fit. 266 Drittes Blatt Gtehener Anzeiger (General-Anzeiger für Merhessen) Mittwoch, 13. November (635
Jugend und Hochschule.
Schüler und Schule.
von Heinrich Hübner
Es ist nur natürlich, daß eine Bewegung, die, wie die nationalsozialistische, ein ganzes Volk verkörpert und Staat geworden ist, an die Schule ganz besondere Anforderungen stellt. Die Hauptaufgabe einer jeden deutschen Schule, gleich welcher Art, ist heute: den deutschen Menschen zu bilden lind nicht, wie in vergangenen Jahren, den Gelehrten oder Beamten. Hand in Hand mit der Vermittlung des Wissens in der Schule hat heute die körperliche Ertüchtigung und die charakterliche Festigung der Schulpflichtigen zu gehen.
Damit hat sich auch der Aufgabenkreis des Lehrers erweitert. Der Staat will keinen Lehrer mehr, der seine Stundenzahl ableistet, den Schülern mehr oder weniger totes Wissen einpaukt und für diese „Arbeit" sein Gehalt einstreicht. Die nationalsozialistische Schule braucht Erzieher statt Lehrer. Erziehen aber kann man nicht mit auswendig gelernter Bücherweisheit, sondern nur wenn man selber mitten im Leben der Gegenwart steht. Erziehen aber kann man auch wiederum nicht nach einem Schema, das man in einem Seminar oder sonstwo erlernen könnte. Wehe dem Er.zreher, der in der ihm anvertrauten Jugend nur ein Erziehungsobjekt sieht und nicht junge Menschen aus Fleisch und Blut, und zwar junge Menschen mit all ihren Fehlern und Schwächen, aber auch all ihren guten Anlagen charakterlicher Art. Und gerade das soll seine Aufgabe sein: diese guten Seiten des Schülers zu erkennen und zu fördern. Unerläßliche Bedingung für die Erreichung dieses Zieles ist aber eines: das blinde Vertrauen. Der Schüler wird sein Vertrauen grundsätzlich gern einem jeden Lehrer schenken, von dem er glaubt annehmen zu dürfen, daß er Verständnis für seine, des Schülers, Umwelt mit all ihren kleinen Freuden und Nöten hat. Der Junge will unbewußt lernen, er erwartet von dem Lehrer, daß er ihm die Schule zur Freude mache und nicht zum Kerker, in dem er Tag für Tag jeden Morgen feine Jugend „abfitzt" und versauert. Er verlangt von dem Unterricht, daß er ihn fesselt, daß der Lehrer über dem Stoff steht und nicht von feinem Fachwissen oder sonstigen Steckenpferden befangen ist. Das aber setzt voraus, daß der Lehrer selbst nicht nur Lehrender, sondern auch zugleich Lernender ist. Wehe ihm, wenn er auf seinem „Wissen" von ehedem stehen geblieben ist. Denn das „Wissen" ändert sich von Tag zu Tag fortschreitend. Und feine Aufgabe als Lehrer besteht eben darin, dieses stets neue „Wissen" nach dem jeweiligen Stande der „Wissenschaft" seinen Schülern in ihrer Sprache, die den jeweiligen Altersstufen angepaßt fein muß, zu vermitteln.
Merkwürdig, daß gerade diejenigen Lehrer, die dieses Vertrauen ihrer Schüler nicht in dem erforderlichen Maße besitzen, am lautesten nach der „Autorität" des Lehrers rufen. Respekt zwar vermag sich ein Lehrer auch ohne Vertrauen zu verschaffen. wenn er in feinem Wesen energisch ist. Echte Autorität aber wächst stets nur von innen heraus.
Vielfach gilt auch die Autorität, die ein Lehrer genießt, gar nicht ihm persönlich, sondern — seinem N o t e n b u ch. Es erhebt sich hier die Frage: soll man Noten geben oder nicht? Man kann das Notengeben zwar verteidigen, aber immer nur in der Absicht, einen Anhaltspunkt über die Leistungen des Schülers zu bekommen. Und nie und nimmer darf es soweit kommen, daß man durch Addition und Division papierener Noten die Jahresleistungen „errechnen" will. Sieht man beispielsweise einem „Dreier" im Notenbuch an, wie er zustande gekommen ist? War man sich bei der Notengebung bewußt all der Tragik, die eine schlechte Note im
Dichter und Jugend.
Von Ernst Wiechert
Die folgenden Ausführungen sind einer Rede an junge Menschen entnommen.
Die Dichter sind Sie Bewahrer des Unvergänglichen und die stillen Mahner in einer lauten Welt. In allem Wandel der Zeiten und Meinungen ruht in ihrer Hand das Unwandelbare. In allem Verwirrten und Angstvollen der Welt lösen und binden sie die Fäden der großen Ordnung, machen das Trübe klar, das Verwirrte einfach, das Schmerzliche heilig. Unter ihren Händen hört der Mensch auf, ein Spielball dunkler Gewalten zu sein. Das Unreäst der Erde wird vergänglich, der Tod verliert seinen Stachel, das Schicksal nimmt uns ruhig bei der Hand. Schön ist es, Schlachten zu gewinnen und Reiche zu gründen, aber nicht leichter wird vor dem letzten Urteil der gewogen werden, dessen Hand die Verse geschrieben hat: „Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar ..."
Meine lieben Freunde, Sie werden sagen: „Alles dieses war einmal." Und in den Zeiten des Friedens dürfe es so sein, daß die Dichter an den großen Strömen sitzen und die Dinge der Ewigkeit zwischen ihren formenden Händen bewegen. Aber in den Zeiten des Kampfes sei niemandem ein Platz an den stillen Ufern vergönnt, und die Jugend, die das Schwert trage, werde nur auf die Stimme dessen hören, der ein Schwert von Feuer trage. Meine Freunde, Sie müßten alt geworden sein vor der Zeit, wenn Sie nicht so dächten, und doch lassen Sie mich sagen, daß es ein Gedanke des Irrtums ist. Denn wenn es ein Gedanke der Wahrheit wäre, so würden die Literaten der eben versunkenen Zeit recht gehabt haben mit ihrer These, daß nur die Zeitkunst das Recht habe, eine Kunst genannt zu werden, und Wilhelm Raabe würde unrecht gehabt haben, als er die Verse schrieb: „Das Ewige ist stille, laut die Vergänglichkeit. Schweigend geht Gottes Wille über den Erden- ftreit ..." *
Seid demütig, meine Freunde, nicht vor den Menschen, aber vor Gott, denn wem die Macht verliehen wird, hat nicht zu beugen, sondern aufzurichten, was gebeugt wurde, und Dankbarkeit gehört zu den Dingen, die keinem Wandel der Zeiten unterworfen fein dürfen. Und seid nicht nur demütig, sondern kehrt auch ein wenig zurück aus dem
Elternhaus auszulösen vermag, kannte man die Aengste, unter denen eine Klassenarbeit angefertigt wurde, weil der Vater gesagt hatte: „Wenn du mir wieder mit einer schlechten Note kommst, dann ..."?! Gar nicht erst zu reden von der Möglichkeit, den Lehrer unbemerkt zu täuschen. Ist eine solche Note dann wirklich ein getreues Abbild der Leistungen, als welche man sie doch werten möchte?! Ist es da nicht angebrachter, ich mache mir in meinem Notizbuch eine entsprechende Bemerkung, etwa so: „Schüler M. hat für heute seine Aufgabe nicht erledigt". Habe ich bei dem gleichen Schüler mehrere Bemerkungen dieser Art, so komme ich, wenn ich den Gründen nachzugehen versuche, vielleicht zu dem Ergebnis: Der Schüler M. ist faul, oder: er ist durch dies oder jenes vom Arbeiten abgehalten. Dann werde ich als Erzieher diesen Dingen nachgehen und
mich bemühen, sie abzustellen. Solche Noten und solche Bemerkungen können gewiß gute Anhaltspunkte sein für die Beurteilung, aber der verdient nicht den Namen eines Erziehers, der nicht fähig ist, nachdem er ein halbes Jahr vor feiner Klaffe gestanden, einen jeden einzelnen zu beurteilen bei den Zeugnisbesprechungen, auch ohne zu diesem Zweck im Notenbuch Nachschau zu halten.
Es gibt Lehrer, die sehr selten ft r a f e n , und es gibt solche, die bei den geringsten Vergehen strafend einschreiten. Eine Strafe aber hat nur dann Wert, wenn die ganze Klaffe ihre Berechtigung einsicht. Meist indes wird das Erkennen des durch den dummen Streich in einer übermütigen Sauro? des Augenblicks tatsächlich Angerichteten, das fast nie gewollt war, dem Jungen Strafe genug fein. Hat der Erzieher aber einmal eine Strafe verhängt, so
Seubilbung des VerWedens.
Aufgaben und Ziele der jungen Führung.
Von Dr. Er:ch Zaensch, o. ö. Professor der Philosophie an der Universiiäi Marburg.
Es ist überflüssig, zu bemerken, daß der Lehrer den Geist der inneren Jugendlichkeit braucht, und daß es Hauptaufgabe der Schulen fein wird, sich von ihm immer mehr erfüllen zu lassen. Aber auch alle Zweige der Verwaltung und des Beamtentums können eine Verjüngung im Geiste vertragen. Denn Verknöcherung und Bürokratismus, die man ihnen vielfach vorwirft, find geistige Alterserscheinungen. Dem Kaufmann, dem Beamten, dem Juristen, dem Theologen wird es nützlich sein, wenn er als Jugendführer gelernt hat, daß er nicht nur für 'Waren, Paragraphen ober Schriftworte da ist, sondern für lebendige Menschen. Der Arzt, der einmal Jugendführer war, bringt das beste Verständnis mit für die neuen Aufgaben seines Berufes. Denn je stärker wir heute den Körper betonen neben dem Geist, um fo mehr wird der Arzt in ähnlicher Weife wie der Lehrer verantwortlich für den Nachwuchs und das Volk. Je lebendiger, d. h. jugendlicher die Presse ist, um so besser wird sie ihrer Aufgabe dienen, aufzuklären und für das Richtige zu werben.
. Der wirkliche Jugend sührer wird fo gut wie jeden Beruf, in den er hineinkommt, im Sinne des Jugendgeistes umstellen und damit dem Aufbau der neuen deutschen Kultur bienen. Vielleicht barf ich ba aus meinem eigenen Leden etwas ausplaubern. Mir hat in meiner Jugend immer bunkel vorgeschwebt, baß so etwas Aehnliches, wie es heute in unseren Jugenborganisationen Wirklichkeit «geworben ist, kommen müßte. Aber wie stark bas Verlangen damals fein mochte, Jugcnbführer zu werden, es war eben doch unausführbar. Da ich es in meiner Jugend nicht verwirklichen konnte, habe ich es dann als Professor versucht. Nach den heute verbreiteten Anschauungen ist ja der Beruf eines Professors der Philosophie von dem eines Jugendführers recht weit entfernt. Ich habe dann eben mein Fach Philosophie und Psychologie innerhalb meines Arbeitskreises in der Weise umgefteUt, daß ich Professor dieses Faches sein konnte und Jugenoführer zugleich. Auch glaube ich, es hat meinem Fache nichts geschadet. Wir haben zeitweilig mit der ganzen Marburger Jugend kameradschaftlich zusammen gearbeitet; wir bildeten gewissermaßen eine feste Kameradschaft zur Höherführung unseres Volkes, soweit es von unserem Gebiet aus möglich ist. Wir haben eine Philosophie und Psychologie der Jugend aufgebaut, und, wie ich glaube, damals sogar eine gewisse pädagogische Bewegung hervorgerufen und noch einiges andere getan im Sinne
einer Erneuerung von Philosophie und psychologischer Anthropologie. Kürzlich besuchte uns eine alte Fachautorität aus dem Fernen Osten. Dieser alte Japaner sagte mir: „Wir Aelteren haben gegen das, was Sie machen, noch manche Bedenken; aber unsere jungen Leute lesen vor allem Sie und meinen, es fei der Weg der Zukunft." — Das ist in kurzen Zügen meine Laufbahn als Jugendführer. Ich will damit nur sagen, daß man in alle, und selbst sehr berüchtigte Berufe I u g e n b g e i ft hineintragen unb sich Sarin als Jugenbführer erprqben kann. Gelingt bas schon, wenn man in ber eigenen Jugenb nur bem instinktiven Verlangen nach, aber nicht in Wirklichkeit, Jugenbführer gewesen ist, wieviel besser werben bas bie wirklichen Jugenbführer können!
Aber mir benötigen bie ehemaligen Jugenbführer nicht nur für bie einzelnen Berufe, fonbern vor allem für bas deutsche Leben als Ganzes, für die deutsche Volkwerdung. Wir brauchen dafür in erster Linie ihren Kameradschaftsgeist, wir brauchen aber auch ihren frischen, unbeschwerten Wagemut, ihre Tapferkeit, sogar ihr jugendliches Ungestüm, das sie besitzen müssen, wenn sie ihren Jungen ein richtiges Vorbild gewesen sind. Wir brauchen das für alle Lebensgebiete unb selbst für bie scheinbar bavon entferntesten. Es ist nicht wahr, baß bas Erkennen nur eine Sache bes beschaulichen theoretischen Denkens sei; es ist ebenso eine Angelegenheit bes frischen unb selbst kecken Wagemutes, ja sogar ber ritterlichen unb sportlichen Angriffssreube. Ein Mann, ber hier seine Sache grunbsätzlich vorwärts bringt, was immer nur in langen unb heftigen Kämpfen geschehen kann, fühlt sich bem Solbaien näher Dcrronnbt als seinen eigenen Fachgenossen mit bloßem blutlosen Intellekt. — Es ist nicht wahr, baß Religion nur bem Schwachen und dem Feigling ansteht. Wir brauchen in ihr harte Kämpfer für das Gute und für den heiligen Willen Gottes, und was wir Kameradschaft nennen, gehört zugleich in den Bereich der Brüderlichkeit, die uns auch unser religiöser »Glaube gebietet.
Es soll gar nicht abgeleugnet werden, daß uns ber Gebcmke ber jugenblichen Führung im einzelnen vor manche Schwierigkeiten stellt. Aber diese werden sich beheben lassen, wenn nur ber Grunbgebanke zutrifft. Der Gebaute ber jugenblichen Führung ist richtig, weil er ben Gesetzen bes L e- b e n 5 gemäß ist. Danken wir unserem Führer dafür, daß er uns die Jugendorganisationen geschenkt hat und mit ihnen auch den gesunden Grundsatz der jungen Führung!
Lärm der Welt in die stillen Wälder, die aller Jugend zugehören. Es ist wohl nötig, daß gejätet und verbrannt werde, nachdem das Unkraut geblüht hat für lange Zeit, aber es ist auch nötig, daß gepflügt unb gesät werbe, unb immer war bas Schweigen ber Erbe um biese heiligen Dinge. „Gebt benen, bie hungern", sagt eines Dichters Wort, „von eurem Reis. Gebt benen, bie leiben, von eurem Herzen!"
Ich habe einmal in einem Brief an einen jungen Menschen von ber Berufung bes Dichters gesprochen unb von ihm gesagt, baß ihm gebühre, still im Lande zu wohnen, wie der Knecht in seiner Kammer wohnt, und indes im Haus des Herrn die Lichter glänzen, wacht er über dem Schlaf der Tiere und der Felder, und alles, was ihm beschert werden kann, ist, daß am Morgen seine Seele vom Tau ber Gnabe bebeckt ist, gleich bem Vliese Gi- beons, bas biefer an bie Tür seines Zeltes schlug.
Es ist basselbe, was ich Ihnen, nun ich am Enbe bin, zu sagen habe, weil beide zu dem Gleichen berufen sind, der Dichter wie die Jugend: das Stille zu bewahren, das Müde zu erneuern, das Große zu verehren, das Leidende zu lieben.
ArbettsgemeinfM,,Modellbau"
Ein Primaner berichtet
von einem beliebten (Schn'.sach.
Der Primaner ber beutschen höheren Schule sieht sich alljährlich vor ein lieberangebot von Arbeitsgemeinschaften gestellt, von benen schwer zu sagen ist, welche ben Vorrang oerbient.
Am Ranbe des Hauptfeldes — Germanistik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften — laufen einige Fächer mit freiwilligen Nachmittagsstunden, die zumeist als „Außenseiter" geringere Beachtung und Bewertung finden. Zu Unrecht! Zu Unrecht hinkt auch hinterher — der Modellbau.
Aber wir Schüler besitzen ein ziemlich sicheres Fingerspitzengefühl für die Schmackhaftigkeit dieses oder jenes Faches. Es gibt „trockene" und sog. „fabelhafte" Stunden. Wertmaßstäbe sind dabei die Möglichkeit zur Mitarbeit und zur nützlichen Auswertung. Beide Vorteile, rege Mitarbeit zu verlangen und einleuchtende Nützlichkeit zu besitzen, hat für jeden Teilnehmer ber Mobellbau: eine Arbeitsgemeinschaft, die für Logik, handwerkliche Arbeit unb künstlerifche Form Aufmerksamkeit fordert.
Jeder Mensch, auch ber junge, hat bas Bebürf- nis, ben Erfolg feiner Arbeit zu sehen. Nicht nur
ben Erfolg, auch schon allein Wachsen, Steigerung, Vollendung. So wie wir uns freuen, Zug auf Zug eine Mathematikaufgabe zum richtigen Schluß zu bringen, so freuen wir uns um so mehr, wenn sowohl Geist als auch Auge Befriedigung beim Anblick einer selbstgeschaffenen, errichteten Arbeit empfinden. Das alles bietet ber Modellbau.
Und was schaffen wir beim Modellbau?
Wir wollen nicht materialistisch denken und als Arbeitsziel aus einem nachgebildeten Bauernhaus von einem Museum 300 Mark schlagen. Wir bedenken den Wert, den wi/ der Nachwelt liefern, wenn wir in der Nachbildung Baudenkmäler unserer Heimat erhalten, aus denen Kulturhöhe und Kulturentwicklung hervorgehen.
Aber nicht am Klischee soll ber Mobellbau hängen! Tankstellen, Flugzeughallen, Autogaragen, Großstadtstraßen bietet bie Wirklichkeit in immer weiter steigender Vollendung! Technik triumphiert unb fordert Bewunderung. Und währenddessen fällt Volksgut, wertvollstes Besitztum, zusammen.
Da stehen wir eines Tages vor dem alten Speicher, der alten Mühle, dem Drei- und dem Vierständerhaus, und beginnen unsere Arbeitsgemeinschaft. Gemeinschaft! Wir hocken nicht einzeln über Bücher, sondern helfen einander in gemeinsamer Arbeit. Der eine zeichnet, der mißt, der fragt — alles ergänzt sich: Die Vorarbeiten, das Vermessen, ist schnell erledigt — die Werkzeichnungen entstehen! Ein reges Hand-in-Hand-Greifen, bei dem nicht schulmeisterhafte Strenge die Aufsicht führt, sondern freies Handeln, das Zeit läßt zu mancher Zwischenfratze, Erläuterung, auch zu manchem Besser-Wissen und guten oder schlechten Einfällen.
Wir stellen gegenüber die von uns nachgebildete echte Speicherform von 1600 und die heutige, verschandelte (Wellblechwände, unpassende Fenster, Plakate von Zigarettenfabriken u. a.). Ein Blick genügt, um zu erkennen, wie sehr die alte Baukunst leidet — und wie geholfen werden muß, wo andere Arbeitsgemeinschaften einspringen können.
Das Modellieren wird zur Volkskunde: Wie wir Balken an Balken fügen und die Fertigkeit und die Kunst vergangener Geschlechter bewundern. Es ist verwirklichte Volkskunde, wenn wir zerbrechendes Volkstum wieder aufrichten, nicht zum Zeitvertreib, sondern weil wir Geschichte lernen wollen, bauen, arbeiten, schnitzen, leimen, kneten, schmieren und streichen. Selbständig und gern, auf ein Ziel zu, das immer schöner werden soll: das fertige Modell. Joachim Günther.
liegt es an «hm, bem „Sträfling" so gegenüberzutreten, baß eine Verletzung seines besonbers in ben Entwicklungsjahren ungemein starken Ehrgefühls gerabe bei feinen Karneraben verhindert wirb.
Die Interessen eines jungen Menschen finb sehr vielseitig. Das Leben aber läßt sich nun einmal nicht in Stunbenpläncn erfassen. Es muß bem Jungen über bas Maß ber Schule hinaus Gelegen- heit gegeben werben, an freiwilligen Arbeitsgemeinschaften teilzunehmen, in benen solche Fragen außer anberen besprochen werben können, auf bie ihm her HJ.-Führer wegen ber Gleichaltrigkeit keine Antwort weiß und bie mit bem Elternhaus zu besprechen er sich scheut Nichts barf in biegen Arbeitsgemeinschaften irgenbwie an Schule erinnern; selbstverstänblich ist bas Notenbuch hier völlig verfehlt, unb auch sonstige Schulstrafen haben hier, wenn es irgenb geht, unb es muß gehen, auszuscheiben. Hier ist ber Lehrer in erster Linie Kamerab unter Karneraben. Aus ben angeführten Voraussetzungen aber geht hervor, baß nicht jeher Beliebige ber Leiter einer solchen Arbeitsgemeinschaft sein kann, fonbern hierin nur Lehrer gehören, bie bie nötige Fühlung unb Ka- merabschast mit ben Jungen bes ten.
Gerabe in biefen Arbeitsgemeinschaften können sich Schule unb HI. sehr eng berühren. Es taucht hier überhaupt die Frage auf: soll der Lehrer der Hitlerjugend angehören oder nicht? Beides hat seine Vorteile, beides sein Schattenseiten. Vorteile: Lehrer und Schüler stehen sich nicht immer nur in den engen vier Wänden eines Schulzimmers gegenüber, sondern erwandern sich auf Fahrt unb Lager bie beutsche Heimat. Der Lehrer kann so als, wenn auch älterer, boch als Kamerab, zum Beispiel bei einem Heimabenb zu ben Jungen reben. Nachteile: Lehrer unb mehr noch Schüler geraten in Zwiespalt, wie sie sich nun im Schulgebäube begegnen sollen. Sollen sie sich hier weiterhin buzen, wie sie bas von ber HI. her gewohnt finb? Man sage nicht: Nebensächlichkeit! Das finb Fragen, unter benen bie Schulzucht leiben, unb bie Spannungen im Lehrkörper selbst zur Folge haben kann. Dieses Problem wirb auch einst gelöst werben, aber erst in einer Zeit, ba ber größere Teil ber Erzieherschaft aus solchen Männern besteht, bie sämtlich burch bie Schule ber HI. gegangen finb.
Daß bie Aufgaben von Schule unb Hitlerjugenb sich etwa überfdjneiben könnten, ist irrig. Mängel, bie in ber Uebergangszeit zutage getreten finb, können nicht als Norm gewertet werben. Die Trennungslinie ist klar: innerhalb ber Schule ist ber Lehrer bie höchste Autorität, außerhalb berfelbcn der HJ.-Führer. Bei gutem Zusammenarbeiten von Lehrerschaft und Hitlerju- genführung wird cs nie zu Reibereien zu kommen brauchen.
Schwieriger schon ist ber notroenbige Einfluß des Lehrers auf das Elternhaus. Wenn er nur Lehrer sein will, ist diese Verbindung nicht nötig, der Erzieher aber muß bis in die kleinste Einzelheit über den ihm anvertrauten Jungen Bescheid wissen. Darum sind Elternbesuche von Zeit zu Zeit unerläßlich. Der Erzieher wird vieles an dem Jungen verstehen lernen, worüber er bislang den Kopf schütteln mußte, wenn er mit den Eltern in Fühlung getreten i& Umgekehrt vermag gerade der Lehrer bem Elternhaus manchen wertvollen Wink für bie Erziehung zu geben.
Wichtig ist babei bas Eine: Elternhaus, Schule uniB Hitlerjugenb wirken nicht in verschobenen, säubern in einer einzigen Rchtung auf ben Jungen ein. So kann eine Generation heranwachsen, bie einmal in ber Tat Nationalsozialisten werben mag, weil sie von frühester Jugenb auf in nationalsozialistischer Weltanschauung erzogen würbe.
Studentin nut Mistgabel.
Von Magdaliet Bräuning.
Zwei Studenten unb eine Stubentin sitzen wir nun seit brei Wochen in unserem Dorf in Ostpommern, IV2 Kilometer von der polnischen Grenze. Drei Wochen haben wir kaum jemand anders gesehen als unsere Bauernfamilie, bei der wir wohnen und arbeiten. Wir haben nichts wieder gehört von den Kameraden, die mit uns hergekommen sind.
Und Freuden und Nöte haben wir eine Menge. Freude ist die tüchtige Arbeit mit Forke und Stalleimer und abends das Gefühl, etwas Rechtes geschafft zu haben; und Freude ist das allmähliche Vertrauterwerden mit der Bäuerin und das Toben mit den Kindern. Aber man hat auch feine Nöte, — wenn das Feuer morgens durchaus nicht anbrennen will, oder wenn die Kälber die Hälfte Futter verplauschen, weil man mit dem Eimer von der falschen Seite gekommen ist, — und die Nichte aus Polen kommt vorbei und lächelt überlegen.
Aber langsam sind mir hineingewachsen in unsere Arbeit. Wir haben jetzt gelernt, eine Garbe so zu binden, daß sie sich nicht gleich wieder in ihre Bestandteile auflöst, wenn man mit der Gabel dazwischenfährt, mir haben allmählich die richtige Mischung für das Schmeinefutter herausgekriegt, und mir brauchen, um eine einzige Kuh auszumelken, nicht mehr ganz so viel Zeit, roie die Bäuerin für die übrigen sechs
Aber dabei sind mir unversehens doch irgendwie zugehörig geworden zur Dorfgemein fdjaft. Und als mir uns eines Abends zu einem Ging* und Spielabend zusammentun, HI. und BDM., da ist fast das ganze Dorf dabei, und nicht nur aus Neugierde. Der Abend war improvisiert, denn zu großen Vorbereitungen war nicht Zeit. Aber unser Stegreifspiel vom Fischer un fine Fru wurde mit Jubel ausgenommen; und schließlich tanzten wir alle bis spät in die Nacht Walzer und Volkstänze. Am nächsten ^Morgen pünktlich um 5 Uhr erhob der kleine Erwin, das Wecksignal für die ganze Familie, seine Stimme. Und pünktlich, wie ‘{eben anderen Tag, ist der Landdirnst bereit, unb roie jeben anberen Tag geht bie Arbeit heute unb bie ganze Woche, roie jede Woche vorher. Und wenn ich die kleinen Jungen auf dem Schulhof „Butje, Butie in de See" spielen hören, dann glaube ich, daß sich hier Bindungen knüpfen vom Reich nach dem Osten, unb daß eine Gemeinschaft entsteht, die immer fester werden wird. Und daran ändert auch die Tatsache nichts, daß der Bauer heute furchtbar gewettert hat, weil mir bie Kühe in die Wracken gelaufen sind.


