günter zahlte, Dann gingen fie. Schulenburgs Blicke folgten ihnen, er war roieber auf bie Veranba zurückge- kehrt unb konnte gerabe noch einen knappen Gruß von Günter und ein leichtes Kopfneigen von Mia auffangen.
Der Wagen glitt davon. Günter war verstummt. Mia betrachtete ihn von der Seite.
„Uebrigens", begann sie nach einer Weile, „ich werde deiner Mutter in Den nächsten Tagen einen Besuch abstatten ..."
Günter glaubte nicht recht gehört zu haben. Er wandte sich ihr unwillkürlich zu.
„Du — meiner Mutter?"
„Das klingt unwahrscheinlich — nicht wahr? Aber es ist wirklich an dem. Ich habe nämlich Grüße auszurichten. Von einer Frau Konsul Berndt. Einer reizenden alten Dame. Deine Mutter und sie waren Pensionsfreundinnen. Sie haben später noch lange in Briefwechsel gestanden, aber wie das so ist: mit der Zeit schläft das langsam ein, und so haben sie seit Jahren nichts voneinander gehört. Als ich gelegentlich davon sprach, daß ich nach hier fahren würde, bat mich die Frau Konsul, deine Mutter mit aufzusuchen und ihr viele Grüße zu überbringen. Sie hat mir ausdrücklich eingeschärft, es ja nicht zu vergessen, und da muß ich ihr schon den Gefallen tun. Aber du machst ja so ein komisches Gesicht — als ob du darüber ganz entsetzt wärst! Ist es dir etwa unangenehm? Fürchtest Du — Komplikationen?"
„Ach, nicht Doch — wieso Denn ... !"
Günter wußte im Augenblick nichts Vernünftigeres zu sagen. Er war sichtlich verstört, wie ein Wirbel kreisten die Gedanken in seinem Kopfe. Das war ja eine heillos fatale Geschichte! Seine früheren Beziehungen zu Mia kamen ans Tageslicht. Und Annelies war sehr feinfühlig und hellsichtig; sie würde sofort merken, was es mit diesen Beziehungen auf sich hatte. Da war bas Mißtrauen Da, wenn nicht gar Schlimmeres. Unb überhaupt — wenn man wenigstens oerhinbern könnte, baß bie beiben zusammentrafen! Man ftanb ja sonst bireft zwischen zwei Feuern und wußte nicht, wie man sich verhalten sollte. Eine verteufelt fatale Geschichte! Mia zu bitten, von dem Besuch abzusehen, war ganz und gar zwecklos, sie würde ihre Absicht
unter allen Umständen durchsetzen. Wirklich stichhaltige Gründe dagegen konnte man ja auch nicht Vorbringen, ohne sich vor ihr lächerlich zu machen.
Mia unterbrach seine Gedanken:
„Ich hoffe natürlich, bei dieser' Gelegenheit auch deine Verlobte kennenzulernen. Du wirst dir denken können, daß ich ein bißchen neugierig darauf bin.
Daß die Kleine nichts hat, ist mir ja bekannt; du hast es ja auch nicht notwendig, nach Geld zu heiraten. Aber ich will doch wissen, auf wen deine Wahl gefallen ist, und ob du sonst gut versorgt bist."
Günters Schläfe pochten. Das war es! Das war der wahre .Zweck des beabsichtigten Besuches! Was tun, um ein Zusammentreffen der beiden zu verhindern? Dor allen Dingen erst einmal Zeit gewinnen, damit man irgendwie Vorsorge treffen konnte.
„Ja, im Augenblick ...", sagte er, unsicher mit der Hand über die heiße Stirn fahrend, „ich erwähnte ja schon, daß meine Mutter sich seit einigen Tagen nicht wohl fühlt und meist zu Bett liegt. Es wird am besten sein, du rufst mich — sagen wir mal übermorgen — erst mal an, damit du nicht etwa umsonst kommst. Ich werde sie inzwischen auf deinen Besuch vorbereiten."
Um Mias Lippen spielte ein seltsames Lächeln.
„Vorbereiten, sagst du ...?"
„Na ja, das ist ungeschickt ausgedrückt. Ich meine — wegen ihres Gesundheitszustandes — es möchte doch ein Tag sein, an dem sie sich wieder wohler fühlt. Sie wird sich gewiß freuen, von ihrer alten Freundin zu hören. Du bist ihr also sicher willkommen."
Mia schwieg und sah blinzelnd zum Wagen hinaus.
Günter hatte die Absicht gehabt, unterwegs auszusteigen. Wenn er bis zu Mias Hotel mitfuhr, bestand die Gefahr, daß er vom elterlichen Hause aus gesehen wurde — und das mußte natürlich vermieden werden. Aber jetzt glitt der Wagen schon an dem alten Patrizierhause vorüber, das hell erleuchtete Portal des Continental-Hotels flog heran. Nun, jetzt war es schon gleich, da man einmal nichts mehr zu verheimlichen hatte. Es war vielleicht soHar richtiger, mit der Sicherheit der Selbstverständlichkeit aufzutreten, dadurch erhielt Die Sache einen harmlosen Anstrich. Man hatte eben eine alte Bekannte getroffen — was war Denn weiter Dabei?
(Fortsetzung folgt!)


