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eln? materielle Aufrüstung Deutschlands, sondern um die Stimmung, die in Deutschland herrsche. Einschließlich der 11000 Mann Garde mobile ver­füge Frankreich im Mutterlande über 350 000 Mann; der Rest der 543 000 Mann, die die gesamte französische Armee bilden, befinde sich außerhalb des Mutterlandes. Wenn man keine neuen Vorkeh­rungen getroffen hätte, würde der Bestand der im Mutterland verfügbaren Truppen auf 250 000 Mann gesunken sein, wovon etwa 60 bis 70 000 nicht ausgebildet seien. Die ursprünglich vorgesehenen Ueberqangsmaßnahmen für die rekrutenarmen Jahre reichten im Hinblick auf die Aufrüstung Deutschlands nicht mehr aus. Selbst wenn es keine rekruten­armen Jahre gäbe, mühte die Dien st zeit erhöht werden.

Der radttalsozialjfijsche Abgeordnete Daladier

wandte sich scharf gegen die von der Regierung getroffenen Maßnahmen. Man dürfe die Ruhe nicht verlieren und auch die Hoffnung nicht aufgeben, daß die internationalen Verhandlungen zu einem Ergeb­

nis führen konnten. Menn er ln der Hinsicht auch mit der Regierung einer Auffassung sei, daß Frank­reich inzwischen nicht g es ch wach t werden dürfe, so teile er doch nicht die Ansicht über die angewandten Methoden. Seit 1920 seien etwa 100 Milliarden für die französische Landesverteidigung ausyegeben worden. Ob sie richtig verwendet worden seien, bleibe dahin­gestellt. Daladier sprach sich f ü r d i e E r h ö h u n g der französischen Luststreitkraste und für den Ausgleich des Re k ru t e n a u sfa l l e s von etwa 60 bis 70 000 Mann durch die Einstellung von Spezialisten aus die den doppelten Wert hätten wie die gewöhnlichen Sol­daten. Ferner wies er darauf hin, daß die römischen Abkommen Einsparungen bei der Ef­fektivstärke an der franzoslsch-lta- lienischen Grenze gestatten mußten. Die eben angedeuteten Maßnahmen könnten eine Ver­längerung der Dienstzeit zunächst überflüssig machen. Erst, wenn erwiesen sei, daß diese Maßnahmen nicht ausreichten, könne man eine Heraufsetzung der Dienstzeit vornehmen, dann aber müsse dem Parla­ment ein ganz klares Gesetz vorgelegt werden.

Herriot beschwört seine Fraktion.

wollte offensichtlich den Herren Simon und Eden das energische französische Ersuchen nahebrrngen, ich nicht in Berlin von der Wahrheit uber- teuaen 3U lassen, sondern unter allen Umständen di französische Brille auszusetzen.

Sas Echo in London.

London, 16. März (DRB. Funkspruch). Die Rede des Ministerpräsidenten Flandin wird in der Presse als das Ereignis des Tages behandelt. Die Zerichte darüber sind außerordentlich lang. Es fehlen jedoch durchweg noch Kommentare. Rur

DailyTelegraph" sagt, Flandins kraftvolle

Rede in der Kammer werde in England ver­ständnisvollen Widerhall finden Sie werde die britischen und französischen Bemühungen um eine möglichst weitreichende Der- st ä n d i q u n n mit Deutschland, Polen und Sowjet« rußland stärken und nicht schwächen. In diesen drei Ländern sei der Grundsatz, daß es keine Sicherheit ohne Stärke gebe, eine Haupt- qrundlage der Staatspolitik. Vielleicht sei dies nicht gerade der Weg zur allgemeinen Abrüstung, den Großbritannien gewünscht hätte, aber es sei d e r einzige W e g, der die Aussicht auf eine inter­nationale Verständigung eröffne.

LlnvoWändig und einseitig.

Flandin verschweigt die wahren Gründe für das Fiasko der Abrüstung.

Das Deutsche Nachrichtenbüro schreibt zur Rede des französischen Ministerpräsidenten: Wenn auch Flandin sich im allgemeinen einer maß­vollen Sprache bedient, so kann doch seine Begrün­dung, die sich allein auf das Verhalten Deutschlands stützt, nicht ohne wesentliche Richtigstellungen, Ergänzungen und Vorbehalte zur Kenntnis genommen werden.

Die Vorkehrungen, die Deutschlandtrotz der Be­stimmungen des Teiles V des Vertrages von Ver- ailles" in militärischer Hinsicht getroffen hat, wer­den erwähnt, ebenso, daß dies durcheinseitigen Beschluß Deutschlands geschah". Nicht aber wer­den erwähnt die wahren Gründe, die zu der Abkehr Deutschlands vom Zustand einseiti­ger Entwaffnung führen mußten, und die eben darin bestanden, daß die Rüstungsmächte, statt ihren Abrüstungsverpflichtungen nachzukommen, na­mentlich auf technischem Gebiet die Kampf­kraft ihrer Heere ins Uferlose sterger- t e n. Wenn der französische Ministerpräsident also von früheren Hoffnungen spricht,daß vor dem Abschnitt der rekrutenarmen Klasse (d. h. zu Beginn der rekrutenarmen Jahre) die internatio­nale Organisation der Sicherheit die Beschränkung und Herabsetzung der Rüstungen, möglich machen würde", so versäumt er es, in diesem Zusammen­hang mit der französischen und der Weltöffentlichkeit gegenüber gebotenen Vollständigkeit die wahren Gründe zu erläutern, die zur Zerstörung gerade dieser Hoffnungen geführt haben.

Als ebenso unvollständig müssen die Ausführun­gen des französischen Ministerpräsidenten hinsicht­lich der Frankreich außer dem eigentlichen H e i m a t h e e r zur Verfügung stehenden Truppen- körper bezeichnet werden. Da die Rüstungsmahnah- men sich offenbar lediglich auf Deutsch­land beziehen sollen, die Möglichkeit eines An­griffes französischerseits aber glatt bestritten wird, so müsse Herr Flandin, abgesehen von den Armeen der Locarnomächte, auch die Heere seiner bekanntenVerbündeten hinzurechnen. Viel­leicht sind es ähnliche Zusammenhänge, die ihn auch bewogen haben, im Gegensatz zum britischen Regie­rungsvertreter im Oberhaus, Lord Stanhope, von der erheblichen Verstärkung der rus­sischen Armee überhaupt nicht zu spre­chen. Wie für Deutschland also im Konfliktsfalle mit Frankreich das militärische Zahlenverhältnis in Wirklichkeit sein würde, darüber vermeidet Herr Flandin wohlweislich seinen parlamentarischen Zuhörern nähere Angaben zu machen.

Daß bei solcher Einseitigkeit der Beweisführung und Bewertung Herr Flandin schließlich von den vier Ueberfällen spricht, die Frankreich im Laufe der Jahrhunderte habe über sich ergehen lassen müssen, ist kaum mehr verwunderlich. Ge­rade diese Bemerkungen sind aber anderseits e i n wenig ermutigendes Vorzeichen für den Willen zur Objektivität, mit der Frankreich an die kommende, letzten Endes einer Entspannung *ib Befriedung dienende Auseinandersetzung herangeht.

Auch England erörtert das Rüstungsproblem.

Hailsham verteidigt das Weißbuch. - Samuel warnt vor dem Wettrüsten.

Staatsminister Hernol

ergriff dann kurz vor der Abstimmung das Wort in der offensichtlichen Absicht, den Eindruck der Ausführung seines Fraktionskollegen Daladier auszugleichen. Als das Gesetz über die einjährige Dienstzeit verabschiedet worden sei, habe man ge= raufet, dafe es nicht nur angenehme, sondern auch unangenehme Seiten besitze. Jetzt müsse man folge­richtig an diefem Gesetz fest halten. Er habe im Namen seiner Parteifreunde dem Minister- Präsidenten das Wort gegeben, bafe er für die B e i - behaltung des Gesetzes und folglich für Die Anwendung von Artikel 40 stimmen wurde. Er werde die'ses Wort halten. Wenn die Kam­mer wüßte, was er, Herriot, wisse, was er aber ebenso wenig öffentlich darlegen könne, wie den Mobilmachungsplan, dann würden alle Abgeord­neten für die Maßnahmen der Regierung stimmen. Herriot betonte, daß er von seinem demokratischen, republikanischen und nationalen Bewußtsein geleitet werde, wenn er sich hinter d i e Regierungs­erklärung stelle.

Im Sinne des parlamentarischen Gleichgewichts sprach daraus der zweite Staatsminister ohne Por­tefeuille Louis Marin ebenfalls im Namen feiner Gruppe für die Regierungserklärung.

Franklin-Souillon

betonte, daß nach Ansicht seiner Freunde es einem Verbrechen gleichkäme, wenn man nicht sofort einGesetzüberdiezweijährigeDienst- z e i t verabschiede. Die Ueberraschung über die deut­sche Aufrüstung sei scheinheilig. Sämtliche Regie­rungen der letzten Jahre hätten gewußt, daß

Deutschland aufrüste, und doch habe niemand den Mut gehabt, etwas dagegen zu tun. Niemand habe es gewagt, die Akten über die deutsche Aufrüstung in Gens zur Sprache zu bringen. Man habe also die Entwicklung Deutschlands ver­dient, weil man nicht habe klar sehen wollen. Die militärisch-politischen Maßnahmen allein wür­den nicht ausreichen. Die Militärpolitik müsse mit einer zielbewußten Bündnispolitik Hand in Hand gehen.

Die Abstimmung.

Die Kammer mußte dann zwischen den verschie­denen vorliegenden Lnkschließungsentwür- fen wählen, die von sozialistischer und radikal­sozialistischer Seite sowie vom Abgeordneten Fabry eingebracht worden waren. Gegen den Antrag auf Priorität der sozialistischen Enlschlie- ßung stellte die Regierung die vertrauens- frage. Der Antrag wurde mit 389 gegen 190 Stimmen abgelehnt. Durch diesen Erfolg gegen die Sozialisten stark gemacht, stellte Flandin darau die zweite Vertrauensfrage gegen den Entschlietzungsentwurf des rechtsstehenden Abgeord­neten und Vorsitzenden des Heeresausschusses Fabry, der die sofortige Einbringung einer Gesetzesvorlage über die zwei­jährige Dienstzeit verlangte. Die Regierung erzielte 530 gegen 44 Stimmen. Schließlich wurde die Vertrauens-Tagesordnung deslinks- radikalen Abg. Laurent Lynac mit 354 gegen 210 Stimmen angenommen.

London, 15. März. (DNB.) Der britische Staatssekretär des Aeußeren, Sir John Sl- mon, hielt auf einer Kundgebung für die natio­nale Regierung in Swansea eine Rede. Simon wandte sich entschieden gegen die Annahme, daß Großbritannien sich nicht als treuer Anhänger des Völkerbundes erwiesen habe. In dreifacher Hinsicht seien die Hoffnungen der Gründer des Völkerbun­des noch nicht erfüllt worden: 1. fei der Völkerbund noch nicht allumfaffend, wie er geplant war; 2. hätten sich Fälle ereignet, bei denen die tatsächlichen Leistungen des Völkerbundes dem Erstrebten nicht voll entsprochen haben. Als dritten Punkt bezeichnete Simon das A b - rüstungsproblem. Er erklärte wörtlich:Es besteht kein Zweifel, daß in Aussicht genommen war, daß auf Deutschlands erzwungene Abrüstung vereinbarte Herabsetzun­gen in den Rüstungen anderer großer Staaten folgen würden. Großbritannien habe große Verminderungen in feinen Rüstungen vor­genommen. Dagegen feien nicht Abrüstung, sondern Rüstungserhöhungen vor» anderen Natio­nen, z. B. Japans, Sowjetrußlands "nd den Ver­einigten Staaten vorgenommen. Unter den Natio­nen, die wieder aufrüften, befinde sich auch Deutschland. Die einzige Abrüstung, die Dauer haben werde, sei eine Abrüstung, die frei ver­einbart ist. Zur Herbeiführung einer Rüstungs- oereinbarung fet es unbedingt notwendig, das Ge­fühl der Sicherheit zu erhöhen.

Auch andere britische Minister kamen in öffent­lichen Reden auf die Abrüstungsfrage zu sprechen.

0er Kriegsminister, Lord Hailsham, sagte u. a.:Ich bestreite, daß das Weißbuch irgend etwas enthalten hat, was einer fremden Nation berechtigten Anlaß zum Aerger geben könnte. Aber selbst wenn ein Teil des Inhaltes geeignet gewesen wäre, Deutschland zu tränten, märe es

dann richtig und fair gewesen, zuzulassen, daß Simon in dem Augenblick der Veröffentlichung des Weißbuches in Berlin weile, statt vorher die Tatsachen mitzuteilen, die wir bekanntgeben wollten?

Im eutgegengesttzten Sinne erklärte der Leiter der kleinen Liberalen Oppositionsgruppe des Unter­hauses

Sir Herbert Samuel:

Die Regierung könne ihren Anteil an der Schuld für den Nichterfolg der Abrüstungs- bemühungen nicht von sich weisen. Die Politik der Regierung bringe eine Erhöhung der R ü - stuugsäusgabeu mit sich. Man erklärte, Eng­land müsse im Interesse seiner Sicherheit eine Luft- streitmacht haben, die der L u f t w a f f e D e u t s ch - lands gleich sei. Aber Deutschland werde sagen, daß es sich zwischen zwei Fronten, einer im Westen und einer im Osten befinde, und um seiner Sicherheit willen eine Luftstreitmacht brauche, die s o groß sei, wie die Frankreichs und Sowjetrufelands zusammen. Sowjetrufe­land werde ebenfalls auf feine zwei Fronten verweisen und eine Luftmacht beanspruchen, die der Deutschlands und Japans entspreche. Dieser Wettbewerb ohne Ende werde England zwingen, Schritt zu halten. Deutschland sei wieder militaristisch geworden und rüste mit gro­ßer Schnelligkeit. Deutschland werde vielleicht immer gefährlicher werden. England und die Nachbarn Deutschlands müßten dies in Rechnung stellen. Aber die Regierungserklärung käme fast darauf hinaus, daß Großbritannien gar nicht für feine Verteidi­gung gesorgt habe, obwohl es doch die riesige Summe von 113 Millionen Pfund Sterling (etwa 1 2996 Millionen RM.) im Jahre ausgebe. Je mehr Friedens- und Sicherheitsbürgschaften geschaffen würden, desto größere Mengen an Kriegsmaterial müßten anscheinend um die­ser Bürgschaften willen aufgehäuft werden.

Die Debatte noch nicht geschloffen.

Heftige Auseinandersetzungen bei den Radikalsozialisten. Marxisten kündigen Maffenproteste an. Oie Rechte wirst dem Kabmett Mangel an Mut vor.

pariser preffestimmen.

Paris, 16. März. (DNB. Funkspruch.) Dor der Spätsitzung der Kammer hatte eine Fraktions - sitzung der Radikalsozialiften stattge­funden, in der Staatsminister Herriot und Da­ladier scharf aneinandergeraten sein sollen. Her­riot habe erklärt, wenn die Fraktion ihm nicht folge, dann werde er als Minister und Partei­vorsitzender zurücktreten. Die Fraktion habe sich schließlich mit 27 gegen 12 Stimmen für den später von Herriot in der Kammer vertretenen Standpunkt aus­gesprochen. WieOeuvre" feststellt, hat die Furcht vor einer Regierungskrise, die ein Rechtskabi - nett ans Ruder bringen könnte, die Radikalsozia­liften bestimmt, Herriot die Gefolgschaft nicht zu ver­sagen. Daß die gestrige Aussprache über die Dienst­zeit unter parteipolitischen Einflüs - s e n gestanden hat, die mit den kommenden G e - meindewahlen zu erklären sind, ist auch der Eindruck anderer Blätter. Herriots Organ, dieEre Nouvelle" behauptet zwar, daß die Haltung des Staatsminifters den nationalen Interessen diene, läßt aber doch durchblicken, daß die Partei auf diese Weise auf ihre Äoften zu kommen hoffe.

Die sozialistische und kommunistische Presse ist selbstverständlich über den Ausgang der Kammeraussprache aufgebracht. Sie spricht von einer Kapitulation vor den Generälen

und wirbt für gemeinsame Massenkund­gebungen. Der Gedanke, daß die militaristische Gefahr den Zusammenschluß der Arbeiterbewegung mit dem Ziel der Eroberung der Regierungsgewalt fördern müßte, kommt in der Linkspresse starker denn je zum Ausdruck.

Daß Flandin einen kläglichen, einen Pyrrhus­sieg davongetragen habe, ist dagegen die Ansicht der Rechtsblätter, die ihren Sturmlauf gegen die Regierung fortsetzen, da diese einem Ultima­tum der Radikalsozialisten nachgegeben habe, ftatt sofort die zweijährige Dienstzeit ein» zuführen. Zwar begrüßen die Blätter die einseitige Abstellung der Regierungserklärung auf die deutsche Aufrüstung, sie werfen aber dem Kabinett vor, daß es daraus nicht die einzig mögliche Schlußfolgerung gezogen habe. Das sei ein Mangel an Mut, der sich früher oder später rächen müsse.Echo de Paris" droht der Regierung mit dem Senat, der angeblich die Verlesung der Regierungserklärung mit eisigem Schweigen ausgenommen habe. Aus den Betrachtungen der Presse, in denen sich die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen in der Kam­mer widerspiegeln, gewinnt man jedenfalls den Ein­druck, daß mit dem Vertrauensvotum für die Re­gierung die Frage der zweijährigen Dienstzeit nicht abgeschlossen ist, daß diese Frage vielmehr ihr Nachspiel im Lande haben werde und daß nach den Gemeindewahlen das Eindringen einer Ge­setzesvorlage zu erwarten ist.

3um Fenster hinaus."

Wendung in der Balkanpolitik Italiens?

Oer südslawische Außenminister nach 2Rom eingeladen?

Berliner preffestimmen zur Kammerrede Flandins.

Zur Kammerrede Flandins schreibt derVöl­kische Beobachter": Der Sinn der in Ver­sailles von den Rüstungsmächten unterschriebenen Abrüstungsverpflichtung war der, daß die Abrüstung eine allen Nationen gleich­mäßige Sicherheit gewährleisten sollte. Frankreich hielt diese Verpflichtung nicht und brach damit den Versailler Vertrag. Frankreich blieb der hochgerüstete Staat, während Deuts<hland bis zur völligen Wehr­losigkeit abgerüstet hatte. Mit dem neuen Beschluß erklärt die französische Regierung nun­mehr, daß sie auch in Zukunft nicht Die ge­ringste Annäherung der Sicherheitsmöglichkeiten der Völker zugibt und Dafe sie in zweiter, erhöhter Stufe ihre"eigene Weiterrüstung betreibt. Die französische Regierung bricht damit die Ab­rüstungsverpflichtung zum zweiten Male und ver­setzt dieser Idee den letzten Stoß. Die erneute Hochrüstungspolitik Frankreichs gewinnt erst das richtige Relief, wenn man noch die zahlreichen Militärbündnisse ins Auge faßt, mit Denen Paris unD seine ebenso gerüsteten Alliierten verbun- Den sinD. Gegenüber Dieser erbrürfenben französi­schen Militär- und Allianzpolitik noch mit deutschen Zahlen operieren zu wollen, ist lächerlich. Frank­reich, die lebende Festung Europas, hat seit jeher jeden aufkeimenden Abrüstungsge­danken erstickt und hat ihn jetzt noch einmal er­schlagen.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung bezeichnet die Rede Flandins als ein schlechtes Vor­

spiel für die Berliner Besprechungen mit Dem eng­lischen Außenminister über Abrüstung und Sicher­heit, Die von wesentlich a n D e r e n Grunbsätzen aus­gehen sollten als Die gegen Deutschland einseitig polemisierenDe Beweisführung Flandins. Flandin beweise noch nachträglich, wie berechtigt die Gründe für den Austritt Deutschlands aus der Ab­rüstungskonferenz und dem Völkerbund waren, denn Zeitpunkt und Inhalt der Rede des französischen Ministerpräsidenten rechtfertigten den Zweifel, daß die französische Regierung jemals ernsthaft an Die Durchführung Der Abrüstung im eigenen LanDe geDacht hat.

In DerBerliner Börsenzeitung" heißt es, Die Wirkung Der ReDe, mit Der Flanbin Die ForDerung nach Erhöhung Der MilüärDienstzeit be­gründete, habe unzweifelhaft Darunter gelitten, daß Der Abgeordnete Blum die militärpolitischen Argu­mente des Ministerpräsidenten in ihrem wichtigsten Punkte korrigierte. Flandin hatte behauptet, in den Kasernen Frankreichs befänden sich jetzt 238 000 Mann. Blum hielt ihm entgegen, es seien gegen 500 000. Diese Panne werfe kein gutes Licht auf die Zuverlässigkeit Der Flandinschen An­gaben. Für uns Deutsche bilde die Rede eine un­unterbrochene Kette von Möglichkeiten, Unvollstän- digkeiten und Unzuverlässigkeiten festzustellen. Setzt man Die KammerreDe FlanDins in Die heutige poli­tische Lage, so erkennt man, daß sie, da Herr Flan­din der Zustimmung der Kammer schon von vorn­herein gewiß war, zum Fe nste r h i n a us ge­halten war in der Richtung nach London. Er

London, 16. März. (DNB.-Funkspruch.) Der neue italienische Gesandte in Belgrad, Gras C am­palt o, hat bei Überreichung seines Beglaubi­gungsschreibens betont, daß Italien nur freundliche Gefühle für Südslawien hege und nicht die Ab­sicht habe, die friedliche Entwicklung des Lan­des und feine territoriale Unverletz­lichkeit z u stören. Der Vertreter DerTimes" in Belgrad nennt diese Aeußerung einen weiteren Fortschritt in den italienisch-südslawischen Bezie­hungen, der nicht verfehlen könne, eine günstige Rückwirkung auf Mitteleuropa zu haben. Einige politische Kreise erblickten darin die Möglichkeit, daß Revisionsbestrebungen und monar­chistische Wieberherstellungsbeftrebungen in diesem Teil Der Welt aushören würden.Daily Herald" will wissen, Dafe Der süDslawische Außenminister von Mussolini zu einem Besuch in Rom einge­laden worden sei. Eine Erklärung wie die über die territoriale Unverletzlichkeit SÜD- s l a w i e n s würde Mussolini früher nur sehr wi­derwillig abgegeben haben. Im Stillen habe Musso­lini immer an die Möglichkeit einer Auflösung Süb- flaroiens und an die Errichtung eines unabhängigen Kroatiens unter italienischem Schutz gedacht. Die Ermordung des Königs Alexander, die Die Gefahr eines Tändelns mit dem kroatischen Separatismus offen gezeigt habe, ferner Mussolinis Oesterreich- Politik und Die Januar-Besprechung mit Laval hätten Die WanDlung in Der Haltung Mussoli­nis zustande gebracht. Mussolini könne sich jetzt auch darauf verlassen, Dafe keine Einmischungen in irgenb- welche Maßnahmen erfolgen roürDen, Die er in Afrika zu ergreifen wünsche.

Oie Liquidation des griechischen Aufstandes.

Kein Auslieferungsbegehren.

London, 15. März. (DNB.) Kriegsminister General K o n d y l i s erklärte Dem Vertreter Des Evening StanDarD":Solange ich hier sitze, kann niemand Daran Denken, Dafe König Georg von Grie­chenland zurückkommt." Die Regierung werde die Auslieferung Der Rebellenführer nicht forbern. Die AufstänDischen roürDen in Abwesenheit Durch Kriegs­gerichte abgeurteilt werben. Wenn sie zurückkehr- ten, werbe bas Urteil vollstreckt. Kehrten sie aber nicht zurück, werbe bie Regierung nichts unter­nehmen, um ihrer habhaft zu werben. Auf bie Frage, ob Aufstänbische erschossen würben, antwortete Konbylis: ,Ach bin kein Sultan mit Ge­walt über Leben unb Tob. Sie werben bestraft wer­ben. Aber bie Regierung hat nichtben Wunsch, Blut zu vergieße n."

Die Untersuchung ber Kriegsgerichte hat bereits Einzelheiten über bie Vorbereitungen bes Aufstau- bes ergeben, eine sogenannte Republikanische Organisation, bereu Ziel es war, bie Re­gierung Tsalbaris zu stürzen, unterhielt in Athen unb im Piräus 750 Zellen, bie ihre Anwerbungen vor allem mit ben ihnen burch Veuiselos und bem Klub ber Deuiseliftischen Partei zur Verfügung gestellten Gelbsummen betrieben. Leiter ber Orga­nisation war ein persönlicher Freunb von Denise« tos, General Papulos, ber sich unter ben Ver­hafteten befinbet.Es würben an bie Mitglieber auch