färbung des Handlungsablaufs, das Hineinarbeiten von neuen Wirkungen durch die besondere Gleichartigkeit oder auch Gegensätzlichkeit der beiden zusammengeschnittenen Handlungsfolgen und die Betonung ihrer Gleichzeitigkeit. Ein primitives Beispiel dafür ist das Abwechseln der Bilder einer wartenden Frau und ihres Geliebten, der ihr ent- gegenreist.
Das andere technische Mittel des Films ist die Blende: Das Bild der Szene erlischt allmählich. Es wird meistens als Bindemittel zweier Szenen, die zeitlich oder örtlich getrennt liegen, verwendet und heißt dann Ueberblendung. Das Beispiel einer
außerordentlich geschickten und wirksamen Ueberblendung ist in dem Trenker-Film „Der verlorene Sohn" enthalten. Es ist die Stelle, an der der Held des Films in den Anblick einer schneebedeckten Berggruppe versunken ist und seiner Sehnsucht in die weite Welt nachträumt. Plötzlich werden die Berggipfel unscharf, verschwimmen und allmählich tritt mit immer schärferer Deutlichkeit das Bild eines Wolkenkratzer-Massivs von Neuyork hervor. (Wir haben seinerzeit bei der Besprechung der Gießener Aufführung auf diese Gegenüberstellung der beiden wichtigsten Motive nachdrücklich hingewiesen.)
Mussolini und seine Gäste in Gtresa.
Kohle durch das des Oels. Schon im Weltkrieg hat die Oelpolitik eine viel größere Rolle gespielt, als die meisten Menschen ahnten. Der berüchtigte Vertrag von San Remo wie das vorangegangene Verenger - Abkommen, der Sykes-Pikot-Vertrag und die Mossul-Komödie waren äußere Marksteine eines erbitterten Kampfes der Welt-Oelinteressenten, der sich bis hinter die Kulissen des ehrenwerten Völkerbundes fortsetzte und auf dem Rücken des ohnmächtigen Deutschland aus- getragen wurde. England ist nach einem Wort Lord Curzons auf einer Oelwelle zum Siege getragen worden. Und diese Oelwelle ergießt sich heute aus der Leitung Mossul—Haifa direkt in die Bunker der britischen Mittelmeerdivision. Dadurch hat sich aber der Schwerpunkt der englischen Interessen im Mittelmeer noch mehr nach Osten verschoben, der schon immer weniger bei den Säulen des Herakles, als beim Isthmus von Suez lag. Hier im östlichen Teil des Mittelmeeres gibt es auch keine maritimen Anrainer, die der englischen Flotte die Herrschaft streitig machen könnten. Zumal, wenn das strategische Dreieck Aegypten-Palästina-Cypern noch durch entsprechende Maßnahmen — a l s Gegenpol von Singapur — zum westlichen Angelpunkt des britischen Imperiums ausgebaut würde. An Stelle von Cypern wird als Variante auch Kephalonia, die am Eingana des Golfs von Patras gelegene größte der jonischen Inseln, genannt, die von Griechenland im Tausch gegen Cypern erworben werden könnte. Unter dieser Voraussetzung einer absolut unangreifbaren Stellung am Suezkanal und am Roten Meer könnte England nach Meinung des Commander Kenworthy a u f Malta und Gibraltar verzichten. Der Seeweg aus dem Mittelmeer nach Indien wäre sicherer als je in seiner Hand. Der Reichsluftweg und die Radiostationen sorgen für die Verbindung -mit der Heimat. Die militärischen Luft-Zentren in Kairo bzw. Jerusalem würden im Fall eines Konfliktes im Mittelmeer ihre Gefechtskraft im Angriff wie in der Verteidigung vervielfachen und können, wenn notwendig, aus Bagdad wie aus London verstärkt werden.
Bleibt noch die Sicher st ellung der Oel- transporte nach England, die in kriegerischen Zeiten nicht mehr durch die Straße von Gibraltar geleitet werden können. Sie sollen durch den Suezkanal auf dem alten Weg um das Cap der Guten Hoffnung geschehen Dieser Weg ist von Haifa nach London nicht weiter, als von Basra aus, und bis vor kurzem war die dortige „Anglo Persian Oil Company" die hauptsächlichste Quelle, die sowohl die britische Flotte als die Motorindustrie in England zu versorgen hatte. Der weite Weg würde also keine Verschlechterung gegenüber früher darstellen, anderseits aber die Möglichkeit leichterer Sicherung und größerer Regelmäßigkeit bieten.
Alles in allem kann man dem Vorschlag die Originalität nicht abstreiten. Er eröffnet Perspektiven, die eine vollkommene Umwälzung der Lage im ganzen Mittelmeer nach sich ziehen würden. Die moralische Wirkung einer Rückgabe der bisherigen Stützpunkte würde nach unserer Ansicht aber nur Spanien ganz befriedigen. Die plötzliche Festsetzung Englands vor der Straße von Otranto wäre wahrscheinlich für Italien unerträglicher als der jetzige Zustand. Auch f ü r Griechenland wäre ein „Helgoland" vor seiner Küste ein hoher Preis für die Rückkehr von Cypern unter die griechische Souveränität. Und Frankreich sähe durch ein italienisches Malta seinen Seeweg nach der Levante im Kriegsfälle vollkommen angeschnitten. Aber auch noch andere Bedenken drängen sich bei näherer Ueberlegung auf: wie wird sich die öffentliche Meinung in England mit dem Plane abfinden? Wie die englischen Steuerzahler? Was werden die ägyptischen Nationalisten zu der Vereinigung ihres Vasallenverhältnisses sagen? Und endlich, gesetzt den Fall, daß England wirklich mit Frankreich, Italien und Spanien in Konflikt käme: würde die neue Basis im östlichen Mittelmeer den vereinten Angriffen derselben bei gleichzeitiger ägyptischer Erhebung wirklich Widerstand leisten können? Wir glauben daher, daß viel Wasser durch die Säulen des Herkules fliehen wird, bevor über Gibraltar wieder die spanische Flagge flattert.
Am Grabe Cadornas.
. Scherl-Büdmaterndienst
Mussolini holt Macdonald zu den Verhandlungen ab.
Englischer Stellungswechsel im Mittelmeer?
Von Major a. D. Welsch.
Gibraltar nicht mehr englisch? Wer hätte geglaubt, daß einmal ein hundertprozentiaer Engländer selbst diese Frage anschneiden würde? Aber das Unglaubliche ist zur Tat geworden. Lord Stra- bolgi — alias Commander Kenworthy — beschäftigte sich kürzlich in der Zeitschrift „Rineteenth Century" allen Ernstes mit diesem Problem. Und wenn man das rein Gefühlsmäßige, das allerdings dabei eine große Rolle spielen wird, beiseite läßt, so muß man sagen, daß er mit seinen Ausführungen eine ebenso scharfsinnige, als schwer zu widerlegende Analyse der gegenwärtigen Lage Englands im Mittelmeer gibt. Wie war diese bisher? Und was ist geschehen, das eine solche Revision der englischen Strategie im Mittelmeer rechtfertigen könnte?
Im 19. Jahrhundert überzogen die britischen Staatsmänner den Globus mit Kohlen st atio- n e n zur Förderung ihrer Handelswege auf den Ozeanen, aus denen mit der Zeit militärische Stützpunkte mit sowohl defensivem als offensivem Charakter hervorgingen. Dazu gehörten Gibraltar und Malta im Mittelländischen Meer, die Inseln P e r i m und Aden im Roten Meer. Rach dem Bau des Suezkanals schloß sich die Besetzung von Cypern und Aegypten an. Damit war eine maritime Verbindung nach Indien und dem Fernen Osten geschaffen, die unter dem Schutze der mächtigsten Flotte der Welt unangreifbar war. Aber
seit dem Aufkommen der Tauchboote und der Luftwaffe, und zuletzt der w e i t - t r a g e nden Geschütze, mit denen Deutschland die Welt während des großen Krieges überraschte, haben sich die Verhältnisse von Grund aus verändert. Dies trifft namentlich für die westliche Hälfte des Mittelmeeres zu, wo Gibraltar und Malta von den drei Uferstaaten Spanien, Frankreich und Italien vollkommen eingekreist werden.
Gibraltar ist heute nicht mehr die uneinnehmbare Felsenfestung, als die sie zwei Jahrhunderte lang galt. Sie kann von dem gegenüberliegenden Ceuta, oder auch aus der Lust, in kurzer Zeit in Trümmer gelegt werden. Und Die freie Passage britischer Schiffe durch diese Gewässer ist theoretisch nur noch bei guten Beziehungen Englands zu den genannten Staaten gewährleistet. In bezug auf Malta liegen die Verhältnisse angesichts der mächtigen und seeerprobten italienischen Flugboote nicht anders, und sie werden auch nicht durch die Tatsache gebessert, daß England nach der Zerstörung der deutschen Flotte wieder seine Hauptkräfte im Mittelmeer konzentriert hat. Denn diese brauchen eine gesicherte Basis als Rückhalt und zu ihrer Versorgung, und eine solche ist im westlichen Becken des Mittelmeeres nicht mehr vorhanden.
Hinzu kommt die Ablösung des Zeitalters der
Scherl-Bildmaterndienst
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Am Rachmittag des ersten Verhandlungstaaes der Konferenz in Stresa begaben sich Macdonald mit Sir John Simon, Flandin und Laval zu dem Mausoleum des Generals Cadorna, der die Italiener während der Jsonzo-Schlachten kommandierte, um dort Kränze niederzulegen.
Rätsel.
Von Wilhelm von Scholz.
Wie viele Leser kenne ich, die als Erstes in ihrer Zeitung oder in den illustrierten Wochenzeitschriften die Rätsel aufschlagen, sich sofort ernst und mit gefurchten Stirnen in die kleinen Denk- und Wortsuche-Aufgaben vertiefen, die da gestellt sind. Die reinen Rätselzeitschriften sollen sich an Zahl gegen früher vervielfacht haben. Das Rätsel hat eine solche Wichtigkeit erlangt, daß die Mitarbeiter eines billigen Taschenkonversationslexikons über Auslassen oder Aufnehmen eines Wortes, wie sie mir erzählten, als letzte Entscheidung sich die Frage vorlegten: pflegt es in Silben- und Kreuzworträtseln vorzukommen? War das der Fall, dann wurde das Wort unbedingt ausgenommen, auch wenn es sonst nebensächlich war.
„Was ist das Geheimnis dieser Rätselfreude offenbar sehr großer Leserscharen? Warum suchen viele Menschen nicht zuerst nach dem Roman oder einem belehrenden Aufsatz, sondern beantworten statt dessen lieber mit fleißigem Bleistift wie Schüler die Aufgaben — Buchstabenverwechselungen, Zusammenstellungen, Sprachexempel — die ihnen der Rätselonkel vorlegt?
Ist es wirklich wahr, daß es die Sorgen sind, die gegen die Zeit vor dem Kriege so sehr vermehrten Sorgen sind, die daran Schuld tragen? Weil man sie über den nicht wie Geschichten aufregenden, uns an nichts aus dem eigenen Leben erinnernden, ruhig und nur mit gleichmütigem Verstände zu lösenden pleinen Nachdenkefragen fünf Minuten lang vergißt?
Es scheint so. Darin liegt der nicht unbeträchtliche Wert des Rätsels für uns.
Und doch hatte das Rätsel einmal eine größere Zeit als heute, wo es nur noch Spiel, Unterhalt tung und ein billiger Sorgenbrecher ist — billiger sicher als der gerühmte Sorgenbrecher der Reben und niemals unbekömmlich. Wir haben kein unmittelbares Gefühl mehr dafür, was das Rätsel unseren Vorvätern bedeutete. Es ist ohne Zweifel: sehr viel mehr als uns! Das Rätsel mit seiner Spannung und befreienden Lösung, mit dieser urtümlichen Dramatik, mit der noch heute der einfache Mensch, der nicht leicht sprechende, wortkarge Mensch, der Bauer, der Jäger, der Fischer, der versonnene Handwerker, am liebsten reden — indem sie schon mit der Art ihres Erzählens Spannung und Rätsel aufgeben und die Teilnahme der Zuhörenden erzwingen, bis sie endlich erfahren lassen.
auf was sie hinaus wollen — ist eine Urform des menschlichen Gesprächs und wurde um so lieber angewandt, je ernster, wichtiger, bedeutungsvoller der Inhalt eines Gespräches war.
Das spiegelt sich deutlich in den alten Sagen und Märchen fast aller Völker. Da werden oft gerade die größten Entscheidungen in einen Rätselkampf verlegt. Der Ratestreit erscheint in der Sage als gleichwertig dem Wettkampf in körperlicher Kraft und Geschicklichkeit, ja dem Waffenkreuzen; nicht selten wird für das Nichtratenkönnen, wie für das Besiegtwerden des Rätfelaufgebers, dem einen oder anderen als Strafe der Tod gefetzt.
Ein Gaugraf hat dem Könige die Schatzung vorenthalten. Der König beruft ihn vors Gericht: er solle sich dem Urteil von zwölf Richtern unterwerfen oder sich durch unlösbare Rätsel Frieden erkaufen. Schlag auf Schlag geht nun der Wettkampf vor sich. Odin, der in Gestalt des Gaugrafen vor Gericht zog, stellt die Rätsel, und ohne Besinnen fast — das ist im Rhythmus des alten Gedichts der Hervarar-Sage deutlich ausgeprägt — schleudert der König dem Gegner die Lösung zu. Und es ist für den Ernst dieses Streites bezeichnend, daß zuletzt ein entblößtes Schwert in ihm aufleuchtet. Es find viele Beispiele dieser Art zu finden: die Fragen der Sphinx; die bedeutsame Rätselgeste, mit welcher der vom Nachbarherrscher um Rat angegangene Tyrann schweigend die höchsten Mohnköpfe abschlägt, um damit anzudeuten, daß der Fra- aenoe die gefährlichen Großen seines Reiches töten lassen soll; Die schwerwiegenden Rätsel der Turandot und andere. Sie alle zeigen die Stellung des Rätsels in alter Zeit.
Wenn das Rätsel, das uns heute eine Viertelstunde angenehm ablenkenden Kopfzerbrechens macht, damals oft genug mit wirklichem Kopfzerbrechen zusammenhing, mit Lebenslagen, in denen es um Sein oder Nichtsein ging, so ist es auch verständlich, daß die alten Rätsel alle nur von großen Dingen handelten, an die man in solchen Augenblicken der Entscheidung allenfalls denkt; nicht von einem anderen Ausdruck für „feiten" ober einer Stadt in Sachsen, sondern von Sonne, Wind, Regen, Eis, Feuer, Erde, Schnee, Blitz, Donner, die den Menschen der frühen Zeit die wichtigsten Lebensmächte waren. Das find die Lösungen vieler schöner alter Rätsel. Naturgewalten, die, wenn er sie bedachte, im Urmenschen Schauer von Furcht und Ehrfurcht erweckten und ihm daher recht geeignet erscheinen mochten, wenn es galt, dem Gegner bedeutsame schwer lösbare Fragen an den Kopf ZU werfen, bei denen er gleich den großen Ernst merken mußte. Man sieht solche starken heldenhaf
ten Vorzeitmänner, die nicht viel reden und lieber das Schwert schwingen, als Worte machen, vor sich, wenn man die kurzen knappen Rätselfragen hört, mit denen sie sich herausforderten.
Da ist der „Vogel federlos", der sich auf den „Baum blattlos" setzt und den die „Frau mundlos" auffrißt: der Schnee, der vor der Sonne schmilzt. Da heißt es: wer rührt sich nicht von der Stelle und läuft doch durch das ganze Land? Das ist der Weg. Da geht eine Brücke, die in einer Nacht gebaut ist, über den Fluß: das Eis. Dann kommen zweie, die die Brücke brechen, von denen man den einen sieht und nicht hört, den anderen hört aber nicht sieht: die Sonne und der Wind! Einer fragt: was ist das, Gott hat es nicht, der König feiten und der gemeine Mann täglich? Die Antwort lautet: seinesgleichen!
Natürlich fehlen auch die schalkhaften und närrischen Rätsel nicht. Was geht in den Wald und sieht hinter sich? Antwort: das Beil auf des Bauern Schultern. Oder: wo fliegen die Gänse her? Von da her, wo sie die Schwänze hinkehren. Aber die spaßhaften Rätsel sind die Ausnahme.
Ich bin selbst Rätselrater, nicht leidenschaftlich — eher so wie ein Mann, der keineswegs ein Trinker ist, aber an einem nett aussehenden Wirthaus schwer vorbeikommt. Die weißen Felder eines Kreuzwort-, die punktierten Linien eines Silbenrätsels haben eine verführerische Gewalt über mich, mir den Stift in die Hand zu zwingen, daß ich sie ausfülle. Und ick habe wahrlich genug sonst zu tun, daß ich es als Beschäftigung nicht gerade brauchte! Aber ich spüre die wohltuende Ablenkung, ich kehre frischer zur Arbeit zurück, wenn ich mich ein paar Minuten t)abe von einem Rätsel gefangen nehmen lassen. Ich glaube wirklich: aus großen Schicksalsfragen find die Rätsel kleine Sorgenbrecher geworden; und da auch dies nichts Unwichtiges ist, sind die unbekannten im Hintergründe bleibenden Rätselmacher, die auf ihrem quadrierten Papier immer die Worte durcheinander schreiben und probieren, bis es eine hübsche Figur ergibt, ober die Silben auseinander nehmen und harmlos nach dem Alphabet aufreihen, daß man ihnen nicht mehr ansehen kann, wie sie zusammengehören, heute wichtige Leute.
Wenn man aber der aufmerksamen Freude und Spannung zusieht, mit der Kinder Rätsel raten, mit der sie ihr ganzes kleines Wissen von der Welt und ihrem Stückchen Leben rasch an ihrem geistigen Auge vorüberziehen lassen, um darin den Schlüssel zu den gereimten ober ungereimten Fragen mit ihren bunflen, oft absichtlich irreführenben Angaben zu finben, so hat man fast etwas wie ein winziges Sinnbild der großen Menschheit, welche
die Probleme der Welt und des Lebens auflösen will und sich, wie die ratenden Kinder, seit Jahrtausenden mit Worten bescheidet, die ungefähr auf die gestellten Fragen passen. Da nennt man es bann bie Welträtsel. —
e Alte Tabakspoesie.7
Dem Tabak ist schon häufig die Ehre widerfahren, von Dichtern gefeiert zu werben. Bemerkenswert ist schon der Titel einer solchen Lobeshymne aus dem Jahre 1684: „Ascani d'Oliva, Lustige Invention Oder Beschreibung, wo das Tabak-Trinken oder Stänkern herkomme und seinen Anfang genommen. Derne dann auch bei)gefügt des Tabaks Lob-Gesang aus Jacobi Balde Büchlein, genannt: Truckene Trunkenheit, Darbey noch ein schon Lied, Von einem versoffenen Mann, und seinem bösen Weibe etc." Ein anderes Tabaksgedicht beginnt folgendermaßen: „An den Nicot, des Vulcanus Erben. Wer ist es, der zuerst die Pfeiffen sähe fallen / Vom hohen Himmels-Saal? / Biftu es nicht Nicot?" Der Tabak wurde zur Zeit des dreißigjährigen Krie- ges in Deutschland allgemeiner bekannt und die Dichter bemächtigten sich schnell des Stoffes, der ihre Einbildungskraft anreget. Zu den frühesten Tabaksdichtern, die sick über das Schnappen des Rauches äußerten, gegärte ßogau, der in feinen Sinngedichten erklärt: „Tabak und Titel-Brauch sind beyderley nur Rauch." Aehnlich heißt es in einem anderen Sinngedicht: „Wer Hose-Gunst ge- neust und nimmt Tabak in Brauch, / Dem bleibt Zum meisten Asch, und was er neust, ist Rauch." In einem anderen lesen wir: „Wie viel hat ein Loth Tabac Rauch? Die Asche kannstu wiegen, / Was Dir mangelt, ist gewiß an dem Rauche roeggeftie- gen." Auf die Scherzfrage, was ein Raucher oer- paffen soll, wird geantwortet, der Rauch müsse so viel wiegen, wie das ursprüngliche Tabaksgewicht, ohne die übrigbleibende Asche. Denn Stoff zu diesem Sinngedicht lieferte eine Anekdote, die Weber auch in feinem „Demokritos" erzählt: „Der französische Gesandte Nicot lernte die Pflanze zu Lissabon kennen und schickte solche nach Paris; Admiral Raleigh führte sie in England ein, er, der so gerne rauchte, daß er einst mit Elisabeth im Scherz wettete, daß er sogar das Gewicht seines Rauches bestimmen könne; er wog nämlich den Tabak, dann die Asche, das Fehlende war das Gewicht des Rauches, und die Königin zahlte mit den Worten: „Andere lassen ihr Geld in Rauch aufgehen, Ihr wißt den Rauch sogar zu Geld zu machen."


