Paviane überfallen eine Pflanzung
Erlebnis eines Kaffeesarmers in Oeutsch-Ostafrika.
Schon zeitig am Morgen war ich draußen in der Kaffeepflanzung mit meinen Negern, habe die Bewässerungsgräben, die vom nahen Beraflüßchen des Kilimandjaro abgeleitet sind, aufgerissen, um die dürstenden Bäume zu bewässern, habe die schwarzen Arbeiter zum Hacken und Beschneiden der Bäume angestellt und mußte zu meiner Betrübnis wahrnehmen, daß in einem abgelegenen Winkel am Tage zuvor wieder eine Affenherde gehaust hatte.
Aus dem nahen Urwald, der die Pflanzung am Sanyafluß umgrenzt, kommen die Paviane in später Abendstunde oder am Zeitigen Morgen heraus- geturnt. Dabei gehen sie nicht nur nach den roten, reifen Kaffeebeeren und reißen diese ab, sondern vernichten systematisch die gesamte Pflanzung, indem sie auf ihrem Hin- und Rückwege jede der jungen einjährigen Pflanzen herausreißen. Ständig muß wieder ausgebessert, dauernd müssen die Lücken gefüllt werden. Die Affen sind hier für die nahen Pflanzungen am Urwalde zur reinsten Landplage geworden.
Gerade will ich in der heißesten Mittagszeit im Schutz meines kleinen Pflanzungshauses die Lohnlisten zusammenrechnen und habe schon alles dafür vorbereitet, als mein Wäscher, der Dobi, mit langen Sätzen angesprungen kommt: „Bwana, die Affen sind in der Pflanzung!"
Er hat am nahen Ufer des Sanyo Wäsche gewaschen und dabei gesehen, wie eine starke Herde den Wald verließ, um sich wieder in meiner Pflanzung gütlich zu tun.
Schnell springe ich ins Wohnzimmer, stopfe die Tasche voll Teilmantelpatronen, nehme den Fernrohrstutzen von der Wand und eile in langen Sätzen mit meinem Wäscher durch die Reihen der dreijährigen Kaffeebäumchen einem kleinen Hügel zu. Vorsichtig erklimmen wir die Anhöhe und halten Ausschau.
Richtig, da kommt auch schon eine halbe Kompanie brauner, kriechender Gestalten an. Dreißig, vierzig können es sein, in allen Größen und Altersstufen. Bald bleiben sie stehen, richten sich auf, äugen umher, ob die Luft auch rein ist. Dann setzen sie wieder ihren Marsch fort, bald hier und bald Dort eine Kaffeepflanze auszupfend. Noch ist es zu weit für einen sicheren Schuß. Ich lasse sie in aller Ruhe näherkommen, um möglichst drei oder vier mit der Repetierbüchse herauszuschießen. Denn dann werde ich für lange Zeit Ruhe haben, da die schlauen Assen sich eine so ungastliche Aufnahme
sehr wohl merken, und wochenlang die gefährliche Stelle meiden. Mein Wäscher und ich drücken uns eng an einen schützenden Termitenhügel an, damit uns die Herde, die gerade auf uns zu gezogen kommt, nicht wahrnimmt. Doch immer wieder unterbrechen sie ihre Wanderung durch die Pflanzung, reißen junge Bäumchen aus. Ich muß mich beherrschen, schon jetzt den Schädlingen eine Kugel hinzu- jenden, um sie von ihrem Treiben abzuhalten.
Jetzt geht ihr Weg auf die vierjährigen Kaffeebäume zu, an denen die roten Beeren wie süße Hagebutten hängen. Einige riesige Paviane marschieren vorn an der Spitze des Affenzuges, dann folgt ein Trupp der jüngeren Generation, und zum Schluß kommen vorsichtige Mütter mit ihren Babys hinterher gehumpelt. Mit jedem Schritt, den sie machen, verringert sich die Entfernung. Kaum noch zweihundert Meter trennen mich von der Affenherde. Aber sie kommen noch bedeutend näher, wenn sie zu den tragenden Kaffeeoäumen wallen. Geduldig warte ich hinter meinem deckenden Termitenhaufen, muß dabei zusehen, wie mir die Bande die mühsam gepflanzte und endlich angegangene Neukultur schä- digt.
In ihrer gurksenden aus der Kehle stoßenden Affensprache unterhalten sich die Paviane miteinander. Vereinzelte Laute dringen äu mir herüber, und noch ahnen sie nicht, daß ihr heutiger Ausflug in meinen Kaffee für sie böse enden soll. Van den Hütten meiner Arbeiter klingt Kindergeschrei und das Geräusch der Mais stampfenden Kolben herüber.
Einen Augenblick verhofft die Herde wieder, horcht auf. Doch diese Laute sind ihr bekannt und vertraut, und in eiligem Tempo geht es jetzt dem reifen Kaffee zu. Ganz vorsichtig schiebe 'ich mich nun mit der Büchse hinter meinem hohen Ameisenbau vor. Nur ein einziges Augenpaar der großen Herde braucht mich zu sehen, und das ganze Unternehmen wäre für mich mißglückt. Zoll um Zoll richte ich die Mauser hoch. Leise knackt der Stecher ein, und das Fadenkreuz des Fernrohrs sitzt gerade einem alten Pavianmännchen, das die Herde an- führt, auf der Brust.
Ein kurzer scharfer Knall! Der alte Affe greift sich mit der Hand an die Stelle, auf die eben noch das Abkommen des Glases hinzeigte, kreischt laut auf, stürzt hintenüber. Mit aellenden Schreckensrufen flüchtet die Herde zum Urwald zurück. Doch die Strecke ift weit. Vierhundert Meter über fast freies Land müssen die Affen flüchten, ehe sie die schützende Deckung erreichen. Kopflos jagt die Herde davon, während meine Kugeln zwischen die abziehenden Paviane schlagen. Bald höre ich einen schrillen Schrei, ein zweiter Affe bleibt liegen und kann der
Herde nicht mehr folgen. Ein dritter sondert sich schwerkrank ab und verschwindet in einer Mulde.
Inzwischen haben die anderen Paviane den Urwald erreicht und verschwinden mit ängstlichem Gekreisch im schützenden Dickicht. Noch lange höre ich ihre Schreckensrufe, die immer leiser werden, je weiter sich die erregte Herde entfernt. Meine Schüsse haben aus dem nahen Pflanzungsdorf einige meiner Neger angelockt. Noch mit den Werkzeugen in der Hand kommen fie angesprungen. Schwatzend und lachend folgen sie mir jetzt, als ich an den ersten, bereits verendeten Pavian herantrete. Ein altes, ungewöhnlich starkes Männchen liegt auf der An- fchußstelle. Das Teilmantelgeschoß in der Brust, hat er vom Tode nicht viel gemerkt. Die Hände um- krampfen noch ein abgerissenes Büschel roter Kaffeebeeren. Dann suche ich den nächsten Affen auf, dem die Kugel van hinten das Rückgrat brach. Eine mitteljährige Aefsin liegt mit faustgroßem Ausschuß in ihrem eigenen Schweiß. Jetzt gehe ich dem dritten Pavian nach, der getroffen in der Mulde verschwand. Es dauert nicht lange, da sehe ich den Affen schwer^rank zwischen $mei mannshohen Kaffeesträuchern. Beide Hände hält er schmerzvoll gegen Den Unterleib gepreßt. Ich reiße den Stutzen hoch und gebe dem Pavian den erlösenden Fangschuß. Dann lasse ich meine Leute gleich ein großes Loch ausgraben, in welches die drei Paviane gelegt werden.
So ist mein Feldzug gegen die Affenherde ziem- lich erfolgreich ausgegangen. Die Herde hat einen ihrer Anführer und zwei weitere Mitglieder verloren. Seitdem bleiben die Besuche in meiner Pflanzung aus, und ich sowohl als auch meine Kaffeebäume haben auf lange Zeit Ruhe vor den räuberischen Streichen der braunen Waldgesellen.
E. w. Strach.
Hochschulnachrichten.
Der Direktor des Marburger Universitätsinstituts für Leibesübungen, Presior Dr. Iaeck, ist vom Führer und Reichskanzler zum Oberregie, rungsrat ernannt worden. Durch diese (Ernennung kommt die Erweiterung der Unterrichtsaufgaben des Instituts zum Ausdruck, das damit beauftragt worden ist, neben der körperlichen Erziehung an der Universität und der staatlichen TurnlehrerausbU- düng auch die Fortbildung des gesamten Lehrpersonals der Provinz Hessen-Nassau für die Leibesübungen durchzusühren.
Professor Dr. Martin G e l z e r, Ordinarius für alte Geschichte an Der Universität F r a n k f ur t, hat einen Ruf an die Universität Heidelberg erhalten.
linken Unterschenkels. Er mußte zur ärztlichen Behandlung in die Chirurgische Klinik gebracht werden.
** Die Gesellenprüfung des Kraft- s ah r z e u a h a n d w e r k e s der Provinz Oberhesfen betrifft eine Anzeige in unserem heutigen Blatte, auf die wir die Interessenten be- ionbers aufmerksam machen.
Oberhessen.
Oer Grünberger Gallusmarkt 1935.
* Grünberg, 15. Sept. Für den weithin bekannten und berühmten Grünberger Gallus- markt ist in diesem Jahre eine Gallusmarkt- Woche in der Zeit vom 13. bis 2 0. Oktober vorgesehen. Am 13. Oktober findet ein Heimatabend unter dem Geleitwort „Soldaten, Kameraden!" mit einem Vortrag von Lehrer Böcher über „Grünberg in Kriegszeiten" statt. Am 15. Oktober wird der Markt durch die Ansprache des Bürgermeisters, die Hissung der Marktfahne und allgemeine Feiern in Den Lokalen eröffnet. Der 16. und der 17. Oktober bringen die eigentlichen Märkte (Vieh- und Krämermärkte) mit allerlei Volksbelustigungen; am 17. Oktober nachmittags wird auch eine große Bauernkundgebung durchgeführt. Der 20. Oktober bringt den Ausklang der Marktwoche mit Platzkonzert und allerlei Volksbelustigungen.
Ein bedeutsamer Fund.
tn. Lang-Göns, 15. Sept. Es wurde seiner- zeit von uns berichtet, daß das eine Gemeinde- dackhaus in der Hundstaatenstraße neu hergerichtet werden sollte. Die Arbeiten sind nun beendet, das Backhaus wurde dieser Tage wieder zur Benutzung freigegeben. Backofen und Kamin wurden ganz neu aufgebaut. Bei diesen Arbeiten fand man, daß die eiserne Platte, die am Eingang des Ofens lag und als „A u f f ch u ß b r e 11 benutzt wurde, auf der Rückseite mit einer Schrift versehen war. Nach der Reinigung stellte es sich heraus, daß hier ein ganz wichtiger Fund gemacht worden war. Die Platte wurde deshalb an der westlichen Außenwand, nach der Straße zu, angebracht, Damit sich jedermann davon überzeugen kann, welche Künstler unsere Eisengießer schon vor 230 Jahren waren. Die Platte ist etwa 80 Zentimeter breit und ebenso hoch. Sie trägt nicht nur eine Inschrift, sondern auch eine bildliche Darstellung der Geschichte von der Witwe von Sarepta, wie sie ihr Del an hinzukommende Frauen verkauft. Darunter steht gegossen:
Non est inopia timen tibus deum. Psalm 55.
Gen Sarept gesand Elisa von Gott. Da sie litten gros Hungersnot. Ein wenig Mehl und Oehl er fand damit speist er das ganze Land. 2. Regem 4. W.M.G.Z.S. Braunfels 1707. Die eiserne Platte, die Darstellung und die Schrift, sind noch sehr gut erhalten und geben uns Zeugnis von einer Kunst, die einst in der Gegend von Wetzlar in hoher Blüte stand. Im ganzen Stil und in Der Darstellung ähnelt Die Platte Den Verzierungen, Die wir noch manchmal in alten Bauernhäusern an Den Oefen antreffen. Auch in Den Museen, ebenso auf Der letzten Ausstellung in Frankfurt a. M. („Die Rhein-Mainische Wirtschaft") sind solche Platten zu sehen. Seinerzeit wurde auch im Gießener Anzeiger (Beilage „Heimat im Bild") von solchen gegossenen Ofenplatten berichtet, die im Vogelsberg (Hirzenhain) noch in vielen Häusern zu finden sind.
Iortbildungslehrgang für Aerzte in Bad-Nauheim.
= Bad-Nauheim, 15. Sept. Vom 20. bis 22. September findet hier in der Kerckhoff-Vor- lesungshalle Der 11. Bad-Nauheimer F o r t- bildungslehrgang für Aerzte statt, für Den bereits zahlreiche Meldungen deutscher und ausländischer Aerzte vorliegen. Zur Behandlung steht Das Tyema „Sie W e ch s e l b z i e h u n g e n von Atmung und Kreislauf". Voraus geht dem Lehrgckng vom 16. bis 19. September ein Kursus im Balneologischen Universitäts-Institut bei Prof. Dr. Weber, der die Elektrokardiographie behandelt. Parallel damit läuft ein klinischer Kursus der Kreislauferkrankungen, den Prof. Dr. Lu eg, Chefarzt des Konitzkystiftes und des Städtischen Krankenhauses, veranstaltet. Der Fortbildungslehrgang
nimmt am 19. September mit einem Bearüßungs- abenb im Kurhaus feinen Anfang. Außer Den medizinischen Dorträgen hält Professor Dr. e h r t s e n (Gießen) am 21. September, abends, einen öffentlichen Experimentaloorttag über künstliche Radioaktivität.
Große Meliorationsarbeiten im Kreise Alsfeld.
Alsfeld, 15. Sept. (LPD.) In der Gegend des Kreisortes L e h r b a ch bei Kirtorf sind jetzt große Melioratiosarbeiten in Angriff genommen worden. Es handelt sich um Die Regulierung Des Laufs Des Gleenbachs von Dem Kreisort Ober- Gleen über Kirtorf bis in Die (BegenD von Nieder-Klein im Streife Marburg. Hiermit sind umfangreiche Robungs- und Erbbewegungs- arbeiten verbunden. Bei diesen Arbeiten, bte auf viele Monate hinaus Beschäftigung bieten, sind etwa 400 Arbeitslose, darunter viele Volksgenossen aus Offenbach und Worms, tätig. Sie sind in einer schönen BarackensieDlung bei Lehrbach untergebracht. Nach der Fertigstellung Der jetzt vorgesehenen Arbeiten soll auch Die Regulierung des Gleenbachs bis zur Quelle bei Heimertshau- s e n ins Auge gefaßt worden.
Landkreis Gießen.
■ Rödgen, 15. Sept. Am gestrigen Samstag fand hier in Wagners Saal die Verleihung Der Kriegsehrenkreuze statt. Nach einem flott gespielten Eröffnungsmarsch trug Der Gesangverein unter Leitung von K. Etzelmüller den
ein Verfahren, das auf der nun fertiggestellten Provinzialstraße Treis—Allendorf in Anwendung gebracht worden ist und als empfehlenswert bezeichnet wird. Die Provinzialstraße ist vom 16. dieses Monats wieder für Den Verkehr freigegeben. — Die durch die Pensionierung von Lehrer Heb- r i ch frei gewordene hiesige L e h r e r st e l l e, die schon feit Monaten zur Wiederdefetzung ausgeschrieben ist, hat noch keinen Bewerber gefunden.
<£ Göbelnrod, 15. Sept. Die hiesige NS.- Frauenschaft widmete dieser Tage ihre Arbeit Dem fommenDen Winterhilfswerk. Sie schälte gemeinsam im Saale Des Pg. S ch u l t h e i ß Aepfel, Die als Schnitzel geDörrt und Der NSV. zur Verfügung gestellt werden sollen. Ferner mirb Die Frauenschaft, wie schon im Vorjahre, auch jetzt wieder Honig einkochen. — Im Saale Der Gastwirtschaft von Wilhelm Becker fanD eine Versammlung Der Ortsbauernschaft unter Leitung von Bürgermeister Weber statt. Zunächst gedachte man des verstorbenen Ortsbauernführers Hermann Velten II. Sodann wurden Die Fragebogen für Den Bezug von Kraft- und Futtermitteln ausgefüllt. — Dieser Tage hatte unser Ort Den Besuch eines Rehes, das sich hierher ver- irrt hatte unD durch die Straßen lief. Schließlich gewann bas Tier den Ortsausgang und flüchtete ins freie Feld hinaus. — Der hiesige Radfahrerverein „Heber Berg und Tal" unternahm eine Fahrt ins Blaue, die über Beltershain, Geilshausen, Kesselbach, Londorf nach Nordeck zur Frühstückspause führte. Dann wurde die Fahrt über Ebsdorf nach Lollar zum Mittagessen fortgesetzt
Die Geschichte
einer Hochzeitsreise
„Lkebesvontan* von wattbev von Holländer!
leichteren Kopfverletzungen davon. Der Motorradfahrer kam zu Fall und erlitt eme leichte Prellung.
Sb er ft ab t, 15. Sept. Bei ber gestrigen Gemeinbe-O b st v e r st e i g e run g waren Aepfel, beren Ernte nur gering ausgefallen ift, sehr gesucht unb bemzusolge teuer. Birnen am Baum kosteten 4 bis 5 Mark je Ztr. Zwetschen kostete» 6 bis 7 Mark. - Die Z w e t s ch e n e r n t e ift m vollem Gange. Auswärtige Hänbler kaufen größere Mengen auf, bie sie mit Autos hier abholen; ber Preis betrug seither 8 Mark, ift aber letzt auf 10 Mark je Zentner gestiegen Fruhbirnen werben gegenwärtig für 6 Mark je Zentner verkauft.
kreis Alsfeld.
± Groß-Felba, 15. Sept. Hier fand auf Veranlassung der Gausilmstelle eine Tonfilm» vorsührung statt, bei ber als Hauptsilm „Die vier Musketiere" zu sehen waren. Als Beigabe wurde ber Naturfilm „Ein Tag in den Alpen gezeigt. Die Vorführungen fanben dankbaren Beifall.
Den Arbeitskameraden erstochen.
Frankfurt a. M., 15. September. (LPD.) Am Samstag gegen 18 Uhr gerieten stellte einer hiesigen Ga ft wirtschaft in Streit, in besten Verlauf einer ben anberen m 11 einem Küchenmesser erstach. Diese Streitigkeiten waren burch geringfügige Ursachen entstauben; es hanbelte sich um private unb berufliche Klatschereien. Schon längere Zeit lebten beide in einem gespannten Verhältnis, bas burch Konkurrenz» neib im Geschäft entstauben war. Der Erstochene hatte bem Täter vorher einen Faustschlag ins Ge- sicht versetzt, worauf ber Täter mit ber Faust zu- chlug, in ber er bas kurz vorher bei seiner Arbeit benutzte Messer hatte, ohne baß ihm bies im Augen- blick zum Bewußtsein kam. Ob bieses Zustechen mit bem Mester auf einen unglücklichen Zufall Hurückzu- führen oder im Jähzorn geschehen ist, bedarf ber weiteren Aufklärung. Bei ber Tat würbe ber Getötete so unglücklich ins Herz getroffen, baß er nach einigen Schritten totzusammeubrach. Zur Zeit ber Tat waren im gleichen Raum noch anbere Angestellte zugegen.
SW 20.«Sepienibev in den KamMenblättevn
Chor „Wo gen Himmel Eichen ragen" vor. Darauf hielt Bürgermeister Klos eine Ansprache, in ber er des übermenschlichen Kampfes bes beutschen Frontsolbaten unb seiner Würbigung im Dritten Reich gedachte. Feierliche Stille herrschte, als man Derer gedachte, die im Kampf für Deutschland ihr Leben liehen, unb als ein Chor hinter Der Bühne das Lieb vom guten Kameraben vortrug. Die Ansprache bes Bürgermeisters klang in Das Sieg-Heil auf Führer unb Vaterlanb unb in bem gemeinsamen Gesang ber ersten Strophe Des Deutschlanbliebes aus. Nach einem weiteren Chor des Gesangvereins sprach Lehrer Paul (Trohe) in Vertretung des Ortsgruppenleiters. Als Frontkämpfer richtete er einbringliche Worte an bie Versammelten unb zeigte, baß ber Weg des Frontkämpfers ins Dritte Reich weise unb baß er sich hier für die Jbee des Führers einzusetzen habe. Aufgabe bes akttven Kämpfers sei es auch, Dafür zu sorgen, baß besonbers bei der Jugend das Erlebnis dieser großen Zeit stets in Erinnerung bleibe. Die eindrucksvolle Rede wurde sehr beifällig ausgenommen. Man schritt darauf zur Aushändigung der Ehrenzeichen, die dankbar entgegengenommen wurden. Einige weitere Chöre unb anbere musikalische Darbietungen runbeten ben Adenb harmonisch ab.
t Treis a. b. L b a., 15. Sept. Hier lief in Mills Saal ber Film „Das Lied ber schwarzen Berge". In Anbetracht der Jahreszeit, die für Den Bauern jetzt viel Arbeit bringt, war ber Besuch ziemlich gut. — Die Ernte ber Frühkartoffeln hat hier begonnen. Man ist mit bem Ertrag ganz zufrieden. — Dieser Tage wurde der Teil der Bahnhofstraße von der Brücke bis zur Krümmung, Der in einem üblen Zustand war, neu chaussiert unb zwar mit geteertem Schotter,
und anschließend die Heimfahrt durch das Busecker Tal angetreten.
+ Grünberg, 15.Sept. In der letzten Woche wurde hier mit dem Verladen der Zwetschen begonnen. Während ber erste Waggon, ber Mitte der Woche abging, mit 6,80 Mark pro Zent- ner bezahlt wurde, war ber Preis am Ende ber Woche schon bebeutenb höher. Ein Hänbler, der am Samstag einen Waggon nerlub, zahlte 9 Mark für ben Zentner, währenb Die lanDwirtschaftliche Genos- M9,25 Mark für ben Zentner zahlte. Don ben am Samstag brei Waggons verloben. Äußer Grünbergern lieferten auch die Landwirte aus den Orten Göbelnrod, Lauter, Lehnheim unb Stangenrod Zwetschen hierher. — Die Herstel» lungsarb eiten an der Straße Grün- ber g—L o n b o r f, die an der Abzweigung nach Lumda begonnen unb in Richtung Grünberg ausgeführt würben, sinb fast beenbet. Die Arbeiten finb bis bicht an ben Bahnübergang bei Grünberg fertig« gestellt. Daß bie Straße einer grünblichen Herstellung bringenb beburfte, geht schon baraus hervor, baß sie vor bem Kriege zum letzten Male gewalzt würbe. Es soll nun auch noch Die Strecke von Der Abzweigung Lumba bis Geilshausen in Angriff genommen werben.
> Grünberg, 16. Sept. Am Sonntag gegen Abenb würbe hier in ber Bahnhofstraße ein 5jah - r i g e s Kinb von einem hiesigen Motorradfahrer an gefahren. Das Kinb war vom Bürgersteig rückwärts gelaufen, so baß es bem Fahrer vor bas Rab kam, ber trotz starken Bremsens ben Zusammenstoß nicht verhinbern konnte. Das Kinb, bas zur Seite geschleubert würbe, erlitt einen Nervenchok, kam aber glücklicherweise mit
Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft:
1112: Liste ber für die Beantragung von Einfuhrbewilligungen zuständigen ComiUs inter- professionnels.
1113: Bekanntmachung KP 23 ber Ueberwachungs* stelle für uneble Metalle, bett. Kurspreise.
1114: Zusammenstellung ber wichtigsten Vorschriften für ben beutschen Export nach Brasilien.
1115: Ausnahmebestimmungen für ben Reiseverkehr nach ber Schweiz.
1116: Zulassung beutscher Waren zur Einfuhr nach Frankreich nur bei strenger Innehaltung ber Vorschriften über bie Rechnungsausfertigung.
Rundfunkprogramm
Dienstag, 17. September.
6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 10.15: Schulfunk: „Thüringer Gestalten". 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert. 14.15: Mitten tm Werktag. 15.15: Für bie Frau. 16: Lieber Frankfurter Komponisten. 16.30: Aus Weizenlanb wird Wüste. Die Not ber amerikanischen Farmer. 16.45: „Lockenbe Ferne": Die Frankfurter Lanbkompanis unb bie erste beutsche Auswanderung nach Amerika im Jahre 1683. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Rund um Abessinien. 18.45: Zeitgenossen gibt's ... 19: Melobien von Carl Millöcker. 19.50: Der Tagesspiegel bes Reichssenbers Frankfurt. 20.10: Musikalisches Rätselraten. Ein heiteres Runbfunk-Gesell- schastsspiel von Hans Rosbaub. 21.45: Mit bem Runbfunk-Uebertragungswagen zum Manöver bes Wehrkreises 9 in Grafenwörth. 22: Abenbmusik. 23: Europäisches Konzert aus Bubapest: Franz Liszt. 24 bis 2: Nachtmusik.
Bismarcks Schulbuch.
Ohne je ein Stubenhocker unb Bücherwurm gewesen zu sein, hat Bismarck boch über eine grünb- lich erarbeitete Geschichtskenntnis verfügt, bie ihm bei seinem großen unb klaren geschichtlichen Werk von Nutzen war. Allerbings war seine Vertrautheit mit ben wesentlichen Geschehnissen ber beutschen und ber europäischen Geschichte nicht auf ber Schulbank ober auf ber Universität begründet worben. So würbe in seinem Schulzeugnis betont, baß seine Kenntnisse in Geschichtszahlen nicht vorzüglich seien, unb als seine Frau einst mit ihm vor ber Berliner Universität staub unb berounbernb zu bem Gebäube aufsah, weil „ihr lieber Bismarck ba täglich aus- unb eingegangen", erroiberte er ihr: „Niemals!" Er hatte in ber Tat überhaupt keine Vorlesung besucht, sonbern sich all sein Wissen in heißem Arbeitseifer auf eigene Faust angeeignet, wovon bie Bibliothek zu Schönhausen ein lebenbiges Zeugnis gibt. In manchen ber bort aufbewahrten Bücher finben sich Anmerkungen von seiner Hanb unb Lesezeichen, bie er einfügte. So hat Bismarck, ber ein großer Verehrer Carlyles war, in besten Buch „lieber Helden und Heldenverehrung" durch Anstreichen Sätze hervorgehoben, die uns Rückschlüsse auf bie Anschauungen Des Lesers gestatten. Da heißt es z. B.: „Man würbe ganz unb gar nicht wissen, was man von ber Welt halten sollte (bazu Bismarck: „Ich auch nicht"), wenn Quacksalberei so barinnen gebeihen unb sich bewähren könnte (bazu von Bismarcks Hanb: „Tut fie aber boch!"). Dergleichen Theorien sinb aber gar traurig^ (baraus machte Bismarck: „Traurig aber wahr."). Don be- fonberem Reiz aber ist es, einen Blick in eines ber ersten Schulbücher bes großen Deutsche« zu werfen, mit bem sich ber Knabe Bismarck rebnch herumschlug, wie es unsere Schuljungen heute auch tun. Aus ben Jahren 1826 bis 1828 stammt bas alte abgegriffene Schulbuch, in bem gleich auf ber ersten Seite nicht weniger als zwölfmal ber Name Bismarck, halb mit lateinischer, halb mit beutscher unb griechischer Schrift, halb in riesigen unb halb in kleinen Buchstaben aufgemalt ist. Auch auf ben weiteren Seiten finben sich bie mernoürbigften Kritzeleien, Zeichnungen unb Tintenklexe, Erzeugnisse ber „Muße während ber langen Schulstunoen. 3a, über bie Texte ber Uebungsftütfe sinb nach Schuljungenart vielfach bie betreffenben Vokabeln geschrieben. Ein Satz in dem Buch aber ist besonbers sorgfältig unterstrichen, was verrät, baß et tiefen Einbruck auf ben Knaben machte. Er behan- beite ben Tob Friebrichs des Großen.


