Ausgabe 
14.11.1935
 
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Neues für den Büchertisch.

Paul Ernst: Ein Credo. Aufsätze und Betrachtungen. In Leinen gebunden 8,50 Mark. Verlag Albert Langen-Georg Müller, München, 1935. (387)Das letzte der Persönlichkeit ist immer ein Glauben, aus ihm fließt jede ihrer Aeußerungen" dieses Wort Paul Ernsts steht dem neuen Buch voran; es setzt ein mit einer Reihe autobiographischer Berichte, in denen der Dichter zu verschiedenen Zeiten seines Schaffens sich über sein Leben und Werk Rechenschaft gab. Jeder dieser zum Teil noch unveröffentlichten Aufsätze, die aus den Jahren von 1909 bis 1932 stammen, liest sich wie für unsere Tage geschrieben. Dabei be­schränken sich diese Betrachtungen nicht auf den Be­zirk der Dichtung allein, sie greifen über auf alle Gebiete des geistigen Lebens: auf Malerei und Musik, auf Architektur und Philosophie, auch be­fassen sie sich nicht nur mit den Fragen der deut­schen Kultur, sondern nehmen ihren Stoff aus den Kulturen vieler Völker und Zeiten. Indem Paul Ernst sein vielfältiges eigenes Schaffen ständig durch prüfende gedankliche Untersuchungen begleitete, gab er zugleich die Fundamente einer neuen Kunstan­schauung. So wird das fast unbekannte Vorwort zu einem großen nationalen EposDas Kaiser­buch", dem für die soeben erscheinende Volksaus­gabe dieser Dichtung besondere Beachtung zukommt, zu einer grundlegenden Untersuchung über die Mög­lichkeiten des deutschen Epos. Andere Betrachtun­gen, die sich mit dem neuen Drama und dem kommenden Theater befassen, greisen unmittelbar ein in die Auseinandersetzungen unserer heutigen Zeit, die diesen entscheidenden Problemen ernsthaft

nachgeht und sie von Grund aus zu lösen versucht. Das Kernstück des Bandes stellen indessen die Auf­sätze dar, die aus innerstem Wissen heraus eine Deutung des religiösen Suchens der Gegenwart geben und eine Erneuerung des Christentums aus tragisch-heroischem Lebensgefühl heraus anstreben.

E. G. Kolbenheyer: Lebenswert und Lebenswirkung der Dichtkunst in einem Volke. Eine Rede. Kart. 80 Pfennig. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München, 1935. (404.) In dieser Rede, die als Ergän­zung des VortragesUnser Befreiungskampf und die deutsche Dichtkunst" bereits 1932/33 in vielen deutschen Städten gehalten wurde, hat es sich Kol­benheyer zur Aufgabe gemacht, den Lebensbeziehun­gen zwischen Volk und Dichtkunst nachzugehen und Wert und Wirkung des dichterischen Kunstwerks für das Dasein einer völkischen Gemeinschaft zu ergrün­den. Kolbenheyer kommt zu dem Schluß, daß die Freiheit der Schaffensbedingungen streng unter­schieden werden muß von der Freiheit der Schaf­fenswirkung! Frei sein kann und darf immer nur die schöpferische Handlung, der eigentliche Schaffens­akt, während das Geschaffene, also das fertige Kunstwerk, dem Ueberindividuellen angehört, auf dieses einen biologischen Einfluß ausübt und mit­hin seine Freiheit verliert. Das bedeutet im Grunde nichts anderes, als daß der Künstler niemals der Kunst, sondern immer nur der Wirkung der Kunst zuliebe schöpferisch tätig sein darf.

Gustav Renker: Dichter um Hein­rich Mark. Verlag von Friedrich Reinhardt in Basel. Leinen 4,80 Mark. (366) Renker, der

Verfasser vieler Bergromane, schlägt diesmal zar­tere Töne an und führt uns in die Welt der Schrift­steller. Der Verleger Heinrich Mark und seine Frau haben oberhalb Locarno ein schönes Haus gebaut, das in Gastfreundschaft allen ihren Verlagsautoren offensteht. Wir lernen eine Anzahl eigenwilliger, gut charakterisierter Menschen kennen und erleben ihre interessanten Schicksale mit. Eine Gestalt vor allem nimmt unsere ganze Anteilnahme gefangen: der Weltreisende und Abenteurer Reinhold Fäßler. Nach einer schweren Enttäuschung sorgt die mütter­liche Verlegersgattin dafür, daß er liebevolle Auf­nahme in der Familie eines Försters und Natur­dichters findet. Die Schilderung, wie sich nun zwischen dem äußerlich rauhen, aber fein empfin­denden Fäßler und der noch ganz jungen Försters­tochter eine zarte Liebe anspinnt, gehört zum besten, was Renker geschrieben hat. Auch die andern Gestalten sind lebendig gesehen.

Paula (3 r o g g e r : Der Lobenstock. Erzählung. Biegsam gebunden 2,40 Mark. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München, 1935. (336.) Hoch in den Bergen der Steiermark lebt Genosev, die stille und zarte Tochter aus dem Zwölfbotenwirtshaus, dem Lärm der Welt ent­rückt durch die verzehrende Krankheit, der sie, eines frühen Todes gewiß, von Kindheit an verfallen ist. Doch ihr widerfährt das Glück, nach vielerlei Un­gemach des Leibes und der Seele den Weg ins Leben wiederzufinden, als sie eines schönen Tages die Badersippe der Lobenstocks aufsucht, die als einzige, Namen und Ruf einem wundertätigen ge­heimnisvollen Heilkraut verdanken. Da sinkt un­versehens das streng gehütete Wissen mit dem alten Bader ins Grab. Durch den Zauber eines Traumes verlockt, gelingt es indessen Genofeo, die in heißer Liebe zu dem jungen Baderssohn entbrannt ist, in

einer fast unbetretenen Einöde des Gebirges baS wirksame Kräutlein wieder zu entdecken. Ihr Glaube nun an dessen heilenden Wirkung und ihre Hoff» nung, bald für immer mit dem fernen Geliebten vereint zu sein, lassen sie alsbald zum blühenden Weibe genesen. Als aber nach Jahr und Tag ihrer in Leidenschaft und Geduld starken Liebe keine Antwort zuteil wird, macht sie sich auf den Weg, dem Geliebten das Wunderkraut zu bringen und mit ihm glücklich zu werden. Zu ihrem Schmerze findet sie ihn jedoch an der Wiege des ersten Kin­des, das ihm seine inzwischen gewonnene Fran vor wenigen Tagen geschenkt hat. Schweren Her­zens überwindet sich Genosev und reicht ihre Hand einem braven Manne, der schon lange um sie warb, bewährt sich als Frau und Mutter und birgt gleich­wohl fortan im tiefsten Grund ihrer 'Seele die Erinnerung an die verlorene Liebe ihrer Jugend.

Maria Veronika Rubatscher: Das lutherische Jogge le. Roman aus dem Mar­terbuch der deutschen Seele. 190 Seiten. Gebunden 4 Mark. Eugen Salzer Verlag, Heilbronn. (371) Die Geschichte führt in die erbitterten Glaubens­kämpfe des 16. Jahrhunderts in der deutschen Grenzmark. Denvergessenen und verkannten Be- kennern Christi" hat Maria Vdronika Rubatscher in der sagenhaften Gestalt deslutherischen Jakobs" ein Denkmal zu setzen sich bemüht. Dem Leser wird freilich das Eindringen in die vergangene Welt dieses Buches durch den etwas geflissentlich an­mutenden Chronikstil und einen starken mundart­lichen Einschlag nicht erleichtert. Eine Worterklä­rung am Schluß gibt die notwendigsten Hilfen.

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