Ausgabe 
12.3.1935
 
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zen Kolonnen auf ihrem Marsch durch die Stadt mit herzlicher Freude begrüßt, die sich zur Begeiste­rung steigerte, als die SS. beim Vorbeimarsch Zeugnis von ihrem Geist und ihrer straffen Diszi­plin ablegte. Es war dies das erste Mal, daß eine größere Einheit der SS. im Saargebiet weilte.

Oie Einlösung der Mietgutscheinel 934

LPD. Die Vorverlegung des Bücherschlusses der Hauptstaatskasse auf den 31. Mai 1935 bedingt, daß auch bezüglich der Mietunterstützungen für das Rechnungsjahr 1934 die notwendig gewordene Frist- verkürzung unbedingt eingehalten wird. Hierzu ge­hört, daß die Einlösung der Mietgutscheine für das Rechnungsjahr 1934 so zeitig erfolgt, daß Zu­rechnung durch die Finanzkassen an die Hauptstaats­kasse fristgemäß geschehen kann. Es müssen demnach sämtliche Mietgutscheine, die auf das Rechnungsjahr 1934 lauten, bis spätestens 10. April 1935 bei den Oinanzkassen zur Einlösung vorgelegt werden. Die inanzkassen haben Anweisung erhalten, nach diesem Termin vorgelegte Gutscheine zurückzuweisen. Um sich vor Schaden zu bewahren, wird den Haus­besitzern dringend geraten, die festgesetzte Frist ein­zuhalten, da eine nachträgliche Einlösung von Miet­gutscheinen nicht möglich ist.

Oie Eintopfgerichte der Gaststätten am 47. März.

DRB. Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gast- stätten und Beherberaungsgewerbe teilt seinen Mit­gliedern mit, daß für den kommenden Eintopf- sonntag, 17. März, folgende drei Eintopfgerichte für die Gaststätten ooraeschrieben sind:

1. Kartoffelsuppe mit Wurst oder weiße Bohnen­suppe mit Pökelfleisch.

2. Fisch-Eintopfgericht mit Einlage.

3. Gemüsetopf (vegetarisch oder Fleischeinlage nach Belieben).

Die Festlegung dieser Eintopfgerichte gilt nur für Gaststätten. Den Hausfrauen bleibt die Wahl für Eintopfgerichte überlassen.

Kundgebungen der Landesbauernschast

Im Rahmen der Kundgebungen der Gauleitung und der Landesbauernschaft Hessen-Nassau bereist vom 20. März bis 7. April ein Lautsprecherwagen des Reichsnährstandes die Landesbauernschaft. In örtlichen Kundgebungen werden Schallplatten mit einer Ansprache des Landesbauernführers, ein auf- klärendes Zwiegespräch mit einem Bauern und bäuerliche Musik zu Gehör gebracht. Der Laut­sprecherwagen wird in den einzelnen Kreisbauern­schaften an folgenden Tagen eingesetzt:

Hessen-Nassau-Nord-Ost 20. März (ab mittags), 21. März; Ob erh essen-Ost 22. März, 23. März, 25. März; Oberhessen-West 26. März, 27. März, 28. März; Rheinhessen 29. März, 30. März, 1. April; Starkenburg-Nord 2. April, 3. April; Hes- sen-Nassau-Süd 4. April, 5. April, 6. April.

Bauern und Bäuerinnen, es wird erwartet, daß ihr alle erscheint, soweit ihr es auch nur irgendwie möglich machen könnt! Alles nähere über diese Ver­anstaltungen ist bei den Ortsbauernschasten zu er­fahren.

Daten für den 12. Marz.

1365: Eröffnung der Universität Wien; 1607: der Dichter Paul Gerhardt in Gräfenhainichen ge­boren (gestorben 1676); 1824: der Physiker Gustav Robert Kirchhoff in Königsberg (Preußen) geboren (gestorben 1887); 1877: der Reichsinnen­minister Wilhelm Frick in Alsenz (Pfalz) geboren; 1933: Schwarzweißrot und Hakenkreuz als Reichsflagge.

Gießener Dochenmarktpreise.

* Gießen, 12. März. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 9 bis 10, Wirsing, das Pfund 20 bis 25, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 18 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 18 bis 20, Unter­kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl

25 bis 30, Feldsalat 70 bis 80, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,40 bis 3,50 Mark, Aepfel, das Pfund 20 bis 25 Pf., Tauben, das Stück 60 bis 70, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 18 bis 20, Endivien 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40 Pf.

Vornotizea.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 20 bis 23 Uhr: OperSalambo". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Symphonie Der Liebe" Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr: 3. Iahresausstellung.

Stadttbeater Gießen. Aus dem Stadt­theaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die Erstaufführung der 3. Opernvorstellung statt. Don Lukas Böttcher kommt die dreiaktige Oper: Salambo" zur Aufführung, ein Werk von Alme Sanden nach dem gleichnamigen Roman Flauberts. Das Werk wurde vor etwa zehn Jahren mit star­kem Erfolg uraufgeführt, die seinerzeitige Kunst­einstellung ließ die Oper beinahe der Vergessenheit anheimfallen, bis vor kurzem der Rundfunk eine beinahe sensationelle Funkuraufführung der Oper herausbrachte. Das Stadttheater Gießen eröffnet

Nach dem Wunsche des Führers und Reichskanz­lers sollen die Feiern anläßlich des Helden- gedenklages am Sonntag Reminiscere unter Leitung der Wehrmacht stattfinden.

In Gießen findet lmher am 17. Würz um 9.30 Uhr auf Oswaldsgarten eine Helden- gedenkfeier der Truppenteile des Standortes statt, zu der die Behörden, die Gliederungen der NSDAP., der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Traditionsverbände des alten und des neuen Heeres zur Teilnahme aufgefordert sind.

Die Feier wird durch einen Choral des INusikkorps eingeleitet. Cs werden der evangelische und der katholische Ständortgeistliche sowie der stellvertre­tende Standortälteste, Oberst V i e r o w, Ansprachen halten.

Im vollbesetzten Saale der Liebigshöhe fand gestern abend eine Versammlung der Ortsgruppe Gießen-Ost der NSDAP, statt, zu der auch Gäste eingeladen waren. Die feierliche Einbringung der Ortsgruppenfahne und einer Fahne der Hitlerjugend leitete den Abend ein. Dann begrüßte Propaaanda- leiter Pg. B a h s die Teilnehmer. In einer Minute des stillen Gedenkens ehrte man bei gesenkten Fah­nen den verstorbenen Staatsminister Hans Schemm. Im Anschluß daran brachte der Propagandawart aus dem Buche Adolf HitlersMein Kampf" einige markante Sätze zum Vortrag. Ferner sprach der Redner kurz über den Sinn der Mitgliedschaft in der Partei. Sodann brachte Pg. K r e u d e r ver­schiedene Bekanntmachungen zur Kenntnis und gab im Anschluß daran eine Reihe von Mitgliedskarten aus.

Hitler-Jugend fang hierauf einige frische Kampf­lieder und brachte einen Sprechchor zu Gehör, in dem alle Hoffnungsfreudigkeit der deutschen Jugend beredten Ausdruck fand. Dann sprach

Ortsgruppenleiter Dr. Röder

über Fragen der gegenwärtigen Weltpolitik. Im vorigen Jahre, so führte er u. a. aus, standen wir vor einer Reihe von Ereignissen, auf die wir heute bereits mit Stolz zurückblicken können. Es habe ge-

den Reigen der Buhnenaufführungen, denn eine große Zahl von Theatern hat sich der Erstauffüh­rung Gießens angeschlossen und die OperSa­lambo" in ihren Opern-Spielplan ausgenommen. Szenische Leitung hat Oberspielleiter PaulWrede; die musikalische Einstudierung und Leitung sämt­licher Aufführungen hat der Komponist Lukas Böttcher selbst übernommen. Die Titelpartie liegt bei Maria Perry; in den übrigen Haupt­rollen Therese S t e i n k a m p - Frankfurt a. M. als Gast; Rudolf Kley-Braunschweig als Gast, Karl Tank, Heinz Weiser, Franz Wolf-Berlin als Gast, Richard Ziegler-Frankfurt a. M. als Gast, sowie die übrigen Mitglieder des Solo-Perso­nals. Ende 23 Uhr.

Die Deutsche Glaubensbewegung, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am mor­gigen Mittwoch eine Kundgebung mit dem Thema: Warum Deutsche Glaubensbewegung?" Siehe heutige Anzeige.

** Schulperson alie. In den Ruhestand ver­setzt wurde der Kreisschulrat Karl Rausch zu Alsfeld auf Grund des § 5, Absatz 2, des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 mit Wirkung vom 1. März 1935 an.

Nach einer Kranzniederlegung am Denkmal des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm H. Nr. 116 wird die Feier durch einen Vorbeimarsch der Trup­penteile vor dem Standortaltesten auf dem £anb- gras-philipp-plah beendet.

Die militärischen Gebäude flaggen Halbstock. Ilm 12 Uhr werden Truppenteile und Behörden des Standortes die Uebertragung der Feierlichkeiten aus Berlin anhören.

Die Bevölkerung wird aufgefordert, weitgehend der militärischen Feier auf Oswaldsgarten beizu­wohnen und dadurch sowohl ihr ehrendes Gedenken an die Toten des Weltkrieges, als auch ihre Ver­bundenheit mit der Wehrmacht des Reiches zum Ausdruck zu bringen.

gölten, in der Partei eine Gemeinschaft zu schaffen, die nach außen wirken sollte. Es sei inzwischen kein Fußbreit Landes verloren, wohl aber viel gewonnen worden. Ohne weiteres sei das Saargebiet zu Deutschland zurückgekommen. Das deutsche Volk marschiere in einheitlicher Richtung, und allen sei bewußt geworden, daß Deutschlands Schicksal an den Grenzen entschieden werde.

Während viele Völker glaubten, sich allein durch materielle Rüstungen aufrechterhatten zu hin­nen, werde bei uns in Deutschland, im modern­sten Staate, moralisch ausgerüstet. Diese mora­lische Aufrüstung sei ein Verdienst des Führers und gleichzeitig Dienst am Frieden der Wett.

Die Abstimmung an der Saar habe manchen Di­plomaten neu belehrt. Der Abstimmungssieg habe für den diplomatischen Verkehr neue Grundlagen geschaffen.

Bei der Veröffentlichung des englischen Weiß­buches gehe es, so betonte Der Redner, weniger um Deutschland, als um den großen Raum im Stillen Ozean, um die Auseinandersetzung mit Japan. Die Politik her Welt drehe sich um das japanische Pro­blem, und man wünschte gerne, daß auch Deutsch­land sich im Fernen Osten engagieren möchte. Uns gehe der Streit aber nichts an. Unsere Aufgabe sei1

die moralische Aufrüstung. Die Wett wisie hentt bereits, daß man mit Deutschland nicht mehr so ver- fahren könne, wie man wolle. Das deutsche Volk bekomme jetzt sein politisches Format und werde immer zäher in der Verteidigung seiner Lebens- interessen.

Deutschland wolle den wahren Frieden.

In' anderen Ländern fänden sich dagegen immer wieder Kräfte bereit, Kriege zu entfesseln, damit eine ganz bestimmte Clique verdienen könne. Die Pläne würden für diesen Zweck auf Jahrzehnte hinaus geschmiedet. Das Wort von den dreihundert Männern, die die Welt regieren, sei furchtbare Wahrheit. Ein Ring größter finanzieller Unterneh­mungen schließe sich um Deutschland. Die Rüstungs­industrie arbeite an mörderischen Plänen.

In seinen weiteren Ausführungen brachte der Vortragende eine Fülle spezialisierter Angaben über die Formen der französischen Einkreisungs­politik in finanzieller und industrieller Hinsicht. Teile des französischen Volkes seien endlich auch so weit, die Abhängigkeit der Politik von den Interes­sen des Geldsackes zu erkennen und die verhängnis­vollen Auswirkungen abschätzen zu können. Man be­mühe sich deshalb auch in Frankreich darum, um­zubauen. Ob es gelinge, sei fraglich. Es stehe aber fest, daß Frankreich durch feine Rüstungsindustrie in eines seiner größten Abenteuer gestürzt werde.

Was gegenwärtig in der Weltgeschichte gespielt werde, sei ein phantastisches Spiel. An der Spitze mit den Fäden in der Hand stehe die.internationale Hochfinanz, die unter allen Umständen Beute machen wolle. Das alles aber sei nicht notwendig, denn Europa habe andere Ausgaben als die, der Rüstungs- industrie Gewinne zu verschaffen.

Unsere große deutsche Idee stehe all dem gegen­über und werde ungeheure Bedeutung erlangen, wenn Europa sich dem deutschen Friedenswillen geneigt zeige. Unsere Idee werde ungeheure Kraft erlangen, wenn sie vom lebendigen Menschen ge­tragen werde. Unser nationalsozialistischer Geist werde in Frankreich nicht in unserer Form lebendig werden, wohl aber als Geist der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der Friedfertigkeit.

Der Gedanke unserer Friedfertigkeit werde sich durchringen.

Dabei gehe es für uns allein darum, daß wir unsere deutsche Existenz wahren. Deshalb müßten wir heute unser Haus bauen, die Jugend aufmerk­sam machen, denn wir seien keine Nation von Privatleuten mehr, sondern wir mühten eine auf ein Ziel ausgerichtete Nation fein. Dazu brauchten wir starke deutsche Herzen, mühten jeden Tag den Kampf um die neue Form in uns selbst auskämpsen.

Wit großen Gedanken und großer Weltanschau­ung müssen wir den großen Aufgaben gegen­übertreten. Deshalb müsse auch die Gemein-

Kräftig und doch nicht überwürzt,

überhaupt so rechthausfraulich" zubereitet, schmecken die echten KnorrSuppen.von denenWoche für Woche Millionen Teller in Deutschland gegesien werden! 34 Sorten, daher für jeden Ge­schmack das Richtige. Jeder der gelb-braunen Würfel mit dem grünen StreifenExtra fein1* kostet nur 10 Pfennig und ergibt 2 reichliche Teller Suppe!

Schon seit 50 Jahren:

T&hoVl Suppen - gute Suppen!

Oie Heldengedenkseier 4935 in Gießen

Mitgliederversammlung der

Ortsgruppe Gießen-Ost der 71GOAP

OieZfflandstöchter und ihre Freier.

Vornan von J. Schneider Foerstl.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau t. Sa.

2 Fortsetzung Nachdruck verboten!

Zur Zeit befand er sich auf einer Geschäftsreise durch Süddeutschland. Jsfland hatte bis tief in die Nacht mit dem Vertreter einer Schweizer Firma verhandelt und lehnte nun müde in der Ecke feines Wagens, als ihm an einer Straßenkreuzung eine Tafel in die Augen sprang:

Nach Haslbach.

Der Chauffeur vernahm einHalt" und zog die Vierradbremse an.-Ist etwas nicht in Ordnung, Herr Jffland?"

Doch! Aber schauen Sie mal auf der Karte nach, wie weit Haslbach abliegt."

Zu zweien beugten sie sich über das buntskizzierte Kartenblatt.Fünfzig Kilometer", sagte der Chauf­feur und sah seinen Herrn dabei fragend an.Soll ich die Route nehmen?"

Ja." Beinahe tat es Jsfland leid, als sie von der schönen breiten Chaussee nach der Seitenstraße einbogen, die nicht sonderlich gepflegt zu fein schien. Aber er war schon zehn Jahre nicht mehr bei seinen Verwandten gewesen. Da wollte er doch wieder ein­mal sehen, rote die Dinge auf Haslbach liefen.

Man hörte herzlich wenig voneinander. Mal kam ein Bries zu Neujahr, zum' Oeburts» oder Namens­fest, das war alles. Der Vater war schreibfaul, und der Onkel Kaspar auf Haslbach schien es ebenfalls zu sein. Die Kusinen würden nun wohl auch schon große Mädchen fein. Sie waren seinerzeit reizende Dinger gewesen mit ihren blonden Zöpfen und den lachenden Gesichtern. Er hatte damals gerade die Hochschule bezogen und seinen ersten Schmiß ab­bekommen.

Vielleicht machte es Ungelegenheiten, wenn man so unerwartet angerückt kam? Aber die Nähe von Haslbach war so verlockend, und die fünfzig Kilo­meter bedeuteten für den oielpferdigen Wagen kaum eine Entfernung. Und er wollte ja auch nicht lange bleiben. NurGrüß Gott" sagen und sehen, wie es ging.

Ein Hund sprang aus dem Kornacker neben der Straße und kläffte wie besessen hinter dem Auto her. Hinter ihm drei ertönten ein halbes Dutzend heller Pfiffe, und gleich darauf erschien ein Mädel in gelber Reithose und hochschäftigen Stiefeln.

Ein paar lachende Augen sahen dem Auto nach. Wenn der nicht den Weg verfehlt hatte! Mög- lich aber auch, daß es ein Kurier der Pöttmes war! Die kamen alle mit Motor und Tamtam ange­rattert.

Im selben Augenblick stoppte der Tourenwagen.

Dachte ich's nicht?" lachte Luzie. Das Gewehr über der Schulter baumelnd, schlenderte sie auf den Fremdling zu, der grüßend winkte und legte ihrer- eits vier Finger an das grüne Hütchen.Hier geht's nach Haslbach!"

Danke! Die Herrschaften zu Hause?"

Alle", kam es prompt zurück.

Jfflands Augen wurden groß und staunten.Habe ich vielleicht das Vergnügen, eine von den Da­men"

sowohl, das haben Sie!"

Dann grüß (Sott, Kusinchen!" rief er erfreut und streckte die Rechte über den Schlag heraus.

Luzie legte die ihre um den Lauf des Gewehres und musterte ihn.Uzen gilt nicht! Meines Wissens haben wir nur einen einzigen Vetter!"

Und der bin ich!"

Sie maß ihn eine Sekunde lang, die Augen etwas zugekniffen und kletterte dann über den Graben, Der die Felder von der Chaussee trennte.Wenn du's sagst, wird es wohl so sein. Erst gestern hat Papa gemeint: Es könnte sich auch wieder einmal vom Rhein jemand um uns kümmern. Und nun bist du da."

Ist das nicht hübsch?" fragte er lächelnd und fühlte, wie sich seine Laune von Minute zu Minute hob. Alle Müdigkeit war verschwunden, als er Luzie jetzt die Hand reichte und diese sich gewandt über das Trittbrett neben den Führersitz schwang. Sie stellte das Gewehr in die Ecke und pfiff dem Hund, der mit lechzender Zunge den Rain entlangjagte. Er kann doch mitfommen, nicht?" fragte sie etwas unsicher.Sonst streut er nämlich. Und dann zankt Vater und sagt, es sei ein nichtsnutziges Vieh. Aber ich habe ihn gern, weil er so häßlich ist."

Deswegen?" lachte Jsfland und hob das Tier mit einem Griff über den Schlag.

Ja, gerade deswegen", betonte sie und zuckte dabei die Achseln.Die schönen kann ein jeder lieb­haben. Aber mir fommts auf ein bißchen Häßlich­keit nicht an. Haben wir uns überhaupt schon einmal gesehen?" fragte sie, während der Wagen wieder durch den Staub rollte.Jsflandsch siehst du nämlich gar nicht aus."

Wie denn?" forschte er belustigt. Das war ja ein allerliebstes Mädelchen, die kleine, frische Base. Wie denn?" drängte er.

Sie beäugte ihn mit einer Ruhe, wie man sie nur in diesem gottbegnadeten Alter haben kann und zuckte wieder die Achseln.Ich kann's nicht sagen. Das kommt wohl daher, daß wir nicht so im Dollen sitzen wie ihr."

Er mußte an sich halten, um das Lachen zu ver­bergen.

Ich komm doch nicht ungelegen?"

Bei uns kommt niemand ungelegen", belehrte sie ihn.Wir geben, was wir haben, und es ist immer etwas da. Die Nanne macht aus einem Brathering ein ganzes Diner zusammen, wenn's fein muß. Aber

fo fchlimm ist es gar nicht. Du kannst auch Frisch­fleisch haben und Sülze und Butter eine ganze Menge. Irgend etwas davon wirst du schon mögen." Natürlich", sagte er eifrig.Außerdem bin ich gar nicht verwöhnt."

Na", meinte sie ungläubig,so siehst du gerade nicht aus. Wie geht es Onkel und Tante?"

Danke, gut! Und euch?" fragte er beluftiat. Habt ihr alle diese beneidenswerte Schlankheit?"

Jawohl, die haben wir." Dabei saß ihr der Schalk in dem schmalen Kindergesicht.Das ist aber auch alles, Vetter! Sonst haben wir nichts."

Und dann geschah es, daß er ihr Antlitz zu dem seinen heraufhob und sie mitten auf die blühenden Lippen küßte. Luzie nahm es weder tragisch, noch schien ihr das weiter verwunderlich. Vater küßte sie ab und zu auch einmal. Desgleichen ihr Bruder Fritz. Der aber nur, wenn er eine Gefälligkeit brauchte ober besonders guter Laune war. Das fiel dann immer nicht gerade überzärtlich aus. Na ja, jeder küßte eben ein wenig anders ...

Der Wagen bog jetzt in die Kastanienallee ein, die sich als mächtiges Zelt über der ansteigenden Straße wölbte. Diese Allee war eigentlich das einzige, das Hans Jsfland von Haslbach noch in Erinnerung hatte. Und als dann der breite, einstöckige Bau auftauchte, und Luzie mit einem hellenWir sind da!" den Schlag aufriß und als erste heraussprang, war er schon kein Fremder mehr.

Klaudine hatte rote Backen und ein ängstliches Abwägen in den Zügen, als sie mit kritischen Augen die kleine Tafel überblickte und ab und zu noch eine Blüte zwischen die Gedecke legte. Heute traf aber auch schon alles zusammen: Die Pöttmes mit ihrem Sohn, der rheinische Detter, und zu allem lieber fluß hatte sich auch noch Graf Ecke angemeldet, der mit Fritz das Pennal besuchte.

In der Küche herrschte offene Revolution.Gäste gehören angemeldet!" behauptete die alte Nanne brummend.Solche Gäste ganz besonders." Die Pöttmes war verwöhnt wie eine Prinzessin, und mit dem rheinischen Detter wußte man auch nicht, wie man dran war. Der junge Ecke war noch am ungefährlichsten.

Fatal blieb die Sache immerhin. Erst hafte man nicht genug Suppe gehabt für so viele. Dann mußte noch Fleisch nachgeholt werden. Von den Fasanen, die Luzie nach Hause brachte, war nicht zu reden. Die mußten noch einen Tag ober zwei hängen, sonst waren sie nicht zu genießen.

Das Eis ging auch zur Neige, unb bie Kath, ber Küchentrampel, wollte ausgerechnet heute zum Zahn- ziehen in bie Stadt fahren.

Reichfs?" fragte Luzie und spähte ber Schwe­ster über bie Schulter.Ich fürchte, daß alle einen heillosen Appetit mitbringen die Pöttmes natür­lich ausgenommen. Bei der oerträgt's die Linie nicht. Der Vetter ißt gerne Sülze, wie er mir sagte."

Sülze gibt es nicht", erklärte Klaudine mit einem grübelnden Zug um den Mund.

Die mutz es aber geben, Klaudi! Haben wir denn keine mehr im Keller?"

Nein!" Klaudine schob bie Schwester verärgert von sich.Außerbem paßt Sülze nicht zu Zusam­menstellung. Mein Gott, nun stehst bu roieber ba, ber Papa sitzt sicher noch am Schreibtisch, und Margot kommt wahrscheinlich in ihrem Schwimm­trikot zum Tisch! Wie soll ich's benn anstellen, baß alles recht wirb? Die Nanne schlägt brei Kreuze, wenn ich in bie Küche komme, unb bie Sophie bas weitz bie Nanne noch gar nicht hat vorhin sechs Teller von bem schönen Service zerbrochen. Die fehlen uns jetzt!"

Na, wenn sonst nichts fehlt", tröstete Luzie. Könntest bu mir ein Paar Strümpfe leihen, Klaudi?"

Ach!"

Nur bis morgen! Von den meinen ist feiner mehr ganz. Darf ich?" Unb als Klaudine nichts er­widerte, bekam sie rasch einen Kuß auf jede Wange, und schon war Luzie zur Tür hinaus.

Von draußen hörte man Jfflands ärgerliche Stimme:Kannst du denn nicht richtig gehen, wie andere Leute?! Muß es benn immer hopp-hopp fein?" Aber bas hörte Luzie nicht mehr. Sie war bereits bie Treppe hinabgeturnt. Jfflanb trat ins Speisezimmer unb legte ben Arm um bie Schulter seiner Aeltesten.Klappt es?"

Ich hoffe, Papa. Was meinst bu übrigens, wenn bu bich mit Onkel Theodor in Verbinbung setzen würbest, er soll boch so reich sein--"

Jfflanb ließ sie gar nicht fertigsprechen, winkte ab unb rückte an einem Weinglas, bas ihm nicht am rechten Platze schien.Das kommt gar nicht in Betracht. Quäl' bich boch nicht mehr, Klaubine. Die Hauptsache ist, baß ich euer Wort habe, daß ihr mir nicht böse seid wegen dieser Heirat. Aber ich habe dir ja schon gesagt, es muß sein."

Und Bob?" Es war dieselbe Frage, die sie schon einmal an ihn gerichtet hatte.

Den müßt ihr eben mit in Kauf nehmen", meinte er gedrückt.Ist das so schwer, mein Kind? Ich finde, daß er eigentlich ein armer Mensch ist."

Klaudine grübelte eine Weile darüber nach, wie es gemeint fein könnte und lächelte dann versöhnlich. Vielleicht hast bu recht, Papa. Ich glaube, er muß sich immer bucken. Ob wir uns nicht alle noch wer­den ducken müssen, Papa? Meinst bu?,z

Er antwortete nicht sofort. Erst nach einer Weile sagte er:

Wir wollen es nicht hoffen."

Du mußt dir vom ersten Tage an dein Herren­tum wahren", bat sie und legte ihre kühlen Finger auf seine nervösen, unruhigen, die immer noch etwas zu rücken und zu ordnen hatten. ,4)aft bu übrigen! schon mit ihr gesprochen?"

Noch nicht."

(Fortsetzung folgt!)