Bücher unter dem
eihnachtsbaum.
Helfen und Abenteuer.
— Ern st Herrmann: Die mitternächtigen Lander, Fahrten durch die nordische Welt, mit 64 Aufnahmen des Verfassers. Verlag Ullstein, Berlin. Preis in Ganzleinen geb. 6,80 Mk. — (392) — Der Verfasser hat mehrere Studienreisen nach dem nördlichen Schweden und Norwegen, Lappland, Finnland, den Färöer-Inseln und Island unternommen, Land und Leute, Natur und Lebensbedingungen, altes Volkstum und Wirtschaftsprobleme der Gegenwart studiert. Aus vielen Reisenotizen, flüchtigen Aufzeichnungen, kleinen Erzählungen und Gesprächen ergibt sich ein außerordentlich lebendiges und anschauliches Bild der nördlichsten Länder Europas. Herrmann erzählt vom Leben der Lappen, von den großen Kraftwerken im nördlichsten Schweden, von der Geschichte Finnlands, von den alten Sagen der Wickinger, vom Heringsfang und der Waljagd, und besonders von dem märchenhaften Island, den uralten Bräuchen 6er Einwohner, den beschwerlichen Ritten über Ströme und Lavafelder, den riesigen Gletschern und den „brennenden Wassern". Eine besondere Freude sind die sehr gut wiedergegebenen Bilder, wie überhaupt die Ausstattung des' Buches von subtiler Ein- fühlung in das Wesen der Welt des Normens spricht.
— Karl Raif: Kämpfe im Busch, Erlebnisse in Deutsch-Südwest, mit vielen Bildern und einer Karte. Preis 2,85 Mark. Verlag Ullstein, Berlin. — (548) — Spannend erzählt der Verfasser wie er während der Besetzung der deutschen Kolonie von den Engländern geschnappt wird. Er entflieht und wird nun jahrelang von britischen Soldaten und Polizisten verfolgt durch Busch, Steppe und Sandwüste. Aber die gute Kameradschaft der deutschen Landsleute in Südwest hilft ihm durch. Diese Treue ist das schönste in diesem Buch, das man sich vor allem in die Hände unserer Jugend wünscht.
Aatur und Technik.
— Erich Laßwitz : „Technik um un s". Ihre Geheimnisse allgemein verständlich dargestellt. Mit 170 Strichätzungen und 16 Bildtafeln, 352 Textseiten. Preis Ganzleinen 6 Mark. Societäts-Verlag Frankfurt a. M. — (463) — Mißverstanden und verachtet von den einen, ungekannt und verurteilt von den andern, übertrieben und überschätzt von den dritten, gelitten und benutzt von allen steht die Technik mitten in unserem Leben. Nur wenige kennen sie wirklich oder versuchen sie zu verstehen. Denn um sie zu verstehen, muß man sie lieben. Erich Laßwitz führt den Leser ohne schwierige Fragestellungen, ohne wissenschaftliche Theorien oder umständliche Entwürfe mitten hinein in die Technik des Alltags. In jenes Vielerlei von elektrischen Schaltern und Leitungen, von Glühlampen und Stromzählern, von Gas und Wasser, Küche, Wäsche, Heizung und Kühlung, das uns in Haus und Heim umgibt. Dann kommt die Außenwelt an die Reihe: Zeitung und Buch, Fernschreiber und Fernsprecher
werden nacheinander vorgestellt und erläutert, bis sie alles Fremde und Unheimliche verlieren. Dann geht es unter sachkundiger Führung auf die Reise: über Land- und Wasserstrckhen, über den Schienenweg, mit Rad und Wagen, mit der Deutschen Reichs- habn, durch Wehre und Schleusen, mit Lokomotiven, Kraftwagen und Elektromotoren. Und zum guten Ende schließt sich die Unterhaltung an. Das Technische im Flügel, im Harmonium, in der Drehorgel wird ebenso erklärt wie die Fesselung des Schalls auf Platte und Film. Der Rundfunk, der Wort und Ton ins Haus bringt, die Lichtbildkammer, die Filmaufnahme und -Wiedergabe und schließlich Bildtelegraphie und Fernsehen. Kurz, es ist ein Buch, das nicht nur jedem überraschende Einblicke in die große Welt der Technik eröffnet, Aufmerksamkeit und Verständnis weckt, sondern das frei von aller Lehrhaftigkeit auf die angenehmste Weise unterhält.
— Eduard Rhein: „W under der Wel- l e n". Rundfunk und Fernsehen dargestellt für Jedermann mit 117 Zeichnungen im Text von Hel- mut Zimmermann. Verlag Ullstein, Berlin. Preis in Ganzleinen 4.80 Mark. — (511) — Was oft in nüchternen und langwierigen Abhandlungen „erklärt" wird, ist in diesem Buch in zwanglosem Plauderton zu faßbarem Leben erweckt. Man merkt gar nicht, daß man „lernt"; man liest und man ist gespannt, freut sich an den lustigen Zeichnungen und wenn man einen Augenblick lang eine Pause einlegt, dann stellen sich plötzlich die Begriffe und die Erklärungen von selbst ein. Man ist überrascht, daß man plötzlich weiß, was eine Welle ist, wie sie erzeugt und wie sie befördert, wie sie empfangen und in Musik verwandelt wird. Man ist erstaunt, wie einfach das alles ist, die Funktion des Lautsprechers z. B.; aber in Wirklichkeit ist es gar nicht so einfach, es ist nur so natürlich dargestellt, daß das Große und Wunderbare einfach erscheint und verständlich wird. Das ist der Reiz dieses Buches: Technik und Wissenschaft so darzustellen, daß der Mensch gepackt und gefangen wird und auch der begeistert mitgeht, der für Technik bis dahin keinen Sinn zu haben glaubte.
— Der kleine G o l d f i s ch t e i ch, kolorierte Stiche nach chinesischen Aquarellen. Im Insel-Verlag zu Leipzig. Preis 80 Pf. — (546) — Ein neues entzückendes Bändchen für den Naturfreund, das uns die schönsten Bewohner unserer Aquarien in prachtvollen Bildern nach einem französischen Werk des 18. Jahrhunderts zeigt. Franz Kuhn plaudert in einem Geleitwort zu den Bildtafeln von der Verpflanzung dieser farbenprächtigen Zierfische aus ihrer exotischen Heimat nach Europa und der Ausbreitung ihrer Zucht zu einem bedeutenden Erwerbszweig namentlich in Italien und Südfrankreich. Das hübsch ausgestattete Büchlein wird sich schnell Freunde schaffen.
— Im Verlag „Der Deutsche Tierfreund" in Seeshaupt (Oberbayern) ist erschienen: „Deutscher Tierfreund-Kalender 19 3 6", 32 Seiten Text mit Bildern und 2 Umschlagbildern im
Sechsfarbendruck. Preis das Kalenders beträgt 8 Pfennig pro Stück. — (393) — Die kleinen Geschichten und die Bilder sind geeignet, dem Tierschutz-Gedanken im Sinne des Führers und des Reichstierschutzgesetzes vom 24. November 1933 — vor allem in Schule und Haus — weiteste Verbreitung zu verschaffen.
Aus dem Such der Geschichte.
— Walter Görlitz: Hannibal. Der Feldherr — Der Staatsmann — Der Mensch. Nach den antiken Quellen gestaltet. In Leinenband 4,80 RM. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — (446) — Hannibal vor den Toren! Dieser Schreckensruf, durch die Jahrhunderte lebendig geblieben, zeigt am besten die Größe eines Feldherrn, vor dem das allmächtige Rom jahrelang zitterte. Wie konnte dieser Mann aus Völkerschaften, die fein Vater und er selber einst mit dem Schwerte unterworfen hatten, ein blind ergebenes, schlagfertiges Heer zusammenfchmieden? Welches Genie befähigte ihn, mit diesem Heere von Spanien aus durch Sudfrankreich über die Alpen zu ziehen, sich in Italien mehr als zehn Jahre zu behaupten und Rom mit vernichtenden Schlägen an den Rand des Untergangs zu bringen? Die Welt hat oft versucht, sich ein Bild von diesem Manne zu machen. Sichere Beherrschung der antiken Quellen, großes Einfühlungsvermögen und Gestaltungskraft vermögen den Verfasser nicht nur ein anschauliches Lebensbild Hannibals zu geben, das phantasievollen Mutmaßungen den Boden entzieht, sondern auch im weitgespannten Rahmen seiner Darstellung ein Gesamtbild der Zeit des Werdens römischer Größe vor uns hinzustellen.
— Plutarch: Große Griechen und Römer. Ausgewählte Lebensbilder bearbeitet von Dagobert von Mikusch. Preis Ganz!. 4,80 Mark. Mit sechs Tafeln. Propyläen-Verlag, Berlin. — (574) — Da ich die schöne neue Auswahl aufschlage, komme ich aus dem Staunen nicht heraus, wie „aktuell" dies ewig junge Buch wieder ist. Es hat, in vielfacher Abwandlung, nur ein Thema: den großen staatsmännischen Menschen, den Volksführer, den Gesetzgeber, den Kulturschöpfer, den Feldherrn, sein Wesen, seine Laufbahn, sein Schicksal. Da ist Themi- stokles, der Schöpfer der athenischen Seemacht und Sieger von Salamis; da sind Perikles und Alkibiades und ihnen folgt Alexander der Große, der Abend- und Morgenland in ein Reich zu verschweißen unternahm. Von den Römern erleben wir die beiden Gracchen, die in einem fast modernen Sinne die soziale Frage zu lösen versuchten und dabei tragisch scheiterten; wir sehen den Inbegriff des Herrscher- tums, Cäsar; und schließlich, ihm in manchem vergleichbar, doch zur Entartung geneigt, Marc Anton. Soll ich noch verweisen auf die Rolle, die die Gewalt und Macht der Rede bei fast allen diesen Männern spielte und deretwegen man Perikles den „Olympier" nannte, weil Blitz und Donner auf seiner Zunge schliefen? Auf die großartige Arbeitsbeschaffung, die er für Athen mit seiner gewaltigen Bautätigkeit leistete? Auf die psychologischem Kunstgriffe, die pft nötig waren, um ein Volk zu dem zu bringen, was für feine Rettung, für sein Wohl
notwendig war? Aus die Meisterschaft der Volks- und Massenführung? Auf die kühne Agrargesetzgebung der Gracchen und tausend Dinge mehr? Lies ihn selbst, bin Plutarch: ihn lasen die großen Tatmenschen, ein Napoleon und ein Friedrich; ihn die großen Dramatiker und Tragiker, ein Shakespeare, ein Racine, ein Schiller; ihn lasen die großen Kenner des Menschenherzens, Montaigne und Rousseau.
— Fürst Nikolai Orlofs: Bismarck und Katharina Orloff. Ein Idyll in der hohen Politik. Mit unveröffentlichten Briefen des Kanzlers und der Fürstin Orloff nebst zwei Bildnissen. Verlag C. H. Beck, München. Preis geheftet 4 Mk., in Seinen 5,50 Mk. — (562) — Das ist ein überraschendes und bezauberndes Buch, in dem alles schlichte Natürlichkeit und edelste Grazie ist. An Hand von unveröffentlichten Briefen entdecken wir eine neue, völlig unerwartete Seite an dem großen Kanzler: Die Geschichte einer späten Liebe rollt vor unseren Augen ab, einer Liebe, welche sich in die vergeistigte Form der Freundschaft rettet und nicht reich an äußeren Ereignissen ist, deren Ablauf jedoch alle seelischen Phasen und gefühlsmäßigen Höhepunkte einer echten Leidenschaft aufweist: Begegnung, Bezauberung, beglückende Gegenwart, Entsagung, Trennung, Wiedersehen, Verstimmung und Versöhnung, Tod und Verklärung. Es fehlen ferner nicht scherzhafte Geheimworte, die nur den Eingeweihten verständlich sind, und sorgfältig gehütete Souvenirs, die als mysteriöse Symbole sogar bis in die Sphäre der hohen Politik bringen. Denn ber Lebensstil aller Beteiligten und vor allem das weltgeschichtliche Ausmaß der Persönlichkeit Bismarcks brachten es mit sich, daß dieses 3bt)U sich doch nicht völlig im rein privaten Bereich abspielen konnte; wie von selber flicht sich die Politik hinein. Ein warmes, sonniges Spätsommerlicht liegt über Bismarcks Begegnung mit Katharina Orloff, dessen Glanz mit zärtlicher Wehmut gehegt, auch in seinen spätesten, winterlichen Tagen nie ganz erlischt. Daß wir nun aus diesen Briefen die Stimme der Vergangenheit unmittelbar vernehmen dürfen, hat an sich schon den großen, ursprünglichen Reiz einer neuen Entdeckung. Die Darstellung aber, durch welche ber Enkel Katharinas dieses Erlebnis unb seine Nachklänge in bas Leben der Zeit organisch einorbnet, bewirkt, baß man sich hier einem scharmanten, im schönsten Sinn unter- haltenden Buche gegenübersieht.
Setradifungen.
— Wilhelm Michel: Das Herz im All- t a g. Dom Leben mit uns selbst und den Mitmenschen. Verlag Carl Schünemann, Bremen. Preis 1,50 Mark. — (509) — Diese Betrachtungen unseres Darmstädter Landsmannes Wilhelm Michel strömen eine Ruhe, Gelassenheit und Heiterkeit aus, die uns in der Unrast des Alltags zur Selbstbesinnung und Selbsterziehung führen möchten. Michel möchte uns vor der Trägheit des Herzens im Umgang mit unseren Mitmenschen bewahren und wir sind sicher, daß ein jeder dies schmale Büchlein nicht ohne Gewinn für feine Haltung im Leben aus der Hand legen wird. —e.
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