Ausgabe 
15.1.1935
 
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Auf Skiern im hohen Vogelsberg.

Der $of)e Vogelsberg prangt seit einer guten Woche im Winterkleid. Der Winter hat also, wenn auch spät, sichtbar Einzug gehalten, obwohl er nach dem Kalender längst hätte energischer auftreten müssen.

Die Schneedecke auf dem Hoherodskopf war zuerst nur bescheiden: 15 Zentimeter! Das machte auf die Skiläufer noch keinen großen Eindruck. Bei einer so leichten Schneedecke tun jedem einigermaßen Zünftigen" die Skier leid. Zudem es auf dem Hohe- rodskopf mehr Steine gibt, als im Klubhaus Würst­chen zur Skisuppe. Nachdem nun aber Ende der ver­gangenen Woche noch etwa zehn Zentimeter Schnee gefallen waren und für die Nacht zum Sonntag noch einige Zentimeter in Aussicht standen, so gab es kein Halten mehr, insbesondere nicht bei jenen, die zu Weihnachten Skier bekommen hatten und dar­auf brannten, sie einzuweihen. Eine stattliche An­zahl der Freunde des Wintersports unserer Stadt fuhr schon am Samstag, die Mehrzahl, viele Hun­derte, aber am Sonntag zu früher'Stunde. Die Post mußte allein fünf Omnibusse zur Verfügung stellen, die bis auf den letzten Platz besetzt waren. Viele andere benützten die Eisenbahn. Von Frankfurt aus fuhr ein Sonderzug nach Hartmannshain, der mit etwa 400 Personen besetzt war. In rascher Fahrt ging es durch das winterliche Oberhessen. Mit Befriedigung wurde festgestellt, daß die Schnee­decke kräftiger wurde, je näher man dem Ziele kam.

Breungeshain, das sonst so stille Dörfchen, um­zogen von leichten Nebelschleiern, war, als die Omnibusse in dqs Dorf ratterten, plötzlich von hei­terem und surbenbuntem Leben erfüllt Rasch wur­den die Skier vom Verdeck abqeladen, nachMein" undDein" verteilt und nachdem in den einzel­nen Gruppen von Freunden und Bekannten, die sich immer wieder in selbstverständlicher Kamerad­schaft bilden, entschieden worden war, ob gleich angeschnallt wird oder nicht, begann der Aufstieg.

Ob der Hoherodskopf am besten mit oder ohne Skier erklommen wird, ist schon fast eine Doktor­

frage. Die einen behaupten, ohne anzuschnallen er­stiege sich der Berg leichter, andere sagen, im Brust­ton der Ueberzeugung, daß es mit den Skiern an den Füßen schneller und leichter geht. Schnee­höhe und Schneefestigkeit, Skier gewachst oder nicht gewachst, spielen dabei aber die ausschlaggebende Rolle, nur werden sich viele nicht klar darüber. So konnte man am Sonntag wieder feststellen, daß jene, die angeschnallt hatten, auf halber Höhe ab­schnallten, um zu Fuß weiter zu gehen, und andere, die zu Fuß begannen, glaubten, auf Skiern mußte es besser gehen.

In Breungeshain war die Sicht noch einiger­maßen gut Aber mit zunehmender Höhe wurde der Nebel immer stärker und oben war das Club­haus erst zu sehen, wenn man fast mit der Nase darauf stieß. Gegen mittag, wurde es zwar etwas heller, aber das, was der Segelflieger eineKnofe" nennt, das blieb trotz des immer stärker werden­den Windes So fiel man zunächst nach dem an­strengenden Aufstieg im weichen Schnee in das Lo­kal, um eine Tasse Kaffee zu trinken und dann erst ging es richtig los. Die Skier an den schwe­ren Schuhen waren nach der langen Pause zuerst etwas ungewohnt, aber bald war es allen, die jedes Jahr auf dem Hoherodskopf zu finden sind, wieder liebe und vertraute Sache, mit den langen Brettern umzugehen.

Man sah übrigens viele neue Gesichter. Die Wintersportwerbewoche, die im November statt- fand, erwies sich hier als Bombenerfolg. Außerdem scheint die Jugend mehr und mehr zu fühlen, daß der Skisport durch die geforderte ausgeglichene kör­perliche Betätigung und durch die Verbindung mit dem Naturerlebnis eine ideale Form des Sportes darstellt. Die Aniängerkurse, die von den Lehrern des Deutschen Skioerbandes abgehalten wurden, wiesen denn auch eine starke Beteiligung auf. Ins­besondere dieblutigen" Anfänger waren sehr zahlreich. Es ist eine unterhaltsame Angelegenheit, zuzusehen. Außerdem kann man selbst noch etwas

dabei lernen, auch wenn man sich auf den Skiern sicher glaubt.

Schließlich aber ist die Rennwiese auch für einige Schußfahrten für Stemmbögen und Schwünge da, die die meisten mehr oder weniger reibungslos hinter sich brachten, bevor sie sich auf einen Aus­flug begaben, der bei einer Skitour in den Vo­gelsberg nicht fehlen darf. Größere Ausflüge zu unternehmen war für den, der den Vogelsberg nicht gart/$ genau kennt, schwieriger. Der Nebel verwehrte neidisch jeden Blick auf über 20 Meter Entfernung, so daß man leicht in die Gefahr kommen konnte, sich zu verirren.

Um die Mittagszeit fielen dann die Sportbegei­sterten über das fällige Eintopfgericht her, das in rauhen Mengen gekocht worden war Leider gin­gen frühzeitig die Würstchen aus. Der Clubhaus­wirt mußte zahlreiche Verstärkung feines Personals herbeiholen, um dem Ansturm der Hungrigen standhalten und begegnen zu können. Friedlich wurde um jeden Stuhl in den Räumen des Club­hauses gekämpft.

Inzwischen hatte ein heftiges Schneetreiben ein­gesetzt. Aber Nebel und Schnee vermochten die Stimmung nicht zu beeinträchtigen. Des Wetters wegen blieb auch niemand länger als nötig im Clubhaus fitzen, denn die Stunden auf Skiern wa­ren zu wertvoll So verzogen sich viele in die Waldschneisen; der Taufstein und der Bismarck- turm waren trotz halsbrecherischem Aufstieg ein be­liebtes Ziel, und im Anschluß daran machten dann viele die einzigartige schöne und lange Schneisen­abfahrt in der Richtung nach der Herchenhainer Höhe. Zwischen tiefverschneiten Tannen glitt man in verhaltenem Tempo zu Tal, oftmals gebückt un­ter tiefherabhängenben Zweigen'hindurch, erlebte dabei allen Reiz einer urgesunden Bewegung und die Schönheiten des winterlichen Waldes

Die ganze Landschaft und die Menschen in ihr hatten am Sonntag etwas Schemenhaftes an sich, weil der Nebel mit schweren Schleiern alles zu ver­bergen suchte und nur das unmittelbar Nahe klar ernennen ließ. Nichtsdestoweniger war der Tag für alle, die dabei fein konnten, ein schönes Erlebnis, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß dieser Sonntag

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Links oben: Diel Leben im Dörfchen Breungeshain. Rechts oben: Wanderfahrt durch den winterlichen Märchenwald. Links unten: Im verschneiten und rauhbereiften Wald. Rechts unten: Vor der Heimfahrt; allzu rasch vergingen die Ctunben.

bei strahlendem Sonnenschein und dunkelblaue» Himmel noch einiges mehr hätte geben können.

In den Nachmittagsstunden verdichtete sich der Nebel wieder mehr und als die Zeit der Abfahrt von Zug und Omnibus herannahte, vollzog sich die Abfahrt vom Hoherodskopf mit aller angebrachten Vorsicht, weil es kaum möglich war, die vielen Terrassen am Hang auch nur auf geringe Entfer­nung zu überblicken. Besonders schön gestaltete sich aber eine Abfahrt auf kleinem Umweg und in einem Gelände, das noch nicht so von Skispuren durchfurcht war. Da sanken die Skier tief ein und in der weichen Fülle des Schnees wie im dichten 'Nebel erstarb jeder Laut. Es herrschte ein tiefe Stille, die nur hin und wieder durch einen orien­tierenden Ruf der Kameraden unterbrochen wurde. Diese Ruhe wurde erst abgelöst, als die Häuser von Breungeshain in Sicht kamen, wenn man sich zu einer Tasse Kaffee in die engen Räume der Bau- erngasthöfe drängte und bann schließlich im Omni­bus saß, der die Sportler wieder nach Hause brachte.

Viele fuhren trotz des die Landschaft beherrschen­den Nebels auf bekannten Straßen über den Gackerstein nach Schotten ab, um von dort aus die Heimreife anzutreten. In gemeinsam gesungenen Liedern, die das Rattern des Motors und des Wagens übertönen mußten, klang der Tag aus. Viele werden, so Petrus will, am nächsten Sonn­tag wieder hinausfahren in die Berge und dabei die Kraft gewinnen, die unser Alltag fordert.

Gpielvereinigung 1900 Gießen.

Ein weiterer Sieg der Cigaelf gegen Frohnhausen 4:2 (3:1).

Vorweg sei gesagt: 1900 siegte auf Grund der besseren Leistungen verdient. Den Sieg konnten die recht eifrigen Gäste nie gefährden. Das Spiel war sehr fair. Schlarb im Gießener Tor machte durch den glatten schneebehangenen Ball ein Eigentor und hätte unter normalen Verhältnissen auch den zweiten Treffer gehalten. Don Anbeginn an ver­legten die 1900er das Spiel in des Gegners Hälfte. Einige schlecht getretene Eckbälle verpufften wir­kungslos. Der Führungstreffer der Gießener kam ganz überraschend, denn es sah nicht so aus, daß Wilhelmis langer Flachschuß noch in die äußerste Ecke des Froynhäusers Tor rollen würde. Ein Prachttor war der zweite Gießener Erfolg. Von Hammer exakt hereingegeben und von Schmelz mit dem Kopf weitergelenkt, besorgte Jäger ebenfalls durch Kopfstoß den Rest unhaltbar in die äußerste obere Ecke. Nach längerem Feldspiel machte dann der Gießener Hüter das erwähnte Eigentor. Im Anschluß an einen geschlossenen Angriff der Ein­heimischen kam Dörr in aussichtsreiche Schuß­stellung. Ruhig und placiert verwandelte er sicher zum 3:1 für 1900.

1900 hatte bis zum Seitenwechsel Sonne und Schneefall gegen sich. Nachher war das schönste Wetter. Eine Erlahmung des gegnerischen Wider­standes trat deshalb auch nicht ein. Vor allem die Verteidigung war sehr auf dem Posten. Nach einem abgeschlagenen Angriff der Gießener kam der Ball zu Dörr, der mit famosem Schuß in die äußerste Ecke zum 4:1 für Gießen einschoß. Auch weiter­hin waren die Blauweißen tonangebend. Der er­wähnte Handstrafstoß aus out 20 Meter Entfernung führte dann zum zweiten Gegentreffer der Dilleute, die damit recht aufgemuntert wurden, und manchen energischen Angriff vortrugen. Dann setzte sich aber ' der Platzverein wieder durch und die Gäste muß­ten schwere Abwehrarbeit verrichten, um das gün- Iftige 4:2-Ergebnis zu halten. Schiedsrichter Gernet i (Groh-Karben) bot eine gute Leistung.

Ergebnisse der Fußball-Kreisklassen.

Erda Hohensolms 4:1; Burasolms II Soff. Wetzlar II 1:1; Werdorf Wetzlar II 4:2; Wieseck ! Kroidorf 8.0; Wieseck II Lollar II 4:1; jVfB. III Londorf 2:0; Leihgestern VfB II 3:5; Hermannstein Tgde. Wetzlar II 5:4; Spir. z Wetzlar Nauborn 10:1; Heuchelheim II Rod- heim 5:1; Vetzberg Fellingshausen 2:5; Naun­heim Aßlar 0:2.

Kochamt für Handball (Kreis VIII)

Schiedsrichteransehungen für den 20. Januar.

Wißmar Launsbach (Becker, Gießen); Dor­lar Ruttershausen (Engel, Lützellinden); Holz- heim II. Krofdorf II (Krausch); Krofdorf Ho­chelheim (Jacobi, Dornholzhausen); Sportverein Wetzlar Dornholzhausen (W. Zörb, Großen-Lin- den); Groß-Rechtenbach Atzbach (Schneider, Münchholzhausen).

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Clara Lindig.

Grieben (Weserstraße 20), den 15. Januar 1935.

Klein-Linden (Lahnstraße 3), Gießen, Frankfurt a. M.. 15. Januar 1935.

Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 16. Januar, nachmittags

2 y2 Uhr statt

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Familie Wilhelm Krombach

Wieseck, den 14. Januar 1935.

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237 D

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Heuchelheim. Lancaster, den 14. Januar 1935.

Die Beerdigung findet Mittwoch, 16. Januar, mittags 1 Uhr. vom Trauer hause Brauhausstraße 59 aus statt

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgänge un­seres lieben I öchterchens sagen wir allen auf diesem Wege unseren herz­lichen Dank.

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Kaspar Weller IV. und Kinder.

Frau Elisabethe Weller, geb. Klein

gestern im 78. Lebensjahre in die Ewigkeit abzurufen.

Ata Anzeigen-Akfiengesellschast

'Annahme von Anzeigen rür alle Zeitungen und Zeitschriften

Gießen / Schulttvatze £

Todesanzeige

Heute morgen V?9 Uhr entschlief sanft infolge eines Schlagantailes meine liehe Frau, unsere gute Mutier. Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante

Elisabethe Rinn, geb. Kröck

im 69. Lebensjahre.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Heinrich Rinn X.

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Die Trauerfeier findet Mittwoch, den 16. Januar, nach­mittags 3 Uhr. auf dem Neuen Friedhof statt 233 d

Am Sonntag, dem 13. Januar 1935, abends 8 Uhr, entschlief nach schwerem Leiden mein lieber Sohn, unser guter Bruder

Ernst Lindig.

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