Ausgabe 
12.11.1935
 
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nicht einmal direkte Beziehungen zur NSDAP nachweisen kann."

Trotz dieser Ausführungen wurden die Angeklag­ten verurteilt und zwar nur deshalb, weil es das Gericht für erwiesen hielt, daß die sudetendeutsche DNSAP. mit der reichsdeutschen NSDAP. Be­ziehungen aulrechterhalten hätte. Dasselbe ist in zahlreichen anoeren Urteilen behauptet worden, und immer wieder haben die Gerichte nicht etwa be­stimmte Taten der Nationalsozialisten, sondern ausschließlich deren angebliche Beziehungen zur NSDAP als den strafbaren Tatbestand hervor­gehoben, da diese und ihre Organisation diegewalt­same Abtrennung der deutschen Gebiete von der Tschechoslowakischen Republik" zum Ziele hätten.

Sehr richtig hat auf Grund dieser Urteile der bekannte Staatsrechtslehrer Geheimer Justizrat Unioersit'ätsprofessor Dr. August Finger (Halle) in einem Rechtsgutachten erklärt, daß auf Grund des tschechoslowakischen Schutzgesetzes, nach dessen § 38a u ch ein Ausländer bestraft werden kann, der sich im Auslande einer in den Para- araphen 1 bis 9 und im § 17 angeführten straf­baren Handlungen schuldig gemacht hat", und ge­mäß den Ausführungen der tschechoslowakischen Ge­richte, die der NSDAP. Deutschlands das Ziel der gewaltsamen Lostrennung der sudetendeutschen Ge­biete unterstellen, sich jedes Mitglied der NSDAP, im Deutschen Reiche, allein durch seine Zugehörigkeit zur Partei, der strafbaren Handlung nach den zitierten Paragraphen des tschechoslowaki­schen Schutzgesetzes schuldig gemacht habe. Professor Finger erklärt weiter:Darnach sind Millionen Reichsdeutscher als Angehörige der NSDAP., als Mitglieder des Sudetendeutschen Heimatbundes, als Mitglieder des DDA. usw. der Gefahr der Ver­folgung wegen eines mit schweren Kerkerstrafen bedrohten Verbrechens ausgesetzt, wenn sie z. B. als Ausflügler, als Reisende, zur Er­ledigung beruflicher Geschäfte oder etwa als Teil­nehmer am sudetendeutschen Juristentag die Tsche­choslowakei betreten oder auch nur durch dieses Ge­biet reisen. Sie können alsHochverräter" aus dem Zuge heraus verhaftet werden." Und Prof. Finger erklärt am Schlüsse:Die Erfahrung lehrt, daß es sich hier nicht nur um theoretische Möglichkeiten handelt."

Und diese Urteile sind von den höchsten Instan­zen, vom Obersten Gericht und vom Obersten Der- waltungsgericht der Tschechoslowakei bekräftigt worden. Täglich werden neue Verurteilungen vor­genommen, obgleich das Deutsche Reich in eindeu­tigster Weise erklärte, daß es an einen gewaltsamen Angriff gegen die Tschechoslowakei nicht denke. Aber der Herr Außenminister der tschechoslowakischen Re­publik tut so, als ob er das alles nicht wüßte. Er läßt es zu, daß nach wie vor die Erklärungen des Führers und Reichskanzlers und dessen Politik von den Gerichten seines Staates verdächtigt und daß sie als unglaubwürdig und für die Prozeß­führung als belanglos erklärt werden. Und das nennt Dr. Beneschkorrekt und normal".

Man kann dafür auch andere Bezeichnungen un­

schwer finden. Aber es wäre außerordentlich be­grüßenswert. wenn die Prager Regierung dafür Sorge tragen wollte, daß auch die Gerichte dazu beitragen, die Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und der Tschechoslowakeikorrekt und nor­mal" zu gestalten.

Neue Verletzung des Memelstatuts.

Litauische Polizei in Memel.

Memel, 11. Nov. (DNB.) Die litauische Re­gierung hat beschlossen, in Memel eine neue Po­tizeitruppe in einer Stärke von 62 Mann nach dem Vorbild der sogenannten KownoerReserve­polizei für außergewöhnliche Zwecke" einzusetzen. Diese Polizei, die auch eine Abteilung berittene Po­lizisten enthalten soll, wird in Memel nicht wie in Kowno der ordentlichen Polizei, sondern der Staatspolizei angegliedert. Zum Lei­ter ist bereits ein höherer Beamter der Kownoer Reservepolizei ernannt worden. Die Pferdestation wird in einer Kaserne der Memeler Garnison unter­gebracht.

Nach dem Memelstatut ist das gesamte Polizei­wesen Sache der autonomen Organe. Ar­tikel 20 des Statuts bestimmt, daß die Aufrechter­haltung der öffentlichen Ordnung im Memelgebiet durch die öffentliche Polizei gesichert wird, die den Behörden des Memelgebietes untersteht. Im Not­fall kann diese die litauische Regierung um Bei­stand ersuchen. Dieser Fall ist nicht eingetre­ten. Nach dem Artikel 20 des Memelstatuts darf die litauische Regierung im Memelgebiet nur Grenz-, Zoll- und Eisenbahnpolizei unterhalten. Es kann also nicht angenommen wer­den, daß die litauische Regierung ihre Maßnahme auf Grund des Art. 20 des Statuts getroffen hat. Vielmehr stellt die Einführung dieser litauischen Po­lizeitruppe im Memelgebiet eine neue Ver­letzung des Statuts dar.

Oer Arbeitsplan -er Erzeugungsschlacht

Oie Fett- und Fleischversorgung wird auf dem 3. Zieichsbauerntag erörtert.

Goslar, 11. Nov. (DNB.) Nachdem, wie be­reits ausführlich gemeldet wurde, der 3. Reichs­bauerntag am Sonntagabend feierlich eröffnet worden war, begannen am Montag früh die S o n - dertagungen der verschiedenen Abteilungen des Reichsnährstandes.

Den Anfang machte eine Sondertagung der Reichshauptabteilung II unter Leitung des Reichs­hauptabteilungsleiters Dr. Brummenbaum, der sich mit den Hauptgesichtspunkten des zweiten Abschnittes der E r z e u g u n g s s ch l a ch t beschäf­tigte. Es komme darauf an, dis in die letzten Orts­bauernschaften hinein selbständige Träger der Erzeugunasschlacht zu haben, die auch nach den Ortsverhältnissen für die richtige. Ziel­setzung der Erzeugungssteigerung sorgen. Aus der Tatsache, daß die Wiesen und Weiden rund 22 v. H. der landwirtschaftlichen Nutzfläche ein­nehmen, aber nur 10 v. H. des Gesamtertrages der Markterzeugung liefern, müßten Schlußfolgerungen gezogen werden.

Staatsrat M e i n b e r g benutzte die Gelegenheit, besondere Gesichtspunkte für die künftige plan­volle Lenkung der Erzeugung heraus­zustellen. Beim Eingehen auf die Frage der Fett­wirtschaft betonte er ausdrücklich, daß die Derlegen- heitslösung der Einführung von Lebens­mittelkarten unter keinen Umständen in Betracht käme. Es handele sich auch hier angesichts der Lage, die bei der Machtübernahme vorgefunden wurde, um eine Rohstoff-Frage, die ihr besonderes Gesicht dadurch bekommen habe, daß die Einschaltung von 5 Millionen Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß einen natürlichen Zuwachs des Ernährunas- bedarfs gebracht habe, der sich stark auf dem Gebiete der Fett- und Fleischoersorgung bemerkbar mache. Gerade deshalb komme es darauf an, die Gestaltung der Erzeugung so zu lenken, daß das nun wieder in vollem Umfange in der Arbeit stehende deutsche Volk auch die angemessene Ernährung finde. So erscheine gegenwärtig die Erzeugungsschlacht als die vor­dringlichste der vielseitigen Aufgaben des Reichsnährstandes. Dabei werde darauf Rücksicht

zu nehmen sein, daß die Lei stungs steige- rung auf bodenständiger Grundlage erfolge. So solle die Viehzucht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der vollwertigen Ausnutzung des Eigenfutters ausgebaut werden. Auch die Frage der Stickstoffpreise kam zur Sprache.

Staatsrat M e i n b e r g stellte zur Leistungs­steigerung der noch unter dem Durchschnitt liegen­den Höfe gesetzliche Regelungen auf dem Gebiete der Tierzucht und Milcherzeu­gung in Aussicht. In der Sitzung der Hauptver­einigung der Deutschen Milchwirtschaft wurde zur Lösung des Fettproblems die Notwendigkeit her­vorgehoben, im Sommer in Zeiten der Milch­schwemme die Verarbeitung auf But­ter vorzunehmen, die als nationale But- terreferoe f ü r den Winter eingelagert wird. Bei der Hauptvereinigung der deutschen Dieh- wirtschaft wurden die Maßnahmen behandelt, die während der vorübergehenden Mangelperiode eine angemessene und gleichmäßige Ver­teilung der Schlachtschweine sicherstellen. Eine weitere grundsätzliche Maßnahme ist in der Bindung d o n Käufern an die Märkte zu sehen. Ferner ist eine Genehmigungs­pflicht für Hausschlachtungen eingeführt worden, um den Versuchen gewisser Bevölkerungs­kreise zu begegnen, sich der Festsetzung der Kontin­gente zu entziehen.

In einer anderen Fachtagung wurde die Nutz­barmachung der Statistik für die Erzeu­gungsschlacht behandelt. Eine zuverlässige und um­fassende Statistik schafft die Unterlagen für die Planung der Erzeugung und für die Marktord­nung. Reichsabteilungsleiter Dr. Fenfch behandelte besonders die statistischen Arbeiten auf dem Bauern­hof und betonte die Notwendigkeit einer einheit­lichen Auswertung der amtlichen Agrarstatistik und sonstiger Erhebungsergebnisse bis hinunter in die Kreisbauernschaften. Dabei kommt es für den Er­folg der wirtschaftlichen Tätigkeit des Reichsnähr­standes auf den regelmäßigen Austausch der von den verschiedenen Stellen gefundenen Ergebnisse an.

Amerikanischer Ballon 22570 m hoch!

Neuer Vorstoß in -ie Stratosphäre. Weltrekord bei minus 60 Grad.

Der größte je konstruierte Ballon."

Neuyork, 11. Nov. (DNV.) Mt einem Stratosphärenballon sind am IHontag- früh die amerikanischen Hauptleute Albert W. $. Stevens und Orville Anderson in Rapid City (Dakota, USA.) gestartet. Die Wetterverhält- nisse sind ungewöhnlich günstig. Organisiert wird das Unternehmen von der Nationalen Geographi­schen Gesellschaft zusammen mit der Luftschiffer­abteilung der Armee. Es stellt den dritten V e r - s u ch Stevens.dar, in die Stratosphäre vorzudringen. Bei dem ersten Versuch im Juli 1934 r i h die B allo nhü lle beim Erreichen der oberen Luft­schichten. Die Besatzung muhte mit dem Fall­schirm abspringen.

Auch diesmal gab es einen Zwischenfall. Als der Ballon feine Füllung mit Heliumgas erhielt, riß die hülle an der Seite sieben Meter weit auf. Der Schaden wurde jedoch von Angestellten der Good- year-Zeppelin - Werke aus Akrop, die den Ballon gebaut haben, schnell beseitigt. Der Ballon trägt den NamenExplorer". Er ist der größte je kon - struierte Freiballon und faßt 3700000 Kubikfuß. Die Gondel mißt drei INeter im Durch­messer. Stevens plant eine höhe von 28 000 Meter zu erreichen. Der Flug wurde unter weitgehender Unterstützung durch die Spezialindustrien und die Wissenschaft von langer Hand vorbereitet.

Der Stratosphärenballon erreichte um 6 Uhr 28 MEZ. eine höhe von 18 300 Meter und um 7.21 Uhr eine höhe von 22 57 0 Meter. Damit wäre bereits ein neuer Weltrekord ausgestellt. Die Insassen teilten durch Radiotelephon mit, daß der Ballon sehr rasch steige. Das Thermometer zeige 60 Grad Celsius unter Null. Als Stand­ort wurde Gordon (Nebraska) angegeben. Die Fahrt gehe in östlicher Richtung.

In später Nachtstunde des Montag wurde in Neuyork bekannt, daß Hauptmann Stevens, als

er sich mit seinem Stratosphärenballon in einer Höhe von 9300 Meter befand, durch Funkspruch auch mit London gesprochen hatte. Das Funk­gespräch solle eine Dauer von drei Minuten gehabt haben. Außerdem soll, wie man weiter hört, Hauptmann Stevens mit einem Großflugzeug Funksprüche gewechselt haben. Dieses Großflug­zeug habe sich, als der Stratosphärenballon über 9000 Meter hoch stand, auf einer Höhe von 950 Meter befunden. Es handelt sich um ein Flugzeug, das von Los Angeles kommend auf dem Flug nach San Franzisko war.

Glatte Landung.

Der StratosphärenballonExplorer" teilte um 21.47 Uhr MEZ. sunktelegraphisch mit, daß er a u f 12 200 Meter gefallen sei. Die Insassen wa­ren mit photographischen Aufnahmen beschäftigt und befanden sich wohl. Flieger, die in der am Missouri gelegenen Stadt Pierre (Süddakota) lan­deten, berichteten, daß der Ballon etwa 120 Ki­lometer südöstlich von Pierre klar sichtbar war. Man nimmt an, daß der Abstieg etwa drei Stun­den dauern wird.

Der StratospärenballonExplorer" ist, wie die Begleitflugzeuge des Ballons berichten, um 23.13 Uhr MEZ. in der Nähe von White Lake (Süd- Dakota) glatt und wohlbehalten gelandet.

Kapitärr Stevens berichtete gleichzeitig, daß die Außentemperatur in der höchsten erreichten Höhe minus 55 Grad Celsius betragen habe und daß gleichzeitig das Thermometer in der versiegelten Me­tallgondel minus 10 Grad Celsius angezeigt habe. Der Himmel unterhalb des Ballons bilde eine große weiße Fläche mit bläulicher Schattierung, lieber dem Ballon sei der Himmel eine einzig schwarze Fläche, die nach der Sonne hin noch schwärzer erscheine.

Als der Ballon bei seinem Abstieg bis auf eine Höhe von 6900 Meter heruntergekommen war, haben die Insassen Ballast abgeworfen und die Ge­räte in der Gondel durch Fallschirme zur Erde gehen lassen. Sie wollten damit einen allzu raschen Abstieg des Ballons verhüten. Als der Ballon dann schließlich nur noch auf einer Höhe von 300 Meter war, kletterten die Insassen auf das Dach der Gondel und überflogen langsam White Lake.

Waffenstillstandstag in Paris.

Zusammenstöße zwischen Frontkämpfer­verbänden.

Paris, 11. Nov. (DNB.) Der 17. Jahrestag des 11. November wurde in ganz Frankreich in der herkömmlichen Weise begangen. Hauptstätte des Gedenkens war das Grab des Unbekann­ten Soldaten unter dem Triumphbogen. Un­übersehbare Menschenmassen füllten die Straßen um den Etoile. Kurz vor 11 Uhr traf der Präsi­dent der Republik am Triumphbogen ein. Kanonenschüsse zeigten die Minute des Schweigens an. Der Vorbeimarsch der Truppen beendete die Feier.

Um die Mittagsstunde zogen die r e ch t s st e h e n- den Frontkämpferoerbände am Grabe vorüber. Ihnen folgten zwei Stunden später die politisch links st ehenden Frontkämpfer. Obgleich alle Aufmarschstraßen von einem starken Polizeiaufgebot überwacht wurden, kam es zu Schlägereien zwischen Anhängern der Links­und Rechtsverbände. So sah sich der Vorsitzende der sog.Französischen Solidarität", einer auf dem äußersten rechten Flügel stehenden Organisation, mit 20 feiner Mitglieder plötzlich von einer starken Gruppe von Anhängern der Volksfront umzingelt, die sofort mit Stöcken und anderen Schlaggegen- ständen auf ihn einhieben. Die Mitglieder der Soli­darität flüchteten in eins der großen Kaffee­häuser der Champs Elyfee, dessen Fensterschei­ben von den Marxisten und Kommunisten zer- trü mm e r t wurden. Auf den großen Zugangs­straßen zum Triumphbogen standen Tausende dicht gedrängt, um den Vorbeimarsch der Organisationen mitzuerleben. Es herrschte eine ziemlich gespannte Stimmung, immer wieder mußte die Polizei ein­greifen, um Zwischenfälle zu verhindern.

Oer Weltflughafen Frankfurt a. M.

Ein Zentrum des europäischen und atlantischen Reiseverkehrs.

In der dämmerigen Frühe des 1. Januar 1934 führte Gauleiter Sprenger den ersten Axthieb zu einem Werk, das jetzt seiner Vollendung ent­gegenreift und nach seiner Fertigstellung nicht allein für Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet, sondern für die Weltluftfahrt von größter Bedeu­tung sein wird. Es ist der neue zentrale Zeppelin- und Flugzeughafen, der an dem Schnittpunkt der Reichsautobahnen Nord-Süd- (FrankfurtDarmstadtMannheim) und Ost-West (WürzburgMainz) entsteht. Eingebettet in die ge­schützte rhein-mainische Senke zwischen Odenwald und Taunus erstreckt sich die riesenhafte Fläche von 280 Hektar. Wenn man bedenkt, daß außer den Straßen Adolf Hitlers auch die alten bedeutsamen Verkehrslinien Paris Frankfurt Ber- l i n und Nordsee Rhein Main Donau den Weltflughafen berühren, so ergibt sich schon aus dieser flüchtigen Andeutung die günstige Sage des neuen Verkehrszentrums. Von diesem Flughafen, der mitten im Frankfurter Stadtwald eine einzigartige Lage hat, werden vom nächsten Jahre ab nicht nur die Flugzeuge des erroeiferten Flugverkehrs ausschwärmen, sondern auch der neue Zeppelin seine Amerikafahrten antreten. Damit wird der Frankfurter Zentralflughafen zu­gleich auch europäischer Luftschiffhafen für den Ozeanverkehr.

Wunder der modernen Technik.

Nach der Rodung des Riesenquadrats, bei der 30 000 Festmeter Holz gewonnen wurden, wurde zunächst das Rollfeld für die Flugzeuge eiuge-

ebnet, das heute bereits eine frische Grasnarbe trägt. Um diese Grasnarbe auch im heißesten Som­mer frisch zu erhalten, wurde eine k ü n st l i ch e Negenanlage geschaffen. Längs des Rollfeldes ist eine Wasserleitung gelegt, die in Abständen von 70 Meter durch Beregner unterbrochen ist. Von die­sen Beregnern wird das Wasser 11 Meter hoch und 70 Meter weit geschleudert, so daß es möglich ist, innerhalb einer Woche das Rollfeld mit einem Nie- schlag von 20 Millimeter zu bedecken. An das Rollfeld schließt sich in einer Breite bis zu 120 Me­ter der Startplatz an, der betoniert und mit Platten belegt wird. Unter den Platten ist ein kompliziertes Röhrensystem gelegt für d i e Zufuhr von Del, Benzin und Wasser. Auf diefe Weise wird es möglich sein, die Flugzeuge am Startplatz mit Brennstoff und Wasser zu ver­sorgen. Auch hier wird die Wasserzufuhr wie bei der Berieselungsanlage aus eigenen Brunnen gespeist, die bis in eine Tiefe von 35 Meter vor- getrieben wurden.

Unmittelbar anschließend an das Rollfeld erhebt sich das Verwaltungsgebäude, das bereits unter Dach und Fach ist. In diesem 120 Meter langen Bau wird Post, Zoll, Deutsche Lufthansa, Flughafenleitung, Luftaufsicht, die Dienststellen des Luftamtes, Flughafenverwaltung, Flugpolizei und Gaststätte untergebracht. In einem großen Ab­fertigungsraum werden alle Dienststellen nebenein­ander liegen, so daß der Fluggast leicht und bequem seine Geschäfte abwickeln kann. Die Gaststätte wird an der Seite des Verwaltungsgebäudes un- mittelbar am Waldrand einen großen Wirtjchafts-

garten erhalten, der den Fluggästen und den vielen Flughafenbesuchern angenehmsten Aufenthalt bietet. Auf der anderen Seite des Verwaltungsgebäudes ist ein T u r m im Bau, der sich über fünf Stockwerke zu einer Höhe von 20 Metern er­heben wird. In diesem Turm wird der Wetter- dien st, der Funk - und Nachrichtendien st untergebracht. Die Nebengebäude, Garagen und Pumpstellen werden hinter der Verwaltungshalle Platz finden.

Seitlich des Turmes werden die Fundamente ausgeschachtet für die große Flugzeugh all e, die mit einer Länge von 60 Meter und einer Tiefe von 30 Meter 2000 Quadratmeter Raum umfassen wird und 25 Flugzeugen Platz bietet. An der Herstellung des Rollfeldes waren 1500 Arbeiter beschäftigt, die in 200 000 Tagewerken die Arbeck durchführten. Besondere Beachtung verdient auch die technisch vollkommene Beleuchtungsanlage. Um­grenzt ist das Rollfeld von einer Umrandungs­beleuchtung, die aus Neonleuchten besteht. Die Neonleuchten sind winklig angeordnet, wobei die Spitze des Winkels wie ein Pfeil zum Rollfeld hinzeigt, so daß der Flieger ohne Mühe über die Lage des Rollfeldes orientiert ist. Der Wald und die Gebäude werden mit Hindernisbeleuch­tung versehen, der Turm erhält eine 21 n ft e u e » rungsbeleuchtung und auf dem Platz wer­den drei Landebahnleuchten verteilt. Der Startplatz wird durch Scheinwerfer erhellt.

Die größte Lustschiffhalle der Welt.

Wo das frische Gras des Rollfeldes endigt, be* ginnt der eigentliche Luftschiffhafen für den neuen Zeppelin. Hier und da ragen Baumwurzeln in die Luft, die noch nicht abgefah­ren sind. Die letzten Planierungsarbeiten werden in Kürze beendet sein. In der Nähe des Wald­randes ragen die 56 Meter hohen Binder des Stahlgerippes für die neue Luftschiffhalle in den herbstlichen Himmel. Ein ohrenbetäubender Lärm erfüllt die Luft. Schwer stampfen die Maschinen für die mit Preßluft betriebenen Niethämmer. Zu hohen Bergen aufgeschichtet, nach Art und Gattung geordnet, liegen Taufende und Abertausende von einzelnen Stahlteilen auf dem Platz, die hier von fachkundigen Arbeitskräften montiert werden. UeberaU wird genietet, gehämmert und geschraubt. In gefährlicher Höhe unterscheidet man zwischen dem verwirrenden Stahlgestänge des Gerüsts die Ar­beiter, die hier eine schwere und verantwortungsvolle Arbeit zu leisten haben. 750000 Nieten müssen gehäm­mert werden, bis die Halle fertig ist, 2500 Tonnen Stahl werden insgesamt verwandt. Mit einer Länge von 275 Meter, einer Breite von 50 Meter und einer Höhe von 56 Meter wird die Frankfurter Halle die größte Luftschiffhalle der Welt sein.

Die modernsten technischen Einrichtungen werden zum Teil erstmalig ausgeführt. So wird vor dem Tor der Halle in weitem Halbkreis ein Schienen­kreis gelegt, auf dem die sogenannten Heckwagen fahren werden. An diesen Heckwagen wird das Luftschiff am Heck befestigt und mit dem Bug a n einemfahrbar en Ankermast verankert, so daß bei jeder Windrichtung eine Landung leicht möglich ist. In der gleichen Weise wird das Luft­schiss auch aus der Halle gefahren und ge­startet. Ein 60 Meter hohes fahrbares Montage­gestell mit hohen Kranen mußte aufgebaut werden, um die gewaltigen Eisenträger der Halle aufzurich­ten. Das Stahlgestänge wird in den unteren Teilen mit Mauerwerk, in den oberen mit Eternit ausge­füllt, die Decke wird aus Bimsbeton hergestellt. Bis zum Januar 1936 soll die Halle im Rohbau be­endet fein.

Wie Zwerge stehen neben der Luftschiffhalle, schon fast beendet, ein Bürogebäude, ein Werkstättengebäude und, erst in den An­fängen ein Kompressorhaus. Die Errichtung einer Gasanstalt wie in Friedrichshafen erübrigt sich, da das zur Füllung des Luftschiffes erforder­liche Wasserstoffgas in einer 8,5 Kilometer langen Rohrleitung von den Werken der IG. F a r beninbuftrie in Höchst bis auf den Flug­platz geleitet wird. 340 große Stahlflafchen werden im Kompressorhaus den Wasserstoff aufspeichern. Zwei Kompressoren sind aufgestellt, die das Gas verdichten und direkt in das Luftschiff befördern. Längs der Reichsautobahn wird eine breite 23 er» bindungsstraße vom Flughafen zum Luftschiffhafen führen. Daneben sind bereits die Arbeiten in Angriff genommen für zwei weitere Zufahrtstraßen. Von besonderer Bedeutung aber ist es, daß der Weltflughafen eine besondere Zufahrt zur Reichsautobahn erhalten wird, die so angelegt ist, daß sie ohne Kreu­zung nach beiden Seiten direkt in die Reichsauto­bahn einmündet. Die ganze Anlage soll im kom­menden Jahre in Betrieb genommen werden.

Wirtschaftshochschule Berlin.

Berlin, 11. Nov (DNB.) Gemäß Beschluß des Preußischen Staatsministeriums wird die bis­herige Handelshochschule Berlin zu einer Wirtschaftshochschule erweitert. Die Han­delshochschule wird damit zum Kern der gesamten wirtfchaftswissenschastlichen Ausbildung in der Reichshauptstadt gemacht. Diese Tatsache soll eine Gewähr für die enge Verbindung von Forschung und Lehre mit der Praxis bieten.

Die Verbindung der Wirtschaftswissenschaft mit der Gefamtwisienschaft wird dadurch weiter gewähr­leistet, daß die Volkswirtschaftslehre an der Wirt- schaftshochschule ausschließlich von der wirtschafts- wissenschaftlichen Abteilung der neu zu bildenden Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Unioerfität Berlin wayrgenommen wird. Eine wesentliche Verstärkung b-r hauptamtlichen Lehrstuhle für Volkswirtschaftslehre unb Betriebs- wirtschcrftslehre, sowie eine sorgsame Heranziehung oon Praktikern burch Lehraufträge ist dazu be­stimmt, allen Anforderungen sowohl ber wirt­schaftspolitischen wie ber kaufmännischen Ausbilbung Rechnung zu tragen. Hanb in Hanb bannt wirb eine Neugestaltung unb ein Ausbau ber Forschung unter einheitlicher Leitung vor sich gehen.

Die Stubierenben ber Volkswirtschaftslehre wer- ben wie bisher ausschließlich an ber Universität, die Stubierenben ber kaufmännischen Disziplinen aus­schließlich an ber Wirtschaftshochschule immafrifu- hert. Die Immatrikulation berechtigt bazu, an bei ben Hochschulen Vorlesungen zu belegen. Für die Prüfung ber Diplom-Voftswirte ber Diplom-Kauf­leute unb ber Diplom-Hanbelslehrer wirb ein ein­heitliches Prüfungsamt errichtet. Es ist ferner be­absichtigt, bie Wirtschaftshochschule in weitem Um­fang ber wirtschaftswissenschaftlichen Weiterbilbung anberer Berufe (Referenbare, Assessoren, Beamte der Verwaltung u. cl) dienstbar zu machen.