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Keltag, 13. September 1935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Hr.214 Drittes Blatt

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Hinfahrt: 7.39 Uhr 7.55 8.17 8.29 8.36

10.15

Auf zum Rhein am 15. September mitKraft durch Freude".

Versammlung der Ortsbauernführer.

Die Ortsbauernsührer des Kreises Gießen hielten unter dem Vorsitz des Bezirksbauernführers M e z- g e r (Röthges) im Hotel Hopfeld eine gut besuchte Sitzung ab, zu der auch Kreisbauernführer Ott und Stabsleiter Dr. Krämer (Friedberg) erschie­nen waren.

Zu Ehren des verstorbenen Ortsbauernführers Hermann Velten (Göbelnrod), dem der Bezirks­bauernführer einen Nachruf widmete, erhoben sich die Anwesenden von ihren Plätzen.

Dann sprach der Geschäftsführer der Futtermittel­stelle Frankfurt am M., Pg. Matthaei, über die Futtermittelbeschaffung. Die Futtermittel-Hauptstelle unterhält in jeder Landesbauernschaft eine Außen­stelle, der die Aufgabe zufällt, den Bedarf an zu­sätzlichem Futter festzustellen. Im letzten Jahre war es infolge der geringen Ernte notwendig, mit dem Vorhandenen streng hauszuhalten. So hat man während der letzten Monate, in denen die Betriebe mit Grünfutter versorgt waren, sämtliche ölhaltigen Futtermittel eingelagert, um für die Bedarfszeit von September bis kommenden März vorgesorgt zu sein.

Weiter sprach der Redner über wichtige Augen­blicksfragen in der Landwirtschaft, so u. a. über die bevorstehende Anordnung der Hauptvereinigung der deutschen Getreidewirtschaft, nach der Mühlen über 3000 Tonnen Kontingent eine Andienungs­pflicht der anfallenden Kleie erhalten. Außerdem wird eine Rücklieferungspflicht art den Landwirt, der direkt an die Mühlen Getreide liefert, für 60 v. H. der entsprechenden anfallenden Nachprodukte erlassen werden. Den Zuckerrübenpflanzern wer­den 4,5 v. H. Trockenschnitzel gratis zurückgegeben werden. Für den Rest aus der Fabrikation, zirka 1,5 v. H., der für den süddeutschen Zuckerwirt­schaftsverband rund 250 000 Zentner ausmacht, be­steht Andienungspflicht an die Futtermittelstelle. Auch für die Abfälle aus den Brauereien und Mäl­zereien sind Andienungen bei der Futermittelstelle vorgeschlagen, die Verhandlungen hierüber sind schon im Gange.

Nachdem noch Kreisbauernführer Ott über die Durchführung der neuen Bestimmungen gesprochen hatte, hielt der Stabsleiter der Kreisbauernschaft Dr. Krämer das Schlußwort, in dem er über die Getreidekontingentierung, den Schlußscheinzwang für Schlachtschweine u. a. sprach. Das diesjährige Winterhilfswerk wird im Sinne des Führers wie bisher durchgeführt, um auch diesmal wieder die Verbundenheit des Bauern mit dem Führer und Volk zum Ausdruck zu bringen.

Umfangreiche Erneuerungsarbeiten in der Frankfurter Gtratze.

Wetzlar Dutenhofen Gießen Großen-Linden Lang-Göns Mainz-Kastel

Die viele Wochen währenden Arbeiten in der Frankfurter Straße zwischen der Veterinärklinik und der Stadtgrenze sind nunmehr bis auf einige Schönheitsarbeiten beendet. Um dem starken Ver­kehr eütgegenzukommen und um Unfällen vorzu­beugen, wurde die Fahrbahn auf etwa einen Kilo­meter Länge durchschnittlich um zwei, an einzelnen Stellen bis zu drei Meter verbreitert. Der an der Ostseite der Straße liegende, innerhalb der Stadt jetzt immer noch sehr breite Fußgängersteig wurde erhöht und durch Randsteine gegen den Fahrdamm abgetrennt. Zwischen der Straße am Steg und der Schubertstraße, wo seither schon Randsteine vor­handen waren, wurden diese durch Zementsteine ersetzt. Die gesamte, zum Fahrdamm hinzugekom­mene Straßenfläche, etwa 2500 Quadratmeter, wurde mit Bruchsteinen ausgestellt, mit Basalt­steinen eingedeckt und schließlich mit Basaltsplitt unter starkem Teerzusatz eingeebnet. Die Walz­arbeiten wukden mit der Provinzialwalze vorge­nommen. An der Kurve vor dem großen Eisen- bahnviadukt wurde der äußere Straßenrand be­trächtlich erhöht. An der westlichen Straßenseite wurde der zwischen der Gärtnerei Bernhardt und dem Hollerweg in die Fahrbahn vorspringende Fußgängersteig um etwa 50 Zentimeter zurück-

Firdusi - F e st.

Die Iraner feiern die Wiederkehr des Todestages ihres großen Dichters, der lange vor Walther von der Vogelweide lebte und dichtete, und dessen Wir­ken heute noch so allgegenwärtig und alloertraut ist, wie uns die Dichtungen Goethes.

Die Studenten haben eingeladen in ihr Clubhaus Dschauane Iran" in einem der vornehmen Außen­bezirke von Teheran. Der Garten ist dick mit Tep­pichen belegt. Sie lassen nur die Platanen frei, die schlank in den dunkeln Himmel streben, und dte Blumenbeete. Sie rieseln über die Treppen und Stufen und hängen in die Teiche mit den Gold­fischen machen Halt vor einer kleinen Erhöhung, im Hintergründe des Gartens, wo vor gelber Lehm- mauer fünf tadellos gewachsene Cypressen stehen, flankiert im Vordergrund von zwei Weiden in zar­tem Silbergrau und zwei Kübeln mit Zitronen, deren gelb-grüne Früchte im Mondlicht von innen

DolksstückHolzappel".

Man weiß heute im Kreise Gießen, daßKraft- durch-Freude"-Veranstaltungen etwas ganz Beson­deres sind. So bietet auch die Uraufführung des lustigen V o l k s st ü ck e sHolzappel" am Tage des deutschen Bauern, am 6. Oktober, im Gießener Stadttheater wieder etwas ganz beson­deres.

Für alle Volksgenossen des Kreises Gießen muß es etwas besonderes sein, ein neues Stück aus der Taufe zu heben. Noch nirgends ist das Stück ge­spielt, aber wir glauben, daß bald nach unserer Uraufführung in Gießen das Stück über alle deut­schen Bühnen gehen wird.

Ein wirklich saftiges Volksstück, mit großartigem Humor und tiefem Ernst, diesesHolzappel"! Volks­genossen, sorgt Euch rechtzeitig für Plätze, Preise sind von 70 Pfennig bis 1,50 Mark, bei allen KdF.- Ortswarten.

Urlaubszug Allgäu vom 19. bis 29. September.

Die Fahrkarten können auf der Geschäftsstelle Gießen, Schanzenstraße 18, abgeholt werden.

Die Fahrt geht in Frankfurt ab 19. September 23.48 Uhr. Die Rückkunft am 29. September -

Am Montag, 16., und Dienstag, 17. September, in der Zeit von 20 bis 22.30 Uhr, zahlen alle An­gehörigen der SA., SS., NSKK., Reiter- und Marine-SA., die nicht Parteigenossen sind, den Hilfskassenbeitrag für das 4. Vierteljahr 1935 im RestaurantZum Tannhäuser", Frankfurter Straße 83.

Wer an diesen beiden Abenden den Beitrag nicht bezahlt, wird bei der Hilfskasse in München abge­meldet.

Aus parteiamtlichenBekarmtmachungen

Die Mitgliedskarten von Parteigenossen in der Ortsgruppe G i e ß e n - N o r d , mit den Anfangs­buchstaben L, M und N beginnend, sind bis zum

Aus der provinzialhaupistadt.

Dem Herbste zu.

Der Kalender erzählt uns, daß am 23. September der Herbst anfängt. In uns selber haben mir einen etwas anderen Kalender, der meist den Herbstbegtnn schon in das 1. Drittel des Septembers verlegt. Denn dann beginnt es herbstlich zu werden. Die Sonne ist früh morgens meist von Nebeln verschleiert, es ist recht kühl, und erst im Laufe des Tages wird der Himmel hoch, klar und hell, so klar, wie er im Sommer selten ist. Und viele Bäume nehmen eine herbstliche Färbung an. Auch am Abend, so warm der Tag gewesen sein mag, spürt man den Herbst; früh senkt sich die Dämmerung über die Erde, und zum Abendbrot muß man Licht am zünden.

Trotz alle dieser Vorzeichen fällt der kalender­mäßige Herbstbeginn nicht mit diesem gefühlsmäßi­gen zusammen. Eigentlich sollte man erst von ihm reden, wenn er wirklich gekommen ist. Wozu soll man Dinge, die man nicht gern heraufbeschwört, unnötig früh an die Wand malen? Und doch kom­men sie unentrinnbar; da ist es wohl das beste, sich ihrer guten Seiten zu erinnern.

Der Herbst hat solche guten Seiten sicherlich in Fülle. Wir leiden nicht mehr unter unerträglicher Hitze, wir werden nicht mehr bei jedem Ausflug von Mücken, Fliegen und Wespen belästigt, wir finden wieder Ruhe zur Arbeit, woran es doch im Som­mer ost sehr mangelt, da auch der Fleißigste voll Empörung ist, wenn er an schönen Sommertagen im Zimmer sitzen und auf Häusermauern starren muß.

Im Herbst bleibt man gern bei seiner Arbeit, meist gestärkt durch die sommerliche Erholung, und alles geht flinker von der Hand. Der Kopf ist klar, fast fo klar wie der seltsame Herbsthimmel, dessen tiefes Blau beglückt. Auch den Augen tut dieses Licht wohl.

Für die Glücklichen, denen der Herbst noch Ur­laubs- oder Ferienwochen bringt, sieht die Welt ver­lockend aus. An den Rebstöcken reifen die Trauben, in diesem Jahre in Fülle und Süße wie selten. Wir werden ein gutes Weinjahr haben, eine Freude für alle, die einen guten Tropfen lieben, ein Segen auch für unser Land, denn deutscher Wein ist in der gan­zen Welt geschätzt. Man beneidet uns um den herr­lichen Trank, der auf den Rebenbergen an Rhein und Mosel, an Saar und Main reift, man erkennt ihm die Krone unter den Weinen zu. Eine rechte Herbstfreude ist es, durch die Weindörfer zu wan­dern. Froh und leicht wird es uns um Herz, Wander­freude pulst in den Adern.

Und nicht lange mehr, bann werden die Wälder in allen Farben des Herbstes leuchten und brennen, und es wird Menschen genug geben, die aus ehr­licher Ueberzeugung sagen: die Pracht des Herb­stes ist unvergleichlich, keine Jahreszeit kommt gegen ihn an. Und das, sollte uns dünken, ist die rechte Stimmung, sich jenem Kalenderblatt zu nähern, das uns den Herbstbeginn ankündigt.

Ortsgruppe Gießen-Süd.

Abteilung hilfskaffe.

Vekr.: Bezahlung der Hilfskaffenbeiträge für das letzte Vierteljahr 1935.

26. September mit der Ausfertigungsgebühr von 1, Mark, zwei Paßbildern und den vollzähligen Beitragsmarken zum Umtausch gegen das Mit- gliedslmch einzureichen.

In der Ortsgruppe Giehen-Süd sind die Mitgliedskarten von Parteigenossen, deren Namen mit den Buchstaben L, M und N beginnen, eben­falls mit 1, Mark Ausfertigungsgebühr und zwei Paßbildern bis zum 20. September spätestens auf Ortsgruppenbüro abzuliefern.

Frankfurt ist 17.44 Uhr.

GportamtKrast durch Freude".

heute folgende Kurse:

Allgemeine Körperschule.

Von 20.45 bis 22 Uhr für Frauen und Männer gemeinsam, Lyzeum, Dammstraße.

Fröhliche Gymnastik und Spiele/ Von 20.30 bis 21.30 Uhr, nur für Frauen, Lollar, Kantinengebäude Fa. Buderus.

Reiten.

Von 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs, Brandplatz.

Neue Schwimmkurse.

Von 20.30 bis 21.30 Uhr, für Frauen und Män­ner gemeinsam, Volksbad. Von 21.30 bis 22.15 Uhr nur für Frauen. Anmeldung und Auskunft vor Beginn der Uebungsstunden im Dolksbad.

Treibt Leibesübungen mitKraft durch Freude".

Deutsche Arbeitsfront.

Achtung! Ausgabe der Ehrenurkunden vom ersten Leiftungsfchreiben.

Die Abteilung für Arbeitsführung und Berufs­erziehung in der Kreiswaltung Gießen veranstaltet am kommenden Samstag, 14. September, 20 Uhr, einen Kameradschaftsabend im Cafe Ebel. An die­sem Abend werden die Ehrenurkunden vom ersten Leistungsschreiben ausgehändigt. Wir laden hierzu alle Wettschreiber, sowie die Arbeitskameraden unserer Lehrgänge ein.

Nachte im Iran.

Don unserem-ständtgenS -D.-Äerichterstatter (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Teheran, Spätsommer 1935.

Es ist bezeichnerid für Land und Leute, daß man es im Irak* trotz der starken Tageshitze ver­meidet, nachts zu reifen, während in Persien gerade die kühlen Nächte benutzt werden, um die weiten Strecken, die im dünnbesiedelten Hochlande die Städte trennen, im Auto zurückzulegen. Die guten Straßen, die völlige Ruhe und Sicherheit des Landes wie sie im Irak nicht immer gewähr­leistet ist machen die Nacht im Iran** zu einer vertrauten Lebensform nicht nur für Reifen im Lande, sondern auch für die Ruhe nach des Tages Hitze, für die Feiern nach Wochen der Arbeit.

Drei solcher Nächte sind mir von drei Reisen durch das iranische Gebirgsland eindrucksvoll in Ennne-

Tausende von Händen, um die schwierigste Stelle in möglichst kurzer Frist zu bezwingen. Tag und Nacht schrien hier die Bohrmaschinen gegen den Fels, Tag und Nacht dröhnten die Sprengschüsse, polterten die Steinmassen abwärts, pfiffen die Lo­komotiven der schmalspurigen Arbeitszüge, und Wolken von Kalkstaub zogen im Mondlicht wie sil­berne Schwaden durch die Täler.

Zwar legt man sich in eine der Wellblechhütten, die den Dänen als Wohnhaus dienen, in sehr be­quemen Betten schlafen, zieht sich die Federdecke über die Ohren; denn hier so nahe der Paßhöhe ist es empfindlich kühl des Nachts. Aber an einen festen Schlaf ist nicht zu denken. Es find nicht nur die Eindrücke des Tages: der zweimal durchfahrene Ur­wald von Mazanderan mit feinen efeuurnhangenen Schluchten, das Begreifen des gewaltigen Werkes, das hier geleistet wird, es ist quch das Arbeits­tempo da draußen, das einen in feinen Bann zieht. Ein Tempo, das Tag für Tag, fast Stunde für Stunde die Vollendung eines bestimmten Pensums erheischt, trotz aller neuen und unvorhergesehenen Bodenschwierigkeiten. Dazu sind die Techniker da, um zu überlegen, wie man am schnellsten ihrer Herr wird.

Draußen tönt wieder das Horn des Wächters, der die nächsten großen Sprengungen ansagt, die Arbeiter warnt und auffordert, sich in Sicherheit zu bringen, die kleinen Arbeitszüge halten läßt, da­mit sie nicht in die Gefahrzone hineinfahren. Dann zählt man die Sekunden, bis der Fels auf­brüllt in hundertfältigem Echo und gewaltige Blöcke, wie Kieselsteine auf blankem Wasser, von Fels zu Fels talabwärts toben.

Auch das ist eine Nacht, wie sie Iran heute kenn-

Zwischen Hamadan und Kaswin überschreitet man am frühen Morgen eine öde Wasserscheide un Zuge der großen Autoverbindungen, tue Die Schlaf­wagengesellschaft zwischen Hanikin und Teheran ein­gerichtet hat. Reist man aber mit Iranern Zusam­men, so wird's leicht Nacht, denn der Tag dient kleinen Einkäufen und den Vorbereitungen zur Reise. Vom Südhang der Bergschroffen heran er stürzen in die Hochfläche hinein zahlreiche Wud- wässer, die man auf sonst tadelloser Straße furtet; sie überbrücken zu wollen, wäre vergebene Liebes­mühe. Die Wildwässer von Iran sind unberechen­bar. Eben noch ein harmloses Rinnsal, sind sie ist im Gebirge darüber Regen gefallen gleich darauf ein gurgelnder Schlammstrom.

In einem solchen Rinnsale war im Dunkel der Nacht das Getriebe unseres Wagens an einen Stein geschlagen. Wir saßen fest. Natürlich mußten wir trachten, aufs trockene Land zu kommen. Aber aus eigener Kraft war das nicht möglich; denn unser Wagen war nach landesüblicher Art schwer be­laden Mir, dem fremden Gast, hatte man zwar den bequemen Platz neben dem Fahrer eingeräumt, aber hinten saß ein? ganze Familie, ein Ehepaar nebst Mutter und drei Kindern und viel, viel Haus- ^Die Kinder schliefen. Die Frauen seufzten, der -vobrer und der andere Mann waren ans Ufer ge­watet um vorüberfahrende Wagen anzuhalten und uns abzuschleppen. Ich saß und harrte der Dinge,

* Alte Bezeichnung für das nordöstliche Arabien und das westliche Persien bis zum Elbursgelnrge.

** Das heutige Persien

Hochbetagte Gießener Einwohnerin.

Am morgigen Samstag, ... ...........

14. September, kann Frau Emilie Hahn, Kaiser- allee 14 II, in großer gei- I stiger Frische ihren 91. B^BB' Geburtstag feiern, hochbetagte ent- stammt einer über 200 Jahre alten pfälzischen Beamtenfamilie, aus der \

viele Juristen und Geist- liche hervorgegangen sind.

Die Familie wurde be- DW>WWWBM«hMM.M^BWBk reits im Jahre 1699 durch Kaiser Leopold ein Fa- verliehen. \

Frau Hahn .lieft heute \

noch sehr viel nimmt an den Geschehnissen un- ferer Tage regen Anteil. 1

Ihrer Initiative hatte es

die Fbmilie zu verdanken, daß bereits im Jahre 1908 ein umfassender Stammbaum aufgestellt , X

wurde. Die Erinnerun- V-

gen der Jubilarin gehen £ _ .. n, .

weit zurück. Sie erinnert sich noch der Zeit, da rungen verbinden die hochbetogte Frau, die sich in im Jahre 1864 der Krieg um Schleswig-Holstein treuer Obhut ihrer Nichte befindet, mit der Nach- ging ferner an die Kriegstage von 1866 und vor barstadt Wetzlar und dem bekannten Ausflugsort allem an den Krieg von 1870/71. Viele Erinne- Braunfels. (Aufnahme aus Faimlienbesitz.)

Haupttreffer: eine Operation'

Eine Lotterie, die man in San Franzisko ausge­schrieben hat, steht bestimmt einzigartig da. Der Reingewinn dieser Lotterie soll zum Bau eines neuen Krankenhauses dienen. Dabei gab es fol­gende Gewinne: medizinische Bäder, Rasierabonne- mente, Gutscheine für künstliche Gebisse, Zahn- Plomben, Berechtigungsscheine für regelmäßige Fuß- pflege usw. Der Haupttreffer aber war eine Ope­ration. Wer sie gewinnt, der kann sich in dem nagelneuen und ganz modernen Operationssaal des zu erbauenden Krankenhauses operieren lassen. So­gar eine Erholungskur gehörte dazu. Die Lose fanden reißenden Absatz. Die Leitung des neu zu errichtenden Krankenhauses hat dann auch gleich eine neue Lotterie ausgeschrieben. Dabei werden zu gewinnen sein: Bestrahlungen, kosmetische Kuren, Schönheitsoperationen vielleicht eine Nasen- plasttk usw. Alles in allem sehr verlockende Ge- roinne

heraus zu strahlen schienen. Eine kleine Freilicht­bühne. Zur Linken das Vordach einer einfachen Berghütte, zur Rechten im Gebüsch der Weißbuchen eine helle Kalklampe mit Parabolspiegel. Unter die­ser Bühne hat die Musikkapelle der Garde sich nie­dergelassen und hebt, als der Mond aufgeht, mit ihrem Vorspiel an: Geige, Balalaika und Flöte in mehrfacher Besetzung, eine Musik voll unendlicher Wehmut und doch auch voll kriegerisch-beflügelten Marschtaktes.

Dann aber das Spiel selbst. Gleißende brokatene Gewänder vor der gelben Lehmmauer mit den schwarzen Cypressen, darüber das Flackern eines roten Lagerfeuers. Die Handlung: Firdusi und seine geliebte Frau in Wechselrede. Wie der Dichter dazu kam, die Sagen der Vorfahren zu sammeln. Wie er sein Volk, das unter Fremdlingen schmach­tete, zur Selbstbesinnung ermuntern wollte. Nicht anders, als es der Dichter uns selber in seiner Einleitung zumSchahname" schildert, und fast nur mit des Dichters eigenen Worten.

Andächtig schweigt die Jugend Irans, lauscht den Dichterworten, die ihr klingen müssen, wie uns etwa die Bibelsprüche Luthers. Berauscht vom Wohlklang der Sprache, vom Schwung des Versmaßes schwei­gen auch die Gäste. Leise begleitet die Musik die Rede, und lautlos winden sich durch die Schar der Gäste die Diener und reichen weite Sektkelche mit schlankem Stiel. In dem Sekt schwimmen kleine Würfel aus würzigem Apfel geschnitten, und in jeden Kelch fiel ein Tropfen ein Tropfen nur Rosenwassers von Schiras ...

So wird in einer alten Kultur die Nacht des Menschen Freund.

die Beine leicht angezogen, denn das Wasser gur­gelte verdächtig nahe unter dem Boden, lieber uns funkelte der sternenübersäte Himmel Irans, und fern in den Schluchten heulten Schakale.

Wie nun aber, wenn dennoch in den Bergen ein Platzregen niedergegangen wäre? Wie, wenn sich ein Geröllstrom vielleicht jetzt schon heruitterwälzte? Stieg nicht das Wasser schon? Kam in das sanfte Gurgeln nicht ein neuer. Ton? War das nicht das Knirschen von Kieseln?

Das Wasser war wirklich gestiegen! Eiskalt trat es aus den Brettern des Bodens hervor. Die Frauen seufzten, und die Kinder wurden höher gebettet.

Bisher waren wir, so schien es, Dutzenden von Autos begegnet. Jetzt aber wollte und wollte keines erscheinen. Endlich die Hähne schrien schon im fernen unsichtbaren Dorf tasteten sich langsam, langen Fühlhörnern vergleichbar, die kalkweißen Scheinwerferkegel einiger Lastautos aus der fernen Ebene über die Serpentinen zu uns herauf. Im­merhin, es mochte noch fast eine Stunde dauern, bis sie bei uns waren. So klar ist die Luft hier im Hochlande. Und dieses Gefühl kommender Gebor­genheit ließ alsbald alle Hemmungen vergessen. Man fiel in einen festen traumlosen Schlaf.

Es war heller Morgen, als wir ifn Schlepp eines der großen Wagen der nächsten Dorfschmiede zu­steuerten, wo man hoffen durfte, den Schaden we­nigstens notdürftig zu beheben.

*

Das war eine Nacht voll Unraft und Arbeit, ganz ungleich dem, was man im Orient erwartet. Und doch vielleicht kennzeichnend für den Geist, der das heutige Iran beherrscht und es antreibt, auf der Bahn der staatlichen und wirtschaftlichen Entwick­lung viel Versäumtes aufzuholen.

Die Versuche, den langen Salonwagen des Schahs, der.vor ein paar Tagen an der Kaspiseeküste in Benderges an Land gesetzt war, durch die engen Kurven der Bergstrecke am Nordhang des Elburs nach Abbasabad hinaufzubringen, hatten dis spät m Den Abend gedauert und waren befriedigend ver­laufen Der Salonwagen stand festlich erleuchtet in einem hier in der Wildnis unerhörten Glanz oben an der Felswand dicht vor dem Viadukt am Ende des Gleises; erst am kommenden Tage sollte er wie­der abwärts rollen. Uns aber trug das Auto in finkender Nacht noch weiter aufwärts bis in den Talkessel von Abbasabad, wo die iranische Nordbahn auf engem Raume fast 200 Meter Steigung ge­winnt, 'indem sie in zahlreichen Kehren an den Han­gen des Kessels und seiner Seitentäler aufwärts klimmt. Hier waren wir Gäste der dänischen Tech­niker die nach deutschen Plänen den Bau ausfüh­ren Hier auf diesem engen Raum hatten sie alle I Kraft eingesetzt, fieberhaft arbeiteten Tag und Nacht

Für diese wundervolle Fahrt in der Traubenzeit bei dem herrlichen Wetter am Sonntag an den Rhein sind noch eintae Plätze frei. Umgehende Meldungen werden noch entgegengenommen. Nach­stehend geben wir den genauen Fahrplan bekannt.

" ' ' Rückfahrt:

Koblenz ab 19.12

Das Schiff fährt ab Mainz-Kastel um 10.30 Uhr. Für genügend Aufenthalt in Rüdesheim sowie in Koblenz ist gesorgt.

Die bcutfdie Arbeitsfront =GemeinfdiafiKraft burth freubc"

'S» NS.