llr.UO Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für OberWen)
montog, 15. Mi (955
Das Sommerlager
Die ersten 35 Mädel kamen gestern voll froher Erwartung in Laubach an. Acht Tage einmal draußen fein unter, vielen Kameradinnen, das wird neue Kraft und neue Freude an der Arbeit geben.
Gestern um 11 Uhr wurde feierlich dgs Lager des Untergaues Gießen in Laubach eröffnet. Strahlend schien die Sonne auf all die frohen Menschen, die diese Feierstunde miterlebten! Sprechchor, Gedicht und Lied gaben Kunde von dem ernsten Willen der jungen Generation, die großen Aufgaben, die.Staat und Volk an sie stellen, zu tragen. In unserer Kameradschaft wächst das Volk von morgen heran, es wird eine feste, durch nichts zu erschütternde Einheit sein!
Der Ortsgruppenleiter der NSDAP. Laubach begrüßte unsere Mädel herzlich und wünschte ihnen viel Freude für diese Zeit, vor allen Dingen eine feine Zeit der Kameradschaft und Gemeinschaft. Auch der Ortsgruppenamtsleiter der NSV., Mönnig, hieß die Madel freundlich willkommen; der NSV. find wir für ihre tätige Hilfe besonders dankbar.
Dann sprach Untergauführerin Else D a a b zu den Mädeln vop dem Sinn dieser Lager, Gemeinschaft zu erleben und aus der Kameradschaft neue Kraft zu schöpfen. Auch unsere Obergauführerin, Else Riese, war gekommen, um in dieser frohen Stunde bei uns zu fein und uns von unserer Aufgabe als gesunde deutsche Jugend zu sagen. Dieses Lager soll von dem Geist des gesamten VdM.
in Laubach eröffnet.
zeugen, von der selbstverständlichen frohen Gemeinschaft und Kameradschaft, die unter uns herrscht.
Ein Gang durch.das Haus zeigt uns, wie wohl sich unsere Mädel hier fühlen können. Hell und sonnig die Schlafräume und der Eßraum, mit wundervollem Blick auf den Park, der unseren Mädeln für diese Zeit hier auch $ur Verfügung steht. Frühsport hier mitten im Grünen unter den blühenden Bäumen erfrischt und gibt die Kraft, die unsere Mädel daheim in Büro und Fabrik brauchen.
Mitten zwischen Wiesen und Feldern liegt das Haus, dos uns freundlich zur Verfügung gestellt wurde. Wir wollen nicht durch Worte danken, unsere Mädel sollen selber beweisen, was in diesem Lager für das Ganze und die Zukunft des Volkes geschafft wurde.
Den ganzen Sommer über werden nun Mädel draußen sein und sich in der frohen Gemeinschaft stärken und wieder fühlen, wie eng wir alle zu- jammengehören und wie verbunden wir auch mit dem Land sind, zu dem wir gehören und das wir hier so recht erleben können. H. G.
„Es tut sich was."
Ellern wollen hören
wie das dieses Jahr mit den Zeltlagern der Hitlerjugend und des Jungvolkes ist. Brennend interessiert sie die Frage nach Lage und Aufbau der
Zeltstädte, in denen ihr Junge 14 Tage Urlaub verbringen soll. Sie wünschen Aufklärung über Verpflegung — hungern soll er nicht — über die Schlafmöglichkeiten, die Ausgestaltung des Lagerbetriebes und ob auch für Gesundheit und Hygiene gesorgt ist und alle Vorsichtsmaßregeln getroffen sind. Ach und noch so viele Fragen liegen ihnen am Herzen — ob der Junge nicht doch ... soll er nicht eine Wärmflasche mitnehmen? ... Wer schmiert ihm denn nun sein Brot? ...
Alle diese Fragen beantwortet der Reichssender Frankfurt a. M. in der Jugendfunkfendung:
„HJ.-Zeltlager 1935".
Zwiegespräch über die Vorbereitungen am Montag, 13. Mai, von 18.30 bis 18.45 Uhr.
Eltern schaltet euch ein, es soll euer Schaden nicht sein.
Eine Holzplakette zum Reichshandwerkertag in Frankfurt.
LPD. Frankfurt a. M., 11. Mai. Anläßlich des Reichshandwerkertages in Frankfurt a. M. vom 15. bis 17. Juni wird eine Plakette aus Holz als Anstecknadel herausgegeben. 200 notleidende Betriebe des Drechslerhandwerks mit über 600 Gesellen und Lehrlingen wurden mit der Herstellung beauftragt. Für die voraussichtlich in Frage kommende Zahl von 2 Millionen Stück sind 65 Kubikmeter Holz notwendig.
Die Obergauführerin Else Riese weiht das Lager ein. Blick auf das Heim.
Der Tagesraum.
Der Schlafraum. — (Aufnahmen: Photo-Pfaff, Gießen.)
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Ilse
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Aus der Provinzialhauptstadt.
Buben beim Pfeifenflopfen.
Wie oft haben die Buben in den warmen März- tagen schon versucht, ihr Pfeifchen zu schneiden. Aber es ging nicht. Auch die alten Weidenbäume am Bach wollten ihre Winterruhe haben. Als aber dann das Wasser immer lauter und stärker rauschte und die Sonne länger schien, da wollten auch sie nicht Zurückbleiben. Ihre Wurzeln nahmen auf, was sie bekommen konnten, und bald strömte der Saft zwischen der rissigen Rinde und dem Holz hinauf bis in die Endspitze der Gerten.
Und nun haben sie Saft! Wenn man die Schale nur ein bißchen lüftet, dann fühlt man es. Die Buben warten auch nicht mehr. Mit dem Messer bewaffnet steigen sie den alten Bäumen auf den Kopf und säbeln sich die schönsten Zweige ab.
Jahrzehntelang stehen sie nun schon da, die alten Weidenstümpfe und werden in manchem Jahre ganz kahl geschoren, aber immer wieder treiben sie unverdrossen aus. Manche von ihnen sind ganz hohl und bestehen eigentlich nur noch aus der Rinde und etwas Holz. Es sind dies ganz wunderbare Orte beim Versteckenspielen der Kinder. Nun aber sitzen die Buben zwischen den schlanken Gerten und suchen sich die passenden Stücke aus. Zu einer Pfeife gehört ein ganz glattes Stück, ohne Riß, ohne Warze oder Astansatz. Ist es genügend lang, dann wird es zugeschnitten. Etwa ein Drittel bildet den Stiel das Luftloch wird vorschriftsmäßig eingekerbt und ihm gegenüber ein Stück als Mundstück geformt.
Dann beginnt das Loslösen der Rinde. Dazu nimmt man den Messerstiel oder auch ein glattes Stück Holz und klopft auf die Rinde. Die Zeit wird den Jungen nicht lang, sie fingen ihr Weidenlied- chen: Saft, Saft, Seire, ... ein etwas derbes Berschen. Oder auch:
Saft, Saft, Sitt, Wasser in der Bütt, Wasser in dem Graben, holen dich die Raben, holet dich das wilde Schwein, gerät mein liebes Pfeifelein.
Dieses Derschen scheint aus dem Lesebuch zu ftam* men, wir haben es früher nie gesungen.
Während des Singens wird beständig geklopft und das Weidenstück gedreht, daß man überall hinkommt. Nach einiger Zeit wird der Stiel zwischen die Zähne geklemmt und versucht, die Rinde abzudrehen. Das kostet noch große Anstrengung. Die Buben bekommen ein rotes Gesicht, die Adern schwellen an, und die Augen werden verdreht, aber die Rinde sitzt noch fest.
Das Klopfen beginnt von neuem. Dabei kommen nun die längeren Derschen an die Reihe:
Hinner Hannefe Henrichs Haus, henke honnert Hember haus, honnert Hember henke haus, hinner Hannefe Henrichs Haus ... ufw.
Das wird einigemal wiederholt. Endlich ist es soweit. Es gibt beim Drehen einen leichten Knack. Nun wird vorsichtig nachgeprüft, ob die Rinde auch keinen Riß hat, und dann wird die Schale langsam abgezogen.
Wie oft aber kommt es noch im letzten Augenblick vor, daß irgendeine erhöhte Stelle in dem Stück die ganze Rinde aufreißt. Das ist weiter nicht schlimm. Man geht zum alten Weidenbaum, der ja immer noch Vorrat hat, und schneidet ein neues Stück herunter.
Ist das Pfeifchen geraten, dann wird das Mundstück zurechtgeschnitten, der Stöpsel eingesetzt, und der erste Ton erklingt! Sauerkraut und Broare, mei Pfeifche eaß geroare!" Da gibt es frohe Gesichter, besonders bei den kleinen Buben, die zum erstenmal ganz allein eine Pfeife fertiggebracht haben.
Am schnellsten wird die sogenannte „Farze" gemacht. Man nimmt eine dünne Gerte in Bleistiftstärke, klopft einige Mal, und schon läßt sich die
Der junge Mann hob die Augen. „Ich sehe die Menschen an, die auf die Burg kommen."
Er begleitete den Dichter bis zum Flußlauf. Es war ein unerhört schöner Tag. Der Hang zum Fluß war blau von Veilchen, in seliger Bläue leuchtete der Himmel, auf einer Weide fang eine Amsel. Die beiden schüttelten sich die Hände zum Abschied. Der Dichter wollte weiterwandern, er wandte sich noch einmal um, er zögerte. „Ich frage sonst nie einen Menschen, wie er heißt. Wollen Sie mir Ihren Namen sagen?"
Und der junge Mensch klappte leicht die Hacken zusammen und sagte mit fester Stimme: „Ich heiße Graf Götz von Berlichingen."
Die Welt ist gut. Und es ist schön auf der Welt, wenn man dazu die Flöte blasen kann.
bindet die Menge mit dem Geschehnis die abenteuerlichsten Vorstellungen. „Man glaubt, daß dis Maschine des Herrn Montgolfier in der Lust die Wolken vertreiben kann, die den Hagel und den Regen bringen." Aber zugleich tauchen auch schon Bedenken politischer Natur auf. „Man sagt, daß diese Maschine von der Regierung verboten werden könne, weil sie zur Nachtzeit an den Grenzen des Staates dazu mißbraucht werden könnte, Waren ins Land zu schmuggeln."
Hochschulnachnchien.
Professor Dr. Heinrich Faßbender ist durch den Führer und Reichskanzler unter Berufung in das preußische Beamtenverhältnis zum ordentlichen Professor in der Fakultät für Maschinenwesen der Technischen Hochschule Berlin ernannt worden.
Der Reichsminister für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung, R u st, hat den Dozenten an der Universität Köln, Treuhänder der Arbeit für das Rheinland, Staatsrat Willi B o e r g e r zum Honorarprofessor an der Universität Köln ernannt.
An der Technischen Hochschule D a r m st a d t ist der Regierungsrat Dr. Richard V i e w e g zum ordentlichen Professor ernannt worden.
In Wiesbaden ist Geheimrat Professor Dr. med. Dr. phil. nat. h. c. Wilhelm Kolle, Direktor des staatlichen Instituts für experimentelle Therapie und des chemotherapeutischen Forschungsinstituts Georg-Speyer-Haus zu Frankfurt nach längerer Krankheit gestorben. Auf fast allen Gebieten der medizinischen Wissenschaft mar Geheimrat Kolle zu Hause. Er hat die ersten Schutzimpfungen gegen Cholera und Typhus vorgenommen. Vor wenigen Jahren hatte ihn die Frankfurter Universität durch die Verleihung des Ehrendoktortitels geehrt. Mit Geh.-Rat Kolle ist einer der bedeutendsten Gelehrten auf dem Gebiete der Bakteriologie dabingefchieden.
Bei der Besichtigung der Chirurgischen Klinik der Universität München durch Reichsminister R u st wurde in einem Gespräch zwischen dem Minister und Geheimrat Professor Dr. L e x e r vereinbart, daß Professor Lerer auch über das 68. Lebensjahr hinaus im Dienste des Staates bleiben wird.
Dem ao. Professor Dr. Theodor Hetzer (mittlere und neuere Kunstgeschichte) an der Universität Leipzig ist die Verwaltung des ordentlichen Lehrstuhls für Kunstgeschichte und die Leitung des Kunst- geschichtlichen Instituts in Leipzig übertragen worden.
Professor Dr. Richard Labes, ao. Professor für Pharmakologie an der Universität Bonn, ist zum ordentlichen Professor in der Medizinischen Fakultät der Universität Jena ernannt worden.
Lust-Träume vor 150 Zähren - Wirklichkeit von heute.
Als vor hundertundfünfzig Jahren die ersten Luftballone aufstiegen, wurden mit diesem Ereignis die verschiedenartigsten Vorstellungen verknüpft. Neben leeren Phantasien finden sich Doraussichten, die späterhin in abgewandelter Form in Erfüllung gingen. So heißt es in einem Brief, der unmittelbar nach dem Aufstieg des ersten Ballons auf dem Marsfelde, im August 1783, geschrieben wurde. „Man hält diese Erfindung für sehr bedeutend. Sie wird den Physikern zu zahlreichen Betrachtungen Anlaß geben. Man glaubt auch, daß diese Erfindung dazu dienen wird, Kuriere übers Meer zu fenben und Nachrichten mit höchster Geschwindigkeit zu befördern. Der Erfinder glaubt, daß der Ballon mit einem Steuerruder versehen werden kann, um die Luft zu durchschneiden und so an den Ort zu gelangen, zu dem man ihn zu lenken wünscht." So verknüpft sich die Hoffnung auf die Lenkbarkeit bereits mit dem allerersten praktischen Flugversuch mit einem Luftballon. Der Ballon, der später in der Luft zerplatzte, fiel etwa vier Meilen von Paris zur Erde nieder. Die erschreckten Bauern hielten ihn für ein gräßliches Fabeltier und auch der Pfarrer, der die Ballonreste prüfte, stimmte ihnen bei und erklärte, es handele sich gewiß um die Haut eines giftigen Tieres. Aber auch in Paris tauchten allerlei wunderliche Gedanken auf, die das Geheimnis des aufgeblähten Ballons zu lösen suchten. „Man glaubt", so schreibt ein Zeitgenosse, „daß das Gas aus einem animalischen Stoffe gewonnen wird, wie aus den Eingeweiden von Ochsen, Häm- meln ober anderen verwandten Tieren." Als bann Montgolfier in Versailles in Gegenwart bes Königs- Hofes seinen ersten großen Aufstieg vollbringt, ver-
Das gefiel dem Dichter über die Maßen, er ließ sich führen, er bekam alles zu sehen, Söller und Saal, Burgfried, Waffensammlung, Bildwerke. Und zum Schluß zeigte ihm der Jäger die von dem Ritter Götz von Berlichingen eigenhändig verfaßte Beschreibung seines Lebens. Man weiß vielleicht: Diese Handschrift ist schon allein bildmäßig gesehen ein Kunstwerk. Jedes Wort sieht darin aus wie ein Wurzelknollen ober wie Drudenfüße, und jeder Buchstabe hat ein eigenes, eigenwilliges Gesicht.
Der Dichter geriet außer sich vor Entzücken, als er diese Handschrift in seinen Händen hielt. Er setzte sich unverzüglich hin und las. Der Jäger stand geduldig daneben. Als der Dichter nach einer halben Stunde immer noch las, machte er einen Vorschlag. „Ich muß hinunter zum Fluß und einen Hecht angeln. Das kann eine Viertelstunde dauern, vielleicht aber auch eine ganze Stunde. Darf ich Sie so lange mit dem Buch allein lassen?" Der Dichter gab zur Antwort, daß, wenn es nach ihm ginge, er für sein Leben gern so lang als möglich in der Handschrift lesen wollte. Der Jäger nickte und ging davon.
So saß denn der Dichter allein mit dem Buche. Er saß unweit des Turmes in einem Zimmer zur ebenen Erde, er saß neben einem offenen Fenster mit dem Blick auf den Flußlauf, in der Burg schien sonst kein Mensch zu sein, draußen fangen die Schwalben, draußen stand in kleinem Garten mit weißen und rosa Blüten ein junger Apfelbaum, er saß und las und vergaß die Zeit.
Nach gut zwei Stunden kam der junge Jäger zurück und zeigte lachend stolz einen großen Hecht vor, den er im Kescher trug. Der Dichter klappte hochatmend das Buch zu, schnallte den Rucksack mit der Flöte auf den Rücken, er wollte sich verabschieden, er sagte mit Herzlichkeit, daß ihm dieser Frühlingstag unvergeßlich sein würde, er zögerte. Er fragte:
„Sie sind ein junger Förster, wie ich sehe. Ich nehme an, man hat Ihnen die Aufsicht über die Burg anvertraut. Ich weiß zufällig, daß das Geschlecht der Berlichingen noch heute lebt. Ich nehme an, Sie sind einem dieser Herren von Berlichingen verpflichtet. Hat man Sie darüber belehrt, daß diese Handschrift ein Nationalheiligtum für uns Deutsche ist?"
Der Jäger lachte mit leichtem Mund. „Natürlich weiß ich bas."
Der Dichter fragte weiter. „Wissen Sie aber auch, daß es allerart Menschen gibt? Es kann einmal einer kommen, ber beschädigt bie Schrift, er reifet eine Seite heraus, oder er wird um dos Buch zum Dieb?"
Fränkischer Frühling.
Von Carl Äulcke.
Carl B u 1 cf e, aus Königsberg gebürtig, von Haus aus Jurist und lange Zeit als Staatsanwalt tätig gewesen, vollendete kürzlich das 60. Lebensjahr; er hat sich als feinsinniger, humorvoller und gepflegter Erzähler — wir nennen „Balzereit", „Die drei Trostburgs", „Geliebte Betty", „Und so verbringst du deine kurzen Tage" — einen ausgezeichneten Namen gemacht.
Er war ein ordentlicher, sogar ein ganz vernünftiger Mensch. Aber er war ein Dichter.
Dieser Dichter wanderte vor fünf, sechs Jahren mitten im schönsten Frühling fürbaß durch das Frankenland, den Rucksack auf dem Rücken; und auf den Rucksack hätte er seine Flöte geschnallt. Es genügt zu sagen, daß dieser Frühling mit süßen Vogelstimmen sang, mit tausend Blumen blühte, und daß diese Flöte aus gelbem Holz war und genau so lang wie sein Unterarm, vorn ausge- ftrerften mittelsten Finger bis zum Ellenbogen gerechnet. Der Dichter war einer von jenen Leuten, die am liebsten ohne Kompaß, Wanderkarte, Reiseführer und gute Ratschläge sich auf den Weg machen, wenn sie einer Landschaft froh sein wollen. So kam es denn auch vor, daß er in irgendeinem Städtchen, das ihm gerade gefiel, Rast machte, zwei oder drei Tage dort verblieb, um dann erst beim Abschied den erstaunten Wirt zu befragen, wie denn dies Städtchen eigentlich mit Namen hieße. Wenn der Wirt die Auskunft erteilt hatte, sah er eine ganze Weile kopfschüttelnd hinter dem wunderlichen Manne her.
So spazierte dieser Dichter eines Vormittags zwischen Wiesen und Busch, unter roten Kastanienblüten und zwischen duftendem Weißdorn, an einem raschjagenden Flußlauf entlang, er hatte in dem Fluß gebadet, er hatte sich auf seiner Flöte ein neues Lied vorgespielt, zu dem die Worte noch fehlten, als er plötzlich in zehn Schritt Entfernung einer Burg ansichtig wurde, einer herrlich an dem Flußlauf gelagerten Burg, mit Wehrgang, Turm und Ausfalltor. Dies schöne Bild sah er sich eine ganze Weile mit frohen Augen an. Darauf trat ein junger Mensch in Jägertracht auf ihn zu und fragte ihn mit Höflichkeit, ob er die Burg zu besichtigen wünsche. Das koste nichts, und er wolle khm gern die Burg zeigen. Und als der Dichter noch zögerte, fügte der junge Jäger hinzu, daß dies die Stammburg und der Wohnsitz des Ritters Gütz von Berlichingen gewesen sei.


