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Die Schwalbe im Bauernhaus.

Woher mag es wohl kommen, daß der Land­mann der Schwalbe so hohe Verehrung zuteil wer­den läßt? Daß eine Schwalbe täglich 500 bis 700 Fliegen und sonstige Insekten, und eine Schwalben­familie während eines einzigen Sommers rund 350 000 Kerbtiere verzehrt, das rechtfertigt wohl die wirtschaftliche Bedeutung, die man diesem Vogel beimißt: aber schließlich gibt es noch viele andere Vogelarten, die als Jnfektenvertilger in Hof und Feld doch auch Erkleckliches leisten, wie z. B. die Meise, Rotschwanz, Wendehals, Baumläufer, Klei­ber, Bachstelzen, Star, Specht, Wiedehopf usw. Sie alle sind unermüdliche Gehilfen des Landmannes und retten ihm jährlich Werte von vielen Millio­nen. Und trotzdem: zurSchwalbenbeliebtheit" haben sie es bis jetzt nicht gebracht.

Ein russisches Sprichwort sagt, daß derjenige, der eine Schwalbe umbringt, seine Mutter tötet. Wer absichtlich ein Schwalbennest zerstört, dem flieht der Segen aus dem Haus", kann man heute noch vielerorts hören. Und wie vielfältig ist die Schwalbe mit der Sage und der Dichtung ver­woben!Was die Schwalbe sang, was die Schwalbe sang, Die den Herbst und Frühling bringt, Ob das Dorf entlang, ob das Dorf enlang, Das jetzt noch klingt?", wer kennt nicht dieses von Radecke ver­tonte Lied aus RückertsAus der Jugendzeit", oder Chamisfos Kindesausruf:Mutter, Mutter, unsere Schwalben sieh doch selber, Mutter, sieh! Junge haben sie bekommen, und die Alten füttern sie!" Das Lied von Herloßsohn:Wenn die Schwalben heimwärts ziehen" gehört zu dem eisernen Lieder­bestand unserer Dorfjugend. Die Schwalbe hat sich mit ihrem schwatzenden Lied ins Herz des Volkes gesungen; sie ist sein Liebling: ihr Kommen im Frühling und ihr Weggang im Herbst ist von frohen und traurigen Akkorden unseres Herzens begleitet.

Und doch: über das Wesen dieses zutraulichen Zugvogels herrschen noch manche Irrtümer. So stößt man da und dort noch auf die Meinung, die Schwalbe würde auch Körner fressen. Träfe das zu, so wäre, besonders bei früheinfallender unwirt­licher Herbstwitterung oder an kühlen Frühlings­tagen, das Leben dieses heiteren, geselligen und verträglichen Vögleins nicht so oft vom Tode des Verhungerns bedroht.

Die Schwalbe ist aber ausschließlich ein Jnsekten- jäger. Was sie zu sich nimmt, erhascht sie im Fluge, vorzugsweise Fliegen, Schnaken, Käferchen und Svinnen, letztere sie mit erstaunlicher Gewandtheit ebenfalls im Flug von den Wänden und Dächern abliest. Fast den ganzen Tag ist sie in Bewegung, ihr Gang auf dem Boden ist mühsam, ist fast mehr ein watscheliges, unbeholfenes Kriechen, was ihr allein schon die Suche nach Körnernahrung unmög­lich machte. Bienen jagt die Schwalbe nicht, weil ihr der Giftstachel den Tod brächte. Der bekannte Forscher Naumann hat festgestellt, daß eine Schwalbe lieber verhungert, als nach einer Honig­biene schnappt, und daß bei ihr das Stachelgift der Imine in weniger als zwei Minuten tödlich wirkt.

Ein Bauer aus Oberhessen will folgendes festge­stellt haben: In einem Kuhstall, in dem (an Trag- bolken über den Tieren) sich fünf bewohnte Schwal­

bennester befanden, gaben im Hochsommer acht Kühe täglich zusammen elf Liter Milch mehr als bei gleicher Fütterung und gleich günstigen Stallverhältnissen dieselben Tiere, in eine von Schwalben unbesiedelten Nebenstallung gebracht, dort täglich erzeugten. Die größere Milchleistung wäre also, wie leicht zu erraten ist, dadurch ent­standen, daß die Kühe in dem Stall mit den in­sektenhungrigen Schwalben von den Fliegen und Stechmücken weniger belästigt und beunruhigt waren, was bekanntlich auf die Milchproduktion großen Einfluß hat; erinnert sei nur an Vieh­weiden, in deren Nähe insektenjagende Vögel nisten und wo infolgedessen die Tiere, die weniger unter der Insektenplage zu leiden haben, nachweisbar besser gedeihen.

Wer die Zuneigung der Schwalben erringen will, muß ein Freund von Luft, Licht und Sonne sein. Bauern, die gewohnt sind, ihre Stallungen und Scheunen auch während der schönen Jahreszeit untertags geschlossen zu halten, die auch keinen Spalt oder Flugloch dulden wollen, werden keine Schwalben ins Haus bekommen, denn für diese ist natürlich Voraussetzung, daß sie von morgens früh bis abends ungehindert aus- und einfliegen kön­nen. Auch in Häusern, in denen viel Wiesel, Rat­ten und Mäuse sind, wird keine Schwalbe nisten, weil diese, nebst Sperber und Baumfalk, ihre na­türlichen Feinde sind.

Unsere Rauch- oder Stallschwalbe verweilt bis Mitte September bei uns, oft auch einige Wochen länger, wenn z. B. kühles, Sommerwetter mit Nah­rungsmangel die zweite Brut anfangs August nicht kräftig gedeihen ließ und die Jungen noch zu schwach für den weiten Flug nach Afrika sind. Tritt dann noch frühzeitig rauhes Herbstwetter ein, so sind die Schwalbeneltern nicht selten genötigt, ihre Jungen verhungern zu lassen und ohne sie die Winterreise anzutreten, weil sie sonst mit ihrer ersten Brut selbst zugrunde gingen!

Wer Frühaufsteher und ein scharfer Beobachter unserer heimischen Vogelwelt ist, wird die vielen ansprechenden Wesenszüge unserer Schwalbe zum großen Teil selbst entdeckt haben. Schon in aller Herrgottsfrühe, bevor sich irgendeine Stimme in der Vogelwelt regt, sitzt das Schwalbenmännchen auf dem Nestrand und schwatzt seinwirb werb" in den Morgen hinaus.

Das erste Gelege, bereits anfangs Mai, besteht aus 4 bis 6 aschgrau und rotbraun gepunkteten weißen Eiern, aus denen nach kaum 15tägiger Brutzeit die breitmäuligen Jungen schlüpfen. Diese fliegen bereits nach drei Wochen aus, werden aber noch eine Zeitlang von den Eltern im Fluge ge­füttert.

Die weniger zutrauliche Mehl- oder Fenster­schwalbe (unten und auf dem Bürzel weiß, schärfer gebogener Schnabel) und die Uferschwalbe, die kleinste Schwalbenart (oben grau, unten weiß, mit einem grauen Ouerband), scheiden bei unserer Be­trachtung aus; auf ihre im großen ganzen gering­fügigen Wesens- und Merkmalsunterschiede näher einzugehen, würde den Rahmen dieser Betrachtung

überschreiten. Der Landmann kennt nur den Sam­melbegriffSchwalbe" und meint dcünit die Rauch­oder Stallschwalbe, nach deren streng wissenschaft­licher Beschreibung er gar lein Verlangen trägt. Er sieht seinen Lieblingsvogel so, wie ihn schon seine Vorfahren geschaut haben; ihm ist die Schwalbe eine anhängliche, treue, immer muntere Hausgenossin, bei deren Wiederkommen im Früh­ling sich das Herz freut und bei deren Abschied­nehmen im Herbst die Gedanken über das Scheiden des Sommers die Seele mit Wehmut erfüllen.

F. W.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

I. 2L, Gießen. Sie können den Gegenstand nicht selbst aus der Wohnung des Kunden herausholen, auch nicht mit polizeilicher Hilfe, sondern müssen auf Herausgabe klagen und dann aus dem Urteil vollstrecken lassen.

H. B., Gießen. Die beabsichtigte Rechtsstellung Ihrer Frau können Sie erreichen, indem Sie ein Testament errichten. Sie setzen Ihre Tochter als Nacherbin und Ihre Frau als Vorerbin ein mit der Maßgabe, daß Ihre Frau im Falle ihrer Wieder­verheiratung ihr Erbrecht verliert und nur den Pflichtteil bekommt. Falls Ihre Frau nicht mehr heiratet, wird Ihre Tochter erst nach dem Tode Ihrer Frau Erbin. Eine Mietfestsetzungsstelle besteht auf dem Dorfe nicht.

T. A.» Gießen. Bäume und Sträucher dürfen, sofern sie mehr als 2 m hoch sind, nur in einem Abstand von 2 m, sofern sie 2 m oder weniger als 2 m hoch sind, nur in einem Abstand von einem halben Meter von der Grenze des Nachb.ar- grundstückes gehalten werden. Der Abstand wird von der Mittelachse des Baumes oder Strauches bis zur Grenzlinie gemessen, und zwar an der Stelle, wo der Baum oder Strauch aus dem Boden heraustritt. Der Nachbar kann die Entfernung aller

Bäume und Sträucher verlangen, die In dnan geringeren als dem zulässigen Abstand gehalten werden. Diese Vorschriften finden jedoch keine An­wendung auf Bäume und Sträucher in Gärten, sofern die Gärten mit einer festen Umfriedung ver- sehen sind und die Bäume und Sträucher zu einer Zeit angepflanzt werden, zu welcher der Garten nicht an Aecker, Wiesen oder Weinberge grenzt. Ohne Einwilligung des Nachbarn können Sie dessen Gartenzaun nicht zum Anbinden der Stämmchen benutzen, da der Zaun keine gemeinschaftliche Grenz­einrichtung im Sinne des § 921 BGB. ist.

Büchertisch.

Professor D r. Hans Halm: Sow « jetrußland in der Sackgasse. Preis 95 Pf. Verlag Buchholz & Weißwange, Berlin-Charlotten­burg II. (49) Professor Halm, der über ein Jahrzehnt in Rußland, zuletzt als Professor an der Universität in Irkutsk gewirkt und Bolschewismus wie Bolschewiken aus hundertfältiger eigener An­schauung kennt, hat hier seine Eindrücke von allen Gebieten des kommunistischen Daseins niedergelegt, immer weiter umsichgreifende Verelendung der brei­testen Volksmassen, Hungersnot neben schamlosester Vergeudung des Volksvermögens, nur um die Rü­stungsindustrie mit allen Mitteln anzupeitschen. Aber auch steigender Ueberdruß der Bauern wie der Arbeiterschaft. Die Schwierigkeiten, in die Moskau immer tiefer hineingerät, sind ernst. Stei­gende Labilität im Innern und drohender Konflikt im Osten haben Moskau so weit gebracht, daß es sich dazu herbeilassen muß, um die Gunst Frank­reichs und des Völkerbundes zu buhlen.

Rudolf Fischer: Gefesseltes Volk. Der Kampf der Sudetendeutschen. Verlag Grenzs und Ausland, Berlin W 30. Preis kart. 0,60 Mark. (53) Nüchtern und zugleich mit echter Leiden­schaft erörtert Fischer das Schicksal seiner dreiein­halb Millionen Landsleute im Tschechenstaat, zeigt ihnen das Ziel und die Mittel ihres Kampfes um Selbstbehauptung: er wendet sich aber auch an die Tschechen, die viel mehr noch als das Deutschtum ihres Staates heute an einem Scheidewege ihrer eigenen Politik stehen.

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Unsere

Hebe

Gießen, den 16. Mai 1935.

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Gießen (Krofdorfer Straße 48), den 15. Mai 1935.

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ist mit

Leiden,

Die Beisetzung findet Samstag, den 18. Mai, in Offenbach am

Main statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen.

Die Beerdigung findet am Freitag, dem 17. Mai, 2 Uhr nachmittags.

auf dem Neuen Friedhof statt

21 Jahren, nach schwerstem und geduldig getragenem

am 14. Mai von uns gegangen.

Prof. Dr. F. Klute

Elisabeth Klute

Lisa Oehler

Hilde und Gisela Klute.

Im Namen der Hinterbliebenen:

Wilhelm Schmitz.

Am 14. Mai entschlief nach mit Geduld ertragenem Leiden meine liebe

Frau, gute Mutter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin u. Tante

Frau Elisabeth Schmitz, geb. Bocher

Heute früh entschlief sanft nach langem schweren Leiden unsere liebe Tochter, Schwester und Enkelin

Fräulein Erna Rinn

im Alter von 19 Jahren.

In tiefer Trauer:

Familie Louis Friedrich Rinn

nebst Angehörigen.

Heuchelheim, den 15. Mal 1935.

Die Beerdigung findet am Freitag, dem 17. Mat nachmittags 5 Uhr. vom Sterbehause Brauhausstraße 39 aus statt

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DüDsberyvereio Samstag, 18. Mal 20V, Uhr 2»ud Hauptversammlung im Hotel Köhler.

Konrad Lotz I. und Angehörige.

Klein-Linden, den 16. Mai 1935.

ZwecksBelampsungoe» Schwarzarbeit können Arbeits-Ange­bote von Handwerken» nur mit Namensnen­nung u. unter Dorlage besGewerbenachweises ausgenommen werden. Derloa

desGtebenerAazeigers

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teil­nahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus. O2120

Fran Katharine Klingelhöfer und Kinder.

Kl.-Linden, Rodheim a.d.B., 16. Mai 1935.

Danksagung.

Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen sagen wir unseren herzlichsten Dank.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

August Führer.

Gießen, den 16. Mai 1935.

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank.

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