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185. Jahrgang

Der amtliche Text des pariser Vorschlags

Die umstrittene Kriedensformel

Die Parlamentswahlen in England und dev Streit um Kampfbünde und Finanzausgleich in Frankreich hatten eine Zeitlang die allgemeine Auf. merkfamkeit von den diplomatischen Weiterungen des Abessinien ko nfliktes abgelenkt. Den beteiligten Mächten ist dies gewiß nicht ungelegen gekommen. Mit der Anberaumung des 12. Dezem- her als Termin für den Wiederzusammentritt des Achtzehnerausschusses, der engeren Sanktionskonfe- renz des Völkerbundes, hatten sie sich ja selber eine Frist gesetzt, deren Ablauf nach der einen oder nach der anderen Seite Entschlüsse von ihnen forderte. Frankreich und England haben also hinter dem Vorhang der innerpolitischen Attraktionen fast un­bemerkt" ihre Afrika-Sachverständigen sich zusam- mensetzen lassen Mr. P e t e r s o n vom britischen Kolonialamt begab sich zu diesem Zweck nach Paris und es wurde nun in ausgiebigen Beratungen hinter verschlossenen Türen versucht, eine Formel ausfindig zu machen, die die Möglichkeit bieten sollte, mit den eigentlichen Parteien des Konflikts Italien, Abessinien und dem Völkerbund in Der« Handlungen über einen Friedensschluß einzutreten. Sollte also der Vorschlag überhaupt Aussicht auf Annahme als Verhandlungsgrundlage haben, so mußte er einmal Italien mehr bieten, als der im Sommer von Mussolini als undiskutabel adge- lehnte Plan der Pariser Konferenz und der aus diesem Plan fußende Vorschlag des Genfer Fünfer- ausschusses. Er durfte aber anderseits Italien nicht soviel zusprechen, daß Abessinien ihn ablehnte oder was noch schlimmer sein würde der Völkerbund ihm nicht zustimmen konnte, ohne seine bisher im Abessinienkonflikt eingehaltene Lime zu verlassen und damit sich selber zu desavouieren. Es war also nur ein sehr schmaler Pfad, den die Sachverständigen zwischen Szylla und Charybdis I hindurchsteuern mußten, wollten sie allen Parteien

sehen hat, geht jedenfalls beträchtlich über den Plan des Fünferausschuffes vom vergangenen Sommer hinaus. Im Norden möchte man ihm allerdings, wohl mit Rücksicht auf die Nachbarschaft des Tana- Sees und des Nilquellqebiets wie auf die amha- rische Bevölkerung dieses Landstrichs, nicht die ganze Provinz Tigre geben, die Italien für sich beansprucht, sondern nur den von italienischen Truppen besetzten nordöstlichen Streifen mit den Städten Adua und Adigrat, aber unter Ausschluß der den Abessiniern heiligen Stadt Aksum, dazu einen Teil der Dan akil wüste im Nordosten, also kein sehr verlockendes Angebot. Um so groß­zügiger soll im Süden verfahren werden. Nicht nur einen großen Teil der von dem Neous schon nrHrfach offerierten Ogadenwüst-s soll Italien

Auch Paris hat wenig Hoffnung.

Paris, 14. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Pa­riser Presse stellt die Verblüffung fest, die der Plan mit seinen großen Zugeständnissen an Ita­lien in Völkerbundskreisen hervorgerufen hat und verhehlt nicht, daß es schwieriger denn je sei, aus der Sackgasse herauszukommen. Don einem Abbruch der kriegerischen Handlungen in Afrika wagt kein Blatt zu sprechen. Manche Blätter sagen bestimmt voraus, daß der Dölkerbundsrat den Plan nicht übernehmen werde. Frankreich und England würden vom Völkerbund einen rich­tigen Auftrag zur Fortsetzung ihrer Be­mühungen erhalten, oder der Völkerbundsrat werde einen Ausschuß einsetzen, um eine Regelung her­beizuführen.

Der dem französischen Außenministerium nahe­stehendePetit Parisien" allerdings entdeckt an dem Plan sogar Vorzüge, das Ansehen des Völker­bundes werde sehr gefestigt aus der Angelegenheit hervorgehen, wenn die Parteien den Plan annäh­men. ^Oeuvre" hält es dagegen für sicher, daß der Völkerbundsrat den Plan nicht einmal er«

London, 14. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Gen­fer Berichte der Londoner Morgenpresse sind durch­weg in einem außerordentlich pessimistischen Ton gehalten. DieTimes" gibt die allgemeine An­sicht dahin wieder, daß der Pariser Friedensplan in Genf bereits als toter Buchstabe betrach­tet werde.Daily Telegraph" meldet, es scheine sicher zu sein, daß weder Abessinien noch der Völkerbundsrat die Friedensvorschläge an­nehmen werden. Der Rat werde voraussichtlich d i e Ergreifung der L> e l s a n k t i o n e n gegen Italien beschließen. Besonders stark sei der Widerstand der kleineren Staa t e n , wie der Balkanländer und der kleinen Entente. Man halte es für nicht ausgeschlossen, daß Litwinow seine Zustimmung von der Ratifizierung des französisch - sowjetrussischenVer trä­ges abhängig mache. Man sei der Meinung, daß die Pläne nicht durchgeführt werden könnten, wenn sie Abessinien endgültig a b l e h n e. Der Duce werde die Vorschläge als Verhandlungsgrund­lage a n n e h m e n. Er hoffe, dadurch Z e t t z u gewinnen und eine Aufschiebung der Oelsanktio- nen zu erreichen. In der Zwischenzeit könne Mar­schall Bado gl io einen Sieg erfechten, was die Stellung Mussolinis stärken würde.

Morning Post" meldet aus Genf, daß auch die britischen Dominien gegen die Pari­ser Vermittlungsvorschlage durch den Völkerbund seien. Diese Tatsache habe m Gens be­sonderes Aufsehen erregt. Vernont Bärtle tt schreibt in derNews Chronicle", daß sich die Ent­rüstung in Genf beinahe ausschließlich g e g e n Großbritannien richte. Die einzige Hoffnung, das Ansehen des Völkerbundes zu retten, fei, daß Eden mutig vor den Völkerbundsrat tritt und ein­fach erkläre, der Plan müsse jetzt f a l l e n g e l a s - s e n werden, nachdem ihn Abessinien abgelehnt

Die in dem Beistandsplan vorgesehenen Be­hörden sowohl in der Hauptstadt als in der reser-. vierten Zone würden es als eine ihrer wesentlichen Pflichten betrachten, die Sicherheit der ita­lienischen Untertanen und d i e freie Entfaltung ihrer Unternehmungen zu garantieren. Die englische und die französische Re­gierung werden sich gern dafür verwenden, damit diese Organisation, deren Einzelheiten vom Völker­bund ausgearbeitet werden sollen, die Interessen Italiens in diesem Gebiet m vollem Umfange schützt.

Abweichend von diesen Berichten meldet Reu­ter aus Genf, daß kein Mitgliedsstaat des Vol- kerbundesrates wünsche, in direkten Gegen­satz zu England und Frankreich zu gera­ten und sich gleichzeitig der Ent rüst u n g I t a- liens auszusetzen. Man zweifele daher kaum da­ran, daß der Friedensplan in der Volkerbunds- ratssitzung einstimmig, wenn auch mit einigen Stimmenthaltungen an genommen werden würde. Man werde jedoch vermutlich eine direkte Abstimmung zu vermeiden suchen. Möglicherweise werde Laval die Einsetzung eines neuen Ausschusses zur Beratung der Vorschläge be­antragen.

gerecht werden.

Peterson ist anscheinend mit verschiedenen Ent­würfen der Sachverständigen zwischen Paris und London hin- und hergependelt, aber in ein ent- cheidendes Stadium sind die Verhandlungen offen­bar erst getreten, als der britische Staatssekretär des Aeußeren, Sir Samuel Hoare, auf der Reise in einen winterlichen Erholungsurlaub in Paris Sta­tion machte und in Besprechungen mit Laval dek Friedensformel die letzte Prägung gegeben hat. Hoare ist bann nach der Schweiz weitergefahren, um dem Schlittschuhsport zu huldigen, während der Friedensvorschlag dem britischen Kabinett zur Ge­nehmigung übermittelt wurde. Es sollte über ihn solange nichts verlautbart werden, wie er nicht den treitenben Parteien hatte vorgelegt werben kön­nen. Aber in Paris hat man bis bahin nicht dicht- halten können, vielleicht auch gar nicht wol­len, benn bei bem großen Einfluß, ben ber Quai d'Orsay auf die französische Presse ausübt, märe es mehr als sonderbar gewesen, wenn grabe bie bem Außenministerium nahestehenben Blätter ihren Lesern mit kaum untereinanber abweichenben und ins einzelne gehenden Informationen über ben Friebensvorschlag hätten aufwarten können, ohne damit dem geheimen Wunsch des Quai d'Orsay zu entsprechen. Wenn Laval bie Absicht gehabt haben sollte, burch bas Bekanntwerben ber Vorschläge Englanb festzulegen, so hat er sich boch wohl über bie" Wirkung ber Indiskretionen auf bie öffentliche Meinung Englanbs, auf bie Stimmung in Genf unb schließlich auf bie parlamentarische Opposition im eigenen Lanbe ein völlig ialsches Bilb gemacht.

Wie sehen nun biese Vorschläge aus, die eine so lebhafte Diskussion hervorgerufen haben? Der eben bekanntgegebene amtliche Text unterscheibet sich nicht wesentlich von bem, was durch die Indiskre­tionen der Presse bisher schon durchgesickert war. Man hat in der Richtung einen Ausweg aus der verzwickten Lage gesucht, baß für Abessinien ein Zugang zum Meer geschaffen werben soll, unb zwar soll Italien bie eritreische Hasenstabt Assab abtreten samt einem an Abessinien fallenben schmalen Gebietsstreifen im Stil des polnischen Korribors zwischen Ost- unb Westpreußen, ber den Hafen mit bem Hinterland verbinden soll. Italien bat schon im Sommer diesem Vorschlag mit ber Behauptung lebhaft wibersprochen, daß ein solcher Hafen in abessinischem Besitz eine Kontrolle der Waffenzufuhr nach Abessinien gänzlich unmöglich machen werde und deshalb eine Befriedung des Landes niemals erreicht werben könne, bie Grenz­gebiete ber italienischen Kolonien würben also auch künftighin UeberfäUen bewaffneter abessinischer Stämme ausgesetzt sein. Auch Frankreich ist früher mit Rücksicht auf seinen eigenen Hafen Dschibuti unb bie französische Bahn nach Abbis Abeba von biesem Plan eines eigenen abessinischen Zugangs zum Meer nicht gerabe entzückt gewesen. Es scheint aber nun seine Bebenken zurückgestellt zu haben, unb es ist wohl auch anzunehmen, baß Italien seinen Wiberspruch nicht aufrechterhalten wirb, ist es boch so gut wie bas einzige Zugestänbnis, bas bie Pariser Friebenssormel den Abessiniern einräumt. Was man für Italien vorge«

Ht. 292 Grifts Blatt 185. Jahrgang Samstag, U- Dezember 1935

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Heimat im Bild-Die Scholle »HM M W WkZ IV llly I W H Ä flF B I Ä I für Anzeigen von 22 mm M-M vnvnvllvl ZUnvlUvl MW von °inzeln^NuE>°m Ermäßigt- Grundpreise:

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Schlechte Stimmung in Gens.

Geringe Aussicht auf Annahme des Jriedensplans durch den Völkerbund.

örtern werbe. Sollte er gemäß Abessiniens Wunsch vor bie Dolkerbundsversammlung kommen, dann werde die Lage sowohl für Abessinien wie für den Völkerbund noch weniger gefährlich wer­den, denn zahlreiche Staaten, vor allem die Bal- kanftaaten, die kleine Entente, die skandinavischen Staaten und Holland würden sicher gegen den Pariser Plan Stellung nehmen, der in völligem Widerspruch zum Gei st e des Völker­bundes stehe. Das einzige Ergebnis des Pariser Planes sei, daß er Italien g e ft a 11 e n werde, ben Krieg fortzusetzen, ohne baß die Oel- maßnahmen gegen Italien in Kraft gesetzt wurden.

Journal" meint, daß der Plan keine Belohnung für den Angreifer bedeute, denn die gebietsmäßigen Zuwendungen seien nicht großer, als man sie vor Beginn der Feindseligkeiten ins Auge gefaßt habe, ja, zum Teil geringer, als die jetzt bereits eroberten Gebiete, wenn man an Aksum und an einen Teil von Tigre denke. Der Plan stelle auch keinen Verrat am Völkerbund dar, denn er sei ja in Genf vor- bereitet und nur wieder aufgenommen unb ver- vollstänbigt worben. Insofern müsse man höchstens eine ungünstige Rückwirkung von Italien befürchten.

Die Ar b e i t e r o p p o s 11 i 0 n wird am Montag sich über bie enbgültige Form ihres Angriffes gegen die Regierungspolitik einigen.Daily Expreß mel- bet die Opposition würde sich auf das äußerste an- strengen, um eine große Mißtrauensentschließung gegen die Regierung zu erzielen. Auch unter den Regierungsanhängern wurde eifrig geworben, um sie zu veranlassen, gegen die Regierung zu stimmen. Das ArbeiterblattDaily Herald" berichtet, daß weiterhin täglich Hunderte von Briesen und Tele­grammen entrüsteter Wähler bei konservativen und oppositionellen Abgeordneten und sogar bei Regie- runqsmitglieöern einlaufen.Daily Telegraph meldet, Sir Samuel Hoare sei vollkommen darauf vorbereitet, dem Sturm der Kritik gegenuberzu- treten Er werde das Unterhaus ins Vertrauen ziehen, und ihm dietatfächlicheSt ä r k e Der Heeres-, Flotten- und Luftstreit- kräfte darlegen, die die Völkerbundsmitglieder zur Verteidigung der Dölkerbunds- satzungen einsetzen könnten.

Reuter berichtet, daß die britische Regierung von den drei Möglichkeiten, nämlich Annahme, Abände­rung oder Ablehnung des Planes endgültig die zweite Möglichkeit, d. h. eine Abänderung be­fürwortet. Hebet die innere Vorgeschichte dieser Vorschläge werde von der Regierung nach wie vor strengstes Stillschweigen beachtet. Es bestehe jedoch Grund zu der Annahme, daß Sir Samuet Hoare der Möglichkeit gegenüberstand, daß die Erklärung eines Oelausfuhrverbotes durch den Völkerbund den Krieg mit Italien bedeuten wurde In diesem Falle hätte England infolge der Schwierigkeiten bei der Mobilmachung b fran3öfifd>cn firiegsfloftc nicht auf foforfige französische llnterstühung rechnen können Cacal habe bdonf, bah bie sranzahsche Alotte nicht vor Ablauf van 14 Tagen mobil ge­mach! werben konnte. Mm biese groß- Gefahr, auf bie ber italienische Botschafter in Paris ben französischen Ministerpräsidenten hingewiesen habe, zu vermeiden, habe Hoare bem französische Standpunkt nachgegeben.

Die rechtskonservativen ZeitungenMorning Post" unbDaily Mail" unterstützen nach wie vor die Pariser Vorschläge Sie fordern bie Regie­rung auf, bem Ansturm berpazifistischen Feu>r sresser" nicht nachzugeben, denn, so meint.wo ning Post", es gebe ur die Regierung nur Die Wahl zwischen biesem Verhalten unb K r i e g mit Italien.Daily Mail" nenangt, dah die Unterhaus-Aus,prache am kamm°nd°n Don­nerstag alsGeheimsitzung abgehalten werde, damit Baldwin die Abgeordneten von den Tat­sachen, die zu den Pariser Vorschlägen tuhrt-n, in Kenntnis setzen könne. In der schar,en B°rur. t e i l u n q ber Friebensvor chlage ist sich Diex i in es" einig mit ben Oppositionszeitungem «e schreibt u. a., ber volle Wortlaut der Vorschläge be­stätige ben Einbruck, baß man aut batb »oel finien an Italien aushanbigen wolle Die Aufnahme bes Planes in der ganzen Welt, mit lichen Vorschläge feien noch lchl'MM-r ° Vorauslaaen Sie feien ein Plan für eine xchuj räuberei größten Ausmaße-, Sollte eine italienische wenigen Jahren von einer italienischen Kolonie nicht mehr zu unterscheiden

Sir Samuel Hoare tritt vor das Llnterhaus.

Der Minister wird selber den Friedensplan gegen die Angriffe des Parlaments verteidigen

L o n b o n, 14. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Morgenblätter stellen fest, daß sich die nun auch amtlich veröffentlichten französisch-englischen Vpr- schlüge zur Beilegung bes italienisch-abessinischen Streites von den vorher in der französischen Presse darüber erschienenen Mitteilungen kaum unter- scheiden. Die Presse sieht der Unterhaus- Aussprache am Donnerstag mit erhöhter Span­nung entgegen. Besonders wird hervorgehoben, daß der Außenminister Sir Samuel Hoare trotz eines bei einem Sportunfall in ber Schweiz gebrochenen Na­senbeins nach London zurückkehren unb seinen Kritikern im Unterhaus gegenübertreten werbe.Hoare wird sich einem Sturm gegen­über sehen" oberWachstube Entrüstung über den Pariser Betrug" lauten bie Schlagzeilen meh­rerer Blätter.

Das liberaleHeros Ehronicle" meldet, dah sich die Forderung nach dem Rücktritt Sir Samuel Hoares stündlich verstärke. Die Revolte" unter den Regierungsanhängern breite sich weiter aus, und der Regierungseinpeitscher hätte sich sogar veranlaßt gesehen, mit der Ditte an die Opposition heranzutreten, eine Ab - st i m m u n g am kommenden Donnerstag zu vermeiden. Baldwin und Eden seien be- st ü r z l gewesen, als Anfang der Woche das volle Maß der pariser Vereinba­rungen durchsickerte, Eden habe sogar m i t dem Rücktritt gedroht. Auch der Schah­kanzler Reville Chamberlain und Lord Halifax seien gegen das pariser Abkommen.

Rom, 13. Dez. (DNB.) Die franzosisch-eng- lischen Vorschläge, die am Freitagabend in Rom ! veröffentlicht wurden, enthalten nach amtlicher : Mitteilung als wesentlichen K e r n f o l- aende Grundlagen für eine freundschaftliche Beilegung bes italienisch-abessinischen Konfliktes:

1. Gebieisausiüusch:

a) Abtretung bes östlichen Ti gr e an Italien. Die Grenzen biefes Gebietes sollen im Süben jenseits des Flusses Geva verlaufen und im Westen durch eine nordsübliche Linie bestimmt wer­ben, die zwischen Aksum, bas Abessinien verbleiben würde, und Adua liegt.

b) Grenzberichtigung zwischen Dana- k i l und Eritrea, bei der im Süden Aus ja und bas für einen abessinischen Zugang zum Meere not- wenbige eritreische Gebiet ausgenommen bleiben.

c) Grenzberichtigung zwischen Oga- ben unb Italienisch-Somali, bie von dem Grenzschnittpunkt zwischen Abessinien, Kenia unb Italienisch-Somali (also in ber Nähe von Dolo) ausginge, in norböstlicher Linie verlaufen unb Webi-Scebili bei Ibbolo schneiden, zwischen Gvrra- hei und Varandab verlaufen und im Schnittpunkt ber englischen Somaligrenze im 45. Längengrad enden würde. Die den Stämmen von Englisch-So­mali gehörenden Weid- und Brunnenrechte, die in den Italien zugewiesenen Gebieten liegen, sollen gewährleistet bleiben.

d) Abessinien erhält einen Zugang zum Meer in absoluten Besitz, und zwar werde Italien einen Gebietsstreifen entlang ber Nordgrenze von Französisch-Somali mit bem Hafen von Assab abtreten. Die englische Regierung unb bie fran­zösische Regierung werden Sorge dafür tragen, von : der abessinischen Regierung dafür Garantien zu er- ' halten, daß bie Verpflichtungen, bie ihm für bie er- 1 morbenen Gebiete in bezug auf Sklaverei unb ! Waffenhandel obliegen, erfüllt werben.

j Il.Ausdehnungs-u.SjedluWszone i Die französische und bie englische Regierung l schlagen vor bie Bildung einer Italien vorbehalte- i nen wirtschaftlichen Ausdehnungs- zvne in Südabesjinien. Diese Zone soll be-

Die Kontrolle ber abessinischen Verwaltung in biefer Zone würbe unter der Souveränität des Kaisers von ben Instanzen ausgeübt werben, bie in einem vom Völkerbund auszuarbeitenden B e i - standsplan vorgesehen werden. Italien hätte bei diesen, die einem ber bei ber Zentralregierung eingesetzten Delegierten unterstellt würben, einen überroiegenben, ober nicht aus­schließlichen Anteil. Der Delegierte, ber italienischer Nationalität sein könnte, würbe bem ersten Delegierten des Völkerbundes beim Kaiser von Abessinien unterstellt werben. Dieser letztere De­legierte wäre nicht Staatsangehöriger einer ber an Abessinien grenzenben Mächte.

grenzt sein im Osten von ber neuen Grenze zwischen Abessinien unb Jtalienisch-Somalilanb, im Norben vom 8. Breitengrad, im Westen vom 35. Längen­grad und im Süden von der Grenze zwischen Abes­sinien und Kenia. Innerhalb dieser Zone, bie einen integrierenben Bestanbteil Abessi­niens bilden wird, würde ausschließlich Italien Wirtschaftsrechte genießen, bie von einer privi­legierten Gesellschaft verwertet werden konnten, die unter Vorbehalt der von Eingeborenen ober Auslänbern erworbenen Rechte bas Eigen­tumsrecht auf die unbesetzten Gebiete, das Ausbeutungsmonopol für Bergwerke, Wälder usw. zuerkannt erhielte. Diese Gesellschaft hätte die Verpflichtung, zum wirtschaftlichen Auf­bau bes ßanbes beizutragen und einen Teil seiner Gewinne in sozialem Inter­esse zugunsten der eingeborenen Bevölkerung zu verwenden.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen