Br. 242 Erster Blatt
18L. Jahrgang
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General-Anzeiger für Oberhessen
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DasJubelfest her Kriegsakademie.
Die Wiedererrichtung der Bildungsstätte für den Führernachwuchs der Wehrmacht.
Der Führer beim Festakt.
Zahlreiche Generäle der alten und neuen Armee als Ehrengäste.
Berlin, 15. DEL (DNB.) Mit der Wiederherstellung der deutschen Wehrfreiheit ist auch die Kriegsakademie, die Dienstag vor 125 Jahren von General von Scharnhorst gegründet worden ist, wieder neu e r st a n d e n. lieber ihre Geschichte und ihre Neuerrichtung haben wir bereits am Samstag in einem größeren Aufsatz des G i e - ßener Anzeigers berichtet. Zur Jubiläumsfeier am Dienstagfrüh hatten sich im Festsaal der Kriegsakademie die Vertreter der Reichsregierung und anderer Behörden, die Generalität des alten und neuen Heeres, ehemalige Kommandeure, Lehrer und Schüler der Kriegsakademie versammelt. In der ersten Reihe nahmen der Oberbefehlshaber der deutschen Wehrmacht, Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg, Platz, ferner der Kommandeur der Kriegsakademie, General der Infanterie Liebmann, der Oberbefehlshaber des Heeres General der Artillerie Freiherr von Fritsch, der Oberbefehlshaber der Luftwaffe General der Flieger Göring, der Chef des Generalstabes General der Artillerie Beck, Reichsminister Dr. Goebbels, der „Marschall Vorwärts" des Weltkrieges Generalfeldmarschall von Mackensen, der ehemalige Chef der Heeresleitung Generaloberst von Seeckt, der Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I General der Infanterie von R u n d st e d t, der kommandierende General des III. Armeekorps Generalleutnant von Witzleben, Reichsarbeitsführer Staatssekretär Oberst a. D. H i e r l, der frühere Kommandeur der bayerischen Militärakademie. Als Vertreter der alten Armee sah man u. a. den Sieger von Brzeziny und einzigen noch lebenden Direktor der alten Kriegsakademie General der Infanterie L i tz m a n n, die Generäle von Eisenhart-Rothe, von Balk, von Oven, von Lochow, von Kuhl, von Gronau und viele andere aus dem Weltkrieg bekannte hohe Offiziere. Um 10 Uhr ertönte von der Straße her der Präsentiermarsch und wenige Minuten später betrat der Führer und Re ichskanzler den Festsaal.
Der Festakt nahm seinen Beginn.
Oer Kommandeur der Kriegsakademie General der Infanterie Liebmann
dankte dem Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht für sein Erscheinen an diesem Ehrentage der Akademie. Er dankte weiter dem Führer für die Wiederherstellung der deutschen Wehrfreiheit und erklärte, sich an den Führer wendend: Wir wissen und sind im tiefsten durchdrungen davon, daß wir diese Freiheit allein Ihrem heißen Wollen und Ihrer unbeirrbaren Führung verdanken und — wie das deutsche Volk — so werden auch wir mit der gesamten deutschen Wehrmacht Ihnen, mein Führer, dies durch un- wandelbare Treue und Hingabe danken. Weiter gedachte General Liebmann all der Männer, die in schwerer, kritischer Zeit dafür gesorgt haben, daß die Kette, die Vergangenes nut Zukünftigem verbinden mußte, niemals gebrochen sei, der Männer, die durchdrungen waren von dem Willen, das geistige Erbgut des Generalstabes und der Kriegsakademie zu erhalten und bis zur Stunde des Anbruches deutscher Wehrfreiheit und dem Auferstehungstage eines größeren Heeres zu bewahren.
Mit besonderer Freude und Genugtuung begrüßte er die Gelegenheit, auch dem ehemaligen Chef der Heeresleitung Generaloberst von Seeckt gegenüber diese Dankesschuld bekennen zu können. Eine hohe Ehre und Freude sei es,-in der Person des Generalfeldmarschalls von Mackensen den ältesten Repräsentanten der alten Armee zu begrüßen und mit ihm eine große Zahl ehemaliger Kommandeure und Lehrer der alten Knegs- akademie. Den Schülern und denen, die diese Schüler jetzt heranzubilden hätten, könne nichts Besseres gegeben und gelehrt werden als das, was Kern und Inhalt auch ihrer Lehre gewesen fei: Eine Gesinnung, die den großen Vorbildern gerecht zu werden strebt, deren Bildnisse diesen Saal zieren; eine Berufs- und Lebensauffassung, die d a s S a ch- liche stets hoch über das Persönliche stellt, der rückhaltlose Hingabe an Führer, Volk und Vaterland eine Selbstverständlichkeit ist und über der mit großen Lettern bas Wort steht: „Mehr sein als scheinen!"
Oer Lhef des Generalstabes General der Artillerie Deck
beglückwünschte die Kriegsakademie zu ihrem Jubeltage. Er gab einen Rückblick über Entstehung und Entwicklung der Kriegsakademie. Er hob insbesondere die Verdienste des Generalobersten von Seeckt um den Neuaufbau der Wehrmacht unter den Fesseln des Versailler Diktats hervor und betonte die Wichtigkeit der Erziehung und geisttgen Schulung der Offiziere. General Beck stellte Moltke als Vorbild für alle Offiziere in besonders verant- wörtlichen Stellungen hin.
Die höchste und wichtigste Aufgabe der Kriegsakademie erblicke er in der g e i ff i g - f e e 1 i - scheu Erziehung des Führernachwuchs e s zu klarem logischen Denken und ent- schledenem handeln. Lehrgebiete und Lehrstoffe
der Kriegsakademie hatten in der Nachkriegszeit weitgehende Veränderungen erfahren müssen, aber die elementaren Grundgesetze der militärischen Führung eines Krieges würden zu allen Zeiten die g 1 e i ch en bleiben. Daß schon die Geschichte des Weltkrieges nicht mehr nur unter dem Gesichtswinkel des Abringens der beiderseitigen Streitkräfte allein betrachtet werden könne, sondern der gesamten Volkskraft der Gegner, also auch der wirtschaftlichen und seelischen, sei allen Lehrenden und Lernenden der jungen Wehrmacht
Oer Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht Generaloberst von Blomberg
verwies auf bas leuchtenbe solbatische Vorbild des Grünbers der Kriegsakademie, des Generals von Scharnhorst, des Vorkämpfers der allgemeinen Wehrpflicht, dessen Testament erst heute, nach 125 Jahren, von dem Führer ganz verwirklicht wurde. Scharnhorst habe im Zeitalter des Absolutismus geschrieben: „Man muß der Nation das Gefühl der Selbständigkeit einflößen. Man muß ihr Gelegenheit geben, daß sie sich ihrer selbst annimmt. Nur erst dann wird sie sich selbst achten und von anderen Achtung zu erzwingen wissen." In einer. Denkschrift habe Scharnhorst gemahnt: „Man darf die einzelnen Gegenstände nicht ohne das Ganze betrachten." Den Lehrern und Schülern der Kriegsakademie wie dem Generalstab als Ganzes sollte diese Wahrheit Richtschnur des Denkens und Handelns sein.
Der Reichskriegsminister fuhr dann fort: „Man darf über dem Mittel nicht den Zweck, über den Generalstab nicht die Truppe vergessen. Aus der Truppe erhält der Generalstab die Kraft. Der Truppe hat er zu dienen in selbstloser Arbeit. Man darf aber den einzelnen Gegenstand, das Heer, nicht ohne das Ganze, die Wehrmacht, betrachten.
Alle Teile der Wehrmacht müssen aufeinander abgestimmt sein, um eine harmonische Gesamtleistung zu ergeben. Aus der Dreiheit von Heer, marine und Luftwaffe ist die Dreieinigkeit der neuen Wehrmacht geschaffen worden. Das seht wechselseitige Kenntnis, gegenseitiges Verständnis und Zurückstellen von Sonderinteressen der einzelnen Wehrmachtsteile voraus. Die Tatsache der einheitlichen Wehrmacht weitet das Blickfeld und stellt der Führung neue Aufgaben. Diese müssen im Frieden vorbereitet uni) erprobt fein, um im Kriege erfolgreich gelöst zu werden.
eine eindringliche Mahnung für das Verstehen und das Wesen eines Zukunftskrieges.
Das wehrbewußte Volk, der Führer und die sonstigen Vorgesetzten könnten mit Zuversicht auf die wiedererstandene Kriegsakademie blicken. Möchten die Offiziere, die durch die Kriegsakademie gehen, immer der stolzen Tradition dieser Anstalt, aber auch der Verpflichtungen bewußt fein, die sie dem (Erneuerer und Mehrer der deutschen Wehrmacht, der die Fesseln von Versailles endgültig von ihr genommen hat, und dem neuen Staat schuldig sind. Dieser verbürgt uns in einem in sich geschlossenen Volke festere Grundlagen als früher.
Die Wehrmachtsakademie, zusammengesetzt aus Führergehilfen der drei Wehrmachtsteile, beauftragt mit dem Studium der großen Fragen der Gesamtkriegsführung, ist die Frucht dieser Erkenntnis. Ihre Geburtsstunde fällt mit dem 125. Jahresjubiläum der Kriegsakademie zusammen. Mit ihr und den entsprechenden Einrichtungen der Luftwaffe und der Kriegsmarine sollen sie alle künftig der Führerausbildung dienen. Die Wehrmacht ist nur ein Teil, bas größere ist bie Nation. Der Offizier muß wissen, wo bie Kraftquellen b e r Nation liegen. Das hat nichts mit politischer Betätigung zu tun, wohl aber fordert der Blickpunkt als Ganzes die Pflicht zu politischem Denken, zur Aufgeschlossenheit für die neue Grundlage unserer ßebensorbnung, zum freudigen Bekenntnis zur nationalsozialistischen Weltanschauung.
Wir muffen alle V ahnbrecher der Einheit und Geschlosfenheit von Volk und Staat fein. Dann erst hat die Wehrmacht die feste Grundlage, bte sie braucht, dann < erst wird die neue Wehrmacht das fein, was Scharnhorst aus ihr machen wollte: „Die Vereinigung aller moralischen und physischen Kräfte aller Staatsbürger." Der große politische Führer und die zusammengeballte Kraft der Ration, der ausgezeichnete Helfer und die festgefügte Wehrmacht und in ihr ein Heer mit einem Generalstab und einer Truppe, die an kriegerischer Tüchtigkeit und soldatischer Haltung mit der alten Armee wetteifern können: Das ist das Ganze, und das sind die einzelnen Gegenstände! Das ist der große Rahmen, in dem sich die Arbeit der Kriegsakademie einfügen muß.
Den Geist der Armee zu erhallen und beleben, die Armee und Nation inniger zu vereinen und ihr die Richtung zu ihrer wesentlichen und großen Bestimmung zu geben, dies ist das System, welches bei den neuen Einrichtungen zugrundeliegt! Wir
aber, so schloß der Reichskriegsminister, die wir an einer Ausgabe arbeiten dürfen, wie sie schöner und ehrenvoller nie zuvor deutschen Soldaten gestellt war, wollen diese Feierstunde mit dem Gelöbnis unerschütterlicher Treue und Hingabe zu dem Manne bekräftigen, der die Lebensziele Scharnhorsts ver« wirklicht. Unser Führer, Reichskanzler und oder st er Befehlshaber, der Schöpfer des Dritten Reiches, der geeinten Nation und der neuen Wehrmacht, Adolf Hitler, Sieg-Heil! Deutsch« lanblied unb Horst-Wessel-Lieb bilbeten ben Abschluß ber Feierstunde. Der Führer besichtigte anschlie« ßend eingehend das Gebäude und die Einrichtungen der Kriegsakademie. Am Vormittag hatte der Kommandeur der Kriegsakademie, General ber Infanterie Liebmann, am Grabe bes Generals von Scharnhorst einen Kranz niebergelegt, dessen Schleife folgende Inschrift trug: „Dem Wegbereiter für Deutschlands Freiheit unb Größe. Die deutsche Wehrmacht zur 125. Wiederkehr des Gründungs- tages der Kriegsakademie."
OeutscheGesettschast fürWehr, Politik undWehrwisseuschaste«.
Während der Sommerpause wurden die Vorbereitungen für die Tätigkeit der Gesellschaft im nächsten Winterhalbjahr 1935/36 getroffen. Die Vorträge werben monatlich einmal im Schlief» fen-Saal "der Deutschen Heeresbücherei, Berlin NW 7, Dorotheenstraße 48, ftattfinben. Es werden besonders Fragen ber Wehrpolitik behanbelt. Im Oktober werben folgenbe wehrwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaften ihre regelmäßige Tätigkeit aufnehmen:
I. Kriegsgeschichte unter Leitung von Direktor Oberstleutnant a. D. Fo er st er.
II. Kriegsrecht (Oberstleutnant a. D. M u l- l e r - L o e b n i tz).
III. L-Kriegsphilosophie (Oderarchivrat L i n n e b a ch).
b) Wehrpsychologie (RegierungsratDr. S i m o n e i t).
IV. Wehrtechnik (Oberstleutnant a. D. I u - ft r o w).
V. Wehrwirtschaft (Oberst a. D. Dr. h. c. Koeth).
VI. a) L u f t s ch u tz (Generalleutnant a. D. Grimme).
b) Gasschütz (Dr. Hanslian).
VII. Marinefragen (Abmiral a. D. P r e n t- Z e.l).
VIII. Wehrpublizistik (Abmiral a. D. Gla- b i s ch). Zu biefer Arbeitsgemeinschaft sind in erster Linie alle sich schriftstellerisch betört» genben Mitglieber ber Gesellschaft eingelaben. Von maßgebenben Stellen, wie aus bem Kreise bes Verlags- unb Zeitungswesens, sollen Vorträge gehalten werben, in denen Aufgaben, Wünsche unb Probleme behanbelt werben.
Die Gesellschaft beabsichtigt, ihren Mitgliedern eine Reihe von Preisangaben zu stellen, um die Mitarbeit an wehrwissenschaftlichen Fragen anzuregen. Folgende auf Veranlassung ber Gesell-
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Di. Teilnehmer der Feier während der Nationalhymnen. In der vorderen Reihe von links nach rechts: Professor Dr. K r ü g e r, Rektor der Universität S.,n"n- m/n.ralleutnant von W itileb en ' Ministerialdirektor Dr. Sunkel vom Reichsunterrichtsministerlum: Reichsmmister Dr. Goebbels: der Cbl des^Seneralstabes General der Artillerie Beck: der Oberbesehlshaber der Luftwaffe General der Flieger Goring: der Führer: der Kommandeur der Kriegsakademie General der Infanterie Liebmann: Generalfeldmarfchall von Mackensen: General der Artillerie Freihe rr v° n Fr, tsch ; Mener-loberst vonSeeckt: General der Infanterie v ° n R u n d st e d t; Reichsarbeitsfuhrer ch, er I; Professor Dr.vonArnim, Rektor der Technischen ' Hochschule. — (Scherl-Bilberbienst-M.) ,
Die Ausgaben der neuen Kriegsakademie.


