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Uebertritt des Ras Gugsa zu den Italie­nern wird bestätigt. Ras Gugsa verlieh seine Stel­lung nachts, nur begleitet von seiner Leibaarde in Stärke von etwa 200 Mann. Der Makalle-Abschmtt wurde sofort vom Ras S e y u m übernommen. Die Erbitterung unter den Matalle-Truppen über den

Abfall Gugsas soll groß sein. Ras Guasa sei eine militärisch unbedeutende Persönlichkeit. Zn der Um­gebung von Addis Abeba sind etwa 50 000 Mann in Zeltlagern als zweite Reserve untergebracht worden. Der Kriegsminister wird in dieser Woche an die Front abreisen.

Die englischen Interessen am Tanasee, dem Blauen Nil und seinen Nebenflüssen würden von Italien geachtet werden. Die italienischen Grenzen in Ostafrika würden Hunderte von Kilo­meter vom Blauen Nil und von der Linie Kairo Südafrika entfernt bleiben, und auch für Aegypten sei in Libyen keine Gefahr vorhanden. Die Be­hauptung, dah das britische Weltreich in Gefahr sei, weil italienische Kolonnen im abessinischen Bergland oürgingen, sei nicht aufrechtzuerhalten.

Stalien verstärkt sein Heer in Libyen.

London, 16. Oft (DAV. Funkspruch.) Line Reuter-Meldung aus Rom besagt, man glaubt, dah die Rletauro-Division des italienischen Heeres, die kürzlich von Neapel scheinbar nach Ostafrika abbefördert wurde, in Wirklichkeit nach Libyen gesandt worden ist. Die Abbeförderung war möglichst unauffällig und in groher Eile er­folgt. Viele Soldaten hatten nicht einmal die Zeit, sich mit ihrer Tropenausrüstung zu versehen. Es steht sest, dah die Division nicht durch den Suez-Kanal gekommen ist. Die italienischen Streitkräfte in Libyen sollen seht vier Divisio­nen umfassen. Gerüchtweise verlautet, dah der Generalgouverneur von Libyen, Marschall V a l b o, verseht werden soll.

wurde. Die Bleivorräte haben sich infolgedesien stark vermindert. Je länger ober der Krieg andauert, desto höher wird anderseits der Bleiverbrauch der Munitionsfabriken anwachsen. In wesentlich ge­ringerem Maße sind die Zinkmärkte durch die Hausse in Bewegung gesetzt worden. Doch haben die belebenden Anregungen, die von den übrigen Metallmärkten ausgehen, auch auf die Zinkmärkte zurückgewirkt. Dem Mehrverbrauch für Rüstungs­zwecke (erhöhter Messingbedarf!) standen zwar bis­her noch große Vorräte der Erzeuger gegenüber. Trotzdem haben auch die Zinkpreise in den letzten Monaten eine fühlbare Erhöhung erfahren. Der Z i n n m a r k t führte infolge der Manipulierung durch den Zinnpool ein Eigenleben, wird aber gleichfalls durch den erhöhten Bedarf für Kriegs- und Rüstungszwecke sichtbar beeinflußt.

Die Produktion versucht natürlich, sich dem steigenden Bedarf nach Metallen anzupassen. So haben beispielsweise mehrere große amerikanische Kupfergesellschaften, wie z. B. die U. S. Smelting, Refining & Mining Corp. und die kanadische No­rand Copper Corp., schon eine Ausdehnung ihrer Kupfererzeugung angekündigt. Die Durchführung dieser Pläne wird freilich davon abhängen, wie sich der Verbrauch von Kupfer und die Nachfrage wei­ter entwickeln werden. Da zweifellos eine umfang­reiche Dorversorgung von den verbrauchenden In­dustrien vorgenommen worden ist, muß mit Rück­schlägen der Nachfrage immer gerechnet werden.

Vor allem aber werden Erörterungen darüber ge­pflogen, wie sich die in Genf beschlossenen Sank­tionen gegen Italien im internationalen Rüstungsgeschäft und damit auch auf den Metall­märkten auswirken werden. Diejenigen Länder, die bisher an Italien Waffen und Rüstungsmaterial aller Art geliefert haben und nun diese Lieferungen ein» stellen, werden natürlich künftig wieder einen geringeren Metallbedarf haben. Es läßt sich aber nicht übersehen, ob etwa andere Länder dafür ihre Lieferungen verstärken werden, oder ob Italien selbst seine Rüstungsindustrien ausbauen und den dadurch hervorgerufenen Mehrbedarf an Metallen durch eine erhöhte Metalleinfuhr decken wird. Das alles wird natürlich wieder davon abhängen, wie weit die finanziellen KräfteItaliens reichen, wie das italienisch-abessinische Ringen weiter verläuft, und welche Komplikationen sich in seiner weiteren Entwicklung noch einstellen. Dor allem aber muß die Tatsache beachtet werden, daß es ja durchaus nicht die Kriegsvorbereitungen der beiden kriegführenden Mächte allein sind, die die Metallhause verursacht haben. Gerüstet wurde und wird im Zusammen­hänge mit diesem kriegerischen Zusammenstoß und seinen befürchteten Weiterungen in g a n z E u - r o p a und darüber hinaus. Namentlich muß auf die zu erwartenden großen Rüstungen Englands zur See und zur Luft hingewiesen werden, deren Folge ja jedenfalls eine starke Zunahme des Metallbedarfs fein muß.

es in diesem Zusammenhang ganz besonders, daß so zahlreiche Vertreter der Rechtswissenschaften frem­der Länder Interesse an der Akademie bekunden.

Wir deutschen Rechtswahrer sind durchaus der Meinung, daß aus der gegenseitigen Erfassung der Rechtslagen der Völker fruchtbare Erkenntnisse er­wachsen können. Die Aufgaben der Akademie sind: Beratung des Gesetzgebers, Förderung der Rechts- forschung, Entwicklung der Rechtslehre und Steige­rung der Rechtskultur. Die Akademie dient diesem Ziel nicht im Kampfe der Meinungen gegenein­ander, sondern in gemeinsamer Arbeit auf der Grundlage der vorher geklärten politischen und all­gemeinen Weltanschauung. So haben wir uns in der Akademie ein stolzes Instrument des freien Meinungsausgleiches zur Durch­setzung des nationalsozialistischen Programms ge- schaffen. Der freie Bürger im freien Reich unter dem freien Führer das ist der letzte Zielpunkt unseres Rechtswollens.

Aus aller Welt.

Nachwuchs des Roten Kreuzes aus der Hitler-Jugend.

Wie der Reichs-Jugend-Pressedienst bekanntgibt, ist zwischen der Neichsiugendführung und dem Deut­schen Roten Kreuz eine Vereinbarung getroffen worden, daß in Zukunft der gesamte jugend­liche Nachwuchs des Deutschen Roten Kreuzes ausschließlich durch die HI. ichergestellt wird. Damit erübrigt sich die Weiter­ührung eigener Jugendgruppen des Deutschen Roten Kreuzes.

Die in den Jugendgruppen des Deutschen Roten Kreuzes befindlichen Jugendlichen unter 18 Jahren, die noch nicht der HI. angehören, werden bei Eig­nung bis zum 30. Juni 1936 in die HI. übergeführt. Das Deutsche Rote Kreuz stellt auf Anforderung Lehrkräfte für die feldschermäßige Einzel­ausbildung der HI. Zur Ergänzung seines Nachwuchses fordert das Deutsche Rote Kreuz all­jährlich bis zum 30. Juni seinen Bedarf an Nach­wuchs bei der Reichsjugendführung an. Die Reichs- ' jugendführung verpflichtet sich, zum 9. November jeden Jahres die Anforderungen zu erfüllen.

Als weibliche Hilfskräfte des Deutschen Roten Kreuzes dürfen im Alter von 18 bis zu 21 Jahren, unbeschadet ihrer weiteren Zugehörigkeit zum BDM., in Zukunft nur noch Mitglieder des B D M. ausgebildet und verpflichtet werden. Notwendige Sonderregelungen erfolgen nur durch Vereinbarung zwischen der Reichsjugendführung und dem Deutschen Raten Kreuz, Hauptverwaltung.

Eine erfundene Geschichte.

Paris, 15. Okt. (DNB.) Die Aussagen des aus Cayenne entflohenen französischen Kraftdroschken- ahrers Le Gall über die Entführung des weiß- gardistischen Generals K u t i e p o w werden durch den Bericht des Polizeikommissars von Malo-les- Bains nicht b e st ä t i g t. Im Mai d. I. hatte die Pariser Staatsanwaltschaft die Polizei beauftragt, sorgfältige Untersuchungen über die fragliche Villa in Malo-les°Bains anzustellen, in die Kutiepow an­geblich verschlenpt gewesen sein sollte und in der sich, nach den Angaben Le Galls, verdächtige Ele­mente aufgehalten haben sollten. Die Untersuchung ist jedoch völlig ergebnislos verlaufen. Man nimmt an, daß Le Gall feine Entführungsgeschichte rein erfunden hat.

DerProphet" Weißenberg erneut vor Gericht.

In den nächsten Tagen hat sich der 79jährige frü­here Sektenführer Joseph Weißenberg aus Berlin erneut vor Gericht zu verantworten. Er war am 18. August dieses Jahres von der Zweiten Gro­ßen Strafkammer des Berliner Landgerichtes wegen Sittlichkeitsoerbrechens und Beleidigung zu IV, Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Diesmal wird ihm und zehn feiner Anhänger die illegale Fortführung der durch Verfügung vom 17. Januar dieses Jahres verbotenen und aufgelösten Weißenberg-Sekte zur Last gelegt. Die An­geklagten haben nach diesem Zeitpunkt noch Ver­sammlungen abgehalten und Gelder gesammelt, um die verbotenen Ziele ihrer ungesetzlichen Vereinigung weiter zu fördern. Am schwersten belastet erscheint neben Weißenberg der frühere Schriftleiter der Zei­tungDer weiße Berg", Franz K u r s o w s k y.

Rasfenschändung an einem 15jährigen Wädchen.

Die Polizeipresfestelle Hamburg teilt mit: Wegen Rasfenschändung und Verführung einer Minder­jährigen wurde in Hamburg der 30jährige Jude Siegmund Biedermann feftgenommen. Er hatte in feiner Wohnung ein 15jähriges Mädchen Der- aewaltigt. Außerdem wurde in feinem Besitz ein Abzeichen der NSDAP, gefunden, das er nachweis­lich getragen hat.

Jugendlicher Raubmörder stellt sich der Polizei.

Der Mannheimer Polizei stellte sich der 19 Jahre alte Gotthilf H a f f i s , der am 11. Oktober in Schwieberdingen an der 65 Jahre alten ledigen Wilhelmine Rotacker einen Raubmord be­gangen hatte. Hierbei waren ihm 1,42 Mark in die Hände gefallen. Hassis hatte sich abends in das Haus der Rotacker eingeschlichen und die Frau ge­würgt. Dann flüchtete er nach Mannheim, nachdem er sich zuvor von einem Bekannten 70 Mark er­schwindelt hatte. In Gesellschaft von Frauen brachte er dieses Geld durch und stellte sich schließlich, als er gerade noch 5 Pfennige besaß, der Polizei.

Eine wildwestliche Entführungsgefchichte in Dien.

Eine abenteuerliche Entführungs­gefchichte ereignete sich in Mödling bei Wien. Der amerikanische Fabrikant John Gruberth aus Brooklyn, der in Mödling eine Villa besitzt, hatte vor einiger Zeit in der Steiermark ein 18- jähriges Mädchen kennengelernt, das er nach der Scheidung von seiner Gattin heiraten wollte. Als feine Gattin Mary Hiervon erfuhr, wollte sie nach Art der amerikanischen Gangster den Plan ihres Mannes vereiteln. Sie gewann durch Geldzuwen­dungen zwei junge Leute, die das junge Mädchen aus dem Hause ihrer Eltern im Kraftwagen au den Semmering entführten, wo sie es mit oorgehaltenen Pistolen zwangen, einen A b - schiedsbrief an John Gruberth zu schreiben. Gleichzeitig zwangen sie das Mädchen, sich in einer höchst verfänglichen Situation photographieren zu lassen. Das Bild sollte als Beweis der Untreue die Liebe des Amerikaners abkühlen. Schließlich schlepp­ten sie das Mädchen nach Mödling in die Villa der Frau Mary und setzten es dort gefangen. Nun erwogen sie noch den Plan, John Gruberth mit Hilfe von Milzbrandbazillen, die sie aus der Möd- ünger Bundeslehranstalt für Tierseuchenbekämpfung stehlen wollten, zu ermorden. Inzwischen war aber die Polizei von den Eltern der Entführten ver­ständigt worden, und dieser gelang es nun, die dunklen Pläne zu durchkreuzen. Frau Gruberth und ihre beiden Mithelfer wurden verhaftet.

FrischerWindaiManada"

Dor einiger Zeit schrieb dieTimes" über das wechselnde Geschick der kanadischen Regierungspar­teien:Die Liberalen wurden vor fünf Jahren vom Lande bestraft, weil sie die Weltdepression nicht verhinderten. Die Konservativen ollen jetzt bestraft werden, weil sie die Weltdepres- ion nicht überwinden konnten." Was das Londoner Blatt prophezeite, ist inzwischen in Er- üllung gegangen. Die liberale Opposition unter ihrem Führer Mackenzie King hat am 13. Oktober bei den Wahlen zum kanadischen Bundesparlament einen geradezu überwältigenden Sieg über die konservative Regierungspartei Bennetts errungen. Sie soll nunmehr ihrerseits zeigen, ob sie imstande ist, die Krise zu überwinden und die wirtschasllichen und sozialen Reformpläne durchzuführen, nach denen die kanadische Bevöl­kerung verlangt. Man hört sagen, daß dieser Regie­rungswechsel wie auch die ganzen Probleme der kanadischen Innenpolitik uns ziemlich gleichgültig lassen könnten, aber die Frage, um die es bei dem Wettstreit der beiden Parteien ging, ist vor allem auch eine Frage der modernen Wirt- chaftsführung überhaupt und im beson­deren der Handelsbeziehungen mit dem A u s l a u d e. Sie berührt im stärksten Maße auch die künftige Entwicklung des internationalen Wirt- chaftsverkehrs und ist daher von allgemeinem In­teresse.

Das englische Dominion Kanada, dessen Re- sterung wie fast in sämtlichen angelsächsischen Län­dern nach den Spielregeln des Zwei-Partei-Systems gebildet wird die Splitterparteien spielen taum eine Rolle im Bundesparlament, ist infolge sei­ner geographischen und geopolitischen Lage immer ein Spiegelbild der benachbarten. USA. gewesen. Heber viele Hunderte von Kilo­meter ist die Grenze nach den Vereinigten Staa­ten offen, und die landschaftliche und wirtschaftliche Struktur des kanadischen Landes bildet nur eine natürliche Fortsetzung der Verhältnisse in der Union. Der Handel mit Den Vereinigten Staa­ten ist doppelt s o groß wie der mit dem englischen Mutterland, und es waren vor allem Einwanderer aus den USA., die den agrarischen Mittelwesten Kanadas erschlossen und kolonisierten. Hand in Hand damit ging allerdings eine starke finanzielle Ucberfrembung durch den amerikanischen Kapitalismus.

Die Prosperitätsperiode in den Staaten machte Kanada getreulich mit und ebenso anhänglich folgte es dem großen Nachbarn in die Tiefe des Zusam­menbruchs. Wie in der Union verlangen in Kanada Millionen Arbeitslose in den östlichen Jndustriegegenden und Millionen notlei­dende Farmer auf dem Lande nach der Hilfe des Staates. Wie Roosevelt, so versuchte es auch der kanadische Ministerpräsident Bennett mit einemNew Deal, aber das Experiment führte hier wie dort bisher nicht zu durchschlagenden Er­folgen. In beiden Fällen war das Haupthindernis einer planmäßigen sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung der Individualismus der einzelnen Provinzen, die ihre Sonder­rechte eifersüchtig verteidigen und die sich eine Diktatur" der Bundesregierung keineswegs gc- fallen lassen wollen. So wie die 48 Staaten der Union mit Hilfe des Obersten Bundesgerichts in Washington dieNira" zu Fall brachten, so oppo­nierten auch die neun Provinzen Kanadas gegen eine Beschränkung ihrer Befugnisse durch die Re­gierung in Ottawa.

Als Bennett im Jahre 1930 zur Herrschaft gelangte, verfolgte er zunächst die Absicht, durch Erhöhung der Zollmauern und durch Abschluß von zweiseitigen Handelsverträgen mit dem nicht-britischen Ausland der heimischen Indu­strie zu einem neuen Aufschwung zu verhelfen. Diese Bemühungen schlugen im wesentlichen fehl, vor allem gelang es nicht, einen Vertrag mit den Vereinigten Staaten zustande zu bringen, und auch die bekannten Ottawa -Verträge, die das britische Empire In wirtschaftlicher Hinsicht näher zusammenschlossen, brachten nur eine geringe Belebung der heimischen Produktion. Als Bennett Anfang dieses Jahres die Aussichtslosigkeit einsah, mit handelspolitischen Mitteln die Krise zu überroin- den, begann er, um seine Wahlversprechungen we­nigstens zum Teil einzulösen, mit der Einführung innerwirtschaftlicher Reformen. In Verfolg desneuen Spiels" wurden vom Parlament in Ottawa verschiedene Gesetze verabschiedet: c i n Gesetz ü b e rA r b-e i t s z e i t undLohnhöhe, Ansätze einer Arbeitslosen- und Sozial­versicherung, ein Gesetz über die Untersuchung großer Konzerne, ein Marktgesetz für N a ° t uralprodukte usw. Es ist offenbar, nach dem Resultat der Oktoberwahlen zu urteilen, daß alle diese Gesetze keine Wirkung auf die Bevölke­rung hatten und das Schicksal der konservativen Regierung nicht mehr abwenden konnten.

Nun sollen die Liberalen zeigen, was sie können. Sie sind klug genug gewesen, ihren Wäh-, lern keine allzu hohen Versprechungen zu machen. Vielmehr haben sie sich darauf beschränkt, in einigen Punkten die künftige Richtung ihrer Politik anzu­deuten. Nach dem Plan der Liberalen soll vor allem die Handelspolitik grundlegend geändert werden. Die Zollsätze sowohl gegenüber Eng­land als auch gegenüber den nicht-britischen Staaten sollen erheblich gesenkt werden, so daß trotzdem Großbritannien die vereinbarte Vorzugsbehandlung in der Zollpolitik erfährt. Daneben will die liberale Regierung das inner politische Reform­programm ihrer Vorgängerin mit einigen Ver­besserungen fortführen. Es ist ein großer Plan öffentlicher Arbeiten in Aussicht genom­men, um die Arbeitslosen von der Straße zu bringen. Es soll eint neue Art von Arbeits­losenversicherung eingerichtet werden, und es soll die vor kurzem gegründete Zentralbank in eineNationalbank" umgewandelt werden, umdasWährungs-und Kreditwesen in Ordnung zu bringen. Im übrigen aber wird man abwarten müssen, ob der frische Wind, den die Wahlen vom vergangenen Sonntag angekündigt haben, stark genug ist, um die stickige Krisenatmo- sphäre in Kanada zu reinigen, ober ob er wieder abflaut, sobald die ersten Widerstände der liberal- kapitalistischen Wirtschaftsform sich ernstlich bemerk­bar machen.

Die Wahlen zum kanadischen Bundesparlament zeigten am Dienstag um 11 Uhr bei neun noch ausstehenden Ergebnissen folgenden Stand: Li­berale 165 (93 tm letzten Parlament), Kon­servative 41 (133), Unabhängige Konservative 1, Sozialkredit-Partei 13, Genossenschaftspartei 7, Wie­deraufbaupartei 1, Unabhängige Liberale 4, andere Gruppen 4. Insgesamt haben nunmehr 12 kon­servative M l n i ft e r der bisherigen Regierung Bennet ihre Wahlfitze verloren.

Der iialiemsche Presseseidzug gegen England.

Mailand, 16. Okt. (DNB.-Funkspruch.)Ga- zetta del Popolo" bringt wieder einen scharfen Ar­tikel gegen England, das als Drahtzieher eines Krieges gegen Italien bezeichnet wird. Niemand könne leugnen, daß die Entscheidungen des Völker- bundes vo.n England gewollt und auf- gedrängt worden feien. Wenn sie nicht schärfer ausgefallen feien, fo einfach deshalb, weil Frank­reich die Vorschläge Edens nicht gebilligt habe. England scheine es zum Krieg mit Italien kommen lassen zu wollen. Die Gründe dafür seien die Sprunakraft des faschistischen Italiens, das die britische Vorherrschaft in Europa stören könne, ferner das afrikanische Unternehmen, das den ruhigen Besitz Aegyp­tens, des Sudans und der im letzten Krieg Deutschland roeggenommenen Kolo­nien gefährden könne. England habe sich vor­bereitet, um Italien anzugreifen. Jetzt habe es den Angriff durch den Völkerbund ausführen lassen. Man könne England beim Völkerbund und bei den Unterzeichnerrnächten des Kelloggpaktes als den Staat anzeigen, der den Angriff gegen Italien vorbereite.

AuchPopolo d'Jtalia" betont, daß das Schlag­wort von einerBedrohung des britischen Welt­reiches", das als Berechtigungsgrundlage für die Gewaltpolitik der Sühnemaßnahmen angewandt werde, keinen realen geschichtlichen Hintergrund habe. Italien bedrohe nicht das britische Weltreich, und dieses sei auch nicht im geringsten in Gefahr.

Steigende Preise an den Weltmetallmärkten.

Die Entwicklung der Preise an ben internatio­nalen Metallmärkten ist für die deutsche Wirtschaft von erheblicher Bedeutung, solange diese einen Teil ihres großen Metallbedarfs durch Ein­fuhr ausländischer Metalle decken muß. Denn die internationale Marktlage bestimmt auch die Menge der Devisen, die zur Deckung des deutschen Metall­bedarfs aufgewendet werden müssen. Die unter diesem Gesichtspunkt für die deutsche Wirtschaft nicht unbeachtliche Aufwärtsbewegung der inter­nationalen Metallpreise hat zweifellos ihren Aus­gang von dem italienisch-abessinischen Krieg und den ihm vorausgegangenen Rüstungen der bei­den kriegführenden Länder genommen. Kriegs­rüstungen verursachen stets einen stark erhöhten Metallverbrauch, denn zur Herstellung von Ge­wehren und Kanonen, von Munition und Draht­verhau, von Kraftwagen und Tanks, Kriegsschiffen und Flugzeugen usw. braucht man Metall in großen Mengen, und zwar nicht nur Eisen, sondern auch Nichteisenmetalle.

In erster Linie ist der Kupferverbrauch durch die Kriegsrüstungen stark vermehrt worden. Infolgedessen sind seit dem Frühjahr dieses Jahres die internationalen Kupferpreise um 25 bis 30 v. H. gestiegen. Diese Aufwärtsbewcgung der Kupferpreise ist noch keineswegs beendet. In der letzten Woche haben z. B. die amerikanischen Kupfer­produzenten ihren Kartellpreis abermals um 25 Cts. je Pfund heraufgesetzt. Bei der auch heute noch nicht zu unterschätzenden Bedeutung der amerika­nischen Kupfergewinnung für den Weltmarkt müssen die übrigen Kupfermärkte der von Amerika aus­gehenden Hausse folgen. Italien hat seinen Kupfer­bedarf aus naheliegenden Gründen hauptsächlich in Amerika und nicht bei den von England beherrsch­ten südafrikanischen Kupferproduzenten gedeckt. Da­her hat sich die Kupferhausse am amerikani- scheu Markt zunächst am stärksten ausgewirkt. Dieser Auftrieb dauert unverändert an. Italien will bis zum nächsten Frühjahr noch weitere 60 000 bis 100 000 Tonnen Kupfer aus den Vereinigten Staaten beziehen. Die Bezahlung soll in ameri­kanischen Wertpapieren, die sich in ita­lienischem Besitz befinden, geleistet werden. Die Aussicht auf einen steigenden Verbrauch und stei­gende Preise veranlaßte naturgemäß auch die übri­gen Verbraucher zu Eindeckungs- und Vorrats- fäufen. AmLondonerKupfermarkt machte sich ferner neben dem Druck der amerikanischen Preiserhöhungen auch die lebhafte Nachfrage der festländischen Rüstungsindustrie fühlbar. Auch hier haben sich daher beträchtliche Erhöhungen der Kupferpreise leicht>durchgesetzt.

Die Blei - und Zinkmärkte sind der Auf- wartsbewegung am Kupfermarkt willig gefolgt. Der Kriegsbedarf an Blei rief eine erhöhte Nachfrage auch nach diesem Metall hervor, die noch verstärkt wurde, weil gleichzeitig die Bleierzeugung infolge des mexikanischen Streiks und auf Grund von Ab­machungen der dortigen Bleiproduzenten eingeengt

Dem deutschen Volk das deutsche Recht?

Feierliche Einweihung des Berliner Hauses der Akademie für Deutsches Recht.

Berlin, 15. Okt. (DNB.) Zur Einweihung des Berliner Hauses der Akademie für Deutsches Recht am Leipziger Platz hatte deren Präsident Reichs­minister Dr. Frank die Mitglieder der Akademie zu einer Feierstunde zusammengerufen, an der Ver­treter des Staates und der Partei, der Wehrmacht und der Wirtschaft teilnahmen. Auch der polnische Botschafter Lipski war erschienen. Die schlichte Feier, die in dem kleinen Festsaal des neuen Hauses statt- fanb, war von Darbietungen eines Quartetts des Deutschlandsenders umrahmt. Zunächst ergriff der Präsident der Akademie bas Wort zu einer kurzen Begrüßung. Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r gab bann dem Wunsche Ausbruck, bah bie Akademie so, wie sie bisher schon erfolgreichen Anteil an der Neugestaltung des deutschen Rechtes auf allen Ge­bieten genommen habe, auch in Zukunft mit der gleichen Hingabe und dem gleichen Erfolg arbeiten möge. Hniversitätsprofessor Dr. Hedem ann sprach namens der Mitglieder, der Mitarbeiter und der Freunde der Akademie dem Präsidenten feinen wärmsten Dank aus für die bisherige Arbeit. Als besonders wichtige Aufgabe nannte der Redner die Erfüllung des Rechtes mit der deutschen Seele.

Reichsminister Dr. Frank stellte dann Sinn und Ziel der Akademie dar.Es ist kein Wunder, jo führte ec u. a. aus,daß aus der kämpferischen

Generation des Nationalsozialismus der elementare Aufbruch gekommen ist, dem deutschen Volk und Staat für seine Erhaltung nach Außen und nach Innen eine Rechtslehre und eine Rechtsgesetzgebung zu vermitteln, die in ihrer Verbundenheit mit dem Leben des deutschen Namens würdig sind. Das Ziel ist:Dem deutschen Volk das deutsche Recht!" Wir haben durch unser historisches Wir- ken den Denkergebnissen früherer juristischer For­schung eine Wichtigkeit verliehen, für bie nicht wir, fonbern die weltfremden früheren Epochen deutschen juristischen Lebens verantwortlich sind. Das Recht ist nicht nur ein Machtinstrument, sondern vor allem eine Einrichtung zur Beglückung der Gemeinschaft. Das deutsche Recht war verschüt- tet; wir waren, nicht zuletzt infolge völlig ungenü­genden Widerstandswillens, von den Denkergebnissen anderer Völker abhängig geworden. Es ist für uns heute gar nicht mehr vorstellbar, daß deutsche Män­ner der Ansicht sein konnten, bas Heil liege in ben Gesetzen eines römischen Weltreiches.

Unsere Akabemie bient bewußt dem deut­schen, dem rassedezoaenen Recht. Da aber bas Reckt bem Volke vor allem nützlich unb vorteilhaft fein soll, lehnen wir es auch nicht ab, wertvolle Erkenntnisse anberer Völker auf rechts- politischem Gebiet zu übernehmen, und wir begrüßen