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gesetzt. Diese Maßnahme ist sehr zu begrüßen, btt- vete doch dieses vorspringende Stück des Bürger­steiges ein erhebliches Gefahrenmoment für die Fahrbahnbenutzer. Die gesamte Straßendecke zwi­schen der Straße Am Steg und der Stadtgrenze wurde ausgebessert und befindet sich jetzt in tadel- fofem Zustand.

Don gesundheitlichem Standpunkt aus ist die In­standsetzung der Straße sehr zu begrüßen, bildeten sich doch nach starkem Regen auf einem Teile des Bürgersteiges, zwischen Schubert- und Thaerstraße, aroße Schlammpfützen, die einen üblen Geruch ver­breiteten. Jetzt nehmen die an der Straßenseite an­gebrachten Sinkkästen das Wasser auf und leiten es ab. Auch für eine bessere Beleuchtung der Straße wird Sorge getragen. Acht neue Straßenlampen, an denen eben noch gearbeitet wird, werden den Staddausgang bis zur Stadtgrenze beleuchten. Die gesamten Straßenarbeiten dauerten etwa zwölf Wochen und boten vielen Volksgenossen Verdienst.

An die Postoerwaltung sei an dieser Stätte der Wunsch gerichtet, an der äußeren Frankfurter Straße, etwa an der Eisenbahnwohnkolonie, einen Briefkasten anzubringen.

Berechnungsstelle

für die Bekleidungsindustrie.

LPD. Der Treuhänder der Arbeit für das Wirt­schaftsgebiet Hessen, Schwarz, teilt mit:

Der Sondertreuhänder der Heimarbeit im deut­schen Bekleidungsgewerbe hat auf Grund des § 11 der Zweiten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Heimarbeit vom 20. Februar 1935 mit Zustimmung des Herrn Reichs- und Preußi­schen Arbeitsministers die von der Deutschen Ar­beitsfront in Frankfurt a. M. einaerichtete Berech­nungsstelle für die Bekleidungsindustrie mit der Stückentgeltberechnung in der Herren- und Kna­benbekleidungsindustrie, Uniformindustrie und Wäscheindustrie im Treuhänderbezirk Hessen beauf­tragt. Jeder, der Heimarbeit ausgibt oder weiter­gibt, kann bei der Berechnungsstelle die Stückent- geltberechnung für ein Muster, nach dem eine grö­ßere Zahl von Stücken zu arbeiten ist, oder die Nachprüfung einer von ihm vorgenommenen Stück­entgeltberechnung beantragen Ferner kann jeder Heimarbeiter, Hausgewerbetreibender oder Zwi- fchenmeister bei der Berechnungsstelle die Nachprü­fung der Entgeltberechnung desjenigen beantragen, Der die Heimarbeit an ihn ausgegeben oder wei­tergegeben hat. Die Berechnungsstelle wird ihre Tätigkeit in Frankfurt a. M., Haus der Arbeit, Bür- gerstraße 69/77, 4. Stock, Zimmer 6, mit dem 23. September 1935 aufnehmen. Die Dienststunden werden durch den Leiter der Berechnungsstelle noch bekanntgegeben.

Bodensprengkurse im Obstbau.

LPD. Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau ver­anstaltet bei genügender Beteiligung auch dieses Jahr wieder Ausbildungskurse im Lockern des Erd­reichs, Heraussprengen von Stubben, Anlegen guter Baumlöcher usw. von eintägiger Dauer. Die Ortschaften können erst bestimmt werden, wenn die Anmeldungen vorliegen, da in die Gebiete der meisten Meldungen die Kurse gelegt werden. Trotz­dem läßt es sich nicht vermeiden, daß mancher Interessent weitab vom Kursusort wohnt. Meldun­gen müssen bis spätestens 25. September bei der Landesbauernschaft Hessen-Nassau, Frankfurt a. M., Bockenheimer Landstraße 25, erfolgen. Diese Mel­dungen sind bindend, d. h. verpflichten zur Be­zahlung der Kursusgebühr von 1 Mark, sobald diese angefordert wird. Interessenten, die an einem Kursus teilnehmen wollen, der unter 20 bis 30 Kilometer Entfernung von ihrem Wohnort entfernt abgehalten wtrd, wollen dieses besonders vermerken, ebenso solche, welche bereit sind, größere Entfer-

Aufruf!

Aeuffche grauen!

Euer Vaterland ruft Euch! Wollt Ihr zögern, wenn es gilt, das Leben Eurer Kinder zu schützen, wenn es um den Lebenswillen des ganzen Volkes geht?

Ihr seid zuerst berufen, mltzuwirken an der Auf- rechterhaltung deutschen Wesens, an der Erstarkung deutscher Jugend!

Keinem andern als Luch ist es so in die Hand gegeben, als Frau und Wutter, aus der tiefinneren Ueberzeugung, aus mütterlicher Verantwortung heraus, als Trägerin des Lebensquells, mikzuarbei- ten im Luftschutz, für den Ihr gebraucht werdet.

Wir sind erst im Anfang der umfangreichen Ar­beiten für den Luftschutz Die Arbeit wächst und mit ihr die Notwendigkeit der Mitarbeit der

Frau im Lustschutz.

heute mehr denn je werdet Ihr Euer starkes Herz, Euren Abwehrwlllen unter Beweis stellen müssen, in einer Zeit, in der es gilt als Kamerad des Mannes alles das zu erfüllen, wozu Ihr durch Euer Amt als Frau und Mutter berufen seid.

Im Luftschutz ist ein großes Feld der Betätigung als Hauswarte, Laienhelferin oder in der haus- feuerwehr, als Helferin in der Schulung, bei der Unterweisung der Kinder, als Helferin und Referen­tin der RS.-Irauenfchaft, Rotes Kreuz und BdM. vorhanden.

Darum, deutsche Frauen, folgt dem Rufe, der an Euch ergeht!

Tretet ein in den Äeichslufi- schutzbund e.V.

in die Reihen derjenigen, die gewillt sind, deutsches Gut und Blut nach besten Kräften zu schützen und zu schirmen.

heil Hitler!.

Der Ortsgruppenführer: gez. W. Poppe.

Der Kreisleiter der NSDAP.: Der Oberbürgermeister: gez. Klostermann. gez. Ritter.

Der polizeidirektor:

gez. Meusel.

Die Leiterin der NS.-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerks im Kreis Gießen:

I. v.: gez. Ilse W r e d e.

Die Untergauführerin des Bb21L: gez. Käthe Pfeffer.

Die NS.-Frauenschaft und das Deutsche Frauen- werk werden in Gemeinschaft mit dem Reichsluft­schuhbund im Laufe der nächsten Woche jede Gieße­ner Familie auffuchen, um auch die Frauen zum Beitritt in den Reichsluftschuhbund aufzufordern. Dies geschieht durch Ausgabe von Anmeldeformu­laren, die in Kürze wieder abgeholt werden.

Es ist nicht allein damit getan, daß der Mann Mitglied des Reichsluftschuhbundes ist, die Frau soll die Mitgliedschaft ebenfalls erwerben. Der Mitgliedsbeitrag ist so gering, daß er auch von oder für die Frauen getragen werden kann.

nungen zurückzulegen, sofern sie nicht zu über­nachten brauchen. Die Teilnehmergebühr von 1 Mark ist nicht sofort mit der Anmeldung einzuschicken, sondern erst auf besondere Aufforderung.

Förderung zeitgenössischer Kompositionen.

SVK. In dem Bestreben, die Verbreitung zeit­genössischer Chorkompositionen zu fördern und neue Werke den Vereinen zu möglichst billigen Preisen zugänglich zu machen, hat der Deutsche Sängerbund seit Jahren Chöre von lebenden Komponisten als Liederblätter" herausgebracht. Im Vorjahre hat der DSB. mit dem Deutschen Musikalienverleger­verein einen Vertrag geschlossen, wonach die Heraus­gabe von Liederblättern durch den DSB. nicht mehr weitergeführt wird. Statt dessen stellen die deut­schen Verleger jährlich eine Anzahl Neuerscheinun­gen zu besonders billigem Preise zur Verfügung. Der Musikbeirat des DSB. hat soeben die Aus­wahl für das laufende Jahr getroffen. Es handelt sich um Werke von Grabner, Unger, Lang, Liß- mann, Siegl, Weismann und Trunk, sowie um Volksliedbearbeitungen von Heinrichs, Lang und Willms. Bei den ausgesuchten Werken acht Män­nerchöre und fünf Gemischte Chöre ist besonderer Wert darauf gelegt worden, daß die Schwierigkeit ein Mittelmaß nicht überschreitet, so daß auch klei­nere Vereine durchaus in der Luge sind, die Lieder zu erarbeiten. Man hat weiterhin darauf Bedacht genommen, daß eine Anzahl Lieder bei den großen Volksfeiern Verwendung finden kann. Die Bemü­hungen des Deutschen Sängerbundes um Schaffung von preiswertem zeitgenössischem Liedgut kommen

sowohl den Vereinen als auch den Komponisten zugute. Bei der schwierigen geldlichen Latze unserer Gesangvereine ist es von großer Wichtigkeit, die Anschaffung neuen Liedgutes mit allen erdenklichen Mitteln zu unterstützen, damit die Vereine sich nicht aus die im Vereinsarchiv vorhandenen Bestände be­schränken, womit ein Stillstand in der Entwicklung des Chorwesens unzweifelhaft verbunden wäre. Aus diesem Grunde hat der Deutsche Sängerbund die seit einiaen Jahren eingeführtenPflichtchöre" vor­zugsweise aus der zeitgenössischen Literatur genom­men. Zur Erarbeitung der Pflichtchöre ist jeder Bundesoerein verpflichtet, während es fick bei den Bundeschören" ledialick um eine Empfehlung der Bundesleitung zur Anschaffung handelt.

Mehr Silcher!

Eine Mahnung an die deutschen Sänger.

SBK. Am 26. August waren 75 Jahre vergan­gen seit dem Täde des großen schwäbischen Lieder- meisters Friedrich Silchers. Das ganze deutsche Volk ist diesem Manne zu Dank verpflichtet. Seine Ver­tonung volkstümlicher Lieder sind tief ins Volk ein- gedrungen, Jie find im besten Sinne des Wortes Volkslieder^ geworden. Wer kennt nicht fein Aennchen von Tharau",Morgen muß ich fort von hier",Zu iÄraßburg auf der Schanz" und andere Lieder? In gleichem Maße wurden feine Dolksliedbearbeitungen für Männerchor verbreitet und haben dadurch viele Volkslieder erst wirklich unter das Volk gebracht. So ist Friedrich Silcher eine der wichtigsten Persönlichkeiten in Volksmusik des vorigen Jahrhunderts, der für die Entwicklung des deutschen Chorgesanges von richtunggebender Bedeutung war. Sein Name ist heute unter den

Gesangvereinen ebenso bekannt wie zu seinen Leb- zeiten. Allerdings hat sich inzwischen eine andere Art der Volksliedbearbeitung entwickelt, die im Vergleich zu dem Satz eines Friedrich Silcher un­gleich komplizierter anmutet. Silchers Satzweise ist und bleibt unantastbar. Es wäre bedauerlich, wenn die klare und eindeutige Satzweise Silchers durch eine kunstvolle Gestaltung des Volksliedes allmah- lich verdrängt würde. Die kristallene Klarheit ferner Sätze ist für den einfachen, vierstimmigen Manner- gesang auch heute noch vorbildlich. Mit Recht richtet daher der Gausührer des Gaues Schwaben, Wärt- tembergifcher Innenminister Dr. Schmid, an dis deutschen Gesangvereine die Mahnung:Silcher, der Vorkämpfer für deutsche Art, der aus der Quelle unseres Volkstums schöpfte wie kaum einer, steht unserer Zeit besonders nahe. Alter Ueberheferung gemäß richte ich daher an alle deutschen Sanges- brüber die Mahnung:Mehr Silcher! Die Worte des schwäbischen Sängerführers mögen alle die­jenigen beherzigen, die Sinn haben für die wahr­haft volkstümlichen Weifen des Meisters, der bis heute in feiner Art unerreicht geblieben ist.

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag. NSG. Kraft durch Freude" :20 bis 21.15 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum, Dammstraße; 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.15 Uhr (nur für Frauen) Schwimmen im Volksbad; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Heilige und ihr Narr".

** Arbeitsvergebung. Das städtische Hoch- und Tiefbauamt schreibt in einer Bekanntmachung in unserem heutigen Blatte die Vergebung der Bau­arbeiten für Regen- und Schmutzwafferkanäle in der verlängerten Schlageterstraße aus. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hinge­wiesen.

** Straßensperren. Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird die Straße Am Nah­rungsberg zwischen Gutenbergstraße und Berg­straße aus die Dauer von 14 Tagen für den gesam­ten Fahrzeugverkehr polizeilich gesperrt. Wegen Lagerung von Baumaterialien für die Errichtung eines großen Reihenhauses Ecke Lessing- und Ste- ülftsksiutz

Zu jedem

kommt einmal das Glück

ZRoman von Ellen Kulm

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme - Verlag, Halle (S.) 19 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Seine Mutter griff impulsiv nach seiner Hand.

Sprich nicht so, Johnie, es zerreißt mir das Herz, und es ist auch nicht wahr. Du wirft auch noch glücklich werden, Johnie, mein Herzensjunge! Du wirst bestimmt ein Mädchen finden, das deiner Wert ist."

Aber sie verstummte, denn der Sohn hatte sich sanft von ihr frei gemacht und ging zur Tür.

Ich muß gehen, Mutter! Ich muß arbeiten! Erwarte mich nicht sobald. Denn ich muß heute doppelt fleißig fein, damit ich mir den morgigen Ausflug an den Starnberger See nicht vorzu­werfen brauche. Uebrigens ist auch Fräulein von Tanner mit aufgefordert. Und, nicht wahr, Mut­ter, du wirst dich beherrschen und freundlich zu ihr sein...?"

Na, Johnie, wenn sie unser Gast sein wird, werde ich die Höflichkeit nicht vergessen. Aber freundlich kann ich nicht zu ihr sein, das kannst du wirklich Nicht verlangen, Johnie!"

Doch der hatte schon leise die Tür hinter sich zu­gezogen.

Kurz darauf klopfte Monika an.

Schlafen Sie noch, gnädige Frau?"

Ach woher denn, liebes Kind! Kommen Sie nur herein! Im Gegenteil ich habe mit Ihnen zu sprechen."

Ist es wetzen wegen Evi von Tanner?"

Monikas Stimme zitterte, ihr Antlitz war wie mit Blut übergossen. Erstaunt sah die alte Frau sie an.

Allerdings, liebes Kind. Kommen Sie etwa selbst deswegen zu mir?"

Ja, gnädige Frau! Ich weiß zwar nicht, wer Ihnen davon erzählt hat, aber ich will von vorn­herein aufrichtig sein. Es war kein Zufall, daß Evi von Tanner gestern kam, und sie ist auch nicht meine Freundin. Ich kenne sie selbst erst seit kurzem."

Monika was soll das heißen?!"

Da sank die sonst so beherrschte Monika auf» schluchzend vor der alten Frau nieder.

Bitte, verzeihen Sie mir! Ich habe es so gut gemeint!"

Der blonde Mädchenkopf war tief herabgebeugt, und das leise Schluchzen griff der gutmütigen Frau Klinke ans Herz.

Ihr Zorn schwand nun ebenso schnell, wie er ge­kommen war.

Sie strich Monika behutsam übet die feinen, weichen Haare.

Nicht meinen, mein Kind. Sie werden mir alles in Ruhe erzählen."

Monika trocknete sich die Augen. Es fiel ihr sehr, sehr schwer, zu sprechen; aber sie hatte es sich vorgenommen. Es mußte sein, und bann würbe

auch ber Druck schwinben, der so schwer auf ihr lastete.

Und so sprach sie sich denn alles herunter, von dem Tage an, wo Frau Klinke sie besucht und ihr selbst von Johnies unglücklicher Neigung erzählt hatte bis zu dem Augenblick, da sie der Zufall auf Evi von Tanners Spur geführt hatte und sie nicht widerstehen konnte, sie kennenzulernen.

Sie hatte sich nun das Schwerste heruntergeredet, und Frau Klinke hatte sie mit keinem Wort unter­brochen. Als Monika begann, hatte sie sich an den Kopf gegriffen. Natürlich, daß sie so ganz dabei vergessen konnte, daß sie Monika selbst von Evi von Tanner erzählt hatte! Aber wunderbar genug blieb der Zufall noch immer, der dies Mädchen nach München und damit Monika in den Weg ge­führt hatte.

Nun, da war ja immerhin Evi von Tanner an dem neuerlichen Zusammentreffen mit Johnie um ». Sie mochte selbst Augen gemacht haben, den verschmähten armen Studenten plötzlich als vermögenden Amerikaner wiedersah. Und so gutmütig auch Frau Klinke war, ihr verletztes Mut­terherz freute sich doch daran, welch großartige Heirat sie verschmäht hatte!

Monika hatte ihren Bericht beendet. Sie hatte nicht gewagt, Frau Klinke anzusehen. Erst jetzt hob sie schüchtern den Kopf.

Frau Klinke strich ihr sanft über die Wange.

Meine kleine Monika! Ich glaube wohl, daß es Sie erschüttert hat, einem Mädchen gegenüber- zustehen, das Ihnen ähnelt wie eine Schwester, aber nun müssen Sie mir doch noch das eine auf­richtig sagen: Warum haben Sie sie wieder mit meinem Johnie zusammengeführt? Noch dazu, ohne mich vorher zu fragen? Dachten Sie gar nicht daran, daß Sie ihm einen tiefen Schmerz zu­fügen mußten, daß Sie eine Wunde, Die kaum verheilt war, wieder aufrissen?"

Da sah Monika Frau Klinke offen an und sagte leise:

Doch, gnädige Frau, ich habe daran gedacht!"

Sie haben daran gedacht? Und warum haben Sie es doch getan, Monika? Ich kannte sie bisher als ein so liebes, gutherziges Mädchen."

Monika zögerte. Aber bann wußte sie, daß sie nun nicht mehr länger schweigen konnte, wenn sie nicht ungerechtfertigt in den Äugen Frau Klinkes, ihrer gütigen und liebevollen Wohltäterin, dastehen wollte.

Ich habe mir gedacht, daß Evi von Tanner nicht kaltherzig und berechnend sein kann. Es muß da ein Irrtum vorliegen. Aber selbst wenn sie auf Grund der vielen Entbehrungen, die sie durch­gemacht hat, sich wirklich vorgenommen hat, nur einen reichen Mann zu heiraten, auch dann ist sie bestimmt immer noch viel, viel besser als als Frau Shirley Preston!"

Frau Klinke zuckte zusammen. Was redete Mo­nika da? Aber im nächsten Augenblick begriff sie, daß Monika vielleicht einigen Grund hatte, anzu­nehmen, daß die Amerikanerin sich um Johnie be­warb. Sie kannte ihren Sohn gut genug, um sich nach der Richtung nicht allzu viele Gedanken zu machen, aber es war wahr, die Amerikanerin hatte sich in letzter Zeit Johnie sehr angeschlofsen.

Ihr selbst hatte ja Shirley Preston von Anfang an nicht gefallen, aber in der letzten Zeit hatte sie ein einfacheres Auftreten und sanfteres, beschei­deneres Wesen gezeigt, so daß sich Frau Klinke darüber gewundert hatte. Sie hatte es kaum be­achtet; aber jetzt, als Monika es aussprach, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Vielleicht war die ganze Veränderung von Frau Preston, ihr Interesse für Johnies Arbeit nur ein geschicktes Manöver. Und diese kleine Monika hatte also schärfere Augen und es früher bemerkt, als sie, die Mutter...

Sie haben also Johnie davor schützen wollen, daß er vielleicht aus Mitleid mit ihrer Verlassenheit, von der sie uns dauernd erzählt, Frau Preston heiratet?"

Monika errötete.

Ich, ich weiß nicht ... Ich hatte so das Gefühl, besonders in letzter Zeit, und ... sie ist seiner wirk­lich nicht wert, diese Frau Preston!"

Frau Klinke lächelte.

Also, so war das, mein liebes Kind! Da haben Sie also wirklich einen Grund gehabt, um Fräu­lein von Tanner wieder mit Johnie zusammenzu­bringen, und haben es gutgemeint."

Sie sind niir also nicht mehr böse, liebe gnä­dige Frau?!" rief Monika auftamenb.

Nein, mein Kind! Wir wollen nun auch sehen, daß es gut ausfällt."

Sie sah Monikas Zögern und fragte liebevoll: Noch etwas auf Dem Herzen, kleine Monika?" Ich möchte Sie nur bitten, gnädige Frau, Herrn von Gerling und Frau Preston nicht zu verraten, wie schwer Evi von Tanner ihr Brot verdienen muß. Ich habe sie doch fingen gehört; ihr Beruf fällt ihr gar nicht leicht. Ich bin überzeugt, wenn sie es nicht mehr tun müßte, so wäre sie der glück­lichste Mensch. Aber Herr von Gerling urteilt so streng, und Frau Preston ach, sie würde es der armen Evi bestimmt fühlen lassen. Ich habe schon gestern gemerkt, wie sie über ihr einfaches Kleid die Nase rümpfte."

Ich werde schweigen, und Johnie brauchen wir dazu gar nicht aufzufordern. Er ist viel zu ver­schlossen, um über Fräulein von Tanner mit je­mandem anderen zu sprechen." .

Monika wandte sich erleichtert zur Tür.

Ich danke Ihnen, gnädige Frau. Jetzt ist mir schon viel leichter ums Herz."

Aber plötzlich blieb sie stehen.

Ich habe noch eine Bitte eine große Bitte!" Sie verkrampfte die Hände. Tiefe Röte übergoß ihr feines Gesicht.Ich möchte, daß daß Johnie, daß Herr Klinke niemals erfährt, daß es nicht der Zufall, sondern ich selbst es war, die ihn wieder mit Fräulein von Tanner zusammenführte ..."

Frau Klinke sah sie ernst an, dann nickte sie.

Gut, liebes Kind! Er soll es nicht erfahren!" Da huschte Monika schnell noch einmal zurück, hob die Hand Frau Klinkes an die Lippen und küßte sie. Dann verschwand sie schnell wie ein Blitz aus dem Zimmer.

Frau Klinke aber saß regungslos da und blickte die Tür an, die sich hinter Monika geschlossen hatte.

Dann murmelte sie:

Wenn das wahr wäre! Ja, wenn das möglich wäre!"

13. Kapitel.

Ein schöner Frühherbsttag lag über der Stadt. Die Sonne schien, und jeder Mensch freute sich, daß es die Sonne noch immer fo gut meinte.

Auch Evi von Tanner erwachte mit einer frohen Erwartung.

Sie hatte fo wenig Abwechslung in ihrem Leben gehabt. Und heute sollte sie eine Autofahrt machen mit ihrer neuen Freundin, und natürlich auch Friedrich von Gerling sollte dabei fein!

Nein, sie wollte nicht grübeln. Es war ja auch zwecklos. Das kurze Glück würde wieder spurlos aus ihrem Leben schwinden. Aber gestern hatte er doch feine Lippen auf ihre Stirn gedrückt, und sie hatte die Stirn an feine Schulter gelegt. Wie schön das war, wie geborgen man sich fühlte! Mit so einem Manne Hand in Hand ins Leben hinaus­zugehen: unausdenkbar schön mußte das sein. Aber so unbescheiden durfte sie nicht sein. Nur freuen wollte sie sich mit dem, was sie hatte. Die Erinne­rung mußte ja doch für ein ganzes Leben genügen.

Aber auch Johnie Klinke würde dabei fein.

Plötzlich blieb Evi ganz erstaunt stehen und schlug sich vor die Stirn.

Wie merkwürdig das war! Als sie ihn wiedersah, war sie so aufgeregt gewesen, aber jetzt hatte sie es schon fast wieder vergessen.

Jetzt kam es ihr zum Bewußtsein, daß er ein­mal um ihre Hand angehalten hatte. Und sie hatte ihn für einen armen Studenten gehalten. Er war ihr doch wirklich ganz sympathisch gewesen. Wenn sie damals gewußt hätte, daß er kein armer Junge war, hätte sie wahrscheinlichJa!" gesagt. Ob er sie wohl heute noch liebte? Damals hatte er sie be­stimmt geliebt.

Es hatte ihr ja sehr leid getan, als sie sah, wie ihre Weigerung ihn schmerzte, aber eine richtige Vorstellung hatte sie sich nicht davon gemacht, was das bedeutete. Heute verstand sie es besser. Denn heute sie schlug die Hände vors Gesicht. Sie konnte es sich nicht mehr verbergen. Wie der Blitz war es gekommen, vom ersten Augenblick an, da sie ihn gesehen und seine schöne, männlich tiefe Stimme gehört hatte, von dem Augenblick an, da er sie zum ersten Male beim Tanz in die Arme geschlossen hatte sie liebte Friedrich von Ger­ling! Und doch war es gut gewesen, daß sie damals von Johnie Klinkes Reichtum nichts gewußt hatte. Heute erst begriff sie, welches Wunder die wahre Liebe war.

Wie schrecklich wäre es gewesen, wenn sie Fried­rich von Gerling vielleicht begegnet wäre als johnie Klinkes Frau. Wenn sie da erst begriffen hätte, was es heißt, einen Menschen von ganzem Herzen zu lieben ... Und wenn sie auch niemals die Seine werden durfte ganz im stillen, für sich aüein, ohne daß er es jemals, wissen sollte, durfte sie ihm doch ihr ganzes Herz' schenken, ohne daß sie jemanden, dem sie durch ihr Wort sich für» Leben gegeben hatte, berauben mußte. Wenn fit auch fortan allein und einsam bleiben mußte sie hatte doch die Liebe kennengelernt!

Was tust du denn, Evchen?"

(Fortsetzung folgt!)