schweren Vergiftung zusammen. Der Mann wurde sofort in ein Krankenhaus transportiert, wo sich herausstellte, daß er nach dem Genuß von Gurkensalat Selterswasser getrunken hatte. Aamilienkalastrophe in der Lüneburger Heide.— Zwei Knaben ertrunken. — Der Vater verübt Selbstmord.
Der Böttchermeister Warnten aus Soltau (Lüneburger Heide) hatte mit seinem achtjährigen Sohn Otto ein Boot gemietet, um eine Bootsfahrt auf der Böhme zu machen. Die Beiden waren etwa rund 250 Meter von der Anlegestelle entfernt, als sie am Ufer zwei Freunde des Otto Warnten trafen, der seinen Vater bat, sie mitfahren zu lassen. Beim Einsteigen kam das leichte Boot so ins Schwanken, daß es kenterte und die Insassen ins Wasser fielen. Der Knabe Warnten und sein Freund Kahn ertranken, während der Vater den zweiten Freund seines Jungen retten konnte. Die Eltern Warnten nahmen sich das Unglück so zu Herzen, daß sie beschlossen, durch Gasvergiftung gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Die Mutter konnte gerettet werden, während der Vater schon tot war, als man in die Wohnung eindrang.
Großer Schlag der Berliner Sittenpolizei. — Zehn „rNassagesalons" geschlossen.
Die Zentralstelle zur Bekämpfung unzüchtiger Bilder und Schriften beim Landeskriminalpolizeiamt Berlin hat dieser Tage einen großen Schlag gegen zahlreiche als „ M a s s a g e s a l o n s " getarnte Unternehmungen höchst zweifelhaften Charakters geführt und zehn solcher Salons geschlossen. Schon seit einiger Zeit war es den Beamten der Zentralstelle aufgefallen, daß es im Berliner Verkehrszentrum in einigen sog. „Massagesalons" schon in den Nachmittagsstunden ein lebhafter Personenverkehr herrschte. Auch liefen mehrfach Anzeigen ein. Man nahm diese Salons nun genauer unter die Lupe und stellte fest, daß sie einen durchaus bordellartigen Charakter angenommen hatten. Um die Besitzer zu überführen und das anständige Gewerbe nicht in Mißkredit zu brinaen, wurde überraschend und schlagartig von den Kriminalbeamten in den Räumen von zehn solcher Salons eine Durchsuchung vorgenommen. Man fand alle Vermutungen bestätigt. Die Inhaber und die dort beschäftigten „Assistentinnen" mußten schleunigst den Weg zum Polizeipräsidium antreten. In einigen der „Unternehmen" wurden auch noch eine Menge pornographischer Schriften und Bilder vorgefunden. Die Salons wurden selbstverständlich sofort geschlossen. Inhaber und „Assistentinnen" sehen ihrer gerichtlichen Bestrafung entgegen. Von derselben Dienststelle wurden ferner zwei Buchhandlungen in der Friedrichsstadt wegen Verkaufs von unzüchtigen Bildern und Schriften durchsucht. Bei der Durchsuchung der Ladenräumlichkeiten konnte zahlreiches derartiges Material beschlagnahmt werden. Die Inhaber sehen einer empfindlichen Bestrafung entgegen.
Kindertragödie.
Ein zehnjähriger Knabe beging in der Nähe von Nakel (Posen) Selbstmord, weil er beim Spiel auf der Landstraße einen Freund so unglücklich gestoßen hatte, daß dieser von einem vorbei- fahrenden Kraftwagen getötet wurde.
Piscator sowjetrussischer Staatsangehöriger.
Eine Anzahl deutscher Kommunisten und Salon- bolfchewrsten, die von der Reichsregierung a u s - gebürgert worden sind, haben bei der Sowjetregierung um die Verleihung der Sowjet- staatsangehörigkeit nachgesucht. Einem Teil der in Deutschland Ausgebürgerten, darunter dem berüchtigten ehemaligen Regisseur der Berliner Volksbühne Erwin Piscator, ist das sowjet- russische Bürgerrecht auf ihren Antrag hin ver- lieheck worden.
Schweres Unwetter in der Baschkiren-Republik.
Im Belobeisker Bezirk in der Baschkiren-Republik richtete ein starker Orkan große Verheerungen an. Durch Hagel schlag wurden die Saaten zum Teil vernichtet. Eine große Menge Vieh ist zugrunde gegangen. Auch Verluste an Menschenleben sind zu beklagen. Durch einen Wolkenbruch wurde Baumaterial 10 Kilometer weit weggeschwemmt. Bäume wurden entwurzelt.
Die Regierung hat außerordentliche Hilfsmaßnahmen für die getroffenen Gebiete angeordnet.
Wolkenbrüche und Ueberschwemmungen in Natal. — Die Hauptstadt Durban von der Außenwelt völlig abgeschnitten.
Die Hauptstadt von Natal, Durban, ist infolge riesiger Wolkenbrüche und Ueberschwemmungen völlig von der Außenwelt abgefchnitten. Alle Verkehrsverbindungen, auch die von der See her, sind unterbrochen. Die Straßen um die Stadt, sowie an der Küste sind völlig unbrauchbar. Hunderte von Einwohnern haben ihre Wohnungen aufgeben müssen. Die Regenfälle dauern noch an.
Den eigenen Sohn erschossen.
In einem Dorf bei Nieszawa erschoß ein polnischer Bauer seinen Sohn, da dieser sich weigerte, auf Befehl des Vater sich von seiner erst vor zehn Tagen geheirateten Frau zu trennen, die dem Vater nicht gefiel.
Nie Rechtslage von Güdwestafrika.
EineZusicherungderSüdafrikanischenUnion
Genf, 13. Juni. (DNB.) Der Mandatsausschuß des Völkerbundes hat in seiner Donnerstag-Sitzung den Jahresbericht der Regierung der Südafrikanischen Union über das Mandatsgebiet Südwestafrika für das Jahr 1934 geprüft. Bei dieser Gelegenheit erklärte der Administrator des Mandatsgebietes, Conradi, auf eine Anfrage, daß die Mandatsmacht nicht beabsichtige, irgendeinen Schritt, der die Rechtslage des Gebietes berühre, zu unternehmen, ohne engste Zusammenarbeit mit dem Mandatsausschuß und daß sie unter keinen Umständen den Ausschuß vor eine vollendete Tatsache stellen werde.
Japan, China und Nußland.
Tokio, 13. Juni. (DNB.) Der japanische Kriegsminister H a j a s ch i ist in K o r e a eingetroffen. Er erklärte, daß die gegenwärtige Lage keine Verminderung der Militärausgaben in Mandschukuo zulasse. Der Kriegsminister kündigte ferner eine Heeresorganisation mit st ä r- kerer Konzentrierung der Truppen unter Loslösung von der Polizei an. Optimismus gegenüber der Sowjetunion, erklärte Hajaschi, sei u n b e r e ch t i g t, da ihre friedliche Haltung nur wegen der Ergänzung der Rüstungen vorgetäuscht werde.
Wie weiter gemeldet wird, haben die militärischen Vorbereitungen Japans für das Vorgehen in Nordchina bereits am 9. Juni begonnen. Bis zum 11. d. M. haben 13 Truppentransporte die Stadt Schanheikwan an der Bahnstrecke Mukden—Peking passiert. Das erste japanische Truppentransportschiff ist am Mittwochvormittag in Tangku eingetroffen. Die Truppen wurden in zwei Eisenbahnzügen nach Tientsin gebracht. Für Freitag ist der Besuch eines japanischen Flugzeuggeschwaders aus Jehol in Peking angekündigt. Am Donnerstag hat eine Massenflucht aus Peking eingesetzt. An Stelle der bisherigen Gelassenheit ist große Nervosität getreten.
Englisches Kanonenboot auf Grund gelaufen.
London, 13. Juni. (DNB.) Ein seltsamer Unfall ist dem englischen Kanonenboot „H a st i n g s" zugestoßen. Auf der Fahrt durch das Rote Meer wurde an Bord bei einer Katze, die einige Matrosen Bißwunden beigebracht hatte, Tollwutverdacht festgestellt. Aus diesem Grunde versuchte der Kapitän, Port Sudan auf schnellstem Wege zu erreichen, um die in Frage kommenden Mannschaften ärztlich behandeln zu lassen. 60 Meilen vor Port Sudan lief das Kanonenboot auf Grund. Es mußte Mittwochnachmittag von der Besatzung aufgegeben werden.. Die gesamte Ausrüstung der „Hastings" wird am Donnerstagabend von einem Schwesterschiff des
Kanonenbootes nach Port Sudan gebracht werden. Munition und wertvolle Vorräte sind bereits in der vergangenen Nacht mit Hilfe von Pontons gelandet worden. Die Wasserverdrängung der „Hastings", die 1929 vom Stapel gelassen wurde, beträgt etwas über 1000 Tonnen.
Japan und die Ilottenbesprechungen in London.
London, 13. Juni. (DNB.) Der japa- nische Botschafter in London überreichte am Donnerstag Japans Antwort auf die Rückfrage Englands, welchen Standpunkt Japan zu dem bisher erzielten Ergebnis der deutfch- englischen Flottenbesprechungen einnehme. In unterrichteten englischen Kreisen wird die japanische Antwort ebenso wie die mündliche Antwort der Vereinigten Staaten als günstig bezeichnet, lieber die Haltung Italiens und Frankreichs, die als Mitunterzeichner des Washingtoner und des Londoner Flottenvertrages von Großbritannien ebenfalls um Mitteilung ihrer Ansicht ersucht worden sind, liegen noch keine Nachrichten vor.
Militärische Borbildung für österreichische Beamte.
Wien, 14.Ium. (DNB.) Der Bundestag beschloß heute eine Reihe von Gesetzen, darunter eines, daß die Aufnahme in den öffentlichen Dienst an die Bedingung einer militärischen Ausbildung knüpft, und ein anderes, durch das in Graz eine neue Militärmittelschule errichtet wird.
SA.-Führertagung in Bad Schandau.
Dresden, 13. Juni. (DNB.) Am Freitag, Samstag und Sonntag findet in Bad Schandau unter Vorsitz des Stabschefs Lutze eine Tagung sämtlicher Obergruppen- und Gruppenführer der SA. statt. Die Teilnehmer treffen am Donnerstagabend in Bad Schandau ein.
Aus Danzig ausgewiesen.
Danzig, 13. Juni. (DNB.) Die Pressestelle des Polizeipräsidiums teilt mit: „Der lettische Staatsangehörige Theodor Loewy ist durch Verfügung des Polizeipräsidenten mit Frist von drei Tagen aus dem Gebiet der Freien Stadt Danzig aus- gewiesen worden." Loewy war Herausgeber der jüdischen Zeitschrift „Danziger Echo" und wurde vor einigen Tagen wegen Pressevergehens und wegen Verstoßes gegen Verordnungen des Senats in Haft genommen.
Meine politische Nachrichten.
Der französische Minister für nationale Erziehung, Marcombes, ist am Donnerstagvormittag in Paris in dem Augenblick an einem Herzschlag gestorben, als er zu dem um 10 Uhr im Elysee stattfinden- den Ministerrat den Sitzungssaal betreten wollte. Der Ministerrat ist wegen des plötzlichen Todes Marcombes' auf Freitag verschoben worden.
Abstammungsnachweise für Wehrpflichtige.
Nach den Musterungsbestimmungen muß der Dienstpflichtige u. a. seine Geburtsurkunde und den Nachweis über die Abstammung mitbringen. Es ist also neben der ohnehin geforderten Geburtsurkunde des Dienstpflichtigen, in der die Namen und die Religion feiner Eltern eingetragen fein müssen, auch die Vorlage der Geburtsurkunden der Eltern notwendig. Aus den Geburtsurkunden der Eltern muß neben dem Namen der Großeltern auch die Religion der Großeltern ersichtlich fein. Die Heiratsurkunde der Eltern genügt nicht, weil in dieser die Religion der Großeltern nicht eingetragen ist.
Ausgestellt werden die Urkunden für die nach dem 1. Januar 1876 Geborenen vom Standesamt des Geburtsortes, für die vor dem 1. Januar 1876 Geborenen vom Pfarramt des Geburtsortes.
Ist ein Dienstpflichtiger bereits im Besitze eines amtlich beglaubigten Ahnennachweises, Ahnenpasses
oder Stamm- oder Ahnentafel usw., so genügt selbstverständlich die Vorlage eines solchen Ausweises neben seiner Geburtsurkunde.
Kunst und Wissenschaft.
Zur Lebensgeschichke von Max Orlh.
Der in Frankfurt a. M. lebende hessische Dichter Max Orth teilt uns im Anschluß an die in Nr. 132 des Gießener Anzeigers vom 8. und 9. Juni erschienene Besprechung seines Gedichtbandchens „Tage der Stille" mit, daß darin einige biographische Daten, die viele unserer Leser interessieren dürften, nicht enthalten seien. Obwohl diese Daten nicht unmittelbar in den Zusammenhang der genannten Besprechungen gehören, wollen wir sie heute an dieser Stelle gern nachtragen: Orth entstammt einer Gießener Familie, fein Vater wurde dort geboren. Im Februar 1895 kam er mit seinem Vater, der als mittlerer Gerichtsbeamter die Wanderung Gießen—Altenstadt—Butzbach—Gießen zu machen hatte, von Butzbach nach Gießen, besuchte dort das Realgymnasium und studierte dortselbst bis zum Jahre 1904. Nach dem kurz zuvor erfolgten Tode seines Vaters gab er mit Ablauf des Wintersemesters 1903/04 gezwungenermaßen fein Studium auf, ging als Einjährig-Freiwilliger zum Infanterie-Regiment 115, dann zu den Luftschlffern nach Berlin-Reinickendorf und von dort nach Afrika.
polnische Kunst in Frankfurt a. M.
Dieser Tage wird im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt eine Ausstellung polnischer K u n st eröffnet. Diese Ausstellung umfaßt verschiedene Richtungen und Gebiete der polnischen Kunst aus den letzten 40 Jahren. Sie hatte einen Riesenerfolg in Berlin und München und steht unter dem Protektorat der hervorragendsten Persönlichkeiten der deutschen und polnischen Regierungen.
Vom Starkstrom getötet.
Lpd. Westerburg, 13. Juni. Der Monteur der Koblenzer Straßenbahn - Gesellschaft Ernst Schüler war am Dienstagabend bei der Mühle Hohensayn im Transformatoren Haus mit dem Auswechseln von Isolatoren beschäftigt. Bei der Arbeit muß er der Hochspannung zu nahe gekommen sein, denn er blieb an den Drähten hängen und wurde auf der Stelle getötet. Der Verunglückte war erst kurze Zeit verheiratet.
Wetterbericht
des Reichswelferdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Begünstigt durch die starke Erhitzung über Mitteleuropa beginnen sich von Westen her flache Störungen nach Deutschland hin zu entwickeln. Der Witterungscharakter bleibt dabei im ganzen freundlich, doch besteht eine größere Bereitschaft zu gewittrigen Niederschlagen.
Aussichten für Samstag: Im ganzen noch freundlich, doch ziemlich schwül und vielerorts auch Auftreten von gewittrigen Niederschlägen, in Richtung veränderliche Winde.
Aussichten für Sonntag: Häufig aufheiternd und tagsüber warm und schwül, Neigung zu gewittrigen Regenfällen.
Lufttemperaturen am 13. Juni: mittags 23,9 Grad Celsius, abends 15,8 Grad: am 14. Juni: morgens 16,6 Grad. Maximum 24,2 Grad, Minimum 10,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. Juni: abends 20,2 Grad; am 14. Juni: morgens 16,7 Grad. — Sonnenscheindauer 14,6 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 35: 10151. Druck und Verlag: Brühl'iche Universitäts-Buch- und Slemdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.
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