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"Wohnung sbaiikenimSchiffenber- gertal. Die Baufirma Obermann hat im Schiffenbergertal, am Erdkauterweg beginnend und in östlicher Richtung weiterführend, mit der Errich- tung weiterer Wohnungsbauten begonnen. Es kom­men hier ein dreigeschossiges Doppelhaus mit je fünf Zimmern und Zubehör und ein gleiches Wohn­haus mit je vier Zimmern zur Ausführung.

** Beseitigt d i e Scheuklappen. Der Landschaftsbund Volkstum und Heimat teilt mit: Scheuklappen find nur bei wirklich nervösen Pfer­den und beim Fahren mit mehreren Pferden ver- jchiedenen Eifers von einigem Nutzen, aber auch nur, wenn sie richtig passen, also nicht das Auge fast verdecken, oder vor den Augen hin und her schlottern. (Dadurch wird das Pferd beständig zum Schielen gezwungen und seine Aengstlichkeit nur noch vermehrt.) Scheuklappen wären fast vollkom­men überflüssig, wenn alle jungen Pferde von An­fang an ohne Scheuklappen eingefahren würden. Ein Pferd scheut viel schwerer, wenn es einen Gegenstand ganz zu Gesicht bekommt, als wenn es durch eine Klappe am Sehen behindert ist. Außer­dem fängt sich in den Scheuledern Staub, Schnee und Wind und dadurch können leicht Augenentzün- düngen, ja sogar Erblindungen entstehen. Daher fort mit den Scheuklappen!

** Gießener Fünfziger auf dem Ho° herodskopf. Am vorigen Sonntag hatte sich die 50er Vereinigung Jahrgang 1878 von Gießen den Hoherodskopf zum Ziel gewählt. Mit zwei Kraftwagen fuhren die 75 Teilnehmer bis Breun­geshain, erkletterten den Berg, machten im Klub- Hause Rast; dann ging nach Besteigung des Tauf- steinturmes mit seinem prächtigen Ausblick auf den Vogelsberg und feine Umgebung die Fahrt weiter. v

** D i e August Wanderung des D HC. Gießen führte am Sonntag in den nordöstlichen Teil unserer weiteren Umgebung. Marburg, dessen malerische Lage stets das Entzücken des Wander­freundes bildet, war der Ausgangspunkt. Durch einen Teil der Stadt und über den am Berghang liegenden Friedhof stieg man hinauf auf allerdings recht sonnigen Feldwegen zur uralten Weinstraße. Prächtige Fernblicke auf Frauenberg, Spiegelslust­turm und die im Lahntal liegende Musenstadt, so­wie später auf das kuppenreiche Hinterland mit dem turmbekrönten Rimberg belohnten den etwas mühsamen Aufstieg. Nach geraumer Zeit wurde die idyllisch gelegene Dammühle erreicht, wo gerastet wurde. Der Weitermarsch führte über schattige Waldpfade auf einen aussichtsreichen Höhenweg, auf dem eine frische Brise die schier tropische Hitze einigermaßen erträglich machte. So kam man durch die verträumten Dörfchen Hermershausen mit vielen Fachwerkbauten und Allna mit interessanter alter Kirche an der wohl tausendjährigen Eiche vorüber, deren Schatten zu kurzer Rast einlud. Nach einer Kaffeepause in Allna ging es weiter durch Feld und Wald über den Kirchberg, von dessen vor zwei Jahren neu errichtetem Adolf-Hitler-Turm man eine prachtvolle Rundschau genoß, hinunter nach dem schmucken Städtchen Gladenbach, von wo nach einer Schluhrast die Heimfahrt erfolgte.

** Unfall. Der hiesige 76 Jahre alte Schreiner­meister Christian Reitz, Asterweg 59, erlitt durch einen unglücklichen Sturz einen Oberschenkelbruch und mußte zur Behandlung in die Klinik gebracht werden.

"Sonderfahrten derKöln Düssel­dorfer sind auch für die nächste Zeit wieder vor­gesehen, so eine besonders billige Ferienfahrt am Mittwoch, 14. d. M., von Mainz nach den haupt­sächlichsten Ausflugsorten bis St. Goar, St. Goars­hausen, sowie am Samstagnachmittag eineBlau- fahpt", bei der ein etwa zweistündiger Aufenthalt in einem bekannten Winzerort vorgesehen ist. In die­ser Woche finden noch Mittwochs und Samstags Abendfahrten nach Bingen und zurück statt. Nach Königswinter werden an jedem Montag und Don­nerstag 7.45 Uhr ab Mainz preiswerte Zweitage- Fahrten ausgeführt. Man beachte die heutige An­zeige.

1. September: Sporttag des VDR.

Bald werden Plakate und Broschüren überall für den Sporttag des BdM. am 1. Septem­ber werben, denn an diesem Tag wollen wir Mädel zeigen, daß uns unsere Aufgabe und Arbeit in der Jugend des Führers ernst lst und wir fett dem ersten Reichssporttag im September des vori­gen Jahres gearbeitet haben. Immer wieder hat uns der Führer das Ziel gezeigt:Alles, was wir vom Deutschland der Zukunft verlangen, das Mädel und Jungen verlangen wir von Euch! , wir wissen, daß dieses Deutschland der Zukunft einst frei und stolz und groß sein soll, und sein Volk gesund und stark und stolz.

Line Generation der Stubenhocker und Lese­ratten wird nie der Träger eines gesunden, kraftvollen Volkstum werden. 3n unserer Ju­gend müssen wir Körper und Geist erziehen und kräftigen; stark und fest muß unser Wille werden, widerstände sind dazu da. daß man sie überwindet, nicht vor ihnen kapituliert. In jedem gesunden wenschen liegt soviel Kraft brach, weil sie nicht ausgenüht. nicht geschult und gefördert wird, wir wollen diese Kräfte in unseren wädeln wecken, fördern und stärken.

Der wöchentliche Sporttag lockert die Glieder und spannt die Muskeln an, gibt den Mädeln die Freude an der Bewegung; Laufen und Springen und Kör­perschule in frischer Luft gibt den Mädeln, die zum

größten Teil im Berufsleben stehen, den nötigen Ausgleich zu ihrer Arbeit in Büro und Fabrik und lockert die Glieder, die durch schwere Feld- und Landarbeit nur einseitig in Anspruch genommen sind. Hindernislauf und Sport im Gelände läßt die Mädel Schwierigkeiten wie im Spiel überwinden, stärkt ihren Mut und ihre Erfindungsaufgabe, und wer draußen vor einem breiten Graben nicht zu­rückschreckt, der wird auch im Alltag nicht gleich vor Schwierigkeiten, die sich auftürmen, die Segel strei­chen. Lustige Staffeln und ernste Wettkämpfe stärken den Gemeinschaftssinn und schließen die Mädel fest zusammen.

Lins steht immer im Mittelpunkt unserer Sportarbeit: nicht das ist das Ziel, ein­zelne Mädel zu Höchstleistungen zu bringen, sondern alle Mädel, eine ganze Mädel­generation zu erfassen, körperlich zu er­tüchtigen. frisch und aufnahmebereit für die geistige Schulung zu machen, die erst erfolgreich einsehen kann, wenn der Körper gesund und kräftig ist. Nicht dem Einzelnen soll unser Sport dienen, wir alle sind nur Glieder in .einer Kelte.

Im Volk arbeiten und schaffen wir für das Volk; daß es gesund und stark und stolz werde, ist Auf­gabe und Ziel. Wir arbeiten und schaffen. Der I. September soll ein Teil dieser Arbeit zeigen.

bekam Lehre? L R. Heinrich Dambmantt, Schotten, an etwa 20 Mitglieder wurde das silberne Abzeichen für 25jährige Mitgliedschaft verliehen. Reichswanderführer Dr. Werner nahm persönlich die Überreichung der Auszeichnungen vor und hielt wiederum eine mit größtem Beifall aufgenont- mene Rede. Lehrer i. R. Dambmann dankte humorvoll namens der Dekorierten. Launige An« sprachen und Heimatlieder wechselten bei echter herzlicher VHC.-Stimmung miteinander ab. Eine würdige, schöne Feier, die den Reichswanderführer wie auch den Zweigverein Schotten ehrte.

Schottener Sommermarkt.

y. Schotten, 12. Aug. Wie immer, hatte auch in diesem Jahre der Schottener Sommer­markt seine alte Anziehungskraft bewahrt, wenn auch der Viehauftrieb gegen die Vorkriegsjahre we­sentlich zurückgegangen ist. Der Zustrom an Markt- besuchern war außerordentlich stark. Es waren auf dem heutigen Pferde- und Rindviehmarkt aufgetrieben: etwa 25 Stück Jungvieh, 75 Stück Großvieh, darunter viel schönes Vogelsberger Vieh, 50 Pferde und 40 Fohlen. Die Preise waren je nach Qualität sehr verschieden, im allgemeinen wurde das Vieh gut bezahlt. Für Fohlen wurden Preise von 300 bis 400 Mark gezahlt. Der Handel war gut, das Vieh wurde abgesetzt. Sehr groß war auf dem Krämermarkt die Zahl der Stände und Buden, die in der Schloß- und Marktstraße rasch aufgebaut waren und ihre Waren anboten. Mehrer wahre Jakobs fehlten nicht, auch Zigeuner mit Pferdematerial waren vertreten. Schönstes warmes Wetter herrschte. Morgen findet Schweine­markt, am Mittwoch der übliche große Krämermarkt und das Volksfest statt.

Obecheffen.

Einweihung

einer Kerdinand-Werner-Eiche.

CO Schotten, 11. Aua. Im nahen, herrlichen Gierbachtälchen befindet sich die Marienruhe, vom VHC.-Zweigverein Schotten geschaffene schöne Anlage, dicht an den weiten Wäldern; Ruhebänke, überschattet von einer mächtigen Buche. An diesem idyllischen, abseits von allem Verkehr gelegenen Platz befindet sich auch das Ehrenmal, eine Bronceplakette an mächtigen Basaltfelsen ange­schmiedet, das der VHC. seinen im Weltkrieg ge­fallenen DHC.-Brüdern geweiht hat. Eine Eiche hat sich an diesem traulichen Platze von selbst an- gepflanzt und sich schon zu einem starken Stamm entwickelt.

Diesen jungen Baum hat der B H C. - Z w e i g - verein Schotten dem Reichswanderführer und VHC.-Bruder Professor Dr. Ferdinand Werner gewidmet und gestern in einer außerordentlich stim­mungsvollen Feier geweiht. Diele Wanderbrü- der und -schwestern hatten sich von Nah und Fern zu der schlichten, schönen Feier eingefunden, u. a. der Vorsitzende des Gesamt - VHC. Dr. Bruch- Häuser (Ulrichstein), Ludwig D e r n (Offenbach), Apotheker Donath (Goddelau), Fritz G e i b e (Friedberg), Apotheker Deesenmeyer (Gedern). Etwa hundert Teilnehmer hatten sich nach einem gemeinsamen Marsch über die Warte, wo man das neue Ehrenmal, das Gefallenen-Denkmal der Stadt bewunderte, zur Feier begeben. Der Vorsitzende des Zweigvereins Schotten, Apotheker S c r i b a, be­grüßte alle Erschienenen, insbesondere den Reichs- wanderführer Professor Dr. Ferdinand Werner. Er erinnerte an die reiche Arbeit, die Dr. Werner von jeher im Kampf für deutsches Volkstum und für die Erneuerung des Reiches auch oben im Vogelsberg geleistet habe. Aus Dankbarkeit habe der VHC. Schotten an diesem landschaftlich schönen Platze diese Eiche seinem treuen Freund und Förderer gewidmet. Einst habe an dieser Stelle ein uraltes Dorf gestanden, das im 16. Jahrhundert ausgestorben und unter­gegangen sei. Die Werner Eiche solle dem

kommenden Geschlecht künden von der Arbeit un­seres lieben Reichswanderführers. Die Ansprache klang aus in ein freudig aufgenommenes Sieg- Heil auf den Führer, auf Volk und Reichswander- führer. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel- Lied wurden begeistert gesungen. Apotheker S c r i b a übergab die Werner-Eiche in den Schutz der Stadt Schotten, auf deren Boden sie stehe.

Bürgermeister Menge! entbot Professor Dr. Werner, dem Ehrenbürger der Stadt Schotten, den Willkommgruß und nahm die Eiche in die Ob­hut und Pflege der Stadt. Er regte bei dem VHC. die Schaffung eines neuen Wanderpfades an, der rund um Schotten an alle herrlichen Plätze und landschaftlich so schönen Punkte, auch an die Marienruhe und Werner-Eiche, führe.

Reichswanderführer Prof. Dr. Werner sprach dann in tiefinnerlichen, zu Herzen gehenden Wor­ten seinen aufrichtigen Dank für diese finnige Ehrung aus. An die politische Kampfzeit, an all die schönen Stunden, die Wanderfahrten in den Vogelsberg, besonders auf unseren Hoherodskopf, an die viele, aufrichtige Freundschaft, die er im Vogelsberg gefunden habe, werde er bei dieser Feier wieder erinnert. Wenn keiner von uns allen mehr unter den Lebenden weile, in 100 Jah­ren werde der Bau noch künden von der Arbeit, die die Wandervereine für Heimat und Volkstum geleistet haben. Die Linde == der Baum des deut­schen Gemüts, die Buche = der Baum des deut­schen Glaubens, die Eiche der Baum des deut­schen Willens, sie alle würden davon Kunde geben. Der deutschen Heimat galt das herzlicheFrisch Auf". Begeistert über die schöne, inhaltsreiche Rede Dr. Werners dankten die Zuhörer.

Man lagerte sich dann an dem schönen Platze und nahm einen kleinen Imbiß ein. Schöne, alte Heimatlieder erklangen in das abendliche Tal. Bei Einbruch der Dunkelheit zog man nach Schotten zurück und versammelte sich imHessischen Haus" zu einem gemütlichen Beisammensein. Hier wurde die Ehrung der alten Mitglieder des Zweigvereins Schotten vorgenommen. Das goldene Abzeichen für 50jährige Mitgliedschaft

Jtege Bautätigkeit in Alsfeld.

I Alsfeld, 12. August. Während in diesem Jahre in den Landorten des Kreises Alsfeld dis Bautätigkeit im allgemeinen nicht sehr stark ist, ist in der Stadt Alsfeld eine rege Bautätig­keit festzustellen. Die Alsfelder Baugenossenschaft, die im vorigen Jahre erstmalig 6 Wohnhäuser er­baute, errichtet im Baujahr 1935 auf dem von ihr erworbenen Gelände in der Hochstraße 10 Wohn­häuser mit 20 Wohnungen. Die im Rohbau voll­endeten stattlichen Häuser bilden in ihrer städtebau­lich sehr gut wirkenden Anordnung als geschlossene Kolonie eine wertvolle Bereicherung des Stadt­bildes. Von privaten Bauherren werden in die­sem Jahre 7 Einfamilienhäuser errichtet. Die Provinz Oberhessen beginnt in den nächsten Tagen mit der Erbauung eines neuen Schalthauses für das Ueberlandwerk Oberheffen, das an der Schwa- benröderstraße erstellt wird. Ferner wurde kürz­lich die neue katholische Kapelle in der Schellengafse fertiggestellt, sowie der Erweiterungsbau der bäuer­lichen Werkschule. Die in diesem Jahre weiter vorgesehene Errichtung von 10 Siedlungshäusern durch die Gewobag (Gemeinnützige Eigenheim, Spar- und Wohnungsbau-Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M.) im Anschluß an die Alfred Klostermann-Siedlung in der Rambach mußte für dieses Jahr infolge Verzögerungen bet Erledigung der Vorarbeiten zurückgestellt werden. Mit der Durchführung des Wohnungsbauprogramms im Jahr 1935, das vom Standpunkt der Arbeitsbeschaf­fung sehr begrüßenswert ist und das deshalb auch von der Stadtverwaltung tatkräftig gefördert wurde, dürfte die starke Nachfrage nach Wohnun­gen in der Stadt Alsfeld, die durch die verschiede­nen neuerrichteten Aemter hervorgerufen worden war, zum größten Teil behoben fein.

Brand durch Blitzschlag.

* Wahlen (Kreis Alsfeld), 12. Aug. Bei einem Gewitter, das unserer Gegend den langersehnten Regen brachte, schlug derBlitzindieScheune des Landwirts August Dietz von hier ein und zündete. Dem rasch um sich greifenden Feuer fielen die Scheune und die Stallungen, ferner mehrere Wagen mit Getreide und wertvolle landwirtschaftliche Maschinen zum

Wir sanden zueinander.

Vornan von Klothilde v. Gtegmann

Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Derlag Halle (S.)

26 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Nachdenklich legte Dietrich den Hörer hin. Die Nachricht über Karla und Langgisser war eine warme Freude für ihn. Er hatte es schon lange zu spüren geglaubt, daß Karla für Langgisser etwas übrig hatte. Aber er hatte nie an diese Dinge zu rühren gewagt. Er wußte ja, wie Karla sich ob ihrer kleinen Entstellung minderwertig und von ieber Liebe ausgeschlossen fühlte. Gott sei Dank, daß es Doktor Langgisser, diesem feinen, charakter­vollen Manne, gelungen war, sie von dieser krank­haften Idee zu erlösen! Die beiden würden zu­einander passen; sie würden glücklich sein ja, sie waren es schon. Er aber? Für ihn gab es kein Glück! Die Freunde konnten sagen und tun, was sie wollten; sie konnten ja Marlens Charakter nicht umändern. Eine Frau, die um äußeren Glanzes willen einen Mann heiratete, konnte er nicht lieben. Dennoch wollte er hören, was ihm Karla und Langgisser zu sagen hatten, das ver­langte die Gerechtigkeit. Aber eine leise Stimme in ihm sprach: Täusche dich nicht, du selbst wün­schest ja, daß Marlen entsüynt vor dir steht! Du selbst fieberst ja mit allen Sinnen danach, sie lie­ben zu dürfen!

Der Diener war sehr erstaunt, als Veltheim seine Anordnungen wieder änderte. Er befahl, außer dem kleinen Koffer, den er für Berlin brauchte, den großen Schrankkoffer herauszuholen, da er eine längere Reise beabsichtigte.

Dietrich verbrachte eine schlaflose Nacht es war noch sehr viel zu tun und zu ordnen, ehe er an die Abreise denken konnte. Bis ftühmorgens um drei Uhr brannte die Lampe auf feinem Schreibtisch. Dann hatte er die nötigsten Dinge er­ledigt. Für ein paar Stunden legte er sich hin, stellte aber den Wecker auf sieben Uhr. Bereits um acht Uhr hatte er seine Beamten zu einer Be- sprechung zusammengebeten.

Endlich, mittags um zwölf Uhr, saß er müde, abgespannt, im Zuge nach Dresden, um von dort den Anschluß nach Berlin zu erreichen. Würde er Marlen finden? Er hatte ja nie mehr mit ihr direkt korrespondiert, sondern nur durch feinen Sachwalter, Herrn Justizrat Niemann.

20. Kapitel.

Der Lokalzug von Station Veltheim kam zwei Stunden vor der Abfahrt des D-Zuges Dresden Berlin an. Dietrich schlenderte in der Mittags­stunde ein wenig durch die heitere, elegante Stadt, um sich dann zum Mittagessen aus der Brühlschen Terrasse niederzulassen.

Als er nach dem Essen dem Bahnhof zuwanderte, kaufte er in ein paar Geschäften noch ein paar Kleinigkeiten. Gerade wie er aus einem Laden trat, stand er plötzlich seiner Kusine und ehemali­gen Braut Jutta von Bergfelde gegenüber. Er konnte ihr nicht mehr ausweichen. Sie hatte ihn bereits gesehen.

Es blieb ihm nichts anderes übrig, als den Hut zu ziehen und auf sie zuzugehen. Jutta von Berg­eide reichte ihm, scheinbar völlig unbefangen, bte Hand zur Begrüßung.

Ah, guten Tag, lieber Detter! Man hat ja überhaupt nichts mehr von dir gehört seit deiner Heirat. Noch nachträglich meinen herzlichsten Glückwunsch."

Vielen Dank!" sagte er steif.Darf ich mich nach dem Befinden deiner Mutter erkundigen?"

O danke, es geht ihr ganz gut! Wir sind im Begriff, zu Verwandten aufs Gut zu reifen. Du kannst mir auch gratulieren. Ich habe mich mit Direktor Mellenthin verlobt. Du weißt, Direktor Mellenthin von den Vereinigten Cra-Werken, Dresden."

Direktor Mellenthin?" Dietrich dachte nach. Ach, das war doch dieser reiche, aber ältliche Großin­dustrielle, den er einmal bei Juttas Mutter ken­nengelernt hatte, ein unangenehmer, lärmender Emporkömmling, aber, wie man sagte, Millionär. Und der war fein Nachfolger? Nun, gottlob, daß er selbst Jutta zur rechten Zeit erkannt hatte. Eine Ehe mit Jutta wäre vielleicht noch schlimmer gewesen als diese Formehe mit Marlen.

Nun, dann wünsche ich dir alles Gute, Jutta! Du hast also dein Ziel erreicht: einen Mann, der dir alle Schätze zu Füßen legen kann. Hoffentlich wirst du in dieser Ehe recht glücklich!"

Jutta spürte den Spott in Dietrichs Worten wohl. Das liebenswürdige Lächeln um ihren Mund wurde krampfhaft. In ihren Augen glitzerte es:

Ich danke dir für deine guten Wünsche, lieber Vetter! Sicher werde ich mit meinem Zukünfti­gen sehr glücklich sein. Darf ich übrigens fragen, was deine Gattin macht?"

Ich danke! Es geht ihr gut!" antwortete Dietrich steif.

Jutta lächelte noch boshafter:

Sie ist wohl auf Schloß Veltheim?"

Nein!" Es kam hart.

In Juttas Augen glitzerte Bosheit und Rach­sucht:

Glaube ich freilich, daß es ihr gut geht. Ich habe sie nämlich vor einiger Zeit gesehen. Unter uns gesagt, lieber Vetter, ich würde an deiner Stelle deine Frau nicht so allein in der Weltge- schichte herumreisen lassen. Es gibt vielleicht Män- ner, mit denen sie sich tröstet."

Dietrich wurde bleich.

Was willst du damit sagen?" fragte er.

Jutta zuckte die Schultemr

Ach, lieber Gott, nichts Besonderes. Es ist ja jetzt modern, daß jeder Mensch das tut, was ihm paßt, und nicht viel Rücksichten nimmt. Aber daß eine Frau, die deinen Namen trägt, mit einem fremden Herrn in einem Hotel zusammen Woh- nung nimmt, das ist ja nun ein bißchen reichlich." *Jutta!" Dietrich faßte Jutta hart am Hand- gelenk.

Blitzschnell entwand sie sich ihm:

Willst du hier auf offener Straße eine Szene machen? Dann such dir bitte einen anderen aus, vielleicht deine Frau, wenn du Lust hast, deinen Zorn an jemanden ausaulaffen. Aber schließlich, was geht's mich an? Vielleicht hat deine Frau ganz recht, daß sie tut, was i h r gefällt! Wenn sich ein Mann nicht um einen kümmert, dann darf er sich nicht wundern, wenn man feine eigenen Wege geht."

Dietrich zwang sich eifern zur Ruhe. Wenn das alles kein leeres Geschwätz von Jutta war, bann mußte er wissen, wo und wann sie Marlen gesehen hatte.

Wenn du nicht willst, daß ich dich für eine er­bärmliche Lügnerin halte, bann wirst bu mir jetzt Zeit, Stunde und Ort deiner angeblichen Begegnung mit Marlen nennen."

Jutta lächelte höhnisch. Sie hatte Dietrich ge­troffen:

Du brauchst gar nicht so große Worte zu reden; ich will es dir gern sagen. Ich besinne mich ganz genau. Ich war an dem Tage nämlich mit einer efreurtbeten Familie in Berlin. Es war, warte mal, der achtzehnte August."

An diesem Tage willst bu Marlen mit einem fremden Herrn in Berlin gesehen haben?"

Jawohl, lieber Detter!^

Du willst gesehen haben, daß sie mit einem fremden Herrn in ein Hotel hineinaing?"

Nicht nur hineinging, ich habe deutlich gehört, wie der junge Mann am Auto zu ihr sagte: Ich will nur hereingehen und für uns Zimmer be­stellen. Frag doch einmal im Hotel Mesthosi nach man mutz ja bas Fremdenbuch noch haben."

Eine tiefe Falte stand auf Dietrichs Stirn.

Ich werde nachfragen. Und wehe dir, wenn du Marlen schuldlos verdächtigt hast!"

Da lachte Jutta auf:

Warum erregst bu dich so? Ich benfe, das war nur eine Formehe zwischen euch beiden? Oder bist du vielleicht in deine sogenannte Frau verliebt? Nun, ich glaube, lieber Detter, da kommst du zu spät."

Sie wandte sich um und ging. Noch einmal sah er ihren braunen Mantel und das kleine, braune Hütchen in der Menge austauchen. Dann war sie seinen Blicken entschwunden.

Die Reise von Dresden nach Berlin verbrachte Dietrich wie in einem dumpfen Traum. Er sah nichts von dem oorüberfliegenben Lande. Er hörte nicyt dis Gespräche der Mitreisenden. Die Statio­

nen gingen ohne Bewußtsein an ihm vorüber. In seinem Hirn war nur das eine: Marlen betrog ihn. Marlen liebte einen anderen und schämte sich nicht, sich öffentlich zu ihm zu bekennen.

Aber nun war es genug übergenug. Das Testament Tante Albertas hatte ihn nur zwingen können, sich zu verheiraten. Es konnte ihm aber nicht verbieten, sich von Marlen scheiden zu lassen. Warum hatte er daran nicht schon längst gedacht? Ja, er wollte ein Ende machen. Solange Marlen seinen Namen führte, war er nicht sicher, was aus diesem Namen werden würde.

In Berlin angelangt, rief Dietrich sofort Justiz­rat Niemann an. Aber der konnte ihm auch nichts weiter sagen, als daß er sämtliche Briefe an Marlen postlagernd gesandt hätte. Er riet Dietrich, auf dem Einwohnermeldeamt nach Marlens Aufenthalt zu fragen, dort müßte sie ja an- ober abgemeldet sein. Dietrich sah ein, es würde ihm nichts anderes übrig­bleiben, obwohl es ihm aufs heftigste widerstand. Was sollten die Beamten denken, wenn er sich nach dem Aufenthalt seiner eigenen Frau erkundigte? Und ein viel schlimmerer Weg war ja noch zu gehen in bas Hotel, in dem nach Juttas Aus­sage Marlen mit jenem Unbekannten abgestiegen war.

Am liebsten wäre Dietrich umgekehrt, als er nun vor dem großen Hotel stand. Aber er mußte Ge­wißheit haben. Wenn Marlen ihr Versprechen brach und auf feinen Namen keine Rücksicht nahm, dann blieb nur die Scheidung.

Der Portter hinter der Hotelschranke verbeugte sich höflich, als der hochgewachsene vornehme Herr auf ihn zukam.

,,©raf Veltheim!" sagte Dietrich.Ach bitte, ich möchte wissen, ob am achtzehnten August eine Ver­wandte von mir, Gräfin Marlen Veltheim, bei Ihnen abgestiegen ist? Es handelt sich um eine ge­schäftliche Angelegenheit, im Interesse der Dame."

Der Portter schlug in seinem Fremdenbuch nach.

Am Achtzehnten? Nein, Herr Gras, eine Gräfin Marien Veltheim hatten wir nicht unter unseren Gästen!" Er sah nochmals die Spalten durch.Hier steht zwar der Vorname Marlen; aber es handelt sich um ein Fräulein Marlen Korda. Sie war hier mit einem Herrn"

Dante!" Es kam sehr schroff. Der Portter sah ganz erstaunt aus, als Dietrich Veltheim jetzt ohne ein weiteres Wort bas Hotel verließ. Was hatte benn nur der Herr? Er hatte ja plötzlich so zornig ausgesehen? War vielleicht etwas mir diesem Fräu­lein Marlen Korda und ihrem Bruder nicht in Ordnung? Aber das war doch ganz unmöglich man war doch durch den jahrelangen Beruf Men­schenkenner geworden. Das Fräulein Korda und ihr Bruder, das waren tadellose Leute, daran war nicht zu zweifeln.

(Fortsetzung folgtt)