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Nr. 136 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

5reitag/4.Zuni (935

Tanz, die Sprache des Lebendigen.

eine Bedrängnis bemerkt haben, eilig zu ihren Ge­fährten, rennen mit geöffneten Kiefern äußerst er­regt in Spirallinien umher, richten ihren Hinterleib

Warum tanzen die Stere?-z/(Sine Aeußerung, die man nicht verhindern kann".

Don Or. p. Marburg.

Die berühmte Tänzerin Mary W i g - mann wurde einmal gefragt, was eigentlich Tanz" fei. Sie antwortete:Tanz ist jene Aeußerung, die man nicht verhindern kann". Eine Antwort, die man kaum wissenschaftlich nennen kann und doch ist auch durch die Wissenschaft niemals eine treffendere Erklä­rung gegeben worden. Der Völkerkundler hat die verschiedensten Tanzkulte studiert, der Zoologe beschrieb die anmutigen Tanzspiele der Vögel und Insekten. Warum tanzen alle Völker, alle Rassen, warum tanzen auch die Tiere?

Alle die Deutungen, die man dem Tanz gab, sind zwar nicht falsch, aber doch recht ungenügend, lücken­haft. Wir finden überall Kriegstänze, Spiele des erwarteten Sieges. Einen ähnlichen Sinn haben die I a g d t ä n z e um die erlegte Beute. Wir kennen die mannigfaltigsten Formen der religiösen Tänze: Maskentänze, die um die Gunst der Ver­storbenen oder der Götter werben, Zaubertänze, mystische Tänze, in denen Dämonen herbeigelockt oder gebannt werden. In der künstlerischen Gymnastik unserer Zeit wird getanzt, um Seelisches zum Aus­druck zu bringen, und wir tanzen um des geselligen Vergnügens willen. Und endlich ist es die Liebes­hoffnung und Liebeswerbung, die dem erd- aebundenen Körper Flügel und Bewegung verleiht. Aber damit ist der Sinn des Tanzens noch nicht restlos erfaßt. Der wirkliche U r t r i e b des Tanzens hat zunächst gar keine Absicht, keinen Zweck. Der lebendige Körper erhebt sich zur bewegten Form, eben weil er lebt, weil er nicht anders kann. Der lebensvolle Augenblick treibt unseren Körper zu schwingender, springender Bewegung.

Und damit begreifen wir auch jene triebhafte Be­wegung, die das Tier mit dem Menschen gemein­sam hat. Der Hund, der rein aus Freude am Leben dahinrast in seinem Sausewahn, zeigt uns, was eine

wird der Spektakel, toller und toller das Drauflos- laufen, bis sie nahezu ekstatisch durcheinander schwir­ren und übereinander weghüpfen.

Diese Tiere zeigen, wie die zunächst triebhaften Gebärden eines einzelnen von den anderen Tieren verstanden werden, wie die Gesten des Ein­tänzers die Zuschauer anstecken. Das ist dann wohl auch der Sinn der eigentlichen Werbungs­tänze. Die Männchen der Springspinnen zum Beispiel schaukeln von einer Seite zur andern und halten das erste Beinpaar steif in die Höhe, dann tanzt der Freier lebhaft um die aufmerksam zuschauende Geliebte herum, die endlich an dem wilden Treiben Gefallen findet und mitmacht. Solche Werbungskünste haben manche Forscher veranlaßt, geradezu vonBe st e ch u n g s m ä n n ch e n" zu reden: bei den Tanzfliegen sind es die Weibchen, die den Reigen eröffnen. Von Zeit zu Zeit kommen einige Männchen mit einem Hochzeitsgeschenk in Gestalt einer eben gefangenen Mücke, die der Bräutigam vorsichtig mit seinen Mittelbeinen fest­hält und seinem auserwählten Weibe darbietet. Dieses Verführungsmanöver ist um so wunderbarer, als die pflanzensaftsaugenden Männchen für sich niemals tierische Nahrung holen! Die männlichen Schimpansen stampfen mit den Beinen und schlagen mit der flachen Hand rhythmisch auf den Boden. Das zuerst weniger tanzlustige Weibchen dreht sich dann um seine eigene Körperachse und nimmt an demSchuhplattl-Klatschen" teil. Fische, Molche, Schlangen schmiegen sich zärtlich anein­ander, jagen und peitschen sich mit den Schwänzen.

Bei manchen Insekten haben wir in den letz­ten Jahren Tänze kennengelernt, die als V e r st ä n - digungsmittel bezeichnet werden können. Hier ist es nicht die Liebe, die zum Tanze begeistert, sondern Hunger und Lebensgefahr. Manche Ameisen Südamerikas stürzen, wenn sie irgend-

in die Höhe und stecken mit ihrem Tun alle In­sassen des Baues an, bis der ganze Ameisenstaat alarmiert ist. Anders aber ist ihr Gebaren, wenn sie eine F u t t e r st e l l e entdeckt haben. Da läuft das Tier ruckweise mit zuckenden Bewegungen durch den Stock, stößt alle Genossen heftig an, die gleich die steppenden Schritte miimachen und so das ganze Nest in Aufregung versetzen. Hieraus ziehen alle aus, um nach dem Futter zu suchen. Zu dieserTanz­sprache" gesellt sich dann noch eineT a st s p r a ch e", indem sich die Tiere mit ihren Fühlern beträllern; sie telegraphieren sozusagen.

Das erstaunlichste aber hat neuerdings der Münch­ner Zoologe Professor Frisch auf dem Film fest­gehalten: die Tanzsprache bei den Bienen. Auch hier verkündet eine Biene durch einen Tanz, daß sie Nahrung gefunden hat. Mit trippelnden, schnellen Schritten dreht sich das Tierchen auf einer Stelle im engen Kreise bald rechts, bald links herum, in­mitten der anderen Bienen. Diese nehmen bald an diesem Rundtanz teil, indem sie ihre vorgestreckten Fühler an den Hinterleib der Vortänzerin anschmie- aen. Alle Schwenkungen werden eifrig mitgemacht, so daß die Tänzerin bei ihren Bewegungen gleich­sam einen Schwanz von Bienen hinter sich hersührt. Dieser Tanz wird aber nur dann ausgeführt, wenn Blütenhonig in großen Mengen entdeckt worden ist, also meistens nur am Morgen, weil da die Honig­behälter der Blumen noch voller Nektar sind. Außer diesem Rundtanz gibt es noch einen anderen Tanz im B i e n e n st o ck. Er wird von den Pollensamm­lerinnen ausgeführt, wenn die Blumen der Um­gebung reichlichen Blütenstaub liefern. Denn auch diesen brauchen die Bienen zur Nahrung. Da wird emsig in Form einer kleinen8" herumgewirbelt, am auffallendsten aber ist hierbei die eigentümliche Schwänzelbewegung des Hinterleibs.Schwänzel­tanz" heißt diese Mitteilung im Gegensatz zum Rundtanz" der Nektarsammler. Jeder neue Einblick in das Staatsgetriebe dieser Insekten ist reizvoll, diese Tanzsprache ist aber wohl das anmutigste, was wir in der letzten Zeit von den Bienen erfahren haben.

solche Aeußerung ist, die man nicht verhindern kann. Zum Tanze wird die Bewegung offenbar dann, wenn die Gebärde irgendwie einem Gesetz, einem bestimmten Rhythmus gehorcht. Der Flug der Mücke, die auf ihre Beute zueilt, ist noch kein Tanz. Aber das muntere Auf und Nieder des Mücken- schwarms am Sommerabend ist Tanz. Und ein Tanz ist es auch, wenn die Männchen der Ein­tagsfliegen während der Dämmerung über dem Wasser im munteren Spiele tollen, während die Weibchen am Ufer sitzen, um sich nur gelegentlich zu erheben und dabei ein Männchen aus dem Rei­gen zu entfuhren. Das Durcheinander- und Urnern« andergaukeln der Schmetterlinge ist Bewe­gung des- hemmungslos lebenden Körpers und durch­aus nicht nur Liebesspiel. Ebenso ist das Jagen und Haschen der Vögel Freude am Sickbewegen, wie auch ihr Gesang nichts bnderes isk als Lebens- Überschuß. Denn der Vogel singt doch zunächst des­wegen, weil es ihm gefällt, und besonders Papa­geien begeistern sich geradezu an ihrem ohrenbetäu­benden Kreischen. Nach diesen Betrachtungen können wir auch versuchen, den Liebestanz der Vögel zu deuten. Auch er ist dst Betätigung eines überschäu­menden Lebensgefühls, das ja gerade zur Brunstzeit einen Höhepunkt erreicht. Der Strau­ße n h a h n spreizt sei,ne zitternden Flügel und um- tän^elt seine Braut mit komischen Schritten. Dann wirft er sich auf den Boden, schlägt die Flügel auf und nieder, reckt den Hals weit nach hinten und peitscht mit dem baumelnden Hinterkopf, laut klat­schend und wie im Takt, bald die rechte, bald die linke Flanke. Allgemein bekannt ist die Balz unseres Bi r k h u h n s und des Auerhahns. Die Prä­riehühner Nordamerikas versammeln sich in Gruppen zu zwanzig Tieren auf einer Anhöhe; einer der Hähne rennt mit gesenktem Kopfe, waage­rechten Flügeln und energischem Stamvfen über den Boden, wobei er ein gurgelndes Krähen ausstößt und seinen Schwanz lebhaft schüttelt. Alsbald fallen die anderen mit ein; es beginnt ein Stampfen, Trommeln, Scharren und Krähen, lauter und lauter

Fachamt für Sandball.

Schiedsrichter-Anwärter - Kursus.

Die ursprünglich für kommenden Sonntag fest­gesetzte Zusammenkunft muß dringender Umstänoe wegen auf Samstag, 15. Juni 1935, nachmittags A Uhr, (Bayerischer Hof) vorverlegt werden. Be­sondere Benachrichtigungen ergehen nicht mehr.

Kilo (1900) auch bei den Olympra- prirfungskämpfen in Hannover.

Am kommenden Samstag und Sonntag nehmen die Prüfungswettkämpfe zur Aufstellung der Olyrn- ^ia-Leichtathletikmannschaft ihren Fortgang. Sie linden an vier Orten statt: in Krefeld (für die Kurz­streckler), in Hannover (für die Hürdenläufer, Stab- springer und Werfer), in Kassel (für die Mittel- und Langstreckler) und in Leipzig (für die Springer und Hammerwerfer). Durch das Fachamt für Leicht­athletik ist bereits eine sehr strenge Sichtung für diese Kämpfe vorgenommen worden. Für manche Disziplinen ist kaum mehr als ein halbes Dutzend Spitzenkönner aus dem ganzen Reich beordert wor­den. Um so erfreulicher, aber auch um so verant­wortungsvoller ist es daher für Arthur Kilo von der Spielvereinigung 1900 Gießen, in diese aus­erlesenen Felder eingereiht worden zu sein, sind doch Leute wie der Diskusweltrekordmann Schröder (Magdeburg), der Zehnkampfweltrekordmann Sie­vert (Eimsbüttel), der deutsche Rekordmann im beidarmigen Diskuswerfen Fritsch (Berlin), dann 'Lampert (Wuppertal), Meyer (Hannover), R e y m a n n (Kiel), Würfelsdobler (Mün­chen), Stück (Berlin), Groß-Fengels (Ber­lin), B i ck e r (Hannover), B ö v e r s (Bremen) und

L e i t g e s (Trier) am Start. Angesichts dieser star­ken Konkurrenz wäre zu erhoffen, daß das Hinden- burgstadion in Hannover für Kilo bei den Prü­fungskämpfen derselbe glückliche Boden wäre wie im Jahre 1932, als er bei den Deutschen Meister­schaften mit 45,56 Meter Diskus sicherer Zweiter hinter Hirschfeld wurde.

Großes Doikspreisschießen in Gießen.

Auf feinen Schießständen am Schützenhaus ver­anstaltet der Schützen-Verein Gießen E. V. am kommenden Sonntag ein großes Volkspreisschießen, an dem sich jeder ehrbare Volksgenosse beteiligen kann. Den Schießsport in weiteste Kreise zu tra­gen ist Zweck und Ziel dieses Wettbewerbs. Gleich­zeitig soll der alte Brauch, die Schießkunst zur Volkskunst zu machen, neu erstehen. Durch Stif­tung zahlreicher wertvoller Preise hat der veran­staltende Verein dafür Sorge getragen, daß sich die Mühe der am Wettbewerb Beteiligten lohnt. Die Preise sind im Schaufenster der Fa. Adam Reinig (norm. C. Sartorius), Seltersweg 30, aus­gestellt. Durch die Beschaffung neuer, automatisch anzeigender Scheiben ist weithin die Garantie ge­geben, daß Irrtümer bei der Leistungsbewertung ausgeschlossen sind.

Einweihung einer neuen Sportanlage in Bad-Nauheim.

Am kommenden Sonntag, 16. Juni, wird in Bad- Nauheim dievon Tschammer und Osten-Kampf­bahn" eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Damit hat das Weltbad endlich eine seinem Ansehen entsprechende Sportanlage erhalten, die in bezug auf ihre wundervolle Lage im Hochwald und ihre

Hermann von Wißmann.

3uvn 30. Todestage

des deutschen Kolomaipioniers

Als im Sommer 1905 die Nachricht in die Welt hinausging, daß Hermann von Wißmann auf einem Jagdausflug in Steiermark so schwer ver­unglückt sei, daß an seinem Aufkommen gezweifelt werden müsse, sah man mit banger Erwartung weiteren Nachrichten entgegen. Am 16. Juni folgte dann die Mitteilung, daß der kaum Zweiundfünf- zigjährige auf feiner Besitzung Weißenbach den Verletzungen erlegen sei. Einer der bedeutendsten Erforscher desschwarzen Erdteils" war auf der Höhe seines an Abenteuern und Gefahren so reichen Lebens dahingegangen, ein Kolonialpionier, der die deutsche Fahne in zähem Ringen bis tief ins Innere Afrikas vorgetragen hatte.

Der junge Füfelierleutnant Wißmann, der von sich zuerst hatte reden machen, als er kurz nach­einander drei Menschen unter eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens errettete, studierte eifrig die Schriften der berühmten Afrikaforscher Schweinfurth und Stanley, deren Taten damals die Welt erfüllten. Aber er ahnte nicht, daß ihm bald schon ein Zufall den Weg eröffnen sollte, in die Welt hinauszuziehen und es diesen Männern in Gesinnung und Tat gleichzutun. In Rostock lernte Wißmann 1879 den Afrikareisenden Pogge kennen, der gerade mit der Ausrüstung einer neuen Expedition nach Jnnerafrika beschäftigt war. Im Gespräch mit Pogge faßte Wißmann den Plan, sich dieser Expedition anzuschließen, und es gelang ihm auch einen zweijährigen Urlaub zu erwirken. In zäher Arbeit ergänzte er in wenigen Monaten seine Kenntnisse auf der Universität und auf der Seemannsschule in Rostock, um im Februar 1881 mit Pogges Expedition die Reise anzutteten. Da Pogge auf dem Weg zum oberen Kongo schwer erkrankte und zurückgelassen werden mußte, siel Wißmann ganz unerwartet die Aufgabe zu, allein in das unerforschte Gebiet vorzudrmgen. Es ge­lang ihm, die kürzeste Verbindung zwischen dem oberen Kassai und dem oberen Kongo zu finden und als erster Forscher Zentral-Asrika in westöst- licher Richtung zu durchqueren. Bei seiner Rückkehr sah er sich bereits in der Reihe jener Forscher, deren Name weithin Geltung und Ansehen hatte.

Bald eröffnete sich ihm die Aussicht, eine neue, vom König Leopold II. von Belgien angeregte

Expedition ins Kongogebiet zu unternehmen. Nach­dem er am Ufer des Luluafluffes die Station ßuluaburg errichtet hatte, trat er auf feinem Stahl­boot, von einer Anzahl großer Kähne begleitet, die Fahrt auf dem Lulua an. Er gelangte dann in den Kaffai und nach der Einmündung dieses Flusses in den Kongo, auf dem er bis Leopoldville hin­unterfuhr. Damit hatte er den ganzen Lauf des Kaffai-Fluffes kennengelernt und das verzweigte Netz feiner südlichen Nebenflüsse entschleiert. Dabei hatte er viele unbekannte Gebiete erschlossen und eines der Rätsel des schwarzen Erdteils gelöst.

Im Jahre 1886 durchquerte Wißmann nochmals Südafrika bis zur Sambesi-Mündung. Die Mühen und Entbehrungen auf dieser Reise waren aber für ihn tu schwer gewesen, er kehrte 1887 schwer er­krankt zurück und suchte zunächst auf Madeira Er- ijüiung. Hier erreichte ihn die Nachricht, daß der arabische Aufstand in Deutsch-Ostafrika ausgebrochen war. Wißmann wurde zum Reichskommissar er­nannt und beauftragt, den Ausstand niederzuschla- gen. Von geringen deutschen Hilfskräften unter­stützt, schuf er sich in größter Eile eine zuverlässige Truppe aus Eingeborenen, besiegte die Rebellen und wußte durch geschickte Behandlung der Ein­geborenen den Frieden in der deutschen Kolonie wiederherzustellen. Dieser Geschicklichkeit im Um­gang mit den Eingeborenen verdankte er einen großen Teil seiner Erfolge; die Schwarzen waren ihm treu ergeben und folgten ihm blindlings auch in die größten Gefahren. Für seine Verdienste wurde Wißmann in den Adelsstand erhoben. 1891 legte er das Reichskommissariat nieder. Nun wurde ihm eine neue, nicht minder schwere Aufgabe ge­stellt, die er mit Feuereifer in Angriff nahm. Er ollte den nach ihm benannten Wißmann-Dampfer nach dem Dictoria-Njassa transportieren. Unter Ueberroinbung unzähliger Schwierigkeiten brachte Wißmann das Schiff in Tausenden von einzelnen Traglasten glücklich an seinen Bestimmungsort und gründete am Njassa-See die Stadt Langenburg. Zum erstenmal wehte die deutsche Flagge von einem deutschen Schiff auf einem innerafrikamschen See.

1895 wurde Wißmann zum Gouverneur von Deutsch-Ostafrika ernannt, aber schon im folgenden Jahr zwang ihn.Krankheit, sein Amt niederzulegen. Er unternahm noch verschiedene Reisen, die ihn nach Sibirien und dann noch einmal nach Süd­afrika führten. 1899 zog er sich auf seine Besitzung Weißend ach bei Lietzen in der Steiermark zuruck.

Oer allerliebste Fluggast.

Don Walter Seidlih, Barcelona.

Ich habe seinen Weg genau verfolgen können. In Berlin, draußen auf dem Zentralflughafen Tempel­hof, konnte man ihn zuerst entdecken, als plötzlich zwischen Koffern und Kisten ein wehmütiges Wim­mern erscholl. Richtig: da stand zwischen der Flug­fracht ein kleines Brettergehäuse, das die etwas lieblose Aufschrift trug:Ächtung, lebender Hund!" Von dem war vorerst allerdings wenig zu erspähen, und auch das in seiner Zaghaftigkeit herzerwei­chende Gewimmer wäre sicher längst vergessen, wenn es nicht bald ein Wiedersehen mit dieser klei­nen Bretterkiste und ihrem lieblichen Inhalt ge­geben hätte.

Das war einige Stunden später, in Stuttgart, wo ein paar Gäste der Lufthansa kurz vor dem Weiterflug nach einem Zeitvertreib Umschau hielten. Plötzlich waren sie um diese kleine Kiste versam­melt, die schon quer durch Deutschland transpor- tiert war, und nun muß man feststellen, daß nicht einmal der hübschen Ärgentinierin, die mit uns reifte, soviel Aufmerksamkeit geschenkt wurde wie dem Inhalt dieses Kistchens. Zunächst gab es natur­gemäß einige Vorbehalte, ob man sich ohne Erlaub­nis an fremdes Frachtgut heranmachen dürfe ... aber die Tierliebe siegte, ein paar Drahtnägel lösten sich und damit die Verstrebungen des Deckels. So war der mitAchtung, lebender Hund!" deklarierten Fracht der Weg frei gegeben, und mit einem auf­jauchzenden Gebelle sprang ein reizender kleiner Fox-Terrier an das Licht des Tages. Ein ganz junges allerliebstes Tierchen wurde da sozusagen vor' unseren Augen neugeboren. Und so gebärdete es sich, daß es eine helle Freude roor.

Dieses Spiel wiederholte sich noch mehrmals. Und wenn dieses Viehchen in seinem jungen Dasein schon einmal gereift sein sollte, so bestimmt nicht in so angenehmer, ja rührend liebenswürdiger Gesell­schaft wie auf diesem Flug. In Genf vergaß ein Dutzend Flugpassagiere an Stelle eines ausgefalle­nen Mittagessens die sonst obligatorische Fleisch­brühe einzunehmen, und später in Marseille, wo die Maschine wieder zwischenlandete, verschmähte selbst der männliche Teil der Fluggäste den guten franzö­sischen Kognak, der hier bereitzustehen pflegt. Und nur dieser junge Pimpf, dieses lustige Hundegeschöpf

technische Ausgestaltung weit und breit nicht ihres­gleichen haben dürste. Tief in den Waldboden ein­geschnitten, zeigt sie auf der einen Seite die auf sechs Terrassen befindlichen Sitzplätze, über diesen Terrassen das schmucke Klubhaus mit seinen Um­kleide-, Bade-, Dusch- und Wirtschaftsräumen und auf der anderen Seite das vorschriftsmäßige Sport­feld mit dem Fußballgelände, der großen Laufbahn, den verschiedenen Sprungbahnen und um all dies herum die Stehplätze

Die neue Sportstätte wird fortanDon-Tscham- mer-und-Osten-Kampfbahn" heißen. Der Neichssport- führer hat ihr seinen Namen gegeben, weil er nicht nur ein Freund des Sports, sondern auch ein Freund unseres Bades ist. Man wird auf dieser neuen Kampfstätte ausgezeichneten Sport sehen, aus dem das Repräsentativspiel der Auswahlmannschaften der Gaue Mitte und Oberhessen hervorragt.

Die Sportkämpfe beginnen bereits um 14.30 Uhr mit einem Handball-Auswahlspiel des Kreises 11 gegen Kreis 8. Omnibuspendelverkehr vom Bahnhof zur Kampfstätte ist eingerichtet. (Siehe auch die heutige Anzeige!)

Gau Nordhessen Gau Hlitte.

Der Gau Mitte, der in einem beispiellosen Sie- aeszug alsAußenseiter" den DFB.-Pokal gewann, hat für die nächste Woche drei Freundschaftsspiele in Süddeutschland abgeschlossen. Zuerst spielt der Pokalsieger am Sonntag, 16. Juni, in Bad- Nauheim gegen den Gau Nordhessen, am Mittwoch, 19. Juni, ist in Stuttgart der Gau Württemberg der Gegner und am Samstag, 22. Juni, folgt in Mainz das Revanchespiel mit dem Gau Südwest, der bekanntlich als Ver­teidiger des DFB.-Pokals schon in der Vorrunde vom Gau Mitte ausgeschaltet wurde. Der Gau Mitte hat mit der Mannschaftsaufstellung für die Süddeutschlandreise lange gewartet und nun, nach­dem ein der Talentsucye dienendes Probespiel in Apolda mißlang, die gleiche Mannschaft aufgestellt, die die Mehrzahl der siegreichen Pokalspiele be­stritt. Die Aufstellung lautet: Tor: Tschach (Gelbrot Meiningen); Verteidiger: Riechert (Viktoria 96 Magdeburg), R. Müller (VfL. Halle 96); Läufer: Werner (1. SV. Jena), Böttger (Sportfreunde Halle), Tetzner (Wacker Halle); Stürmer: Schüßler (1. SV. Jena), H. Müller (Sv. Steinach 08), Stau­dinger (Mühlhausen 99), Reinmann (Germania Il­menau), Schlag (Wacker Halle).

400 Flieger in Hirzenhain.

Olympia-Ausscheidungswettbewerb im Segelflug.

Die Fliegerlandesgruppe XI Darm­stadt ist der Veranstalter eines Ausscheidungs­wettbewerbs für die Teilnahme am Olympiawett­bewerb der Rhön, der in den Tagen vom 16. bis 22. Juni auf dem Gelände der Segelflug-Haupt- prüfungsfteUe Hirzenhain vor sich gehen wird. In den Ausscheidungswettbewerb teilen sich auf An­ordnung des Präsidiums des Deutschen Luftsport­oerbandes die drei westdeutschen Fliegerlandes­gruppen Darmstadt, Westfalen und Rheinland, so daß mit einer Belegschaft von Flugmaschinen, Pilo­ten und den dazugehörigen Startmannschaften zu rechnen ist, wie sie in diesem Umfange bisher* nur auf der Wasserkuppe in Erscheinung getreten ist. Der diesjährige Rhönsegelflugwettbewerb fällt bekannt­lich mit den Ausscheidungswettkämpfen zur Olym­piade 1936 zusammen. Es sind daher in Hirzenhain in der kommenden Woche Leistungen zu erwarten, die alle bei früheren Gelegenheiten gezeigten in den Schatten stellen werden. Den Siegern aus dem Hirzenhainer Wettbewerb wird erst die Teilnahme an der Endausscheidung auf der Wasserkuppe offen» stehen. Von der Größe der Veranstaltung kann man sich eme Vorstellung machen, wenn man erfährt, daß nicht weniger als 25 Hoch- lei st ungsmaschinen startbereit sind. Rund 400 Flieger, darunter allein 80 aus dem Be­reich der Landesgruppe Darmstadt, werden in diesen Tagen Hirzenhain bevölkern.

Die Vorbereitungen zu dem Wettbewerb, dessen Leitung in den Händen des Segelflugreferenten der Fliegerlandesgruppe Darmstadt, Dr. Ouvrier, liegen wird, sind in vollem Gange. Gestern weilte der Leiter der Abteilung Segelflug im Präsidium des Deutschen Luftsportverbandes, Flugkapitän Röhre, in Hirzenhain, um die vorhandenen Ein­

trug die Schuld daran.Que precioso!", rief ein über das andere Mal der alte mit uns reisende Spanier aus, und man weiß doch, daß sonst der Svanier kein großer Tierfreund ist. Die hübsche Frau aus Detroit, die auch dabei war, versäumte keine Gelegenheit, nachfood" für ihrenpretty little dog" umherzupirschen. Und der Rest gab sich alle Mühe dem Tierchen die nötige Bewegungsfrei­heit zu verschaffen.

Wir trafen flugplanmäßig in Barcelona ein. Da haben wir wirklich schweren Herzens von un­serem amüsanten Reisebegleiter Äbschied nehmen müssen. Die Kiste wurde wieder gut vernagelt, und es war ein ähnliches Bild wie zuerst in Tempelhof. Aus der Gegend des Fluggepäckes drang ein jäm­merliches Gejaule zu uns herüber.

Aber weder wir, noch die Fluggesellschaft oder der Chauffeur, der uns jetzt vom Flughafen in die Stadt bringen sollte, haben mit der schlaglochzerfres­senen Straße oder der Lebhaftigkeit dieses Flug­gastes gerechnet. Unterwegs geschah dann das Un­glück ..'. Unser Freund war mit der übrigen Fracht auf dem Deck des Autobusses untergebracht worden, und da müssen sich aus irgendeinem Grunde die Bretterwände der Hundekiste gelöst haben. Wir wurden wieder einmal heftig durch ein Schlagloch geworfen, als unser gemeinsamer Freund in hohem Bogen vom Dach des Wagens auf die Straße ge­schleudert wurde. Es wäre müßig, die erregten Stimmen wiederzugeben, die sich hier gegen den Chauffeur wandten und die anklagend barlegten, wie Aufmerksamkeit und Sorgfalt auf einem weit über 1000 Kilometer langen Luftweg gewaltet hät­ten und wie ausgerechnet hier, auf dieser kurzen Autofahrt das Unglück verzeichnet werden müßte

Die Geschichte hat doch noch ein glückliches Ende gefunden, wenn es auch zunächst schien, als ob der armen Hundeseele die letzte Stimde schlagen m-5.sse. Ich habe mich nach seinem Schicksal erkundigt. Ein paar Tage gute Pflege haben ihn wieder reisefähig gemacht, und in der Zwischenzeit ist unser Freund, der Hund, wohlbehalten (wiederum als Fluggast, versteht sich) in seiner neuen Heimat eingetrosfen. Ich habe die Anschrift seines Herrn vergessen. Es war ein gottverlassenes Nest auf den Kanarischen Inseln, wo ja wohl genug Muße herrscht, um sich von den Anstrenaungen, Aufregungen >.'nb einer Pn' ' ^?ise zu erholen.