Ur. 265 Erstes vlatt
185. Jahrgang
Dienstag, 12. November 1955
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Aegypten als Angelpunkt der britischen Mtelmeerpolitik.
England für alle Kalle gerüstet. — Verstärkung des britischen Einflusses in Aegypten.
Kairo, 11. Nov. (DNB.) Die wachsende Spannung im Mittelmeer wird von der ägyptischen Oeffentlichkeit mit steigender Anteilnahme verfolgt, wobei die verschiedensten Kombinationen, vor allem auch in Zusammenhang mit der Stellung Aegyptens in diesem Konflikt laut werden.
In ägyptischen Kreisen wird vielfach die Ueber- zeugung geäußert, daß in dem Vorgehen Italiens England eine Bedrohung Aegyptens sieht. Mit seinen starken militärischen Vorbereitungen verfolgt England, so meint man, zunächst die unbedingte Sicher st ellung Aegyptens vor jedem Angriff von außen, was nach Ansicht von Sachverständigen bereits gewährleistet ist. In diesen Vorbereitungen komme aber auch die unbedingte Entschlossenheit Großbritanniens zum Ausdruck, für alle Fälle g erüstet zu sein, falls die friedlichen Versuche des Völkerbundes, den Abessinienkonflikt zu beenden, scheitern sollten. In einflußreichen Kreisen Aegyptens hört man die Ansicht, daß die Bildung eines unter italienischem Einfluß stehenden Blockes in Ostafrika mit der natürlichen Festung des Hochlandes von Abessinien als Mittelpunkt von England für untragbar empfunden werden könnte. Man ist der Meinung, daß Mussolini niemals nach Addis Abeba kommen wird. Wenn sich jedoch der Widerstand der Abessinier bei der Verteidigung ihres Landes als zu schwach erweisen und auch die Sühne- maßnahmen des Völkerbundes den italienischen Vormarsch nicht aufhalten sollten, würde sich London innerhalb des nächsten Vierteljahres vor schwerwiegende Entscheidungen gestellt sehen.
Inzwischen nehmen die militärischen Vorkehrungen im Lande, die überall starke Beachtung finden, ihren Fortgang. So soll erst kürzlich für die beschleunigte Anlage einer neuen Vü ft en ft raße von Kairo nach Alexandrien von der ägyptischen Regierung ein Betrag von 100 000 ägyptischen Vfund zur Verfügung gestellt worden sein. Diese Straße soll hauptsächlich militärischen Zwecken dienen. Der Zugverkehr nach dem Sudan zur Beförderung militärischer Ausrüstungsgegenstände hat derartig zugenommen, daß z. V. in Alexandrien reinleerer Eisenbahnwagen mehr zu finden ist. Von englischer Seile soll der Regierung aus freien Stücken die volle Entschädigung für alle Schäden zugestanden worden sein, die aus den militärischen Vorbereitungen dem Lande erwachsen sollten.
In diesem Zusammenhang beschäftigt sich die ägypttsche Presse auch mit den Auswirkungen auf die innerpolitische Lage. Verschiedene Aeußerungen lassen den Schluß zu, daß sich zwischen den sich bekämpfenden politischen Gruppen eine Verständigung anzubahnen scheint, die eine gemeinsame Haltung England gegenüber bei künftigen Kabinettsbildungen zum Gegenstand hat. Man denkt dabei daran, von England die Erfüllung der bekannten Forderungen nach Wiedereinführung der Verfassung und nach Abschluß eines neuen englisch-ägyptischen Vertrages als Voraussetzung für eine Zusammenarbeit zu verlangen. Bei aller Mißstimmung, die die ablehnende Haltung Englands diesen von Aegypten dringend gewünschten Forderungen gegenüber hervorgerufen hat, ist man sich doch darüber im klaren, daß es für jede ägyptische Regierung unmöglich sei, sich dem englischen Einfluß zu entziehen. Aegyptische Kreise halten eine Verstärkung der englischen Machtstellung im Lande für nicht unwahrscheinlich. Eine stärkere Anlehnung Aegyptens an England würde unter Umständen Hand in Hand mit einer Aufhebung der den Sühnemaßnahmen im Wege stehenden Kapitulationen, mit der sich die einheimische Presse bereits sehr stark beschäftigt, gehen. Wenn auch die Richtung der künftigen Entwicklung noch nicht klar in allen Einzelheiten zu erkennen ist, steht doch fest, daß sie zu grundlegenden Aenderungen der gegenwärtigen Lage führen wird.
Der ttalienifche Heeresbericht.
Rom, 11. Nov. (DNB.) Vom italienischen Propagandaministerium wird folgender Heeresbericht veröffentlicht:
Unsere Truppen haben sämtliche Höhenzüge südlich von Makalle besetzt und beherrschen damit den Talkessel von S ch e l i c o t. Die Truppen des 2. Armeekorps setzen ihre Kontrollaktion in den Gebieten zwischen Aksum und dem Takazze-Fluß fort. An der Somali-Front ist von Truppen des Generals Graziani die Verfolgungs- und Säuberungsaktton nördlich von Gorrahei weiter im Gange. Eine leichte motorisierte Kolonne hat beim Vormarsch im Flußtal des Faf dem Gegner schwere Verluste beigebracht und zwei weitere Geschütze, ferner Gewehre, Munition, Lebensmittel und verschiedenes Material weggenommen. Der Häuptling Abd el Kerim Mohammed, Sohn des ver- storbenen Mullah, der den wichtigen Volksstamm der Ogaden-Bagheri befehligt, hat mit seinen Kriegern die Unterwerfung vollzogen.
Starke abessinische Streitkräfte bei Harrar zusammengezogen.
Asmara, 12. Nov. (Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.). Starke abessinische Streitkräfte, die in hiesigen militärischen Kreisen auf 200 000 geschätzt werden, haben die Höhen in der Gegend von Harrar besetzt. Den Oberbefehl über die abessinischen Truppen führt Ras N a s i b u. In Harrar selbst soll es, wie in hiesigen italienischen Kreisen verlautet, zu italienfreundlichen Kundgebungen gekommen sein. Südlich von Antala wurde eine große abessinische Karawane von den Italienern gefangen genommen.
„Nur sechs Mnaie handeln."
Dann Rückkehr in die Stresa-Front.
Paris, 12. Nov. (DNB. Funkspr.) Das „Journal" veröffentlicht eine Erklärung des italienischen Staatssekretärs S u v i ch, in der es u. a. heißt:
Wenn wir diese Prüfung überstanden haben, wird man nach Stresa zurückkehren und versuchen müssen, den englisch-französisch- italienischen Pakt wieder zustande zu bringen. Da wir viel Geduld haben, scheint es, daß die Sühnemaßnahmen oh ne große Ergebnisse bleiben werden. Ich glaube an unseren Sieg. Dieser Feldzug war notwendig. Mussolini hat seinem Volke Brot versprochen. Sein Volk hat Vertrauen. Man möge Italien nicht etwa Vorhalten, daß es sich an den Völkerbund hätte wenden können. Als Sieger, die durch den Frieden jedoch erniedrigt wurden, haben wir eine Politik der Besiegten betrieben. Jetzt möge man uns nur sechs Monate handeln lassen. Wir werden in Abessinien d i e Zivilisation einführen. Wir werden in dieses Land Ordnung bringen. Wir können dort leben und man wird erleben, wie dieses junge revolutionäre Italien sich an die Seite Frankreichs und Englands, also an die Seite der konservativen Völker, stellt.
Mens Kamps um das Preisniveau.
Römischer Kriegsdrief.
Von unserem römischen E.-Korrespondenien.
Rom, im November.
Es wird Ernst. Da hat nun der König das neueste Straßenwunder, dieLa st wagenbahn, dem Verkehr übergeben, eine Autostraße, die den Schiffsbauch unmittelbar mit den Industriestädten der Po-Ebene verbindet; eine Straße, die Mailand sozusagen zur Hafenstadt macht und Genua ins Herz des Landes rückt; eine Straße, die der Eisenbahn übergeordnet sein sollte — und acht Tage später geht den Lastwagen das Benzin aus. Das heißt, noch wäre es zu haben, aber zu einem Preis, der die Güterverkehrserleichterung schon wieder problematisch macht. Unser modernes Leben,, das wie auf Kugellagern dahinzurollen scheint, beruht offenbar auf Voraussetzungen, die sich über Nacht als unrichtig erweisen können.
Wir haben immer wieder über die mehr oder minder nahe Erschöpfung der Kohlenlager gestritten und mit komisch gerunzelter Stirne gefragt, wie es dann werden würde. Daß einem Vierzig- millionenvolk, einer Großmacht, das Benzin mangeln könne, kam keinem in den Sinn. Nun ist es noch nicht einmal sicher, daß man Italien die Einfuhr sperren wird, noch hat sich die schwerfällige Sanktionsmaschine nicht in Bewegung gesetzt, und schon schnellt der Benzinpreis auf 3,50 Lire hinauf! Es gibt zwar Pedanten, die behaupten, das sei nicht eine Folge der Sanktionen, sondern der V a l u t a s ch w a n k u n g , für den Verbraucher bleibt es jedoch gehupft wie gesprungen. Der Wein, bester goldener Frascati, kostet nur die Hälfte — was muß das für ein edler Tropfen sein, den die Autos trinken. Ach, sagen Sie ruhig saufen! meint der Sechszylinderbesitzer bekümmert. Kein Mensch kauft ihm mehr einen solchen Trunkenbold ab. Alles ist verrückt geworden, die Jahressteuer macht jetzt mehr aus, als ein großer, guter Wagen kostet, dagegen zahlt man für die gebrauchten Kleinwagen Phantasiepreise. Neue DZagen will niemand mehr, denn wer kann wissen, ob es morgen überhaupt noch Benzin gibt? Und Oel?
Unheimlich, wie weit das Benzin schon Besitz von unserem Leben ergriffen hat. Die Schadenfreude der Nichtfahrer war verfrüht, sie merken nun, daß
sie trotzdem Benzinluft atmen. Alle guten Vorsätze, die Preise zu halten, wurden durch ihre Verteuerung über den Haufen geworfen, denn schon der Bauer fordert für seine Erzeugnisse mehr als gestern, weil er selber höhere Transportkosten hat. Wie könnte eine Mietsdroschke noch zum alten Tarif fahren? Der eilige Geschäftsmann muß den Unterschied natürlich seinerseits auf die Ware schlagen. Man mag kaufen, was man will, jede Entrüstung über die plötzliche Preiserhöhung wird mit der lakonischen Frage abgeschnitten: E la benzina?!
Kam im Sommer die Wagenfahrt' noch billiger zu stehen als die Bahn, so kostet nun ein flüchtiaer Abstecher an den Lido oder in die Castelli an die 50 Lire, die Bahn Höchens — zwei Personen gerechnet — die Hälfte. Und dann immer dieses lähmende: Und morgen? Wird es nicht besser sein, den Wagen einzustellen mit Jahresende, statt die neue Steuer zu berappen? Steigen infolgedessen die Garagenpreise. Steigen die Preise für Pferde und Muli und Heu und Hafer. Die Fuhrwerksbesitzer, die man schon füu ausgestorben hielt, machen sich rar. Der Kohlenmann, wenn er nicht schon von weitem abwinkt, stellt die „selbstverständliche" Bedingung, daß man die kostbaren schwarzen Diamanten bei ihm abholt; wie, das geht ihn nichts an.
Es gibt kaum ein Gewerbe, das nicht in Mitleidenschaft gezogen würde. Keinen Haushalt, der nicht Schmalhans als Küchen- und Kellermeister kennen lernen würde. Dazu geht es in den Winter hinein, es kann einen schon frösteln. Aber die nationale Forderung hat natürlich den Vorrang und wenn es heißt, daß der Heeresbedarf an Benzin nur für ein Jahr gesichert sei, so ist Sparsamkeit in der Heimat erste Bürgerpflicht. Gehen wir eben zu Fuß, heißt es, und schnallen den Gurt wieder um ein Loch enger!
Erlaubniszwang für Einfuhr nach Italien.
Rom, 11. Nov. (DNB.) Nach einer italienischen Verfügung werden fast sämtliche zur Einfuhr nach Italien bestimmten Waren angabepflichtig und bedürfen einer besonders einzuholenden Erlaubnis, um eingeführt zu werden. Auf der Lifte sind u. a. Schweinefleisch, Butter, Kaffee, Kakao, verschiedene Luxuswaren, Leder, Seide und zahlreiche Metalle aufgeführt.
Aalienischer Protest gegen die Sanktionen.
Paris rechnet mit Gegenmaßnahmen.
Paris, 11. Nov. Die italienische Regierung hat an ihre diplomatischen Vertretungen in sämtlichen Sankttonsstaaten eine Protestnote gegen b i e Sühnemaßnahmen gerichtet, lieber den Inhalt der Note, die Botschafter Cerrutti am Montag Laval zur Kenntnis gebracht hat, teilt der „Petit Parisien" mit, daß sie zunächst gegen die finanziellen und wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen, die als schwere Ungerechtigkeit bezeichnet werden, Einspruch erhebt. Dann folgen rechtliche Gründe, die die italienische Regierung gegen die Völkerbundssühnemaßnahmen vorbringt. Das Blatt bemerkt hierzu, daß die ziemlich scharf gefaße italienische Mitteilung schon an sich die schwüle internationale Stimmung nicht bessere. Man müsse hoffen, daß Italien bei feinen Gegenmaßnahmen nicht z u weit gehe, damit diese nicht wieder andere schärfere Sühnemaßnahmen auslösen.
Auch der „Matin" glaubt, daß die Note in entschiedenen Wendungen gehalten sei. Sie beziehe sich auf gewisse Ausfuhrverbote und lasse die Kündigung von Handelsverträgen mit Sanktionsstaaten durchblicken. Sie enthalte möglicherweise sogar italienische Vorbeugungsmaßnahmen, die noch vor dem 18. November durchgeführt werden könnten. Der Entschluß der italienischen Regierung werde in Europa ein ge
wisses Unbehagen Hervorrufen. Hoffentlich werde der italienisch-abessinische Streit bald geregelt, damit durch eine Rückkehr zu den normalen Z u st ä n d e n der für das Wirtschaftsleben der Mächte notwendige Warenaustausch wieder ausgenommen werden könne.
Das „Echo de Paris" fragt, ob die Gegenmaßnahmen Italiens nicht viel weiter gingen, als lediglich die wahrscheinliche Kündigung der Handelsverträge. Werde die Wacht des italienischen Heeres am Brenner, die schon durch die Absendung von Rahmenverbänden, von Material und Vorräten nach Ostafrika geschwächt fei, noch weiter vermindert werden? Sei Italien entschlossen, mit dem Völkerbund zu brechen? — Das „Oeuvre" deutet die Möglichkeit an, daß Italien sich vielleicht vom Völkerbund zurückziehen könnte, wenigstens während der Zeit der Anwendung der Sühnemaßnahmen. Im übrigen weist es auf die für England ungünstige Verhandlungslage hin, wenn die italienischen Truppen erst das Harrar-Gebiet besetzt haben, also den Landstreifen zwischen der englischen Somaliküste und Jnnerabessi- n i e n. Die Engländer könnten kaum zulassen, daß italienische Truppen auf einer strategisch so wich- tigen Stellung bleiben.
Oer korrekte Benesch.
Don unserem sudeiendeuischen ff.-Äerichierstatter.
Vor einigen Monaten hat die Tschechoslowakei mit Sowjetrußland einen Bei st and s- vertrag unterschrieben, dessen Spitze sich gegen Polen und das Deutsche Reich richtet. Es ist die Sache jedes Staates, seine Außenpolitik nach seinen eigenen Grundsätzen und Wünschen zu leiten. Die Tschechoslowakei hat nach dem Wörterbuch der Genfer Akteure den Vertrag als Beitrag zur Sicherung des Friedens erklärt, während man aus Sowjetrußland ganz andere Töne vernehmen konnte. Besonders der Kongreß der 3. Internationale hat deutlich erkennen lassen, wohin man in Sowjetrußland steuern möchte und w e l« ch e m Zweck das Waffenbündnis Tschechoslowakei- Rußland dienen soll. Die Sowjetkommunisten waren offener und ehrlicher. Sie reden nicht viel von „korrekten" Beziehungen, sondern arbeiten offen an der Aufrüstung und der Vorbereitung des nächsten — „Friedensoertrages".
Ganz anders die Tschechoslowakei. Außenminister Dr. Benesch hat vor wenigen Tagen im Prager Abgeordnetenhause ein außenpolitisches Expos- gehalten, das im Zusammenhänge mit seiner kurz vorher in Brüx gehaltenen Rede steht. Dr. Benesch unterstrich, daß er auf gute Beziehungen auch zum Deutschen Reiche großen Wert lege und er sagte in seiner Prager Rede, daß das Verhältnis der Tschechoslowakei zum Deutschen Reiche so „korrekt und normal" sei, wie er dies auch schon in früheren Kundgebungen festgestellt habe. Er erklärte ferner, daß die Tschechoslowakei sehr gerne mit dem Reiche einen Pakt abgeschlossen hätte, denn die Tschechoslowakei habe mit dem Reiche „keine direkten Differenzen und werde sie auch, wie er hoffe, in Zukunft nicht haben." Und er sagte mit besonderer Betonung weiter: „Von uns aus werden auch niemals Anlässe oder Differenzen mit Deutschland entstehen."
Diese Feststellungen Dr. Beneschs sind überaus erfreulich. Es muß aber leider festgestellt werden, daß die „korrekten" Beziehungen doch nur recht einseitige sein können, da es leider immer wieder fest- gestellt werden muß, daß das Verhalten der tschechischen staatlichen Organe eine ganze Reihe von Anlässen bietet, die in Staaten, die normale und korrekte Beziehung zueinander haben, nicht vor» kommen dürsten. Es muß doch nun auch in Prag endlich bekanntgeworden sein, daß das Deutsche Reich ein nationalsozialistischer Staat ist, daß dieser Staat gesetzlich festlegte, daß Partei und Staat eins sind und daß dies nicht nur durch eine Reihe von Staatsakten staatsrechtlich festgelegt ist, sondern auch neuerdings dadurch zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Fahne der Partei in dis Symbole der Staatshoheit ausgenommen worden ist. Und darüber hinaus: Das Oberhaupt des Deutschen Reiches, Adolf Hitler, ist zugleich der Führer der NSDAP.
Der Führer und Reichskanzler hat wiederholt in feinen Reden die unbedingte Friedensbereitschaft des Reiches betont, er hat nicht nur in feiner großen Rede vom 17. Mai 1933 die Friedenspolitik des Reiches eindeutig unterstrichen und den Nachbarstaaten die Freundeshand hingestreckt, er hat vielmehr durch die absolute Friedenspolitik des Reiches bewiesen, daß es ihm mit der Friedenspolitik des Reiches ernst ist, und daß das Reich in keiner Weise daran denkt, irgendeinen anderen Staat anzugreifen oder sich in seine innerpolitischen Verhältnisse einzumengen. Wie aber sind diese autoritativen Kundgebungen des Führers gerade in der Tschechoslowakei aufgenommen worden? Die Tschechoslowakei hat die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei in den Sudetenländern aufgelöst. Sie hat diese Auslösung ebenso wie die Anklage ihrer Führer und die Urteile des Obersten Verwaltungsgerichtes damit begründen lassen, daß die sudetendeutschen Nationalsozialisten Beziehungen zur NSDAP, gehabt hätten und daß die NSDAP, in Verbindung mit der SA., SS. und der Reichswehr einen Angriff gegen d i e Tschechoslowakei vorbereitet, der die' Loslösung der s u d e t e n d e u t s cy e n Grenzgebiete zum Ziele habe. Dieser Angriff werde als ein militärischer Angriff, also mit Gewalt vorbereitet.
Erst jüngst erklärte der Hauptverteidiger im Brünner Nationalsozialisten-Prozeß: „Bei der Argumentation für die Staatsgefährlichkeit der Nationalsozialisten spielt immer wieder die reichs- deutsche Partei eine ausschlaggebende Rolle. Wenn behauptet wird, daß die Forderung der NSDAP, nach Vereinigung aller Deutschen in einem Staate einerseits und die Ablehnung einer solchen Politik durch die Tschechoslowakische Republik anderseits den klaren Beweis liefere, daß dis NSDAP, und somit auch der offizielle Staat des Deutschen Reiches, der mit der Partei eins ist, das Bestreben verfolge, gewaltsam das Ziel des Parteiprogramms herbeizuführen, dann liegen dieser Ansicht offenkundige gedankliche Fehler zugrunde. Gerade auch die Tschechoslowakei und ihr Außenminister bekennen sich mit Eifer und Nachdruck zu jeneit Einrichtungen, die einer friedlichen Rege« lung internationaler Konfliktsstoffe dienen sollen« Wenn nun berücksichtigt wird, daß der maßgebende Vertreter der NSDAP., ihr Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, immer wieder difriedlichen Abfichten betont und anderseits keine Anzeichen vorhanden sind, daß eine Gewaltanwendung gegen die Tschechoslowakei erfolgen könnte, bann ist es nicht verständlich, warum Deutsche deshalb zu schweres Kerkerstrafen verurteilt werden, weil fie Sympathien Luc NSDAP, hatten -- denen matt aber


