Ausgabe 
15.2.1935
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Hr. 39 Zweites Blatt

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fall.

19. Jahrhundert.

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rufsstand.

Deutlich aber bleibt auch h-eute noch für den Bankier die Bindung an den berufsständischen Werdegang und die Entwicklung in der Frühzeit des wirtschaftlichen Geldverkehrs. Auch heute noch ist es für ihn unerläßlich, daß er sich mit Handel und Gewerbe vollkommen verwachsen und vertraut weiß. Wie einst die ersten Vertreter des Berufs­standes selbst noch als ehrbare Warenkaufleute mit­ten im gewerblichen Leben ihres Wohnbezirks stan­den, so muß auch der Bankier von heute in engster Verbindung mit seiner Umwelt stehen. Er kennt die Nöte und Sorgen der Wirtschaft, wird sich berech­tigten Kreditwünschen nicht versagen, wie es ander­seits aber zur Erfüllung seiner Aufgaben unum­gänglich notwendig ist, daß das Vertrauen des Publikums ihm die entbehrlichen Gelder zur Verwaltung und Weiterleitung an die Kreditwürdi­gen zur Verfügung stellt. Die Warenversorgung eines auf hohem Lebensstand stehenden Volkes von 60 Millionen ist zu erheblichen Teilen ohne die Mittel des Kredits nicht zu bewerkstelligen. Nur mit einem genau eingespielten Vermittlungsapparat läßt sich der Verkehr von Geld und Kredit den weit­greifenden Anforderungen der Neuzeit entsprechend regeln, ganz ähnlich wie auf einem anderen Gebiet von Wirtschaft und Verkehr die gemächlich über die Landstraße dahinrollende Postkutsche dem eng­maschigen Netz des modernen Eisenbahn-, Auto- und

Jugendspiel Gießen-Sladt und -Land verschoben.

Das für kommenden Sonntag vorgesehene Ju­gendauswahlspiel der Jugendmannschaften (Gießen- Stadt und -Land kombiniert) gegen Friedberg (Stadt und Land kombiniert) fällt aus, da das Spiel im März ausgetragen werden soll. In Anbetracht der gegenwärtigen ungünstigen Witterung ist diese Der-

wohl als eine Wolke übers Haus und landeten im Ententeich kurz, sie sind verschwunden, und der Ritter muß, mit Respekt zu sagen, im Hemd die beschwerliche Reise nach Berlin antreten, um sich vor seinem kurfürstlichen Herrn zu verantworten.

Rom, im Februar 1935.

Der Begriff desübervölkerten Italien" kann aus den politischen Betrachtungen heute schon aus­scheiden, und wenn der Geburtenrückgang auf der Apenninenhalbinsel den Rhythmus der letzten Jahre beibehält oder gar, wie es den Anschein hat beschleu­nigen sollte, wird aus dem Volk ohne Raum sehr bald ein Raum ohne Volk werden. Wohl hat Mussolini schon vor geraumer Zeit die battaglia demografica befohlen, die Bevölkerungsschlacht, aber es sieht nicht darnach aus, als ob der Sieg in greif­bare Nähe gerückt wäre. Im Gegenteil, die Ver­lustlisten sprechen eine erschreckende Sprache.

Nach der jüngsten Statistik ist der Hundert­satz der Lebendgeburten in Italien von 12,2 im Jahre 1922 nach und nach auf 9,8 ge­sunken, das heißt, daß die Nation in der kurzen Zeitspanne von 12 Jahren 2 377 000 Söhne ver­loren hat. Nun haben die Volkswirtschaftler ver­schiedener Staaten sich darüber geeinigt, daß man für jeden Erdenbürger bis zum Eintritt ins Ver­dienstalter eine Ausgabe von durchschnittlich 1000 Lire im Jahr einsetzen kann. Somit ergibt sich in der Staatsbilanz allein für Italien ein jährlicher Ausfall von rund 2,5 Milliarden Lire! Um diesen Betrag wird weniger verbraucht, weni­ger erzeugt, gibt es weniger Arbeit. Nur Unvernunft kann im Gegenteil behaupten: gäbe es weniger Menschen, so würde sich auch die Arbeits­losigkeit verringern.

In Italien wird der Wirtschaftsausfall, wie ihn der Geburtenrückgang verursacht, allerdings roett« gemacht durch den Fremdenverkehr, einen der großen Einnahmeposten im Hauptbuch, aber damit werden eben doch bloß Ziffern und Geld ausgeglichen, nicht die Verluste einer höheren Ethik, nicht die Abstriche an der völkischen Zukunft. Wer sehr bescheiden ist, kann allenfalls einen Trost darin finden, daß der Volkstod zunächst nur in den Städten um-

Von diesen Romanen ist der von denHosen des Herrn von Bredow" bis heute der berühmteste ge­blieben. Er spielt in Brandenburg um 1520, zur Zeit des Kurfürsten Joachim I., und bot die Grundlage für die Fabel der drei Akte von Paul Beyer. Die Hosen des edlen Ritters Götz von Bredow auf Hohenziatz, die sind, mcnn man so fugen darf, die Ursache des ganzen Unglücks, das über bas Haus des Ritters hereinbricht, bis sich vor dem peinlichen Gericht in Berlin alles in Wohlgefallen auflöst.

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Und von Berlin wiederum hat auch die Geschichte ihren Ausgang genommen, aus der Beyer eine Mischung von Fastnachtsspiel und Rrtterballade ge­macht hat. Als der Bredow, ermüdet von den An­strengungen des Berliner Landtages auf feine Burg heimgekehrt und in einen volle sechs Tage währen­den Ärännerschlaf gesunken ist, hat seine liebe Frau Brigitte die Gelegenheit wahrgenommen, sich der Hosen (keineswegs bildlich gesprochen) bemächtigt und sie gewaschen, was jedenfalls nichts schaden konnte. Leider wacht der Gestrenge zu früh auf: die Hosen sind nicht allein noch naß, sondern, viel schlim- nter, sie sind überhaupt nicht mehr da; weiß der Teufel, wo der Wind sie hingeweht fyat, sie flogen

Großer Kaufmann kleiner Umsatz.

Fugger und Welser begründen das Bankgeschäft. Bon den Anfängen des modernen Kreditwesens.

jener Zeit, die man mit guten Gründen die gro- bianische genannt hat. Das gefiel den Leuten so, daß sie nicht nur lachten, sondern vor Vergnügen kreischten und quiekten.

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Rose Stirl spielte die resolute Hausfrau, die übrigens in allen Weiberschlichen wohl erfahrene Brigitte. Lorle Pflug und Peter Schorn bilde­ten als Burgfräulein und Junker ein munteres Pärchen. Elisabeth W i e l a n d e r machte mit derb­komischen Gebärden, mit viel Gekicher und vielen Tränenbächen die Hausmagd Hille. Heini Göbel hatte sich in einen hasenherzigen Ritterknecht ver­mummt, Kurt L ü p k e gab betriebsam und geschäf­tig den Händler Hedderich; Wilhelm Dieten war ein weiser und würdiger, obwohl noch jugendlicher Kurfürst, Will Q u a d f l i e g der höfisch-geschmei­dige und intrigante Ritter von Lindenberg, Hans Seitz ein grotesker Gerichtsschreiber.

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z. B. in Augsburg und in Ulm, hier die Bank des Ott R u h l a n d , dort die des Jost Kramer. Ein neuer Berufsstand war in das Wirtschaftsleben eingetreten, ein Berufsstand, der das Vertrauen der Bevölkerung als fein größtes Aktivum ansprechen konnte und der so in die Lage gesetzt war, die in den künftig wirtschaftenden und sparenden Familien zur Ansammlung gelangten Kapitalien zur Verwaltung zu übernehmen und sie in bester Kenntnis des ge­werblichen Lebens nutzbringend und sicher anzu­legen.

Irrig wäre es freilich, anzunehmen, daß diese Kaufleute des Geldverkehrs" gleich von Anbeginn an als Lenker und Leiter des Kreditwesens aufge­taucht wären. Sie waren zunächst selbst auch nichts anderes als W a r e n k a u f l e u t e. Mit der Zeit räumte ihnen das überragende Format ihrer kauf­männischen Persönlichkeit, ihre besondere Erfahrung in allen Geldfragen und das große Vertrauen, das man ihnen von nah und fern entgegenbrachte, eine Ausnahmestellung ein. Zu diesem Kaufmann, dem man in Stadt und Land die größte Wertschätzung entgegenbrachte, kamen dann Nachbarn, Geschäfts­freunde und schließlich auch Fremde, um Rat und Rücksprache in finanziellen Fragen zu suchen. Aber man hatte auch das Vertrauen, diesem Manne Geld­beträge zur Aufbewahrung und darüber hinaus zur nutzbringenden Verwaltung zu übermitteln. Denn von ihm wußte man, daß er den sicheren Blick be­saß, aber auch die Lauterkeit, das ihm anvertraute Geld sicher und doch nutzbringend an­zulegen.

Es bedurfte dann nur noch eines weiteren Schrit­tes vorwärts, um denBankier" im modernen

Dieweil er nämlich schlief, hat sich noch Aergeres ereignet als nur die große Wasche der Bri­gitte von Bredow: eine blutige Gewalttat ist ge­schehen, und Götz wird schwer beschuldigt und in Ketten vorgeführt. Aber diesmal spielen weniger die Hosen als vielmehr seine Rüstung eine beinahe verhängnisvolle Rolle. Wie das zugeht und zusam­menhängt, mag man sich im Theater erzählen las­sen. Dem Verfasser des Stückes jedenfalls ist zu be­scheinigen, daß er sein Pulver nicht zu früh ver­schossen hat: während sich die ersten beiden Akte noch im Gewände des historischen Schwankes prä­sentierten wird es im dritten gefährlich ernst, es geht um Kopf und Kragen, und Beyer hat alle dramatischen Energien, deren er fähig war, m der großen Szene des Gerichts versammelt. Aber dann kommt die Unschuld des schlafenden Götzen unwiderleglich an den Tag, er erfahrt eine glan­zende Rechtfertigung, er kriegt endlich die gelieb­ten Hosen wieder und auch etwas Rechtes zu essen, ganz Hohenziatz versammelt sich im Schloß, sein Neffe Jürgen hat sich als Held bewährt, bekommt den Ritterschlag und die Braut dazu, und alles das ist, wenn man'es genau betrachtet, den Hofen des Herrn von Bredow zu verdanken.

Gießener Giabitheaier.

Paul Beyer:

Die Hosen des Herrn von Bredow."

Willibald Alexis, der als derWalter Scott der Mark Brandenburg" in die Literaturgeschichte eingegangen ist, hieß eigentlich Wilhelm Häring, entstammte einer Refugiefamilie namens Harenc, wurde 1798 in Breslau geboren, studierte als Schü­ler von Savigny und Raumer Jurisprudenz und Geschichte, wurde Referendar am Berliner Kammer­gericht, verließ den Staatsdienst, war eine zeitlang Redakteur und ist später durch die Herausgabe des Neuen Pitaval" einer Sammlung berühmter 'Kriminalfälle, bekannt geworden. Seinen literari­schen Ruhm hat er freilich als Romancier begrün­det: er begann mit Uebersetzungen und mit einer hervorragend gelungenen Mystifikation des Lese­publikums, indem er, auf Grund einer Wette, seinen RomanWalladmor" als eine Uebersetzung aus dem Englischen des Walter Scott ausgab. Sein eigent­liches Feld entdeckte Alexis erst spater: die Reihe seiner Erzählungen aus der brandenburgisch-preutzi- schen Geschichte bezeichnete einen neuen Abschnitt in der Entwicklung des historischen Romans im

Mehr Särge als Wiegen in Italien

Von unserem römischen E.-Korrespondenien.

Maskenbälle in der Geschichte.

Schon aus der Frühzeit der Menschen besitzen wir Kunde von dem Gebrauch der Maske, die bei den Urvölkern Verwendung für Kultzwecke fand. Dieselbe Verwendung finden wir auch heute noch bei den primitiven Volksstämmen in Afrika und Australien. Bei großen religiösen Festen verwenden viele Völker Asiens sehr tunst- und wertvolle Mas­ken. Künstler in der Herstellung von Masken waren auch die alten Griechen.

Erst später bediente man sich der Masken auch bei heiteren Festen, bei Bällen, auf denen die teil­nehmenden Damen und Herren maskiert zu er- scheinen hatten. Auf den Maskenbällen der Fürsten­häuser ging es durchaus nicht immer heiter und harmols zu. Unter dem Schutz der Maske wurden manche hinterlistigen Ränke geschmiedet, Verschwö­rungen angestiftet, ja, es sei bloß an die Masken­feste in Florenz am Hofe der Medici erinnert, die so mancher nicht überlebte.

Ein Maskenfest, das für die preußische Geschichte von größter Wichtigkeit wurde, war das vom 15. Dezember 1740, das Friedrich der Große sieben Monate nach seiner Thronbesteigung im Berliner Schloß gab. Nach der strengen Zeit des Soldaten­königs, der für Maskenfeste und Bälle kein Ver­ständnis zeigte, hoffte man unter dem jungen, kunst­sinnigen Preußenkönig das jahrelang Entbehrte nachholen zu können. So ging es auf diesem Fest sehr lustig zu, und nur die wenigsten bemerkten das plötzliche Verschwinden des Königs, während das Fest weiter ging. Friedrich der Große begab sich geradeswegs vom Tanzsaal zu seiner Armee und überschritt schon am nächsten Tage mit ihr die schlesische Grenze. Der Kampf um Schlesien hatte begonnen.

Auf einem Maskenfest im Stockholmer Schlosse im Jahre 1792 wurde König Gustav III., ein Neffe Friedrichs des Großen, ermordet. Er war tags vor­her gewarnt worden, das Fest zu besuchen, schlug aber die Warnung in den Wind.

Dramatisch verlief auch ein Maskenfest unter der Zarin Katharina II. im Winterpalast zu Petersburg. Im Festsaal tauchte plötzlich ein Mann auf, der sowohl in der Uniform als auch in den Gesichts­zügen dem auf Veranlassung der Zarin ermordeten Zaren Peter III. zum Verwechseln ähnlich sah. Wo noch eben fröhlichste Stimmung war, herrschte plötz­lich Schweigen und entsetzt starrten alle auf den unheimlichen Fremden. Katharina schrie laut auf und verlor zum ersten Male in ihrem Leben die Fassung. Es war der Thronfolger, der in der Maske feine? Vaters erschienen war, und den Katharina sofort bi Gefangehschast setzen ließ.

Es wäre wohl heute undenkbar, daß ein Ham­burger oder Bremer Großkaufmann die Waren, die ihm eigene Frachtdampfer aus fernen Erdteilen zuführen, persönlich in dem kleinen Verkaufsstand eines Wochenmarkts feilhält. Aber es gab eine Zeit, da mußten sich angesehene Schiffsherren, wie die Schonensahrer zu Rostock, in eigener Person mit den Kleinverkäufern des Markts auseinander­setzen, wenn es um den Verkauf von ein paar Dutzend Heringen ging. Die Kleinverkäufer hießen damals nochHökerer". In welch engen Grenzen bewegte sich doch im Mittelalter das wirtschaftliche Leben! ..

Damals waren überall Läger und Umsätze recht bescheiden. Der Warenverkehr vollzog sich noch in so kleinen Ausmaßen, daß oft der Chef in höchst­eigener Person seine Ware verteilte. So wird von einem Hamburger Kaufmann berichtet, der den Namen Vico von Gelderfen trug und der in der Hansestadt das höchste Ansehen genoß, daß er, obwohl er nach den Anschauungen seiner Zeit em wirklicher Großkaufmann war, doch jahraus, jahr­ein eigenhändig und höchstpersönlich in seinem Ge­schäft Gewand nach der Elle schnitt.

Nirgends liefen im Wirtschaftsleben des Mittel­alters große Geldbeträge um. Dementsprechend waren auch dem Warenumsatz verhältnismäßig enge Grenzen gesetzt. Ein Bericht aus dem 14. Jahrhundert besagt, daß in der gesamten Tuch­macherei des mächtigen Florenz nach heutigem Gel­deswert kaum 15 000 Mark zirkulierten. Im 15.

geht, doch scheinen die Berechnungen, er werde das Land verschonen, wenig stichhaltig. Wenn zum Bei­spiel die Zeitungen jetzt auf die erfreuliche Bevölke­rungsoermehrung in der neuen Provinz L i t t o - r i a, die aus den pontinifchen Sümpfen hervorge­gangen ist, Hinweisen, so läßt sich das zum Teil aus den hohen Staatszuschüssen an die Siedlerfamilien, zum Teil aus der von den Bauern erkannten Zweckmäßigkeit, mit den Kindern billige Arbeits­kräfte zu erhalten, erklären. Wo aber auch auf dem Lande d i e Not herrscht, man denke nur an die fast vernichtete Seidenindustrie, wird der malthusianischen Lehre willig Tor und Hof geöffnet.

In vielen Städten sind der Särge bereits mehr als der Wiegen. So in Genua, das im ersten Halbjahr 1934 auf 4048 Tote nur 3868 Geburten verzeichnete. Turin, das feit dem Einsetzen der Krisis den Eindruck einer absteigenden Stadt macht, meldet sogar nur 3788 Geburten auf 4216 Tote, also eine Unterbilanz von 428 Seelen. Im Nieder­gang befindet sich Florenz, ebenso Bologna und T r i e st.

Die Ursachen? Es sind die gleichen wie anderswo. Nach einem settsamen Naturgesetz scheint es, als ob je besser die Lebenshaltung eines Volkes, um so rascher der Bevölkerungsabstieg wird. Demgemäß beginnt der Schwund in Italien im Norden, der noch in seinenrückständigen" Überlieferungen be­fangene Süden zeigt sich hingegen noch fast immun. Soll man also den kulturellen Fortschritt aufhal­ten? Muß man vor der Naturgewalt demütig die Waffen strecken? Weder das eine, noch das andere. Auch Pest und Cholera waren zuerst fremde Naturgewalten und wir sind ihrer doch Herr geworden.

Das alte Rom ist an dem Geburtenrückgang zu­grunde gegangen, das dritte Reich aber hat gezeigt, wie man das Massenelend überwinden und Freu de an der Familie zurückgewinnen kann.

Sonja Henie in München.

Sonja Henie absolvierte ihren zweiten Start in München am Mittwochabend vor 5500 Zuschauern, die von dem Können der neunfachen Weltmeisterin wieder restlos begeistert waren. Im letzten Kampf des Eishockey-Turniers um den Ehrenpreis der Stadt München standen sich die beiden deutschen Meisterschaftskandidaten SC. Riessersee und EV. Füssen gegenüber. Bei beiderseitig guten Leistungen endete der Kampf 0:0 unentschieden. Turniersieger wurde der EHE. Davos, der seinen Sieg bereits am Vortage sichergestellt hatte.

Kilian führt in St. Moritz

Am Donnerstag begann in St. Moritz die Welt­meisterschaft im Viererbob mit den ersten beiden Läusen. Als Bester der elf Schlitten schälte sich Bob Deutschland I" mit dem Titelverteidiger Kilian (Garmisch) heraus. Kilian durchfuhr die schnelle 1610 Meter lange.Strecke in 1:23,1 und 1:22,1 Min. und führt mit knappem Vorsprung vor Bob Schweiz I" mit 2:46,1 für beide Läufe. Mit je 2:47,1 Min. nehmen BobDeutschland" (Grau) und BobSchweiz II" (Musy) den dritten Platz ein. ,$(£. Teutonia" Watzenborn-Steinberg

Watzenborn-Steinberg I Dillenburg I.

Nach längerer Ruhepause tritt am kommenden Sonntag wieder die 1. Mannschaft des FC.Teu­tonia" Watzenborn-Steinberg auf den Plan. Sie empfängt zum letzten Verbandsspiel auf eigenem Platze die gleiche Mannschaft des Reichsbahn-Sport­vereins Dillenburg. Obwohl die Einheimischen in­folge Erkrankung einiger Spieler diesen Punkte­kampf mit Ersatz bestreiten müssen, erwartet man ein spannendes Spiel. Wesentlichen Einfluß auf die Tabelle hat der Ausgang dieses Spieles nicht mehr.

Oie Spiele der Kreisktassen.

Grünberg Wieseck (Volkmar, Wetzlar); Krof­dorf Großen-Buseck (Kaletsch, Wetzlar); Nau­born Burgsolms (Post, Wieseck); Naunheim II Wetzlar II (H. Rüspeler, Gießen); Garbenteich Steinberg II (O. Rüspeler, Gleiberg); Aßlar II Wetzlar III (Bernhardt, Tiefenbach); Ehrings­hausen Hermannstein (Niersbach, Wetzlar); Fellingshausen Rodheim (Kreiling, Gießen); Heuchelheim II Launsbach (Schneider, Gießen); Alten-Bufeck VfB. II (Gesellschaftsspiel).

Wieseck reist zum letzten Verbandsspiel nach Grünberg. Die Gäste sind sehr spielstark und wer­den einen sicheren Sieg mit nach Hause bringen. Krofdorf empfangt Großen-Buseck. Wenn sich Krof­dorf nicht mehr anstrengt wie am Vorsonntag, so dürfte der Sieger Großen-Buseck heißen. Lokalderby in Garbenteich: Steinbergs zweite tritt dort zum letzten Spiel dieser Serie an. Das Vorspiel sah Steinberg als hohen Sieger, doch haben sich die Kräfteverhältnisse verschoben, so daß mit einem sicheren Sieg des Gastgebers gerechnet werden kann. Rodheim fährt zum Lokalgegner Fellings­hausen und dürfte trotz aller Bemühungen den Vorsieg kaum wiederholen können. Heuchelheim II hat Launsbach zu Gast und wird dem Gegner keine Chance auf Sieg einräumen, damit rückt die Mann­schaft der Meisterschaft sehr nahe. In Alten-Buseck findet ein Gesellschaftsspiel gegen VfB. II statt, was VfB. in jetziger Form gewinnen sollte.

CRegen und Wind"

im Frankfurter Schauspielhaus.

Im Frankfurter Schauspielhaus kam das Schau­spielR e g e n u n d W i n d" von Merton H o d g e, bearbeitet von Detlev S i e r ck, zur Erstaufführung. Der Autor bringt in seinem Spiel das Studenten­milieu auf die Bühne. Ort der Handlung ist die Häuslichkeit einer Wirtin, die möblierte Zimmer an Mediziner vermietet. Zu den Stammgästen stößt eines Tages ein Neuling, der zum erstenmal von Heimat und Mutter getrennt ist und Heimweh fühlt. Ein junges Mädchen, das er kennenlernt, ersetzt ihm aber schließlich beides durch ihre Liebe und ihr Ver­ständnis. Don der Braut, die zu Hause auf ihn war­tet, entfernt er sich innerlich immer mehr. Als die Studienjahre vergangen find, steht er schließlich vor der Entscheidung, ob er sein Versprechen einlösen soll, das er Mutter und Braut in der Heimat ge­geben hat, ober ob die Bindung mit der Kameradin seiner Studienjahre stark genug ist, um ihm eine neue Heimat zu geben. Schließlich fühlt er, daß die neue Wahlverwandtschaft stärker ist als die der Gewohnheit und des Herkommens. Der guten Dar­stellung verdankt das Stück feinen größten Reiz: Verhoeven, Seyferth, Thauer, Luise Glau, Cläre Winter und Cläre Kaiser spiel­ten fein und nuanciert. Das Publikum spendete noch jedem Akt reichlich Beifall.

Das gut besuchte Haus dankte mit reichem Bei-

Die Aufführung wurde von Herrn Hub in Szene gesetzt. Er hat ein rechtes historisches Spek­takelstück daraus gemacht, in dem es was zu sehen und zu hören und vor allen Dingen zu lachen gab. Es ging laut und lärmend zu, und es herrschte ein ziemlicher Betrieb auf der Bühne, in der Halle des Schlosses Hohenziatz vor allem, die von Herrn Löffler zweistöckig und im altdeutsch-malerischen Stil aufgebaut und ausgeftattet worden war.

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Herr Hub hatte auch den Herrn von Bredow zu spielen, eine Hosenrolle im wahren Sinne des Wor­tes, und wenn sie ihn fast anderthalb Akte ins Bett hinter die Szene verbannte, so hat er gleich nach dem Aufstehen beim ersten Frühstück reichlich nach­geholt, was ihm bis dahin an Aktionsmoglichketten entgangen war. Bei diesem Frühstück entfaltete er alsbald die ganze, nicht bloß animalische Fülle einer Gestalt von falstaffischen Qualitäten, wenn auch im Hemd, so doch gestiefelt und gespornt, mit einem ritterittchen Mppettt und Durst begabt, ein Kind

und 16. Jahrhundert erschöpfte sich die Arbeit eines Tuchmachers in Köln oder Plauen in der Herstel­lung von 40, allerhöchstens 50 Stück Tuch auf das Jahr. Eine Chronik des Jahres 1432 zeigt, daß in der Stadt Frankfurt a. M. auf den einzelnen Tuch­macher nur durchschnittlich 25 Stück Tuch für das ganze Jahr kamen. ,

Für den Gewerbetreibenden gab es keine ande­ren Barmittel als die, die er sich selbst erarbeitet hatte. Man erblickt heute rückwärtsschauend in dem Fehlen eines ausgebildeten Kreditwesens das Haupthemmnis, das durch Jahrzehnte und Jahr­hunderte hindurch der Entwicklung des wirtschaft­lichen Lebens im Wege stand. Und doch wäre eine Kreditgewährung an vorwärtsstrebende Geschäfts­leute, die in unserer Zeit zum normalen Arbeits­bereich des modernen Bankunternehmens gehört, unzweifelhaft möglich gewesen. In vielen Familien waren Geldbeträge vorhanden. Ungenutzt wurden sie in primitivster Form in Spinden und Truhen aufbewahrt, fehlte doch der Mittler, der sie dem durch seine kargen Betriebsmittel eingeengten ge­werblichen Leben der Stadt hätte zuführen können.

Erst ganz allmählich ist mitten aus dem kauf­männischen Leben der Stadt heraus derKauf­mann des Geldverkehrs" entstanden. In der Wirtschaftsgeschichte taucht der Begriff der gro­ßen oberdeutschen Geldhändler auf, die wie die Fugger und die Welser die weitere Entwick­lung der Wirschaft maßgebend beeinflußt haben. Angesehene Bankunternehmungen entstanden, so

Sinne zu schaffen, indem allmählich zu diesem weit über seinen Wohnsitz hinaus geachteten und geschätz­ten Kaufmann auch Gewerbetreibende kamen, denen eine Erweiterung ihrer Betriebsmittel durch die .

Aufnahme eines Kredits willkommen war. In I Flugzeugverkehrs hat weichen müssen.

immer wiederkehrenden Einzelfällen läßt sich bis in die jüngste Zeit hinein verfolgen, wie auf diese Weise Schritt für Schritt aus dem ursprünglichen Warenkaufmann der Bankier wurde. Im Ablauf der Tagesarbeit blieb nun immer weniger Zeit für das eigentliche Warengeschäft übrig. In wachsendem Umfange galt es, den natürlichen Geld- und Kredit­verkehr eines aufstrebenden Handels und Gewerbes zu vermitteln, und so entstand aus den Aufgaben der Kreditvermittlung ein neuer, eigener Be -