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Nr. 165 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheilen)Dienstag, 16. Zull 1955

Da wird die Unterhaltung jäh zerrissen. Eine

Ac­er»

daß uns die ferne Stimme belauscht. Da ist si< schau wieder: ,,3d) habe dem Gespräch gelaufcht, meine Herren, aber ich kann ichweigen wie eine Litfaßsäule". Allgemeines Gelächter, Stimmung, Humor. Und nun unterhält sich die Stimme nut einem der neugierigen Führerstandgäste und plau­dert freundlich und geistvoll aus einer Entfernung von... aber ich will nicht aus der Lokomotive plaudern. Geheimnis bleibe Geheimnis...

Direktor

Aber der Dicke schlägt ihm auf die Schulter:Ach was, Direktor. Ich bin hier ganz ohne Titel und Ehrenzeichen, bloß in Badeanzug und Strandsan-

. ...jgung dazu.

!.Und auch keinen Anlaß,

heimnisvolle Stimme aus dem Äether tönt:Bitte melden Sie sich!" Ein junger Mann aus dem Führerstand greift nach demTelemikro­phon" es sieht fast wie ein normaler Hörer aus und meldet sich. Gj antwortet der unsichtbaren

Arbeit. Er hat ein offenes, zuverlässiges Gesicht und Haltung auf dem L aus seinem biederen süddeutschen Akzent klingt der Hafter. Dutzende von ernste Unterton einer harten Verantwortung L " V1""*1*

Eine heitere Szene während Der Eröffnung der großen Ausstellung: Gauleiter Frankenführer Strei cher besteigt die Nachbildung der ersten deutschen Lokomotive Adler", in der Mitte Die Gattin des Nürnberger Oberbürgermeisters Liebl in Biedermeiertracht, links in Hemdsärmeln, mit dem Zylinder auf dem Kopf der Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorpmüller, ganz rechts in Uniform Dr. K l e i n m a n n, der stellvertretende Generaldirektor der Reichsbahn. _________________________________________________________

Stimme, dem Manne am Stellwerk, der auf drahtlosem Wege zum Führerstand der weit entfern­ten Lokomotive seine Befehle und Anweisungen gibt. Die Stimme, die vom Stellwerk herüberdringt, geisterhaft verstärkt, regelt denRanaierverkehr": es ist die neueste Erfindung auf diesem Gebiet. Ran­gierfunk! Dialog zwischen Stellwerk und Lokomo­tivführer ... Man versteht jedes Wort, das diese ferne Stimme spricht, aber der Sinn bleibt fremd. Es ist die Geheimsprache der Technik, die nur der Eingeweihte versteht.

Bitte kommen Sie sofort zurück!"Jawohl, ich höre Sie!"Sprechen Sie bitte lauter!" mahnt die Stimme vom Stellwerk.Der Störungs-

I spiegel ist hier manchmal etwas reichlich hoch!"

drei Elementen konnte eine solche Ausstellung er­teilen: aus Fleiß, Genie und Begeisterung...

Der sensationelleRangierfunk.

Wiffen Sie, was Rangierfunk ist? Eine Märchenerfindung der drahtlosen Uebertragimg. Ein atemraubendes Erlebnis aus dem Führerstand einer der modernsten Lokomotiven Deutschlands, inmitten Der sengenden Gluthitze, im blitzenden Gewirr der geheimnisvollen Hebel, der rätselhaften Uhren, Kol­ben und Räder. Einigen Verwegenen ist es gelun­gen, den Führerstand der Lokomotive zustürmen", das Heiligtum jedes Lokomotivführers, dos sonst kein gewöhnlicher Sterblicher betreten darf. Aber die technische Neugier siegt. Zum erstenmal blickt man in das pulsierende Feuerherz einer modernen Lokomotive. Der Mann, der über dieses Gewirr

Urlaub tm Dreieck

Eine Seebadgeschichte von Erich paehmann Es ist kurz vor acht Uhr. Frau Stephanie liegt In ihrer Strandburg, recht faul und behaglich In Die Sonne gebreitet, und gibt sich ihrer täglichen Mor­genbeschäftigung hin, sich von Herzen wohlzufuhlen. Sie hätte auch kaum einen Grund, es nicht zu tun, denn sie ist knapp zwanzig Jahre alt, fett vier Mo- naten glücklich verheiratet, und wenn ihr Mann als Angestellter in der Coupons- und Sortenadtei- lung einer Bank auch keine hohen Einkünfte hat, so konnten sie immer noch gut auskommen, sogar noch eine Seereise ersparen Heute ist zudem noch ein besonderer Festtag. Denn heute Mittag kommt ihr Mann, und bann haben sie noch zwei herrlich lange, gemeinsame Ferienwochen vor sich. .

Frau Stephanie ist gerade dabei, sich mit der Innigkeit ihrer zwanzig Jahre a" die Vorfreude hinzugeben, als ein etwas asthmatisch gedeckter Vatz in ihre Gedankenreihe hineinknarrt: "hierher», W _ halt! Gut so da stellen Sie das Dings mal ^Frau Stephanie fährt auf. Nun steht zehn Meter von ihrem ein neuer Strandkorb. Und dabei ein kleiner dicker Herr, dem es offenbar sehr heiß ge­worden ist, denn er frottiert sich erftmal eine Zett- lang mit dem Schnupftuch umständlich Stirn und Hinterhaupt. Dann, als der Strandkorbvermieter mit einem Trinkgeld gegangen ist, stutzt er sich au seinen Strandspaten, atmet tief auf und schaut Den Horizont ab. Dabei erblickt er Frau Stephanie, ruft. Guten Morgen!" und macht eine knappe Verbeu­gung. Frau Stephanie hält es kaum für notig, Dem Eindringling in ihr Reservat mit einem Kopfnicken zu antworten. Der Dicke scheint auch keinen weite­ren Höflichkeitsaustausch zu erwarten, zieht seelen­ruhig Den Bademantel aus und beginnt an seiner Burg zu graben.

Frau Stephanie wirft sich demonstrativ auf die andere Seite.

Zehn Uhr. Frau Stephanie kommt wieder aus dem Wasser, zum dritten Male. Sie hat nirgends Ruhe heute, sie kann sich überhaupt nickt entsinnen, jemals einen so langen Vormittag erlebt zu haben.

Da kommt ihr am Strand der Dicke entgegen. Gr ist schon ein wenig rot geworden in der Sonne hat ein Kindereimerchen in der Hand und sieht eigentlich putzlustig aus. Frau Stephanie muh heimlich lachen, was ihrem Zorn ein wenig ab- trÖ^5ie sind ja eine eifrige Schwimmerin, mein Fräulein. Und eine sehr gewandte außerdem. Da kann ein alter Bursche wie ich noch richtig neidisch werden."

von Hebeln gebietet, ist im Nu von tausend Fragen umringt. Die Freude an seinem Beruf leuch tet ihm aus den Augen, während er die Ma- chine zum Fahren bringt und der Heizer in seiner Ecke auf die Befehle harrt, erzählt er von seiner

auf Skiern, Ida W ü ft präsentiert sich in heiterer Mütterlichkeit, Eugen Rex ist einer jener berühm­ten Reisenden aus Sachsen auf der Alm. Die harmlose Unterhaltung wird im Lichtspiel­haus durch die neue Wochenschau und einen Reisefilm aus dem Lande Der Inka, Maya und Azteken ergänzt. r

Das ist er, sieh mal!" sagt am nächsten Tlor- gen Frau Stephanie zu ihrem Mann,aber du mußt nicht lachen, Alfred, wenn er mich jetzt be­grüßen kommt."

Begrüße ihn, meinetwegen. Aber ich für meine Person habe keine große Neigung dazu." Er dreht sich auf die andere Seite.Uno auch keinen Anlaß, WiDer%irfe kommt heran, reicht Frau Stephanie freundschaftlich Die Hand und blickt dann auf Alfred. Alfred, bitte - unser Nachbar -"

Angenehm!" knurrt Alfred und dreht sich tm Sand zu einer angebeuteten Verbeugung

Also richtig eingetroffen, der Herr Gemahl!

"Ja gestern, Alfred" Aber Alfred ist aufge- fprungen steht wie ein Primaner in der Prüfung unb stammelt etwas vor sich hin wie:Tausenbmal um Entschulbigung nicht gleich erkannt Herr

Bom ehrwürdigenAdler" zur Slromlinien-Lokomottve

Auf der Nürnberger Ausstellung100 Jahre deutsche Eisenbahn".

Unb nun: bie ebenso amüsante wie unvergeßliche Sensation. In einerBahnhofshalle" wartet mit viel Gefauche unb mörderischem Gepfeife eine reizenbe Überraschung, ein luftiger technischer Masken scherz. Jene Liliputeisenbahn von Anno dazumal, der allererste Dampf­zug Deutschlands, mit Dem unsere Urgroßeltern fuhren, ist wieder lebendig geromben. Ein reizenbe» Ungetüm, getreu nach bem Vorbilb rekonstruiert, steht auf den holprigen Schienen. Die Waggons, blau gepolstert, mit niedlichenKückengardinen" an den kleinen Fenstern, sind so niedrig, Daß man mit dem Kops an die Decke stoßt. Man fonnnt sich vor wie im Innern einer engen, vorsintflutlichen Kutsche. Ein einziger Zug aus der Zigarette ge­nügt, um den Raum zu verqualmen.

Da klettern wir doch lieber auf denFührer- stand"! Dort droben, ganz frei und von lauter Luft umgeben, steht auf schwindligem Posten der Onkel

tung, noch stehen die Gänge leer...

17 0 Kilometer in der Stunde! Da lockt ein blau gestrichenerAussichtstriebwagen", ein federnder Wunschtraum aller Licht- und Natur­freunde, der beinahe nur aus Fenstern besteht, aus riesigen breiten unb hohen Fenstern, die von allen Seiten bas Licht hereinlassen: es muß wunderbar sein, mit einer solchen Schienengondel unbeschwert ins Blaue zu fahren, mit jeder Stunde 170 Kilometer bem schwerfälligen Alltag entrückt!

Man kann sie unmöglich alle aufzählen, bie herr­lichen Produkte technischer Phantasie, die hier auf einem Fleck versammelt sind. Der Laie ist ergriffen von dieser stählernen Symphonie deut­schen A r b e i t s g e i ft c s , und wer sich im Innenleben" einer Dieser gigantischen Stromlinien- lokomotiven auskennt, fühlt sich bis in die Finger­spitzen mit ihnen, ihrer Entstehung und ihrem künf­tigen Schicksal verwachsen. Denn nur aus diesen

So", sagt Frau Stephanie unb breht an ihrem Ring,so, warum auch nicht. Wenn man schon mal o eine Menge Wasser zur Verfügung hat."

Sehr richtig. Ober vielmehr auch nicht ganz richtig. Wenn ich zum Beispiel bas viele flüssige Wasser betrachte, unb bann meine gewichtige Per- on ich meine, als Substanz, gnädige Frau

Sie gehen schon nicht unter", lacht Frau Stephanie viel freunblicher.Sie vor allen Dingen nicht. Aber warum fahren Sie benn an bie See? Wohl wegen ber Kinder?"

Welcher Kinber? Ach so - wegen des Eimers meinen Sie. Nein, ich habe keine Kinder. Noch nicht 'mal eine Frau. Ich habe mir den Eimer im Hotel nur eben ausgeliehen, zum Muschelsammeln."

Wozu sammeln Sie denn Muscheln" "Ich wollte mir damit ein bißchen bie Strandburg aus­legen, so zum Zeitvertreib. Wenn man nämlich ben ganzen Vormittag allein ist Na ja, Langeweile soll ja gefunb sein." Dabei kratzte er sich am Kopf unb macht ein fo komisch hilfsbebürftiges Gesicht, baß Frau Stephanies Stimmung immer mllber wirb.Haben Sie Denn schon welche gefunDen? Zeigen Sie boch mal her!"

Nur wenig, bas ist eine vertrackte Gegend hier", antwortet ber Dicke unb läßt sie in sein Eimerchen blicken.Kommen Sie doch mal mit, ein biß­chen weiter nach Koserow zu, ba' weih ich gute Stellen."

So gehen sie, Frau Stephanie in ihrer langen, schlanken Gangart, unb ber Dicke neben ihr mit kurzen Trivpelschritten, nach Koserow hinaus unb suchen Muscheln

balcn. Ich bitte bas zu beachten, junger Mann, verstanben?"

Jawohl, Herr Direktor."

Es werben sehr vergnügte vierzehn Tage. Der Dinge stört nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr. Er geht sogar mutig mit ben Beiben ins Wasser, er lernt sogar bentoten Mann", unter Frau Ste- phaniens sanfter Assistenz. Am Freitag ber letzten Woche labt er sie abenbs zu sich ein, in bas Restau­rant bes Kurhotels, trinkt brei Flaschen Wein mit ihnen, ist sehr.heiter unb väterlich unb läßt sich, als man aufbrechen will, burch ben Kellner einen Brief­bogen bringen.

So, nun schreiben Sie Ich fahre nämlich mar- gen früh weg, will noch für zwei Wochen in bie Berge. Unb ba Sie belbc mir alten Knaben so viel Zeit geroibinet haben, anstatt, wie sich bas für ein jungvermähltes Paar gehört kurz unb gut schreiben Sie: An bte Personalbirektion wie be­kannt In Anbetracht meiner immer noch bestehen» ben Kurbebürftigkeit bitte ich um Verlängerung mei­nes Urlaubs um eine Woche. Haben Sie? So, Dann geben Sie mal her! Zur Kenntnisnahme an die Zentrale. Genehmigt! Name! Punktum! Das werfen Sie bann heute abenb noch in ben Kasten. Unb nun gute Nacht. Unb weiter gute Erholung!"

Er geht, kommt noch einmal zurück.Aber von ben Muscheln wirb nichts gesagt, unb von bem Eimerchen erst recht nichts. Das bitte ich mir aus!"

Nein, kein Wort!" rufen Alfreb unb Frau Ste­phanie unb brücken sich zur Bekräftigung unter bem Tisch innig unb begeistert bie Hänbe.

Freut Euch des Lebens!"

Ein leichtes Sommerlustspielchen ber Ufa, begin- nenb im MünchenerBratwurstglöckl", enbigenb nach mancherlei Abenteuern unb Verwechslungen mit einer Schneelawine von ber Zugspitze herunter: aus Dem großen Schneeball entsteigt, wie originell, das nach unenblichen Schwierigkeiten zum happy end vereinigte Liebespaar. Die Hanblung ist nicht beträchtlich, aber es gibt ein paar luftige mufita- lische Einlagen unb einen zünftigen originalober- bayerischen Schuhplattler dazu. Unter ber Regie von Hans S t e i n h o f f ist ein kleines Ensemble mit Hingabe tätig. Der vor einiger Zeit entberfte Ufa-Star Dorlt Kreysler hat lelber eine etwas verunglückte Rolle erwischt, bie zum größten Teil tm Galopp zu spielen ist unb im wesentlichen aus einer Kette von augenroüenben Temperaments» ausbrüchen besteht. Leo Slezak mimt einen wahrhaft komöbiantischen alten Gesangspäbagogen, ber sich auch außerhalb seines Berufes nur mit hohlem Pathos unb hohem C verstönblich machen kann. Liebeneiner, ben man bisher in seriöse­rer Umgebung sah, macht ben jungen Liebhaber

Pause, bie Stimme ist verstummt. Die Unter» Führerstand wird wieder leb- .... _____ m Fragen schwirren auf, jeder

will Geheimnisse lüften niemand denkt daran,

Allerlei merkwürdige Wortspiele.

Mit Worten läßt sick nicht nur trefflich streiten wie es imFausts heißt, mit ihnen läßt sich auch allerlei Allotria anftellen. Das ist übrigens ein unterhaltendes Spiel in ber Hitze ber Hunds- tage, wenn sich bas Gehirn in glücklichem Leerlauf befinbet, in ber Muhe ber Fenenwvchen unb vor allem am Strande, wenn man ftimbenlang in ber Sonne liegt. Am besten beginnt man, um sich nicht schon am Anfang zu sehr anzustrengen, mit ber Aufsuchung von Wörtern, bie in verkehrter Reihen­folge ber Buchstaben einen Sinn ergeben, wie Emma ober Sarg. Seltener sind schon Wörter, Die beim Vorwärts- unb Rückwärtslefen bie gleiche Bebeutung behalten, z. B. Retter, Marktkram unb Reger. Ja, es gibt sogar ganze Sätze, die dieser Anforderung genügen, wie ber äußerst sinnvolle Sag:Eine treue Familie bei Lima feuerte nie". Im Lateinischen gibt es eine Fülle berartiger Merkwürbigkeiten. l)as berühmteste Wortspiel dieser Art, bas schon weit über tausenb Jahre alt ist unb mit besten Deutung sich viele Gelehrte beschäftigt haben, ist wohl ber lateinische Satz:Sator Arepo tenet opera rotas! Gewöhnlich wird übersetzt: Der Pflanzer Arepon hält mit Mühe bie Raber fest. Man hat jedoch eine sinnvollere Deutung versucht unb als Uebertragimg vorgeschlagen:Der Sämann auf bem Acker hält bie Werke ber Kirche" ober als Versspruch:Der Sämann, ber seinen Acker be­stellt, betreut Die Werke Der Kirchenwelt". Dieses merfroürDige Buchstabenspiel hat im Aberglauben aller Zeiten eine große Rotte gespielt. Der Satz läßt sich nämlich vor» unD rückwärts gleichlautend lesen. Er hat bie Eigentümlichkeit, Daß sämtliche fünf Wörter aus fünf Buchstaben bestehen, baß bas erste Wort bie Anfangsbuchstaben aller fünf Wörter enthält unb baß ber Satz im magischen Quabrat verteilt nach vier Richtungen im gleichen Sinn gelesen werben kann. Aus biesen verblüffen- ben Eigenschaften hat man eine befonbere Wirkung herleiten wollen. Der Satz ist vielfach als Inschrift zu finden. Der mittelalterliche Weise Albertus Magnus empfiehlt, ihn auf Streifen zu schreiben unb ben kranken Haustieren gegen Hexerei unb Teufelswerk einzugeben. Auch gegen Branbgefahr wurde feine Zauberkraft erprobt, indem man ihr auf bie beiben Seiten eines Zinntellers schrieb unb biesen bann, einer Opfergabe gleich, in bie Flam­men roarf

Nürnberg, tm Juli 1935.

Auf gefederten Polstern.

Im Sonderzug nach Nürnberg finb sich alle bar- über einig: diese Fahrt in den modernsten Schlaf­wagen Der Reichsbahn ist ein GeDicht aus federn- ben Polstern unb schwebenbem Stahl. Kein Week» endhaus könnte bequemer unb geschmackvoller ein­gerichtet sein. Alles blitzblank unb sauber,w i c aus Dem E i gepe 1 ft". Man gonbelt wie im Traum durch bie blühenbe Sommerlanbschaft unb bas metallische Knacken ber Weichen ist wie eine Melodie ber Technik. Jeber spürt, bie Eisen­bahn hat Geburtstag. Unb nun zeigt biefe Eisimbahn, die einst so gefürchtete und ge­schmähte, wie vollendet sie ist: Sie demonstriert ben Zauber bes behaglichen Reisens. Dieser Zug, ber uns in einem wunderbar gleitenden und zart schaukelnden Tempo nach Nürnberg führt, ist eine Villa auf rollenden Rädern, eine Zimmerflucht mit allem Komfort, mit gemaserten Spiegelwänden, mit Campen und Lämpchen, mit fließendem kaltem und warmem Wasser, mit Toilettetisch, Schrankkäst­chen und Polstern, ein schwebendes Hotel auf blitzenden Gleisen ...

Man lümmle sich in die weichen Ecken, man blättere in der Zeitung, man wasche sich bie Hänbe, man blicke zum offenen Fenster hinaus: zu Hause haben all biefe Dinge nicht im entferntesten biefe« erregenbe Etwas, biefe« Unnennbare einer Eisen- bahnfahrt, diesen prickelnden Geschmack von Sehn­sucht und Ferne. Denn hier ist jede Bequemlichkeit eine glückhafte Ueberraschung, eine technische Pointe, ein origineller Genuß. Was würden wohl unsere Großeltern gesagt haben, wenn sie Gelegenheit ge­habt hätten, die wunderbare Metamorphose der Eisenbahn mit eigenen Augen zu erleben..

SelbstZules Berne wäre verblüfft

Ein Wald von Fahnen begrüßt bie ersten Be­sucher, frembe Akzente werben laut, englisch, fran­zösisch, spanisch. . Schon sieht man von weitem in der großen Halle die Wunder aus Stahl, bie gigantischen Stromlinienlokomotiven, die daraus warten, in die Ferne zu rasen. Von technischen Geheimnissen umwittert stehen diese Riesen Des moDernen Schnellverkehrs, regungslos, bereit, auf ben kleinsten Hebelbruck ihre dämonische Kraft zu verströmen. Ein Monteur schließt bie Türen auf, man roanbert gebannt von einem Abteil zum anberen, man begreift kaum biefen phänome­nalen Fortschritt, biefe letzte ästhetische 93 oll­en b u n g Der Technik. Noch finb bie weichen Polstersitze ber vornehmen Reisekabinen unberührt, noch schlafen Die blauen Campen ber Nachtdeleuch-

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