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ü n d Pferdebeine ihren Sinn ver­loren. Hart will nun die Infanterie in schwere und leichte geteilt wissen. Die Aufgabe der schweren oder gewöhnlichen Infanterie beschränkt sich nur auf die reine Abwehr, zu der sie allein, befähigt ist.Sie auf dem Schlachtfeld der Zukunft in einen Angriff zu hetzen, würde einfach eine Einladung an den Gegner bedeuten, sie niederzumetzeln." Hart will dem napoleonischen Grundsatz neuen Auftrieb geben, daß die entscheidende Kraft eines Heeres in der Masse mal Schnelligkeit" ruht. Das Bataillon im Hartschen Sinne soll in seinen vor­dersten Einheiten auf Fahrzeugen vom kleinsten Austin-Typ befördert werden. Diese Infanterie -Finger" haben vorzufühlen und müssen anstreben, jeden Widerstandsversuch rück­sichtslos zu brechen. Bei kräftiger Gegenwehr ge­nügt es jedoch nicht, mit demFinger" den Gegner umzustoßen hie geballte Faust muß so schnell wie möglich zur vollen Wirkung kommen. Ein neuer, leicht beweglicher s. M. G.-Typ und Minenwerfer in kleinen Raupen­fahrzeugen vom Cardon-Lloyd-Typ sind als Faust" gedacht. Sobald festgestellt wird, daß der feindliche Widerstand nachhaltiger Natur ist, werden die Schützen zahlenmäßige Verstärkung und Unter­stützung durch schwere Waffen benötigen. Hierzu ist eine Reserve, die zunächst, da sie gleichfalls über schnelle geländegängige Motorfahrzeuge verfügt, außerhalb der Feuerzone bereitgestellt.

Das Hartsche Bataillon besteht also aus einer Kompanie Jäger für die Hart sogar das l. M. G. ausgeschaltet wissen will und die mit einer Waffe ausgerüstet sein muß, die noch leichter als das jetzige Gewehr ist auf leichten Gelände­wagen, ferner aus einer Kompanie mechanisierter Hilfswaffen und einer motorisierten Reservekom­panie. Feuerstärke des Hartschen Bataillons: 4 be­wegliche M. W., 33 neue s. M. G., 192 Gewehre (nur Scharfschützen!). Zahl der Fahrzeuge: 48 leichte Geländewagen, 27 Krafträder, 42 gepanzerte Ge­ländewagen, 1 leichter Gepäckwagen. 4 leichte L. K. W., 5 mittlere L. K. W., 7 große Mannschafts­wagen.

Das so zusammengesetzte Hartsche Bataillon weist jedoch einen Mangel insofern auf, als es, trotz Motorisierung und Mechanisierung über panzerbrechende Waffen nicht ver­fügt. Was wir in Harts Absicht erblicken, kann nur folgendes fein: die Infanterie in neuzeit­liche Kavallerie umzuformen und diese motc.nechanische Kavallerie wie einst wieder zur schlachtentscheidenden Waffe umzugestalten. Ob hier­für aber die Stoßkraft des Hartschen Bataillons ausreichen wird, muß berechtigt in Zweifel gezogen werden, da, wie gesagt, die panzerbrechenden Waffen völlig fehlen! Trotz allem:Infanterie von morgen" gibt Anregung und verdient Beachtung. Mdr.

Dänemark vaagn op!"

Oie Entwicklung des Nationalsozialismus in Dänemark.

Von Ernst Siegfried Hansen-Apenrade.

Von Nordschleswig ausgehend hatte die Clausen- Bewegung bald Zellen im ganzen Lande und zeigte sich der Oeffentlichkeit in einem Wochen­blattN a t i o n a l - S o c i a l i st e n". Die Dänische National-Sozialistische Arbeiter-Partei baut sich auf aus Parteimitgliedern, aus der SA. und einer vor kurzem gegründeten JugendorganisationDanske Drenge" (D. D.). Die Parteimitglieder können pas­siv oder aktiv sein. Die Passiven sympathisieren mit der Partei und unterstützen geldlich die Arbeit, die Aktiven sind die Kämpfer der Bewegung. Die SA. hat besonders unter den Bauernsöhnen und Knech­ten starken Anhang gefunden.D. D." ist noch im Anfangsstadium. Die ersten Arbeitspläne stehen noch im Zeichen starker Unerfahrenheit. Von gro­ßer Bedeutung ist die Gründung einer national­sozialistischen Studentenorganisation in Kopenhagen. Sie ist zahlenmäßig stark.

Dr. Clausen scheint sich als Führer durchzusetzen. Seine Reden sind mit beißendem Spott durch­würzt und versetzen die Zuhörer oft in beifälliges Lachen. Er versteht, seine Gegner durch Hieb und Stich mundtot zu machen. Seine Aussprache ist wie die des Volkes, zuweilen spricht er plattdänisch. Von Gestalt ist er ein Hüne; seine ganze Haltung strahlt eine überlegene Ruhe und Sicherheit aus. Anfangs glaubte er, der Führer müßte sich noch herausbildenich will die Partei leiten, bis der Führer da ist" aberhan er vokset med Bevae- gelsen" (er ist mit der Bewegung gewachsen) wie ein naher Mitarbeiter anläßlich seines Geburts­tages von ihm sagte. Er steht heute im Bewußt­sein seiner Anhänger als der kommende Füh­rer Dänemarks da.

Die Bewegung Dr. Clausens ist jedoch nicht die einzige. Unter dem jungen Dänen E j n e r B a a b e n ist eine Partei NDP. (Dän. National- Sozialistische Partei) entstanden, die zahlen­mäßig gering noch in den Kinderschuhen steckt. Auch Ejner Baaben betont die Notwendigkeit, daß die Bewegung von Nordschleswig ausgeht. Eine dritte Gruppe ist die des Leutnants Thor­sen. Er nennt sieNational-Socialistisk Abejds- faelleskaeb" und hat noch keine Parteibildung im eigentlichen Sinne herbeigeführt. Er hat Studien­kreise errichtet (und zwar besonders zahlreich in Nordschleswig!), wahrscheinlich um die Stimmung vorzubereiten. Seine Arbeitsgemeinschaft steht wie die Einer Baabens an Bedeutung vorläufig vor der DNSAP. (Clausen) zurück.

Es ist äußerst schwer zu sagen, wie groß die Mög­lichkeiten des Nationalsozialismus in Dänemark sind. Daß Möglichkeiten da sind, steht außer Frage. Sie zeigen sich klar in dem Lebensmut der dänischen nationalsozialistischen Organisationen. Allerdings wird der Nationalsozialismus sich n u r i m g r u n d- legend Weltanschaulichen mit dem deut­schen vergleichen lassen. Denn das deutsche Volk ist durch die geschichtlichen Umstände (Weltkrieg usw.) ganz anders geformt als das dänische. Und das wird dem dänischen Nationalsozialismus vielleicht das größte Hinderns sein: das Fehlen eines großen Geschehens, das in seiner Furcht­barkeit auf jeden Volksgenossen Eindruck gemacht hat. Denn durch die Umstände hat das dänische Volk ungestört verspießern können. Das große Frage­zeichen ist, ob eine nationalsozialistische Bewegung entstehen wird oder entstanden ist, die das dänische Volk aus dieser Herzverfettung herausziehen kann. Das ist die Zukunftsfrage des dänischen National- soziolismus.

Im Kampf um die Jugend muß der dä­nische Nationalsozialismus eine Festung stürmen: die dänischen Volkshochschulen. Sie sind geradezu großartige Einrichtungen der Jugenderziehung und üben auf den jungen Menschen einen Einfluß aus, der ihn sein ganzes Leben nicht verläßt (in der nord- schleswigschen Grenzkampfetappe 18641920 erhielt eine Volkshochschule Rödding später Askop den Dänen ihre Jugend!). Diese Schulen, dessen Vater btr berühmte Däne N. F. S. Grundtwig ist, müssen dem Nationalsozialismus gehören. Erst dann wird ein großer und wichtiger Teil dänischer Jugend zu den neuen Fahnen strömen. Nationalsozialis­mus in Dänemark das bedeutet Nationalsozialis­mus im ganzen Norden. Wenn die Reibungsfläche und Kulturbrücke Nordschleswig den Funken her­überspringen läßt, dann zündet er in allen skandi­navischen Ländern!

Der Nationalsozialismus entspricht in seiner welt­anschaulichen Grundlage nicht nur der deutschen Volksseele, sondern ist darüber hinaus der Aus­druck germanischen Fühlens und Denkens. Es ist daher besonders wissenswert, wie die Erhebung im Reich auf andere germanische Volkskörper ge­wirkt, hat. Ich will versuchen, eine Darstellung der Entwicklung des dänischen Nationalsozialismus und seiner Möglichkeiten zu geben.

Schon früh zeigten sich in Dänemark Ansätze zur Bildung einer nationalsozialistischen Partei. Doch

die verschiedenen kleinen Gruppen brachten es zu­nächst nicht zur Einigung. Die ersten Anfänge einer Organisation entstanden unter der Führung des Rittmeisters Lembke, doch er war nicht imstande sich als Führer durchzusetzen; er war besonders für den Kampf um den dänischen Arbeiter eine un­mögliche Persönlichkeit. Immerhin hatte seine Par­teibildung zur Folge, daß ein begabter Führer sich herausarbeitete: Dr. Fritz Clausen.

Fritz Clausen ist Arzt in Baurup in dem abge­treten Gebiet Nordschleswig. Es ist bezeichnend, daß der Nationalsozialismus von einem Grenz­land auszugehen scheint, ein Merkmal, das wir im deutschen Nationalsozialismus wiederfinden. Das

Grenzland Nordschleswig ist die Reibungs» fläche, die den Funken der neuen Weltanschauung erzeugen soll, und die entscheiden wird, ob der Funke herüberspringt oder nicht. Fritz Clausen übernahm bald die Führung der DNSAP. (Dänische National-Sozialistische Arbeiter-Partei), die von Lembke gegründet worden war, und arbei­tet jetzt schon vier Jahre an dem Auf- und Ausbau. Die Werbung wird stark behindert durch den noch nicht vollendeten Vorgang der U m g e st a l t u n g des Nationalsozialismus für dänische Verhältnisse. Erst wenn der Nationalsozialismus seine däni­sche Form gefunden hat, wird er starken Wider­hall im dänischen Volke finden.

MitKreuzerCmden"um die halbe:

elf.

Weihnacht in Kapstadt.

Von Korvettenkapitän (3ng.) Weber*.

IV.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! An Bord KreuzerEmden", Februar 1935.

Nach einem achttägigen Seetörn stand Kreuzer Emden" am 21. Dezember morgens 9 Uhr vor Kapstadt. Im Hintergründe liegt derTafel­berg", das Wahrzeigen dieser südlichsten Stadt Afrikas. Bereits auf den ersten Blick erkennt man, daß dieser Ort seit dem Besuch derEmden" im Jahre 1927 einen starken Aufschwung ge­nommen hat, die Vororte am Rande der Tafelbucht, die sich früher deutlich vom Stadtzentrum abhoben, sind mit diesem heute zusammengewachsen, denn überall sind Häuserneubauten entstanden.

Auf der Mole und am Pier warten, obgleich wir an einem Werktag einliefen, Hunderte von Deutschen, darunter auch Abordnungen aus der Umgebung und Vertreter der deutsch-afrikanischen Jugend, die eine ähnliche Uniform wie unsere Hit­lerjugend trägt. Diese recht ansehnliche Menge er­klärte sich aus der Tatsache, daß in Kapstadt und seiner näheren Umgebung etwa 3000 Deutsch- stämmige unter ihnen 400 Reichsdeutsche leben. Sofort nach dem Festmachen am Pier im neuen Hafen entwickelt sich ein reges Leben an Bord. Es ist kaum möglich, die vielen Fragen nach der Heimat zu beantworten. Und überall strahlen die Augen, wenn man von der ständig fortschreiten­den Entwicklung auf allen Gebieten und von der Zucht und Ordnung, die zu Hause wieder ihren Ein­zug gehalten haben, spricht.

Das Programm, das die deutsche Kolonie für un­seren Aufenthalt vorgesehen hatte, war außerordent­lich umfangreich. Aber nicht nur die Deutschen nah­men sich unser an, sondern auch Engländer und Afrikaner wetteiferten miteinander und wollten uns die Schönheiten der Umgebung und der Stadt selbst zeigen. Auch ich folgte der Ein­ladung eines afrikanischen Farmers. Nachdem wir seine Weinplantagen, die Kelterei und das riesige Lagerhaus besichtigt hatten, kam natürlich das Ge­spräch auch auf Hitler. Man hört gern zu, wenn von dem neuen Deutschland und seinem Führer die Rede ist, zumal man an dem frischen und korrekten Auftreten unserer Männer sieht, daß doch wohl manches in dem Staate Adolf Hitlers anders fein muß, als man es sich bisher vorstellte. Wir schnei­den solche Gespräche nie selbst an; aber ich glaube, daß wohl niemand unter uns ist, der nicht öfter um Auskunft über all diese Dinge gebeten wor- den ist.

Am Heiligen Abend kamen vormittags Kinder der deutschen Schulen an Bprd. Sie wurden mit Kakao und Kuchen bewirtet und dann sangen sie Weihnachtslieder und trugen vaterländische Ge­dichte vor. Die Schulen und auch die Kirchen in Kapstadt und Umgebung leisten viel für die Erhal­tung des Deutschtums in diesem Lande, und trotz bitterer Rückschläge während des Weltkrieges sind sie fetzt wieder in steter Aufwärtsentwicklung be­griffen. So zählt z. B. die Sankt-Martini-Schule in Kapstadt, die 1933 ihr 50jähriges Jubiläum feiern

* Vergleiche den letzten Artikel in Nr. 22 des Gießener Anzeigers vom 26. Januar.

konnte, bereits wieder 140 Schüler und beabsichtigt, demnächst den Lehrplan bis zu einem Umfang aus­zubauen, der etwa unserer Prima-Reife entspricht.

Weihnachten! Man muß sich an diesen Ge­danken erst gewöhnen: Die Wärme, unsere weißen Uniformen, fremd klingende Laute auf dem Pier überhaupt das ganze Bild, alles will keine rechte Weihnachtsstimung auffomen lassen. Aber wenn man kurz nach dem Mittagessen durch die Decks geht und sieht, wie die Tannenbäume geputzt werden, wobei Weihnachtslieder gesungen werden, wenn man den Leseraum betritt, wo die vielen bunten Tüten klar­gemacht werden und es nach Pfefferkuchen und son­stigem Weihnachtsgebäck riecht, bann wird die Stim­mung schon anders.

Und als wir dann gegen Abend zum Gottes­dienst vor den Lichterbaum auf der Schanz traten, da war es auch bei uns Weihnachten geworden. Nach dem Wegtreten wurde es ruhig im Schiff. Jeder stand vor feinem Gabentisch, wo die Pakete und die Post aus der Heimat von treuen Kameradenhänden hingelegt worden waren. Es ist eine stille Feierstunde, dieses Auspacken der Pakete und das Lesen der Briefe von den Lieben daheim. Die Gedanken eilen zu unseren Eltern, zu unferen Frauen und Kindern, zu unseren Geschwistern und Freunden! Später geht der Kommandant, be­gleitet von den nicht zu den Divisionen gehörenden Offizieren durch das Schiff, wir drücken jedem die Hand und fühlen, daß wir, die wir immer gute Kameraden waren, heute zu einer Familie zusammengeschweißt worden sind. Lange, sehr lange sitzen wir noch zusammen und fingen und erzählen.

Mit zu den schönsten Erlebnissen während unse­res Aufenthaltes in der Hauptstadt der Kapprovinz gehörte der Besuch einer 100 Mann starken Ab­ordnung in der Vlakte. Früher eine Sand- wüste, hatten deutscher Fleiß und deutsche Aus­dauer sie zu den Ob st - und Gemüsegärten Kapstadts gemacht. Die Väter der Vlaktebauern stammen meist aus der Lüneburger Heide, ein kleiner Teil aber auch aus Westfalen, Branden­burg, Thüringen und Sachsen, woher sie in einer Stärke von 300 Männern und Frauen in den Jah­ren 1878 bis 1886 nach Südafrika auswanderten. Sie haben alle einfach und bescheiden angefangen und leben auch heute noch nicht im Ueberfluß, aber die stets gleichbleibende Absatzmöglichkeit ihrer Pro- duckte auf dem Kapstadter Markt gibt ihnen einen gesicherten Lebensunterhalt. Ihr Herz hängt an der alten Heimat, sie haben in allem deutsche Sitte und Kultur und die deutsche Sprache so bewahrt, wie man es wohl sehr selten findet. Besondere Verdienste hat sich um diesen Teil des Auslandsdeutschtums der Pastor Mohn ke erworben, der ein prächtiger Bauernpfarrer ist und den ich als alten Bekannten wieder begrüßen durfte.

3n East London.

Unser nächster Hafen war East London, nur zwei Tage Seefahrt entfernt. In den Kapstadter Aufenthalt waren die Feiertage gefallen, viel Zeit für einen geregelten Dienstbetrieb war also nicht übrig geblieben. Aber jeher wird sich vorstellen können, daß auf einem Schiff, das Monate hin­durch ohne Hilfe einer Werft oder sonstiger Repa­raturbetriebe fahren soll, und das ein Ausbildungs-

Blühende Clivia.

Von Peter Bauer.

Die Heimat ihrer Stammeltern ist das südlichste Afrika. Dennoch fühlt sich ihre Sippe sie kommt in zahlreichen Spielarten vor in unseren Zim­mern sehr wohl und wird, da sie schon in den ersten Monaten des Jahres blüht, als eine der schönsten und vornehmsten Planzenzierden gepflegt und be­treut.

Ihr Wesen ist hoheitsvolle Würde. Sie verträgt keine Berührung mit fremden Dingen. Die Spitzen ihrer Blätter, von denen die Blüte in einem weit ausbiegenden Büschel wie von dem breiten Falten­wurf eines Königsmantels umgeben ist, gilben und -rosten, wenn sie irgendwo anstoßen. Dabei sind diese Blätter durchaus nicht zart und zimperlich, vielmehr haben sie schon von ihrer frühesten Ju­gend an eher etwas von der elastischen Härte dün­ner Stahlbänder als von der seidenen Weichheit schmiegsamer Gräser, von denen sie eine vergrößerte und vergröberte Abart zu sein scheinen. Wie in einer festen Faust sitzen die paarweis aufsprießen- den, eng ineinandergeschachtelten Blätter, die sich anfangs wie Daumen und Zeigefinger einander gegenüberstehen, bald aber nach allen Seiten ab­biegen. Es ist, als ob sie eine unsichtbare Hand an ihren Spitzen niederzöge, und sie folgen, nachdem sie bis zur Armlänge ausgewachsen sind, in schö­nem Schwung. Sie haben inzwischen die Breite eines Degens erreicht, und man wird das Gefühl nicht los, daß sie aus ihrem Bogen jeden Augen­blick zurückschnellen könnten. Das Grün, das von einem seidigen Firnis glänzt, dunkelt mehr und mehr nach, und die zarten Längsnerven treten bei den älteren Blättern, die ihre Ränder sanft auf- krempen, deutlicher hervor.

Der Blütenschaft, der nicht rund ist, sondern zwei starke Kanten hat, scheint aus zwei einander zuge­bogenen Blättern zusammengesetzt. Sobald er den Büschel überragt, brechen aus ihm sternförmig die kleinen, fingerlangen Blütenstiele, von denen jeder, wie ein Leuchter seine Kerze, eine Blume trägt. Sie' hat die Form eines schlanken Trichters und prangt in zwei Farben. Am schönsten sind die in zarten Aquarelltönen leuchtenden Clivien. Wundervoll die ßelbe, mit dem zitronenfarbenen Herzen und der m Orange strahlenden äußeren Blumenhälfte. Jede Blüte ist aus sechs Blumenblättern gebildet, die sich allmählich immer weiter voneinander losen und den Trichter in einen strahlenden Stern verwandeln. Dabei treten die sechs Staubfäden mit den dicken Goldpollen und der sie überragende Stempel mit dem zart olioenfarbenen Narbenkrönchen mehr und

mehr hervor. Bei der leisesten Berührung geben die Pollen ihren Goldstaub ab.

Dem vornehmen abgeschlossenen Wesen der Cli­via entsprechend ist auch ihr Duft unaufdringlich und erst in nächster Nähe witterbar. Sie hat es wie eine stolze Schönheit nicht nötig, damit zu locken, sondern schenkt ihren zarten herbsüßen Hauch nur dem, der ihren leisen Wünschen in Liebe dient.

Sonderbare Sachen.

Kulturgeschichte in Pillen gedreht.

Von Peter Peppermint

In der Preußischen Klassenlotterie fiel der Hauptgewinn die genauen Daten sind mir nicht bekannt, aber es entspricht den Tatsachen! zweimal auf dieselbe Nummer. Diese Nummer hatte außerdem die Eigenschaft, vorwärts und rückwärts gelesen gleich zu lauten. Es war 39 093.

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Als die Stadt Leiden im Jahre 1575 von den Spaniern belagert wurde, erhielten die Bürger durch Brieftauben die Nachricht, daß der Prinz von Oranien zur Hilfe heranrückte. Den Brieftauben also verdankt die Stadt ihre Errettung, denn nun hielt man die Belagerung noch einige Tage aus. Diese Brieftauben wurden auf Befehl des Prinzen von Oranien bis an ihr Lebensende gefüttert, nach ihrem Tode aber einbalfamiert und im Rathaus zu Leiden aufbewahrt.

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Im Soester Stadtrecht, das um 1150 her­um schriftlich niedergelegt ist, steht zu lesen:Es soll der Richter auf feinem Richterstuhl sitzen als ein griesgrimmenber Lowe, den rechten Fuß über den linken schlagen, und wenn er der Sache nicht recht könne urteilen, so soll er dieselbe einhundert- dreiundzwanzigmal überlegen."

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Juristendeutsch aus den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, zu lesen auf Seite 252 des 1. Bandes derEntscheidungen des Reichs­gerichts in Zivilsachen". Was ist die Eisenbahn? Sie istein Unternehmen, gerichtet auf wiederholte Fortbewegung von Personen oder Sachen über nicht ganz unbedeutende Raumstrecken auf metalle­ner Grundlage, welche durch ihre Konsistenz, Kon­struktion und Glätte den Transport großer Ge­wichtsmassen, bzw. die Erzielung einer verhältnis- mäßig bedeutenden Schnelligkeit der Transport­bewegung zu ermöglichen bestimmt ist, und durch diese Eigenart in Verbindung mit den außerdem 3ur Erzeugung der Transportbewegung benutzten -caturkräften bei dem Betriebe des Unternehmens * *

auf denselben 'eine gewaltige, je nach den Umstän­den nur in bezweckter Weise nützliche, ober auch »enleben vernichtenbe, unb die mensch- esundheit zu verletzende Wirkung zu erzeu­gen fähia ist."

Uff! Ader dabei haben wir die Leser schon mit dem Satz verschont, der außerdem mitten drin in Klammern steht und diebenutzten Naturkräfte" näher erläutert!

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Der römische Kaiser Clodius Albinus konnte mit nüchternem Magen 500 getrocknete Fei­gen, 100 Pfirsiche, 20 Pfund Trauben und 10 Me­lonen bewältigen.

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Die Stiftungsurkunde von Unruh st adt im Kreise Bomst ist von einem Grafen Unruh unter­schrieben. Obendrein aber hieß der erste Bürger­meister der Stadt, die den seltsamen Namen trug, Kummer, der erste Kämmerer Sorge.

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Es gab einmal eine Zeit, in der es für unfein galt, an die Türen zu klopfen. Wer den Vornehmen markieren wollte und Einlaß begehrte, durfte nur kratzen. Damit aber die Fingernägel nicht litten, hing an den Türen der Zimmer der französischen Ludwige ein Kamm.

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Wer kennt nicht das ZarenUedSonst spielt' ich mit Szepter, mit Krone und Stern" aus Lortzings Oper3 ar und Zimmerman n"? Aus der Generalprobe zur Leipziger Erstaufführung wurde das Lied als völlig unwirksam gestrichen. Nur den dringenden Vorhaltungen Lortzings ist es zu dan­ken, daß die Arie erhalten blieb.

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Das einstige russische Garde-RegimentPaul" hatte früher eine Regimentshebamme. Allerdings waren die Soldaten damals fast alle verheiratet unb dienten lebenslänglich.

Cleopatra."

Dieser Film, ben die Paramount nach einem Manuskript von Walbernar £) o u n g unb V. Law­rence unter ber Regie von Cecil B. b e Mille gebreht hat, ist typisch für eine ganz bestimmte Gat­tung amerikanischer Filme: er setzt bie Linie fort, bie seinerzeit mitBen Hur" unbKönig ber Kö­nige" begonnen mürbe. Nachbem im Programm bas runbe Dutzenb ber solistischen Hauptbarsteller ! namentlich aufgezählt ist, folgt schlicht unb summa­risch bie Bemerkungunb weitere breitaufenb Mit- wirkenbe". Das ist bczeichnenb für ben Kolossalstil ber amerikanischen Historien, bie vornehmlich durch

ihre Massen von Menschen, Material, Kostüm, Ar­chitektur und Ausstattung wirken. Und ganz folge­richtig ist die Regie von C. B. d e Mille in erster Linie eine Bewältigung bewegter Menschenmengen, sie gibt eine durchaus zunächst an das Auge sich wendende Folge von Szenen und Bildern. Die Ausstattung und der Aufwand, der hier getrieben wird, sind von einer Art, daß man versucht ist, das Ganze einen Ausschnitt aus der antiken Geschichte, der den Zusammenstoß zweier Völker und zweier Welten schildern will eine historisie­rende Kolossal-Revue zu nennen. Da gibt es nichts, was der Technik der Kamera und dem Willen des Regisseurs entzogen wäre: prunkvolle Paläste, Feste, Tänze und Aufmärsche; Cäsars Triumphzug und Cäsars Ermordung in einem gewaltig aufge­türmten Senatspalast; durch die Wüste jagende Streitwagen, die an die berühmten Pferderennen in Ben Hur" erinnern; die ganze verschwenderische Prunkentfaltung derZauberin vom Nil", Schlach­ten zu Land, zu Pferd unb zu Fuß, und zur See, Belagerung mit ben alten Kriegsmaschinen unb Er­stürmung einer Stabt burch bie römischen Legio­näre. Immerhin muß eingeräumt werben, baß in berCleopatra" ein wenig mehr Wert auf bie Ausgestaltung ber Einzelszene aelegt würbe, als bies in früheren, ähnlichen Kolossalfilmen von Hollywoob ber Fall war. Claubette (Tolbert spielt bie Titelrolle; sie ist rein äußerlich, als Typus, nicht schlecht gewählt, sie nimmt bie Aegypterin als Circe, als Sphinr aus dem Lande des Nils, als eine leidenschaftliche Fürstin der Liebe; am stärk­sten wirkt sie entschieden in den Szenen mit An­tonius, während sie zuvor, als Partnerin unb Gegenspielerin Cäsars, ein wenig an die Cleopatra des Schauspiels von Shaw erinnert, obwohl sie unb ber Regisseur freilich nicht bie volle Unbefangenheit der Sehweife aufbringen, mit der Shaw an die historischen Dinge herangegangen war. Und man spürt doch auch immer wieder, nicht nur an dem Toilettenwechsel, der gelegentlich an eine Moden­schau denken läßt, daß man es mit einer Schausvie- lerin zu tun hat, die in einem modernen Gesell­schaftsstück ohne Zweifel bie aleiche ober sogar eine stärkere Wirkung erzielen würbe. Den Cäsar gibt Warren William knapp unb kalt, übrigens' in einer recht überzeugenben Maske. Komplizierter unb weicher, mehr auf bas Psychologische hin spie- lenb, Henry W i l c o r o n als Marc Anton. Von ben übrigen sind Jan Keith als Octavian, C. Au- brey Smith als Enobarbus und Getrude Mi­chael als Calpurnia zu nennen. Rudolf Kopp schrieb die Musik; deutsche Regie: Kurt Steines. Der Film läuft feit gestern im Lichtspiel­haus; im Beiprogramm findet man einen Bild­bericht von den Bootsmanövern eines Ozeandamp­fers, dazu die neue Wochenschau der Ufa.