Puck.
^OMinutenDolkswirtschastinderKüche
Alle Gärten prangen; die Blumen blühen in tausend Farben, und das Gemüse wächst, daß es kaum zu verbrauchen ift. Dieser Segen deutschen Fleißes tut uns not, denn wir sind viel Köpfe, viele Münder, die täglich gestopft werden müssen. Jetzt ist ja die Ernte reich, jetzt macht es auch keine Schwierigkeiten. Im Winter aber, wenn das Einheimsen aus den Gärten beendet ist, dann müssen wir uns in der Hauptsache wieder aus unseren Vorräten ernähren. Diese sind natürlich durch die Lagerung, die Konservierung, den eintretenden Verlust usw. teuer, so daß sich die Kosten der allgemeinen Lebenshaltung alljährlich in den ernte-
schätzung abtun. Wie verhalten sich Ihre Freunde den Klemen dieser Erde gegenüber? Den Kindern, den Tieren, den Pflanzen, den Dingen? Muß man nicht erst eine bestimmte — und hoffentlich positive — Stellung zu diesen Kleinen eingenommen haben, ehe man daran geht, ein großes Schicksal zu meistern? Und wiederum: hat man nicht mehr Kraft, das Leben zu zwingen, wenn man mit den Kleinen dieser Erde Freundschaft geschlossen hat, sie zumindest gelten läßt und ihre Daseinsrechte und -gesetze achtet? Im großen Leben erreicht man sein Ziel ebenfalls nicht besser als mit Güte und Freundlichkeit und Verständnis für die Art der anderen.
Laßt Hühner legen!
Denn die schönen deutschen Eier machen uns vom Ausland freier!
Jeder schaffe, der es kann, sich jetzt Hahn und Hühner an, die wir dann mit Liebe pflegen, daß sie deutsche Eier legen, denn die schönen deutschen Eier, machen uns vom Ausland freier, und die deutschen Legeriesen sparen unferm Land Devisen! Mehr als jetzt lehrt unsre Hennen sich von ihrem Ei zu trennen. Konkurrenz, lehrt die Erfahrung, steigert alles, selbst die Paarung. Vieles hat in Hühnerzucht man in Deutschland schon versucht. Einstens ging es lebenslang ganz gemächlich seinen Gang. Nach dem Kriege ward man kühner, jeder legte sich auf Hühner. Selbst so mancher Dramendichter wurde plötzlich Hühnerzüchter, und er schlug nicht mehr die Leier, sondern er erzeugte Eier.
Deutschland darf sein eigen nennen fünfzig Millionen Hennen, die im Jahr, bei Wind und Regen, drei Milliarden Eier legen. Jedes Huhn legt sechzig jährlich, das ist aber viel zu spärlich, und von Bremen bis nach Oppeln soll die Leistung man verdoppeln, denn wir brauchen ungefähr zwei Milliarden Eier mehr, Die vorn Ausland wir erhandeln. Dieser Zustand soll sich wandeln. Eier, weiche oder harte, sieht man auf der Speisekarte, Rühr- und Setzei, Eierfladen, Omelette und Rouladen, Eiweiß, drin das Fleisch man wende, Eier, Eier, ohne Ende! Darum baut für alle Fälle neue, einwandfreie Ställe, sorget für die Hygiene, sorget auch für neue Hähne, denn, wo rechte Liebe waltet, ist das Ei auch bald gestaltet, und es gleitet, wie geblasen, aus der Henne auf den Rasen!
Kampf der Gefahr!
Schützt den deutschen Wald! - Verhütet Waldbrände!
Der Wald ist eines der kostbarsten und wertvollsten Güter des deutschen Volkes. In zahlreichen Liedern wird er verherrlicht. Und das mit vollem Recht! Ohne ihn wäre die deutsche Landschaft kahl und öde, der deutsche Mensch ohne jede Erholungsmöglichkeit, der deutsche Handwerker ohne das Material, das er am notwendigsten braucht, das Holz kurz und gut: unser Leben wäre ohne den Wald kaum noch zu denken.
Obwohl unser herrlicher Wald höchstes Volksgut darsiellt. das den Schuh der Allgemeinheit in weitestem Maße genießen sollte, ist es immer noch notwendig, die deutschen Volksgenossen darauf aufmerksam zu machen, mit Feuer im
Walde äußerst vorsichtig umzugehen.
Ist es nicht genug, daß jährlich durch Selbstzündungen bei brennender Sonnenhitze große Mengen dieses wertvollen Gutes vernichtet werden? Da kann man immer wieder lesen, daß da und dort ein Waldbrand entstanden ist und unermeßlichen Schaden anrichtete. Und was war gewöhnlich die Ursache? Leichtsinniges Wegwerfen brennender Zigarren- oder Zigarettenstummel, unvorsichtiges Abkochen mitten im Walde und dergleichen mehr! Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, daß jeder, der sich im Walde aufhält, seiner Pflichten der Volksgemeinschaft gegenüber bewußt ist. Da aber gerade auf diesem Gebiete noch manche Wünsche offen sind, hat sich die Abteilung Schadenverhütung der NSV. dieser Aufgabe angenommen. In Wort und Schrift klärt sie die deutschen Volksgenossen auf.
hat der Wanderer einen Brandherd im Walde entdeckt, so ist es seine erste Pflicht, mit allen Mitteln an dessen Bekämpfung heranzugehen, hat das Jener größere Ausdehnung angenommen, daß er es allein nicht einzudämmen vermag, so hat er auf dem schnellsten Dege die nächste Polizeistation, den nächsten Gendarmerieposten oder das nächstgelegene Arbeitsdienstlager zu verständigen.
Energisch werden diese dann dem Feuer mit allen möglichen Hilfsmitteln auf den Leib rücken. Um die Gefahr der Waldbrände einzudämmen, sind in den Sommermonaten Polizei-, SA.- und Streifen der Technischen Nothilfe unterwegs. Es ist bezeichnend, wenn man hört, daß allein im Käfertaler Wald an einem einzigen Sonntag über 200 Verwarnungen vorgenommen werden mußten. Wer obkochen will, möge dies am Waldrand und so tun, daß ein Uebergreifen des Feuers auf das Gehölz nicht möglich ist. Empfehlenswert ist auch das Biwakieren an Wasserläufen, da man dort in Brandfällen am schnellsten das rettende Naß zur Hand hat. Der Wert unseres Waldes für das deutsche Volk ist ungeheuer groß. Was wird doch aus Holz nicht alles hergeftellt! Seide, Papier, Zucker, Spiritus, Brennstoff für Fahrzeuge und noch vieles andere mehr. Man denke an das Bauhandwerk und andere Berufe, denen das Holz unersetzliches Material ist. Darum muß immer und immer wieder der.Ruf ergehen an alle deutschen Volksgenossen: Schützt den deutschen Wald! Verhütet Waldbrände!
losen Monaten höher schrauben. Dem kann die Hausfrau dadurch wirkungsvoll entgegenarbeiten, daß sie sich jetzt Vorräte selbst schafft; sie entlastet damit zugleich den Handel vom saisongegebenen Ueberfluß und trägt auf diese Weise auch an ihrer Stelle zur Marktregelung und Marktordnung bei.
Neben den Obstkonserven in Form von Kompotten, Marmeladen, Gelees und Säften soll man besonders auch Gemüse konservieren: Bohnen, Erbsen, Pilze, Tomaten und Tomatenmark werden in Gläsern oder in gelblackierten Büchsen sterilisiert. Große und kleine Gurken, Melonen und Bohnen legt man in Essig ein; auch Salate von Roten Beete, Sellerie und Weißkohl kann man fertig zubereitet einwecken; lediglich das Oel gibt man erst kurz vor Gebrauch dazu. Sie bieten große Vorteile, denn die verwendeten Gemüse sind jetzt billig, und man hat an ihnen bet eiligen Gelegenheiten, z. B. wenn unvermutet Gäste kommen oder bergt, stets eine sehr bequeme Hilfe.
Da dieses Jahr die Früchte etwas knapper sind und daher auch höher im Preise stehen, ist es sehr zweckmäßig, sie mit viel Zucker einzukochen; Zucker streckt die Frucht, da er vor dem unnützen Gewichtsverlust durch Verdampfen der kochenden Marmelade usw. schützt. Auch die verschiedenen Geliermittel sind heuer sehr am Platz; ihre Anwendung rentiert sich bei den diesjährigen Obstpreisen, da ite jedes Gramm Frucht erhalten. Ihr Anschaffungspreis kommt als vermehrtes Fertigprodukt wieder zum Vorschein! Zum Strecken des Obstes kann man Tomaten, Melonen, süße Karotten und Wildfrüchte verwenden; auch Rhabarber schmeckt sehr fein, wenn man ihn mit anderem Obst vermischt.
Zur Konservierung sollten die Waldfrüchte, also Beeren und Pilze, noch viel mehr Beachtung finden: meist werden Pilze nur als Gemüse zubereitet und genossen; sie schmecken aber auch als Salat, in Suppen und Soßen ausgezeichnet.
Das neue „Fleisch im eigenen Saft" bietet eine willkommene Sommerkost, da es wenig Vorbereitung beansprucht und doch sehr vielseitig verkocht werden kann. Mit frischen Salaten und jungen Kartoffeln ergibt es leckere Mahlzeiten.
Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießeu-Güd.
Am Montag, 19. August, und Dienstag, 20. August, findet in der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenschaft die Opferring- s a m m l u n g (Lebensmittelsammlung) für die NS.- Volkswohlfahrt statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelspende (Pfundpakete) zur Abholung bereit zu halten.
Die deutsche Arbeitsfront
' n.5.=Gcmcinr(haft .straft durch Freude"
Omnibusfahrt an öle Edertalsperre (Waldeck).
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltet am 25. August eine Omnibusfahrt an die Edertalsperre (Waldeck). Der Fahrpreis beträgt einschl. Schiffahrt 4,60 Mark. Anmeldeschluß am Mittwoch, 21. August.
Sonderzug an den Rhein am 14. September.
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltet am Sonntag, 14. September, die letzte Rheinfahrt. Die Fahrt geht ab Gießen mit dem Zug nach Mainz-Kastel, von Mainz-Kaitel mit dem Dampfer nach Rüdesheim. In Rüdesyeim wird den Teilnehmern Gelegenheit geboten zur Besichtigung der Stadt. Don Rüdesheim geht die Fahrt mit dem Dampfer weiter nach Koblenz. Die Rückfahrt geht ab Koblenz mit dem Sonderzug nach Gießen. Der Fahrpreis beträgt einschl. Mittagessen 5,50 Mark. Anmeldeschluß: 1. September 1935.
Bunter Abend Willi Reichert am 24. August in der volkshalle in Gießen.
Für diesen Bunten Abend sind Eintrittskarten im Vorverkauf zu haben: Schokoladenhaus Huntemann, Seltersweg; Musikhaus Challier; Ortsgruppe der NSDAP. Gießen-Nord, Walltorstraße 16; Kreisdienststelle der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18II, Zimmer 8; Geschäftsstellen der DAF.-Ortsgruppen.
Eportkurfe des Gportamts Gießen
Achtung! Verlegung von Reitturf en!
Die beiden Reitkurse am Freitag, 16. August, müssen einmalig verlegt werden. Die Stunde von 20 bis 21 Uhr wird am kommenden Montag, 19. August, von 20 bis 21 Uhr, nachgeholt. Die Stunde von 21 bis 22 Uhr wurde auf kommenden Mittwoch, 21. August, von 21 bis 22 Uhr, verlegt.
Laienspielschar.
Zur Vervollständigung unserer neu aufgestellten Laienspielschar suchen wir noch drei bis vier Herren (ein Klavier- und ein Geigenspieler), sowie noch zwei bis drei Damen. Personen, die dafür Interesse haben, wollen sich umgehend auf der Geschäftsstelle der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Schon- zenstraße 18, melden.
Otto Gebühr nochmals als Gast im Stadttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschriebenk Die außergewöhnlich große Teilnahme und allseitige Zustimmung, die im vorigen Monat das Gastspiel Otto Gebührs im Stadttheater Gießen auslösten, brachten es mit sich, daß viele Theaterfreunde keine Karten mehr erhielten. Das ausverkaufte Haus nahm mit feüener Beifallsfreudigkeit und herzlicher Begeisterung die Darbietung des Gastes und seines Berliner Ensembles entgegen. Um den allseits ergangenen Nachfragen Rechnung zu tragen, hat die Intendanz den Künstler Otto Gebühr und sein Berliner Ensemble zu einer Wiederholung des Gastspiels „Zwischen Abend und Morgen" für Samstag, 17. August, verpflichtet. In diesem reizvollen Schauspiel des Dichters Zdenko von Kraft, das eine heiter-beschauliche Episode des großen Soldatenkönigs zum JnhaU hat und uns die Person des „Alten Fritz" mit all seinen Eigenheiten menschlich um so vieles näherbringt, spielt Otto Gebühr die Rolle des „Alten Fritz". Leibhaftig, wie einem Bild von Menzel entstiegen, betritt Otto Gebühr in der Maske, Sprache und Haltung Friedrichs des Großen die Bühne und bildet drei Akte hindurch den geistigen und seelischen Mittelpunkt der lebenswahren Anekdote. Man wird den Besuch dieses Gastspiels zu den dauernden Erinnerungen erlebnisstarker Theaterabende zählen. Anfang 20 Uhr; Ende gegen 22.15 Uhr. (Siehe heutige Anzeige.)
voraottzeu.
— Tageskalender für Freitag: NSG. ,Kraft durch Freude": 20 bis 21.15 Uhr Allgemeine Körperschule in der Schillerschule. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Knock out". Reichsfachgruppe Seidenbauer e. V.: 8 bis 20 Uhr Wanderschau in der Bäuerlichen Werkschule, Liebigstraße, Nr. 161. — Bauwirtring AG. Bremen, Eigenheimschau Gießen, Marktplatz 6: 20.15 Uhr im Hotel Prinz Carl Lichtbildvortrag „Der Weg zum Eigenheim und zum schuldenfteien Hausbesitz".
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** Eine Bekanntmachung über Aufwertungssparguthaben veröffentlicht die Be- zirkssparkasse Gießen in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen.
"Hausabbruch in der Neuen Baue. Um für ein neues Gebäude Raum zu schaffen, wird gegenwärtig das bisherige Geschäfts- und Wohnhaus Neuen Bäue 5 abgebrochen. Der Eigentümer
29 Fortsetzung.
Nachdruck verboten!
Es gab nichts
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Dietrichs Gesicht verschloß sich herb. Karla hatte immer noch ihren schönen Glauben. Wenn er ihr erzählen würde, was er erlebt hatte, würde sie sehen, es war. alles hoffnungslos. “ mehr zu klären, es konnte nichts werden.
M sanden zueinander.
Vornan von Klothilde v. Stegmann
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Derlag Halle (S.)
innner angstvoller aus. Auch Doktor ä dn besorgtes Gesicht. Redete
Lnelnch irre? Oder was meinte er?
binfr strich in fliegenden Worten von
D/Slim Simh9thUn9 bleien beiden Fremden im hmn hi» »r m l portugiesisch geführten Unterhal-
war finster gefaltet. In seinen Augen lohten Schmerz und Empörung.
„Tut mir leib, daß ich Ihre Menschenkenntnis anzweifeln muß, lieber Doktor! Auch ich habe einmal so von Marlen gedacht, aber ich bin schnell eines Besseren belehrt worden. Marlen hat mich um äußerer Vorteile willen geheiratet, obwohl sic nicht einen Funken Liebe für mich empfindet. Und damit nicht genug: Sie hat sich nicht einmal gescheut, meinen Namen zu verunglimpfen. Sie liebt einen andern Mann und wagt, diese Liebe vor aller Öffentlichkeit zu zeigen. Schweigen Sie, ich habe Beweise! Ich habe selbst mit eigenen Augen gesehen, wie Marlen sich gestern in zärtlichster Weise von einem jungen Mann verabschiedet hat — von I tuna, "die er mit ongehort' ^ tie|UVlu:n "nreryai- ihrem Geliebten", fuhr er heiser fort. „Ich habe „Jetzt wünsche ich nur noch heifter hak man hi» gesehen, wie die beiden sich geküßt hoben, wie jiel beiden Gauner fängt." ” man b,e
ihm Blumen zum Abschied schenkte, wie er sie bat, mit ihm xu reifen. Und wie sie sagte, das könne sie nicht, Denn sie wäre ja nicht frei. Ach genug, genug..." Er machte eine Gebärde des Ekels. „Wollen Sie nun noch Marlens Partei halten?" Langgifser sah Karla erschrocken an. Alles, was Dietrich sagte, trug so den leidenschaftlichen Stempel der Wahrheit, des schmerzvollen Erlebens, daß er nicht wußte, was er sagen sollte.
Da stand auch Karla aus. Auf ihrem zarten Gesicht war geradezu etwas von Kampfeslust.
„Ja, ich nehme Marlens Partei, Dietrich!" Ihre Stimme klang fest. „Sag einmal, Dietrich, wie sah denn der junge Mann aus, von dem sich Marlen so zärtlich verabschiedet hat?"
„Mittelgroß, schlank, aschblondes Haar, graue Augen", gab Dietrich gequält Auskunft. „Aber was interessiert mich das?!"
„Hatte er vielleicht eine kleine rote Narbe auf der Stirn?" fragte Karla hastig.
Dietrich stutzte. Tatsächlich, die kleine rote Narbe war ihm auf der schön geformten Stirn des Unbekannten aufgefallen.
„Ja, Karla. Kennst du diesen Menschen? Wer ist es? Wer hat es gewagt, meine Ehre zu er- niedrigen? Wer ist der Mann, den Marlen liebt?" Da lachte Karla. Sie lachte hell und glücklich.
Dietrich sah sie vollkommen fassungslos an. Was war mit Karla? Wie konnte sie lachen? In diesem Augenblick, da ihm das Herz vor Scham und Schmerz zitterte.
„Ach, du dummer Dietz!" sagte Karla zwischen Lachen und Weinen. „Natürlich kenn ich den Mann. Gott sei Dank, daß du ihn nicht gleich auf Pistolen gefordert hast! Weißt du, wer das ist? Marlens Bruder: Georg Korda."
Dietrich taumelte zurück, er war aschfahl geworden.
„Marlens Bruder?"
Doktor Langgifser hatte sich für den Nachmittag frei gemacht. Es drängte ihn, mit Dietrich und Karla zu sprechen.
Hauptmann Weckenroth war enttäuscht und verärgert:
„Da kommt nun endlich der Dietrich hier herunter, und man denkt, man kann einen ordentlichen Männertrunk zusammen tun und einen richtigen deutschen Skat dreschen — ja, Pustekuchen! Da belegt ihr ihn schon wieder mit Beschlag."
„Nicht böse sein, Väterchen", schmeichelte Karlo und küßte den Vater. „Du weißt ja, unsere Sorgen mit Marlen und Dietrich — wir müssen die Geschichte wieder ins Lot bringen."
Da war Hauptmann Weckenroth besänftigt. Wenn diese blödsinnige Geschichte wieder in Ordnung kam da wollte er gern auf seinen Skat verzichten. Karla eilte ihrem Verlobten nach, der schon mit Dietrich in sein Arbeitszimmer vorausgegangen war.
„So", meinte Langgifser, nachdem er Karla zärtlich auf einen recht bequemen Sessel geleitet hatte, „nun kann's losgehen. Nun sagen Sie mir um Gottes willen, Graf, was ist zwischen Ihnen und Frau Marlen? Ich kannte ja Frau Marlen schon, ehe ich wußte, wie innig sie mit meiner Karla befreundet ist. Und ich kann Ihnen sagen: Ich habe nie ein anständigeres, gütigeres und weiblicheres Wesen kennengelernt als Marlen Korda. Die Anwesenden sind natürlich immer ausgenommen", fügte er zärtlich hinzu und küßte Karlo die kleine Hand.
Dietrich erhob sich mit einem Ruck. Seine Stirn
„Jawohl, erst gestern hatte ich von Marlen einen Brief, daß ihr Bruder Georg nach Amerika ginge. Er hat eine große Entdeckung gemacht, irgend etwas mit Entgiftung von..."
„Lupinen!" schrie Dietrich so laut auf, daß Karla zusammenfuhr.
’fjtein Gott ja! Aber warum mußt du denn so brüllen? Nun war sie es, die den Freund verständnislos ansah.
Dietrich faßte Karla bei den Schultern:
x I«, Doktor, um Himmels willen — Georg Äoröa, Marlens Bruder war das?! Er hat diese ungeheure wissenschaftliche Entdeckung gemacht? wollt" " et CS iQ/ bcn biese Schurken betrügen
„Das wünsche ich auch", sagte Langgifser. „Unser armes Vaterland ist nicht reich genug, im sich derartige Erfindungen stehlen zu lassen, und Georg Korda auch nid)t.
Dietrich riß sich zusammen. Er fühlte beschämt, wie er sich hatte gehen lassen. Aber dieses alles war zuviel. Marlen hatte ihn nicht betrogen?! Marlen liebte keinen andern?!
„Hergott im Himmel", sagte er plötzlich inbrünstig und schämte sich nicht, daß ihm die Tränen in den Augen standen, „dann ist ja noch Hoffnung!"
„Worauf Hoffnung, Dietrich?"
„Hoffnung, Karla, daß Marlen mir noch einmal gut fein könnte."
„Du liebst sie also?"
„3a, Karla, ich liebe sie — ich liebe sie in tiefster Seele! Und alles, was ich tat, war ja nur die Empörung, daß sie mich nahm ohne einen Funken Empfinden für mich. Daß sie um des Geldes willen meine Frau wurde."
Karla wollte etwas sagen, aber jetzt mischte Langgifser sich ein:
„Lieber Veltheim, wir müssen jetzt einmal die Sache ganz streng Punkt für Punkt klären. So eine Art juristisches Frage- und Antwortspiel. Dann kommen mir am schnellsten zum Ziel. — Woher wissen Sie, daß Frau Marlen nichts für Sie empfindet?"
Dietrich senkte den Kopf. Qual und Scham waren in ihm.
„Sie hat es mir ja selbst gesagt."
„Dann hat Sie Ihnen die Unwahrheit gesagt. Karla kann bezeugen, daß Marlen Sie vom ersten Tage an liebgehabt fjat.
„Karla, um Himmels willen, ist das wah<?" Karla nickte mit feuchten Augen.
„Karla, warum haft du mir das nie gesagt? Und warum log Marlen?"
Langgifser fiel wieder ein:
„Karla hat geschwiegen, weil Marlen ihr verboten hat, Ihnen die Wahrheit zu sagen. Marlen schämte sich. Ihnen ihre Liebe zu gestehen. Sie glaubte, daß Sie noch an Jutta Bergfelde hingen."
„Wie war das möglich?"
„Es ist anzunehmen, daß Marlen rin <T‘ zwischen Karla und Jutta auf Schloß Veltheim mit angehört hat. In diesem Gespräch behauptete Jutta von Bergfelde, daß Sie immer noch an ihr hingen, und daß Sie jeden Moment bereit wären, sie zu heiraten, wenn sie ihr Jawort gäbe. Sie behauptete weiter, daß s i e es gewesen, die Ihnen den Abschied gegeben."
„Aber das ist ja Lüge, die Dinge sind ja gerade umgekehrt gelaufen. I ch habe Jutta aufge- sagt, nachdem ich ihren wertlosen Charakter erkannte hatte."
„Aber Jutta von Bergfelde hat es anders dargestellt. Marlen Korda ist unfreiwilliger Zeuge dieser Unterredung gewesen. Marlen schloß daraus: daß erstens es immer noch Jutta fei, der Ihr Herz gehöre, lieber Veltheim, daß zweitens Sie nur um Marlen geworben hätten, weil Sie nun einmal die Testomentsllausel erfüllen mußten. Aus diesen
beiden Gründen ist Marlens ganze Haltung erklärlich. Sie wollte Ihnen nicht zeigen, was Sie ihr in Wahrheit bedeuteten, da sie selbst sich verschmäht fühlte." Dietrich hatte den Kopf in den Händen verborgen. Das alles war so unfaßbar neu. Glück und Reue stritten in seiner Seele.
„Begreifst du nun alles, Dietrich?" fragte Karlas sanfte Stimme. „Marlen ist der tapferste, sauberste Mensch. Sie wollte dir den Besitz Veltheims ermöglichen. Für sich selbst verlangte sie nichts. Dein Geld brauchte sie nicht."
Nun sah Dietrich auf.
„Aber wenn sie mein Geld nicht brauchte, was geschah dann mit den großen Summen, die sie doch von der Bank entnahm? Sie hat die ersten beiden Monatsrenten vollkommen verbraucht."
„Aber nicht für sich, sondern für ihren Bruder Georg, der am Verzweifeln war. Sie war so sicher, daß seine wissenschaftlichen Versuche gelingen müßten. Sie glaubte sich berechtigt, nicht nur in Georgs Interesse, sondern auch um der deutschen Heirnai willen ihm von deinem Geld zu geben. Aber sie war fest entschlossen, es auf Heller und Pfennig zurückzuzahlen, wenn Georas wissenschaftliche Entdeckung Früchte tragen würde. Marlen selbst hat nichts von diesem Geld für sich verbraucht; das weiß ich genau."
„Aber 'wovon lebte sie denn?"
„Sie hat eine Gärtnerei gekauft und sich redlich von ihrer Hände Arbeit ernährt. Es war ein schweres Brot, Dietrich. Das kannst du glauben."
Da machte Dietrich Veltheim eine hilflose Bewegung. Er sprach kein Wort, doch Karla verstand. Leise zog sie Doktor Langgifser mit sich fort. Sie fühlte, der Jugendfteund mußte jetzt mit dieser Erkenntnis allein sein.
Eine halbe Stunde wohl gingen Karla und Werner Langgisser wie getreue Wächter vor dem Arbeitszimmer auf und ab, in dem Dietrich Veltheim saß. Es war ganz still drinnen. Es war die Stille um einen Menschen, der aus den Trümmern feiner Hoffnungen sich ein neues Leben aufbauen will.
^Nach einer halben Stunde öffnete sich die Tür. Dietrich Veltheim kam heraus. Er sah sehr bleich aus. Aber in seinen Augen stand ein tiefes, eigenes Leuchten. Er streckte Karla und ihrem Verlobten die Hande hin:
„Ich danke dir, Karla! Ich danke dir, Langgisser!"
Fest lagen die Hände der drei Menschen ineinander. Alle drei schwiegen. Karla sah glücklich von dem Jugendfteund zu dem Verlobten. Sie wußte, der Freundesbund mit Dietrich hatte sich erweitert. Ihr liebster Mensch, Werner Langgisser, war mit hmeingeschlossen. Nun fehlte nur Marlen.
„3a, nun fehlt nur Marlen!" sagte Dietrich leise. „Ob sie mir verzeihen wird? Ich wage kaum, vor sie hinzutreten. Was habe ich iyr alles angetan!"
Da lächelte Karla. Es war ein überirdische» Lächeln der Güte und Gewißheit:
„Du weißt doch das schöne Wort von der Liebe, die alles trägt und alles duldet — und alles oer- äeHt," - .. . > , , , r Eortjetzung folgt.) ,


