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Mittwoch, 15. Hebruar 1955

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Hr.57 Drittes Blatt

Aus der Provinzialhauptstadt.

Pfarrer Mahr tritt in den Ruhestand.

Am 1. April 1935 wird der Seelsorger unserer Gießener Matthäus - Gemeinde, Pfarrer Gustav Mahr, in den wohlverdienten Ruhestand treten. Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen Hot aus diesem Anlaß dem aus dem Pfarramt scheidenden Geistlichen für seine der Lan­deskirche treugeleisteten Dienste herzlichen Dank ausgesprochen. Pfarrer Mahr mußte bekanntlich während des größten Teiles des vorigen Jahres wegen schwerer Erkrankung von seinem Pfarramt fernbleiben, und seine Gesundheit ist auch heute noch nicht so wiederhergestellt, daß er sich seiner seel­sorgerischen Pflichten in vollem Ausmaß unter­ziehen könnte.

Pfarrer Mahr hat am 22. April 1873 in Eber­stadt bei Darmstadt das Licht der Welt erblickt, er steht also im 62. Lebensjahre. Er besuchte das Gym­nasium zu Darmstadt und studierte dann in Halle, Berlin und in Gießen. Hierauf weilte er zur weite­ren Ausbildung im Predigerseminar zu Friedberg. Vom 5. Dezember 1897 ab war er Pfarrverwalter in Dortelweil, vom 14. April 1898 ob Vikar in Als­feld, seit 9. August 1898 Verwalter in Dieburg, hierauf vom 25. April 1899 Pfarrassistent in Bin­gen, seit 29. Juli 1899 Pfarrverwalter in Groß- Umstadt, vom 25. April 1900 ab Pfarrverwalter in Horchheim, seit 5. Juni 1901 Pfarrer in Langsdorf (Kreis Gießen) und seit 30. Januar 1915 als Nach­folger des früheren Pfarrers Schlosser Pfarrer an der Stadtkirche zu Gießen.

Die Uebernahme des Pfarramtes der Matthäus- gemeinde stellte ihn vor die große Aufgabe, die Ge­meinde im modern-kirchlichen Stil neu zu organi­sieren. Zur gedeihlichen Lösung dieser Aufgabe grün­dete er die' Männer- und Frauenvereinigung der Matthäusgemeinde, er schuf einen sorgsam organi­sierten Helferdienst seiner Gemeinde und stellte dann durch ein Gemeindeblatt die enge geistige Verbin­dung zu allen Gliedern seiner Matthäusgemeinde her.' Im Verlaufe seiner nunmehr über zwanzig­jährigen segensreichen Wirksamkeit in der Matthäus* gemeinde hat sich ein festes Band der Gemeinschaft zwischen Pfarrer Mahr und seinen Gemeindeglie­dern herausgebildet. Zu dieser Innigkeit der Be-, Ziehungen trug nicht nur das rein kirchliche Wirken des Geistlichen in erheblichem Maße bei, sondern, dafür war auch seine unermüdliche und uneigen-! nützige Tätigkeit in der Arbeit der Männer- und | Frauenvereinigung und auf dem Gebiete der Ge- | meindefürsorge von ausschlaggebender Bedeutung. Aus der neueren Entwicklungsgeschichte der Mat­thäusgemeinde ist in dieser Hinsicht besonders die Einrichtung des Gemeindeschwesternhauses im Asterweg 'hervorzuheben, für die sich Pfarrer Mahr'in Gemeinschaft mit dem Seelsorger der Markusgemeinde, Psarrer Becker, und den beiden kirchengemeindlichen Körperschaften eifrig und er­folgreich eingesetzt hat.

Neben seinem Pfarrdienst widmete sich Pfarrer Mahr mit großem Eifer'noch der Mitarbeit in der Dorfkirchenbewegung, in der er durch Wort und Schrift eine führende Stellung und maßgeblichen Einfluß errang. Mit dieser Arbeit verfolgte er das Ziel, auch in dieser Hinsicht dem deutschen Volkstum und der heimatgebundenen Kraft der Volkstumsidee zu dienen. Als theologischer Schriftsteller war er weiterhin auf dem Gebiete der religiösen Volks­kunde, der Religionspädaqogik, der Religionspsy­chologie und verwandter Bestrebungen tätig. Zahl­reiche Aufsätze von ihm erschienen in der Fachpresse, ferner in der Tagespresse, darunter auch im Gieße­ner Anzeiger.

Auf das umfangreiche Wirken von Pfarrer Mahr, der sich auch als Mensch überall großer Wertschätzung erfreut, werden wir zur gegebenen Zeit noch zurückkommen. Heute sei aber schon her- Pvorgehoben, daß sich die Gemeindeglieder der Mat­thäusgemeinde mit dem scheidenden Seesorger immer In Dankbarkeit verbunden fühlen werden.

Tritthalten auf Brücken ist verboten.

Die neue Reichsstraßenverkehrsordnung und ihre Ausführungsanweijung haben das in einzelnen früheren Straßenverkehrsordnungen der Länder ausgesprochene ausdrückliche Verbot des Tritthaltens marschierender Abteilungen auf Brücken nicht über­nommen. Es wurde dabei vorausgesetzt, daß die Führer marschierender Abteilungen die schädliche Auswirkung des Tritthaltens auf die Konstruktion der Brücken kennen und entsprechende Anordnungen geben. Da das jedoch nicht überall der Fall ist, hat der Herr Reichs- und Preußische Minister des Innern jetzt die Polizeibehörden angewiesen, hier­auf zu achten und die Führer geschlossener Abtei­lungen gegebenenfalls darauf aufmerksam zu machen, daß das Tritthalten auf Brücken unterblei­ben muß.

liegende Zeit hin, erinnerte an die Glanzzeit des Vereins vor dem Krieg, an den Niedergang im Volk und Staat, wodurch auch das Weiterbestehen des Vereins gefährdet schien, und den Aufstieg des Vereinslebens, der sich schon in Deutschlands größ­ter Notzeit durch eine Sammlung nationaler Kräfte bemerkbar machte. Mit der Erneuerung des Reichs kam eine neue Blütezeit. Die Mitgliederzahl hat 132 erreicht.

Der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder Weinandy, Sturm und Knobel wurde ehrend in üblicher Weise gedacht. Die Kassenver­hältnisse sind weiterhin günstig, obwohl im verflosse­nen Jahre eine Zeitlang jedem Mitglied die Kaval­leriezeitung durch die Vereinskasse zugestellt werden konnte.

In Anerkennung ihrer 25jährigen Mitgliedschaft wurde 5en folgenden Kameraden das Ehrenkreuz

Pierrot". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Ich für dich du für mich". B. D. Gießen, 20.30 Uhr im Hindenburg: B. O.-Abend. Stickerei- und Spitzenwerkschau, 14 bis 18 Uhr, im Turmhaus am Brandplatz.

Stadttheater Gießen. Heute abend Der goldene Pierrot", eine für die Gießener Bühne bearbeitete Operette unter der Spielleitung von Paul Wrede. Kapellmeister Fritz Cuje hat die musikalische Leitung; Maja von Rabenau und Hilde Plank sorgen für tänzerische Abwechslung. Die Vorstellung ist 17. Vorstellung im Freitag- Abonnement.

DerOberhessisch^Geschichtsverein lädt in seiner Anzeige vom Samstag, 9. Februar, ein zu einem am Donnerstag, 14. d. M., 20 Uhr, im Kunstwissenschaft!. Institut der Universität stattfin­denden Lichtbilderoortrag. Universitätsprofessor Dr. Frölich wird auf Grund der Ergebnisse der neue­ren rechtsgeschichtlichen Forschung überDie steiner­nen Zeugen mittelalterlichen Rechtslebens" sprechen, die sich insbesondere in Hessen in Gestalt von Ge­richtsstätten, namentlich Gerichtssteinen und Ge­richtstischen, Hochgerichten und Galgen, Schandsäu­len und ähnlichen Gebilden bis zur Gegenwart er­halten haben. Der Eintritt ist frei, Gäste sind will­kommen.

Oer ftaK Daß beigelegt.

Zu dem Bericht über ein Winterhilfepaket der Frau D a tz geht uns von dieser die nachstehende Erklärung zu, die wir mit Einverständnis der Kreisleitung unseren Lesern zur Kenntnis bringen:

Erklärung.

Es ist richtig, daß ich dem Winterhilfswerk ein Paket übersandt habe, in dem sich teilweise un­brauchbare Sachen befanden. Eine Verhöhnung des Winterhilfswerkes, sowie ein unsoziales Ver­halten hat mir absolut ferngelegen. Von dem In­halt des Pakets hatte ich selbst keine genaue Kenntnis, da dasselbe von einer Angestellten fertiggemacht worden war. Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, daß ich mich nach wie vor für das Aufbauwerk des Führers einsetze.

Karl Schwaab, Feinkosthaus, Weinstuben, Bergschenke

Inh.: Emmy D a tz.

Zu obiger Erklärung erklärt die Kreisleitung der s NSDAP., daß damit die Angelegenheit erledigt ist.

Verbreiter unwahrer Gerüchte werden hiermit aus­drücklich gewarnt.

Kreisleitung Gießen.

*

** Semester-Schlußgottesdienst der Universität. Am morgigen Donnerstag, 20.30 Uhr, findet in der Kapelle des Alten Friedhofs der Semester-Schlußgottesdienst der Universität statt. Die Predigt hält Lic. Dr. Paul Schütz. Studenten­schaft und Bevölkerung sind zu dem Gottesdienst herzlich eingeladen.

** Sprechzeit des Landeshandwerks­meisters Hessen. Die Sprechzeiten des Lan­deshandwerksmeisters (Barner sind bis auf wei­teres wie folgt festgesetzt: Montags, vormittags 9 bis 12 Uhr und nachmittags 2 bis 5 Uhr. Geschäfts­stelle: Frankfurt a.M., Schaumainkai 101/103, Fern­sprecher Frankfurt a. M. 63 243.

** Die Kreisabteilung Gießen des Deutschen Gemeindetags hält am Mitt­woch nächster Woche in Gießen eine Tagung ab. Nach der Ausgabe von Kriegsehrenkreuzen an die Bürgermeister folgen zwei Vorträge, deren wich­tigster von dem Leiter des Arbeitsamts Gießen, Oberregierungsrat Dr. List, die Unterbringung von Arbeitslosen aus den Großstädten in die länd­lichen Bezirke behandeln wird.

** Verkehrsunfall. An der Ecke Hltlerwall» Gartenstraße ereignete sich gestern gegen 16.15 Uhr ein Zusammenstoß zwischen einem Dreirad-Tempo­wagen und einem Personenkraftwagen. Personen wurden dabei glücklicherweise nicht verletzt.

Eis am Lahnwehr.

MM

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Als in der vergangenen Woche plötzlich heftiger Frost eintrat, waren unsere heimischen, insbesondere die stehenden Gewässer rasch mit einer kräftigen Eisdecke überzogen. Ein interessantes Bild bietet dabei das Lahnwehr an Klinkels Mühle, unter­halb der Bootshäuser. Es bildeten sich große schim­mernde Eisblöcke, dir im Lichte der Sonne silbrig strahlten und blitzten. Sowohl über, als auch unter­halb des Wehres haben sich die Eisblöcke aufgebaut,

und das Wasser bahnt sich nur mühsam seinen Weg durch die natürlichen, vom Frost geschaffenen Hinder­nisse. Die Treppe, auf der zur Sommerszeit die Paddler, die Wasserwanderer, ihre Boote umtragen und damit das Wehr überwinden, wurde völlig von Eis überzogen und steht wie ein reizvolles Orna­ment über dem Wehr. Unser Bild zeigt das Wehr in seinem winterlichen Schmuck.

Reichsbund Volkstum und Heimat.

Ottering Gießen.

Unsere Mitglieder werden auf den Lichtbilder­vortrag von Herrn Universitätsprofessor Dr. Frö­lich:Steinerne Zeugen mittelalterlichen Rechts­lebens, besonders auf hessischem Boden", am Don­nerstag, 14. d. M., 20% Uhr, im Kunstwissenschaft­lichen Institut hingewiesen. Eintritt frei!

Kavallerieverein Gießen.

Am Sonntag hielt der Kavallerieverein Gießen E. V. im Saale desPostkellers" seine diesjährige (28.) Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Hartmann wies eingangs auf die hinter uns

überreicht: Heinrich Bönfel, Wilhelm Reitz, Georg Sommer, Adolf Denninghoff, Kon­rad S ch o m b e r, Konrad Weiß, August Rück, Johannes Honig, Heinrich W i n n, Ludwig G e r- l a ch, Karl Storck.

Nachdem die Versammlung in der üblichen Weise geschlossen worden war, blieb man noch einige frohe Stunden gemeinsam mit den inzwischen eingetrof­fenen Familienangehörigen zusammen.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: NS.- Lehrerbund, Gießen-Stadt, 15.30 Uhr: Zusammen­kunft aller Schulgruppenobleute in der Goetheschule. Stadttheater, 19.30 bis 22.30 Uhr:Der goldene

Oie Grußla.

Erzählung von Hugo Scholz.

Die Großmutter lebte am Hofe seit langen Zei­ten. Ihr Gesicht und ihre Hände waren braun und runzlig wie Erde. Sie trug ein schwarzes Tuch um den Kops und ein schwarzes Leibchen, daran ein grünlicher Rock hing. So sah man sie morgens und abends, wochentags und feiertags, nie wechselte ihr Aussehen. Aus Kindern wurden Mädchen und Frauen, sie trugen heute eine Kappe, morgen einen Hut, die Großmutter aber blieb ewig die gleiche.

Sie wußte alles, was sich jemals am Hofe zuge- iraqen nach Jahr und Tag und Stunde. Sie kannte alle Leute, die jemals am Hofe gewesen waren als Handwerker oder Dienstboten. Viele von ihnen waren schon gestorben. Sie wußte Rat bei Krank­heit und Viehnot, sie war besonders den Kindern eine Zuflucht, wenn sie die Knie aufgeschunden hatten, ober ihnen sonst ein Leid geschehen war. Auch die Erwachsenen gingen zurGrußla , roenn sie ein Kummer drückte. Sie war.immer gleich gut und gleich hilfsbereit. Sie hatte selbst nie eine Klage und nie einen Schmerz, sie stand wie über aller Zeit und über allem Geschehen. Sie war da um Dem Leben am Hofe einen festen Halt zu geben.

Einmal sagte sie zwar, sie wär einst auch jung und schön gewesen, hätte ein weißes Kleid getragen und ein Blumenkränzlein im Haar. Das war nicht zum glauben, man mußte lachen darüber und seit­dem sprach die Grußla nicht mehr davon.

Dann auf einmal hieß es, die Grußla würde f Ja, konnte denn die Grußla überhaupt sterben.

Und dann hieß es gar, sie sei tot.

Die Sterbeglocke läutete es. Aus der Stadt brach­ten sie einen Sarg gefahren.

Die Grußla aber lag im Bett mit ihrem braun­runzeligen Gesicht und dem schwarzen Tuch um Den Kopf. Auf Der Bettdecke ruhten ihre abgearbeite­ten Hände.

Die Enkelkinder hatten sich zuerst gefürchtet, ins Stübchen hineinzugehen, wo die Großmutter lag, aber dann, als sie sie sahen, wunderten sie sich. So lag die Großmutter alle Morgen da, wenn sie ihr die Milch brachten. Dann gingen sie auf Den Zehen, stellten die Milch hin und schlichen wieder davon. Die Großmutter hatte einen leisen Schlaf, sie lag ganze Nächte wach und konnte meist erst !n den Morgenstunden ein wenig schlummern.

Wie wußten dann aber die Leute, daß sie ge­storben war?

Grußla", sagte der jüngste Enkel und faßte kräftig eine der knochigen Hände.Grußla!, bist du wirklich gestorben!?"

Die Großmutter rührte sich nicht. Sie schlief heute sehr fest.

Grußla!", schrie der . Kleine lauter.

Grußla!", fingen auch die andern an zu schreien. Aber die Großmutter rührte sich nicht. Und dennoch war es nicht zu glauben, daß sie gestorben sein sollte.

Draußen im Hausgewölbe hatten die fremden Männer den Sarg auf zwei Holzböcke gestellt und fingen an, die Fenster und Wände mit schwarzen Tüchern zu verhängen. Aus dem sonnenlichten Raum wurde ein düsteres, unheimliches Gemach.

Die Kinder erschraken, als sie einen Blick hinein taten und hatten Angst um die Großmutter. Sie schauten nach den fremden Männern, die nun den Sarg ins Stübchen trugen. Die Fremden hatten lange Beine und dürre Arme. Und sicher verbargen sie eine Sense unter ihren schlotternden Röcken. Weinend und schreiend liefen die Kinder davon.

Am Abend kamen die Nachbarn und versammel­ten sich im Vorhause. Sie beteten:O Herr! nimm sie auf in deine himmlischen Chöre Vater unser"

Andern Tags wurde am Hofe alles aufgeräumt, die Dielen gescheuert, die Kühe geputzt. Das geschah sonst nur bei großen Festen.

Die Kinder fürchteten sich jetzt wirklich, ins Aus­gedingehaus zu gehen zur Großmutter. Erst am dritten Tage, als schon fremde Leute auf den Hof kamen, führte sie der Vater in das Hausgewölbe, damit sie die Grußla noch einmal sehen sollten.

Eine fremde drückende Luft erfüllte den Raum, als wenn das eine ganz andere Welt hier wäre.

Die Großmutter lag zwischen reichen silbernen Leuchtern. An ihrem Kopfende knieten zwei Engel mit goldenen Flügeln. Sie trug ein helles, schönes Kleid und in der Hand hielt sie sogar einen Strauß Blumen. Ihr sonst braunes Gesicht war weiß und lang. Sie war ganz nahe und sie schien doch so weit. Sie war die Großmutter, aber sie sah ganz anders aus. Sie war wirklich gestorben.

Der Bauer besprengte sie mit einem silbernen Weihwedel, der am Fußende ihres Sarges stand. Er reichte ihn dann den Kindern. Zaghaft griffen sie zu. Zitternd taten sie es dem Vater nach.

Nun sagt noch:In Gottes Namen, Grußla!"

Sie stotterten vor lauter Angst, sie wagten kaum mehrGrußla" zu sagen, so feierlich war das alles hier und die Großmutter war so vornehm wie eine Heilig-

Dann kamen immer mehr fremde Leute auf den Hof. Der Vater führte sie alle in die große Bauern- tube und lud sie zu Tische, darauf hohe Berge auf- geschnittenen Striezels lagen. Selbst aus der Stadt waren ein Onkel und eine Tante gekommen mit einem wehenden Schleier am Hut.

Zuletzt kam noch der Feuerwehrverein. Der Groß­knecht ging mit einem Kruge voll Schnaps hinaus auf den Hof und goß jedem Wehrmann ein Glas davon ein.

Drin im Hausgewölbe gellte die Stimme des Vor­beters. Die Leute drängten an den Sarg heran und besprengten die Großmutter. Dann standen sie beinander um die Haustür und warteten.

Als der Sarg herausgetragen wurde, setzten ihn die Träger an der Schwelle dreimal ab. Dann luden sie ihn auf die Trage und nun ging der Zug zum Tor hinaus. Hinter dem Sarg schritt der Nach­bar mit der Hauskerze. Das war seine letzte Pflicht.

Still lag der Hof, ganz still.

Erst am Nachmittag füllte sich wieder die Stube.

Am Tisch standen große Suppenschüsseln. Die Nachbarn und Verwandten kamen zum Leidessen zu­sammen. Auch die vornehme Tante aus der Stadt mit dem Schleier war da. Die ganze Freundschaft war beisammen, alle, die sich durch Blutsbande verbunden fühlten mit dem Hofe. Sie sprachen von der Ernte und dem Viehstande. Gelegentlich auch über die Kinder, die schon wieder so groß waren.

So alt war die Großmutter geworden und so bald war sie begraben.

Gewinn im Tode.

Im Kasino von Monte Carlo geht es seit der Weltwirtschaftskrise recht still zu. Es wird natürlich noch gespielt, doch vorsichtig und mit mäßigen Ein­sätzen. Die großen Spieler von einst sind ver­schwunden. Vergebens wird man sich im Kasino nach russischen Großfürsten, südamerikanischen Plan­tagenbesitzern oder indischen Nabobs umsehen. Wohl fehlt es den Spielern von heute nicht an Wagemut und Ausdauer, aber sie sind bald fertig, wenn ihnen das Glück nicht lächelt.

Vor kurzem gab es in Monte nach langer Zeit wieder einmal eine aufregende Nacht. Ein junger, eleganter Engländer hatte es sich offenbar in den Kopf gefetzt, die Bank zu sprengen. Er spielte mit einer fanatischen Gelassenheit und verlor jedesmal. Sechzehnhundert Pfund hatte er schon verloren, da setzte er mit müder Handbewegung den Rest seines Vermögens, es waren nur noch 13 Pfund, auf Nummer 28. Den Kopf ließ er auf den Tisch sinken, schloß die Augen und schien in dieser Stellung den

Entscheid des Croupiers abzuwarten. Gespannt blickten die anderen Spieler auf die Kugel, bis der Croupier als Gewinnummer die 28 ausrief, wobei er dem jungen Engländer Spielmarken im Wert von 470 Pfund zuschob. Doch der rührte sich nicht, ließ die Marken liegen, das Spiel ging weiter, und wieder gewann der Engländer, der jedoch keine Notiz von dem ihm zugeschobenen Reichtum nahm. Der Gewinn blieb also wieder liegen, und schon wollte der Croupier das Spiel fortsetzen, besann sich jedoch und schickte einen Saaldiener zu dem Engländer, um sich zu vergewissern, ob der Gewin­ner etwa nochmals auf Nr. 28 setzen wolle. Doch der Engländer antwortete auf die an ihn gerichtete Frage nicht, wachte auch nicht auf, als der Diener ihn am Arm schüttelte er war tot.

Als er sein letztes Geld für eine Spielmarke hin­gab, ereilte ihn der Schlag, und von seinem Gewinn hat er nichts mehr wahrnehmen können. Da Spieler vielfach abergläubisch sind, entstand ein Streit um den Platz des Engländers, doch die vier Herren, dis auf dem Stuhl, auf dem der Engländer gesessen hatte, Platz nahmen, verloren in kurzer Zeit ihr letztes Geld. Niemand wagte sich mehr auf den Platz zu setzen, bis eine steinreiche Amerikanerin sich ruhig auf ihn setzte, ihre Spielmarken auf Nr. 28 legte und in einer halben Stunde sieben­tausend Pfund Sterling gewann.

Zeitschriften.

Die von Dr. Karl Aste! geschaffene Sipp­schaftstafel hat sich in Tausenden von Fällen zur erbbiologischen Bestandsaufnahme bewährt, wie Lothar Stengel-von Rutkowski in einem beachtens­werten AufsatzHistorische Genealogie oder züchte­rische Familienkunde?" in Heft 2 der Zeitschrift Volk und Rasse" ausführt. (I. F. Lehmanns Verlag, München 2 SW.) Dabei ist die Methode der Sippschaftstafel so einfach, daß jeder deutsche Volksgenosse sie für sich aufstellen kann, wie an einem Beispiel nachgewiesen wird. Dr. med. Johan­nes Schottky (Berlin) weist darauf hin, mit welcher Gewissenhaftigkeit eine verantwortungsbewußte Siedlungspolitik bei der Auswahl der Neubauern- stellen-Bewerber vorgehen muß. Was er über die erbbiologischen Grundsätze sagte, ergänzt Privat- dozent Dr. B. K. Schultz (Berlin) in seinem Bei­tragRassische Siedlerauslese" vom rassischen Ge­sichtspunkt aus. Das Heft bringt zahlreiche Abbil­dungen. Sie gehören vor allem zum Beitrag von Dr. E. G. Troche (Berlin) überKunst und Rasse des Nordens", in dem der Verfasser die nordische Kunst als Dokument der germanischen Weltanschau­ung darstellt.