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Nr. 242 Zweiter Blatt
Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 16. Oktober |935
40 Zahre im öffentlichen Dienst
Der beim Finanzamt Gießen beschäftigte Steuerinspektor Adam A m e n d kann am heutigen Mittwoch auf eine 40jährige Dienstzeit zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden ihm oom Vorsteher des Finanzamts im Auftrage des Führers und Reichskanzlers die besten Wünsche sowie Dank und Anerkennung für die geleisteten Dienste ausgesprochen. Ebenso wurden ihm die besten Wünsche des Reichs- miniskers der Finanzen und des Präsidenten des Landesfinanzamts übermittelt.
Am heutigen Mittwoch begeht der Verwaltungs- Oberinspektor Ferdinand Steffen aus Gießen fein 40jähriges Dienstjubiläum beim Versorgungsamt Gießen. Aus Anlaß dieses Tages wurde dem Jubilar in würdiger Weise von dem Amtsleiter ein vom Führer und Reichskanzler gefertigtes Glückwunschschreiben überreicht. Dabei wurde ihm der Dank für seine dem Reiche treu geleisteten Dienste und die besten Wünsche der Reichsregierung und der vorgesetzten Dienststellen sowie sämtlicher Beamten, Angestellten und Arbeiter des Versorgungsamtes Gießen ausgesprochen.
Der Gendarmerie - Hauptwachtmeister Michael K o 1 b* in Gießen, geboren zu Babenhausen, kann am heutigen 16. Oktober auf eine 40jährige Dienstzeit zurückblicken. Herr Kolb kam am 1. April 1908 zur Gendarmerie in Gießen. Am 5. August 1914 wurde er zur Feldgendarmerie des XVIII.
Armeekorps einberufen, wo er bis zum 28. Juni 1917 als Feldgendarm Dienst tat. Dann kehrte er wieder in den Gendarmeriedienst nach Gießen zurück, wo er seitdem ununterbrochen wirkt. Dem Jubilar wurde von dem Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, ein ehrenvolles Anerkennungsschreiben geschickt, in dem der Reichsstatthalter dem Jubilar volle Anerkennung für seine langjährige treue Dienstführung ausspricht. Ober- regierungsrat Dr. S ch ö n h a l s vom Kreisamt Gießen brachte dem Jubilar in Gegenwart der übrigen Gendarmeriebeamten die herzlichen Glückwünsche und die volle Anerkennung des Kreisamtes für feine allezeit dienstfreudige und hingebungsvolle Tätigkeit zum Ausdruck.
Deutsche Arbeitsfront.
Achtung Wanderwarte!
Am Sonntag, 20. Oktober, veranstalten wir eine Fußwanderung nach Krofdorf, Forsthaus Waldhaus,
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Gießen, Marktplatz 5920A
Aus der Provinzialhauptstadt. I Wein und Honig in Oberhessen.
Ja, wir haben beides: Wein von unseren Aepfeln und Honig aus Zwetschen und Birnen. Es gibt wohl Volksgenossen im Rheinland, die den Kopf schütteln, wenn wir unfern Hohenastheimer loben. Sie wollen nichts vom Apfelwein wissen. Er ist ihnen zu sauer. Wir in Oberhessen aber schätzen ihn und freuen uns, wenn zu einem kräftigen Frühstück ein Glas des goldklaren Apfelweins erscheint. Liegt das *an unterer Natur, oder an dem Klima?
Die Feldarbeiten find ziemlich erledigt, und jetzt wird einmal der Vorrat, den uns die Aepfelbäume gaben, nachgefehen. Allzuviel ift es Heuer nicht. Aber schließlich kommt doch ein ganz schönes Häufchen zusammen, darunter leider auch — durch die Stürme verursacht — recht viel Fallobst. Ebenso sind wieder zahlreiche Früchte schorfig, trotz des Spritzens. Die guten Aepfel kommen in den Obst- schrank. Alle andern, recht gut gemischt, werden gewaschen, ausgeschnitten und in einer besonderen Mühle zerquetscht. Die Kelter steht bereit, und nach kurzer Zeit rinnt der süße Most aus den Früchten.
Das sind Arbeiten an Tagen, wenn es regnet und man im Felde doch nichts machen kann. Der Most kommt in die Fässer, oder in Korbflaschen, und schon nach einigen Tagen fängt er zu gören an. Der ganze Keller riecht danach. Einige Weinflaschen stehen aber schon bereit, damit wir süßen Most einfachen können. Er ist ein Lieblingsgetränk für unsere Kinder. Er wird einige Zeit erhitzt, dann setzen wir Gummihauben auf die Flaschen oder tauchen die Köpfe in einen besonderen Lack. Fertig ist der „Süße".
Auch die Birnen fangen an und werden weich. Viel sind es ja auch nicht, aber sie reichen doch zum Einschälen in den Honig. Das ist freilich kein Bienenhonig, sondern ganz einfaches Obstmus. Die letzten Zwetschen werden von den Bäumen geschüttelt, entkernt und kommen mit den geschälten Birnen in den Kessel. An das Keltern von Birnen können wir nicht denken, es sind zu wenige. Da helfen uns in diesem Jahre die Zuckerrüben, oder auch die Dickwurz. Sie geben einen ganz guten Saft. Es gibt freilich Feinschmecker, die von einem solchen Mus nichts wissen wollen. Es schmeckt ihnen zu „streng".
So strömt uns denn in diesen Tagen aus vielen Häusern der süße Honiggeruch in die Nase. Am Abend vorher wurden die Birnen geschält und die Zwetschen entsteint. Das ist eine mühselige Arbeit, ober Nachbarn und Verwandte helfen gern dabei. Man sitzt im Kreis in der Küche, und während die Messer ihre Schuldigkeit tun, gehen die munteren Gespräche flott von statten. Der letzte Zwetschenkuchen und ein guter Kaffee halten die fleißigen Frauen oft bis nach Mitternacht zusammen. Und zum Schluß streuen die Mädchen die bekannten „Gängelchen" von einem Haus zum andern, um anzudeuten, daß da ein besonderes „Verhältnis" besteht. An Scherzen und Neckereien fehlt es hierbei natürlich auch nicht.
Der Vater aber steht indessen in der Küche und rührt eifrig den neuen Honig, schürt das Feuer ordentlich und gibt den Kindern Unterweisung, wie der Honig gekocht wird. P.
Tageskalender für Mittwoch.
NSG. „Kraft durch Freude": 16.30 bis 17.30 Uhr Fröhliche Gymnastik und Spiele, Kantinengebäude der Firma Bänninger; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr „Cosi fan tutte". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das leuchtende Ziel". — Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: 20 Uhr im Zoologischen Institut, Bahnhofstraße 84, Vortrag „Die Nordseefahrt und das Ferienlager Gießener Biologen" — Oberh. Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 16 bis 17 Uhr Ausstellung friesischer Maler der Gegenwart, Kleintierplastik von Lily König
Stadttheater Gießen.
Heute, 19.30 Uhr, als dritte Vorstellung im Mittwoch-Abonnement, die komische Oper „Cosi fan
GießenerJungvolk im Herbst-Geländespiel.
Dichte Nebel lagen über Straßen und Gassen, hingen zäh in Bäumen und Sträuchern, über Wiesen unb Feld, als sich gestern morgen das Gießener Jungvolk an verschiedenen Plätzen des östlichen Stadtrandes einfand, um mit allen Mannen und vielen Wagen zum diesjährigen Herbst-Geländespiel auszuziehen. Die Jungen, schwer bepackt mit dem Tornister, störte das naßkalte Wetter nicht. Frohgemut sahen sie den kommenden drei Tagen entgegen, die ihnen draußen in Wald und Flur allerlei Erlebnis bringen sollten. Wußten die Pimpfe doch, daß es Geländespiel gab, harmlosen Krieg, Einquartierung bei den Bauern, Morgen- und Abenfeiern in den Dörfern und manches andere mehr.
Jedes Fähnlein hatte auch diesmal.wieder einige Bagagewagen mitzuführen, die mit aller Raffinesse doch unter der Verwendung der einfachsten Mittel hergerichtet waren. Selbstverständlich fehlte auch die Sanitätsabteilung nicht. Neben den Mannschaften zu Fuß "zogen auch die raschen Radfahrer aus. Die Spielmannszüge nahmen in voller Stärke teil.
Den eigentlichen Kampfplatz wird das Buseckertal 1 darstellen und zwar der Raum zwischen Trohe und Reiskirchen. Die Pimpfe, die sich in eine „rote" und in eine „weiße" Partei geteilt haben, werden vor- aussichtlich am morgigen Donnerstag unmittelbar am Lauf der Wieseck aufeinandertreffen.
Der gestrige Dienstag brachte nun zunächst ledig-1 lieh den Anmarsch in das Kampfgebiet. Mit Gesang und Trommelklang zogen die Pimpfe hinaus in die Dörfer und gingen zum Teil bereits in das Quartier, das sie diesmal bei den Bauern bezogen.
In den einzelnen Standorten entwickelte sich ein reges Leben. Befehle wurden ausgegeben, die Quartierscheine verteilt, die Anordnungen für die in den! Dörfern abzuhaltenden Feiern getroffen und die; Kommandos verteilt.
Im allmählichen Dorrücken werden nun, zunächst in kleinen Geplänkeln, die Parteien aufeinander- stoßen. Alle Vorbereitungen werden getroffen für das Hauptspiel am Donnerstag.
Wer wird Sieger fein? „Rot" oder „Weiß"?
Der Freitag wird eine gemeinsame große Schlußfeier bringen.
Telephon wird ausprobiert.
(Aufnahmen [3J: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Auf dem Anmarsch in das Kampfgelände. Jedes Fähnlein führt Bagagewagen mit.
tutte" von W. A. Mozart. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul Wrede. Ende 22.30 Uhr.
E-muc? n neue a?
Am morgigen Donnerstag, 17. Oktober, 11.30 Uhr, | wird das II. Bataillon Jnf.-Regts. 36, das bisher mit Teilen in der Pestalozzischule und in der Kaserne des I. Bataillons untergebracht war, feine neue, soeben fertiggestellte Kaserne an der Licher Landstraße beziehen. Aus diesem Anlaß findet nach Eintreffen der Kompanien auf dem Kasernenhof die feierliche Uebergabe der Gebäude seitens des Verstandes des Heeresbauamts, Regierungsbaurat Geißler, an den Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Schmidt, statt. An der Feier nehmen teil: die Vorgesetzten des Bataillons, die Vertreter der hier im Standort befindlichen Truppenteile, der Oberbürgermeister der Stadt, die Spitzen der am Ort befindlichen Behörden, die Dienststellen der Partei und ihrer Gliederung, sowie die Betriebsführer und etwa 100 Arbeiter und 20 Angestellte, die am Bau mitgearbeitet haben. Im Anschluß an die Feier erfolgt ein Rundgang durch die Kasernen. Ein einfaches Essen beschließt die Feier. Während dieser Zeit spielt die Regimentsmusik auf dem Ka- sernenhof.
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Zagdretten.
Bon Oberstleutnant a D. Benary
Als ich 5 Jahre alt war, schenkte mir mein Vater einen Pony, so groß wie einen starken Hund, schnallte ihm eine Decke auf, setzte mich ohne Bügel darauf und lieh mich Jagd reiten. Er führte damals die schnellsten Hunde in ganz Mecklenburg. Mein Pony lief wie ein Fohlen hinter seiner kleinen Fuchsstute her. Er sprang grundsätzlich fein Hindernis, lief einfach durch jeden Graben durch und um jeden Hochsprung herum. Gefahr bestand also für mich nicht. So bekam ich Passion. Seitdem packt mich, sobald der Wind über die Stoppeln geht, das Jagdfieber und hat mir noch in jedem Herbst zu einer Reihe guter Galopps über Gräben und Koppelricks in den verschiedensten Gegenden verhalfen: Hinter den Hasenhunden in Mecklenburg und Pommern, hinter der Schleppmeute in Hannover und Trakehnen, hinter den Schnitzelstreuern in der Prignitz und in Masuren. Selbst der Krieg konnte die Passion nicht brechen. In jedem Herbst sand sich ein Ruhetag oder wenigstens ein paar freie Stunden, wo man die durch langes Hocken im Unterstand steif gewordenen Knochen wieder einmal durch einen frisch-fröhlichen Galopp geschmeidig machen konnte.
Im Reichsheer führte mich das Schicksal in Standorte, die weit und breit über das beste Jagdgelände verfügten, und feit ich den Sattel mit dem Schreibtisch vertauscht habe, weiß ich, daß man mit ein wenig Lust und Liebe zum „Sport in Rot" in jedem Gelände eine gute Jagd anlegen und reiten kann.
Renn- und Turnierreiten wird immer nur die Domäne weniger Auserlesener bleiben. Im Herbst aber, im Jagd seid den Hunden oder dem Jagdherrn folgen kann jeder Reiter, wenn er Passion und das Herz auf dem rechten Fleck hat. Und durch keinen Zweig der reiterlichen Ausbildung werden die seelischen und körperlichen Eigenschaften von Reiter und Pferd so geschult wie durch Jagdreiten. Da bleibt dem Reiter nicht Zeit zu fürsorglichen Erwägungen in schwierigen Lagen. Nur schneller Entschluß ermöglicht es ihm, seinen Platz im Jagdfeld zu halten. Ein englischer Schriftsteller pflegte daher die Menschheit einzuteilen: „In men who hunt and men who don’t“, d. h. in Männer, die jagdreiten unb Männer, die es nicht tun.
England ift das klassische Land des Jagdreitens. Jagdreiten war und ist noch immer in England nicht lediglich der Sport der Oberen Zehntausend, sondern der Sport der breiten Masse, der Land
bevölkerung', der kleinen Farmer, und selbst der ehrsame Dorfgeistliche soll es nicht verschmähen in den Sattel zu steigen. Der Engländer jagt in der Regel den Fuchs, und wehe dem Bauern, der „Freund Reineke" eine schimpfliche Kugel in den Leib schießt, wenn' er ih» beim Hühnerdiebstahl überrascht, anstatt zu warten, bis die Hunde ihn ehrlich zu Tode hetzen. 172 Fuchsmeuten jagten nach Keudell vor dem Kriege in England, dazu eine beträchtliche Anzahl von Hirsch- und Hasenmeuten. Jede englische Grafschaft hat ihren eigenen Charakter. Ist die eine stolz auf ihre Hecken und Wälle, ist es die andere auf ihre Gräben und Koppelricks.
Das englische Jagdpferd, der H u n t e r , ist weltberühmt. Der englische Fuchshund sieht auf eine fast noch ehrwürdigere Vergangenheit zurück als das englische Vollblutpferd. Er kann ohne Ausnahme seinen Stammbaum über 200 Jahre auf drei Stammväter zurückführen. Durch weises Kreuzen der erprobten Hunde ist eine Rasse entstanden, die an Leistungsfähigkeit nicht so leicht zu überbieten ist: starke, muskulöse, nicht allzu große Hunde mit schmalen Hälsen und edlen Köpfen. Die Hasenhunde — Harriers — sind leichter und schneller, aber weniger ausdauernd, die Hirschhunde größer und stärker. Fuchs- und Hasenhunde zeigen meist viel Weiß mit braunen und schwarzen Flecken. In Frankreich wurde in früherer Zeit mit Vorliebe der Hirsch gejagt. Jetzt gehören Hirschmeuten auch zu den Seltenheiten. In Italien haben die Schlepp- und Fuchsjagden in der Campagna einen guten Ruf.
In Deutschland hat das Jagdreiten erst im Verlaufe des 19. Jahrhunderts Boden gewonnen. Vor dem Kriege jagten in Deutschland auf freier Wildbahn nur wenige Meuten Ich nenne die Hasenmeuten des Neubrandenburger und Pasewalker Parforce-Jagdvereins und die Brooker und Stargardter Meute. Eine viel größere Anzahl von Meuten jagte auf künstlicher Fährte und meist im Anschluß an die Schleppe auf ausgesetzte Keiler oder Bachen, allem voran die Kaiserliche Meute (ursprünglich im Grünewald, später in Döberitz), die Meute des Militär-Reitinstituts, die Trakehner Meute, und die Meuten zahlreicher Regimenter, Standorte und ziviler Parforce-Jagdreitervereine. Die einzige in Deutschland jagende Fuchsmeute, die Lissaer Meute des Grafen Mielczynski, ist schon eine geraume Weile vor dem Kriege eingegangen. Die in Deutschland jagenden Hunde gingen und gehen noch heute auf englische Stammeltern zurück. Das deutsche Iagdpferd kann sich mit dem englischen in jeder Weise messen. Es ist schwer zu
sagen, welcher Zucht man die Palme reichen soll. Ostpreußen, Hannoveraner, Mecklenburger, Brandenburger haben mich mit dem gleichen Schwung über die schwersten Sprünge getragen. Wenn ich einem den Vorzug geben soll, ist es aber doch der Vollblüter.
Die Jagd auf freier Wildbahn, die zweifellos die größten Reize bietet und an den Reiter die größten Anforderungen stellt, ist bei dem hochentwickelten Stand der deutschen Landwirtschaft aus Flurschadengründen nicht mehr möglich. Die Jagd hinter den Hunden auf künstlicher Fährte, die wenigstens die Illusion einer Jagd aufrechterhält, ist bei ihrer Kostspieligkeit in unseren Tagen auch nur unter besonders günstigen Verhältnissen (in Hannover, Trakehnen und in einigen anderen größeren Städten und Standorten) möglich. Im allgemeinen muß man sich mit Schnitzel jagden begnügen, d. h. mit Jagden, bei denen die Fährte durch Papierschnitzel dargestellt wird, denen das Jagdfeld unter Führung zweier Reiter „als Hunde" und des Jagdherrn folgt. Schlepp- und Schnitzeljagd haben den Vorteil, daß sie unter allen Umständen zu einem guten Galopp über eine Reihe dem Springvermögen der Pferde angepaßter Sprünge führen, während bei Jagd in freier Wildbahn es Vorkommen kann, daß der Jagdhase oder der Keiler das Feld in ein Gelände führt, wo es kaum etwas zu springen oder Hindernisse gibt, die beim besten Willen nicht zu überwinden sind
Träger und Erhalter des Jagdreitens ist nach dem Kriege in erster Linie das R e i ch h e e r gewesen, bei dem das Jagdreiten ein wichtiger, gar nicht zu entbehrender Dienstzweig ist. Aber mit der Zeit haben sich im steigenden Maße neben einzelnen Reitern und Reiterinnen aus dem Zivilstande die ländlichen Reit- und Fahrvereine, die heutigen Reiterstürme der SA., daran beteiligt, und heute schließen sich nur wenige von ihnen von diesem schönen Sport aus.
Wie verhält sich nun der junge Reiter im Jagdfeld? Vor dem Abreiten prüfe er Sattel- und Zaumzeug. Das Handwerkszeug muß in Ordnung fein. Die' Bügel schnalle er praktischerweife ein bis zwei Loch kürzer als in der Reitbahn. Durch einen weichen geschmeidigen Sitz mit abwärtsstrebendem Knie bei langen aber anstehenden Zügeln gestatte er dem Pferde die volle Entfaltung seiner Fähigkeit. Den tiefen Sitz im Sattel muß er besonders in schwierigem Gelände unter allen Umständen erhalten, dabei stets bereit sein den Schwerpunkt bei Rumplern rechtzeitig zu verlegen.
Den einmal im Jagdfeld gewählten Platz halte er inne. Am besten reite er in der Nähe des Jagd
Herrn. Da wird er nicht durch fallende und aus- brechende Pferde gehindert. Nie refte er auf Vordermann. Er hüte sich, fein Pferd im Anfang zu sehr zu treiben, lasse es langsam seine Fahrt finden. Temperamentlose Pferde reite er im Feld, heftige Pferde auf den Flügeln, wo er die Möglichkeit hat, im Notfall eine Volte nach außen zu reiten. Gegen Sprünge reite er fein Pferd gerade an, werfe zuerst das eigene Herz hinüber nach dem Grundsatz: Diesseits liegt ewige Schande und jenseits sicherer Tod! Im Sprunge störe er das Pferd so wenig wie möglich, halte es vor allem nicht fest, sondern gebe ihm so viel Luft, daß es den Hals lang machen kann Fällt sein Pferd, so rolle er sich vom Pferd weg, damit er nicht unter seiner Last begraben wird. Er halte aber die Zügel fest, sonst läuft fein Pferd ihm fort, stört das Jagdfeld, während er selbst mit hängender Zunge hinter dem Jagdfelde herkeucht. Bricht das Pferd aus, oder, refüsiert, so nehme er beim erneuten Anreiten darauf Bedacht, daß er die hinter ihm Reitenden nicht stört. Ist die Jagd zu Ende, sitze er sofort ab, lockere dis Gurte und führe sein Pferd an einer windgeschützten Stelle auf und ab. Nach Rückkehr in den Stall sorge er dafür, daß das Pferd* ordentlich abgewartet wird und karge nicht mit einer Belohnung (ein Stück Brot oder Zucker). Handelt der junge Jagdreiter so, wird er Freude an unserem schönen Sport haben. Aber nun sind der Worte genug gewechselt: „Wenn die Jagdhörner rufen, soll man die Tintenfässer schließen!"
HoAsM^notbrickten.
Professor Dr. Karl K ü p s m ü 11 e r, Ordinarius für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Danzig, ist zum ordentlichen Professor in der Fakultät für Maschinenwesen an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg ernannt worden.
Professor Dr. S. Krüger, der Leiter des ersten Zoologischen und tierphysiologischen Instituts der Universität Wien, hat zum 1. November einen Ruf an die Universität Heidelberg erhalten.
Prof. Dr. Karl K ö t s ch a u, Extraordinarius für biologische Medizin an der Universität Jena, ist zum ordentlichen Professor in Jena ernannt worden.
Professor Dr. Peter Kranz, Extraordinarius für Zahnheilkunde an der Universität München, ist zum ordentlichen Professor in München ernannt worden.
Professor Dr. Kurt Fischbeck, Extraordinarius für Chemie an der Universität Tübingen, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Heidelberg ernannt worden.


