vornoNzea.
— TageskalenderfürDienstag: DAF., Amt für Berufserziehung, Wirtschaftsgruppe Banken und Kredit, 19.30 Uhr, im Hotel „Hindenburg , Vortrag: „Der deutsche Außenhandel und seine Finanzierung. — NSG. „Kraft durch Freude ,19 bis 21 Uhr, Allgemeine Körperschule auf dem Unwer- sitätssportplatz am Kugelberg; 18.15 bis 19.15 Ufjr, Tennis auf den Tennisplätzen am Schutzenhaus; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. _ Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Freut euch des Lebens".
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** Wiedersehensfeier des Rhein. I R. Nr. 3 0. Am 3., 4. und 5. August d. I. findet in der alten Garnisonstadt Saarlouis eine große Wiedersehensfeier des ehem. 4. Rhein. JR. (Graf Werder) Nr 30 und seiner Kriegsformationen (Res.-Land- wehr 30 und FR. 477) statt. Nähere Auskunft bei Kam. W. Volk, Gießen, Ausweg 38.
** Verkehrsunfall. Gestern fuhr em Lastkraftwagen an der Abzweigung Schiffenberger Weg
und Straße nach Watzenborn-Steinberg mit großer Wucht gegen einen Baum. Der Lastkraftwagen wurde fast völlig zertrümmert. Der Beifahrer konnte aus dem Wagen springen. Der Lenker des Kraftfahrzeuges kam, trotzdem er am Steuerrad fitzenblieb, glücklicherweise ohne Schaden davon.
** ßu ftp oft nach Südamerika. Infolge einer Neuregelung bestehen jetzt wöchentlich zwei Luftpostverbindungen nach Südamerika, und zwar Donnerstags ab Stuttgart mit dem Flugdienst der Deutschen Lufthansa, und Sonntags ab Paris mit dem Flugdienst der Gesellschaft Air France. Außerdem werden Postsendungen außer Briefen und Postkarten mit den Fahrten des Luftschiffes „Graf Zeppelin" am 29. Juli, 12. und 26. August usw. alle 14 Tage Montags ab Friedrichshafen befördert. Letzte Einlieferungsmöglichkeiten beim Postamt Gießen (Bahnhofstr.): Mittwochs: 21.10 Uhr für den Flugdienst der Deutschen Lufthansa; Samstags: 7.25 Uhr für den Flugdienst der Gesellschaft Air France; Montags (jeden 2. am 29. 7. usw.): 7.25 Uhr für die Fahrten des Luftschiffes „Graf Zeppelin".
Obecheffen.
' 10 Gebote für den Bauern während der Ernte.
1. Sichere deine Leitern gegen Ausrutschen. Leitern von mehr als 6 Meter Länge dürfen beim Obstpflücken nur mit Gegenstützen verwendet werden.
2. Die Sicherheitsvorrichtungen in deiner Scheune bringe frühzeitig in Ordnung. Mangelhaft her- gestellte Bodenbeläge über den Scheunentennen und in Bansenräumen sind Todesfällen.
3. Störungen an Maschinen dürfen nur bei abgestelltem Getriebe beseitigt werden.
4. Dreschmaschinen ohne Schutzvorrichtungen lasse in deinem Betriebe nicht arbeiten.
5. „Achtung!" mußt du rechtzeitig und laut rufen, wenn beim Ausladen von Heu und Getreide auf dem Felde weitergefahren wird.
6. Fliegen verursachen oft das Durchgehen der Zugtiere. Deshalb sorge stets für Aufsicht.
7. Beim Sitzen auf beladenem Wagen ist größte Vorsicht geboten.
8. Beim Fahren auf der Landstraße ist die neue Straßenverkehrsordnung zu beachten.
9. Bedenke, daß Sensen, Gabeln und Mähmaschinenmesser schwere Verletzungen Hervorrufen können. Deshalb arbeite vorsichtig damit.
10. Beachte jede scheinbar geringfügige Wunde und suche bei Augenverletzungen sofort einen Facharzt auf.
Oie neue Orgel in der Niddaer Stadtkirche.
NN. Nidda, 14. Juli. Die Einweihung der neuen Orgel in der hiesigen Stadtkirche stand im Mittelpunkt des heutigen Tages. Unter starker Beteiligung fand sie durch Pfarrer S e r i b a statt. Sie tritt nun an die Stelle der 1621 eingebauten Orgel, die also 313 Jahre der Gemeinde gedient, aber im Laufe der letzten Jahrzehnte infolge Altersschwäche zusehends den Dienst versagt hat. Durch Entgegenkommen der Krugschen Stiftung hier, sowie durch hochherzige Spender wurde der unhaltbare Zustand beendet und von Meisterhand in sorgsamer Weise ein Werk vollendet, das mit Recht als Wunderwerk im Reiche der Töne bezeichnet wird. Die Orgel steht erhöht im Chor, der Spieltisch auf der seitlichen Empore. Einige Zahlen dürften von allgemeinem Interesse sein. Im ganzen erklingen 1296 Pfeifen von Holz, Zink, Zinn oder Kupfer, wovon die größte 5,40 Meter und die kleinste 5 Millimeter mißt. Durchschnittlich werden je Minute 13 Kubikmeter Lust verbraucht. Mit Leichtigkeit sprechen die Pfeifen vom weichsten Flötenton bis zur schmetternden Trompete, vom tiefsten Baß bis zum höchsten und feinsten Vogelgezwitscher an. Zu beiden
Manualen können 27 Haupt- und 13 Nebenregister verwandt werden. Die Auslösung der Pfeifenventile wird durch 574 Elektromagnete bewerkstelligt, 1700 Kontakte schließen die entsprechenden Stromkreise, mit etwa 18 500 Meter Einzelleitungen hergestellt. Für die Magnete selbst sind ungefähr 60 000 Meter Draht von 0,035 Millimeter Durchmesser in etwa 3 000 000 Windungen aufgewickelt. Das ungefähre Gewicht der ganzen Orgel beträgt 80 Zentner, das der Metallpfeifen 14 Zentner. Ferner wurde verwandt eine Holzmenge von 12 bis 13 Kubikmeter, Spezialleder für Orgelbau 22 Quadratmeter und 12 000 Schrauben und Schräubchen. Durch dieses Orgelwerk besitzt die hiesige Gemeinde ein von der Firma Förster und Nicolaus, Lich, erstelltes Kleinod, das ihr bis in die fernsten Zeiten freudig dienen wird. Am Abend fand ein zahlreich besuchtes Kirchenkonzert statt, in der Hauptsache ausgeführt von dem Organisten der Johanneskirche zu Gießen, Reallehrer I. N e b e l i n g, der in meisterhafter Zusammenstellung der Register eine Fülle von Tönen der verschiedensten Schattierungen bis zum vollen Werke einen tiefen Eindruck bei den Zuhörern zu erwecken vermochte.
Fahnenweihe des Gesangvereins »Eintracht-' Reinhardshain.
Reinhardshain, 15. Juli. Der schon lange gehegte Wunsch des Gesangvereins „Eintracht", eine Fahne anzuschaffen, konnte in diesem Jahre verwirklicht und gestern die Fahne ihrer Bestimmung übergeben werden. Den zahlreich ergangenen Einladungen hatten 11 Vereine Folge geleistet, die gegen Mittag an den Ortsausgängen empfangen wurden. Am frühen Nachmittag bewegte sich der Festzug durch die Ortsstraßen. Eröffnet wurde er von Festreitern, denen die Schuljugend folgte. Anschließend marschierten die Jungfrauen mit verhüllter Fahne. Dann folgte die Fahnengruppe der Gastoereine und die Sängerschaft. Vor dem alten Dorfkirchlein fand dann die Fahnenweihe statt. Der Sängerspruch: „Einig im Lied, treu im Gemüt", vorgetragen als Massenchor unter trefflicher Leitung des Dirigenten Sommerlad, leitete die Feier ein. Sodann folgte der Chor „Deutschland, heilger Name" von Baußner. Die Weihe der neuen Fahne wurde durch Kreiswalter Gang nagel vorgenommen. In seiner von echtem Sängergeist getragenen Ansprache schilderte er, daß der Verein schon im Jahre 1908 gegründet worden sei. Schon kurz danach sei ein Grundstock gelegt worden, der zur Anschaffung einer Fahne bestimmt war, aber der Inflation zum Opfer fiel. Bald danach sei aber erneut ein Grundstock geschaffen worden. Eine Ortssammlung habe ein erfreuliches Ergebnis ge
werde ein Ereignis für die Stadt Gießen sein. Mit einer Teilnehmerzahl von ca. 1500 Wettschreibern sei zu rechnen. ,
Qm Mittelpunkt der stenografischen Ereignisse 1935 steht der Deutsche Stenografentag in Frankfurt a. M. (2. bis 5. August). Um allen Mitgliedern die Teilnahme an dieser Tagung und dem Lei- stungsschreiben zu ermöglichen, wird die Ortsgruppe eine größere Beihilfe gewähren.
Die herrliche Sommernacht, frohe Stimmung, Tanz und Lieder ließen erst spät und ungern an den Heimweg denken.
Baumwärterversannnlung in Heuchelheim.
Die Baumwärteroereinigungen der Kreise Friedberg und Gießen hielten in der Turnhalle zu Heuchelheim eine Versammlung ab, zu der sich fast alle Mitglieder eingefunden hatten. Als Gäste waren Gartenbauinspektor R e n t s ch von der Obstbauinspektion Friedberg- Gießen und der Vorsitzende des Bezirksobstbauverbandes Gießen, Erbhofbauer Ferd. Bopp (Bellersheim) anwesend. Nach der Begrüßung durch die beiden Obmänner Baumwart Wilh. Kopf (Bellersheim) und Bil- lasch (Friedberg) wurden verschiedene Standes- fragen behandelt. Landwirtschaftskammerrat Pfeif- f e r von der Hauptabteilung II der Bauernschaft Hessen-Nassau in Frankfurt sprach dann über das Thema: „Die Ausgaben der Baumwarter in der Obsterzeugungsschlacht." Die Baumwärter, so führte der Redner aus, sind die Pioniere des heimischen Obstbaues. Sie müssen ihre Baumanlagen in mustergültiger Weise pflegen, um den übrigen Obstwirten mit gutem Beispiel voranzugehen. Es genügt nicht bloß zu pflanzen, schneiden und zu spritzen, sondern vor allem die Obstbäume wie andere Kulturpflanzen zu düngen. Der Stallmist bUbet, wie auch im Feldbau, die Grundlage zur Anwendung von künstlichen Düngemitteln. Neben der Spritzung mit Obst- baumkarbolineum im Winter müssen mehrere Sommerspritzgänge durchgeführt werden.
Nach einem gemeinschaftlichen Mittagessen fand eine Besichtigung der neuen Baumanlage statt, die die Hauptstelle für Pflanzenschutz (Gießen) in der Gemarkung Heuchelheim zu Persuchszwecken errichtet hat. lieber 900 Hochbüsche nach dem Muster des befanntenn Obstzüchters Schmitz- Hübsch (Merten bei Bonn) in den Standartsorten Goldrenette von Blenheim, Gelber Edelapfel, Winter-Goldparmäne, Cor Orange-Renette und Schöner von Boskoop, fino hier in Trichterkronenform mit verschiedenen Nutzpflanzen als Unterkultur in den letzten Jahren zur Anpflanzung gelangt und zeigen bereits einigen Behang.
Um den Teilnehmern der Tagung Gelegenheit zu geben, empfehlenswerte Neuzüchtungen von Johannis-, Stachel- und Himbeeren aus eingener Anschauung Kenntnis zu geben, hatten die beiden Heuchelheimer Baumschulbesitzer Engelhardt und Rinn eine kleine Ausstellung von Beerenobst durchgeführt.
Gießener Wochenmarktpreife.
* Gießen, 16. Juli. Es kosteten auf dem heu- tigen Wochenmarkt: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55, Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis 25, Käse, das Stück 5 bis 10, Wirsing (grün) 12 bis 15, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 25, Gelbe Rüben, das Bündel 8 bis 10, das Pfund 15, Rote Rüben 12 bis 15, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 25 bis 35, (gelb) 30 bis 40, Erbsen 20 bis 25, Mischgemüse 8 bis 10, Tomaten 30 bis 50, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 30 bis 45, Kartoffeln (neue) das Pfund 9 bis 11, der Zentner 7 bis 8 Mark, Pfirsiche 55 bis 60, Himbeeren 45 bis 50, Birnen 50, Kirschen 40 bis 45, Heidelbeeren 40 bis 45, Stachelbeeren 15 bis 35, Johannisbeeren 18 bis 25, Erdbeeren 35 bis 55, Eier (inländische) 10, Blumenkohl 10 bis 45, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 50, Einmachgurken 2 bis 5, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Suppengrün 5 bis 8, Radieschen, das Bund 8 bis 10 Pf.
Wir sanden zueinander.
ZRomon von Klothilde v. Stegmann.
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.)
3 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Dietrich sah das schöne Mädchen finster an:
„Damit hast du recht. Lebensklugheit habe ich damals nicht gehabt. Für mich standen meine Ehre und meine Unabhängigkeit höher. Hättest du mich wirklich geliebt, hättest du das respektieren müssen. Du hättest doch wirklich abwarten können, ob ich uns nicht hätte eine Existenz schassen können — und wäre sie noch so bescheiden gewesen! Mein Freund Weckenroth wollte mir ja eine Stellung als Oberinspektor auf seinen Gütern verschaffen."
„Und ich hätte Frau Oberinspektor werden sollen? Ach, roie. reizend! Dankbar fein, wenn man zu Hauptmann Weckenroth einmal eingeladen würde, so Sonntags zu Tisch mit den anderen Inspektoren und den Gutseleoen — nicht wahr? Froh fein, wenn Karla Weckenroth einen einmal eines Wortes würdigte? Das hätte dem hohmütigen Ding wohl gepaßt. Schon in der Pension tat sie wunder was, weil sie die Tochter vom Hauptmann von Weckenroth war. Ich glaube, dies ganze Stellenangebot war von Karla eingefädelt worden. Sie hat schon in der Pension immer versucht, mich xu ducken, weil ich kein Geld hatte. Nun dachte sie, es auf diese Weise fortzusetzen. Und du wolltest deine Hand dazu geben?"
Dietrich unterbrach Juttas empörenden Redestrom mit keinem Wort. Er schaute sie an, wie man etwas ganz Fremdes, Unbegreifliches anschaut. Das also war Juta? Er hatte geglaubt, sie zu kennen. Aber so, wie sie sich jetzt offenbarte, hatte er sie dennoch nicht gekannt. Wie häßlich sie jetzt aussah, mit dem verzerrten, wütenden Gesicht! Wie niedrig war das, was sie seinem alten Freunde Weckenroth und Karla unterstellte!
„Bist du nun zu Ende?" fragte er schließlich und wunderte sich, wie ruhig er selber war. „Dann laß mich dir eins sagen: Alles, was du gegen Weckenroth und Karla sagst, ist von A bis Z falsch und verkehrt gesehen. Weckenroth und Karla dach- ten nicht im entferntesten daran, mich zu demütigen. Sie wollten mir die Möglichkeit verschaffen, auf anständige Weise mein Geld zu verdienen und einen Hausstand zu gründen."
„Als ihr Angestellter", höhnte Jutta wieder. „Warum hast du denn bei Tarne Alberta so schroff abgelehnt? Wenn du irgendwo ein kleiner Inspektor werden wolltest, konntest du es ja bei Tante Alberta auch fein."
Dietrich richtete sich hoch auf:
„Daß du diesen Unterschied nicht begreifst, zeigt mir am besten, wie wenig wir uns verstehen.
Tante Alberta hätte tatsächlich meine Abhängigkeit von ihr benutzt, mich zu ducken und mich als einen Bediensteten anzusehen. Das ging gegen meine Ehre. Bei Weckenroth aber wäre ich ein gleichberechtigter Mitarbeiter gewesen. Wer treu feine Arbeit tut, ist dem andern ebenbürtig, ganz gleich, ob der eine Inspektor und der andere Gutsherr ist. Aber das alles ist ja nun vorbei. Ich möchte dir nur noch eins sagen: Du hast mir vorgewor- fen, ich hätte keine Lebensklugheit. Nein, dein Verhalten hat mir Lebensklugheit gegeben. Ich habe gesehen, was in einem Menschen stecken kann. Ich habe mir das Träumen gründlich abgewöhnt; das muß ich d i r eigentlich danken. Vielleicht wäre ich sonst noch in dieses geschickt geflochtene Netz hineingestolpert."
„Ich verstehe dich nicht. Welches Netz?"
„Du verstehst mich ganz gut. Du hast Tante 2Uberta bestimmt, ihr Testament zu meinen Gunsten zu ändern, unter der Bedingung, daß ich innerhalb eines Jahres heirate. Wenn ich noch der Tor und Träumer wäre, bann wäre ich zu dir gekommen und hätte gesagt: Jutta, nun ist der Weg für uns frei. Nun steht unserem Glück nichts mehr im Wege! Jestt", er erhob feine Stimme, „weiß ich, warum du Tante Alberta zugeredet hast. Nicht um meinetwillen, sondern um d e i n e t willen. D u wolltest Herrin auf Schloß Veltheim werden, und ich war dir das willkommene Mittel."
Das ist nicht wahr!, wollte Jutta aufschreien. Aber Dietrich Veltheim schnitt ihr durch eine brüske Handbewegung jede Entgegnung ab.
"Wir wollen uns nicht in unnötige Erregung hineinreden. Ich sehe die Dinge so, und kein Mensch wird mir einreden, daß sie anders sind.
Jutta überlegte blitzschnell. Mit Beteuerungen und Lügen kam sie nicht weiter. Vielleicht al er mit brutaler Offenheit? Sie sah Dietrich fest an:
"Und gesetzt den Fall, es wäre so, Dietrich? Wäre denn das so furchtbar schlimm? Herr auf Veltheim zu fein, ist schon etwas wert. Willst du wirklich diese Erbschaft ausschlagen, nur weil du in mir nicht mehr das Ideal zu sehen vermagst? Vielleicht ist es besser so, daß du nüchterner denkst. Eine Ehe, in der der eine Teil den andern als einen Engel oder einen Gott ansieht, ist noch nie gut geworden. Wenn man sich aber klar gegen» übersteht,, feine Vorzüge und auch meinetwegen feine Fehler kennt — ich glaube, dos gibt etwas viel Besseres."
„Die Hölle auf Erden gibt das", sagte Dietrich Veltheim hart. „Ich weiß genau, in einer Ehe bröckelt so manches ab von dem idealistischen lieber» schwang des ersten Glücks. Aber gerade weil so viel abbröckelt, muß dieser Ueberschwang erst einmal fein. Denn sonst bleibt im nüchternen Tages- licht überhaupt nichts mehr übrig. Nein, Jutta, du hast mir den Glauben an die Frauen gründlich zerstört. Dein Zauber über mich ist gebrochen —
er kehrt niemals wieder. Niemals! Und damit haben wir uns wohl alles gesagt."
Er verbeugte sich, wollte das Zimmer verlassen. Jutta starrte ihm haßerfüllt nach.
„Also geht, du Narr! Geh in deine Armut zurück! Die Romberts werden sich freuen, wenn sie die reiche Erbschaft antreten."
Dietrich Veltheim wandte sich um. Jetzt konnte er beinahe lächeln:
„Du täuschst dich,, Jutta — ich trete die Erbschaft an."
Sie starrte ihn fassungslos an. Was sagte er da? Er trat die Erbschaft an? Also hatte er sich dock eines Besseren besonnen? 5)atte er ihr vielleicht nur eine Szene gemacht, damit sie ihn unter Tränen um Verzeihung bat? Vielleicht gehörte er zu den Männern, die so etwas liebten?
Sie machte einen Schritt auf Dietrich zu. Der aber schien die Gedanken in ihrer Seele zu lesen, das eigentümliche sarkastische Lächeln auf feinem Gesicht verstärkte sich.
„Gib dir keine Mühe, Jutta. Du bist auf einem Irrwege. Ich werde innerhalb eines Jahres heiraten, aber nicht dich. Siehst du, das habe ich mit dem „zu fein gesponnenen Netz" gemeint. Leb wohl, Jutta!"
Die Tür schloß sich hart hinter ihm. Jutta stand allein.
3. Kapitel.
Die Unterredung mit Jutta hatte Dietrich innerlich doch mehr erregt, als er Jutta zugegeben hatte. Die ganze Vergangenheit war durch diese Auseinandersetzung in ihm aufgebrochen. Die ganze Bitterkeit seiner lieblosen Jugendzeit, die Einsamkeit seiner jetzigen Existenz stand vor ihm. Von klein an hatte er es in dem Erziehungsinstitut empfunden, was es hieß, keine Eltern zu haben. Das hatte ihn von jung an scheu und zurückhaltend gemacht. Jutta hatte seine erste leidenschaftliche Liebe gegolten. In ihr hatte er geglaubt, Ersatz für alles zu finden, was das Leven ihm vvrenthalten. Und nun war auch dieser Glaube zerstört und mit diesem Glauben das Vertrauen zu den Frauen überhaupt.
Es litt ihn nicht mehr im Hause. Er vermochte es jetzt nicht, Jutta zur Teestunde zu begegnen, ober mit dem Justizrat irgendein belangloses Gespräch zu führen. So ließ er sich bei dem allen ^errn entschuldigen. Ohnehin hatte ja Justizrat Niemann genug mit geschäftlichen Dingen zu tun und würde ihn wohl nicht weiter vermissen. Jutta aber ging er am besten aus dem Wege. Er sehnte den Augenblick herbei, wo sie von Veltheim fortfahren würde, war aber doch zu sehr Kavalier, um sie aus dem Hause zu weisen. Hoffentlich wurde sie genügend Taktgefühl haben, baldigst ab- zurelsen.
Er ging in sein Zimmer, zog sich seinen Wettermantel an, setzte die Mütze tief in die Stirn und verließ das Haus.
bracht, und der Wunsch des Vereins konnte erfüllt werden. Der Kreiswalter enthüllte sodann die Fahne. Fräulein Gieß trug einen Fahnenspruch vor und übergab die Fahne der Obhut des Vereins. Vereinswatter und Fahnenträger übernahmen die Fahne mit dem Gelöbnis, sich stets für sie einzusetzen und dem Verein in Freud und Leid voranzutragen. Nach dem Gesamtchor „Lied dek Bauleute" schilderte der Kreiswalter die heutigen Ziele und Zwecke der Gesangvereine. Ortsgruppenleiter Erb dankte für die Einladung. Seine tiefgründige Ansprache wurde mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied beendet. Zum Schluß wurde der Massenchor „Wo gen Himmel Eichen ragen" und ein Kanon vorgetragen. Als Wahlspruch tragt die Fahne die Inschrift: „Grüß Gott mit hellem Klang, Heil deutschem Wort und Sang!" Eine besondere Ehrung wurde dem Mitglied M u h l i g zuteil. Für 25jährige Vorstandstätigkeit konnte ihm die Ehrennadel des Hessischen Sängerbundes überreicht werden.
Auf dem Festplatz hieß dann Vereinswatter Menz alle Anwesenden willkommen. Der Verein trug den Chor ,^Laßt den Sängergruß ertönen" sehr gut vor. Nach der Reihe ihrer Anmeldung trugen dann auch die Gastvereine ihre Chore vor. Damit hatte dann der offizielle Teil fein Ende erreicht. Bei schönstem Sommerwetter entwickelte sich bald ein rechtes Volksfest. Allen Festteilnehmern werden diese schönen Stunden in Reinhardshain noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben.
Landkreis Gießen.
* Wiefeck, 15. Juli. Am Samstag hielt die hiesige Ortsgruppe der Deutschen Stenograf e n s ch a f t auf der Weltersburg einen Der- einsabenb ab, in dessen Mittelpunkt die Siegerehrung der anläßlich der Kreisgebietstagung in Wetzlar preisgekrönten Wettschreibteilnehmer stand. Von den erfolgreichen Wettschreibern wurden drei Ehrenpreise errungen und ihre Arbeiten mit der Note „Hervorragend" beurteilt. Es waren: Gustav M a n k, Marie Luise B i e r a u und Erna Bel - l o f. Mit der Note „Sehr gut" wurden 15 Arbeiten, mit der Note „Gut" vier Arbeiten ausgezeichnet. In anerkennenden Worten würdigte der örtliche Leiter, Pg. Adolf Kling, die guten Leistungen der Preisträger und beglückwünschte sie zu ihren Erfolgen, der nicht zuletzt der Ortsgruppe selbst zugute komme. Er appellierte an alle Mitglieder, stets in gleichem Sinne weiterzustreben. Nach der Erörterung interner Kurzschriftfragen wurde beschlossen, den seit kurzem eröffneten Anfängerlehr- aang, der mit seinen über 40 Teilnehmern die bisher stärkste Besucherzahl aufweist, ebenso wie alle übrigen Fortbildungskurse — der bevorstehenden stenografischen Ereignisse wegen — auch während der Schulferien weiterzuführen. Freudigen Beifall fand schließlich noch die Mitteilung des Ortsgruppenführers über die geplante und bereits für Mitte August festgelegte Autobusfahrt nach Schloß Schaumburg, die dank der Unterstützung durch die NS.-Gemeinschaft »Kraft durch Freude" für alle Mitglieder zu einem wesentlich verbilligten Fahrpreis durchgeführt werden kann.
* Wies eck, 15. Juli. Der Spar- und Dorsch u ß v e r e i n e. G. m. b. H. W i e s e ck hielt am Samstag bei Gastwirt Karl Erb eine gut besuchte Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Fabrikant Phil. Heinr. Keller, gedachte in ehrenden Worten der im letzten Halbjahre verstorbenen Mitglieder, die in der üblichen Weise geehrt wurden. An Stelle des verstorbenen Gastwirts Daniel Erb wurde Kaufmann August Lotz zum Direktor gewählt. Die Spareinlagen haben sich im verflossenen Halbjahre äußerst günstig entwickelt, ganz besonders der Sparmarkenverkehr.
= Staufenberg, 15. Juli. Die NS.» Frauenschaft und die Evangelische Frauenhilfe machten am Sonntag bei herrlichem Wetter mit zwei Autobussen der Reichspost durch das Biebertal und das Blasbachtal einen Ausflug nach Braunfels . Dort angekommen, wurde unter sachkundiger Führung das Schloß besichtigt. Großes Interesse erregten bei
„Ich mache einen Spaziergang", sagte er dem Diener unten in der Halle.
„Es ist aber ein abscheuliches Wetter, Herr Graf", bemerkte der Diener, „es stürmt und regnet."
„Schadet nichts, Martin, ist mir gerade recht. Wer so lange drüben in den Tropen war, der freut sich über einen richtigen, herben, nordischen Sturm."
Er nickte dem alten Diener freundlich zu.
„Ist wirklich ein ganz anständiger Wind", bemerkte er noch, als Martin das schwere Eichenportal kaum aufbekommen konnte, so stark drückte der Sturm dagegen.
Das sollte der Herr auch lieber nicht tun, dachte Martin bei sich und horchte auf das Heulen des Windes. Bei solchem Wetter jagt man ja keinen Hund vor die Tür. Und der Herr ist es doch nicht mehr gewohnt! —
Dann ging er an feine Arbeit.
Dietrich Veltheim stand draußen in der Halbdämmerung des Herbsttages. Einen Augenblick benahmen ihm Wind und Regen beinahe den Atem. Am Himmel jagten die Wolken, und schwere Regenböen ergossen sich immer wieder über das Land.
Scharf und feucht durchdrang die Luft die Lungen. Ein Frösteln durchlief ihn. Vielleicht wäre es doch wirklich besser, heimzukehren-»
Unsinn!, sagte er gleich daraus ärgerlich zu sich selbst. Was ist das für eine Schlappheit? Konnte man schon ein bißchen Wetter nicht mehr vertragen? —
Er würde doch vor ein wenig Sturm und Regen nicht an den warmen Ofen zurückflüchten. Ein Marsch von einer Stunde würde ihm gut tun. Er kannte sich. Wenn er mit sich im unklaren war, gab ihm eine Wanderung draußen in der Natur wieder Frieden und Ruhe. Er mußte überdenken, was er zu tun hatte. Wenn er die Erbschaft annahm, mußte er innerhalb eines Jahres verheiratet fein. Aber mit wem? Er kannte kaum ein roeib- liches Wesen hier in Deutschland außer Karla Weckenroth, der Tochter seines alten Freundes Weckenroth.
Karla — ein weicher Zug glitt über fein Gesicht Sie war das einzige weibliche Wesen, das lieb und zart zu chm gewesen war. Wenn er als Knabe die Ferien bei Tante Alberta verbringen mußte — er wurde ja in den Ferien immer bei den verschiedenen Verwandten „herumgereicht", wie er einmal bitter zu Weckenroth gesagt hatte —, dann war Karla Weckenroth der einzige Lichtblick gewesen. Bei ihr sand er für sein einsames Herz Verständnis. Mit ihr konnte er über vieles sprechen, was er scheu in sich verbarg, wofür er in dem harten Leben des Erziehungsinstituts kein Verständnis fand.
(Fortsetzung folgt!)


