Nr. HO Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, lb. Zebruar 1935
„Dös is a Zigeinerin. Nur schön. Schaun s es an!"
Aber das Finnerl kann sich nicht so rasch entschließen. Sie träumt von etwas Besonderem. Indessen ist Babett, die Köchin von Kommerzienrats, zur Ladentür hereingekommen und steht in ihrer stattlichen Fülle im Raum. Auch sie möchte dem Prinzen Karneval ihre Aufwartung machen und zwar in Begleitung ihres zaundürren Schneidermeisters Lampel. Gegensätze ziehen sich auch irn Fasching an.
Der Babett hat es die weiße Seidenhose des Rosenkavaliers angetan.
„Da wird's was Ham, mein i. Dafür san's a wengerl zu vollschlank, Fräulein Babett", sagt Frau Käsbohrer vorsichtig und mißt Babetts üppige Rundung, die in keinem Verhältnis zu der knappen Seidenhose steht, mit kritischen Blicken.
Aber die Babett ist unbelehrbar und zieht strahlend mit der Hose ab. Auch das Finnerl hat etwas sehr Nettes gefunden, eine Pierrette in weiß-rot und kann außerdem noch drei Mark behalten.
Frau Käsbohrer schlägt den Korbdeckel wieder über die Faschingsherrlichkeit und kehrt zufrieden zu Sauerkraut und Schmierseife zurück.
R e d o u t e.
In den Festsälen unserer Großbrauereien, wo an soliden Holztischen sonst ehrsame Bürger friedlich ihre Maß trinken, sitzen jetzt Pärchen und busseln.
„In München kommen die Menschen wohl gleich paarweise auf die Welt, wie, Herr Nachbar?" fragt ein Herr aus Bremen.
Die Kapelle spielt gerade ein „Prosit der Gemütlichkeit", und deshalb bekommt er keine Antwort.
„Zum Weaner Walzer eine Münchener Maß und ein süßes Mädel, wie schön ist das", singt ein Student und ist eben im Begriff, seine holde Nachbarin brüderlich zu umarmen. Aber da erscheint der rechtmäßige Besitzer auf dem Plan und schreit ihn an:
„Ja, wia hab'n ma's denn nacha? Was fallt denn Eahna net ein? Schämst di net, Rosa, mit an wildfremden Mensch anz'band'ln, bal ma'n Rücken kehrt!"
„Geh, mach Mäus'!"
„Hergeb'n tu i di net!"
„Wer red't jetzt von hergeb'n? Grad Herleiha sollst mi' a wengerl, meint der Herr!"
Die Rosa ist großzügiger als ihr Schatz, der gar keinen Spaß versteht, von einem Leihgefchäft nichts wissen will und sich sehr rasch wieder zu seinem Besitzerrecht zu verhelfen weiß. ..
Mit dem damischen Fasching wird d G muetuch- kei't hin", brummt der Herr Grundlhuber.
„Mir war's Starkbier a Haber."
Wintersemester-Schlußfeier 4934/33 der Universität.
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Der Rektor Professor Dr. Pfähler trägt den Geschäftsbericht vor. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
In der Neuen Aula der Universität fand gestern mittag die Wintersemester - Schlußfeier 19 3 4/35 statt. Die Dozentenschaft war sehr zahlreich vertreten, von den Studenten waren ebenfalls viele erschienen.
Se. Magnifizenz der Jkffor Prof. Dr. Pfähler
gedachte nach einer feinen musikalischen Darbietung für Orgel und Flöte (Temesvary) zunächst der im vergangenen Semester verstorbenen Angehörigen der Universität. Zum Zeichen der Anteilnahme und der Verbundenheit mit den Verstorbenen erhob sich die Versammlung von den Sitzen
Der Rektor erstattete sodann einen Bericht über das vergangene Winterhalbjahr und gab dabei bekannt, daß die Universität im Wintersemester von 1596 Studierenden, einschließlich der Hospitanten, besucht wurde.
Trotz der Beschränkungen für die Zulassung zum Studium sei die Zahl der Studierenden an unserer Universität nicht wesentlich zurück- gegangen. hier habe sich sicherlich die Eigenschaft der Universität als Landesuniversität erwiesen.
Nach der Aufforderung an die Dozentenschaft und an die Studenten, immer für die Universität einzutreten, brachte der Redner dann die mannigfachen Veränderungen im Lehrkörper der Universität zur Kenntnis, die im einzelnen jeweils berichtet worden sind. Zum Schluß forderte der Rek-, tor die Studentenschaft und die Dozenten auf, entsprechend dem eindeutigen Aufruf des Führers zur Hingabe an sein Werk einen gemeinsamen starken Stoßtrupp in nationalsozialistischem Geiste zu bilden und diesen Stoßtrupp stets rein und stark zu erhalten. Sodann sprach der
Gau-Studentenführer Walcher, Frankfurt a. M.
Die Gießener Studentenschaft stehe in einem neuen Abschnitt ihrer Arbeit, und der Nationalsozialistische Studentenbund könne einen bescheidenen Anfang
seiner Arbeit beschließen. Der nationalsozialistische Studentenbund stelle eine Organisation revolutionären Geistes dar. Die Hochschulen seien zuerst nationalsozialistisch gewesen. Eines sei hier festzuhalten: alle Erscheinungen der Zeit seien Anzeichen des jugendlichen revolutionären Willens, sich einen neuen Weg zu bahnen.
Der deutsche Student sei ein Bannerträger Adolf Hitlers. Der NS.-Studentenbund solle Nlittelpunkt der Erneuerung des studentischen
Lebens sein.
„Wir sammelten deshalb Kameraden um uns, denen die Grundbegriffe des Nationalsozialismus beigebracht worden sind, damit jene Führer in den kleineren Stoßtrupps sein können." Wenn es innerhalb der Studentenschaft einmal Auseinandersetzungen gebe, so könne dem immer nur entgegengehalten werden, daß es bei gegenseitigem Vertrauen immer auch wieder einen Weg zur Einigung gebe.
Der Führer wolle alle aufbauwilligen Kräfte vereinigt wissen. Der Weg der Bewegung und des deutschen Bottes solle gesichert werden.
Die Gießener Studentenschaft habe einen Wechsel in ihrer Führung erlebt. Der Kurs, der nunmehr eingeschlagen worden sei, werde von jedem, der Bescheid wisse, anerkannt. Es gehe nicht um Personen, sondern um die Arbeit. Was der einzelne tue, sei seine Sache, er selbst sei dafür verantwortlich. Der Bewegung dürfe aber nicht geschadet werden. Es dürfe kein Gegeneinander-Arbeiten geben. Der neuen Führung der Gießener Studentenschaft sei das Bffste für ihre Weiterarbeit zu wünschen.
Dem Willen des Führers sich bedingungslos zu unterwsrfen fei Aufgabe jedes Einzelnen.
Möchten sich alle die Hand reichen zum Wohle des Volkes und zum Wohle der Bewegung.
Oer Kanzler der Unwerfifäi, Prof. Or. Hummel,
als Führer der Dozentenschaft betonte zum Schluß der Feier, daß die Dozentenschaft der Landesuniversität nunmehr ebenfalls der Standesorganisa-
Münchener Faschings-Bilderbogen.
Von Mara Ma'gander.
Ein Stück Konfetti lag auf der Straße. Bunt und lustig, aber winzig klein. Da kam Prinz Karneval des Wegs daher und blies das kleine Konfetti mit dem warmen Atem seiner Fröhlichkeit an. Es wuchs, ward groß und zu einem riesigen Zelt, das sich über die ganze Stadt München spannte. Anfangs lächelten die Münchener noch ein wenig spöttisch und skeptisch über die Narretei; aber dann war es wie alle Jahre, sie ließen sich einwiegen in heitere Walzerklänge: Der Fasching ist da! —
Kostümverleih.
Sogar der Herr Grantlhuber holte seinen verschossenen roten Frack, der ihm dreißig Jahre treu gedient hatte, aus der Mottenkiste heraus und bewilligte seiner Frau fünf Reichsmark für ein Kostüm, das sich mit Hilfe der Schmuhgelder vorn Wirtfchaftsetat zu einer recht beachtlichen Stattlich- ieit auswuchs. Das Finnerl aber schlupfte m der Mittagspause rasch einmal hinaus über die Gasse zu Frau Käsbohrer, in deren kleinen Laden Prinz Karneval zwischen Persil und Schmierseife ein paar hübsche bunte Seidenfetzen gelegt hatte und das nun den stolzen Namen „Kostümverleih" trug.
„Was Fesch's brauchet i, Frau Käsbohrer , meint das Finnerl ein wenig zaghaft und zitternd vor Seligkeit, denn sie ist erst siebzehn und es ist ihr erster, allererster Fasching. Der Toni, von drüben aus der Großgarage, hat sie eingeladen. Das Finnen ist Wassermädel in einer Wirtschaft und hat sich vom Trinkgeld zehn Mark erspart, die will sie dem Fasching zum Opfer bringen. ...
„Wia vuil Geld haben's denn beisammen, Fral- lein Finnerl?" fragt die Käsbohrerin fachlich. Aber das Finnerl ist schlau. Sie verrät nichts von ihrem großen Schatz.
„3'erft zeigen's, was da Ham!"
Frau Käsbohrer murmelt etwas, was so viel heißen soll wie „G'schnappiges Ding, g'schnappiges vnd hebt ihre Schätze aus dem alten Reisekorb, der I neben der Heringstonne steht.
„A wunderschöne Türkin hätt t da. Echt. Nur prima! Die hat 's Fräulein Marie ang'habt, die ido sich verlobt hat mit'n Herrn Schneider."
„So a lange Hos'n. Da ka ma sich ja gar net Irütjrn."
„Ja, wissen's, nadet können's net umanand- hupf'n."
tion eingegliedert sei und so einer stark betonten lebendigen Gemeinschaft angehöre.
Die bewegende Kraft müsse bei der Jugend liegen, die Mitarbeit der Weiteren sei aber durchaus und stets erwünscht. Gemeinsam mit den Studenten sollten die gemeinsamen Ziele verfolgt werden. Jung und Alt sollten harmonisch Zusammenwirken.
Besondere Aufgabe der Hochschule sei es, lebendige Fühlung zum Volke herzustellen. Enge Verbindung sei, zum gegenseitigen Nutzen, bereits mit dem Arbeitsdienst angeknüpft worden. Im kommenden Semester harrten noch mehrere Aufgaben dieser Art der Hoschule.
Die Hochschule müsse hineinwachsen in die Volksgemeinschaft. Das sei der Weg der Pflicht und der Treue, die wir unserem Volk stets zu erweisen hätten.
In freiwilliger Gefolgschaft müßten wir zum Führer stehen und alle Aufgaben läsen, die uns durch ihn gestellt mürben.
Mit dreifachem „Sieg - Heil!" auf den Führer Adolf Hitler und mit dem gemeinsam gesungenen ersten Vers des Horst-Wesiel-Liedes wurde die Semester-Schlußfeier beendet.
Einführung des neuen Führers des Studentenhundes in Gießen
Gestern nachmittag wurden die Amtsträger des Studentenbundes Gießen in den Räumen des NSDStB. versammelt, um der Amtsübergabe der Hochschul-Gruppenführung beizuwohnen. Der Gau- studentenbundführer Walcher richtete an den bisherigen Hochschul-Gruppenführer Edler von Graeve herzliche Worte der Anerkennung für feine im Dienste der Bewegung und des Studentenbundes geleistete Arbeit. Er dankte ihm für den selbstlosen Einsatz während der letzten sieben Semester und bezeichnete ihn als einen Eckpfeiler der Bewegung an dem Frontabschnitt „Studentenschaft". Er sprach die Hoffnung aus, nach glücklicher Beendigung des Studiums feinen alten Kameraden wieder in der Front der aktiven Kämpfer der Partei begrüßen zu können.
Sodann übergab Edler von Graeve fein Amt an den neuen Hochschul-Gruppenführer Stenger mit der Versicherung, daß er jederzeit bereit sei, seine langjährigen Erfahrungen im Kampf um die Huchschule dem neuen Führer zur Verfügung zu stellen.
Der feierliche Akt schloß mit einem gemeinsamen Treuegelöbnis auf den Führer und seine Bewegung.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Neues Adreßbuch von Gießen.
Die lehr zahlreichen Aenderungen in den Adressen- verzeichniffen durch Zuzüge. Fort- und Umzüge innerhalb der Zeit von zwei Jahren machen die Heraus- gäbe eines neuen Adreßbuches dringend erforderlich. Zwecks Erzielung genauer Einträge in das neue Buch werden nunmehr die Haus- und Firmenlisten von den Vertretern des Adrehbuchverlages bei den Hausbesitzern abgegeben. Es dient dem Vorteil jedes Einzelnen und der Allgemeinheit, daß die Listen ohne jeden Verzug sorgfältig und eigenhändig ausgefüllt und zur Abholung bereitgelegt werden.
Dämmerstunde im Dorfe.
Die Wintertage bringen auf dem Lande manche stille Stunde. Das Leben läuft langsamer und bedächtiger. Und wenn der Tag vergehen will, ist auch die Hauptarbeit im Hause getan. Das Vieh ist versorgt, die Stalltüren werden verschlossen, die Kinder kommen von der Straße.
Nun beginnt die schönste Stunde des Tages: die Dämmerstunde. Wir zünden nicht gleich die Lampe an, wir sitzen gern einige Zeit zwischen Licht und Dunkelheit. Das ist in der Stadt anders. Da erschlagen die hellen Lampen die schöne Dämmerstunde. Aus Schaufenstern und Fabrikräumen strahlt helles Licht. Die Menschen eilen noch hin und her, emsig und geschäftig. Auf dem Dorfe sind die Straßen dunkel, bald werden sie in tiefster Stille liegen. In den Häusern aber geht durch alle Räume ein leises Raunen, wenn der Tag vergehen will und die Nacht noch nicht da ist. Das ist die Schummerstunde, die zum Ausruhen und Rückschauen einfäbt. Alle Gegenstände um uns verschwinden langsam in der Dämmerung, bis sie die Dunkelheit ganz verschluckt.
Es senkt sich dann ein Friede auf unser Gemüt wie ein linder Traum. Wir sitzen ganz still. Nur das Feuer im Ofen knistert. Wir sehen die Glut der Holzscheite. Das Licht des Feuers spiegelt sich auf den Gegenständen im Zimmer, die Schubladen der Kommode glänzen und geben merkwürdige Reflexe. Der Schein der Glut liegt auf den Stühlen, aber auch auf den Gesichtern. Wunderliches Spiel des Feuers! Da verlischt ein Scheit, es wird plötzlich ganz dunkel. Dann wieder flammt ein nachgelegtes auf. Das Spiel beginnt von neuem.
Die Hausfrau kommt herein. Sie hat nach den Ferkeln gesehen, die in der letzten Nacht geboren wurden. Sie trocknet sich die Hände am Handtuch
ab, ohne etwas zu sagen, und setzt sich zu uns. Also ist die Sache in Ordnung, denkt der Bauer. Zu sprechen braucht man in dieser traulichen Stunde nicht. Jedes hängt seinen eigenen Gedanken nach. Es ist die schönste Ruhe zwischen Tag und Nacht.
Wir schauen zum Fenster hinaus. Auch dort verdämmert der Tag. Noch sehen wir den grauen Himmel und den Giebel des Nachbarhauses sich deutlich abheben. Aber nicht lange mehr, dann taucht auch er unter im Dunkel der Nacht. Alles ist schwarz. Nur das Feuer glüht weiter und wirft seinen roten Schein in das Zimmer.
Ganz dicht beim Ofen sitzt der Großvater und raucht feine kleine Holzpfeife. Wir hören deutlich, wie er langsam den Rauch in die Luft bläst. Sehen können wir ihn nicht. Dann aber räuspert er sich und fängt an zu erzählen ...
Der Zauber der Dämmerstunde beginnt nun erst recht. Die Kinder sitzen so still, wie am Weihnachtsabend. Sie wissen, daß jetzt ein schönes Märchen, oder ein Erlebnis kommt und daß der Großvater gut erzählen kann. Doch ehe er beginnt, geht die Türe noch einmal, und der Nachbar kommt. Er grüßt und fetzt sich still auf einen Stuhl.
Dann fängt der Großvater an, langsam und bedächtig, seine Pfeife geht ihm nicht aus. Er erzählt aus feiner Jugendzeit, von den strengen Wintern, die er erlebt hat. In kurzen Sätzen schildert er vergangene Zeiten, geht auf einzelne Erlebnisse näher ein und malt uns so anschaulich und sicher ein Bild, daß wir es alle noch einmal miterleben.
Aber die Zeit ist bald um. Die Hausfrau knipst das Licht an. Der Zauber der Dämmerstunde ist verflogen. Die Kinder stehen lärmend auf. Der Nachbar hat einige Fragen, und die Hausfrau stellt die Teller auf den Tisch. —
Ich gehe sinnend nach Hause und freue wiest über die schönen Geschichten. Wenn alte Leute erzählen, muß ich immer an unterirdische Quellen denken, die irgendwo rauschen. In solchen Dämmerstunden dürfen wir manchmal einen Blick in die Tiefe tun, dürfen sehen, wie das sprudelnde Leben hervorquillt, und unbewußt werden vergangene Zeiten in uns lebendig, entführen uns aus der Gegenwart und geben uns dafür neue gesammelte Kraft. P.
Daten für den 16. Februar.
1620:- Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, in Kölln a. d. Spree geboren (gestorben 1688); — 1826: der Dichter Joseph Viktor von Scheffel in Karlsruhe geboren (gestorben 1886); — 1834: der Naturforscher Ernst Haeckel in Potsdam geboren (ge-
„Schau, Schätzer!, der Lampion schaut grab* her wia der Mond "
„Grad a so . . ."
Seliges Schweigen ...
„So jung, wenn man noch a mal war, Herr Nachbar."
„Ja, ja, 's is oiwei des gleiche."
„Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt, dudli dudli dumm, dumm", jauchzt die Klarinette in den Saal.
„Kommen's, Frau Kehrmvser, tanz ma noch
Das Fest hat seinen Höhepunkt erreicht. Im Saal ist eine Hitze, die das Blut auf den Siedepunkt bringt. Der riesenhafte Ordnungsmann hat bereits wiederholt seines Amtes gewaltet und ein paar überhitzte Köpfe an die abkühlende Winterluft befördert. Man hat Walzer getanzt und schmalzige Tangos. Aber jetzt kommt das schönste. Die „Frassä" (Fran^aise), Münchens Faschings-Nationaltanz.
Der ohnehin schon schummerige Saal wird noch um ein Grad dunkler. Scheinwerfer senden ihre bunten Strahlen und machen das reizvolle Bild der vielen Masken nur noch sinnverwirrender. Letzte Frassä!
„'s ist mal bei uns so Sitte, chacun ä son gout."
Die Paare drücken sich enger zusammen. Die strengsten Bande haben sich gelockert. Faschingsselig wirbelt es durcheinander. Sogar die kommen zusammen, für die sich den ganzen Abend über keine Gelegenheit fand. Jetzt tanzen sie vis-a-vis.
„Verdrucken kennt i di, Madl!"
„Weg mit die Finger von die Bilder."
„Red koan Schmarrn daher."
„Sie verwechseln die Begriffe, mein Herr. Das Fräulein ist mit mir gekommen."
„Nacha geht's halt mit mir hoam."
Die reizende Pierrette steht unschlüssig zwischen zwei Feuern. Beide Kavaliere gefallen ihr gleich gut Da wird's dunkel. Leise Musik. Heiße Küsse. Bayern hat gesiegt ..
„Sakra, sakra, Madl, hoaß is da herin."
Man weiß nicht, meint er den Saal oder seine heftig schlagende Männerbrust.
Dann zieht er sie stürmisch fort in einen stillen Winkel. Während die Frassä in einem Landler ausklingt, fängt eine neue Liebe an. In der Ecke aber steht das Herzweh des Verschmähten.
Heimfahrt.
Wagen flitzen durch die hell erleuchteten Straßen. Husch, ein Blitzen und Funkeln, kaum geschaut, schon verweht. Ein wohlfrisierter blonder Frauenkopf,
eine bunte Narrenkappe Ein kostbarer Pelz, eine schöne, ringgeschmückte Hand. Vorüber. Die Freude fährt durch die Stadt spazieren und mit ihr gepaart viel Jugend und Schönheit.
So ist es zwischen acht und neun Uhr abends.
Nachts aber und gegen Morgen, wenn die Sterns schon anfangen, langsam schlafen zu gehen, dann flitzen die Autos nicht mehr gar so rasch. Mein Gott, so ein Chauffeur hat doch auch ein Herz. Ein goldenes Münchener Herz. Der Heimweg ist eh so kurz. Billig ist er auch nicht.
„Magst mi, Schätzer!?"
„Ja!"
Ein Busserl. Noch eins.
Der Wagen rollt weiter. Man hört nicht viel aus seinem Innern. Nur leise gestammelte Liebesworte. So rasch ist man am Ziel. Und es fing doch erst grab an, schön zu werben.
Der Mann am Volant ist biskret. Er roenbet sich nicht um. Sagt bann nur laut und deutlich:
„Da wär' ma. Nymphenburger Straß ..."
„Weiter."
„Die hat's richti, die zwoa."
Ihm kann's recht fein. Fahr ma halt weiter. Auffahrtsallee. Nymphenburg. Das Schloßrondel. Zurück.
Die Heimfahrt ist schöner als der ganze Faschingsball.
Dem Chauffeur tut's ja selber leid, daß auch das einmal ein Ende haben muß.
Sein alter Wagen hat schon so manches erlebt. Er schüttelt sich auf der Heimfahrt, daß es in der Karosserie knistert vor Lachen über so viel selige Faschingstorheit.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Friedrich K o p s ch, Extraordinarius für normale Anatomie und Histologie an der Universität Berlin, ist zum ordentlichen Professor in Berlin ernannt worden.
Professor Dr. Erich T i e d e, Extraordinarius für Chemie an der Universität Berlin, ist zum Ordinarius in Berlin ernannt worden.
Professor Dr. Karl August E ck h a r d t, Ordinarius an der Universität Kiel, ist für die Dauer seiner Beschäftigung im Ministerium für Wissen- schäft, Erziehung und Volksbildung in gleicher Eigenschaft in die philosophische Fakultät der Universität Berlin berufen worden.
Der. Günter H u w e r, Privatdozent für Frauenheilkunde an der Universität Jena, ist als Direktor der Universitäts-Frauenklinik an die Sun-^at-Sen» Universität in Kanton (China) berufen worben.


