Ur. 269 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, (6. November (955
Der Hausbau auf dem Hoherodskopf.
Der Führerrat des Vogelsberger Höhen-Clubs plant die Schaffung eines neuen Klubhauses auf dem Hoherodskopf. Der Neubau soll schrittweise nach Maßgabe der verfügbaren Geldmittel Zustandekommen, d. h. von einem gewissen Umfang des Geldvorrates aus will man bauen und dabei so verfahren, daß zu späterer Zeit beim Fließen weiteren Geldes Anbauten vorgenommen werden können. Bis zur endgültigen Erledigung des Gesamtbauplanes sollen die jetzigen Klubhäuser auf dem Hoherodskopf noch benutzt werden, man will aber keine weiteren Geldausgaben für Reparaturen an und in diesen Häusern machen. Ziel des geplanten Bauunternehmens ist die Bereitstellung eines gegenüber den jetzigen Verhältnissen wesentlich vermehrten Unterkunftsraumes für die Besucher, deren Zahl sich in den letzten Jahren ständig stark aufwärts entwickelt hat. Man will damit auch beitragen zu der verstärkten Erschließung des Dogelsberges für den Fremdenverkehr, die durch den großzügigen und anerkennenswerten Ausbau der Landstraßen durch unser heimisches Gebirge im allgemeinen und im Oberwald im besonderen recht verheißungsvolle Aussichten erhalten hat.
In einer außerordentlichen Hauptversammlung des VHC., die am 26. Oktober in Gießen stattfand, wurde den vom Führerrat geplanten baulichen Veränderungen auf dem Hoherodskopf nach Maßgabe der vorerwähnten Gesichtspunkte einmütig zugestimmt. Nunmehr ist es Sache der Z w e i g vereine, in ihrem Rahmen einen Teil der finanziellen Voraussetzungen für die Verwirklichung des Bauplanes zu schaffen. Einen vortrefflichen Auftakt dazu hat der Zweigverein Grünberg bereits gegeben, der aus den Reihen seiner Mitglieder bis zu jener außerordentlichen Hauptversammlung schon die Zeichnung von rund 1200 Mark aufgebracht hatte. Daneben hat sich auch bei sportlichen Organisationen, die an der Schaffung besserer Verhältnisse auf dem Hoherodskopf interessiert sind, die Bereitwilligkeit zur finanziellen Mithilfe gezeigt. Der Führerrat des Gesamtoereins hofft außerdem, daß er auch bei den Leitern der Provinz- bzw. der Kreis- und Stadtverwaltungen in Oberhessen und in den angrenzenden preußischen Bezirken, daneben bei den anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften Gehör für seine Pläne und finanzielle Hilfe zu deren Verwirklichung finden wird. Dabei läßt er sich zutreffend von dem Gedanken leiten, daß.der Hoherodskopf ja nicht nur eine Stätte für die Mitglieder des VHC. ist, sondern schlechthin der Berg.unserer oberhessischen Heimat überhaupt, auf dem alle Volksgenossen aus allen Teilen der Provinz und besonders auch aus den benachbarten preußischen Bezirken Erholung von der Arbeit des Alltags und Kraft zu neuem Schaffen suchen. Daher, so betont man im Führerrat des Gesamt-VHC. einstimmig, erwachse der Allgemeinheit eine unabweisbare Verpflichtung zur Mithilfe bei der Schaffung neuzeitlicher und ausreichender Unter- kunftsoerhältnifse in diesem unter gemeinnützigen Gesichtspunkten der Volksgesamtheit dienstbaren Werk.
Wer als Unparteiischer die Verhältnisse auf dem Hoherodskopf von sachlichen Gesichtspunkten aus betrachtet, muß zugeben, daß dort oben eine gründliche Verbesserung dringend notwendig ist. Wir wissen aus eigener Kenntnis der Dinge, daß der Klubwirt Bender mit feiner Familie alles tut, um den Erfordernissen des Besucherverkehrs nach bester Möglichkeit Rechnung zu tragen. Aber die räumliche Unzulänglichkeit in den jetzigen Häusern gegenüber dem außerordentlich stark angewachsenen Fremdenverkehr kann auch er nicht soweit beheben, daß jedermann ausreichend gedient wäre und der Rahmen des starken Gesamtverkehrs seine vollkommene Ausfüllung erführe. Die Verhältnisse liegen eben so, daß man aus unabweisbaren sachlichen Notwendigkeiten heraus zur Schaffung neuen Raumes schreiten muß, und da hierfür in den jetzigen Klubhäusern die einfachsten baulichen Voraussetzungen nicht gegeben sind, kann nur ein Neubau als befriedigende Lösung und als verheißungsvoller Ausgangspunkt für die weitere Aufwärtsentwicklung des Fremdenverkehrs im hohen Vogelsberg in Betracht kommen. Diese
zwingende Lage der Verhältnisse muß man sich in den Zweigvereinen des VHC., aber auch bei den übrigen zur Hilfeleistung vorgesehenen Stellen klar vor Augen halten. Man muß dabei weiter bedenken, daß ja nicht nur der Vogelsberger Höhen-Club als Träger der gemeinnützigen Klubhaus-Einrichtung auf dem Serge unserer Heimat an dem Fremdenverkehr interessiert ist, auch nicht nur die Stadt Schotten und die Landorte jenes Bezirks, sondern daß die Gesamtheit unserer Provinz und damit die Volksgenossen in allen Schichten und Berufen irgendwie Vorteile von einem ver - stärkten Fremdenzustrom in unser engeres Heimatgebiet erwarten können. Von diesen Erwägungen ausgehend ist ja auch schon seit Jahren von der früheren Verkehrs-Werbeorganisation unserer oberhessischen Heimat, dem Verkehrsbund Oberhessen, und nach dessen Verschmelzung mit dem Landesverkehrsoerband Rhein-Main von dieser zentralen Werbestelle aus alle Arbeit auf die Befriedigung des Gesamtinteresses, insbesondere in der Fremdenverkehrswerbung für den Vogelsberg, abgestellt worden.
Der gute nationalsozialistische Grundsatz „G e - meinnutz vor Eigennutz" hat besonders hier seine volle Berechtigung. Kein Einzelverein, kein Einzelmitglied und auch kein Ort darf sich auf den Standpunkt stellen, daß diese Sache ihn nichts angehe. Jeder muß sich vielmehr fegen, daß er als kleiner Teil einer großen Gemeinschaft an seiner Stelle seine Pflicht tun muß, um den sachlichen Notwendigkeiten der Gesamtheit Genüge zu leisten. Man darf sich auch nicht von dem Gedanken leiten lassen, daß nach der zeitgemäßen Erschließung des Vogelsbergs mehr Besucher in unser heimisches Waldgebirge kommen, als man in früheren Jahren dort zu sehen gewohnt
Oie Baumpflanzung im Brauchtum.
Briefmarkensammlern wird es bekannt sein, daß in den letzten Wochen die neueste amerikanische Marke zu Ehren der 60. Wiederkehr der Gründung des „Baumtages" herausgegeben wurde. Diese Erinnerungsmarke erscheint nur in Rot zu 2 Cents und stellt die Pflanzung eines Jungbaumes in freier Flur dar, ausgeführt durch einen Jungen und ein Mädchen im schulpflichtigen Alter. Welche Bewandtnis hat es wohl damit? Aufschluß gibt eine Arbeit in dem „Forstwissenschaftlichen Zentralblatt", in dem zu lesen ist: „Dor allem wird dem Siedler der Wert der Bäume als Schutz für feine Wohnung und als Unterkunft und Schattenspender für feine Herden klargemacht. Die Unterrichtsbehörden unterstützen diese Bemühungen eifrig durch regelmäßig wiederkehrende „Arbor-Days" (Baumtage), an denen von allen Schulen und auch von vielen Gemeindeverwaltungen, Verkehrs- und Verschönerungsvereinen Bäume gepflanzt werden."
Doch nicht nur in der neuen Welt werden solche Baumtage festlich begangen. Auch in Italien sind sie zu besonders wirkungsvollen Volksfesten geworden. Welch' hohe Bedeutung man diesen Feiern dort beilegt, erhellt am besten daraus, daß selbst Mussolini öfters daran teilnimmt. Gewiß bringt fast immer jede Neupflanzung materiellen Gewinn, wenn auch meistens erst den kommenden Geschlechtern. Weit höher ist aber der sittliche Wert solcher Feiern, nämlich die Verbindung mit der heimatlichen Erde, das Sichverwachsenfühlen mit der Scholle, aus der wir immer und immer wieder Kraft zu schöpfen vermögen.
Jedermann, der es mit unserem Volke und Volkstum gut meint, wird im allgemeinen das unsinnige Nachahmen fremder Bräuche verurteilen. Hier aber dürfen wir ruhig einmal unsere Blicke über die Grenzen lenken, zumal es ja eine urgermamsche Sitte ist, „Maibäume" zu pflanzen. Der Sinn für feierliche Baumpflanzungen ist ja auch bei uns noch vorhanden. Welche Gemeinde hätte nicht ihre Gedenkbäume, die geschichtliche Erinnerungen wachhalten sollen! (Friedenseiche, Schillerlinde.) Hierher gehört auch das Setzen der „Maien" zu Ehren des
war, die weite und große Einsamkeit der Wälder und Berge damit also eine gewisse Einengung erfahren könnte. In Wirklichkeit ist es doch so, daß der Freund der Waldeseinsamkeit auch künftighin noch genug Platz haben wird, an dem er sich ungestört der Schönheiten der Natur erfreuen und sich geistig und körperlich stärken kann. Aber auch ihm wird es zugutekommen, wenn er nach einsamen Streifen durch die herrlichen Wälder eine Erholungsstätte findet, die ihm ein angemessenes Unterkommen für die Nacht und ausreichende Erfrischungsmöglichkeiten zur Stärkung seiner körperlichen Kräfte zu bieten vermag. Es ist schon immer so gewesen — und es wird auch in diesem Falle so sein —, daß man den Erfordernissen der Entwicklung keine künstlichen Hindernisse entgegensetzen soll,' sondern besser verfährt, wenn man den zwingenden Notwendigkeiten zur rechten Zeit in der rechten Weise Genüge leistet. Diese Lage der Verhältnisse ist hinsichtlich des geplanten Hausbaues auf dem Hoherodskopf unzweifelhaft gegeben. Aus dieser Erkenntnis der Dinge gilt es, bereitwillig die Konsequenzen zu ziehen. Das kann nur nach der Richtung hin geschehen, daß alle leistungsfähigen Kräfte in den Zweigvereinen des VHC. und auch die öffentlichen Stellen unserer engeren Heimat sich zusammentun zu einer geschlossenen Arbeits - und Opfergemeinschaft mit dem Ziele, das neue Klubhaus auf dem Hoherodskopf baldmöglichst errichten zu lassen. Möchte zu diesem Zwecke überall die Gebefreudigkeit recht lebendig fein, wobei ein Ansporn noch darin liegen mag, daß die Zeichnungsbeträge nicht auf einmal zu zahlen sind, sondern in mehreren Abschnitten geleistet werden können. Wer bei diesem Werke wacker mithilft, leistet guten Dien ft an unserer oberhessi- f cf) e n Heimat und ihrer weiteren wirtschaftlichen Entwicklung.
neuen Ortsoberhauptes, das oft in Anwesenheit der ganzen Dorfschaft ausgeführt wird und deren Schmückung mit Bändern und Kränzen sich die Dorffu^nen besonders angelegen sein lassen. Der Große Kurfürst befahl schon, daß jeder Bauer zu seiner Verheiratung sechs veredelte Obstbäume zu pflanzen hatte. In einer Gemeindechronik eines oberhessischen Dorfes (Steinheim) ist folgender Beschluß des Ortsvorstandes zu lesen: „Jeder Ge- meinsmann ist verpflichtet, in diefem Jahre 1809 drei Zwetfchenbäume auf Gemeindeland zu fetzen, und soll jeder seine 3 Stämme in Ordnung halten, aber auch den Nutzen davon haben bis 1824, wo aber alle Bäume der Gemeinde zufallen."
Es wäre wünschenswert, daß solche alljährlich wiederkehrende Neupflanzungen überall zur Einführung kämen, und zwar Pflanzungen durch die Schuljugend. Daß es sich dabei nicht um Wildbäume, sondern um Obstbäume handeln muß, versteht sich bei dem praktischen Sinn unserer Zeit von selbst. Und gerade Zwetfchenbäume sollten es sein, da deren Bestand ja im letzten Jahrzehnt gewaltig verringert wurde. Schulen, Gemeindeverwaltungen und vor allem die Obst- und Gartenbauvereine müssen hier Hand in Hand arbeiten. Jede Gemeinde hat bestimmt genügend Land zur Verfügung. Ganz sicher wird sich ein solcher Versuch lohnen.
Daß auch heute die Sitte der Baumpflanzung durch die Jugend noch in Uebung ist, beweist eine Mitteilung aus Grünberg in Schlesien. Dort erhalten die zur Schulentlassung kommenden Schüler und Schülerinnen, deren Eltern im Besitze eines Stückes Land sind, mehrere besonders anbauwürdige Sorten unentgeltlich. Man will auf diese Weise Liebe und Verständnis für den Obstbau wecken und den Baumbestand vermehren.
In der Stadt Hameln wurde durch eine Elternversammlung der Beschluß gefaßt, den Abc-Schützen am ersten Schultage ein Obstbäumchen statt der bisher üblichen Süßigkeiten zu überreichen. Ilster Anleitung von Erwachsenen fallen die Kinder die Jungbäumchen pflanzen, um durch das Wachstum ihrer eigenen Saat den Segen des Bodens kennen zu lernen. Außerdem erzieht der Besitz eines solchen Bäumchens zum Gemeinschaftssinn, der im
Aus der Provinzialhauptstadt.
Nachdruck verboten!
13. Fortsetzung.
ich nicht bestehen. Ich habe die Synthese gefunden. Hören Sie gut zu. Ich mache keinen schlechten Spaß. Was zahlen Sie mir, wenn ich Ihnen Basilius in die Hand liefere?"
Lena Basfenberg merkte, daß ihre Stimme versagen wollte. Aber sie fragte noch: „Was heißt denn das: in die Hand liefern?"
Er verstand sie sofort. „Ich will ihn nicht anzeigen. Fürchten Sie keine Ungeschicklichkeiten von meiner Seite. Ich beherrsche die Materie vollkommen. Bisher spielte ich auf Basils Seite. Aber noch einmal gesagt: Sie tun mir leid. Ich lasse mir mein Mitleid etwas kosten. Von den 60 000 Mark, die Basil fordert, wäre ein großer Teil an mich gefallen. Mit wieviel können Sie mich bar entschädigen, wenn die Affäre beigelegt wird?"
Lena Baffenberg, entsetzt über sich selbst, daß sie diese Unterhaltung führte, stieß hervor: „Aber rote könnte das geschehen? Basilius wird niemals etn- roilligen?" _ , .
„Ich bin bereit. Ihnen ein kleines Geheimnis Basils zu verraten, das ihn sich sofort zurückziehen läßt, wenn er es in Ihrem Besitz weiß."
„Und wenn Sie mich betrügen?"
Jolly war auf solchen Einwand gefaßt. Er war nicht gekränkt. „Sie brauchen nur zu zahlen", sagte er .wenn Ihnen das Mittel probat erscheint Wir treffen uns, ich erzähle Ihnen, was ich zu sagen habe — dann zahlen Sie oder zahlen nicht.
Er lachte in den Apparat. „Sie werden bestimmt zahlen Frau Bassenberg. Wüßte ich das nicht genau, würde ich solches Risiko nicht zu laufen wagen. Ick frage Sie nun: wieviel wollen Sie zahlen-'
Was wollen Sie haben?"
"Unter Verpflichtung Ihrer eits, Basilius nicht ™ oerraten von wem Sie Ihr Wissen erhielten, wär- ich mit der Halste der van Basilius gestellten ^°Jch"lmll^e^versuch-n", sagte sie nach kurzem Bedenken. Dach lieh Jolly sich damit nicht abspeisen.
nser Nein!" forderte er.
" ,Ja denn", tagte sie. „Ich will nnfu^en fotrtd Geld zusammen zu bekommen. Wo treffe ich
rufe Sie morgen um dieselbe Stunde an. «BÄt Ihnen das? Gut. Sie sagen mir morgen, ob Sie das Geld bereit haben. Wir treffen uns bann später. Ich steige an einer bestimmten Stelle m
Er betrat die Zelle eines Fernsprechautomaten, hakte die Tür sorgsam hinter sich zu und schlug das Telephonbuch auf. . <.
Leicht sand er den Prwatanschluß, denn er suchte Konsul Bernhard Bassenberg, Mittelweg. Das war die Nummer. Er rief an. Eine weibliche Stimme, wohl eine Bedienstete des Hauses, meldete sich. „Hier bei Konsul Bassenberg".
Jolly hüstelte. „Ist der Herr Konsul im Hause? ^.Nein", bekam er zur Antwort. „Herr Konsul ist im Geschäft. Wissen Sie di- Nummer?
„Ja, danke. Verbinden Sie mich dann bitte mit der gnädigen Frau. Sie ist doch im Hause? dann melden Sie, die Kriminalpolizei bittet sie um eine kurze Auskunft." o „
Das Mädchen stellte die Verbindung her. Lena Bassenberg sagte mit unsicherer Stimme: „Wer spricht dort? Hier Frau Konsul Bassenberg.
Jolly war befriedigt; fein hatte das geklappt. Gnädige Frau", begann er, „kann unser Gespräch bei Ihnen im Hause mitgehört werden? Es ist in Ihrem Interesse wichtig, daß Sie antworten.
Natürlich will ich antworten. Es kann hier niemand mithören. Welche Auskunft wünschen Sie? Wäre es nicht besser, Sie rufen meinen Mann im K I^lly "schüttelte gedankenlos den Kopf, als sehe die Frau das. „Hier spricht nicht die Polizei , verriet er „das habe ich nur dem Mädchen gesagt, damit Sie erklären können, weshalb ein fremder Mann Sie anruft."
Aber — wer ist denn dort?" Die Stimme kam önaftlick Lena Baffenberg war verständlicherwei e Evös; sie Mterte vor der nächsten Stunde, die hi» Katastrophe bringen konnte.
Lasten Sie mich meinen Namen vorläufig verschweigen Sie kennen mick^ jedoch. Spater werden
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Vornan von Frank $. Braun.
Ihr Auto. Wir verabreden das morgen. Einverstanden?"
„Ja", sagte sie. Es kam sehr leise, aber Jolly verstand es. Er hängt ab.
Als er auf die Straße trat, stellte er befriedigt fest, daß niemand ihn verfolgt hatte. Alle Menschen liefen hastig an ihm vorbei. Er wartete, beobachtete und bestieg dann beruhigt eine Straßenbahn, die ihn wieder zur Stadt brachte.
Er hatte sich beim Gänsemarkt ein Zimmer gemietet. Feudal im Hotel zu wohnen, wie es Basilius tat, wünschte er nicht. Aber er mußte an dem Hotel vorbei und ließ sich durch das Haustelephon verbinden. Er wollte eigentlich nur hören, ob Basilius auf feinem Zimmer war. Es hätte ihn vollends beruhigt, denn diesem Basilius war alles zuzu- trauen. Er bekam auch in dieser Hinsicht beruhigende Auskunft. Basilius war oben, aber er bat ihn, zu warten.
Basilius kam herunter, fast, als habe er auf Jollys Besuch gewartet und habe bereits gestanden; er verließ mit ihm das Hotel.
Auf der Straße sagte er: „Reußing wird aktiv. Er hat nach mir geschickt. Ich werde hingehen."
„Natürlich, Basil. Reußing kann nichts wissen." „War er schon bei dir?"
„Ich weiß es nicht. Ich müßte meine Wirtin fragen."
„Warst du denn noch nicht im Hause?" Basilius sah den Kumpan verwundert an.
„Ich war im Alsterpavillon, habe Kaffee getrunken", log Jolly. „Was soll ich im Hause, in der öden Bude."
Sie gingen die wenigen Schritte bis zum Ganfe- marft und stiegen nebeneinander die Treppen. Auf ihr Klingeln öffnete eine mißgelaunte Wirtin und ließ sie ein; aber sie folgte gleich nach.
„Sie, Herr Jolly", sagte sie unwirsch, „das paßt mir aber nicht, da suchen Sie sich gefälligst em anderes Zimmer. Mit der Polizei will ich nichts zu tun haben, und Mieter, die von der Polizei gesucht werden, möchte ich schnellstens wieder loswerden!"
Basilius und Jolly schauten sich an. „Wer war denn hier, beste Frau?", fragte Jolly. „Es handelt sich wahrscheinlich um eine Paßangelegenheit. Wir sind von Oesterreich zugereist, da hat man allerlei Formalitäten zu erledigen."
Austausch und Verschenken der Früchte und gemeinsamer Pflege seinen schönsten Ausdruck findet. Hof- fentlich findet dieses schöne Beispiel viel Nachahmung.
Aus den Dörfern Lang-Göns und Nieder« Florstadt wurde in den letzten Tagen berichtet, daß dort gelegentlich einer im alten Stile gefeierten Hochzeit das Pflanzen der „Ehebäume" wieder eingeführt wurde Jedes junge Paar muß auf einem der Gemeinde gehörigen Äcker mit jungfäulichem Boden zwei Stämmchen pflanzen. Die Obstgattung wird den Bodenverhältnissen entsprechend vom Ge- meinbebauernroart bestimmt, dem auch die weitere pflegliche Behandlung der Bäume obliegt.
Vornoiizen.
Tageskalender für Samstag.
Stadttheater (Ring Deutsche Bühne): 20 bis 22.15 Uhr „Holzappel". — Gloria-Palast, Sei- tersweg: „Die Pompadour". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Künstlerliebe". — Eifenbahner- Heimstätten-Verein e. G. m. b. H., Gießen: 20 Uhr im Hotel Hopfeld Mitgliederversammlung. — Män- nerturnoerein Gießen e. V.: 20 Uhr turnerischer Abend im Saale des Cafe Leib aus Anlaß des 50- jährigen Bestehens.
Tageskalender für Sonntag.
NSG. „Kraft durch Freude": 20 Uhr in der Volkshalle große Variete-Sondervorftelluna des Frankfurter Schumann-Theaters. — Stadttheater: 19 bis 22 Uhr „Vogelhändler". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Die Pompadour". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Künstlerliebe". — Gießener Kon- zertverein: 17 Uhr in der Universitätsaula Liederabend Gustav Bley. — Männerturnverein Gießen e. V.: Feier des 50jährigen Bestehens, 11 Uhr Gedächtnisfeier am Ehrenmal und Kranzniederlegung am Jahngedenkftein, 19 Uhr Familienabend in den Räumen des Gefellfchaftsvereins. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 13 Uhr Ausstellung friesischer Maler der Gegenwart.
Stadttheater Gießen.
Für die am Sonntag, 17. November vormittags 11 Uhr, stattfindende Porftellung der HI. und des BDM. „Holzappel", ein luftiges Volksstück von H. A. Weber, sind noch Karten im freien Verkauf zu ermäßigten Preisen an der Tageskasse und vor der Vorstellung zu haben. (Siehe heutige Anzeige!)
Spielplan des Stadttheaters vom 17. bis 24. November.
Aus dem Büro des Gießener Stadttheaters wird uns geschrieben:
Sonntag, 17. November, 11 bis 13.15 Uhr geschlossene Vorstellung für HI. und BDM. „Holzappel", ein lustiges Bolksstück von H. A. Weber. Die Spielleitung hat der Intendant. 19 bis 22 Uhr der große Schlager „Der Vogelhändler", Operette von Karl Zeller. In der völlig neuen Inszenierung der Münchner Fassung. Die Leitung der Operettenaufführung haben: Walter-Wrede-Schult- h e i s. — Montag, 18, November, 20 bis 22 Uhr tanzt Deutschlands große Tänzerin Palucca in ihrem einmaligen Gastspiel. Äm Flügel: Victor Schwinghammer, Dresden, „Palucca tanzen zu sehen ist ein Erlebnis". — Äm Dienstag, 19. November, von 20 bis 22.15 Uhr geht erstmalig das entzückende Lustspiel „Straßenmusik" von Paul Schurek, mit Musik von Will Weisel, in Szene. Die Spielleitung des Lustspiels, mit dem das Stadttheater Gießen in Bad Nauheim einen großen (Erfolg erringen konnte, liegt in den Händen von Kurt L ü p k e. Die Vorstellung gilt zugleich als 8. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. — Mittwoch, 20. November, von 19 bis 22 Uhr Wiederholung des großen Erftaufführungserfolges „Peer Gynt", dramatisches Gedicht von Henrik Ibsen. Hans von S p a l ( a r t hat seiner Bearbeitung und Inszenierung die Uebersetzung von Dietrich Eckart zu Grunde gelegt. Die musikalische Untermalung gibt die Musik von Edward Grieg. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Die Vorstellung gilt zugleich als 8. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. — Freitag, 22. November, von 20 bis 23 Uhr kommt als Erstaufführung: „Der Waffenschmied", Komische Oper von Lortzing zur Aufführung, Musikalische
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Die Wirtsfrau schüttelte den Kopf. „Nein", sagte sie, ihrer Sache sicher: „Dom Paßamt waren die Beamten nicht, die Sie sprechen wollten. Das waren Kriminale! Einer vom Paßamt hätte mich nicht so ausgefragt, wie der Inspektor es machte. Dabei konnte ich ihm gar nichts sagen, denn ich weiß doch selber nicht, wo Sie in der letzten Nacht gesteckt haben und weshalb Sie nicht nach Hause gekommen sind."
„Weil ich bei meinem Freund war!"
„Da gehen Sie nur hin aufs Kriminalrevier und erzählen Sie den Beamten das. Die Vorladung liegt auf Ihrem Tisch."
Sie stieß die Tür in das abvermietete Zimmer auf und trat zurück. „Also hiermit habe ich Ihnen zum kommenden Ersten gekündigt", stellte sie nochmals fest, „vergessen Sie es nicht. Wenn möglich, verschwinden Sie eher!"
Jolly nickte nachdenklich. „Es ist gut", sagte er, aber er dachte schon gar nicht mehr an die empörte Wirtin.
Basilius zog ihn ans Fenster, weit von der Tur fort. Sie unterhielten sich im Flüsterton.
Ihre Gesichter, hart und verbissen, ähnelten sich jetzt geradezu. Sie mochten eben noch getrennte Wege gegangen sein. Hier einte sie etwas. Basilius redete. Zuweilen nickte Jean Jolly und pflichtete mit einem Knurren bei.
„Wir müssen ihn erledigen, bevor er zum Fragen kommt."
„Er hat schon gefragt. Er hegt schon einen Verdacht, Basil. Wir müssen ihn sofort erledigen! Und damit nicht wieder ein Zweifel auftaucht, was dieses Wort hat bedeuten sollen: ein toter Krimi- naloberinspektor fragt nichts mehr!"
Basilius lächelte dünn. „Reußing ist mein spezieller Freund , sagte er. „Laß ihn mir."
Die Worte waren auf einem sonderbar heiseren Ton gehalten. Selbst Jolly erschauerte, als er wortlos den Kopf neigte. Sie verließen die ungastliche Wohnung.
Die Wirtin schloß die Tür hinter ihnen. Dann ging sie nach vorn, pochte an die Tür des Zimmers, das jenem benachbart lag, welches Jolly gemietet hatte und rief halblaut: „Sie sind weg, Herr Oberinspektor, kommen Sie heraus."
(Fortsetzung folgt!)


