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Nr. 6^ Zeltes Blatt

§am§tag,llb.Mrz 1935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

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Dankbarer Opfersinn derHeimat schuf mii Kunst un dHandwerk würdige Gedenkstätten für unsere gefallenen Brüder.

Während des Weltkrieges befaßten sich berufene Künstler und Körperschaften bereits mit der An­regung und Beratung zur Ausgestaltung van Kriegerdenkmälern. Und als nach dem Kriegsende die schweren Opfer, die an teuerstem, deutschem Blute gebracht worden waren, in ihrem erschüttern­den Umfange bekannt wurden, da ruhte der Dankes- wille des gcfhniten deutschen Volkes nicht und blieb auch in den schwersten Nachkriegszeiten, in Zeiten der tiefsten Erniedrigung unsres Vaterlandes, leben­dig, bis man sich allerorts entschlossen hatte, den Gedanken an die Gefallenen in irgendwelcher Form als Ehrenmal zum Ausdruck zu bringen.

Verloren auch viele politischen oder kirchlichen Gemeinden oder sonstige Träger des Gedankens der Errichtung von Denkmälern und Erinnerungs­malen durch die Inflation ihr mit erdenklichsten Mühen angesammeltes Geld, so fingen sie mit eiser­ner Beharrlichkeit wieder von vorne an zu sparen,

Gelegenheit bieten, schließlich alle Schöpfungen ein­mal gebührend in das Licht setzen zu können. Viel Schönes und Gutes findet sich in den übrigen Ort­schaften.

Wie vielseitig die Ideen waren, welche schöpfe­rische Kraft zur Verfügung stand, um dem Ge­denken an die Toten des Weltkrieges allenthalben würdig Ausdruck zu geben, das zeigen schon diese wenigen Bilder.

In der Hauptsache haben Architektur und Bild­hauerei Anteil an den Schöpfungen dieser Ehren­male. Daneben entstanden aber noch Bildtafeln, far­bige Glasfenster, Wandmalereien, Bildschnitzereien, Metalltreibarbeiten und Bildgießereien. Unerschöpf­lich waren die technischen Mittel, reich die künst­lerische Gestaltungskraft. In vielen Dorfkirchen wur­den auf Holztafeln oder Emporenbrüstungen die Namen der Gefallenen, mitunter mit Angabe des Kampfortes und Todestages, von Malerhand auf-

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Großen-Buseck. Entwurf: Staatliches Hochbauamt (Kuhlmann), Gießen.

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Grünberg. Entwurf: Huber, Offenbach.

Großen-Linden. Entwurf: Fischer, Gießen. Lang-Göns. Entwurf: Fischer, Gießen.

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Langsdorf. Entw.: Kreisbauoerwaltung (Schneider).

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bis endlich die Mittel ausreichten, um mit Ernst an die Planung und schließlich an die Ausführung Herangehen zu können. Notwendiger als zuvor war jetzt die künstlerische Beratung beim Planen der Denkmäler, weil sie durch bewährte Hände von Künstlern und Handwerkern ausgeführt werden sollten. In die weitesten Kreise der Bevölkerung war das Verständnis zu bringen, daß auch das kleinste Ehrendenkmal künstlerischen Anforderungen unterworfen werden mußte. Diese Beratungen er­folgten durch berufene Instanzen. Auf solche Weise sind in unsrem Kreis Gießen jetzt in fast allen Gemeinden Ehrenmale zur Ausführung gekommen.

Wir können hier nur einen kleinsten Teil im Bilde wiedergeben; es wird sich aber wohl wieder

geschrieben und mit Malereien umrahmt, Inschrif­ten von schlichtem Inhalt von kundiger Hand in Liebe sorgfältig und dauerhaft hergestellt, erdacht und bis in die klestisten Einzelheiten durchgebildet und mit den besten Materialien ausgeführt.

Am geeignetsten, um dem Volksempfinden bei der Errichtung von Kriegerehrenmalen Rechnung zu tragen und dauernde Mahnmale zu schaffen, sind von den drei Schwesternkünsten Architektur, Bild­hauerei und. Malerei wohl die beiden ersten; für im Freien stehende oder anzubringende diese im besonderen Maße. Architektur und Bildhauerei sind ja die Kunstübungen, deren Pflege bis in die alt- griechische Zeit zurückgeht, wo sie schon zur Ver- herrNchung kriegerischer Heldentaten in Kämpfen

von Völkern gegeneinander angewendet worden sind.

Dem militärischen Charakter liegen einfache, schlichte Denkmäler oder Anlagen wohl am nächsten. Ruhige Rasenflächen, abgetrennt durch Buschwerk in einzelnen Gruppen, bestellt mit Holzkreuzen, bil­den gute Lösungen! Doch brachte die übergroße Zahl an Kriegsopfern begreiflicherweise auch ent­sprechend umfangreichere Ausführungen, wobei neben mächtigen Steinsarkophagen schließlich Tier- und Menschengestalten plastische Nachahmung fan­den.

Bedeutende künstlerische und handwerkliche Vor­arbeit mußte dazu geleistet werden. Richtige Natur­beobachtung bei der Darstellung war erforderlich, um zur Vollkommenheit in der Nachbildung zu ge­

Hungen. Entwurf: Schmidt & Zieseniß, Düsseldorf.

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Leihgestern. Entwurf: Staatliches Hochbauamt (Kuhlmann), Gießen.

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Münster bei Grünberg. Entwurf: Jäger, Queckborn.

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Lollar. Entwurf: Schmiedeknecht, Londorf.

langen. Vorbilder lieferte die altgriechische Plastik hierzu. Sie kannte diese Tiernachbildung in bester Form bereits- zu einer Zeit, da das Darstellen des Menschenkörpers ihr noch die größten Schwierig­keiten bereitete. Vollkommen war die Naturnachbil- dung. schon, aber ihr fehlte die Phantasie, sie war prosaisch, es mangelte an Begeisterung, es fehlte das über die Natur Erhebende, der Herzschlag und der Atem. Wie dort, so finden wir bei unseren neuen Schöpfungen solche Anklänge an rein archa­istische Gestaltung von Tierfiguern.

Als später die Kunst auch der Darstellung des menschlichen Körpers mächtig wurde, verstand sie es noch nicht, ihn zu durchgeistigen. Wohl konnte sie eine Handlung treffend und lebendig wiederbringen, aber nicht, was die Seele der Handelnden bewegt. Es fehlte das, was den Menschen vom Menschen unterscheidet, Geist, Seelenleben und Leidenschaft. Die Gestalten waren ohne Ausdruck des Gemütes, ob Sieger oder Sterbende, Stürmer oder Verteidi­ger, Gottheit oder Mensch, wie es'die attische Schule überlieferte. Von solchen Beispielen finden wir in unsren neuzeitlichen Werken Aehnliches!

Zur Darstellung, Würdigung und Verherrlichung höchsten Heldentums gehört auch die höchste Kunst. Sie bringt die Vereinigung des Geistigen mit dein Sinnlichen. Solche Kunst ist religiös, sie ist das Werk einer Persönlichkeit, Vereinigung des Geistes und der Hand, das Werk eines gottbegnadeten Menschen. Auch solcher Schöpfungen sind wir in unsrer neuen Denkmaldarstellung nicht bar und stolz darauf, Beispiele auch im Kreise Gießen zu haben.

Jedes der vielen verschiedenartigen Werke findet nun seine besondere Kritik. Möge sie ausfallen wie sie mag, eines steht fest, die Träger des Denkmais­gedankens waren zweifellos beseelt, das Schönste und Beste jeweils für ihre gefallenen Heldenföhne zu schaffen, wie es im Rahmen der finanziellen Tragbarkeit möglich war. Und gottbegnadete Künst­ler sind selten! Alles galt dem Dank an unsre treuen Volksgenossen, welche auch den Tod nicht scheuten, wenn das Vaterland gerettet werden sollte.

Und wenn in den ersten Zeiten nach dem Kriege figürliche Darstellung die Trauer, die Hoffnungs­losigkeit, Niedergeschlagenheit und stumme Ergeben­heit zum Ausdruck brachten, zeitgeborene Arbeiten, so werden die Schöpfer von Denkmälern in der Zeit des Dritten Reiches diese Gemütsstimmungen nicht mehr zur plastischen Darstellung bringen dürfen, wenn sie nicht nur mit der Zeit gehen, sondern vorausschauend arbeiten wollen. Der Krieger, wenn auch zu Tode getroffen, wüd nicht mit zerbroche­nem Schwert oder gar waffenlos darzustellen fein; er wird seine mit Ehren geführten Waffen sterbend abgeben an seine mit Begeisterung darauf warten­den, wehrhaft gewordenen jungen Nachfolger! Und seine letzten Worte werden sein: Macht es ebenso! Treu bis zum Tode für unser geliebtes Vaterland.

Wir vergessen unsere Toten nicht. Wie von mäch­tig deutscher Qüdje der Ast im Sturmwind, so brach ihr blühendes Leben; für uns und die Heimat.

Allen für das Vaterland gefallenen Kämpfern, ewigen Dank! Kuhlmann.