An die Führer der Betriebe in Hessen-Man
3n den letzten Jahrzehnten war der Einbruch der kalten Jahreszeit mit Massenentlassungen in vielen Berufszweigen verbunden. Das war ein Schrecken, der Hundertlausende deutscher Menschen mit unerbittlicher Regelmäßigkeit traf, der sie während des ganzen Jahres nicht glücklich vnd nicht froh werden lieh.
Ml dem siegreichen Einzug der vom Führer gepredigten neuen wirtschaftsgesinnung, unseres Sozialismus. der eine Versiltlichung der Beziehungen der Menschen untereinander fordert, der die Be- triebsgemeinschaft schuf, ist gleichzeitig Einsicht und Mitgefühl in die Kreise der Wirtschaftsführer ein- gezogen.
In den letzten beiden Wintern wurde den massenhaften Aussperrungen Einhalt geboten. Viele Be- kriebsführer hielten ihre Gefolgschaft unter schweren und schwersten Opfern und bewiesen, dah sie Deutsche sind, dah sie das Recht haben, Deutsche zu führen, wir wollen die Haltung dieser Männer anerkennen. Den Dank für ihre' Talen haben sie in dem Bewuhtsein der restlos erfüllten Pflicht bereits gefunden.
wir erwarten, dah jeder Betriebsführer seine Gefolgschaft auch in diesem Winter hält, sie schützt
und sich um sie sorgt. Die Idee der Schicksalsgemeinschaft muh auch den Letzten erfassen. Auch dieser muh begreifen, dah seine Kameraden, die für ihn und mit ihm für die grohe deutsche volksge- meinschaft ihr Bestes hergeben, nicht unverschuldet in die seelische und materiellen Bedrängnisse der Arbeitslosigkeit ausgeliefert werden dürfen.
Bei den Betriebsführern liegt es, den Arbeils- kameradea ein zweites heim, eine zweite Familie: den Betrieb zu schenken. Zeigt, dah ihr Rational- sozialislen, Mitglieder der stolzen deutschen Volks- gemeinschaft seid, und euch würdig erweisen sollt, im Zeitalter Adolf Hiller zu wirken.
heil Hitler!
(ge3.) I. Sprenger, Gauleiter und Relchsstatthalter.
(gez.) w. Becker, MdR., Landesobmanu der RSBO. und Gauwalter der DAF.
(gez.) Schwarz, Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen.
würdig dem außerordentlichen Tag im Dasein des Gloria-Palastes, und sie bot den Besuchern einen erlesenen künstlerischen Genuß.
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Rückschauend auf den guten Auftakt des Gloria- Palastes wäre am Schlüsse dieses Berichtes nur noch zu sagen, daß die besten Wünsche aller Freunde der guten Filmkunst und ihrer Psleaestätten m unserer Stadt das neue Unternehmen für sein Wirken begleiten.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Brot für hilfsbevürftigeVolksgenosten!
Das Jungvolk wird, wie im Vorjahre, auch diesmal lm Kampfe gegen hunger und Kälte eine Brotsammlung für die hilfsbedürftigen Volksgenossen durchführen. Die jugendlichen Sammler wollen dieses Liebeswerk am kommenden Samstag vollbringen, wer sich erinnert, welch' reicher Segen im vorigen Jahre auch aus der Brotsammlung den hilfsbedürftigen Familien zuleit werden konnte, der wird gewiß nicht zögern, sich auch jetzt wieder mit aller Kraft an dec Brotspende zu beteiligen. Möchten die kleinen Sammler bei der Arbeit für diejenigen Alterskameraden und deren Eltern, die der Unterstützung dringend bedürftig sind, überall die stärkste Förderung erfahren und wieder, wie im vorigen Winter, mit hochbeladenen Handwagen und dergleichen die Brote zur Sammelstelle bringen können!
Dornoii en
Tageskalender für Mittwoch.
DAF., Ortsgruppe Gießen-Oft: 20 Uhr, in der „Germania", Appell sämtlicher DAF.-Walter. — NSLB., Bezirk Gießen, Fachschaft körperliche Erziehung: 15.45 Uhr, in der Neuen Pestalozzischule, Pflichtarbeitsgemeinschaft. — NSG. Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.30 Uhr, allgemeine Körperschule im Lyzeum, Dammstraße; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr, Reiten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr, „Der Mann mit den grauen Schläfen". — Gloria-Palast, Selters- weg: „Die Pompadour". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Künstlerliebe".
Stadttheater Gießen.
heute, von 19.30 bis 21.45 Uhr Erstaufführung des entzückenden Lustspiels „Der Mann mit den grauen Schläfen" von Leo Lenz. Spielleitung: Hans von Spallart. 7. Mittwoch-Abonnement.
N Ortsgruppe sie en-Oft.
Freitag, 15. November, abends 8.30 Uhr, im Ca,6 Leiv Kundgebung. Es spricht: Pg. Jean B u l l m a n n , Kreisleiter z. b. V.
Wir laden hierzu alle Volksgenossen herzlichst ein! Für Parteigenossen und Mitglieder der Gliederungen ist die Teilnahme selbstverständliche Pflicht! Eintritt frei!
Deutsche Arbeitsfront,
kreisjugendwaltung Gießen.
Da der bisherige Jugendwalter der DAF., Jg. Walter F r i tz g e s , sich zum Heeresdienst gemeldet hat, wurde als Kreisjugendwalter der Stammfüh- rer Dr. Rich. Schmidt eingesetzt.
Gleichzeitig mußte die Stelle der Kreisjugendreferentin neu besetzt werden, da die Jgn. Gretel Reichard einen ehrenvollen Ruf als Bezirksreferentin bei der Gaujugendwaltung Frankfurt am Main erhalten hat. An ihre Stelle tritt die Jgn. Elisabeth Wall.
An dieser Stelle sei sowohl Walter Fritz g es, wie Gretel Reichard für die aufopfernde Tätigkeit an der Jugend besonders gedankt.
Die Sprechstunden sind für Jungens: Dienstags von 19 bis 21 Uhr; Donnerstags von 15 bis 17 Uhr. Für Mädels: Montags von 20.15 bis 22 Uhr; Donnerstags von 10.15 bis 11.25 Uhr und von 18 bis 19 Uhr.
Eröffnung der zusätzlichen Verufsschulung.
Am 5. November wurde in Anwesenheit des Obermeisters der Friseure und des Kreisbetriebs- gemeinfchaftsjugendwalters Willi Zodel die zusätzliche Berufsschulung der Friseure und Friseusen in feierlicher Form eröffnet.
Der Kreisjugendwalter der DAF, Dr. Richard Schmidt, sprach über Sinn und Zweck der zusätzlichen Berufsschulung und verpflichtete die 24 Schulungsteilnehmer durch Handschlag. Er erwähnte,
daß der Besuch der zusätzlichen Berufsschulung für HJ.-Dienst angesehen und in der straffsten Art und | Weise durchgeführt wird. Bor jedem Schulungsabend wird ein Jugend-Appell durchgeführt, der ranqhöchste HJ.-Führer meldet dem Kursusleiter die Gefolgschaft. Erst wenn dieser Appell vorüber ist, geht es an die Arbeit. Nach dem Schulungsabend tritt wieder alles an. Es wird das HI.-Lied gesungen, ein „heil" auf den Führer ausgebracht und so der Abend beschlossen.
Der Kreisjugendwalter dankte den beiden Lehrkräften, Gewerbelehrer Tränkner und Friseur- meister Wahl jun., für die Bereitwilligkeit, die Schulung durchzuführen. Zum Schluß ergriff Obermeister Götz das Wort und wies auf den kommenden Reichsberufswettkampf und die Gesellenprüfung hin, betonte, daß es Pflicht jedes Jugendlichen fei, dem Beruf durch Leistung Ehre zu machen. Wie groß das Interesse der Innung an der Durchführung der zusätzlichen Berufsschulung ist, kommt auch dadurch zum Ausdruck, daß von dieser Seite diese Kurse finanziell unterstützt werden.
Kreis Ziehen.
Abteilung Bücher und Zeitschriften.
Der Kreisfachbearbeiter bittet nochmals dringend um Bezahlung aller Beträge für Zeitschriften (einschließlich heft 2). Rückstände werden öffentlich ge- mahnt.
Sportamt „Kraft durch Freude".
heute folgende Kurse:
Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.
Hallentennis für Frauen von 15 bis 16 Uhr, Volkshalle.
Reitenvon 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs.
Winlerfahrteu mit .KdF.".
Das Sportamt führt zusammen mit dem Amt für Reisen, Wandern, Urlaub verschiedene Winterfahrten in schneesichere Gebiete durch. Anmeldung und Auskunft auf dem Sportamt, Schanzenstratze 18, Telephon 2919.
Laudschastsbund Volkstum und Heimat
Orksring Gießen.
Donnerstag, 14. November, 20.15 Uhr, in der Aula des Gymnasiums: Lichtbildervortrag von Professor Dr. Hummel: „Wie unsere Heimatlandschaft entstanden ist." Lieder der Heimat, von Frau Steiner, gesungen von der Dichterin. Eintritt für Mitglieder des LVH., der angeschlossenen Verbände und des Goethebundes samt Angehörigen je 10 Pf., Nichtmitglieder 30 Pf.
Achtung!
Arbeitsbuch für Hausgehilfinnen.
Vom Arbeitsamt Gießen wird uns mitgeteilt: Alle in Haushaltungen beschäftigten Personen müssen jetzt Anträge auf Ausstellung eines Arbeits
buches stellen. Die vorgeschriebenen Antragsformulare sind durch das Arbeitsamt und dessen Nebenstellen kostenlos zu beziehen; auf dem Lande von den Bürgermeistereien. Die ordnungsmäßige Ausfüllung hat der haushaltungsvorftano (Arbeitgeber) zu überwachen; er ist auch dafür verantwortlich, daß die Anträge umgehend wieder dem Arbeitsamt zugeleitet werden.
Oekanatskonferenz des Evangelischen Sekanais Sieben.
Im Markusfaal zu Gießen trat am Dienstagnachmittag die Konferenz unter dem Vorsitz von Dekan Sattler (Wiefeck) zusammen und wurde von Pfarrer Trapp (Gießen) mit Schriftlesung (2. Kor. 6, 1 bis 13) und Gebet eröffnet. Besonders begrüßt wurden neben den Pfarrern im Ruhestand der neu in das Dekanat getretene Pfarrer König (Klein-Linden), ferner die Pfarrasfistenten Feix und Z f ch a u (Gießen), Damerau (Lollar). Der Baseler Missionar Michelfelder (China) wird im Dezember in verschiedenen Gemeinden mit Lichtbildern kommen. Mit der Verkartung und Verzettelung der alten Kirchenbücher wurde in einigen Gemeinden begonnen. Der Vorsitzende wies auf die Verhandlungen der letzten Woche in Darmstadt hin, an denen er zum Teil teilgenommen, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der neuen Kirchenregierung ihr Werk gelingen möge.
Hauptverhandlungsgegenstand war der Vortrag von Pfarrer Trapp (Gießen) über „Der Konfirmandenunterricht in der Gegenwart". Er bekannte sich dabei zu Hans Dittmars Grundsätzen für den Konfirmandenunterricht: 1. Im Mittelpunkt steht unverrückbar die Grundwahrheit des Evangeliums von Sünde — Gnade. 2. Der Konfirmandenunterricht fei kein Moralunterricht, sondern das am Evangelium ausgerichtete Gewissen forscht in jeder greifbaren Latze nach Gottes Willen. 3. Der Konfirmandenunterncht hat auch Wissen zu vermitteln. Daher haben die Kinder auch zu lernen: leicht Faßliches, nicht zuviel. 4. Dem Konfirmanden- unterricht wesentlich ist seine erzieherische Seite. 5. Der Konfirmandenunterricht sucht die erzieherische Kraft christlicher Persönlichkeiten auch unserer Zeit den Kindern des gegenwärtigen Zeitalters nahezubringen. Es darf nicht der Schein entstehen, als sei Christentum etwas nur früher einmal Gewesenes. 6. Der Konfirmandenunterricht muß möglichst aus der Umwelt der Kinder herauswachsen. 7. Der Konfirmandenunterricht soll frohe Botschaft bringen. 8. Der Konfirmandenunterricht muß das Kind in den Rahmen christlicher Gewöhnung hineinstellen (Lied, Gebet, Sonntag, Festzeiten, christliches Brauchtum). 9. Der Konfirmandenlehrer hat entsprechend den Ergebnissen der psychologischen und pädagogischen Wissenschaft die christlichen Wahrheiten zu vermitteln, ohne ihren Inhalt zu beeinträchtigen. 10. Es ist wichtiger für ihn, ein frommer Mensch, als „moderner Theologe" zu sein.
Eine lebhafte Aussprache schloß sich an den sehr
beifällig aufaenommenen Dortrag an. Die noch vorgesehene Behandlung des Bußtagstextes wurde wegen der vorgerückten Zeit abgesetzt. Der Leiter des Dekanatserziehungsoereins Pfarrer Bönning (Rödgen) richtete einen starken Appell um Mitarbeit an die Konferenz.
£angemarcf'$eier
bett Gießener Kameradschastshauses.
Die erste Feierveranstaltung des neuen Gießener Kameradschaftshauses, die am Montag dem Gedenken Langernarcks aalt, gewinnt besondere Bedeutung durch die Tatsache, daß hier aus der Jung- Mannschaft des NSD-Studentenbundes neue Formen studentischen Gemeinschaftslebens auch in der Feiergestaltung gesucht und geprägt werden. Die korporative Form der Kneipe und die traditionellen Hochs bei Wein und Bier — je nach der gesellschaftlichen Exklusivität einer Verbindung — passen nicht mehr in ein Drittes Reich, das vom Ethos der Arbeit, soldatischen Dienens und sozialer Verantwortung getragen wird. Diese Formen werden als Fragmente aus dem Vorkricgsdeutschland von der Mannschaft nationalsozialistischer Studenten abgelehnt. Aus dem Erlebnis des Krieges und seiner furchtbaren Auswirkungen für Deutschland wuchs die neue Wirklichkeit des Nationalsozialismus, die auch die studentische Jugend in den Bann ihrer Ideen schlug. Heute sucht diese Jugend, bewußt oder unbewußt, den ihr wesensgemäßen Ausdruck in Haltung und Lebensstil jedes einzelnen und jeder Gemeinschaft.
So hatten sich etwa fünfzig Kameraden des Gießener Kameradschaftshauses zu einer schlichten Feier zusammengefunden, die unter Wort, Musik und Lied zum bindenden Erlebnis wurde, dessen jeder ganz inne wurde — Langemarck. Hier redete man nicht über Langemarck, sondern Kameraden, Arbeiter und Studenten, bei Langemarck gefallen, sprachen selber und kündeten. Nach Chopins Trauermarsch erhob ein Kamerad feine Stimme, die Schlachten um Langemarck, diese Tage unaufhörlichen Stürmens und Sterbens deutscher Freiwilligen-Regimenter vor Augen zu stellen. Ein anderer erhob sich, aus den Kriegsbriefen gefallener Studenten unendliche Liebe, unendlichen Stolz und ein unendliches Opfer, schlicht der Heimat Sarge» bracht, klingen zu machen. Und einer faote einfach, daß wir die Erben des Geistes von Langemarck feien. Darauf wurde ein gemeinsames Lied gesungen. Verse von Herbert Böhme wie —
Sand weht über die Toten, doch die Erinnerung zeigt.
wie die Herzen einst lohten, ehe ihr Blick sich geneigt:
singt ein Lied über Gräbern ewiger Melodie. Bleibe bei mir und lausche und vergesse sie nie, Deutschland —
leiteten zum Deutschlandlied über, das vom Kameradschaftshaus, alle in der gleichen Uniform, stehend mit erhobenem Arm zum Abschluß gesungen wurde.
Damit wurde in Gießen ein weiterer Schritt ins Neuland studentischen Gemeinschaftslebens auch in der Feiergestaltung getan.
Unerwartetes Weidmannsheil.
Bei der am Montag in dem staatlichen Forst des Forstamtes Schiffenberg abgehaltenen Jagd — deren überraschendes Hauptergebnis wir gestern schon berichteten — wurde auch eine größere Dickung getrieben, in der Füchse zu erwarten waren. Der Bestand ist sehr dicht, und das Wild geht ungern aus diesem Schutz heraus. Die Treiber müssen deshalb hin- und zurückaeben. Als sie das zweite Mal die Dickung durchdrückten, erscholl von einer Schützenfront der Ruf: Wildschweine im Treiben! Daraufhin natürlich große Aufregung.
Da auf Schalenwild nur mit der Kugel geschossen werden darf, waren diejenigen, die nur Schrot- flinten mit zur Jagd genommen und keine Kugel- natronen bei sich führten, für den Schuß auf Sauen ausgeschaltet. So geschah es einem Arzt aus der Umgegend, dem sich in der Dickung ein starker Keiler auf keine zehn Schritte vor seinen Stand stellte, den er ohne große Schießkunst zur Strecke bringen konnte. Der Schütze konnte aber
ohne Kugel nicht schießen, und der Keiler, der sich
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10 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Während Basilius von dem gefälligen Wacht- mann in das Hotel am Jungfernftieg geleitet wurde — nichts geschah ihm auf dem Wege — und der Konsul auf der Wache die erforderlichen Angaben über seinen nun toten Sekretär machte, fanden sich Lena Basfenberg und Farrenkorn für geraume Zeit allein. Sie hatten vorhin einen Schrei gehört, aber nicht weiter darauf geachtet. Vielleicht lärmte ein Betrunkener. Daß der Konsul und Zerny nicht gleich zurückkamen, beunruhigte sie nicht. Die beiden mochten die Freunde noch ein Stück zu Fuß geleiten. Der Konsul liebte es, sich vor dem Schlafengehen ein wenig Bewegung zu machen.
Sie sah ihm im Sessel gegenüber. Sehr nahe waren sie sich, denn Lena sprach leise. Noch einmal durfte sie niemand belauschen. „Bleibe noch! Warte, ich brauche dich!"
Sie sah Farrenkorn beinahe düster an. Dabei war die zarte Haut ihres Gesichts rot getönt und in den Tiefen ihres Blickes war etwas, das den Anwalt keine Sekunde zweifeln ließ, wie ernst es ihr mit ihren Worten war.
Er vermied es, sie anzusehen. Er meinte, sie könne freier sprechen, wenn er ihrem Blick auswich. So sah er ihre Hände an. diese schönen sanften Hände, die er nicht zum wenigsten an ihr liebte. Auch diese Hände verrieten ihm, wie es um Lena stand. Die Unruhe ihrer Finger war ungewöhnlich und mußte ihm auffallen
„Du wolltest mich sprechen, Lena, ich merke, es hat dich etwas aufgestört. Ist dir etwas zugestoßen, fürchtest du etwas?" Mit betonter Ruhe fragte er.
Sie faßte sich „Es ist mir etwas geschehen, jawohl. Ich habe ein Gespenst gesehen!"
„Es gibt kein Gespenst " Er versuchte ein kleines Lächeln. Sie wehrte ab. „Natürlich nicht Ich meinte das nicht wörtlich Es ist ein Mensch wieder aufgetaucht, der vor vielen Jahren —" sie brach ab. Durfte sie es denn sagen? ...
Farrenkorn versuchte ihr zu helfen. ,Lch habe dich beobachtet. Dieser Mann, von dem du sprichst, muh
der neue Herr Basilius fein. Du wichst ihm aus und warft gehemmt und unfrei in feiner Gegenwart."
Sie erschrak. ,Zst das — ausgefallen?"
Er konnte sie beruhigen. „Nur mir", sprach er, „Bernhard und die anderen haben bestimmt nicht darauf geachtet."
Er wußte, daß er die Wahrheit redete. „Was ist es mit diesem Basilius? Kennst du ihn von früher? Fürchtest du ihn? Sprich dich aus, Lena, ich brauche dir nicht zu versichern, daß ich schweigen werde über alles, was du mir sagst."
„Danke." Sie nickte verstört. Aber dann gab sie sich einen inneren Stoß. ,^Jch war 1917 mit Basilius verheiratet; eine unüberlegte Kriegstrauung. Die Ehe wurde nie richtig geschieden. Basilius war verschwunden, er galt als vermißt; ich bekam eine Bescheinigung darüber, und nahm meinen Mädchennamen wieder an. Später heiratete ich Bernhard. Er hat nie etwas über meine erste Ehe erfahren."
„Weshalb nicht, Lena? Das war maßlos ungeschickt von dir. Du hattest nichts zu verbergen."
„Doch, Franz. Ich wußte, daß Basilius lebte. Das verschwieg ich den ungarischen Behörden."
„Du warst in Ungarn mit Basilius verheiratet?"
„Ja. Deshalb war in dem Drunter und Drüber 1918 mein Täuschungsmanöver möglich. — Bernhard heiratete mich in Deutschland "
„Eine fürchterliche Dummheit", sagte Farrenkorn entsetzt. „Du kannst wegen Bigamie bestraft werden. Paragraph 171 fordert Zuchthaus dafür. Wurde denn die Ehe nicht in Ungarn auf Antrag für nichtig erklärt?"
„Doch", sagte Lena Basienberg, „ich glaube das wenigstens. Basilius war unauffindbar nach dem Kriege und galt als vermißt. Ich aber wußte, daß er im Ausland lebte. Es war damals eine große Verwirrung in allem. Preßburg, wo wir geheiratet hatten, wurde tschechoslowakisch; Papiere waren eine Zeitlang nicht zu bekommen. Da ließ ich es darauf ankommen und verschwand, tauchte unter, genau wie er."
„Und nun nach 13 Jahren entdeckt dein erster Mann dich zufällig hier in Hamburg? Das ist allerdings verwunderlich." Farrenkorn sann vor sich hin. „Habt ihr euch ausgesprochen, stellt er irgendwelche Forderungen an dich?"
„Du errätst es. Er erpreßt mich."
„Das war nicht. schwer zu erraten. Wenn alles gut gegangen märe, hättest du weiterhin geschwiegen und dich mir natürlich nicht mitgeteüt. Was will er denn von dir?"
„Geld", sagte sie kurz, „viel Geld; mehr als ich ihm geben kann."
Farrenkorn stieß ein Knurren aus. „Ein kleiner Schuft also?"
„Das war er immer. Ich erkannte ihn damals zu spät. Aber ich war froh, daß er nicht wiederkam, daß ich ihm — davonlaufen konnte. Natürlich hatte er auch mich damals betrogen. Aber das ist unwichtig, Franz. Hier handelt es sich jetzt darum: was soll ich tun? Bleibt mir ein Rechtsweg, mich des Mannes zü erwehren?"
„Man kann dem Burschen natürlich eine Falle stellen und ihn auf einen Erpressungsversuch festnageln. Ader das ist sehr zweischneidig. Hat er Freunde?", und als sie nickte, schloß er mißmutig: „dann wird er die vorschicken ober einweihen. Es käme dann so, daß im Augenblick, wo wir Basilius festnehmen, von seinen Komplicen eine Anzeige gegen dich erstattet würde."
„Bestimmt würde das geschehen!" rief die Frau. „Basilius ist mit allen Wassern gewaschen. Wir müssen bei ihm auf die böseste Gegenwirkung gefaßt sein."
„Hm. — Wieviel Geld will er haben?"
„Bernhard soll eine wahrscheinlich wertlose Fabrik für 60 000 Mark von ihm kaufen."
Farrenkorn wiegte den Kopf. „Nicht ungeschickt. Da wird ihm kaum jemals die Erpressung nachzu- weisen sein."
„Aber was soll ich tun, Franz? Kannst du mir raten, helfen, kann hier überhaupt ein Mensch helfen?" •
Er sah sie an; ihr verstörtes Schluchzen rührte ihn zutiefst. „Wenn einer dir helfen kann und will", sagte er ohne jedes Phatos, „bin ich es, Lena. Sei versichert, es geschieht. Im Augenblick wird es sich darum handeln, Zeit zu gewinnen. Ich muß nachdenken. Auch der kluge Basilius wird seine Achillesferse haben, man muß erfahren, wo er angreifbar ist."
„Zeit gewinnen, Franz! Ist es in diesem Falle nicht Zeit verlieren? Dürfen wir abwarten?"
Er schüttelte bedächtig den Kopf. „Du mußt ihn Hinhalten", forderte er. „Basilius wird warten. Der
Skandal kann ihm nicht gelegen kommen, er würde zwar dich ruinieren, aber ihm keinen Gewinn bringen. Daher wird Basilius den Zusammenstoß nicht ernsllich wünschen."
„Das ist furchtbar. Du ahnst ja nicht, wie das ist, schon morgens beim Aufwachen zu fürchten, zu zittern: geht der heutige Tag noch vorüber, ohne die Entdeckung zu bringen, wird Basilius heute noch schweigen oder sitze ich heute abend schon im Gefängnis und Bernhards und der Kinder Leben ist zerstört!" Sie deckte das Gesicht mit den Hände» zu; stoßweises, stummes Weinen erschütterte sie.
Farrenkorn erhob sich. Alles Blut war aus feinem Gesicht gewichen. Er faßte sich an seine Brust. Jas Herz schmerzte wieder; die Lust wurde ihm knapp. Er preßte die Zähne aufeinander. Aushalten, nur jetzt nicht versagen. Dies widerspenstige Herz unter den Witten zwingen.
Einmal wurde er gebraucht, einmal bekam dies verpfuschte Dasein einen Sinn: er durfte für die Menschen, die er wahrhaft liebte, für Lena, für seinen alten Freund Bassenberg, ihren Mann, etwas tun, was nicht jeder andere erledigen konnte. Jetzt durchhalten! Er stand ein paar Sekunden verkrampft, dann war der Anfall vorüber. Er bildete fick) ein, er habe ihn niedergezwungen.
„Ich höre Schritte im Garten, Lena, es wird dein Mann fein. Nimm dich zusammen. Bernhard muß vollkommen ahnungslos bleiben, wenn alle- gut enden sott."
Sie wußte nicht, ob es ihr gelang, ein unbefan* genes Gesicht zu ziehen, aber sie trat in die Tür zur Gartenveranda. Eben kam der Konsul die drei, vier Stuten herauf. Es reanete; er war ohne Schirm, sogar ohne Hut und durchnäßt. Er hatte keinen Blick für das Aussehen seiner Frau, trotz' dem er ihr ins Gesicht starrte.
„Wo wart ihr solange?" fragte sie, Gefaßtheit erzwingend. „3ft Zerny nicht wieder mitgekow' men?"
„Nein", antwortete der Konsul, „Zerny ist nicht wieder mitgekommen. Er ist tot. Er wurde vor einer Viertelstunde auf der Straße ermordet."
Farrenkorn trat heran. „Ermordet?" rief er erschrocken, noch ungläubig beinahe, „von wem, Bern* Hard?"
(Fortsetzung folgt!)


