Soldaten wandte, wurden sofort alle in der Stadt befindlichen Soldaten in ihre Kasernen be» ordert und bei dem Ministerpräsidenten Schutzmaßnahmen für die englischen Soldaten und die Aus- länder gefordert. Der Ministerpräsident unterrichtete den Führer der Wafd°Partei, und dieser erklärte den Studeutenguppen, daß ein solcher Vorfall e i n Verbrechen am Vaterlande fei. Die Kund- aebungen müßten ein Ende nehmen. Am Sonntag begannen jedoch die Kundgebungen von neuem.
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer und Reichskanzler hat in Anwesenheit des Reichsministers des Auswärtigen den britischen Botschafter empfanaen. Dabei ist in offener und vertrauensvoller Aussprache die Eröffnung der Möglichkeiten etwaiger Rüstungsbegrenzungen und des bekannten englisch-französischen Vorschlages eines Luftpaktes zwischen den Locarnomächten fortgesetzt worden.
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Der Führer und Reichskanzler empfing den deutschen Gesandten in Bagdad (Irak), Herrn Dr. Fritz G r o b b a.
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Korpsführer Hühnlein übergab am Samstag die RSKK.-Motorsportschule Regensburg ihrer Bestimmung. Rach einem Empfang im Alten Reichstagssaal besichtigte der Korpsführer die am Stadtrand gelegene Motorsportschule und wies auf die ideelle und zugleich wirtschaftlich praktische Arbeit der Motorsportschule der RSKK. hin. Diese Schulen seien Wegbereiter für den disziplinierten Fahrer und für den Soldaten im motorisierten Heer.
Am 14. Dezember fand die feierliche Einweihung der R e i ch s s e e s p o r t s ch u l e I der Hitler-Jugend bei Prieros in der Mark durch den Reichsjugendführer statt.
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Der Reichsjugendführer von Schirach stattete am Sonntag der Danziger Hitlerjugend einen Besuch ab. In der Messehalle fand eine grofce Kundgebung statt, auf der der Reichsjugendführer bekanntgab, daß der Reichsberufswettkampf des Jahres 1936 in Danzig stattfinden werde und drei- bis fünftausend Danziger Jungen in Anerkennung ihrer Treue zum deutschen Volk im nächsten Jahre als Gäste der Hitlerjugend eine Fahrt durch das Reich machen werden.
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Das dreimal wöchentlich erscheinende Organ des Danziger Zentrums, die „Danziger Volks- z e i t u n g", ist aus die Dauer von vier Monaten v e r b o t en worden.
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Die schwebende Schuld des Deutschen Reiches betrug am 30. November 1935 2 883,5 Millionen Mark gegenüber 2 983,1 Millionen Mark am 31. Oktober 1935. Der Betrag der im Umlauf befindlichen Steuergutscheine stellte sich auf 890,7 gegen 894,1 Millionen Mark. Für Zwecke der öffentlichen Arbeitsbeschaffung waren der Reichsbank 409,8 (410,6) Millionen Mark Steuergutscheine als Sicherheit überlassen.
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Der Reichsverweser hat den ungarischenGe- sandten in Berlin, Dr. Konstantin M a s i r e- v i ch, abberufen und den ungarischen Feldmarschall-Leutnant Sztojaj zum außerordentlichen Gesandten und Bevollmächtigten Minister ernannt und mit der Leitung der Berliner ungarischen Gesandtschaft betraut.
Die Ordnung der deutschen Energiewirtschaft.
Die Versorgung mit Kraft und Licht ist für die Allgemeinheit und vom Staat ausgesehen nicht weniger wichtig, als die Verwaltung der Verkehrsmittel und -wege. Es ist auch schon seit Jahrzehnten umstritten gewesen, wieweit die Versorgung mit Kraft und Licht betriebs- oder aufsichtsmäßig dem Staat überlassen bleiben soll. Ebenso mar umstritten, ob die Verstaatlichung imstande sein oder ausreichen würde, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Wer sich für eine volle Verstaatlichung einsetzt, wie das bedenkenlos vom Marxismus aus geschehen ist, unterschätzt die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten, die vor allem dadurch gegeben sind, daß bei einer Verstaatlichung der Energiewirtschaft die Grenzen immer weiter gesteckt werden müssen. Es genügt also nicht, die Gas- und Elektrizitätswerke gu verstaatlichen, es wird dann vielmehr notwendig sein, auch die Vorkommen an schwarzer und weißer Kohle in den Staatsbesitz überzuführen. Je größer der technisch-industrielle Fortschritt in einem Lande ist, je vielfacher und vielgestaltiger die Anlagen und Einrichtungen für die Kraft- und Lichtoersor^ung find, desto schwerer ist auch die Aufgabe, den Gesamtbetrieb der öffentlichen Hand zu überantworten.
Es gab im Deutschen Reich Ende 1933 1586 öffentliche Elektrizitätswerke, ferner 4736 Kraftanlagen, die sich im privaten Besitz befanden. Es versteht sich von selbst, daß Stromerzeuger und Stromerzeugung erheblich umfangreicher und größer bei den öffentlichen Elektrizitätswerken waren und sind, als bei den Eigenanlagen. In Deutschland wurden 1934, also ohne Saarland, rund 33 Milliarden Kilowatt erzeugt, während vergleichsweise die Erzeugung in Frankreich etwa 15 Milliarden, in Großbritannien rund 17 Milliarden betrug. Daß die Erzeugung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika erheblich höher war, erklärt sich zum Teil dadurch, daß gerade die Vereinigten Staaten ebenso wie das benachbarte Kanada über gewaltige Vorkommen an weißer Kohle, nämlich an Wasserkräften verfügen. In Deutschland ist die Erzeugung von Strom aus weißer Kohle verhältnismäßig gering, was auch an und für sich ein Beweis dafür ist, welche Bedeutung in volkswirtschaftlicher und politischer Hinsicht die Vorkommen an schwarzer Kohle für uns besitzen.
Die Gaserzeugung wird in Deutschland von 914 Anlagen besorgt, die in der Hauptsache der Erzeugung und Verteilung dienen, während ein kleiner Teil nur f ü r d i e Verteilung eingerichtet ist. In diesen Anlagen wurden 1934 2,7 Milliarden Kubikmeter Gas erzeugt, während England mit einer Gaserzeugung von 8,3 Milliarden Kubikmeter in Europa weitaus an erster Stelle steht. Zu diesem Vorsprung Englands hat mitgewirkt, daß die englische Steinkohle besonders gasflammig ist, ebenso daß die Gaserzeugung in England viel früher ausgenommen und entwielt worden ist als auf dem Festland. Tatsächlich war es ja England, daß heißt englisches Kapital, das in den fünfziger und sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts auch in Deutschland Gaswerke gründete und betreiben ließ.
Nun ist ohne weiteres klar, daß die technische Entwicklung hinsichtlich der Erzeugung und Versorgung mit Kraft und Licht keinen Stillstand kennt, sondern ununterbrochen neue Aufgaben gu lösen sucht. In Deutschland bestehen diese Aufgaben u. a. darin, eine Ferngasversorgung über das
ganze Reich hinweg einzurichten, was vor allem auch dazu dienen muß und kann, die Kohlengebiete vor Einbruch neuer Wirtschaftskrisen einigermaßen zu sichern. Die Kohleng^biete sind ja auch der Standort für andere Industrien, was bedeutet, daß gerade in den Kohlengebieten aewaltige Menschenmassen zusammengeballt sind. Ader die Ferngasversorgung ist eine Aufgabe, bei der das Reich unbedingt beteiligt sein muß, nicht etwa, um am Gewinn teilzunehmen, sondern vor allem deshalb, um alle Reibungsmöglichkeiten und Hemmnisse anderer Art auszuschalten. Das Reichsgesetz über die Energiewirtschaft geht ja auch davon aus, daß der Verbraucher vor jeder Ausbeutung geschützt sein muß, daß aber alles getan werden muß und nichts unterlassen werden darf, um die deutsche Energiewirtschaft, also die Versorgung mit Kraft und Licht auf die höchstmögliche Leistungsstufe zu bringen.
Das Reich überträgt in dem Gesetz über die Energiewirtschaft dem Reichswirtschaftsministerium außerordentliche Rechte und Gewalten, die aber vor allem deshalb notwendig sind, weil die Energiewirtschaft auch für die Landesverteidigung von überragender Bedeutung ist. Es ist weiter klar, das, wenn die Versorgung mit Kraft und
Licht noch weiter ausgedehnt werden soll, um in jedem Betrieb, und in jedem Haushalt Einführung und Verwendung zu finden, der Wagemut und die Unternehmungslust nicht ausgeschaltet werden können und dürfen. Wenn die Energiewirtschaft im ganzen Umfang verstaatlicht würde, wenn Erzeugung und Verteilung ausschließlich der öffentlichen Hand überlassen bliebe, so würde das weder kaufmännisch noch technisch von Vorteil sein. Aber d i e Reichsaufsicht greift ein, wenn sich an irgendeiner Stelle in der Versorgung mit Kraft und Licht Unzulänglichkeiten geigen; wie auch das Reich in dem neuen Gesetz davon ausgegangen ist, daß es für die Unternehmen der Kraftwirtschaft gerade so eine Leistungs - und Betriebspflicht gibt, wie für die Eisenbahn die Verkehrspflicht. Kein Gebiet des Reiches, kein Teil der Bevölkerung soll vernachlässigt werden, auch dann nicht, wenn diese Gebiete geographisch oder verkehrstechnisch ungünstig gelagert sind. In dem ganzen Gesetz in allen Bestimmungen und Anordnungen ist der Geist lebendig, daß Gemeinnutz vor Eigennutz geht, daß insbesondere die Energiewirtschaft nicht nur bas Recht zur technischen und finanziellen Entwicklung, sondern auch die Pflicht zur sozialen Wirkung hat.
Das neue Energiewirtschastsgesetz.
Berlin, 14. Dez. (DI!B.) Das Gesetz gur Förderung der Energiewirtschaft (Energiewirtschaftsgesetz) will die Energieversorgung nicht nur im Interesse der Landesverteidigung im Ernstfälle, sondern auch die Rüstung für alle wirtschaftlichen Aufgaben der deutschen Volkswirtschaft und die Erzielung möglichst billiger Erzeugungsbedingungen zugunsten aller Kreise der Wirtschaft und der Bevölkerung sicherstellen. Um ein Zusammenwirken aller beteiligten Kräfte nach einheitlichen Gesichtspunkten zu gewährleisten, ist der notwendige öffentliche Einfluß in allen Angelegenheiten der Energieversorgung zu sichern. Volkswirtschaftlich schädliche Auswirkungen des Wettbewerbes sind zu verhindern, ein zweckmäßiger Ausgleich ist durch Verbundwirtschaft zu fördern.
Das Gesetz lehnt die Sozialisierung der Elektrizitätswirtschaft, die auf die Ueberführung des Eigentums an dem Versorgungsunternehmen in die Hand des Reiches gerichtet war, ab und führt eine Kontrolle der Energieanlagen der der öffentlichen Versorgung dienenden Unternehmen und eine Aufsicht über d i e Versorgungsbedingungen und Tarife ein. Die Energietarife sollen sowohl den besonderen Bedürfnissen der Verbraucher angepaßt als auch volkswirtschaftlich zweckmäßig geftaltet werden. Diese Bestrebungen dienen zugleich der zweckmäßigen Lenkung der künftigen Kapitalanlagen sowohl der Werke wie der Verbraucher, da die Erzeugungspolitik die Möglichkeiten der Tarif- und Preisgestaltung beeinflußt und die Tarifpolitik wiederum durch ihre absatzfördernde Wirkung die Ausnutzung der Erzeugungsanlagen ermöglicht. Zugleich soll damit den vordringlichen Erfordernissen der industriellen Standortpolitik, der Siedlung und der Rohstoffbewirtschaftung, sowie der Sozialpolitik stärker als bisher nach übergeordneten Gesichtspunkten Rechnung getragen werden.
Die Energie-Versorgungsunternehmen sind ver
pflichtet, dem Reichswirtschaftsminister vor der Stilllegung, dem Bau, der Erneuerung oder Erweiterung von Energieanlagen Anzeige zu erstatten. Der Reichswirtschaftsminister kann derartige Maßnahmen untersagen, bei solchen Elektrizitäts- und Gasversorgungsunternehmen, die andere versorgen. Die Eigenanlagen werden der Anzeigepflicht nicht unterstellt. Jedoch wird den Unternehmern solcher Eigenanlagen die Verpflichtung auferlegt, vor Errichtung oder Erweiterung der Eigenanlage dem öffentlichen Versorgungsunternehmen Mitteilung zu machen, andererseits verlieren sie den Rechtsanspruch auf Versorgung durch das Energieversorgungsunternehmen.
Der Reichswirtschaftsminister kann die allgemeinen Bedingungen und allgemeinen Tarifpreise der Energieversoraunasunternehmen sowie die Energieeinkaufspreise Der Energieverteiler wirtschaftlich neu gestalten. Einem Energieversorgungs- Unternehmen, das sich außerstande zeigt, seine Aufgaben zu erfüllen, kann der Betrieb ganz oder teilweise untersagt werden und mit der Versorgung des Gebietes ein geeignetes leistungsfähiges Unternehmen beauftragt werden.
Zur Sicherstellung der Landesverteidi- a u n g kann der Reichswirtschaftsminister Vorschriften über die Erhaltung vorhandener oder die Errichtung zusätzlicher Energieanlagen sowie die Abgabe von Energie erlassen.
Der Reichswirtschaftsminister teilt mit, daß der Anzeigepflicht aus § 4 des Gesetzes bis auf weiteres dadurch Genüge getan wird, daß die Anzeige an den Leiter der Reichsgruppe Energiewirtschaft erstattet wird. Der Bau, die Erneuerung, die Erweiterung oder die Stilllegung von Energieanlagen, die dem Leiter der Reichsgruppe Energiewirtschaft bereits gemeldet, jedoch noch nicht ausgeführt find, können beanstandet und untersagt werden.
Das neue spanische Kabinett Vallaredes ist eine ausgesprochene Minderheitsregierung und setzt sich in der Hauptsache aus dem Staatspräsidenten nahestehenden Männern zusammen. Die Regierung hat die A u f l ö s u n g s Verordnung für das Parlament mitbekommen, so daß damit zu rechnen ist, daß das Kabintt sich darauf beschränken dürfte, die Neuwahlen durchzuführen.
Die armenische Studentenschaft in Istanbul hat auf dem Vorhofe der armenischen Kirche. ein Bildnisdes jüdischen Schrift- ft e I l*e r s Franz Werfel verbrannt. Werfels Buch „Die 40 Tage auf dem Mufadag", das trotz türkischen Einspruchs in Amerika verfilmt werden soll, schildert die Behandlung der Armenier in einer für die Türken ungünstigen Form. Bei der Verbrennung wurde erklärt, das armenische Volk wolle heute in der Türkei mit den Türken in Frieden leben, und lasse es nicht zu, daß ein jüdischer Schriftsteller diesen Frieden störe.
Kunst und Wissenschaft.
Einweihung des Philipp-Lenard-Jnstituts in Heidelberg.
Eine große Festversammlung fand sich im Physikalischen Institut der Universität Heidelberg zusammen, um die Umbenennung dieser Anstalt in „P h i l i p p - L e n a r d - I n st i t u t" durch eine Ehrung Lenards festlich zu begehen. Der derzeitige Institutsleiter Prof. Dr. A. Decker gedachte des früheren Leiters, Geheimrat Lenard, der 1931 zurücktrat, weil die damalige Regierung einen Ausbau des Instituts ablehnte. Unterrichtsminister Dr. Wacker feierte Lenard als Forscher und Erzieher, aber auch als ersten Nationalsozialisten unter den Wissenschaftlern. Der Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin, Prof. Dr. I. Stark, als Vertreter des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volks- 'bildung und als alter Freund Lenards berichtete über Lenards Leben und Wirken. Lenard sei stets ein völkisch empfindender Mensch gewesen. Als Adolf Hitler auftrat, war er einer der ersten, die sich zu ihm bekannten. Der Führer der Heidelberger Studentenschaft, Kreuger, feierte Lenard als nationalsozialistischen Lehrer, der ein Vorbild für die Studenten fei. Geheimrat Lenard berichtete dann, wie er zu feinen Forschungen kam. Seine Aufgabe habe er darin gesehen, an die Natur klare Fragen zu stellen. Im Dritten Reich sei es gelungen, eine deutsche Wissenschaft zu begründen. Daß dies möglich war, verdankten wir Adolf Hitler, der die Voraussetzung dazu schuf.
Euwe wurde Schachwellmeister.
Im Schachwettkampf um die Weltmeisterschaft zwischen A l j e ch i n und Euwe wurde in Amsterdam die letzte Partie gespielt. Euwe führte die weißen Steine und eröffnete das Spiel mit dem Königinnenbauer. Aljechin nahm das Damengambit an. Im Mittelspiel mußte Aljechin einen Bauern opfern. Nach Figurenabtausch bot Aljechin beim 40. Zuge remis an. Euwe hat damit bei einem Stande von 9:8 bei 13 Remis-Par- tien die Schachweltmeisterschaft errungen.
Der Präsidentenwechsel in Prag.
P r a a , 14. Dez. (DNB.) Eine Sonderausgabe des „Telegraf" meldet: Am 14. Dezember zur Mittagsstunde unterschrieb der Präsident der Tschechoslowakischen Republik, Thomas Garrigue Masa - r y k, die amtliche Urkunde, in der er den Rücktritt von seinem Amte erklärt. Im Schloß
(Scherl-M.)
Lana, dem ständigen Aufenthaltsort des Präsidenten, erschienen kurz vor Mittag Ministerpräsident Dr. H o d z a , der Präsident des Abgeordnetenhauses Jan Malypetr und der Senatspräsident Dr. Soukup. In Gegenwart des Kanzlers des Präsidenten, Dr. S ch a m a l, und seines Sektionschefs Dr. Schießl sowie des Leibarztes Dr. Meixner übergab der Präsident dem Vorsitzenden der Regierung die Rücktrittsurkunde. Dann hielt er bereits als Privatmann eine A n - spräche an den Vorsitzenden der Regierung, in der er in kurzen Worten darlegte, welche schwere Verantwortung das Amt eines Staatspräsidenten auferlege und daß es nach feiner Ueberzeugung nötig fei, daß dieses Amt von einem Mann mit voller körperlicher Kraft versehen werde, lieber den ganzen Vorgang wurde ein amtliches Protokoll ausgenommen. In dem Augenblick, als der Präsident die Rücktrittsurkunde dem Vorsitzenden der Regierung übergab, wurde d i e Präsidentenstandarte auf Schloß Lana niedergeholt. Die Standarte wurde in Prag über dem Kolowrat- Palais, dem Sitz des Ministerpräsidiums, aufgezogen als Zeichen dafür, daß verfassungsgemäß bis zur Neuwahl des Staatspräsidenten die Präsidentenrechte auf die Regierung übergehen.
Der Ministerrat hat in einem Gesetz die recht
lichen und materiellen Verhältnisse sowie den Titel des ersten Präsidenten der Republik nach seiner Abdankung festgelegt. Masaryk wird den Titel „Befreier-Präsident" führen. Sein Sitz bleibt Schloß Lana. Als letzten Erlaß unterschrieb der scheidende Präsident vor seinem Rücktritt eine politische A m n e st i e.
Ministerpräsident Hodza hat die Nationalversammlung für den 18. Dezember 1935 in den Wladislaw-Saal auf der Prager Burg zur Präsidentenwahl und gur Entgegennahme des Gelöbnisses des neuen Präsidenten einberufen.
Aus aller Wett.
Drei Tote bei einem Aulozufammensioh.
An der Siegener Stadtgrenze stießen zwei Personenkraftwagen in voller Fahrt zusammen, von denen einer sofort in Brand geriet. Der Kraftwagenführer und sein Begleiter, der neben ihm saß, beide aus Siegen, tarn en inben Flammen u m. Der Fahrgast konnte noch aus dem Wagen herausspringen. Er hatte aber bereits so starke Brandwunden erlittten, daß er bald darauf im Siegener Krankenhaus ft a r b. Die Insassen des anderen Wagens, der aus Eiserfeld kam, wurden leicht verletzt.
Personenzug überfährt einen Lieferwagen.
Der Personenzug 1712 Overath—Siegburg überfuhr auf dem unbeschrankten Bahnübergang vor Dem Bahnhof Wahlscheid einen Lieferwagen. Fahrer und Mitfahrer wurden getötet. Der Lieferwagen wurde vollständig zertrümmert, die Lokomotive nur geringfügig beschädigt. Der Lieferwagen hatte den Uebergang überfahren, obwohl von der Lokomotive Pfeif- und Läutesignale gegeben worden waren.
Schweres Flugzeugunglück in Destsiblrien.
Das Moskauer Personenfluazeug, das am 24. November nach Karaganda in Kafakstan abgeflogen und seitdem verschollen war, ist im Gebirge bei der Stadt Karkaralinsk zertrümmert aufgefunden worden. Die drei Fluggäste und der Flieger Bertys sind bei dem Unglück ums Leben g e- kommen.
Heun Todesopfer eines Brandes bei Irkutsk.
In einer Siedlung bei Irkutsk (Sibirien) brannte ein zweistöckiges Haus nieder, in dem 160 Personen wohnten. Neun Menschen fanden den Tod in den Flammen.
Brandstifter nach zehn Jahren überführt ~ und verurteilt.
Das Koblenzer Schwurgericht verurteilte in Lauschied (Kr. Kreuznach) den Fr. B o l l e n b a ch aus Lauschied wegen Brand st iftung in Verbindung mit Versicherungsbetrug zu 1% Jahren Zuchthaus und 100 Mark Geldstrafe. Ferner wurden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre aberkannt Bollenbach hatte durch die Zerstörung seines Hauses durch Brand am 8. Mai 1925 eine Versicherungssumme erhalten. Bereits
damals schöpfte man Verdacht, doch konnte man ihm in der Gerichtsverhandlung nichts nachweisen. Erst jetzt, unmittelbar vor der Verjährung, griff die Landeskriminalstelle Köln den Fall noch einmal auf und es gelang, Bollenbach der Brandstiftung zu überführen.
Sechs Kinder im brennenden Bauernhaus umgekommen.
In einer der letzten Nächte entstand auf einem dänischen Bauernhof in der Nähe von Hjörring ein Brand. Sechs Kinder der Bauernfamilie im Alter von 6 bis 18 Jahren schliefen in Bodenräumen. Drei von ihnen e r ft i cf t e n in den Betten. Die drei anderen Kinder rannten bis zur Treppe, wo ihnen Rauch und Flammen den Weg versperrten. Sie kamen gleichfalls in den Flammen um.
Weiterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausqabeort Frankfurt.
Der Vorstoß eines Atlantik-Wirbels zur Nordsee brachte dem europäischen Festland eine Zufuhr feucht- milder Meeresluft. Während sie sich in Frankreich unter Regen bis zum Boden durchsetzte, kam sie an der über Deutschland liegenden Kaltluft zum Aufgleiten und gab Anlaß zu verbreitetem Schneefall. An der Rückseite stoßt zur Zeit polarmaritime Luft über England nach Frankreich vor und wird auch bei uns zunächst unter Aufheiterung wieder eine Verstärkung der nächtlichen Froste bringen. Später werden neue (Störungen Die Niederschlagsneigung wieder zunehmen lassen, doch ist das Aufkommen einer ausgesprochenen milden Westströmung zunächst noch unwahrscheinlich.
Aussichten für Dienstag: Zeitweilig aufheiternd und meist trocken, nächtliche Fröste wieder zunehmend, späterhin wieder stärkere Niederschlagsneigung, weist südliche und westliche Winde.
Aussichten für Mittwoch: Voraussichtlich unbeständigeres Wetter mit Niederschlägen, Temperaturen bei 0 Grad.
Lufttemperaturen am 15. Dezember: mittags — 2,9 Grad Celsius, abends —2,6 Grad; am 16. Dezember: morgens — 1,2 Grad. Maximum —0,8 Grad, Minimum — 3,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Dezember: abends 0,1 Grad; am 16. Dezember: morgens 0 Grad. — Schnee 4 cm.
Wintersporl'Welternachrichlen.
Vogelsberg, Hochwaldhausen: bedeckt, — 3 Grad, 30 Zentimeter Gesamtschneehöhe, 7 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut.
Rohn, Wasserkuppe: Schneefall, —6 Grad, 21 Zentimeter Gesamtschneehöhe, 2 Zentimeter Neu» schnee, verharscht, Ski und Rodel gut.____________
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.A. XL 35: 11030. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.


