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Feierliche Aufbahrung pilsudskis in der Warschauer Kathedrale.
Warschau, 15. Mai. (DNB.) Die Ueberführung der sterblichen Ueberreste Marschall Pilsudskis vom Schluß Belvedere nach der Kathedrale begann am Mittwoch gegen 20 Uhr. Der Sarg wurde von Generälen der Armee auf eine Lafette g e - h o b e n, die von sechs Pferden gezogen wurde. Der riesige Trauerzug setzte sich unter dem» Geläut sämtlicher Glocken in Bewegung. Die Spitze des Zuges, der sich durch ein Spalier von Truppenabteilungen und militärischen Organisationen langsam und feierlich vorwärts bewegte, bildete ein Bataillon Infanterie, eine Schwadron Kavallerie und eine Batterie Artillerie. Dann folgten die Träger der Ordenskissen mit den zahlreichen Auszeichnungen des toten Marschalls. Die Lafette mit dem Sarg wurde von Vertretern der Geistlichkeit umgeben.
Im Trauergefolge schritt als erster Staatspräsident Mo'szicki mit der Witwe des Verewigten und den nächsten Familienangehörigen, der Generalinspekteur der Armee, der' Ministerpräsident, sämtliche früheren Ministerpräsidenten, das Diplomatische Korps und unzählige Abordnungen der Armee und der Legionäre mit ihren Fahnen. Man schätzt die Zahl der Teilnehmer an der Ueberführung und die der Zuschauer auf über 200 OOO Personen. Als die Spitze des langen Trauerzuges die Kathedrale erreichte, waren die Arbeiterdelegationen, die den Schluß des Zuges
sind, in die Hände Jugendlicher zu gelangen. Die Verbreitung der in die erste Liste aufgenommenen Schriften ist schlechthin untersagt, während die Schriften der zweiten Liste lediglich an Jugendliche nicht verkauft werden dürfen, nicht in Schaufenstern ausgelegt werden dürfen usw. Durch diese Neuregelung werden die Entscheidungen über Verbote von Schriften stark vereinheitlicht; widerspre-
Reichsregierung das Gesetz über die Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften aufgehoben hat, hat der Präsident der Reichsschrifttumskammer, wie in dem Aufhebungsgesetz bereits angekündigt wurde, eine grundsätzliche Neuregelung des Buchverbotswesens durchgeführt. Danach werden in der Reichsschrifttumskammer zwei Li st en von unerwünschten Schriften geführt, und zwar eine Liste von Büchern . und Schriften, die das nationalsozialistische Kulturwollen allgemein gefährden, und eine weitere Liste von Büchern und Schriften, die ungeeignet
Scherl-Bil dma temdienst
Marschall Pilsudskis Aufbahrung im Großen Saal des Belvedere-Schlosses in Warschau.
chende Entscheidungen, wie sie durch verschiedene Verwaltungspraxis und durch die einzelnen Polizei
behörden bisher noch möglich waren, werden Zukunft praktisch fast unmöglich gemacht."
bildeten, auf dem Dreikreuzplatz. Dort hatten die Arbeiter im November 1918 dem nach Warschau zurückgekehrten Kommandanten Pilsudski die Pferde ausgespannt und seinen Wagen ins Belvedere gezogen.
Dumpfer Trommelwirbel ertönte, als der Sarg vor der Kathedrale Halt machte, Trompeter bliesen das Wecken, als die Generäle den Sarg von der Lafette in die Kathedrale trugen. Trauermusik mischte sich mit Gesang der Geistlichen, während der Sarg im Mittelschiff mit dem Kopf zum Hochaltar auf den Katafalk gesenkt wurde. Während die engsten Hinterbliebenen, der Staatspräsident, die Regierung und die Mitkämpfer zu einer kurzen Trauerfeier versammelt blieben, stauten sich die Massen bereits in den engen Gassen um die Kathedrale, um sich nach Abschluß der Trauerfeier gegen Mitternacht in einem endlosen Zuge zum letzten Dank zu ihrem toten Marschall zu ordnen.
An dem Pontifikalrequiem am Freitag v o r m i t t a g werden die Vertreter der ausländischen Staatsoberhäupter und Regierungen sowie der ausländischen Heere teilnehmen. Bei dem großen Vorbeimarsch, der nach dem Gottesdienst auf dem Mokotow-Feld stattfinden wird, wird der Sarg an der Stelle stehen, von der Pilsudski die Paraden der Warschauer Garnisonen abzunehmen pflegte. Den Schluß der Trauerparade bildet ein Ehrensalut von 101 Schuß. Anschließend
betreffe den Ausbau des Straßenrettungsdienstes. Noch einmal auf das Verhältnis des Roten Kreuzes zur NS.-Frauenfchaft eingehend, betonte der Redner, daß sich dieses zu einem Guten und Vertrauensvollen entwickelt habe. Es müsse so wie die NS.° Schwesternschaft auch eine festgeschlossene Rot-Kreuz- Schwesternschaft geschaffen werden, die beide in friedlicher Eintracht Zusammenarbeiten. Konfessionelle Streitigkeiten hätten im Roten Kreuz keinen Platz. Oberstleutnant Draudt, der Vertreter des Deut-
Noten Kreuzes bei der letzten internationalen Rot-Kreuz-Konferenz in Tokio, gab einen interessanten Ueberblick auf die internationale Arbeit des Roten Kreuzes.
Kriegsgefangenentagung im Saarland.
Die vom 24. bis 27. Mai in St. Ingbert (Saar) stattfindende 17. Bundestagung der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener (REK.) verspricht zu einer eindrucksvollen Kundgebung jener Frontsoldaten zu werden, die das harte und bittere Schicksal der Gefangenschaft durchmachen mußten. Eine A u s st e l l u n a „Deutsches Volkstum in Fesseln" wird in Dokumenten, Bildern und Handarbeiten Zeugnis von dem Kampf ohne Waffen der Deutschen hinter Stacheldraht ablegen. Eine Heimkehr-Gedenkfeier wird in Anwesenheit des Reichskommissars Pauleiter B ü r k - k e l die starke innere Verbundenheit der heimgekehrten Kriegsgefangenen mit den nun endlich auch ins Mutterland heimgekehrten saarländischen Volksgenossen bekunden. Eine Morgenfeier im Walde bei St. Ingbert am Sonntag ist dem Gedenken an die toten Kameraden gewidmet. Bei einem Aufmarsch der NS.-Verbände und Tausender von ehemaligen Kriegsgefangenen zu einer großen Kundgebung spricht der REK.-Bundesführer Freiherr von Lersner. Fahrten zu den Kriegerfriedhöfen im ehemaligen Frontgebiet bei Verdun und Ausflüge in das schöne Saarland bilden den Ausklang.
Die Insel Jlatnebg Eigentum des preußischen Staates.
Die Insel Namedy, 1919 bis 1931 der Schauplatz des in ganz Deutschland Aufsehen und Abscheu erregenden Treibens der sogenannten „Roten Kinderrepublik", ist vom Regierungspräsidenten in Koblenz zugunsten des preußischen Staates auf Grund des Gesetzes über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens eingezogen und einschließlich des auf der Insel aufsteigenden Kohlensäuresprudels Eigentum des preußischen Staates geworden. Die Insel wird an die Stadt Andernach verpachtet. Durch den weithin bekannten Sprudel wird die nunmehr dem Wohl der Allgemeinheit zugeführte Insel ein besonderer Anziehungspunkt des Mittelrheingebiets werden.
Die deutschen Volksbüchereien.
Der soeben erschienene Band 471 der Statistik des Deutschen Reiches ist ein erstmaliger Versuch, das öffentliche Volksbüchereiwesen über das gesamte Reichsgebiet herüber statistisch zu erfassen. Die Statistik stellt fest, daß öffentliche Volksbüchereien in etwa 15 400 Orten für eine Gesamtzahl von rund 45,6 Millionen Einwohnern oder für 69,1 v. H. der Gesamtbevölkerung des Deutschen Reichs einschließlich des Saarlandes zur Verfügung stehen. Die Volksbüchereien verfügen über insgesamt rund 10,5 Millionen Bände. Auf 100 1 Einwohner der Büchereiorte entfallen 23 Bände. Es sind insgesamt rund 21,7 Millionen Bände ausgeliehen worden Auf einen Band sind etwas über zwei Ausleihungen im Jahre erfolgt. Die Büchereien sind von rund 1,4 Millionen aktiven Lesern in Anspruch genommen worden. Auf 100 Einwoh- : ner der Büchereiorte kommen also etwas über drei : aktive Leser; auf einen Leser entfallen im Jahre 1 durchschnittlich 16 Entleihungen
Neureglung des Duchverbolswesens.
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Pro- ' paganda gibt folgendes bekannt: „Nachdem die I
wird der Sarg in den Sonderzug gehoben. Nach der Ankunft in Krakau wird der Sarg im Wawel- Schloß bis zur Beisetzung öffentlich aufgebahrt. Die Beisetzung selbst erfolgt in der Gruft, in der die Sarkophage König Johann III., Sobieskis, des Freiheitskämpfers K o f c i u s z k o und des Fürsten Joseph Ponjatowski sich befinden.
In Krakau wird der Sarg am Samstag gegen 7 Uhr früh eintreffen. Neben den Familienmitgliedern werden sich der Staatspräsident, die Regie- rung, die Vertreter der ausländischen Staatsober» Häupter, das diplomatische Korps, die Marschälle des Sejm und des Senats und die Generale auf dem Bahnsteig versammeln. Vom Bahnhof bis zum Schloß auf dem Wawel werden Truppen Spalier bilden. Vom Fußwege des Wawelberges ab wird der Sara von Generalen auf den Schultern i n d i e Katheorale getragen werden, in der dann ein Trauergottesdienst stattfindet. Um 19 Uhr erfolgt bann die B e i s e tz u n g in der Gruft der Kathedrale. Beim Hinabtragen des Sarges in die Gruft werden 101 Salutschüsse abgegeben werden. Gleichzeitig läuten die Kirchenglocken in ganz Polen. Auch die größte Glocke Polens, die Sigmundglocke des Wawel, die aus den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts stammt und nur bei besonderen staatlichen Feierstunden erklingt, wird in das Trauergeläute einstimmen.
Gedächtnisstunde im deutschen Rundfunk.
Der deutsche Rundfunk veranstaltet am Don» nerstag, den 16. Mai, von 22.15 bis 22.45 Uhr, eine Feierstunde zum Gedächtnis des Marschalls Pilsudski. Das Orchester des Deutschlandsenders spielt 1. die Coriolan-Ouvertüre von Beethoven, 2. Hörfolge „Pilsudski" von Schwarz van Berk, 3. Trauermarsch von Chopin.
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Von Spitzbergen erstreckt sich eine Kette von Tiefdruckwirbeln bis zum Mittelmeer, die besonders kräftig im Ostseegebiet und über Italien tätig sind. Wir liegen dabei immer noch im Bereiche kalter, aus polaren Gebieten strömender Luftmassen, doch bedingt eine obere feuchte Strömung jetzt auch Niederschlagstätigkeit, die vorwiegend in dem nördlichen Teil Deutschlands stärkere Ausmaße angenommen hat. In Oberitalien traten Niederschläge auf, die die Witterungsveränderung bei uns auch weiterhin sehr unbeständig und wechselhaft, sowie für die Jahreszeit zu kalt gestalten.
Aussichten für Freitag: Veränderlich, teilweise Aufheiterung, aber wiederholte schauerartige Niederschläge. Temperaturen sehr verändere lich, westliche und nördliche Winde.
Aussichten für Samstag: Fortdauer der sehr unbeständigen Witterung.
Lufttemperaturen am 15. Mai: mittags 11,7 Grad Celsius, abends 4,9 Grad; am 16. Mai: morgens 6,4 Grad. Maximum 12,8 Grad, Minimum 4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Mai: abends 12,2 Grad; am 16. Mai: morgens 9,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 2,2 Stunden. — Niederschläge 2,9 mm.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Vlumschein. Anzeigenleiter: Hans Se4, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 35: 10688. Druck und Verlagj Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei
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