Nr.M Zweiter Blatt
MeßenerAnzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Dienstag, H. Mai (935
Soldaten einer Ldee.
Von Viktor Lutze, Chef des Stabes der SA.
Als Adolf Hitler Politiker wurde und seinen Kampf um Deutschland begann, war er Soldat. Als unbekannter Gefreiter hatte er den Weltkrieg mit allen seinen Leiden und Bitternissen an der Front erlebt. Wie bei vielen seiner Kameraden hatte sich in diesem Fahr auch in seiner Seele ein Umbruch in der Anschauung des Lebens und aller seiner Dinge vollzogen, eine völlige Umwertung der Reihenfolge der sonst in der bürgerlichen Welt anerkannten Anschauungen und Begriffe. Im Angesicht des Todes blieb nur das Echte und Wahre im Menschen von Bestand. Die Aeutzerlichkeiten der Zivilisation fielen von ihm ab wie die Schlammkruste von Uniform und Helm. Was blieb, das war die nackte Menschenseele mit all ihren Fehlern und Tugenden, und was die deutsche Front durch viereinhalb Jahre hindurch in diesem Grauen und Dreck des feindlichen Vernichtungswillens bestehen ließ, das waren die ewigen Werte deutschen Soldatentums: Ehre, Treue, Pflichterfüllung, Gehorsam und Kameradschaft.
Seitdem germanische Krieger über Europa zogen, seitdem germanische Heerscharen von Europa aus die Kultur und Zivilisation in die Welt trugen und mit ihrem Schwert und Schild beschirmten, waren diese Tugenden ihre Leitsterne. Und im Umbruch dieser Werte an den Fronten des Weltkrieges brach das ursprüngliche deutsche Wesen sich wieder Bahn; es begann die deutsche Revolution!
Ein neues Lebensgefühl trug der Soldat von der Front mit in die Heimat: soldatische Haltung. Und als das Frontheer in die Heimat zurückströmte, da wurde der grelle Gegensatz offenbar zwischen Werten dieses Soldatentums und der geistig-seelischen Zersetzung der Heimat.
Voll brennender Scham erlebte Adolf Hitler, wie jüdische und andere volksfremde Elemente ungehindert ihr verbrecherisches Unwesen in Deutschland treiben durften und moralisch und politisch die deutsche Volksseele vergiften konnten. Unter dem Vorwand, für die „Freiheit der Menschenrechte" und für die „Befreiung des unterdrückten Arbeiters" zu kämpfen, wurde der nachweislich vom Feind bezahlte Novemberverrat im Gewände des Marxismus unter dem Deckmantel zentrümlicher Tolerierung legalisiert und der todwunden kämpfenden Truppe der Dolch in den Rücken gestoßen.
Ohnmächtig, gaserblindet mußte Adolf Hitler erleben, wie in der Stunde höchster nationaler Not das Zentrum und die marxistischen Parteien das tiefere religiöse Empfinden deutscher Menschen und die echte Sehnsucht nach einem sozialen Ausgleich aller schaffenden Deutschen zur Durchsetzung ihrer internationalen Parteiinteressen mißbrauchten und in der Revolte vom November 1918 dem Soldaten an der Front das blanke Schwert zerbrachen. Dabei wurde dem Führer eines klar: dieser größte aller weltgeschichtlichen Zusammenbrüche, der nach einem unerhört siegreichen Kampf an allen Fronten den deutschen Soldaten zur Kapitulation zwang, konnte nur geschehen, weil sich der deutsche Mensch in seinem Denken und Fühlen und in seiner politischen Organisation von den Grundgesetzen seines ureigenen Wesens und den organischen Werten seiner Rasse abgewandt hatte und einem System huldigte, das ihm innerlich fremd war. Der Pluralismus der Demokratie und die Freizügigkeit des Liberalismus konnten nur solange im deutschen Volke von Bestand sein, als der Staat in den altgermanischen Tugenden wurzelte. Mit dem Zusammenbruch dieses Rahmens mußte das Chaos eintreten.
Oer Geist der Front.
Nicht vermochten es aber die äußeren und inneren Feinde trotz heftigster Bekämpfung aller soldatischen Empfindungen und Regungen, trotz der Bemühungen um eine „moralische Abrüstung" des deutschen Volkes, den Geist der Front zu zerstören, der Geist aber kann niemals für sich allein wirksam werden, er braucht einen Körper, um sich zu manifestieren und einen Willen, um sich durchzusetzen.
Der Führer und sein Stabschef. — (Aufnahme: G. Haller.)
In dem unbekannten Gefreiten des Weltkrieges flammte der leidenschaftliche Wille empor, diesem Geist, der seine Kameraden an der Front und ein ganzes Volk um seiner Ehre willen zu den höchsten Opfern befähigt hatte, einen Körper zu schaffen, ein Instrument, mit dem die Schmach des Novemberverbrechens wieder gut gemacht und dem Deutschen seine Ehre wieder erkämpft werden könnte.
Bei der damaligen Lage schien ihm ein taugliches Mittel zur Durchsetzung seines Willens eine Gemeinschaft jener Menschen, deren Charakterwerte und soldatische Tugenden sich im Schützengraben offenbart hatten. Adolf Hitler schuf mit einigen seiner Kriegskameraden die Partei. Die Partei sollte das Instrument sein, mit dessen Hilfe er das Glaubensbekenntnis des nationalen Sozialismus in die Herzen und Hirne der deutschen Menschen einhämmern wollte.
Faust gegen den Terror.
Dies Erkennen nutzte die seit dem November 1918 herrschende schwarz-rote Koalition mit allen ihr zu Gebote stehenden privaten und staatlichen Machtmitteln rücksichtslos aus, um jedem ihrem Wollen nicht gsnehme politische Willenskundgebung und die Aufklärung des Volkes im Keime zu ersticken. Die Organisationen des Marxismus beherrschten unumschränkt die Straße und damit das gesamte politische Leben. Wollte Adolf Hitler nicht von vornherein darauf verzichten, einst die praktischen Folgerungen aus seiner Lehre zu ziehen, so mußte er dem Terror der anderen ebenfalls mit der Faust begegnen.
Daher bildete er zum Schutze der Aufklärungsarbeit seiner jungen Partei eine kleine Ordnergruppe. Der erste großangelegte Versuch der Maxisten, den jungen Nationalsozialismus im Keime zu ersticken, scheiterte an dem unerhörten Kampfgeist dieser Truppe, die dann in Tausenden von Straßen- und Saalkämpfen sich das Recht auf
die Straße erzwang. Seitdem die ersten 46 Mann 800 Marxisten aus dem Felde schlugen, tragen wir als Anerkennung des Führers den Namen „Sturmabteilung" — SA.
Seit jenem Tage, hat die SA. ihrem Namen Ehre gemacht uno in opferreichstem, 14jährigen Ringen der Partei die Straße, dem Führer die politische Handlungsfreiheit und dem deutschen Soldaten der Front seine Ehre erkämpft.
Ein Soldat begann das Werk.
Adolf Hitler begann sein Werk als Soldat. Auf den soldatischen Grundpfeilern des deutschen Charakters baute er das Wesensgefüge seiner Idee und Partei auf. In den soldatischen Tugenden ermg er die Mannschaften der SA. und in ihnen sollen weiterhin nach seinem Willen die kommenden Generationen erzogen werden, um so ein für allemal au verhindern, daß die einheitliche politische Linie Des Nationalsozialismus einmal irgendwie abgebogen werde.
Im Nationalsozialismus schuf Adolf Hitler eine Synthese von Nationalismus und Sozialismus, auf deren Grundlage die Ueberwindung des Klassenkampfes auf der einen und des Standesdünkels auf der anderen Seite möglich war. Zwei eherne Gesetze waren Ausdruck dieser Synthese: Die Ueberwindung des Eigennutzes durch den Geist der Gemeinschaft und die Volkwerdung in dieser Gemeinschaft. In den braunen Bataillons haben diese beiden Ideale zuerst Gestalt angenommen. In der SA. ist die Volksgemeinschaft keine schöne Phrase, hier steht tatsächlich der Arbeiter neben dem Prinzen, der Student neben dem Angestellten und Handarbeiter, der Bauer neben dem Beamten alle im schlichten Braunhemd, gleich: in Reih und Glied.
Lebende Gemeinschaft.
Tausende von Arbeitern hätten den Weg zur deutschen Nation nie gefunden ohne die SA. Die
SA. ging in ihre Elendsquartiere, ihre Stempelstellen, holte sie von der. Straße hinweg: in ihre Reihen. Sie suchte die Diskussion und konnte überzeugen. Sie siegte durch die Ehrlichkeit ihres Wollens und durch die Kraft ihres Glaubens. In Tat und Beispiel, in Kampf und Blut wurde in der SA. die soldatische Forderung Adolf Hitlers lebendige Wirklichkeit, wuchs in Kampf und Not ein neuer Menschentyp: Der Soldat einer Idee.
Was von oben durch die Kaiser des Mittelalters, durch einen Friedrich den Großen und Bismarck nicht vermocht wurde, geschah durch die typenbildende Kraft der SW-mäßigen Erziehung im Nationalsozialismus von unten: Die Herausstellung eines neuen deutschen Menschentyps, in dem sich die soldatischen und politischen Kräfte des germanisch-deutschen Wesens verkörpern, und die Vollendung der Revolution sehen wir in der immer klareren Ausprägung dieses neuen Menschentyps in immer größerer Zahl.
Der Nationalsozialismus steht erst am Anfang. Wir denken in langen Zeitperioden. Die erste Periode war die des Kampfes um die Macht und ihre Festigung im Staate. Sie ist abgeschlossen.
Die zweite Periode beginnt. In ihrem Mittelpunkt steht einzig und allein der deutsche Mensch. Die SA. hat in den hinter uns liegenden Jahren des Kampfes in der Einschmelzung des aus allen Lagern ihr zuströmenden Menschenmaterials ihre ganz besondere Eignung und Befähigung zur Erziehung im nationalsozialistischen Sinne erwiesen: Sie wird weiter wirken in der Formung des neuen Menschen: als Vorbild und Erzieher, Damit der Nationalsozialismus nicht allein Lippenbekenntnis bleibe, sondern lebendige Lebensform werde.
Rudolf Heß in Stockholm.
Stockholm, 13.Mai. (DNB.) Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß ist mit seiner Frau, dem deutschen Gesandten Prinz zu Wied, Reichsärzteführer Dr. Wagner, sowie Professor Haushofer in Stockholm eingetroffen. Die beiden Stockholmer Abendblätter „Nya Daglight Allehanda" und „Aftonbladet" bringen Aeußerungen, die der Reichsminister während der kurzen Zwischenlandung in Malmö den schwedischen Pressevertretern gemacht hat. Rudolf Heß wies u. a. darauf hin, daß es fein erster Besuch in Schweden und, gleichzeitig seine erste Ausland s f a h r t fei, die er a l s R e i ch s m i n i st e r unternommen hätte. Der Grund seines Besuches sei eine Einladung, im Hause der schwedischen Gesellschaft einen Vortrag über das neue Deutschland zu halten. Der Vortrag, der am Dienstagabend stattfindet, soll durch Teile des Films „Triumph des Willens" ergänzt werden. Das Interesse für den Vortrag ist ungemein groß. „Nya Daglight Allehanda" bringt seine Meldung mit der Heberschrift „Hitlers nächster Mann in Stockholm" und hebt besonders die Tatsache hervor, daß er ein „ausgeprägter Friedensfreund" sei. Zur Bekräftigung hierfür werden einige Sätze aus seiner Königsberger Rede an die Frontkämpfer angeführt.
Keine „G-andarien der Arbeii".
Berlin, 13. Mai. (DNB.) Reichsorganisationsleiter Dr. Ley hat folgende Anordnung getroffen: Es ist mir gemeldet worden, daß einige B e - triebsgemeinschaften „Standartender Arbeit^ eingeführt haben. Ich untersage dies hiermit. Begriff und Bezeichnung „Standarte" sind und bleiben der SA. und SS. vorbehalten.
CREME: 15 Pf.—RM 1.00 / DL: 35 Pf.-RM 1.20
Aus derWettstatt des Glasmalers
Von Erhard Monk, Marburg.
Der Verfasser ist der erste Preisträger im Wettbewerb um die Glasmalereien des Reichsmarine-Ehrenmals in Laboe an der Kieler Förde.
Die Glasmalerei ist die Kunst des Zusammensetzens farbiger Gläser. Im Gegensatz zu den einfachen Fensterverglasungen hat das Buntfenster den Zweck, das Tageslicht nur gedämpft in den Raum einzulassen. Die Mosaikgläser verwandeln das grell einfallende Licht in Farbwerte. Wie em Teppich eine Maueröffnung verschließen und zugleich schmücken kann, so soll auch em Glasfenster dem Jnnenraum zur Geschlossenheit und Verschönerung verhelfen. Wie der Glasmaler die einzelnen bunten Gläser zusammensetzt, ist entscheidend für die Leuchtkraft des Fensters; der geringste Fehlgriff, ein falscher Farbton kann die Einheit des Werkes zerstören. Die Entwicklung der einmal gefaßten Idee in der zeichnerischen Komposition und in der farbigen Harmonie bestimmt den künstlerischen Wert des Fensters.
Nachdem der Künstler in mehreren Skizzen die Idee festgehalten hat, zeichnet er mit Kohle rem linear den Karton: das Fenster in natürlicher Größe. In diesem Karton ist nun ^on jeöes farbige Stück, das man später in dem Glasfenster sieht, fest Umrissen, wie auch jede Einzelheit, zum Beispiel der Ausdruck eines Gesichtes, bis ins letzte durchgearbeitet ist.
Nach dieser künstlerischen Arbeit beginnt der erste technische Arbeitsgang. Für jedes eingezeichnete kleine Stückchen muß eine Papierschablone angefertigt werden, nach der später das Glas geschnitten werden kann. Zu diesem Zweck wird mit Hilfe von Blaupapier die ganze Kartonzeichnung auf Schablonenpapier durchgepaust. Da aber die Kartonzeichnung schmale und breite Linien aufweist, muß der Glasmaler bei der Pause darauf achten, daß er mit seinem dünnen und spitzen Pausstift genau die Mitte dieser Linien einhält. Die auf dem Scha- blonenpapier entstandenen schmalen Linien werden mit einem Messer, das zwei dicht nebeneinander parallel laufende Klingen hat, ausgeschnitten. Jetzt ist die Zeichnung auf dem Schablonenpapier in all ihre kleinen und allerkleinsten Teilchen zerlegt. Diese einzelnen Stückchen müssen aber wieder so nebeneinander gelegt werden, daß das Ganze der Kartonzeichnung entspricht
Jetzt „stimmt"- der Künstler das Fenster, das heißt: für jede Schablone wählt er aus des far
bigen Hüttengläsern den passenden Ton. Dies ist nach der Zeichnung die wichtigste künstlerische Arbeit, die sehr starke Sammlung und Vorstellungskraft verlangt. Denn dem Glasmaler muß bei der Auswahl eines jeden Farbtons ständig vor Augen sein, wie dieser in der ganzen Komposition stehen wird. Ist für ein Schablonenstück das richtige Gigs gefunden, so wird es mit einem Diamanten danach geschnitten und an seinen Platz gelegt.
Nach Beendigung dieser Arbeit werden die Gläser abgewischt und an die entsprechenden Stellen der Kartonzeichnung aufgelegt. Mit der Glasfarbe, dem Schwarzlot, malt der Künsller den Gläsern die leicht durchschimmernde Zeichnung auf. Wenige Stunden muß diese Farbe trocknen, dann beginnt das „Aufwachsen" auf die Staffelei. Diese gleicht einer Schaufensterscheibe, die dicht am Atelierfenster gegen das Tageslicht aufgestellt ist. Stück für Stück klebt der Maler mit Wachs an die Staffelei und baut sich auf diese Weise behelfsmäßig sein ganzes Fenster zusammen.
Jetzt kann er überprüfen, ob die von ihm aus- gewählten Farbgläser nach seinem künstlerischen Entwurf zusammenstimmen. Dem Werk fehlen aber noch Schattierungen innerhalb der einzelnen Gläser. Um diese zu erreichen, wird das ganze Fenster mit einer graubraunen Farbschicht überzogen. Ist der Heber» zug getrocknet, wischt der Künstler mit Daumen ober Handballen von der Heberzugsschicht so viel weg, daß sie nur dort stehen bleibt, wo sie zum Schattieren und Abstufen wichtig ist. Die verschiedenartige Anwendung dieser Heberzugstechnik bietet dem Maler unbegrenzte künstlerische Möglichkeiten.
Vorsichtig werden die Gläser von der Staffelei genommen und in einem besonders konstruierten ifen gebrannt. Bei diesem Vorgang brennt die aufgemalte Farbe in das Glas ein; um ein einwandfreies Einbrennen zu erzielen, ist große Erfahrung notwendig. Erst am nächsten Tage sind die Gläser so weit abgekühlt, daß sie mit Hilfe von Bleiruten zusammengefügt werden können.
Jetzt ist das Glasfenster — das je nach Größe in einzelne rechteckige Felder untergeteilt ist — soweit fertig, daß es an feinen Bestimmungsort gebracht und eingesetzt werden kann.
Diese kurze Schilderung mag gezeigt haben, welche Mühe die Herstellung eines Glasgemäldes erfordert und wie sehr künstlerisches und handwerkliches Können zusammengehen müssen, um ein vollendetes Werk zu schaffen. Es kann kein Zweifel bestehen, baß auch bie Schöpfungen ber großen mittelalterlichen Meister nur aus biefcr innigen Verschmelzung von handwerklichem und künstlerischem Können geboren wurden.
„Nie Katz' im Gack."
Dieses Lustspielchen, ausreichend gerade für einen harmlos unterhaltenden Abend oder Nachmittag, wurde von Johs. F e t h k e nach einem ungarischen Stück von S z i l a g y i und E i f e m a n n in ein deutsches Drehbuch umgewandelt und von Richard E i ch- b e r g mit allerlei schwankhaften Späßchen verziert und in munterer Laune gekurbelt: es ist, alles in allem, die Geschichte eines kleinen und hausbackenen Mädchens, das sich in einen eifrigen und eiligen Sportsmann Knall und Fall verliebt hat. Dieser wilde Rennfahrer macht sich aber wenig aus Frauen, und wenn er eine feines Blickes würdigt, dann muß sie mindestens sportlich interessiert sein und „Benzin im Blut haben". Eine schauderhafte Vorstellung, nebenbei bemerkt; aber es ist sozusagen das Stichwort für Magda Schneider, die hier um einer Leidenschaft willen jäh „erblondet" und auch sonst erstaunliche Verwandlungen durchmacht. Gelegentlich läßt ihr die Rolle sogar einen Augenblick Zeit, den Zuschauer daran zu erinnern, daß sie mehr kann, als unverbindliche Lustspielfiguren spielen, ein bißchen fingen und einen Csardas tanzen. (Diesmal nicht mit Benzin, sondern mit Tokaier im Blut.) Vor langer Zeit hat sie eine wirkliche Leistung gezeigt — in „Liebelei" —, und man würde sich freuen, diese Darstellerin wieder einmal vor eine ähnliche Aufgabe gestellt zu sehen. Theo Lingen macht den Heiratsvermittler und wirkt, obwohl er nichts Neues bringt, stellenweise unwiderstehlich komisch. Albach- R e 11 y als eleganter Sportsmann, Tina Eilers, Julie S e r d a und M e y e r i n ck seien noch genannt. — Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus. Vorher sieht man den Anreißer zu der Operette „Polenblut". Aus der Wochenschau interessieren Bildberichte von der Berliner Maifeier, aus Abessinien und vom Turniersieg unserer Offiziers in Nizza. —r—
Kolonialerwerbung im Jahre 1669 durch einen Hanauer Grafen.
Obwohl wir leider unsere durch rastlosen Fleiß in einen blühenden Zu stank» versetzten Kolonien nicht mehr besitzen, ist es nicht uninteressant, zu erfahren, daß schon im Jahre 1669 Friedrich Kasimir, Graf von Hanau-Lichtenberg, den allerdings seine Zeitgenossen als einen gar „wunderlichen Herren" bezeichnen, eine Kolonialerwerbung vorgenommen hat Allerdings hat die Sache ein unrühmliches En^e genommen. Immerhin ist der joigang, der mehrere Jahrhunderts zurückliegt, lesenswert. Friedrich Kasi-
mir hatte im Jahre 1647 die Regierung der Grafschaft Hanau-Lichtenberg angetreten und alsbald, 24 Jahre alt, die um 20 Jahre ältere Witwe des Grafen Philipp Moritz, Sibvlle Christine von Anhalt-Dessau, geheiratet. 1656 nahm er den durch sein satirisches Werk bekannt gewordenen Johann Michael M o - scherosch in seinen Dienst. Zwei Abenteurer, Joh. Joachim Becker und Friedrich Kretzschmar, trafen etwas später ein, die den Grafen Friedrich Kasimir beredeten, mit der Westindischen Kompanie zu Amsterdam einen Vertrag abzuschließen, nach welchem er in Südamerika einen Landstrich (30 Meilen längs der Küste und 100 Meilen landeinwärts) zwischen dem Amazonenstrom und Orinoko zu ewigem Lehen erhalten sollte. Alles Land längs der Küste, das binnen zwölf Jahren nicht bebaut sei, solle an die Gesellschaft zurückfallen. Die Erwerbung sollte „Neu- Deutschland" oder „Hanauisch-Jndien^ genannt werden. In der staatlichen Kunsthalle zu Karlsruhe ist seinerzeit ein Historienbild gefunden worden, das im Jahre 1669 von dem Gräflich-Hanau ischen Hofmaler I. D. Welker gemalt worden ist und in allegorischer Weise die genannte Kolonialerwerbung durch den Grasen Friedrich Kasimir im Jahre 1669 dar- fteilt. Merkur läßt durch einen dem Grafen von der Holländisch-Westindischen Kompanie geschenkten „an- golischen Mohren" die Schätze der neuen Kolonie überreichen. Graf Friedrich Kasimir, der, wie die damaligen Räte selbst erklärten, gar willfährig und geneigt war, sich durch eigennützige Leute zu allerh md höchst schädlichen Handlungen verleiten und verführen zu lassen, war durch diese Hnternehmung in große Geldverlegenheit geraten und versetzte daher seinem Freunde, dem Landgrafen Georg Chri - st i a n von Hessen-Hamburg das Amt Rodheim für 9000 Taler, die dem Grafem jedoch bald von einem anderen Abenteurer für ein Wachsfigurenkabinett abgelockt wurden. Im Jahre 1672 hat der Graf Friedrich Kasimir von Hanau sein „Königreich am Ornoko" dem König von England anbieten lassen, der auf den Handel jedoch nicht einging. Weiteres ist über das Schicksal der Erwerbung nicht bekannt geworden.
Hochschulnachrichten.
Der Observator Professor Dr. Werner Kol» Hörster an der Hniversität Berlin ist zum ordentlichen Professor in der Berliner Philosophischen Fakultöt ernannt worden.
Professor Dr. G. I a n d e r , Extraordinarius für anorganische Cb^mi"> an der Hniversität Göttin- .gLn , i|t zum ordentlichen Professor an der Universität Greifswald ernannt worden.


