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Besuch bei Lloyd George.

Das nationalsozialistische Deutschland gibt Anregungen für denNeuen plan".

Von Eric Borchert, London.

Zwei Stunden Autofahrt führen nach Churt, dem Landsitz von David Lloyd George. Das Auto rast durch die eigentümliche englische Land- chaft. Ich lese die Londoner Morgenblätter. Sie ind voll von demcome back" des großen Wel­chen. In Farnham treffen wir eine große Anzahl von Tonfilmwagen. Sie befördern die Operateure der Wochenschaugesellschaften nach Churt, zu Lloyd George. Der Wagenverkehr verdichtet sich. In den Automobilen sitzen die bekanntesten Reporter der croßen englischen Zeitungen und die besten Kamera­leute der Bildagenten. Lloyd George steht heute wieder, wie in den Kriegsjahren, im Mittelpunkt des englischen politischen Lebens. Man bewundert seine unverbrauchte Energie, seinen positiven Le­benswillen und man achtet seine politischen Kon­zeptionen.

Im großen Garten seines Landhauses warten wir. Die englische Presse ist hier in allen Schat­tierungen vollzählig vertreten. Ich bin der ein­zige Ausländer. Ein Deutscher. Das ist kein Zufall. Mr. Sylvester, der politische Sekretär des ehemaligen Premiers, sagte mir, als er mir die Einladung überreichte:Mr. Lloyd George betrach­tet diese Pressekonferenz als eine innen-englische Angelegenheit, er war aber doch sehr erfreut, als ich Sie angemeldet habe. Er hat ein großes Interesse für Deutschland."

Jetzt erscheint Mr. Thompson, der Privat­sekretär, dann ein Bernhardiner, und schließlich David Lloyd George. Er trägt seine bekannte Pelerine salopp auf den Schultern. Mächtig weht in dem leichten Winterwind das strahlend weiße Haar auf seinem unbedeckten Kopf. Meine englischen Kollegen begrüßen ihrenalten Freund und Kolle­gen" lebhaft. Sie alle lieben diesen ewigen Kämpfer, der der zugänglichste aller englischen Politiker ist.

Good morning boys! sagt er, bleibt aber nicht stehen, wie das die Pressephotographen und Filmkameraleute von ihm erwartet haben. Er kommt direkt auf mich zu. Er reicht mir die Hand.Sind Sie der deutsche Journalist? Ich freue mich sehr, daß Sie gekommen sind!" Er bittet mich mit ihm in das Haus zu gehen, führt mich in feine Bibliothek. Wir gehen durch Zimmer, die die unverfälschte Stimmung der englischen Herrenhäuser atmen. In den großen offenen Kami­nen brennt freundliches Feuer, die breiten Fenster lassen so viel Licht herein, wie die winterliche Sonne nur spenden kann. Eine frohe, unbeschwerte, jugend­liche Atmosphäre herrscht hier in dem Heim des Zweiundsiebzigjährigen. In der Bibliothek stehen in Reih und Glied Hunderte von Büchern:Meine deutsche Bibliothek" zeigt er mir die lange Reihe der BücherIn der letzten Zeit habe ich nur diese studiert. Sie wurden mir von deutschen Freunden zur Verfügung gestellt und sie halfen mir meinen neuen Plan zu gestalten."

Auf einem Tisch liegen einige Exemplare der deutschen Uebersetzung seiner Memoiren. Er fragt mich:Wie gefällt mein Buch Ihren Lands­leuten?"Ausgezeichnet, Sir", ist meine Antwort. Wir freuen uns, daß Sie Verständnis für das neue Deutschland haben."

Ich habe mehr als nur Verständnis. Ich verehre das neue Deutschland, das mich heute mehr inter­essiert als irgendein anderes Land auf der Welt. Vielleicht bietet nur noch Amerika so viele Bei­spiele einer ehrlichen Anstrengung, die Krisis zu mei­stern und die schwersten Probleme unserer Zeit mit energischer Hand anzufassen wie Deutschland seit zwei Jahren. Ich verfolge mit Spannung und An­teilnahme die Aufbauarbeit. Leider konnte ich nicht selbst nach Deutschland fahren, um mit eigenen Augen die Entwicklung anzusehen. Ich sandte mei­nen Sekretär zu Ihnen, und seine Berichte bestätig­ten meine Auffassung. Für einen nicht unbedeuten­den Teil meines sogenannten neuen Plans dienten die deutschen Regierungsmaßnahmen als Vorbild, besonders was die Arbeitslosen - undSied- l u n g s f r a g e anbetrifft."

Wie sehen Sie, Sir, Deutschlands Stellung in der Weltpolitik?"

,Zch persönlich kämpfe für Deutschlands Gleich­berechtigung. Und ich glaube, daß das Resul­tat der Saarabstimmung ein großer Schritt zur endgültigen Lösung dieser Frage sein wird. Es war vielleicht der glücklichste Tag meines langen Lebens, der Tag der Saarabstimmung. Einerseits fühlte ich mich durch die Stimmabgabe der Saar­länder bestätigt, andererseits sah ich das letzte Hin-

Wenn das endgültige Programm der Festlich­keiten aus Anlaß des Regierungsjubi­läums Georg V. von England am 6. Mai dieses Jahres auch erst in nächster Woche öffentlich bekanntgegeben werden soll, so verraten doch die mannigfachen Vorbereitungen schon manches von seinem mutmaßlichen Inhalt. Im Mittelpunkt des Festes wird das große Staatsbankett im Buckingham Palast stehen; eine Quadrille, an der auch das Königspaar teilnehmen wird, soll den F e st b a l l eröffnen. So viele Gäste aber auch zu diesem feierlichen Staatsbankettakt geladen sind, so wird doch nur der kleinste Teil der Gratu­lanten, die aus der ganzen Welt herbei­strömen, bei dieser Huldigung im Palast des Königs zugegen fein können. Dagegen werden Tausende und aber Tausende sich in den Straßen drängen, durch die das Königspaar zur St.-Pauls-Kirche fährt, um an einem Festgottesdienst teilzu­nehmen. Auch bei der Prunkfahrt des Königs zum Parlament wird ein dichtes Menfchenfpalier die Wege säumen.

Im Parlament oder bei einer anderen geeigneten Gelegenheit wird der König feierlich die Ernen­nungen und Rangerhöhungen verkünden, die für diesen Tag vorgesehen sind. Ein einzigartiges Er­eignis wird allerdings zu anderer Zeit und an anderem Ort von dem Jubilierenden als dem Kaiser von Indien vLrkündet werden: die Erhebung der fünf vornehmsten und mächtigsten Fürsten Indiens zu Königen. Der Nizam von Haiderabad, der reichste Fürst der Welt, der Kaikwar von Baroda, der Maharadscha von Mysore, der Maharadscha von Kaschmir und der Maharadscha von Gwalior werden anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers mit der Königs­würde beliehen werden, womit sie eine größere Selbständigkeit in ihren Regierungshandlungen, unter anderem auch das Recht eigener diplomati­scher Vertretungen bei St. James, erhalten werden. Unter dieser! Königen, deren Rangerhöhung nomi­nell erst bei dem in Delhi stattfindendenKaiser­lichen Durbar" verkündet wird, befindet sich ein erst achtzehnjähriger Fürst, der Maharad­scha von Gwalior, der noch vor wenigen Monaten in Oxford seinem Studium nachging. Reben diesen Ernennungen durch den Kaiset von

dernis, das einer Verständigung noch im Wege stand, verschwinden. Jetzt kann eine positive Aufbauarbeit auch in außenpoliti­schen D i n ge n beginnen, und ich bin sicher, daß die Verhandlungen schließlich Deutschland die Erfül­lung seiner Wünsche bringen werden: nämlich die Anerkennung der Gleichberechtigung. Es ist für die Dauer nicht möglich, eine so große und ehrenwerte Ration, wie die deutsche ist, als Nation zweiter Klasse zu behandeln. Damit schädi­gen die Mächte nicht nur die deutschen, sondern auch ihre eigenen Interessen und schließlich auch die gesamte menschliche Kultur, die Deutschland so ungemein viel zu verdanken hat. Mein Pro­gramm ist ein Programm für England, aber ich fordere mit derselben Leidenschaft die Herstellung der freundschaftlichen Beziehung zu der großen Nation der Deutschen."

Indien werden die Ehrungen durch den König von Großbritannien nicht zurückstehen, und so manche stille Hoffnung auf eine Peerwürde wird an diesem Tage in Erfüllung gehen.

Von den Festveranstaltungen, die sich der Schau­lust der weitesten Allgemeinheit darbieten werden, gehört die festliche Illuminierung der großen historischen Bauwerke rund um den Buckingham- Palast. Neben dem Palast selbst werden die West­minster-Abtei, das-Parlamentsgebäude, der Tower, der St.-James-Palast, St. Pauls, die Bank von England und eine Reihe anderer Gebäude a l l - nächtlich in einem Lichtermeer erglänzen, wobei ein Verfahren Anwendung findet, das zum erstenmal bei dem großen internationalen Beleuch­tungskongreß in London im Jahre 1931 erprobt wurde. Während man damals aber versuchsweise mit farbigen Lichtern arbeitete, die in ihrem Zu­sammenspiel nicht sehr wirkungsvoll waren, wird man nunmehr versuchen, eine Beleuchtung in der Tönung des Mondlichts zu erzielen.

lieber der Stadt werden am Krönungstag große Luftmanöver stattfinden, und Heer und Ma­rine werden durch Paraden dem Fest einen militärischen Hintergrund geben. Auch sportliche Veranstaltungen werden überall am Jubiläumstag stattfinden, so ist eine große Jubiläums- r e g a tt a geplant. Daß es bei diesen Veranstal­tungen nicht an Zuschauern fehlen wirb, dafür ist Sorge getragen: nicht nur die ganze Schuljugend hat an diesem Festtage frei, sondern der Tag wird vermutlich auch für die gesamte Arbeiter- und Beamtenschaft ein bezahlter Feiertag fein. Schließlich werden zum 6. Mai Briefmarken herausgeben, die das Bild des Königs im Krö­nungsornat, die Daten feines Regierungsantritts und des 25jährigen Jubiläums und das Schloß von Windsor einheitlich im ganzen britischen Weltreich zeigen werden. Die Dominions und Kolonien haben dafür auf die Herausgabe eigener Werte verzichtet und werden lediglich ihren Namen auf die Marken aufdrucken. So wird sich die ganze britische Welt an diesem Tage in der Ehrung des Königs und Kaisers in herzlichster Uebereinftimmung zusam­menfinden und nach innen und außen ein Zeugnis ihrer Einigkeit und ihrer Macht geben.

es ja nicht immer. Wenn Klaus auf diese umständ­liche Weise ausrechnen wollte, wieviel 8 mal 9 sind, hatten es die anderen längst heraus, wenn er noch beim dritten Zusammenzählen war. Daran lag es eben: die andern behielten leicht die Einmaleins­zahlen, und Klaus vergaß sie. Das Auswendig­lernen war ihm eine Qual.

Da fingen nun die Eltern mit dem Drillen an. Der Vater erinnerte sich alter Rezepte aus der eige­nen Kindheit und ordnete an:Von 14 bis 14^30

lieber die Klippen der großen Druckschrift, des Heftschreibens und des Zufammenzählens bis 100 ist Klaus glücklich hinweggekommen. Aber nun, im zweiten Schuljahr, wird ihm das Einmaleins zum unüberwindlichen Hindernis.

Nicht, daß die neue Rechnungsart etwa feine Denkfähigkeiten überschritte! Das verstand er sehr wohl, daß drei mal fünf Murmeln 15 Murmeln sind. Man brauchte da ja bloß nachzurechnen: 5 und 5 und nochmal 5! Aber mit dem Nachrechnen ging

Klaus vergißt das Einmaleins.

Zum ThemaSchulaufgaben" Ein Wink für Mütter und Väter.

1«:

ie König Georg V. gefeiert wird

Vorschau auf das Festprogramm aus Anlaß fernes 2Sjährigen Vegierungsjubiläums.

Zenobia.

Von Emil Strauß.

Die Leipziger Straße in Berlin erweitert sich in der Mitte zwischen dem Dönhoffplatz und dem Spit­telmarkt zu einem kleinen Rundplatze, den schöne alte Arkaden umgeben. In ihrem nördlichen Halb­kreise befand sich vor Jahrzehnten ein Antiquariat, ich hotte es gleich in den ersten Tagen meines ersten Berliner Semesters entdeckt und suchte es oft wieder auf; denn vor der Türe des Ladens unter den Bögen standen Gestelle mit Büchern und Mappen mit verstaubten Stichen, und man konnte nach Behagen blättern. Ein System von Spiegeln erlaubte dem Trödler, vom Ladentisch aus auch diese Schätze zu überwachen.

Einmal hatte ich Goethes Gedichte gefunden, eine Ausgabe aus dem Jahre 1818 oder 1820 in altem würdigem Einband, ich trat in den Laden, um die ausgesetzten 60 Pfennig zu erlegen, da stand ein anderer junger Mensch vor dem Antiquar und re­dete dringlich bittend auf ihn ein. Der flehende Klang der Stimme besing mich, ehe ich auch nur ein Wort verstanden hatte, und ich hielt mich zurück, blieb an der Tür stehen und blätterte in meinem Buche. Da hörte ich:

Bitte, lassen Sie es mir doch! Schenken Sie es mir! Ich bitte Sie herzlich."

Zch schämte mich, als stände ich selbst dort, warf aber einen Blick auf den Sprechenden und sah un­gefähr ein blasses vorspringendes Profil, eine ma­gere Gestalt in verwachsenem schwarzem Rock, eine rote verfrorene Hand, die den Hut hielt.

Ach, fällt mir ja doch gar nicht ein!" war die Antwort.Legen Sie hin! Legen Sie hin! Was denken Sie denn von mir!"

Ich wäre Ihnen so dankbar!" klang es ge­dämpfter, schon hoffnungslos.

Ich sag Ihnen wie ich Ihnen sag legen Sie hin!"

Der junge Mann drehte sich und ging mit dem Hut in der Hand an mir vorbei zur Tür. Ich war so aufgeregt und beschämt, daß ich ihn nicht anzu­schauen wagte. Um was mochte er gebeten, um was sich so ausgesetzt haben!

Er hatte noch die Tür in der Hand, da fragte einer, der auch im Laden war, den Bücherkrämer aus.

Hier!" rief der Antiquar im Tone verwunder­ter Entrüstung, hob ein dünnes Buch vom Tisch und warf es wieder hin, daß es klatschte,hier! geschenkt will er es haben geschenkt! das Theaterstück will er geschenkt haben! Sagen Sie mir ich frage Sie, was will ein solcher Lump

mit einem Theaterstück? Ein Kerl, der nicht einen Groschen nicht zehn Pfennige hat! ich frage Sie, was will der mit einem Theaterstück!"

Ich hatte Mühe, zu verstehen, so verblüfft war ich, so unverschämt fühlte ich mich mit dem Berg unerschwinglicher Bücher- und Lebenswünsche im Herzen; als ich aber begriff, eilte ich hinaus, um den jungen Menschen zu suchen. Er hatte die Bo­genhalle schon verlassen und war in dem Menschen- ftrom der Leipziger Straße verschwunden.

Ich kehrte in den Laden zurück, wo sich der An­tiquar immer noch seiner Entrüstung freute, ich nahm das dünne graubroschierte Buch vom Laden­tisch und las auf dem Titelblatt:

3 e n o b i a Trauerspiel in fünf Akten Von I. L. Klein.

Es war jahrzehntealt, noch unaufgeschnitten, ich sah hinein und las ein paar geschwollene Verse. Ich fragte nach dem Preise.

Nan Groschen!" schrie der Trödler ärger­lich.Ich sage ja, nicht einmal zehn Pfennig hat der Kerl, und ich soll ihm das Theaterstück schenken! Bitte, ich frage Sie bloß, was will so ein Lump mit einem Theaterstück!"

Ich steckte das Buch ein, zahlte und ging.

Ich trug dieZenobia" wochenlang in der Tasche herum. Ich dachte, wenn mir der Jüngling zufällig wieder in den Weg liefe, ihm das Buch zu geben, und ihn zu fragen, was er mit dem Theaterstück wollte. Ich traf ihn natürlich nie mehr. DieZeno­bia" hab ich nicht aufgeschnitten, nicht gelesen und, ich weiß nicht, wie, längst wieder verloren; aber an den armen Burschen und sein überwältigendes Verlangen nach diesem Buch voll Versen muß ich immer wieder denken.

Die Entdeckung des Franz-Zoseph-Landes. Ein vergessenes Stück Polargeschichte.

Angesichts des großartigen Tempos, das die Po­larforschung in den letzten Jahrzehnten angeschla­gen hat, vergißt man nur zu leicht die Taten der ersten Pioniere, die mit geringeren Erfahrungen ausgerüstet und mit unzulänglicheren Mitteln aus­gestattet doch hervorragende Erfolge errangen, bie vielleicht höher einzuschätzen sind als manche große Entdeckung der jüngsten Vergangenheit, bei ber Flugzeuge, Traktoren und Radiostationen ein­gesetzt wurden. Zu den schon fast Verschollenen der

Polargeschichte gehört der österreichische Forscher Julius Payer, der Emoecker des canz - Io - feph-Landes im nördlichen Polarmeer. In feinem Bericht über die von ihm geleitete Expedi­tion der Jahre 1872 bis 1874 schildert er außer­ordentlich treffend die inneren und äußeren Vor­aussetzungen einer Polarfahrt in der damaligen Zeit:Ein mühevoller Weg ist die Reise in die in­nere Polarwelt. Alle geistigen und körperlichen Kräfte muß der Wanderer, der ihn betritt, auf­bieten, um dem Geheimnisse, in das er dringen will, eine dürftige Kunde abzuringen. Mit unsäg­licher Geduld muß er sich wappnen gegen Täu­schung und Mißgeschick, sein Ziel selbst noch ver­folgen, wenn er ein Spiel des Zufalls geworden ist. Nicht die Befriedigung des Ehrgeizes muß dieses Ziel fein, sondern die Erweiterung unserer Kennt­nisse. Jahre verbringt er in der furchtbarsten Ver­bannung, fern von seinen Freunden, von allem Le­bensgenuß, umringt von Gefahren und der Last der Einsamkeit. Darum kann ihn nur das Ideale seines Zieles tragen; sonst irrt er, geistigem Zwiespalt verfallen, durch innere und äußere Leere." Payer, der schon in frühester Jugend in die österreichische Marine eingetreten war und über außerordentliche alpinistische Fähigkeiten verfügte, ist durch den be­kannten deutschen Geographen Dr. Peter mann, der die Förderung der Erforschung Afrikas und der Entdeckung des Nordpolgebietes zu feiner Le­bensaufgabe gemacht hatte, auf fein eigentliches Ziel hingelenkt worden, wie Hans Ostwald und Ina S a g e r t in dem soeben bei der Deutschen Buch-Gemeinschaft erschienenen BuchGroße Er­finder und Entdecker" ausführen. Dank Petermanns Vermittlung nahm Payer auch an der zweiten deut­schen Nordpolexpedition teil, die 1869 bis 1870 un­ter Kapitän Koldewey an der Ostküste Grönlands unternommen wurde.

Zu seiner großen Forschungsreise, die mit der Entdeckung des Franz-Joseph-Landes abschließen sollte, brach Payer mit einer vierundzwanzig Köpfe zählenden Mannschaft, unter der sich mehrere Tiro­ler Bergsteiger befanden, am 15. Juni 1872 vom Bremerhaven mit demTegetthoss" auf. Man hatte die Absicht, im gleichen Jahr mindestens noch das Kap Tscheljuskin zu erreichen, aber bevor noch die Insel Nowaja Semlja außer Sicht war, geriet das Schiff schon in die Umklammerung des Treib­eises, aus dem sich die kühnen Forscher viele Mo­nate, ja Jahre nicht befreien konnten. DerTeget- hoff" trieb beständig nach Norden ab. Das Eis drohte den Schiffsrumpf zusammenzupressen, außerdem brach noch die Dunkelheit der Polarnacht über die Eingeschlos- fenen herein, der Skorbut wütete, und als selbst der kurze Polarsommer die Hoffnung nicht erfüllte,

Uhr übst du täglich bas Einmaleins jeden Tag eine Reihe!" Klaus gehorchte, las die Reihen von seiner Einmaleinstafel ab und wiederholte sie mehrmals. Aber wenn der Vater oder der Lehrer Stichprobe machte, dann hatte Klaus alles wieder vergessen und verfiel auf feine alte umständliche Methode.

Was war da zu tun?

Der Lehrer gab den Eltern des kleinen Klaus einen Rat, den sie mit Nutzen befolgten. Es wird manchen Vätern und Müttern willkommen sein, darum sei er hier veröffentlicht.

Klaus lebte wie viele Kinder seines Alters noch ganz in seiner schönen kindlichen Welt des Spiels. In dieser Welt war alles mit buntem, fröhlichem Leben erfüllt. Da gab es keine anderen Gesetze und Regeln als die des Spiels. Ihnen unterwirft sich das Kind widerspruchslos und willig. Denn von ihnen geht ja der ganze Reiz des phantasievollen Spielens aus. Die öden, leblosen Reihen der Ein­maleinstafel freilich besitzen keine Reize für die Betätigungslust und den Spieleifer des Kindes. Aber auch sie lassen sich so umgestalten, daß sie wie ein Spielzeug wirken und das Kind zu spie­lendem, unbewußtem Lernen anregen.

Und so bastelte der Vater von Klaus in feinen Freizeitstunden eine ganze Reihe von Einmal­eins-Spielen zurecht. Er holte sich ein paar große Bogen Pappe und etwas Buntpapier dazu. Dann schnitt er viereckige Lotto-Karten zurecht und klebte buntes Papier darauf. Mit dem Bleistift teilte er die Karte in viele Quadrate ein. Nun stellte er eine Menge kleiner Pappvierecke in der Größe der Kartenquadrate her, ebenfalls bunt beklebt das wurden die Aufgabenkärtchen. Auf jedes Kärtchen schrieb der Vater nun eine Einmaleinsaufgabe: 6 mal 8, 5 mal 7, 3 mal 9 ufro. Was herauskam, stand auf den großen Lösungskarten in den Qua­draten. Ein Dutzend solcher Karten und die dazu­gehörigen Kärtchen waren schließlich fertig.

Und nun konnte das Lotto-Spiel beginnen. Klaus bekam drei Karten, der ältere Fritz drei und der' Vater und die Mutter auch je drei. Einer rief die Aufgaben auf, die anderen rechneten schnell nach und sahen nach, ob 6 mal 9 auf ihrer Karte oben stand. Wer das Ergebnis auf feiner Karte fand, durfte die kleine Aufgabenkarte über das Quadrat legen. Und wer zuerst alle feine Vierecke vollgelegt hatte, war Sieger und bekam ein kleines Bild oder eine Murmel oder gar einen Apfel.

Der kleine Klaus fand großen Gefallen an diesem Spiel. Und siehe da: nach manchen anfänglichen Feh­lern wurde er immer sicherer im Einmaleins. Jetzt war auf einmal der starke, kräftigende und lustbetonte Reiz da, den sein Gedächtnis brauchte. Jetzt gewannen die langweiligen Zahlen einen neuen lebendigen Sinn! Und ohne die kleine List zu ahnen, mit der man ihn zwang, spielend Einmal­eins zu üben, saß Klaus in tiefer Spielfreude beim Rechenlotto. Bald hatte er es heraus, daß 7 mal 8 und 8 mal 7 das gleiche Ergebnis hatten, nämlich 56, eine Ziffer, die auf einem schönen rosa Quadrat seiner Karte stand! Und was gab das für eine Freude und einen Stolz, als er sich das nächste Mal gar nicht mehr zu besinnen brauchte und beim Hören der Aufgabe sogleich ein kleiner Gedächtnis­automat aufsprang und die 56 zum Vorschein brachte!

So lernte Klaus doch noch das Einmaleins. Und viele feiner Alters- und Leidensgenaffen werden es gleich ihm lernen, wenn wir ihnen mit solcher wirk­lich kindesgemäßen Hilfe beistehen. Die Idee des spielenden Lernens ist manchmal mehr wert als ein ganzes ausgeklügeltes pädagogisches System. Denn diese kindertümliche Arbeitsweise entspringt nicht dem Zwang durch ein unkindliches Schema ober den Erwachsenen, sondern dem freien und fröhlichen Spielwillen des Kindes. foe.

Wertvotte Stiche gestohlen.

LPD. Frankfurt a. M., 11. Febr. Aus einer hiesigen Kunsthandlung find zwei wertvolle Stiche entwendet worden. Es handelt sich um einen Stich mit dem Kopf Napoleons I., der an­dere stellt die Enthauptung des Königs von Eng­land aus dem Jahre 1634 dar. An der unteren Stelle des letzteren Stichs sind annähernd 30 Na­men in englischer Sprache eingezeichnet. Von dem Kunstfreund" hat man noch keine Spur.

daß er den das Schiff umklammernden Eiswall schmelzen würde, bemächtigte sich der Mannschaft allmählich ein Gefühl der Verzweiflung.

Und dennoch", schreibt Payer,jetzt da es niemanden mehr gab, der noch an eine Verwirk­lichung unserer einstigen Pläne glaubte, lag ihre Erfüllung unmittelbar vor uns. Ein denkwürdiger Tvq war der 30. August 1873; er brachte eine Ueberraschung, wie sie nur in der Wiedergeburt zu neuem Leben liegt. Es war um die Mittagszeit, da wir, über die Bordwand gelehnt, in die flüchtigen Nebel starrten, durch welche bann unb wann das Sonnenlicht brach, als eine vorüberziehende Dunst­wand plötzlich graue Felszüge in Nordwest ent* büllte, die sich binnen wenigen Minuten zu dem Anblick eines strahlenden Alpenlandes entwickelten! Im ersten Moment standen wir alle gebannt unb voll Unglauben da. Dann brachen wir, hingerissen von der Wahrhaftigkeit unseres Glückes, in den stürmischen Jubelruf aus:L and, Land, end­lich Lc^nd!" Keine Kranken gab es mehr im Schiss; im Nu hatte sich die Nachricht der Ent­deckung verbreitet.

Alles war auf Deck geeilt, um sich mit eigenen Augen Gewißheit darüber zu verschaffen, daß wir ein unentreißbares Resultat unserer Expedition vor uns hatten. Zwar nicht durch unser eigenes Hinzu­tun, sondern durch die glückliche Laune unserer Scholle, und wie im Traum hatten wir es gewon­nen. Immerhin schien die Möglichkeit gegeben, daß es uns vergönnt sein werde, Größe und Beschaffen­heit dieses wie durch einen Zauber aus der Eis­wüste emportauchenden Landes durch eigene An­strengungen kennenzulernen."

Dieses unbekannte Land erhielt den Namen Franz-Joseph-Land. So gern auch die Forscher nach den bisher überstandenen Anstrengungen und Ge­fahren den Heimweg angetreten hätten, jo entschloß man sich doch zur zweiten lleberrointerung, um an bie Entbeckung bes Franz-Joseph-Lanbes zu gehen. Im Frühling 1874 begannen bie Schlittenreifen, bie an alle Teilnehmer bie größten Anforderungen stellten. Eine Welt voll Gebe unb Geheimnis um­gab bie Expebition. Der Vorstoß führte fast bis zum 83. Grab. Erst bann würbe bie mühselige Rückreise zum Schiff angetreten, unb bort rüstete man sich für bie enbgültige Rückkehr nach ber Hei­mat. Es war eine unendlich mühselige Arbeit, die schweren Boote und die Hundeschlitten über das Eis zu bringen und mit ihnen über die schmalen Sprünge hinwegzusetzen. Oft schien es, als bliebe nur noch die Möglichkeit zum Schiff zurückzukehrem Auf einmal lag wie eine Fata Morgana das offene Meer vor ihnen, und der Weg in die von ihnen so lange entbehrte Zivilisation war frei. C. K.