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Ur. 165 Erster vlati

185. Jahrgang

Dienstag,.Znli 1955

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Der Führer empfing die britischen Frontkämpfer.

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Die Vertreter des englischen Frontkämpfer-Verbandes British Legion wurden am Montagmittag vom Führer empfangen. Man sieht den Führer und Reichskanzler im Gespräch mit Major Fetherstone-Godley, dem Führer der englischen Frontkämpfer, ganz rechts Botschafter von Ribbentrop, als ersten von links SS.-Oberführer von Humann - HaiWho fer, als zweiten von links den Kriegsopferführer Oberlindober und etwas weiter rechts den Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß. (Presse-Illustration Hoffmann-M.)

Die Kameradschaft der Front zeigt den Völkern den Weg zur Verständigung.

Botschafter von Ribbentrop heißt die englischen Frontkämpfer in Berlin willkommen.

Berlin, 15. Juli. (DNB.) Der Reichskriegs- opferführer, Pa. Oberlindober, gab zu Ehren der Vertreter der Brittfh Leaion ein Frühstück in dem mit den deutschen und britischen Farben und Fahnen geschmückten Festsaal de^Hotels Kaiser­hof. Der Einladung waren u. a. gefolgt: Reichs- arbeitsminister Seldte, Botschafter von Rib­bentrop, der Führer des Kyffhäuserbundes Oberst a. D. R e i n h a r d , der Führer des Reichs­treubundes Gauleiter Oberpräsident Schwede (Koburg), der Führer des Reichsverbandes deut­scher Offiziere Generalmajor a. D. Graf von der Goltz, der Stadtkommandant von Berlin Generalleutnant Schaumburg, SS.-Obergrup- penführer Dietrich, der Führer des deutschen Roten Kreuzes Herzog Karl Eduard von S a ch s e n - K o b u r g u n d G o t h a und die SA.- Gruppenführer Uhland, Meyer-Quade und Prinz August Wilhelm von Preußen.

Volschafier von Ribbentrop

führte bei dem Empfang u. a. folgendes aus: Es !ft für uns alte deutsche Frontsoldaten ein ganz besonderes Ereignis, heute z u m ersten Male feit Beendigung des großen Völkerringens, eng­lische Frontkämpfer des großen Krieges m Deutschland, in unserem neuen Deutsch­land, und hier unter uns zu sehen. Hat doch seit jenen schweren Jahren scheinbar fast jede Verbtn- dung zwischen den Männern gefehlt, die mit Leib und Seele ihrem Land verschrieben, sich jahrelang im Kampf auf Tod und Leben gegenuberstanden. Als diese Männer nach Beendigung des großen Ringens die Waffen niederlegten und m die Heimat zurückkehrten, batten sie zunächst keinen anderen Wunsch als zu vergessen. Aber das große Front­erlebnis, mit seinen Erinnerungen der furchtbarsten Not und der treuesten Kameradschaft, aber auch des Gefühls der großen Achtung vor dem gleich tapfe­ren Gegner, waren nicht zu vergessen. Man schloß sich zusammen in Gruppen, um die Wunden zu heilen, und schließlich entstanden hieraus die jetzigen großen Organisationen der ehemaligen Kriegsteilnehmer.

Unendlich viel Gutes ist seitdem von diesen Bereinigungen geleistet worden, um den Opfern des Krieges und den Kameraden, die nicht aus eigener Kraft weiter konnten, zu helfen. Aber, meine Kameraden, so wertvoll und aus wahrem Kameradschaftsgeist diese nationale Arbeit der alten Soldaten auch ist, so glaube ich, st ndd i e Kampfer des Weltkrieges heute durch das Schicksal bestimmt, eine weit über ihre ursprüngliche Zielsetzung hm- ausaeberrde Aufgabe, ja, vielleicht eine ge- ^chbchtliche Mission zu erfüllen. Diese liegt !n der Volkerversöhnung! Wenn ich vor- hin von dem Fehlen jeder Verbindung zwisch^i den kämpfenden Gegnern des Weltkrieges sprach.

so habe ich bewußt von demscheinbaren" Fehlen einer Verbindung gesprochen, denn solche haben zwischen einzelnen Frontkämpfern oder Frontkämp­fergruppen seit vielen Jahren bestanden.

Das gemeinsame Fronlerlebuis, die gegenseitige Achtung der tapferen, anständigen und ehr­lichen Gesinnung hat ehemalige Gegner immer wieder zueinandergeführt und nicht selten xu Freunden gemacht. Sollte aber das, was bei einzelnen möglich ist, nicht auch bei Rationen gelingen? Dies, meine Kameraden, muß unsere Aufgabe, muh die wahre Aufgabe der Frontkämpfer sein. Vor der Erhabenheit des Fronterlebnisses kann keine Heuchelei, können keine diplomati­schen Kniffe standhatten, und nichts scheint mir geeigneter, die Völker einander näher zu brin­gen und die Probleme aus der egoistischen All­tagsatmosphäre einer Lösung entgegenzuführen, als der aus dem Fronterlebnis ge­boren ekameradschaftsgei st. Es ist nicht Aufgabe der Frontkämpfer, Polittk zu treiben, oder die Politik ihrer Regierungen be­einflussen zu wollen, aber wir, die wir uns mit den Problemen der europäischen Politik zu beschäftigen haben, wissen, daß politische, für die Völker nützliche Lösungen nicht möglich sind, wenn eine vergiftete Atmosphäre vorherrscht oder solange, wie kürzlich ein auslän­discher Staatsmann sagte,eine durch den Krieg zurückaelallene verarmte, aufgeregte und miß­trauische wett" besteht. Diesen Zustand zu be­seitigen und eine Atmosphäre herzustellen, die es den Staatsmännern ermöglicht, nützliche und dauerhafte Vereinbarungen zu treffen, hierin sehe ich die große und dankbare Aufgabe der Frontkämpfer.

Erfahrungen, die wir deutschen Frontkämpfer mit den großen Frontkämpferorganisationen unseres westlichen Nachbarn gemacht haben, ermutigen uns in der Auffassung, daß selbst schwierige Probleme auf diese Art leichter werden und, wenn konsequent weiterverfolgt, bestimmt gelöst werden können. Daß wir heute unsere Kameraden von den großen eng­lischen Frontkämpferorganisationen der Britischen Legion hier in Berlin unter uns sehen können, gibt uns die Gewißheit, daß wir unserem großen Ziel einer Versöhnung der ehemaligen Kriegsgegner, vor allem Englands, Frank­reichs und Deutschlands, und damit einer Soli­darität Europas immer näher kommen. Un­beirrbar und gegen alle kleinlichen Machenschaften und sonstigen Widerstände einer überwundenen Pe­

riode werden wir Frontkämpfer auf diesem Wege fortschreiten und, meine Kameraden, ich bin felsen­fest überzeugt: Wir werden siegen!

Was unsere beieben Länder im besonderen be­trifft, so gibt es zwischen Großbritannien und Deutschland keine Differenzen irgendwelcher Art mehr. Ich glaube, seit dem 18. Juni, dem Abschluß des deutsch-englischen Flot­tenabkommens, das den ersten Schritt auf dem Weg zu einer praktischen Friedenspolitik bedeutet, ist dies allmählich jedermann klar geworden. Der deutsche Reichskanzler hat in seiner großen Rede vom 21. Mai gesagt:Die deutsche Regierung hat die aufrichtige Absicht, alles zu tun, um zum britischen Volk und Staat ein Verhältnis zu finden, und zu erhalten, das eine Wiederholung des bishereinzigen Kampfes zwischen beiden Nationen für immer verhindern wird." Wir deutschen Frontkämpfer werden unser bestes tun, um dieses Ziel zu verwirklichen, und wir sind sicher, daß wir uns in diesem Bestreben mit unse­ren englischen Kameraden eins fühlen.

In diesem Sinne begrüße ich den Führer der englischen Abordnung, Major Fetherstone-Godley, und die anderen Herren von der Britischen Leaion, und ich weiß, daß ich im Sinne aller hier versam­melten deutschen Frontkämpferorganisationen, die nun bald in einem großen Front- kämpferverband zur gemeinsamen Pflege des Frontkämpfergedankens im Sinne unse­res neuen Deutschlands zusammenge­schweißt sein werden, d. h. also, im Namen aller deutschen Frontkämpfer, ja, des gesamten deutschen Volkes spreche, wenn ich sage: Unsere englischen Kameraden sind uns herzlichst willkommen!"

Reichskrieasopsersiihrer pg. Oberlmdober

hieß dann ebenfalls die englischen Gäste herzlich willkommen und erklärte u. a.: Wenn wir heute als frühere Gegner uns an einer Tafel zusammen­gefunden haben, so soll dies nach unserem Willen ein Anfang sein von Beziehungen, die von Land zu Land, von Frontkämpfer zu Frontkämpfer sich entwickeln sollen. Und so, wie wir als Kame­raden vergessen haben, was uns einst gegeneinander hat fechten lassen als brave Soldaten, so ist es unser Wunsch, daß im Laufe der Jahre auch un­sere Völker die Wunden geheilt sehen, die ihnen der Krieg geschlagen hat. Sie haben uns im Kriege den NamenF r i tz" gegeben und wir nannten Sie mit Ihrem alten Soldaten- namenTomm y". Mögen sich unsere beiden Völker in Zukunft so verstehen, wie dasTommy" undFritz" 20 Jahre nach Kriegsende heute tun.

Major Fetherstone-Godley sprach den Dank der englischen Gäste aus: Er sagte, die Engländer haben nur einmal gegen die Deutschen gekämpft, und wir Vertreter der British Legion sind der Ansicht, daß das ein Fehler war. Dieser Fehler soll sich nicht wieder­hol e n. Ich kann wohl im Namen aller alten Sol­daten des British Empire sprechen, wenn ich sage, daß wir während des Krieges eine außerordentlich große Hochachtung vor dem deutschen Soldaten hatten. Diese Hochachtung ist für mich persönlich noch gefestigt und verstärkt worden, als ich zur Besatzungsarmee nach Köln kam und sah, wie die Deutschen großes Unglück und harte Zeiten zu tragen verstanden.

Dir von der Vrilish Legion sind der Ansicht, daß, wenn überhaupt ein dauerhafter Friede Zustandekommen soll, dieser nur auf gegen­seitiger Achtung auf gebaut fein kann. Dies ist ein gemeinsames Vand, das alle verbindet, die ihrem Vaterlande dienen. Dies ist etwas Gemeinsames, das aus uralten Zeiten auf die Menschen gekommen ist. Denn wir auf die wirtschaftlich und politisch zerrissene Wett blicken, so wird uns bewußt, daß irgend etwas Gemeinsames gefunden werden muß, um den Frieden zu sichern. Dieses ge­meinsame Vand heißt Kameradschaft.

Meine Kameraden und ich sind der festen Ueber- zeugung, daß dieser Besuch in Deutschland der Grundstein für eine Weiterentwicklung der freund­schaftlichen Beziehungen zwischen England und Deutschland sein wird. Ich kann versichern, daß diese Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern nicht an einem Mangel von Bemühungen auf unse­rer Seite der Nordsee scheitern wird. Zum Schluß dankte Major Fetherstone-Godley für die freund­liche Aufnahme und trank auf das Wohl der deut­schen Frontkämpferorganisationen.

Das Ehrenkreuz der British Legion wurde darauf folgenden Heren verliehen: Reichsarbeit^ minifter Seldte, Botschafter von Ribben­trop, Reichskriegsopferführer Oberlindober, Gauleiter Schwede = Koburg, Oberst Rein­hard vom Kyfhäuserbund, General von der Goltz und Freiherr von Lersner.

Am Ehrenmal.

Zum Besuch der britischen Frontkämpfer nm Ehrenmal Unter den Linden waren deutscherseits Abordnungen sämtlicher Frontkämp­ferverbände erschienen. Kurz vor 11 Uhr tra­fen die fünf Abgeordneten der British Legion am Ehrenmal ein. Mit ihnen erschienen der Bundes­führer des NS. Deutschen Frontkämpferbundes, der Reichskriegsopferführer und der Führer des Kyff­häuserbundes. Die Vertreter der British Legion schritten zunächst die Front der Verbände ab. Wäh­rend das Lied vom guten Kameraden erklang, be­traten die Vertreter der British Legion die ge­weihte Stätte. Sie verweilten dort im stillen Ge­denken an die deutschen Gefallenen des großen Krie­ges. Der Kranz aus Mohnblumen ist mit einer sei­denen Schleife in den blau-gelben Farben der Bri­tish Legion überspannt. Auf einer handgeschriebenen Trauerkarte befinden sich die Worte:Attribute from the British Legion. July 1935."

Die britischen Frontkämpfer begrüßten dann fünf Schwerkriegsbeschädigte und erkundigten sich mit großer Herzlichkeit nach ihrem Befinden. Major Fetherstone-Godley sagte zu ihnen:Sie sind tap­fer und mutig gewesen!" Anschließend erfolgte der Vorbeimarsch der Verbände, denen die englische Flagge vorangetragen wurde. Mit erho­benem Arm vernahmen die Tausende vom Denk­mal Friedrichs des Großen her die englische Natio­nalhymne.

Auf dem Englischen Friedhof in Stahnsdorf.

Nach der Kranzniederlegung am Ehrenmal Unter den Linden begab sich die Abordnung der britischen Frontkämpfer zum Englischen Ehrenfriedhof in Stahnsdorf zu einer Gedenkstunde für ihre toten Kameraden. Hier haben im südwestlichen Teile auf einem in sich ab­geschlossenen Gelände des idyllisch gelegenen Wald­sriedhofes annähernd 12 0 0 englische Kriegs­gefangene, die während des Krieges in den Gefangenenlagern der Mark Brandenburg starben, ihre letzte Ruhestätte gefunden

Vom Eingangsportal des Friedhofs bis zu dem großen Granitkreuz, das die weißen Gedenksteine der halbkreisförmig angeordneten Flachgräber hoch überragt, bildeten einen SA.-Sturm, eine Ab­ordnung der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegs­gefangener sowie Abteilungen der HI. und des BdM. Spalier. Rings um das Ehrenmal hatten die Fahnenabordnungen des Kyffhäuserbundes, des Deutschen Luftsportverbandes, des Kolonialkrieger­bundes, des Reichstreubundes ehemaliger Berufs­soldaten, des NS.-Deutschen Frontkämpferbundes, der NS.-Kriegsopferverforgung sowie ein Trom- peterkorps des Reiterregimentes Potsdam Aufstel­lung genommen. Inmitten der Fahnenkette sah man je eine Standarte der SA. und der SS.

Als gegen 18 Uhr bte Abordnung b c r englischen Frontkämpfer unter Vorantritt der britischen Fahne erschien, um zunächst einige Minuten in stillem Gedenken zu verharren, ertönte das alte SoldatenliedMorgenrot". Nach kurzen Gedächtnisworten des Geistlichen legte der Führer der englischen Abordnung Major Fetherstone- Godley einen Kranz aus roten Mohnblumen nieder. Die Fahnen senkten sich, die Hände ho-