185. Jahrgang
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
M. 189 Erster Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 15. August 1955
Iksch<int "gttch,.-ub-r M W fttr^OTiHagsnummet
liegen«’ F-mili-nblätt-r ■ g B JpL. 6runbprei|efUrlmmfiöl)t
ZW- MbUIM MUMl ms
Auch bei Nichterscheinen UM MM Ermäßigte Grundpreise:
?ttffiTn#m3höberer Gewalt Stellen-, Vereins., gemein-
-KZHr General-Anzeiger für Oberheffen ßWWZ
richten: Anzeiger Gießen behördliche Anzeigen 6Rpf.
8ranffu°rt?m<m«in:n686 Orucft und Verlag: Brühl'sche UnioersttStL-vuch- und Stetndruckerei R.Lange in Stehen. Schristleitong und Seschäftrft-lle: Schulstratze 7 M-ngenabfchW-Staffel8
kommen unterstützt, auf die Dauer für Frank» reich besser ist, als ein isoliertes England und ein Italien, das im Augenblick der größten Spannung in Europa seine Kräfte in einem anderen Erdteil verschwendet. Mindestens ist die Wahl unangenehm, so daß k e i n e sofortige und deutliche Entscheidung zu erwarten fein dürfte. Laval scheint auf so entschiedene Worte Englands nicht gefaßt gewesen zu sein, und sich noch nicht im klaren darüber zu sein, ob sie bis zum Aeußersten aufrecht erhalten werden würden.
gende Punkte gelegt zu haben:
1. Das bedauernswerte Beispiel, das gegeben würde, wenn der Völkerbund einem Mitgliedsstaat erlaubte, das Gebiet eines anderen Mitgliedsstaates gewaltsam in Besitz zu nehmen.
2. Die Erschütterung des Vertrauens zu Verträgen, wenn zugelassen würde, daß eine ganze Anzahl von Verträgen offenkundig und unangefochten verletzt würde.
3. Die Zerstörung jeder Hoffnung auf Beendigung des Werkes der Befriedung in Mittel- und Osteuropa.
4. Die ernsten wirtschaftlichen Folgen ür Italien selbst; das bei einem langwierigen Feldzug in Gefahr kommen könnte, innerlich zusammenzubrechen.
5. Italiens Schulden an die britische Industrie, die ihm keine weiteren Kredite gewähren könne.
6. Die Tatsache, daß England feine Außenpolitik nicht mehr auf den Völkerbund gründen könnte, wenn Frankreich nicht gleichfalls die Grundsätze des Völkerbundes unterstützte.
7. Die schwere Erschütterung der britischen öffentlichen Meinung, wenn England infolge des Ausbleibens französischer Unterstützung gezwungen werden würde, sich von den europäischen Angelegenheiten zurückzuziehen und Schuh für sich selbst durch zweiseitige Der- träge zu sichern.
Selbstverständlich wurde all dies in nicht drohen- dem Tone erwähnt, sondern es wurde klar gemacht, daß England diese Möglichkeiten als äußerst be- bäuerlich betrachte. Laval soll in e r n st e r Stimmung gewesen sein. Don ihm nahestehenden
(Scherl-M.)
Mann, der sich im Augenblick des heranstürmens der Wassermassen gerade auf d e m hochgele- genen Platz der Stadt befand, von dem aus ein guter Ueberblick möglich ist, erzählte, daß die Häuser von den Sturzwellen der Fluten wie leichtes Stroh weggetragen wurden. Die überlebende Bevölkerung der bedrohten Stadtteile, etwa 1000 Personen, versammelten sich auf diesem Platz, wo
Oie Oammbruchkatastrophe bei Ovaya.
Die ersten Augenzeugenberichte aus dem ligurischen steberschwemmungögebiet.
Eden erläutert in Paris die englische Auffassung.
Frankreich wird vor grundsätzliche Entscheidungen gestellt.—Laval in der Zwickmühle
M welchen Zugeständnissen kann Italien zusriedengestM werden?
Die pariser preffe setzt wenig Hoffnung auf die Dreierkonferenz.
des Suezkanals für das abessinische Abenteuer und ein Rückzug auf die „Orientstellung" ohne eine Entscheidung über die Seeherrschaft im Mittelrneer nicht z u denken ist. Die englische Politik, die nach wie vor im V ö l k e r - bunt) das Geheimmittel sieht und vor einer solchen Entscheidung einen gesunden Schauder haben muß, kann sich dabei auf immer noch sehr bedeutende Machtmittel stützen. Gewiß ist die italienische Flotte in Rechnung zu stellen, sie beherrscht mit ihren Flugzeugen, Kreuzern und schnellen Kampfmitteln das mittlere und östliche Mittelmeer, sie verfügt über 330 Flugzeuge stärkster ausdauernder Art, aber hier sind doch noch andere Ziffern und Kräfte in Rechnung zu stellen. Die englische M i t t e l- m e e r f l o t t e umfaßt nicht ganz die Hälfte der britischen Seemacht, ihre Verstärkung durch die gesamte Heimatflotte wäre das Werk weniger Tage. Dann stände Italien — und im konstruierten Falle auch Frankreich — einer geschlossenen, kampferprobten Macht von zahlenmäßig mindestens 25 v. h., Italien allein einer solchen von mindestens dreifacher Ueberlegenheit gegenüber. Diese Macht würde gewiß Einbußen und Verluste erleiden, aber hinter ihr stehen die Hilfsmittel der Welt, in ihren Händen läge die nicht zu erschütternde Sperrung der Gibraltarstraße für alle Zufuhren, fie hätte es in der Hand, mit Repressalien gegen italienische Städte und Häfen zu erwidern, die allem Zweifel ein Ende bereiten würden.
Die Machtmittel Englands sind nicht so groß wie früher, es hat Opfer bringen müssen und unter innerem Zwange manches unterlassen, was nötig war. Aber es ist heute entlastet von der amerikanischen Revalität, entlastet von Sorgen nach der Nordsee und baltischen Seite hin, dank dem deutsch- englischen Flottenfrieden. In solchem Augenblick sich mit ihm einzulassen, könnte für eine Macht von höchst beschränkt finanzieller und wirtschaftlicher Widerstandskraft wie Italien nur ein Akt höchster Unbesonnenheit oder Ratlosigkeit sein. Der weitere Verlauf dieser Streitfrage dürfte von solcher Erkenntnis beherrscht sein, vorausgesetzt, daß die englische Politik, seit dem Kriege oft von Unentschlossen- heit geplagt, nicht ihre eigenen Mtttel unterschätzt.
Persönlichkeiten wird versichert, daß er sich immer mehr des tiefen Ernstes der Lage und der Schwierigkeit seiner eigenen Enscheidung bewußt wird. Seine Abneigung, zu Italien in Gegensatz zu treten, entspringt hauptsächlich den Vorstellungen seiner militärischen Ratgeber, die auf das Freiwerden der italienischen und französischen Truppen an der gemeinsamen Grenze seit Anfang dieses Jahres großes Gewicht legen. Aber sein politisches Gefühl sagt- ihm, daß ein starkes England, das einen leistungsfähigenVölkerbund voll-
Klugheit wie Energie an den Pariser Verhandlungstisch setzen werde. Es könne um so mehr d i e Ruhe des wirklich Starken zeigen, als es ihn nicht an guten Argumenten gegenüber England fehle, von dem es in den letzten zwanzig Jahren immer wieder ermutigt worden fei, eine Teilung Abessiniens ins Auge zu fassen.
„Im Notfall wird jeder Wann und jede Frau kampsen."
London, 15. Juli. (DNB. Funkspr.) „News Chronicle" meldet, der Kaiser von Ab esst» nien fyabe dem Vertreter des Blattes erklärt: Im Notfall wird jeder Mann und jede Frau kämpfen, selbst wenn sie nichts anderes als Stöcke und Steine haben. Wir werden keinen Fuß breit an der Nordgrenze aufgeben. Die ganze Nation roirb" lieber zugrunde gehen, als dies zu- laffen. Alle Stämme und Gruppen im Lande sind hinter ihrem Kaiser gegen jeden Einbruch vereint, wie niemals zuvor in der Geschichte. Wir bedauern, daß befreundete Staaten uns nicht erlaubt haben, Waffen kommen zu lassen, aber, auch schlecht bewaffnet, wie wir sind, können wir alle italienischen Angriffe abschlagen.
Ueber die DreiMächte-Verhandlungen äußerte der Kaiser: Wir glauben nicht, daß Frankreich und England eine neue Ungerechtigkeit zu denen hinzufügen werden, die Italien uns bereits angetan hat. " Wir erwarten nicht, daß Pläne für die Aufteilung Abessiniens aufgestellt werden, denn die Mächte haben seine Unverletzlichkeit gewährleistet.
Da der Kaiser wiederholt äußerte, er vertraue auf Gottes Schutz, fragte der Korrespondent: aber ist Gott denn nicht auf der Seite, die die größten Kanonen hat? Der Kaiser erwiderte: O nein, niemals im Falle Abessiniens, nicht einmal bei Napoleon. Er wurde schließlich trotz seiner starken Batterien besiegt, weil er bas Recht nicht auf seiner Seite hatte.
und zwar nahe an. .
Zu den Nachrichten, die ihrer Zett mindestens voraneilen, rechnen wir in diesem Zusammenhang die, daß England jetzt schon damit umgehe f e l”e Flottenbasis von Malta nach Haifa zu verlegen, dieses mit der Bucht von Akaba (Rotes Meer, Ostseite der Sinai-Halbinsel) zu verbinden, und dort eine neue Flottenbasis nebst Flugplatz zu errichten. Damit soll im Mandatsgebiet von Palästina und Transfordan em neuer strategischer Schwerpunkt entstehen, zur Verteidigung der britischen Interessen tm Orient. Zur gleichen Gruppe von Meldungen, von noch höherem Grade der Unwahrscheinlichkeit, zählt die von der beabsichtigten Aufgabe von Gibraltar, unter dem Eindruck, daß auch diese Festung gegen moderne Waffen und eine italienisch-spanische Koalition nicht zu halten sei. Die Unwahrscheinlichkeit, um nicht zu sagen, Unmöglichkeit liegt darm daß England bei einer solchen Preisgabe des westlichen und mittleren Mittelmeeres im östlichen Teil, um Cnpern, Haifa und Suezkanal herum, erst recht feine fefte Stellung mehr behaupten konnte. Vielmehr hätte es damit seine Etappenlinie zur Heimat verloren und mit ihr die Rochade-Linie, auf per es seit über 150 Jahren seine Seemacht verschieben konnte, und zwar seit Eröffnung des Suezkanals von der Heimat bis nach Indien. Dtefe Linie, die man sich auch über die Azoren bis Westindien verlängert denken kann, bildet das R ü ck g r a t d e s englischen Weltreichs, von denen die Ner- Denftränge nach anliegenden und ferneren Seegeble- ten ausstrahlen. Ihre teilweise Preisgabe wäre eme freiwillige Amputation, die kein gesunder Körper aushalten kann. Der Weg um Afrika herum bleibt natürlich offen, aber man glaubt doch wohl nicht, daß dieser zur Versorgung und militärischen Stützung der „Stellung im Orient", des Suezkanals, des Sudans ufw., ausreicht.
Von Gibraltar ist in diesem Zusammenhang nur zu sagen, daß es zwar als Flottendasis insofern zu wünschen übrig läßt, als es an Dockangelegenheit für die größten Schiffe dort fehlt, eine ernste Versäumnis der Nachkriegsjahre. Den Platz aber a l s verloren zu bezeichnen unter her Drohung der Luftwaffe und moderner Ferngeschütze, wäre Höch st leichtfertig, und wenn es von englischer fachmännischer Seite geschieht, wie in letzter Zeit, so kann damit nur eine Aufrüttelung zur stärkeren Verteidigung und Bewilligung von Mitteln gesehen werden. Eine spanisch-italienische Koalition (mit Ferngefchützen) ist seit der flüchtigen Berührung zwischen Primo de Rivera und Mussolini nicht sichtbar geworden. Ihre Verhinderung könnte der in Spanien hochangesehenen britischen Politik nicht schwer fallen. Die Luftwaffe ist von Bedeutung, aber die Abwehrkunst wird in Gribaltar wie in Malta ebensowenig ge- schlafen haben, wie anderswo. Man erkundige sich bei der heutigen Flakwaffe nach ihren Trefferprozenten in mittlerer Bombenwurfhöhe und bei ber Bombenwaffe nach der ihrigen bei sehr großer Höhe außer Bereich der Geschütze! So einfach also sind Schwerpunkte der englischen Macht nicht von der Landkarte zu streichen, und wenn italienischer Enthusiasmus damit droht, so verfällt er Illusionen.
Wetter ist zu bemerken, daß jeder derartige Der- Kcht, aber auch ebenso etwa eine Freigabe B.
Rom, 14. Aug. (DNB.) Aus Ovada treffen die er ft en Augenzeugenberichte ein. In dem Städtchen sind etwahundertHäuserdes tiefergelegenen Teiles zerstört worden. Ein junger
Paris, 15. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Pa- rifer Blätter sind der übereinstimmenden Auffassung, daß der englische Minister keinerlei neue G e - s i ch t s p u n k t e in die Debatte geworfen, und auch keine neuen Zugeständnisse gemacht habe, die Italien veranlassen könnten, einer friedlichen Lösung zuzustimmen. Das „Echo de Paris" stellt fest, daß die englische und die französische Haltung gegenüber dem italienisch-abessinischen Streitfall er st da auseinandergehe, wo es sich darum handele, den Umfang der Zugeständnisse festzulegen, die man Italien machen solle. Die Aussichten der Pariser Besprechungen würden aber g e - r ab e dadurch nicht besser. Es wurde em großer Schritt vorwärts fein, wenn Baron Aloisi verstehen würde, daß Frankreich nicht vor die Wahl gestellt werden möchte, sich zwischen England, dem Völkerbund und Italien entscheiden zu müssen.
Der Außenpolitiker des „Petit Parisien", der in Rom vom Duce empfangen worden ist, gibt d en italienischen Standpunkt wider, der sich aus seiner Unterredung mit Mussolini herausschält. Für Italien handele es sich darum, eine Formel zu finden, die es ihm ermögliche, zwischen den italienischen Kolonien Eri- treaund Somali eine Verbindung herzustellen und gleichzeitig ihre Sicherheit zu gewährleisten. Dies sei nach italienischer Ansicht aber nur möglich, durch eine territoriale Neugliederung eine relative abessinische A b - r ü ft u n g und eine italienische Kontrolle dieser Abrüstung.
„Le Jour" meint: Der veränderte Ton, den man in d e r italienischen Presse gegenüber England feststellen könne, stelle kein Anzeichen für einen Optimismus dar. Sollte jedoch in Paris keine Einigung zustande kommen, so werde man damit rechnen müssen, daß Italien wahrscheinlich nicht an der Völkerbundssitzung am 4. September teilnehme. Es scheine aber, daß es dann alles Interesse habe, so rasch wie möglich die offenen Feindseligkeiten gegenüber Abessinien zu beginnen. „Journal" gibt der Hoffnung Ausdruck, daß Italien sich mit ebensoviel
London, 15. Aug. (DNB. Funkspruch.) Ueber die erste Besprechung zwischen Eden und Laval berichtet Reuter aus Paris, man sei über eingenommen, daß 1. der italienisch-abessinische Streit innerhalb des Rahmens des Völkerbundes behandelt werden müsse und 2. keine Rede von einer französischen Vermittlung zwischen England und Italien ein könne. Vielmehr würden England und Frankreich beide in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Völkerbundes handeln. Würde Paris die Rolle des ehrlichen Maklers zwi- chen London und Rom übernehmen, so würde lies bedeuten, daß ein Streit zwischen beiden Mächten bestände, in britischen Kreisen zum mindesten werde nicht zugegeben, daß dies der Fall sei.
Der französischen Regierung sei ein Plan wirtschaftlicher Zugeständnisse Abes- iniens an Italien mitgeteilt worden. Einzelheiten eien aber nicht bekannt. Wie „Daily Telegraph" aus Paris berichtet, führten die britischen Vertreter meistens das Wort. Sie teilten Laval ihre Ansichten über die Lage mit, in der sich Europa in drei oder vier Jahren befinden würde, falls Italien einen Eroberungskrieg beginnen sollte. Besonderen Nachdruck scheinen sie auf fol-
Spannung im Ätlmeer.
Von Konteradmiral a. D. Gadow.
Das große Halb-Binnenmeer, das feit einiaen Jahrhunderten (einen zentralen Rang an das Gebiet der größten ozeanischen Seefahrt abtreten mußte und seit Besiegung der türkischen Seeherrschaft nur noch periodisch im machtpolitischen Vordergrund stand .gibt Anzeichen neuer Spannungen. Dazu gehört die Wiederaufrollung der Dardanellenfrage und der neue Anspruch Italiens auf volle Bewegungsfreiheit für feine abessinischen Ziele. Ein drittes Element, die unerledigte Rivalität zwischen Italien und Frankreich, tritt zu dieser Zeit zurück, nachdem sich für Italien aus feiner allgemeinen Lage der Zwang zu einer wenigstens notdürftigen Verständigung mit dem Nachbarn ergeben hatte.
Die Dardanellenfrage erfuhr durch die heutige enge Verbindung der Türkei mit Rußland ihre Neubelebung. Die Türkei hat das Thema der autonomen Befestigung d er Meerengen in Genf bereits vor Monaten aufgeworfen, man hat sie damals zurechtgewiesen und ist bei der Frage ausgewiche n , aber Rußland steht ebenfalls dahinter und bei nächster passender Gelegenheit dürfte auch dieser Teil des Lausanner Friedensoertrages ins Wanken geraten, nachdem die militärische Besetzung der europäischen Sette durch die Türkei bereits ein Loch in ihn gerissen hat. Für England ist es, heute wie vor hundert Jahren, nicht gleichgültig, ob dieser Torweg zum Schwarzen Meer künftig wieder gesperrt sein soll, diesmal unter Zusammenwirken beider Anlieger jenes Meeres, und ob eine sich dort neu bildende Flottenmacht unerreichbar ein und in der Flanke des östlichen Mittelmeer eine Ausfallstellung beziehen soll. Von dieser werden sich Wirkungen über das Aegäische Meer erstrecken, wo Italien in Rhodos und Leros seine gegen Kleinasien vorgeschobene Stellung behauptet, ferner gegen das englische Cypern, das der französischen Tankstelle von Tripolis so wirksam gegenüberliegt, und auch auf die englische Tankstelle Haifa, von der das mesopotamische Oel seinen lebenswichtigen Weg nach Malta, Gibraltar und zu den Heimathäfen der englischen Flotte nimmt. Von dieser fjeutc noch nicht ausgeprägten Möglichkeit werden also alle drei Seemächte betroffen. Aber die andere Hauptfrage, die italienische Machtaus - Weitung, geht England zur Zeit fast allem,
sie die Nacht verbrachten. Mittwoch früh gegen 7 Uhr setzte neuerlich Regen ein. Plötzlich verbreitete sich das Gerücht, auch der zweite, höhergelegene Staudamm sei gebrochen und neue Wassermassen im Ansturz. Eine furchtbare P anik trieb die Menschen auf die umliegenden Hügel, von wo sie nur nach Beruhigung durch die eingetroffenen Carabinieri- und Faschistenabteilungen zurückgebracht werden konnten.
Die Dammbruchkatastrophe spielte sich im Tale des Flusses O r b a ab, der aus den Ligurischen Apenninen nach Norden fließt und in der Nähe von Ovada zum Zwecke der Kraftgewinnung z u einem See gestaut wird, der etwa 5 Kilometer Länge hat. Normalerweise betragen die gestauten Wassermassen etwa fünf Millionen Kubikmeter. Durch die furchtbaren Regenfälle hatten sich jedoch die Wassermassen auf 15 bis 20 Millionen Kubikmeter gesteigert, so daß schließlich der Staudamm brach. Gegen Abend bildeten die Wassermengen im Tal eine große Fläche von etwa 40 Kilometer Lange, 2 Kilometer Breite, so daß es unmöglich mar, an die im Wasser stehenden und darauf vom Wasser weggerissenen Ortschaften heranzukommen. Das Rettungswerk setzte sofort ein, besonders durch Militär, das in der dortigen Gegend sich zu Hebungen aufhielt. Ein Mechaniker der Fiat-Werke in Ovada konnte schwimmend sieben Personen vor dem Ertrinken retten. Die Katastrophe kam so überraschend, daß die Leute, die sich vor dem Unwetter in ihre Häuser geflüchtet hatten, sich der Gefahr gar nicht bewußt wurden, bis schließlich die Häuser über ihnen zusammen- brachen.
Gegenwärtig besteht keine Gefahr mehr, da die gestauten Wassermassen ab geflossen sind. In der Umgebung von Ovada steht das Wasser nur noch teilweise auf den Feldern, fo
PIACENZA
M!
OVADA1
GENUA'
PO
Ir* 1ANDRIA


