185. Jahrgang
Nr. W0 Erster Blatt 185. Jahrgang greitag, 16. August 1935
Ä ä Annahme von Anzeigen
Erscheint täglich, außer JHW W ZM W für die Mittagsnummer
Sonntags und Feiertags ▲ bis 8'/,Uhr des Vormittags
W--L2K- A|* A<* AM g|if4AiAAr
SN MeneMt zinwiger ms
pon etnjelnen Nummern »'**’' V . . Stellen-, Vereins., gemein.
General-Anzeiger für Oberhessen Z^Z
richten: Anzeiger Gießen v • behördlicheAnzeigen6Rpf.
8ton«urt?Äinll686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfilätsvuch- und Steindruckerei n. Lange in Stehen. Schriftleitung und SeschSstsftelle: Schulftrah« 7 M-ngenabichiüii- Staffelü
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
W
L W
v
In JftilL Stuck
ner/tciiuna «. IRb/ah von
Rundfunk-
g-^b/LH
&efct)äftigung in brr beutfcnen Runbfunh-Sn- buftrie(M5;1OO)
Die „Fernseh-Straße"
Kunbfunkjabr (1. Flug-31.Juli) (103V35J
(1933/34] 1$168
(1931/321
(1932/33)
0,99 1°*
0,95 1,05
Von unserem th.-r.-Sonderberichierstaiier.
Eine Leuchtreklame weist mit großen glänzenden Lettern den Weg: es ist der zauberhafte Weg in ein technisches Märchenreich, in das mystische und
höher als jemals zuvor. Von Volksempfängern wurden 30 v. j). mehr abgesetzt als früher. Gegenwärtig nehmen in Deutschland 36 v. S). der Haushaltungen am Rundfunk teil, während das Verhältnis in Dänemark 6 1 v. H. und i n Amerika sogar 6 9 v. H. beträgt. Unser Schaubild gibt einen Ueberblick über die Herstellung und den Absatz von Rundfunk-Empfangsgeräten in den letzten vier Jahren. Auffallend ist die starke Aufwärtsentwicklung feit dem Beginn der nationalsozialistischen Revolution. — (Scherl-M.)
zen verschrieben haben und dem auch der deutsche Rundfunk feine ganze Arbeit widmet.
Mit der heutigen Eröffnung der großen Deutschen Funkausstellung in Berlin geht das Rundfunk- jahr 1934/35 zu Ende. In diesem Jahre wurden die Sender Langenberg und Breslau wesentlich verstärkt, der S e n d e r K o b l e n z kam neu hinzu und der S e n d e r G l e i w i tz wurde stark erweitert. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer wuchs um 1,2 Millionen, das bedeutet eine Steigerung um 2 2 v. H. Der Absatz von R-undfunkempfangsappa- raten war mit rund zwei Millionen Apparaten
Hörspielen ein erfolgreicher Mitarbeiter des deutschen Rundfunks wurde. Viele Aufführungen des Rundfunks haben den Weg zur Bühne genommen, Kompositionen durch ihre Uraufführung im Rundfunk den Weg zum Musikverleger und damit zur breiten Masse des musikausübenden Volkes gefunden.
Der Rundfunk ist, wie keine andere Institution, dazu berufen, und befähigt, die geistige Brücke von Deutschland zur Welt zu schlagen. Er gibt anderen Ländern und Völkern ein plastisches Bild deutschen Lebens, Denkens und Gestaltens. Der großartige Ausbau des Kurzwellensenders, der jetzt mit seinen Richtstrahlen alle Erdteile erreicht, hat hier wahre Wunder der Verständigung geschaffen.
Für den überseeischen Empfang unseres deutschen Kurzwellensenders bringt die diesjährige Ausstellung bedeutsame Fortschritte in der Konstruktion der Kurzwellen-Geräte. Eine ganze Reihe von Firmen zeigen auf der Ausstellung fertige Apparate, an denen sie fast ein Jahr mit Gründlichkeit gearbeitet haben.
Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nicht versäumen, die große Abordnung französischer Rundfunk-Händler, die geschlossen der Eöffnung der diesjährigen Gro- ßen Deutschen Rundfunkausstellung beiwohnt, auf das herzlichste in Berlin willkommen zu heißen. Ich hoffe und wünsche, daß auch dieser Besuch dem Gedanken des Friedens und der Versöhnung dienen möge, dem wir alle uns aus vollem her-
Berlin, 16. Aug. (DNB. Funkspruch). Am heutigen Vormittag wurde die 12. Große Deutsche Rundfunkausstellung Berlin 1935 nach einer Begrüßungsansprache des Staatskommissars der Reichshauptstadt Dr. Lippert in Gegenwart zahlreicher Ehrengäste durch Reichspropagandaminister Dr. Goebbels feierlich eröffnet, nachdem am Donnerstagnachmittag bereits die Presse Gelegenheit gehabt hatte, die in allen Teilen fertige Ausstellung, die von dem Berliner Ausstellung- und Messeamt gemeinsam mit der Wirtschaftsstelle der deutschen Rundfunkindustrie und allen in der Reichsrundfunkkammer zusammengeschlossenen Verbänden veranstaltet wird, eingehend zu besichtigen.
Aeichsminitter Dr. Goebbels
führte dann u. a. folgendes aus:
„Als der Führer am 30. Januar 1933 um die Mittagsstunden an die Verantwortung gerufen wurde, teilte derRundfunk zuerst dem deutschen Volke diese historische Nachricht mit. Wenige Stunden später wälzten sich durch die Straßen der Reichshauptstadt die revolutionären Massen des erwachten Berlin und zogen durch die Wilhelmstraße am Reichspräsidenten und am Führer vorbei. Ganz Deutschland befand sich im Taumel. Nur das Funkhaus lag still, ohne Licht, zwar nicht ohne Mannschaft, aber ohne Führung. Die hatte sich nach Dienstschluß nach Hause begeben, in der gewohnheitsmäßigen Annahme, daß nun ihre Pflicht goto n sei. Was das Volk anfing' und was das Volk deshalb auch hören wollte, das ging sie nichts an. Damals sind revolutionäre Nationalsozia l i st e n ohne Amt und Auftrag in das Funkhaus hineingegangen, haben Mikrophone und Apparaturen auf Autotaxen geladen, sind in die Reichskanzlei gefahren und haben von der Reichskanzlei aus über die Aetherwellen das ganze deutsche Volk am nationalen Aufbruch der Reichshauptstadt teilnehmen lassen.
Da ist der Rundfunk zum ersten Male politisch geworden. Seine damaligen Außenseiter — das find diefelben Männer, die ihm heute Gesicht und Haltung geben — haben ihn unmittelbar an das Volk herangeführt und damit auch dasVolkfür denRund- funk erobert.
das Volk ihn lieben lernen. Möge zu dieser Liebe zwischen Volk und Rundfunk auch die Große Deutsche Rundfunkausstellunq 1935 ein Wegbereiter fein, die ich hiermit für eröffnet erkläre."
Ein erster Aundaana....
3m Hauberreich des Wobttlanas. ^Dottssender und Fernsehstraße.
Das zeigt sich am besten im ungeahnten Aufschwung der Rundfunkhörerzahlen. Während wir Ende des Jahres 1932 nur 4 300 000 Rundfunkhörer verzeichneten mit ständig zunehmender Abnahme, stiegen diese Ende des Jahres 1933 auf 5 Millionen, im Jahre 1934 auf 6100 000 und weifen am 1. Mai 1935 einen Be» stand von 6 700 000 auf. Das bedeutet eine Zunahme von 2 400 000 Hörern und eine Vermehrung der Hörerzahlen, die wir übernahmen, u m mehr als die Hälfte.
Die nationalsozialistische Führung des Rundfunks suchte den natürlichen Zuwachs der Horerzahlen durch besondere Leistungen auszuweiten. Im Mai 1933 wurde zum ersten Male die Auflegung von 100 000 Volksempfängern zum Preise von 76 Mark beschlossen; denn es hatte sich gezeigt, daß gerade wegen der hohen Preise für deutsche Apparate die breiten Massen der Bevölkerung, vor allen Dingen die Aermsten unseres Volkes, vom Rundfunk ausgeschlossen blieben Der Gedanke des Volksempfängers fetzte sich erfolgreich durch, ohne daß dadurch die Produktion der anderen Geräte geschmälert wurde. 1932 wurden ohne Volksempfänger 971000 Rundfunkapparate produziert, 1933 1 105 000 Rundfunkapparate und 376 000 Volksempfänger, 1934 1 070 000 Rundfunkapparate und 817 000 Volksempfänger. Der Volksempfänger ist also eineArbeitsbeschaf- fung zusätzlicher Art gewesen.
Die Rundfunk-Industrie hat nunmehr die Reuauflage von 1 Million V olks- empfänger VE 3 01 befchlossen. Ich möchte den daran beteiligten Greifen für diesen von echt nationalsozialistischem Geist getragenen Entschluß bei dieser Gelegenheit DankundAn- erkennung der Regierung zum Ausdruck bringen. Rach dem Vorbild des Volksempfängers hat die Industrie auf Vorschlag der Arbeitsfront einen Standard-Empfänger für die Betriebe geschaffen: den Arbeitsfrontempfänger D A F 1011. Der Arbeitsfront-Empfänger foll zunächst kein Gerät für den Einzelnen fein; er ist für die Belegschaften in den Betrieben bestimmt und foll dem Rund- funk-Gemeinfchaftsempfang dienen. Er mußte deshalb in bezug auf äußere Aufmachung, innere Konstruktion und Leistung den höchsten Anfprüchen genügen. Der Preis diefes modernen und leistungsfähigen Gerätes wird ohne Lautsprecher 295 Mark betragen.
Der Minister kennzeichnete dann die kulturelle Bedeutung des deutschen Rundfunks und führte u a aus- Der Rundfunk entdeckte in ungeahntem Maße die schöpferischen Kräfte der jun- aen Schaffenden und wurde ihr großzügiger Protektor Es ist kein Zufall, daß die beiden Trager des großen Nationalpreises in den ver. gangenen zwei Jahren tm Rnndsunk ihre ersten Uraufführungen erheben dursten, Eu ring er der Autor der „Deutschen Passion und Wolsgang Eberhard Möller, der mit Dielen
fen die verschiedensten Filmszenen. Dazu ertönt, geisterhaft fast, eine gedämpfte Musik. Man pilgert, ergriffen von diesem märchenhaften Einfall menschlichen Geistes, von einem Gerät zum anderen und bleibt andächtig stehen: hier, ein Geiger mit schwingendem Violinbogen. Der Bogen krümmt sich etwas in seiner Hand, beschreibt eine leichte Wellenlinie, aber das ganze, als Bild und Ensemble, ist trotz des „flimernden Regens" klar zu erkennen. Dort, ein paar Schritte weiter, eine hübsche Fernsehszene aus einem Film: ein junges Mädchen schlingt ihren Arm zärtlich um den Hals ihres Freundes. Schmachtender Augenaufschlag inklusive Kuß. Fernseh-bappy-evck! Zum erstenmal ... der kühnste Traum unverbesserlicher Phantasten ist Wahrheit geworden.
Sensation: Zeder Volksgenosse sendet!
Eine andere Halle: aus einem flachen riesigen | Becken fteigt wie eine glitzernde leuchtende Säule ein Springbrunnen über einer breiten, gewaltigen Freitreppe. In diesem Raum ist ein schallendes Tohuwabohu. Rechts und links ein Podium, ein Konzertpodium mit großen schwarz- glänzenden Flügeln; frische junge Studenten stehen sich hier in fröhlichen Gruppen gegenüber und schlagen einen herzerquickenden Krach. Sängerwettstreit am Kaiserdamm! Wir sind in der sensationellen Halle des „V o l k s s e n d e r s" angelangt; in diesem Raum hat der Nationalsozialismus eine prachtvoll natürliche, unmittelbare und herzhafte Idee verwirklicht: Hier „produziert" sich das Volk aus allen Gauen Deutschlands. Hier darf jeder frisch von der Leber weg, aus biederem Herzen, fingen und sagen, was ihn bewegt und erfüllt. Die beioen hohen Probebühnen sind die Bretter, die das Mikrophon bedeuten. Die Leute, die sich auf diesen Brettern „ausgetobt" haben, werden gesiebt: Wenn eine Darbietung den Ausstellungsbesuchern gefällt (Hinz und Kunz produzieren sich hier mit Kind und Kegel im Scheinwerferlickt der Def- fentlichkeit) ist sie r e i f f ü r d e n S e n d e r. Links und rechts am Ende der Halle sind die zwei Hauptsenderäume des Reichssenders aufgebaut, kleine geschlossene Sendesäle, in denen — wieder vor einem Kreis von Ausstellungsbesuchern — die Sendung auf alle deutschen Sender übertragen wird.
Das ist das gänzlich Neue und Erquickende an dieser phantqstischen Ausstellung. Ich weiß nicht, wer auf diesen originellen Gedanken gekommen ist — aber Rundfunk, wem Rundfunk gebührt! Und der Rundfunk gehört dem Volke. Ergo ist dieses Volk in seiner' breitesten Masse dazu auserkoren, nicht nur bewundernd oder kritisch zuzuhören, son-
aus der „regnenden" Leinwand. In einem großen '♦ Viereck hoch oben an der Wand erscheinen Bilder laus einer Wochenschau, bewegte, fließende, zuckende Szenen. Man sieht Motorräder dahinrasen, I Pferde galoppieren, Menschen über eine belebte
Straße gehen. Und daneben — auf der anderen Wandseite — die überlebensgroße Aufnahme eines Kopfes. Ein junger Mann, der sich be- I roegt, lächelt, sich mit dem Taschentuch über das Gesicht fährt. Die Einzelheiten des Ausdrucks sind genau zu erkennen: Fernsehbild! Dieser große Kopf auf zittrigem bräunlichem Hintergrund ist das erste, was unser Auge trifft. Wir müssen immer wieder wie hypnotisiert hinstarren: er lebt, es ist keine Täuschung, es ist die „ferngesehene Wiederigabe" eines jungen Männerkopfes, monumental «und geheimnisvoll in ihrer Wirkung.
Aber zur Sache: in der Fernsehstraße werden zwanzig serienmäßig hergestellte Fernsehempfänger der Reichsrundfunkgesellschaft vorgeführt. Im Betrieb: in den kleinen Kastenausschnitten lau-
f । .Zeit einem märchenhaften Aufschwung entgegen-
Wegbereiter zum Herzen -es Volkes!
ReichSProPagandaministerOr.Go-bbels eröffnet »ieirGroßeOmtsch-ltuadsankausff-IIung
Die „Fernseh-Straße" bringt die neuesten Fernsehapparate. Der Besucher wlrd sich hier uberzeMN, daß die Technik des Fernsehens im Vergleich zum vergangenen Jahre einen recht beträchtlichen Fort schritt gemacht hat. (Weltblld-M.)
Guter Start ins neue Rundsunkjahr.
frag dazu. Auch sie ist sich unter nationalfozia- listifcher Führung der großen Aufgabe bewußt.
v < q ö t ♦ I die sie am Volk zu erfüllen hat. Der Rundfunk
Geschehnisse der Volksgemeinschaft. Mehr und mehr len dem Volke das her, noch schwerer zu löst sich das Mikrophon los vom Kabel und wan- machen. Lr foll die Gemüter erleid)-
dert in die deutsche Heimat zu den Stämmen un- fern, die Sinne ermuntern, die
seres Volkes. Es ist bei jedem staatspolitischen herzen stärken, klar, aufrichtig und kom- Akt dabei. Das Mikrophon ist der ständige Be- promihlos: mit einem Wort, nationalfoziali- gleiter der Tagesereignisse. Diese in die Augen »(sch muß der deutsche Rundfunk fein und blei-
stechenden Leistungen des deutschen Rund unks sind ' » roenn „ fdbf( ba5 Vott liebt, wird
nur möglich gewesen, weil seine ganze Arbeit von^ — *• -
nationalsozialistischem Gestaltungswillen und revolutionärer Initiative erfüllt war.
Unter Bezugnahme auf den Prozeß ö e r Schallplattenfirmen gegen den Rund- funk erklärte der Minister: „Wir erachten es nicht mehr für angängig, sich jede Handreichung, die man dem Volke leistet, wenn sie sich an sich schon bezahlt macht, noch einmal besonders bezahlen zu lassen. Ich werde dafür Sorge tragen, daß der deutsche Rundfunk die Interessen der Allgemeinheit unter allen Umständen wahren kann, so daß von vornherein die Gewähr geboten ist, daß öffentliche Gelder auch wieder in den Dien st der Oesfent- lid) feit g e ft e 111 werden.
Was das Problem des Fernsehens an
langt, so befinden wir uns hier in ^nem erfreu-, geheimnisvolle Dämmerdunkel der romantischen lichen, Fortschritt. Der Relchsverbanb Deutscher tz e r n s e h st r a ß e. Diese Straße ist eine Allee Rundfunkteilnehmer eröffnete m den Woh ber Wunder und Ueberraschungen. Hier, wo uns eine
des schaffenden Volkes von Berlin bereits . ' Welt der klingenden, summenden Töne einfängt und fernsehstuben. Wir sehen auf diesem Gebiet wc te- k.e Fernsehbilder phantastisch abrollen, könnte der ren grundlegenden ^fintiungen entgegen ,unö f IfiJaie, der nichts von diesen Dingen begreift, das überzeugt, daß das deutsche Fernsehen m kurzer @rujeIn (erneiL Irgendwoher, aus dem Hintergrund, Iertönt in die zauberische Stille plötzliches Gesurr eines Propellers. Der Name „Ufa" blitzt


