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to.190 Dritter Blatt

Freitag, [6. August 1935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Schweres Verkehrsunglück im Lumdatal.

Personenauto vom Güterzug überfahren.-Ein Direktor der Bank von England tödlich verletzt.

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Das Auto am Bahndamm, nachdem es vom Zuge

Die Reichsbahndireklion Frankfurt a. 21L teilt Mit:

Am Donnerstag, 15. August, um 11.55 Uhr, wurde ttuf einem Feldwegübergang bei Kilometer 18.33 zwischen dem Bahnhof Treis an der Lumda und Allendors a. d. Lumda der Kraft­wagen des Vorstandsmitgliedes der Dank von England Sir Basil Vlackett aus London von einem Güterzug erfaßt und stark beschä­digt. hierbei wurde Sir Basil B l a ck e t t, der den Kraftwagen selbst steuerte, schwer verletzt. Der Unfall geschah an einem Feldwegübergang, der sonst von Kraftwagen nicht befahren

eine Strecke wett mitgeschleift worden war.

wird Es wird angenommen, daß sich Sir Basil Blackett infolge der Sperrung der Straße Gie­ßenGrünberg verfahren hatte. Vahnarzt Dr. Kunz aus Allendorf leistete die erste Hilfe und brachte den Verletzten nach der Klinik in Marburg. Trotz sosort vorgenommener Operation ist Sir Basil Blackett um 15 Uhr gestorben.

Zu dem tragischen Unglücksfall erfährt der Lan­despressedienst des Deutschen Nachrichtenbüros in Frankfurt noch folgendes:

Sir Basil Blackett, der frühere englische Schatzkanzler von Indien, zuletzt Direktor bei der Bank von England, sollte in Heidelberg am Freitagvormittag in der Universität im Rahmen

Ein Blick in das Innere des schwer beschädigten Autos. (Aufnahmen [21: Photo-Pfaff, Gießen.)

einer Vortragsreihe hervorragender englischer Poli­tiker und Wirtschaftler einen Vortrag überPro­bleme der englischen Wirtschaft" halten. Die Aus­ländsabteilung der Universität Heidelberg hat als Ausdruck ihrer Trauer eine für Donnerstag abend vorgesehene Festlichkeit für die Teilnehmer an den Ferienkursen abgesagt. An Stelle des geplanten Vortrages von Sir Blackett wird am Freitag, 9 Uhr, in der Universität Heidelberg eine kleine Trauerfeier stattfinden.

Wie zu dem Unglück noch berichtet wird, befand sich in der Begleitung des Engländers noch ein Fräulein Eisenträger aus Marburg, eine ältere Dame, die ebenfalls verletzt wurde und ipi Krankenhaus in Marburg Ausnahme fand.

Ein zweiter Llnqlücksfatt.

Auf der Lumdatalbahn zwischen Daubringen und Lollar ereignete sich am gestrigen Donners­

tagnachmittag ein zweiter U n glü ck's fall, der zum Glück keine schweren Folgen hatte. An einem Wegübergang sprang von dem Zug, der gegen 14.30 Uhr aus dem Lumdatal in Gießen ein trifft, die Lokomotive mit der Vorderachse aus den Schienen und entgleiste mit dem vor­deren Teil. Die Ursache ist jedenfalls in einem größeren Stein zu erblicken, der auf dem Wegübergang zwischen der Schiene und dem Schutz­eisen eingeklemmt lag, so daß die Räder der Ma­schine das Hindernis nicht beiseiteschieben konnten. Der Hintere Teil der Lokomotive und die Wagen blieben, da die Geschwindigkeit des Zuges nicht allzu groß war, auf den Schienen stehen. Personen wur­den nicht verletzt. Die Fahrgäste mußten den Zug verlassen und zu Fuß nach Lollar gehen. Nach etwa drei Stunden war die Strecke von 17 Uhr ab wie­der befahrbar.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Tierquälerei.

Von Dr. Karl DReifi.

Nach dem früheren Strafrecht war die Tierquäle­rei eine bloße Übertretung. Wer öffentlich oder in ärgerniserregender Weise Tiere boshaft quälte oder mißhandelte, wurde mit Geldstrafe bis zu 150 Mark, oder mit haft bestraft. Dieser Paragraph war un­zulänglich, denn er nahm Rücksicht nur auf das menschliche Empfinden, das Anstoß an einer Tier­mißhandlung nehmen könnte, er nahm aber keine Rücksicht auf das mißhandelte Tier selbst, das also, solange es niemand sah oder solange niemand An­stoß daran nahm, gequält werden durfte.

Seit dem 1. Juni 1933 ist die Tierquälerei ein Vergehen, das mit Gefängnisstrafen bis zu sechs Monaten, oder mit hohen Geldstrafen geahndet wer­den kann. Es ist gleichgültig, ob eine Mißhandlung öffentlich" erfolgt undAergernis erregt", ober ob sie heimlich in Räumen stattfindet. Das neue Ge­setz will in erster Linie das Tier vor Roheiten und Brutalitäten schützen und nicht nur empfindliche Ge­müter schonen. Wer früher ein Tier im eigenen Haus noch so roh mißhandelte, konnte wegen Tier­quälerei nicht bestraft werden; geschahen die Quä­lereien in Gegenwart anderer Personen, die aber selbst so gefühllos waren, daß sie keinen Anstoß daran nahmen, so ging der Täter ebenfalls straf­frei aus.

Im Vordergrund steht heute das Wohl des Tie­res und nicht mehr dasAergernis der Oeffentlich- keit". Unter Mißhandlung sind aber nicht nur Schläge und sonstige Peinigungen zu verstehen. Der Tierquälerei macht sich auch schuldig, wer das Tier in der Reinlichkeit und Pflege stark vernachlässigt, ihm aus Bosheit oder grober Fahrlässigkeit Nah­rung und Flüssigkeit vorenthält, es längere Zeit und ohne Notwendigkeit der Kälte, der Hitze und den sonstigen Unbilden der Witterung aussetzt. So wurde ein Mann bestraft, der während eines Hagel­und Schneetreibens feine zwei hungrigen Pferde stundenlang vor einem Gasthaus stehen ließ, wäh­rend er selbst sich drinnen am Ofen wärmte und an Speise und Trunk gütlich tat.

Ein Fischhändler wurde neulich wegen Tier- quälerei bestraft, weil er die zum Verkauf bereit- gehaltenen Fische in einem Behälter aufbewahrte, der völlig unzureichend mit Wasser gefüllt war.

Ein Metzgergeselle, der auf offener Landstraße eine störrische Kälbin aufs Roheste mißhandelte, wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Der Hofhund eines Mühlenbesitzers lag angekettet stundenlang in der größten (Sonnenglut vor dem Haus, wo nicht der geringste Schatten Zuflucht bot. Der Hitze ausgesetzt und demzufolge stets lauwarm, war auch das durch Hühner- und Vogelkot verun­reinigte Trinkwasser. Der Hund war zudem schlecht genährt und gepflegt; er hatte Ungeziefer und am hals, wo er angebunden war, wunde Stellen. Es kam zur Anzeige und der Besitzer, der als ein brutaler Mensch in der ganzen Gegend berüchtigt und verhaßt ist, hatte seine Roheit mit vierzehn Tagen Gefängnis zu büßen.

Im übrigen macht der Gesetzgeber keinen Unter­schied zwischen einem nützlichen und einem schäd­lichen Tier. Ein Obstzüchter, der natürlich ein gro­ßes Interesse daran hatte, daß möglichst viel nütz­liche Vögel in seinen Bäumen nisteten, hackte der wildernden Katze seines Nachbarn eine vordere Pfote ab, damit sie nicht mehr auf die Bäume klettern konnte. Das Gericht sprach gegen diesen ge­meinen Rohling die höchstzulässige Gefängnisstrafe von sechs Monaten aus.

Wer (statt sie auf schnellste Art zu töten) junge Katzen und Hunde ins Wasser wirft, geschähe es aus Bequemlichkeit, oder um sich an ihrem lang­samen Verenden zu weiden, wer es zuläßt, daß feine Kinder aus Spielerei ober lauter Lust am Quälen irgenbein Kleintier, fei es ein Vogel, feien es Kriechtiere ober Infekten zu Tobe martert, ber oerbient eine empfinbliche Strafe unb bie Kinber auf ber Stelle eine exemplarische Züchtigung.

Verächtlich unb nieberträchtig ist ber Mensch, wenn er ber armen stummen Kreatur gegenüber kein Erbarmen kennt, ber sich in ber Erregung nicht anbers zu helfen weiß, als feine Wut an wehrlosen Tieren auszulassen, ober was noch trauriger ist! bem bie Qualen bes Tieres gar Freube bereiten.

Das neue Gesetz gegen Tierquälerei geht mit sol­chen Rohlingen scharf zu Gericht. Unb bas ist gut so! Wer seine Gewalt über bie arme, stumme Krea­tur in Zorn, Lust unb Frevel mißbraucht, ber ver- fünbigt sich gegen ben Schöpfer, ber uns Menschen mit Seele unb Verstaub ausgestattet unb über bie Tierwelt gesetzt hat.

Von den Kleinen dieser Erde.

Langsam klimmt bas Käferlein am Arm bes Menfchenriefen empor. Die Fühler tasten voran, unb bann turnt bas fugelrunbe Körperchen über bie winzigen Härchen, bie sich ihm wie gefallene Ur- roalbbäume in ben Weg legen. Es ist gar nicht ein­fach, alle sechs Beine über Die hinbernisse Hinwegzu­bringen, unb so hält bas Ärabeitier ab unb zu in seiner Schaukelbewegung inne, um zu verschnaufen. Warum muß es gerabe biefen beschwerlichen Weg gehen? Das verrät es uns nicht, aber mit beraum bernswerter Ausbauer klettert ber kleine Käfer nach oben, bis ja, bis ber Mensch, ber mit biefem Besuch beehrt wirb, ihn mit flüchtiger hanbbewegung abstreift unb ihn ins Bobenlose fallen läßt. Ober ihn rücksichtslos zerquetscht. Ober unb das kommt leiber seltener vor ihn vorsichtig mit zwei Fingern erfaßt unb ihn behutsam auf einen Gras­halm setzt.

Läßt sich nun nicht schließen, baß berjenige, ber hier grob zufaßt, auch sonst alles, was sich chm in ben Weg stellt, achtlos beiseiteschiebt, wenn es sich bie{e Behanlbung gefallen läßt? Unb welches von biejen kleinen Geschöpfen ist hier nicht ber Unter­legene? Wer hier aber behutsam vorangeht so bars man wohl umgekehrt annehmen wirb auch sonst auf bas scheinbar Nebensächliche unb Un- bebeutenbe ober gar als lästig Empfunbene acht- haben unb es nicht von vornherein mit Gering-

Oer Griesgram.

Don Hans Friedrich Dlunck

Der Griesgram steht in seinem schönen Garten. Er kann nicht schlafen, ber Monb ist zu hell, unb zu laut finb auch bie Sonntagsausflügler, bie an sei­nem Gitter oorbeiwanbern müssen, um bie Züge' au bekommen, bie irgenbwo in ber Ferne, gerabe da wo ber Monb steht, nach ber Stabt zurückrollen.

Der Griesgram geht hinter seinem Gartenzaun auf unb ab; wenn fröhliche junge Leute oorüber- fommen, ärgert er sich; wenn Verliebte voruder- fommen, giftet er sich; wenn Singenbe vorüberkom­men, knarrt er leise bazwischen Aber wenn sich welche zanken, ist ihm bie Welt recht. Seht ihr wohl, sagt er bann, warum lauft ihr zusammen? Hat gar keinen Zweck! ... . .

Gerabe lassen sich viere rechtwegs gegenüber sei­nem großen Garten nieber. Unb schelten. Unb fin­den es unerhört. Daß nämlich Peter unb Manechen noch immer nicht hei ihnen finb.

Der Griesgram späht vergnügt hinüber. Zwei Burschen unb zwei Mäbchen hocken ba zusammen unb haben Lästermäuler, kaum zu glauben!Du lieber Gott, als ob auf solchem Ausflug gleich ne Verlobung rauskommen muß! Nicht zu sagen, wie bie zwei sich benommen haben, Mariechen unb Peter! Unb mir müssen hier warten, he? Unb was hat sie benn einzubringen? Unb was hat er benn? Wovon soll bas leben, wenn Hochzeit wirb? Aber laßt bie beiben nur kommen! Sobalb sie in Sicht hnb, geht's los:Wir winben bir ben Jungfern- kranz" ober das Hochzeitslied aus dem 'wor­aus ist das noch? Recht ärgern und giften sollen die zwei sich! Wo man nun diesen Zug gewiß nicht mehr kriegt und doch warten muß, weil Peter die Karten für die Rückfahrt hat. Och, wegen Marie wäre man ja längst unterwegs. Die hat's ausge­nutzt und ist doch erst zum dritten Male mit auf dem Weg!"

Und dann fingen sie alle durcheinander, nicht ge­rade sehr feine Lieder und just gegenüber dem Tor au Griesgrams Haus. Der hätte sich gewiß langst den Lärm verbeten, säßen die vier nicht in so bitter- schöner Absicht da, hörte er nicht zwischen den Ver­sen immer mit Behagen, was man den beiden Nach­züglern alles sagen wird.

Endlich langweilt es aber auch den Griesgram; eigentlich ist er sogar ehrlich entrüstet und von Herzen verärgert über die vier. Ja, je weiter er hinter seinem Gitter entlang geht, eins, zwei, Drei,

fünfhundert Schritte, findet er es immer abscheu­licher. Welche Gesinnung! Aber so sind die Man­schen. Kaum haben die einen den Rücken gekehrt, müssen die andern über sie herfallen. Hoffentlich müssen die vier noch recht lange warten, da wirb er seinen Spaß baran haben. Unb biesen Zug kriegen sie schon gar nicht. Der Grieskram möchte über­haupt, baß bie vier sich solche Wut in ben Hals warten, wie sie's oerbienen, wie all unb jedermann es eigentlich oerbient, wenn man ihm recht ins Herz schaut, wie

Aber ba stehen zwei an der unteren Pforte und strecken den Hals in den Garten und haben es furchtbar eilig.Ob hier nicht ein Fußweg fei, ber rasch zum Bahnhof führt?" Was für eine Frage! Hier ist Griesgrams Grunbstück unb ob man brüder- hin hoppelt so rasch zum Bahnhof kommt, geht keinen was an. Er muß ohnehin Steuern genug bezahlen. Aber im gleichen Augenblick hört er vom oberen Tor bas gräßliche Singen, bem er irgenb- einen Schabernack antun möchte

Sie finb wohl ber Peter unb Fräulein Marie­chen", fragt er unb hebt plötzlich ben Riegel über bas Tor,ba müssen Sie sich aber beeilen zum Zug zu kommen, bie anbern erwarten Sie schon!"

Ach unb oh", kriegt er zu hören, bas sei ja sehr freunblich von bem Herrn, bas hätten sie gar nicht erwartet, baß er ihren Namen kenne. Unb sie treten scheu ein, Hanb in Hanb, unb wunbern sich über ben bünnen Erbnebel, ber alle Rosenbüsche schwim­men läßt, unb freuen sich verzückt über bie Grillen in ben Pfirsichbäumen, bie ihnen gerabe in bie Dhren zirpen, unb über bie Schatten, bie wie dunkle Hänbe über bem Weg liegen. Unb sie sagen es einanber alles rasch unb flüchtig, schauen sich verlegen um unb bewunbern ben prächtigen Gar­ten unb sagen bem Herrn Griesgram, wie freunb­lich es von ihm sei, ihnen bas alles zu zeigen. Unb bann geht's Hanb in Hanb zum oberen Tor hinaus, von bem ber Fußpfad geradewegs zum Bahnhof läuft,

Griesgram muß ihnen nachfehen. Er will sich noch ärgern; gehört sich das wohl, so vor allen Leuten Hand in Hand zu laufen? Da geschieht indes noch etwas viel Gräßlicheres: kaum find die zwei fünfzig Schritte gelaufen, fahren die Köpfe zusammen Griesgram wendet sich mit einem lauten Gähnen ab. Er begreift gar nicht, was er eben tat, noch warum ers tat und wieso sein altes Herz puckert unb kollert. Dann ist er inbes wieber am großen Tor unb hört bie vier vor sich ärgern unb ist wie­

ber bei Besinnung. Unb Griesgram hält ben Kopf schief, um nichts von bem zu verlieren, wie sie schel­ten unb poltern unb auf bie beiben Nachzügler war­ten unb sie verwünschen unb alle verliebten Leute an bie Bäume knüpfen möchten.

Gerabe nach Griesgrams Sinn.

Auch ein JIapeleonroman.

Wie es auch heute noch in Sowjet-Rußlanb viele Russen gibt, bie an ben gewaltsamen Tob bes letzten Zaren nicht glauben, fonbern überzeugt finb, baß er irgenbwo in ber Stille bloß abwarte, bis seine Zeit gekommen wäre, so bezweifelte man auch, als bie Kunbe von bem Tobe Napoleons auf S t. Helena nach Europa kam, vielfach bie Wahrheit biefer Nachricht. Es wollte vielen nicht in ben Kopf, baß ein so tatenfroher Mann im blühen- ben Mannesalter von 53 Jahren im Bett sterben könne. Es entstauben bamals Streitschriften über ben Tob bes Korsen, aber es entstaub auch e i n Roman, ber allen, bie von bem Weiterleben bes Franzoseukaisers überzeugt waren, viel Anregung gab. Der Verfasser berichtet barin, wie ein nach St. Helena gekommener Kurier bes Herzogs von Wel­lington, ber bem Kaiser sehr ähnlich sah, vergiftet würbe unb bie Leiche Napoleons abzugeben hatte, währenb ber Korse mit ber Witwe bes Kuriers nach Englaub segelte unb mehrere Jahre als Geheim­sekretär Wellingtons wirkte. Mit einem falschen Paß reifte er bann nach Aegypten, wo er einen großen Schatz, ben er bei seinem ägyptischen Felbzug zurück- gelassen hatte, ausgrub, sich ein großes Haus mie­tete unb schöne Sklavinnen kaufte. Nicht für sich natürlich, sondern für den Sultan, bei bem er sich mit so hübschen Geschenken in ber Tat vorteilhaft einführte. Ihm gab sich ber Kaiser zu erkennen, trat zum Islam über, erhielt ben NamenIussuph" unb würbe zum Geheimen Obertabakpfeifenstopfer ernannt. Dem Korsen gelang es, bie türkische Armee auf bie Höhe ber französischen zu bringen, wofür er zum Pascha von zwei Roßschweifen ernannt wurde, auch erhielt er die Prinzessin Zoraida zur Frau. Die europäischen Mächte bedrohten wieder einmal die Türkei und hatten vor Navariuo ein großes Geschwader versammelt, das die türkische Flotte vernichten sollte. Die Schlacht hatte schon be­gonnen und ber größte Teil ber türkischen Schiffe war schon untergegangen, als Napoleon herbeieilte, mit seinem Schiffe bireft auf bie gegnerische Flotte losfuhr und alle sahen den Korsen in seiner grünen Uniform mit dem dreieckigen Hut, wie er auf der

Kommandobrücke stand, die Arme verschränkt, den rechten Fuß vorgesetzt, umgeben von einem Batail­lon der kaiserlichen Garde, dazu erklang die Mar­seillaise. Kein Schuß fiel bei ben Feinben, bie eine Vision zu sehen glaubten, unb so entkam bie türkische Flotte ihrem Untergang. Bald darauf kommt es zum Kriege mit Rußland, die türkische Armee erliegt der Uedermacht ber Russen, Napoleon wirb gefangen unb in Odessa in einem Schlosse be­wacht, aber er entrinnt, wirb zwar totgesagt, doch die Eingeweihten wissen, er lebt Wohin er entron­nen ist, teilt ber Roman leiber nicht mehr mit. Er hat seiner Zeit viele Leser gefunben unb stellt jeben- falls feinem Verfasser bas Zeugnis eines sehr phan­tasiebegabten Mannes aus.

Kampf gegen die Seekrankheit.

Auf zweifache Weife hat man ben Kampf gegen bie Seekrankheit aufgenommen: burch Bereitstellung von Arzneimitteln sowohl für bie Behanblung als auch für bie Vorbeugung, unb burch eine Konstruk­tion bes Schiffes, bie bas Auf unb Ab ber Schlingerbewegungen, von benen bie Seekrankheit hervorgerufen wirb, auf ein möglichst geringes Ausmaß herabfetzt. Befonbers bie Schlinger­tanks haben sich aut bewährt; sie finb große Wasserbehälter an beioen Seiten bes Rumpfes unb oben burch eine Rohrleitung für die Luft unb unten burch eine Rohrleitung für bas Wasser miteinanber oerbunben. Beim Rollen bes Schiffes fluten.bie in ben Tanks enthaltenen Waffermaffen bin unb her unb bewirken eine Dämpfung ber Schlingerbewe­gungen. Dieser Vorgang, ber sich bisher selbst über­lassen blieb, wirb nunmehr zum ersten Male auf einem Dampfer ber Hamburg-Amerika-Linie, wie in ber Frankfurter WochenschriftDie Umschau" mitgeteilt wirb, burch eine befonbere Konstruktion aus einer Steuervorrichtung unb einem sogenannten Aktivierungsgebläse geregelt. Ein kleiner Kreisel steuert bas Wasser in ben Tanks so, baß sich die Bewegung im günstigsten Takt zum Gang des Schiffes auf den Wellen vollzieht. Man drückt ab­wechselnd Druckluft in bie Schlingertanks unb er« reicht auf biefe Weife einen ben jeweiligen Verhält­nissen angepaßten Wasserinhalt ber beiben großen Behälter.Abgesehen von ber besseren Dämpfung bewirkt biefe Anlage bie automatische Aufrichtung bes Schiffes bei Schlagseite, die Möglichkeit ber Beibehaltung ber Reisegeschwinbigkeit auch bei höherer See unb eine bessere Kurshaltung."