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Gießen, den s. März 1955.
Köln
Organisationen mit ihren' Angehörigen. Gehalts- Realgymnasiums Vortrag von Stud,enn grenze 250 Mark bei ledigen Arbeitskameraden, beijBoeck über Schalltrupp und Schallmessung.
Nachdruck verboten!
6 Fortsetzung
mit und
Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung e. S. Ortsgruppe Gießen.
Deutsche Arbeitsfront.
NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". Achtung! Sehr wichtige Sonderzüge!
Die Lfflandstöchter und ihre Kreier.
Vornan von J. Schneider Koerstt
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
Fachgruppe Mathematik und Naturwissenschaften.
Dienstag, 26. März, 16 Uhr, im Physiksaal des " ' " Vortrag von Studienrat Dr.
1930: Der spanische General und Ministerpräsident Prirno de Rivera in Paris gest. (geb. 1871).
Daten für den 17. Marz.
Er ahnte nicht, wie rasch es zu Ende sein sollte. *
Nun war die Sache zwischen Kaspar Jffland und
Der Oberbürgermeister
Zitier.
Winter-Hilsswerk des deulschen Volkes 1934/35.
Schon jetzt läßt sich übersehen, daß das deutsche Doll im Rahmen des Winter- Hilfswerks 1934/35 in einem Maße geopfert hat, wie es angesichts der bestehenden schweren finanziellen Verhältnisse nicht erhofft werden konnte. Aus diesem Anlaß ist es gerechtfertigt, diese Tatsache auch kommenden Geschlechtern in einer in die Augen fallenden Form stets zum Bewußtsein zu bringen und dadurch aber auch das Ge- dächtnis an eine schwere und große Zeit wach zu erhalten.
Es ist deshalb im Rahmen des Winter-Hilfswerks die Aufstellung von Mosaiken in den Gemeinden vorgesehen, die den Nachkommen künden sollen, welche Opfer die Einwohnerschaft für ihre notleidenden Volksgenossen gebracht hat.
Auch in unserer Stadt wird vom Montag ab die Aufstellung eines solchen Mosaiks durch das Winter-Hilfswerk erfolgen. Oie zur Herstellung des Mosaiks erforderlichen Steine werden zu 20 Pfennig das Stück verkauft. Eine Ausstellung des Mosaik- musters erfolgt bei dem Verkauf der Steine in den Straßen.
Ich bitte die Bevölkerung wiederum ihren Opferwillen zu zeigen und durch den Kauf von Mosaiksteinen auch für unsere Stadt die Schaffung eines bleibenden Erinnerungs-3 eichens an eine schwer« und große Zeit zu ermöglichen.
Der aus dem Verkauf der Steine verbleibende Ueberschuß fließt dem Winter- Hilfswerk zur weiteren Stärkung zu.
1811: Der Dichter Karl Gutzkow in Berlin geb. (gelt. 1878). — 1813: Friedrich Wilhelms III. Aufruf „An mein Volk!", Errichtung der preuM-n Landwehr — 1834: Der Techniker Gottlieb Daim- in Schorndorf geb. (gest. 1900).
Aus der Provinzialhauptstadi.
Selbstverleugnung.
Von probst und Superintendent Lic Borrmann.
Bob erwog, auch während der Semesterferien in Paris au bleiben. Hier fühlte er sich vollkommen überflüssig.
Am Hochzeitstag traf von Berlin ein Telegramm ein:
„trauung einhalb zehn uhr — innig grüßen papa und Henriette."
Klaudine rechnete es der Stiefmutter hoch an, daß sie nicht „Mama" unterschrieben hatte. Wenn sie auch weiterhin soviel Takt bewies, würde sich's wohl miteinander leben lassen.
Man schickte ein Glückwunschtelegramm ins Adlon: „allen fegen wünschen klaudine, bob, margot, fritz und luzie."
Man hatte Bob in die Mitte genommen, um Frau Henriette eine Aufmerksamkeit zu erweisen.
Luzie fand den jungen Pöttmes, wie er am Zwinger stehend, traurig auf die kleinen Hunde blickte. „Es fehlt nur noch, daß du heulst!" sagte sie und schluckte selbst an den Tränen, die sie den ganzen Tag schon in der Kehle würgten. „Das ist nun einmal so, wie es ist." Sie meinte damit die Iran-
darf."
„Weil es eben so üblich ist!" lachte Margot.
„Aber es ist ungerecht!" ereiferte er sich.
„O du!" Ihre Arme schoben sich unter sein Haupt und zogen es wieder an ihre Brust. Und als er, von einem Zucken überrascht, aufsah, gewahrte er, daß sie weinte.
„Warum?" fragte er erschrocken. „Warum, Margot?"
„Weil ich dich so maßlos liebe!" stammelte ihr bebender Mund.
Die Sonne lag jetzt als sprühende Kugel in der Mitte des Bassins. Eng aneinandergeschmiegt sahen die beiden Menschen in die tiefe Bläue über sich, die nur ab und ßu von flinken Schwalben durchkreuzt wurde. Kem Ton drang zu ihnen, als der Schlag ihrer Herzen.
Die Zeit stand still. Margot hatte den einen Arm .von sich gestreckt und die Finger geschlossen, als wolle sie das Glück halten, das in dieser Stunde zu ihr gekommen war. Sie sah nach dem geliebten Manne hin, der die Augen abgewandt hatte.
„James--"
Er rührte sich nicht.
„James!" bettelte sie.
„Ja", sagte er leise, lächelnd, tastete mit den Fingern nach der Stelle an ihrem Halse, wo er den Puls fühlte und zählte die Schläge mit: „Eins — zwei — drei —"
„Dein Blut ist die Uhr unseres Glückes, Margot. Erst wenn es aufgehört hat zu kreisen, ist auch das Glück zu Ende."
Sonderzug nach Heidelberg
6 Mai. Abfahrt in Gießen um 6 Uhr, Ankunft in Heidelberg gegen 10 Uhr; Abfahrt in Heidelberg gegen 19 Uhr, Ankunft in Gießen gegen 22 Uhr. Teilnehmerzahl 800 Arbeitskameraden und 30
Gemeinfchastsempfang der Gießener SA.
Anläßlich der großen SA.-K u n d g e b u n g am 21. März im Sportpalast zu Berlin mit der Rede des Führers ist für die Uebertragung dieser Rede ein G e m e i n s ch a f t s e m p f a n g für die Gießener SA. in der Volkshalle befohlen worden. Die Stürme treten gegen 19.15 Uhr an und marschieren dann zur Volkshalle, wo um 20 Uhr die Uebertragung beginnen wird. Der Marsch zur Dolkshalle geht durch folgende Straßen: Senckenbergstraße, Moltkestrahe, Kaiserallee. Der Rückmarsch geht über die Kaiserallee,^Lubwigsplatz, Gartenstraße, Neuen Säue, Sonnenstraße, Landgraf- Philipp-Platz, wobei am Gefallenen-Denkmal ein Vorbeimarsch vor dem Standartenführer erfolgt.
Sitzplätze für Kriegsbeschädigte
Bei der Heldengedenkfeier auf dem Oswaldsgarten sind für Kriegsbeschädigte Sitzgelegenheiten bereitgestellt.
Die Gedenkfeier beginnt pünktlich um 9.30 Uhr. Auf die gestern von uns berichtete eingehende Mitteilung des Standortältesten des Reichsheeres über den Aufmarsch und den verlauf der Feier fel noch einmal besonders hingewiefen.
Sefattenen-Ehrung durch die Kriegsgräberfürsorge.
Die Kreisgruppe Gießen des Dolksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Legt aus Anlaß des Helden- gedenktages im Chrenfriedhof auf dem Reuen Fried- Hof am Rodtberg am heutigen Samstag gegen 15 Uhr einen Kranz nieder. Am morgigen Sonntag wird nach der Heldengedenkfeier am 116er-Denkmal auf dem Landgraf - Philipp - Platz ebenfalls ein Kranz nisdergelegt.
Heldengedenktag in den Schulen.
Nach einer Anordnung der hessischen Regierung findet die Gedenkfeier der Schulen für die Toten des Weltkrieges am Montag, 18. März, in der letzten Unterrichtsstunde in allen Schulen statt.
Reichslustschuhbund, Ortsgruppe Gießen.
Gemeinschaflsfahrt zu der großen Lustschuhaus- slellung in Frankfurt a. IN. am Sonntag, 17. INärz 1935, Abfahrt ab Gießen 12.34 Uhr (vZug), Rückkehr ab Frankfurt a. IN. 19.54 Uhr (Eil-Aug)
Alle Teilnehmer an dieser Fahrt treten am Sonntag, 17. März, pünktlich 12.10 Uhr auf dem Bahnhofsplatz, rechts vom Eingang zur Halle, an und erhalten hier ihre Fahr- sowie Eintrittskarten für die Ausstellung durch die jeweiligen Amtsträger, bei denen sie sich zur Fahrt angemeldet haben.
Reichsluftschutzbund, Ortsgruppe Gießen.
Henriette Pöttmes perfekt.
Es wurde alles so geordnet, wie es zwischen zwei Menschen reiferen Alters geordnet zu werden pflegt. Zuerst die Geldfrage. Haslbach sollte entlastet werden. Henriette Pöttmes legte einen Teil ihres Vermögens als Hypothek auf dem Gute an. Der Zins- uh war minimal.
Kaspar Jffland atmete auf.
In zweiter Linie wurde für die Kinder gesorgt: Der junge Jffland bekam den Besitz zugesichert. Die Töchter sollten jede eine anständige Aussteuer und ein, wenn auch nicht großes Vermögen ausbezahlt erhalten. Bob würde feine Studien vollenden und bann das ihm zustehende Erbteil seines Vaters zur Verfügung gestellt bekommen.
Man wollte keine Hochzeit zu Hause. Jffland schlug vor, sich in Berlin trauen zu lassen und dann auf vierzehn Tage irgendwohin zu verreisen. So- lange konnte Haslbach Den Gebieter schon entbehren.
Klaudine war sehr zufrieden, als sie von dieser Regelung erfuhr. Margot zeigte keinerlei Interesse. Für sie existierte nur noch James Pick. Luzie weinte iwei Taschentücher naß und sagte zu Bob Pöttmes, )er sich in allen Ecken herumbrückte, um nicht im Weg zu sein, sie könnte ihm nicht sicher versprechen, daß er die „Luzie" mit nach Paris bekomme D e Hunde hätten leider die Räude. Vielleicht werfe die „Nella" in den nächsten Tagen. Ob er einen Dackel wolle? Er wollte auch einen Dackel. Man konnte ihn ja auch „Luzie" taufen, meinte er. Was ihm aber die heftige Bemerkung eintrug, ob Denn gerade alle Hunde nach ihr benannt werden mußten.
Oie VOA.-Sammlung in der Stadt Gießen.
Die Sammlung, die der VDA. am vergangenen Samstag, 9. März, durchführte, erbrachte in unserer Stadt den Betrag von 2172,53 Mark. Die Sammlung, die am 26. Januar, ebenfalls vom VDA. durchgeführt wurde, hatte 1539,36 Mark erbracht. Das Ergebnis des Krei-jes Gießen ist noch nicht völlig erfaßt.
RSLB.
Fachschaft höhere Schute.
„Nein?" fragte er mit gekünsteltem Erschrecken. „Sag, Margot, wirst du wohl ein Kleid haben, wenn du meine Frau wirst?"
„Ich weiß es nicht", scherzte sie.
„Dann werde ich es dir schaffen müssen."
„Vielleicht."
Er lag setzt neben ihr und drückte den Kopf an sie. „Merkwürdig", sagte er, „daß es Sitte ist, daß . ein Weib dem Manne noch etwas anderes mitzu- bringen hat, als sich selbst. Es scheint mir doch Geschenk genug, wenn sie jein Eigentum wird, wenn ihm alles gehört: Ihre Augen, ihr Mund, ihre Hände, einfach alles, was sonst ihr eigenster Besitz gewesen ist. Er nimmt es und soll noch obendrein etwas geschenkt erhalten dafür, daß er es haben
Verheirateten ist die Gehattsgrenze etwas höher. Anmeldefchluh 3 0. April.
Sonntag, 19. Mai. Erste Rheinfahrt von Gießen mit her Bahn nach Oberlahnstein. Don dort mit dem Schiff nach Bingen oder Aßmanns- Ön. Von da zurück mit dem Schiff nach Oder- tein. Don Oberlahnstein zurück nach Gießen. Heimkehr gegen 21 Uhr. Gesamtfahrpreis einschließ, lich Mittagessen, zusammen 5,50 Mk. Anmelde - schluß 6. Mai. Die Anmeldungen zu den Fahrten sind bindend. '
Beflaggung der Betriebe beim Beginn des Reichsberufsrvettkampfes.
DRV. Aus Anlaß des Beginnes des Reichs- berufswettkampfes werden sämtliche Betriebe, deren Jugendliche am Reichsberufswettkampf teilnehmen, nach einer Anordnung des Propagandaamtes der
»n Arbeitsfront und im Einvernehmen eichsministermm für Dolksauftlärung
Propaganda am 18. März Flagge nschrnuck tragen und für den Gemeinschaftsempfang ihrer Jugendlichen Sorge tragen. Eine Million Wettkämpfer werden am Montag in ihren Betrieben den Berliner Jungarbeiterappell miterleben.
Dienstag, 19. März, abends 8.30 Uhr Mitgliederversammlung im Casö Leib, Walltorstraße. ,
Vollzähliges Erscheinen ist unbedingt erforderlich.
Der Obmann: Möll.
Zinssenkung der Äezirkssparkaffe, Gießen.
In unserem heutigen Anzeigenteil gibt die Bezirkssparkasse Gießen eine Senkung der Zinssätze für Hypotheken und andere Darlehen mit Wirkung
Een Hunde, und er dachte an bk vollzogene Trauung in Berlin. u _
„lieber Niels hat überhaupt niemand ein Wort verloren", bemerkte Bob vorwurfsvoll.
„Wer ist denn Niels?" fragte Luzie erstaunt.
„Mutters Stiefsohn aus der ersten Ehe meines Vaters."
„Mein Gott!" rief Luzie aus. „Das ist ja em chönes Durcheinander! Wir vier und du, das hätte gerade genügt, meine ich. Und nun kommt noch einer dazu. Wie alt ist er denn?"
„Zehn Jahre älter als ich."
„Na", meinte sie erleichtert, „dann braucht er ja eigentlich niemand mehr." Sie zog einem der Hunde einen Strohhalm aus dem Maul und gab ihm einen Klaps. „Müßt ihr denn allen Dreck hinunterfressen? Trinkt euch doch bei eurer Mutter satt! — Warum hat er denn so einen komischen Namen: Niels?"
„Er heißt eigentlich Petronellus."
„Dann begreif' ich's", lachte Luzie, „mit fo einem Namen kann man freilich nicht das ganze Leben laug herumlaufen!" Sie schob zwei der jungen Hunde, die sich über den Boden kugelten, beiseite, und ging mit Bob nach der Tür, die sie hinter ihm abschloß. „Warum ist denn dieser Niels gar nie aufs Tapet gebracht worden?"
„Er versteht sich nicht mit meiner Mutter."
Luzie tat einen langen Seufzer. Sie begriff auch das „Hat er Geld?" forschte sie weiter. Man mußte doch etwas über diesen Niels wissen.
„Er ist sehr reich. Seine Mutter hat ihm alles vererbt. Er lebt meist im Ausland. Soviel ich weih, hat er ein paar Gruben in Kalifornien und einige Oelfelder in Rumänien."
Luzie gab sich noch nicht zufrieben. „Ist er hübsch?" Darauf wußte Bob nichts Rechtes zu erwidern. „Er ist schwarz."
„Ganz?" entfuhr es der Kleinen.
„Natürlich nur das Haar. Auch hätte er ganz seltsame Augen, von Denen man nicht wüßte, ob sie braun oder blau oder wie sonst wären." — Ob das schön sei? wollte Luzie wissen. Darauf konnte Bob wieder nichts erwidern. Jedenfalls wäre der Stiefbruder sehr interessant. Alljährlich einmal träfen sie irgendwo zusammen. Meist in einem Badeort. Das wäre dann immer sehr schön. Niels sei wie ein Vater zu ihm. Sie hätten ein gemeinsames Zimmer und wären auch sonst vom Abend bis zum Morgen unzertrennlich.
„Also kein Hohlkopf", sagte Luzie.
„Nein, ein Hohlkopf sicher nicht. Nur etwas menschenscheu. Menschenscheu sei eigentlich nicht das richtige Wort. Er lasse eben niemand an sich heran, außer seinem Diener, seiner Sekretärin und seinem Chauffeur. Die Drei hielten ihm denn auch alles । fern, was sie nicht vorerst auf Herz und Nieren i geprüft hätten."
i „Na, danke schön", meinte Luzie, „wenn ich mich ■ immer von drei Zerberussen bewachen lassen muhte!
Mann Musik. Gesamtfahrpreis mit Mittagessen und Schloßbesichtiaung zu 5 Mark. Die Anmeldungen ergehen an me Orts- und Betriebswarte Der NS.- Gemeinfchoft .Kraft durch Freude". Die Orts- und Betriebswarte legen -sofort eine Liste auf, in Denen sich jeder Teilnehmer ein trag en kann. Die Gießener SA.-Kapelle wird uns auf der Fahrt begleiten und in Heidelberg an einer schönen Stelle ein Platzkonzert für uns geben. Das Mittagessen wird in zwei ober Drei Lokalen eingenommen. An Der Fahrt werden genügend Reiseführer teilnehmen, so daß ein guter Verlauf Der Fahrt, sowie Besichtigungen gewährleistet sind. A n m e l d e s ch l u h 2 0. A p r i l. Nur die Anmeldungen, Die durch Die Amtswarte Der NSG. „KdF." geschehen, haben Gültigkeit.
Sonntag, 12. Mai. Sonderzug nach — zum Fußball - Länder-kamps Deutschland gegen Spanien. Der Gesamt- fahrpreis beträgt 6,70 Mark. Höchsttei-lnehmerzahl aus Dem Kreis Gießen 500. In Dem Fahrpreis sind enthalten: 1 Mittagessen, Fahrt von dem Bahnhof ins Stadion und zurück, ferner Eintrittspreis zum Wettspiel. Wer darf an den Fahrten teilneh- men? Mitglieder der DAF. und Der angeschlossenen
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Wenn wir dies Heldentum beschreiben wollen, so , könnten wir es zusammenfassen in das eine Wort: Selbstverleugnung. Selbstverleugnung ist ja nichts anderes als die Kraft zum Opfer. Und geopfert haben unsere Helden im großen Kriege für des Vaterlandes Sein und Bleiben höchstes Gut: ihr Blut und ihr Leben. Dazu mußten sie sich frei machen von aller Liebe zum Leben, die jeden Menschen beherrscht. Sie mußten in den vier Jahren Des Krieges dies Opfer immer wieder bringen. Damit wuchs das Heldentum ihrer Selbftoerleug- nung ins Uebermenschliche. Darum vollbrachten sie auch Uebermenschliches. So denken wir ihrer in Dankbarkeit und in Stolz, daß sie sich selbst verleugneten, Damit Deutschland) lebe.
Auch das Evangelium verkündet das Heldentum Der Selbstverleugnung. Denn Der Heiland fordert diese Opferkraft von seinen Jüngern, wenn er spricht: „Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und folge mir" (Matth. IQ, 24). Wie bei allen Forderungen Jesu ist es auch hier so, daß Jesus solche Selbstverleugnung nicht nur verlangt, sondern sie in einzigartiger Weise vorgelebt hat. Das beweist sein Gang ans Kreuz, an den wir in dieser Pajsionszelt in Dankbarkeit gedenken, das beweist auch das Evangelium von der Versuchung Jesu (Matth. 4 bis 11), das man darum mit vollem Recht „auch ein Stück Passionsgeschichte" genannt hat.
Dreimal ist nach dem Evangelium von der Versuchung das schwere Opfer der Selbstverleugnung von Jesus gefordert worden. Zunächst mußte er das Opfer irdischen Mangels bringen. Lockend tritt an den Hungernden Die Versuchung heran, seine Wundermacht zur Beseitigung seiner perfbm llchen Notlage zu mißbrauchen. Aber in Kraft der Speise, die Jesu tägliche Speise war, in der Kraft des Wortes Gottes besiegt er diese Lockung mit dem stolzen Wort: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein". Und tritt bewußt auf den Weg, den unser größter Dichter mit den Worten beschrieben hat: „Entbehren sollst du, sollst entbehren!'
Schwerer ist die zweite Versuchung. Jesus soll ein sogenanntes „Schauwunder" tun, um das ganze Volk mit einem Schlag für sich und damit für das Himmelreich zu gewinnen. Die Stille und Schwierigkeit der täglichen Seelenwerbung durch die schlichte Predigt wäre Dann unnötig. Der Weg zum Kreuz wäre Dann überflüssig. Mit einem Schlag wäre Das Herz Des Volkes gewonnen — nur Gottes Weg wäre Das freilich nicht. Und darum lehnt Jesus diesen Weg ab: Er will nicht glänzender will in Selbstverleugnung dienen.
Damit hat er auch den Sieg über Die dritte und schwerste Versuchung errungen, ein irdisch Reich voll Macht und Herrlichkeit aufzurichten und die Krone dieses Reichs von Satans Gnaden anzu- nehmen. Ein Held vom Scheitel bis zur Sohle, treibt er den Versucher zurück mit Der Antwort: „Du sollst Gott deinen Herrn anbeten und ihm allein dienen!" Er will nur die Königskrone von Gottes Gnaden haben. Und das war chcht die Herrscherkrone, sondern die Dornenkrone. Aber diese Krone der Selbstverleugnung brachte ihm die Herrschaft im Reich Gottes. Seitdem lebt auch in uns die Gewißheit: Der Weg der Selbstverleugnung endet im Osterllcht!
Daten für den 16. März.
1917: Zar Nikolaus II. verzichtet auf den Kaiser- thron. — 1924: Uebergabe Fiumes an Italien. —
Am morgigen Volkstrauertag gedenken wir Dankbarkeit unserer gefallenen Helden. Aber unsere Dankbarkeit ist jetzt nicht mehr von dem weh- mütigen „Umsonst gefallen" beschattet. Gott fei s gedankt, daß der Geist unserer Helden wieder lebendig geworden ist in unserm Volk und Vater-
Du könntest ihm eigentlich schreiben, er solle einmal nach Haslbach kommen. Da beschnüffelt ihn kein Mensch."
„Da wäre aber jetzt die Mama", gab Bob zu bedenken. Er wunderte sich, daß Luzie nichts bar- auf erwiderte. Ihre ganze "Aufmerksamkeit galt jetzt drei großen Möbelwagen, die vor dem Hauptein- gang des Gutes standen. Unter der offenen Doppeltür tauchte Klaudine auf, und wahr und wahrhaftig, le hatte eine Schürze vorgebunden.
Nein, so etwas! dachte Luzie, sah, wie die Schwe- ter winkte, und gab Bob einen Stoß. „Ich glaube, )as geht dich an!"
Er lief hinüber und fragte diensteifrig: „Soll ich etwas, Klaudine?"
Sie schob ihn ein wenig beiseite, denn zwei Packer tarnen eben mit einer Riesenkiste durch den Eingang. „Du könntest mir vielleicht sagen, Bob, wie deine Mutter zu Hause alles gestellt und verteilt hatte. Ich möchte es hier gern möglichst ebenso wieder anordnen. Glaubst du, daß es Freude machen würde?"
„Sicher! Es ist furchtbar liebenswürdig von Dir, Klaudine", gab er feinem Dank Ausdruck. „Aber ich vermute, daß alle Möbel neu sind. Die Mama will nämlich Die Stadtwohnung beibehalten."
„Ja, aber wofür denn?" fragte Luzie, die gerade hinzugekommen war. ,Hst es ihr denn nicht groß genug auf Haslbach?"
„Schon. Aber sie meint, man würde doch ein Absteigequartier brauchen, wenn man in der Stadt Theateraufführungen, Konzerte oder sonst welche Veranstaltung besuchen möchte!"
„Ach so", meinte Luzie besänftigt. „Dumm ist das eigentlich. Es war immer fatal, wenn man sich nach dem Theater brinner erst um ein Zimmer kümmern mußte, wenn es mal länger dauerte. Auch war es nicht angenehm, wenn man nachts bei jedem Wetter wieder zurückfuhr."
Sie strich über bas zart gemaserte Holz einer riesigen Vitrine, bie zwei Packer gerabe nach Dem Speisezimmer schafften. Bob an ber Hanb faffenb, schlängelte Luzie sich zwischen einem Berg von Kisten unb aufgestapelten Teppichen hinburch, brachte eine Stehlampe ins Wanken, stolperte über einen Schemel unb lanbete enblich, ohne befonberes Unheil angerichtet zu haben, auf einer febernben Couch, bie an einer Längswanb bes Raumes ftanb.
Bob neben sich ziehenb, faß sie bann eng an ihn gebrückt, ben Munb halb geöffnet, ein neugieriges Erwarten in ben blauen Augen. Der Dekorateur brapierte eben schwere, feitengeroebte Portieren über ber Verbinbungstür zum Musikzimmer. Mit Der Spitze Des Schuhes schob Luzie einen Ballen türkisblauen Samt zur Seite unD legte ihre HanD leicht auf Bobs Knie. „Die gesamte Nachbarschaft wird i kopfstehen!"
(Fortsetzung folgt b)


