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Ein Koffer, ein Korb, einmal Zwillinge.

Don zwei-, vier- und sechsbeinigen Fluggästen.

Der bekannte Berliner Flughafen Tempelhof stand vor kurzem im Zeichen einer reizenden Senjation: unter den Fluggästen, die in Berlin landeten, be­fand sich ein fünf Wochen altes Zwillings- pärchen. Die Zwillinge lagen friedlich schlum­mernd in einem als Wiege hergerichteten Wasch­korb, betreut von ihrer Mutter. Die Zwillinge wer­den sich später wundern, wenn man ihnen erzählen wird, daß sie schon im zartesten Kindesalter, ohne es selbst zu wissen, das Vergnügen hatten, in einem richtiggehenden Flugzeug" von München nach Ber­lin zu fliegen. Ihre Mutter wird es nicht versäumen, ihnen ausführlich zu schildern, welch freundlicher und rührender Empfang ihnen zuteil wurde. Die beiden kleinen Herrschaften nahmen genau so wie die Erwachsenen hoch oben in der Luft ihr Früh­stück zu sich allerdings in der primitiven Form eines Milchfläschchens. Sie haben, wie man hört, die ungewöhnliche Reise ausgezeichnet überstanden und wurden von ihrem freudestrahlenden Herrn Papa liebevoll an die Brust gedrückt.

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Die Flugzeuge der Deutschen Lufthansa und die deutschen Zeppeline haben in der letzten Zeit schon oft die seltsamsten Passagiere befördert, angefangen von den kleinsten und unbeholfensten Babys bis zu weißen Mäusen und Raubtieren. So wurden vor etwa zwei Jahren nicht weniger als zweihundert weiße Mäuse, eine ganze Mäusearmee, auf dem Luftwege von Deutschland nach Rio de Janeiro geschickt. Diese niedlichen Tiere, vor denen die Damenwelt eine unbegreifliche Angst hat, fuhren zunächst von Marburg an der Lahn bis nach Frankfurt am Main höchst gesittet mik der Eisenbahn. Dann lösten sie eine Umsteigkarte auf das Flugzeug der Deutschen Lufthansa und setzten ihre Reise nach Friedrichshafen fort. In Friedrichs­hafen brachte man sie an Bord desGrafen Zep­pelin". Es war wohl das erste Mal in der Ge­schichte der Luftfahrt, daß 200 weiße Mäuse über den Ozean flogen, um in Rio de Janeiro, ihrem Bestimmungsort, wieder an Land zu gehen.

Es ist durchaus keine Seltenheit, daß kleinere Haustiere, wie Katzen, kleine Hunde, Kaninchen, Enten und Hühner, mit Flugzeugen befördert wer­den. Wie verhalten sich nun diese vierbeinigen Flug­

gäste? Das ist sehr verschieden. Im allgemeinen kann man wohl sagen, daß sich die meisten Tiere mit dieser ungewöhnlichen Situation abfinden und keinerlei bemerkenswerte Veränderung zeigen. Ab und zu mag es auch vorkommen, daß ein sehr emp­findsames und zartbesaitetes Tier solche romantische Luftreisen nicht verträgt und noch vor der Landung das Zeitliche segnet. Uebel ist es zum Beispiel einmal einem kleinen Hund ergangen, der nach der Landung an den Folgen der Luftreise starb. Es muß wohl em sehr verwöhnter und nervöser Hund gewesen sein, denn die Affen zum Beispiel, die sich aus Grund ihrer kräftigen körperlichen Verfassung nicht so leicht aus dem Konzept bringen lassen, werden auch durch eine Luftfahrt nicht aus ihrem seelischen Gleich­gewicht geworfen. So beherbergte ein Flugzeug als besonders seltene und interessante Gäste zwei kleine Gorillas, denen die Höhenluft in keiner Weise schadete. Auf einer seiner planmäßigen Süd­amerikafahrten hatte das LuftschiffGraf Zeppelin" nicht weniger als 18 Königinnen an Bord. Es waren allerdings nicht zweibeinige Königinnen, son­dern Bienenköniginnen, die an der Spitze ihrer Schwärme nach Santos reisten. Sie hatten ein Sonderflugzeug der Deutschen Lufthansa benutzt, daß sie zunächst nach Friedrichshafen brachte, von wo sie mit dem Zeppelin nach Rio de Janeiro be­fördert wurden.

Wenn mich nicht alles täuscht, sind auch des öfteren Raubtiere, wie Löwen, Eisbären und Tiger im Luftexpreß von einem Zoologischen Garten zum andern gereist. Während das Fliegen für die meisten vierbeinigen Individuen immerhin eine Sensation bedeutet, ist es für die zweibeinigen Lebewesen schon längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Heute bringen selbst die ältesten Groß­mütter und Urgroßmütter den Mut auf, in ein Flug­zeug zu klettern, um sich auf schwebenden Schwingen hoch über die Erde tragen zu lassen. Man braucht da nur an die 74jährige Dame aus Chikago zu er­innern, die heimlich und ohne Wissen ihrer Ver­wandten, von einem jugendlichen Unternehmungs­geist erfüllt, mit demGraf Zeppelin" von Akron nach Friedrichshafen flog und frisch und munter landete, obwohl das Luftschiff auf seiner Fahrt in einen schweren Wirbelsturm geriet. Fliegende Ur­großmütter fliegende Zwillingsbabys ein hüb­sches Zeichen unserer fortgeschrittenen Zeit! f. d.

Aus aller Welt.

Feststellung von Urkundenfälschungen auf chemischem Wege.

Die Ju st izpresse stelle Darmstadt teilt mit: In einer vor dem Schwurgericht der Provinz Starkenburg verhandelten Sache wurde dem Ange­klagten außer einem Verbrechen des Meineids auch eine Blankettfälschung zur Last gelegt, er wurde beschuldigt, eine Blankounterschrift seiner Mutter nach deren Tode zur Anfertigung einer Bescheinigung mißbraucht zu haben, die er i n einem Erbschaftsstreit mit seinen Geschwi­stern vor dem Landgericht Darmstadt vorlegen ließ. Der Angeklagte hatte mit Entschiedenheit bestritten, sich der Blankettfälschung schuldig gemacht zu haben. In der Verhandlung vor dem Schwurgericht wurde über die Frage des Alters der Schriftzüge sowohl der Mutter des Angeklagten als. auch des Angeklagten selbst Regierungsrat Dr.-Jng. H e e ß

von der Chemischen Landesanstalt in Stuttgart als Sachverständiger gehört. Auf Grund einer chemischen Prüfung der Tinten stellte dieser zunächst fest, daß die Unterschrift der Mutter des Angeklagten mit einer anderen Tinte geschrieben war, als der Text der Bescheinigung. Darüber hinaus stellte er aber auch durch einen Vergleich der Sulfatbilder der Schriftzüge fest, daß der von dem Angeklagten ge­schriebene Text der Urkunde höchstens halb so a l t war, wie die Unterschrift seiner Mutter, wenn sich auch das absolute Alter der Schriftzüge nicht ermitteln ließ. Rach Angabe des Sachverständigen ist die bei dieser Prüfung von ihm angewandte chemische Untersuchungsmethode an über 300 verschiedenen inländischen und aus­ländischen Tinten erprobt und auch von gerichtschemischen Autoritäten anerkannt wor­den. Unter Zugrundelegung dieses Gutachtens in Verbindung mit einer Reihe anderer Momente, die

für die Schuld des Angeklagten sprachen, gelangte das Schwurgericht zu dessen Verurteilung. Dieser Fall beweist, wie mit Hilfe der fortschreiten­den Wissenschaft insbesondere auf dem Gebiete der Chemie, sich eine zuverlässige und restlose Aufklärung von Straftaten und eine immer tatkräftigere Ver­brechensbekämpfung ermöglicht wird.

Heber 100 Todesopfer bei dem Erdbeben in Tadschikistan.

Wie erst jetzt amtlich bekanntgegeben wird, hat die R a t u r k a t a st r o p h e , die sich, wie gemeldet, am 8. dieses Monats in der Mittelasiatischen Re­publik Tadschikistan an der afghanischen Grenze er­eignet hat, eine weit größere Zahl von Todes­opfern gefordert, als ursprünglich vermutet wurde. DieTaß" meldet aus Stalinabad, der Hauptstadt von Tadschikistan, daß das erste Flug­zeug, das von der Regierung in das Erdbeben­gebiet von Towil-Dorinsk entsandt wurde, nun­mehr zurückgekehrt ist. Rach den ersten amtlichen Berichten, die auf diesem Wege nach Stalinabad gelangt sind, hat sich infolge des Erdbebens ein rie­siger Bergrutsch ereignet, der verheerende Fol­gen hatte. Rach amtlichen Feststellungen wurden 107 Todesopfer des Erdbebens gezählt. 360 Personen sind zum Teil schwer verletzt worden. Die Bevölkerung muß in Zelten wohnen. Da sämt­liche Wege verschüttet und die Drahtverbindungen noch immer gestört sind, wird die Verbindung mit dem Erdbebengebiet durch Flugzeuge aufrecht­erhalten.

Todessturz vom Gerüst.

Bei den Umbauarbeiten am Siegener Gerichts­gefängnis ereignete sich ein U n g l ü ck s f a l l, dem ein junges Menschenleben zum Opfer fiel. Der 20- jährige Erich Weber aus Weidenau wollte vom Gerüst absteigen; anstatt aber die in der Nähe stehende Leiter zu benutzen, ließ er sich an einem Strick herunter, der plötzlich riß. Aus etwa sieben Meter Höhe stürzte der junge Mann in die Tiefe und zog sich so schwere Verletzungen zu, daß er bald nach feiner Einlieferung ins Krankenhaus starb.

Reue Hochwasserkatastrophe in fiiangfu.

Neue große, vom Gelben Fluß südostwärts durch Schantung strömende Wassermengen vergrößern ständig das Ueberschwemmungsgebiet in Nordkiangsu. In den letzten Tagen wurden über 100 Dörfer westlich von Haitschou von den durch einen Sturm aufgepeitschten Fluten überschwemmt. Die Bewohner sind in die Berge geflüchtet. Die Behörden versuchen, das Flutwasser durch Anlegen neuer Kanäle und durch Erweiterung der Flüsse, woran mehr als 70 000 Leute arbeiten, nach dem Gelben Meer abzuleiten. Die amtliche Ziffer der Flüchtlinge aus Nordkiangsu ist im Oktober auf annähernd 2 000 000 gestiegen.

Eine Amerikanerin in Nanking ermordet.

Großes Aufsehen unter den Ausländern erregte in Nanking die Ermordung der Amerikanerin Susan W a d d e l, die durch ihre Lehrtätigkeit an der Zentraluniverfität und dem Landeskranken­pflegeinstitut weithin bekannt war. Der Mord er­eignete sich in der Nähe der Universität am hellen Tage. Die Behörden haben sofort eine Unter­suchung eingeleitet. Die Ermordete war mit einem chinesischen Arzt beim Landesgesundheitsamt ver­heiratet.

Mexikanische Banditen verschleppen Neuyorker Bankiers.

Ein toller Banditen st reich hat sich in der mexikanischen Provinz Sonora ereignet. Die Opfer sind einige sehr bekannte Neuyorker Bankiers. Fünf Bankiers aus Neuyork, darunter der Vizepräsident der National City Bank I. H. D u r e l l und James Bruce von der Chaso National Bank, die im öst­

lichen Teil der Provinz Sonora mit einem orts­kundigen Führer jagten, wurden von einer mexikanischen Räuberbande überfal­len, entwaffnet und in die Berge verschleppt. Nur der Neuyorker Verleger A. D. N e r c r o ß , der sich in Gesellschaft der Bankiers befand, konnte ent- kommen. Man hegt um das Schicksal der Ver­schleppten die größte Besorgnis, da die Banditen kurz zuvor in Stärke von 80 Mann die Stadt Santa Ana überfallen und den dortigen Polizeichef sowie mehrere Beamte erschossen haben. Dis amerikanische Polizei in den Grenzorten Arizonas ist alarmiert worden.

Kunst und Wissenschaft.

Afrika-Ausslellung Leo Frobenius' in Berlin.

In Berlin wurde die AusstellungZeitlose Kunst afrikanischer Kulturen" in der Wandelhalle des Reichstages eröffnet. Die Ausstel­lung, die unter der Schirmherrschaft des Reichskul­tusministers Dr. R u st steht, zeigt die Ergebnisse der 12. Expedition des Afrikaforschers Geheimrat Leo Frobenius. Sie ist ergänzt durch die Funds früherer Forschungsreisen, die im Forschungsinsti­tut für Kulturmorphologie in Frankfurt aus der 30jährigen Forschungsarbeit Frobenius' zusammen- getragen sind. Die Eröffnungsansprache hielt der Ku­rator der Frankfurter Universität, W i s s e r. Das große Interesse, das man dem Werke und der Per­son des Forschers Frobenius entgegenbringe, sei gerechtfertigt. Auch Frobenius fei einst, als er zum ersten Male nach Afrika ging-, als Abenteurer bezeichnet worden, aber mit Energie habe er alle Schwierigkeiten überwunden. Das in der Ausstel­lung Zusammengetragene stehe heute als fein Le­benswerk vor uns. Kurator Ziffer schloß mit Glückwünschen an den Forscher für die geleistete Kulturarbeit. Geheimrat Frobenius erläuterte feine Forschungen und wies darauf hin, daß die junge Generation bereits großen Anteil an dem umfangreichen Werk habe. In der Ausstellung könne kaum ein Achtel von dem gezeigt werden, was in den Speichern des Forschungsinstituts liege.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Jranffurt

Mit der Verstärkung der vom Atlantik ausgehen­den und über Nordeuropa hinwegführenden Wirbel­tätigkeit hat eine Westströmung über dem euro­päischen Festland südwärts Raum gewonnen. «Sie führte feuchtere Luft heran und hat auch uns ver­stärkte Nebel- und Wolkenbildung gebracht. Da sich aber der über dem Kontinent west-ostwärts er» streckende Hochdruckrücken gehalten und sogar noch verstärkt hat, ist irgendwie nennenswerte Nieder­schlagstätigkeit bei uns nicht zu erwarten.

Aussichten für Donnerstag: Vielfach nebelig und wolkig, doch nur ganz vereinzelt auch etwas Regen, ausgeglichene und ziemlich milde Tem­peraturen, südliche bis westliche Winde.

Aussichten für Freitag: Fortdauer des Hochdruckwetters.

Hauptfchriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 35: 9929. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Stein- druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

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