ntn Jahres. Der Führer war persönlich an Bord der „New York", um der tapferen Mannschaft zu danken und jedem ein wertvolles Geschenk zu überreichen. Ja man hat, wenn man diesen wackeren, freundlichen Seeleuten ins Auge schaut, das Gefühl absoluter Ruhe und Sicherheit.
So kommen wir immer näher an Amerika heran. Schon findet ein Abschiedsessen, ein sogenanntes Glockenfest statt. Ein bronzenes Modell der Schiffsglocke wird in Eis serviert, der glückliche Finder darf sie behalten. Es herrscht frohe Abschiedsstim- muna, man freut sich wieder auf das Trockene. Noch ein Kinderfest wird mittags arrangiert, abends für die .großen Kinder ein übliches Kostümfest. Nun wird allmählich gepackt und zum Abmarsch gerüstet. Nicht lange mehr und die Wolkenkratzer von N e u y o r k grüßen, die Neuyorker Freunde werden mich in Empfang nehmen. Davon im nächsten Brief, zumal jetzt Postschluß ist und die Post mit der „Aquitania" zurückfährt in die Heimat, die ich herzlichst grüße.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Spielzeug-des Kindes Werkzeug.
Von Werner Lenz.
Die deutsche Spielwarenindustrie ist weltbekannt, und die deutsche Bildung ist in aller Welt geachtet. Sollte das irgendeinen Zusammenhang haben? Wer einmal ein Kind betrachtet hat, wie es sich so recht eifrig mit seinen Spielsachen abmüht, der wird längst erfaßt haben, daß der Spieltrieb nichts lst als Lernbegier. Wer also sein Kind zu rechtem Schulbesuch anhält, wird ihm auch rechte Spielfreude zu verschaffen suchen, dann wird es dermaleinst „spielend lernen". Es ist ja auch kein Zufall, daß einer unserer bedeutendsten Pädagogen, Friedrich Fröbel, ein Kind des Thüringer Landes, die seit altersher berühmten Holzspielwaren Thüringens in seinen Lehrplan ausgenommen und vielfältig neugeformt hat, um dem Unterricht der Kleinen damit zu dienen. Muß ihm doch der erzieherische Wert rechten Spielens als ein sehr ernsthaftes Ding erschienen sein, wenn er die Kinder zum Spiel anleitete und mit dem Spiel erzog! Uebrigens griff er damit auf eine sehr alte deutsche Ueberlieferung zurück. Zumal in Mitteldeutschland und im Süden unseres Vaterlandes blühte die heute in der Welt führende Spielwarenerzeugung seit vielen Jahrhunderten; hatten doch schon die märkischen Raubritter dem Burggrafen Friedrich von Zollern spöttisch zu verstehen gegeben, als er nach Brandenburg kam, sie brauchten feinen „Nürnberger Tand"!
Die deutsche Spielwarenerzeugung — zum guten Teil auf altüberlieferter Heimarbeit unserer wald- und holzreichen Landschaften beruhend — steht ganz besonders zu Weihnachten im Mittelpunkt des wirtschaftlichen und ideellen Interesses. Weihnachten ist das Fest der Kinder und der wieder Kinder werdenden Erwachsenen. Es ist gewiß keine kecke Erfindung, wenn wir behaupten, daß mancher Vater oder Dpa dem Spielzeugtisch der Kinder zu Weihnachten innerlich näherkommt als den eigenen hübschen Gaben unter dem Tannenbaum. Denn es ist ein eigener Zauber versenkt in all das bunte und schlichte, kostbare und bescheidene Spielding, das so fröhlichen Glanz in Kinderaugen zu malen versteht! „D selig, ein Kind noch zu sein!" Ja, gewiß, aber tausendmal seliger noch ist es, immer wi-der mit den Kindern Kind werden zu können.
Ein rechtes Kind — ein rechter Mensch! Aus Puppenmüttern werden die Mütter der deutschen Zukunft! Aus Baukastenspielern und Bastelfreunden werden unsere Erfinder und Baumeister. Und sollte nicht im Zeichen der deutschen Wehrhaftmachung der deutsche Knabe wieder nach „Säbel, Schwert und Spieß" verlangen, um ihn „in seine Rechte" zu nehmen, nachdem die Pazifisten und ähnliche Herrschaften — gottlob umsonst — versucht haben, jahrelang den deutschen Knabenweihnachtstisch „militärfret" zu gestalten? Sage mir, was dein Kind spielt und wie es spielt, so will ich dir sogen, was es werden kann. Dabei kommt es gar nicht darauf an, ob der Junge heute Autoführer, Flieger, Kaufmannsladenbesibpr oder Hauptmann werden will, oder ob das Mädel zwischen Puppenstube, Spielküche oder Kasperltheater hin- und herschwankt. Es kommt nur darauf an, ob ein Kind begeistert, voller Ideal und mit Hingabe zu spielen versteht! Dazu aber gibt ihm das billigste, wie das teuerste Svielqerät beste Anregung, denn unsere deutschen Svielwaren sind durchgeistigte Spiegelbilder jener Wunderwelt der Erwachsenen, der unsere Lütten immer so gern entgeaenfinnen: „Wenn ich einmal groß bin!" Drum gibt dem Kinde zu fröhlicher Hebung gutes Spielzeug in die Hand, dann wird es Geist und Leib an ihm ertüchtigen und dereinst ein „rechter Kerl" werden!
Dornotizen.
Tageskalender für HliHrootf).
NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 16 bis 17 Uhr und 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — NSLB., Kreis Gießen: Vortrag von Dbergaufübrerin des BDM. Else Riese. — Stadttheater: 15—17.45 Uhr „Der kleine Muck"; 19.30 bis 22 Uhr „Der Stern von Sevilla". — Gloria- Palast, Seltersweg: „Königstiger". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der grüne Domino:. — Liederkranz Gießen: anschließend an die Singstunde außerordentliche Generalversammlung. — Turmhaus am Brandplatz 17 bis 19 Uhr Weihnachtsausstellung oberhessischer Künstler.
Spielplanänderung im Sladttheater.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Infolge Erkrankung im Personal heute abend als 11. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement nicht Lortzings komische Oper „Der Waffenschmied", sondern statt dessen das Trauerspiel „Der Stern von Sevilla" von Lope de Vega; Spielleitung hat Intendant Schultze-Griesheim. Besetzung die der Uraufführung. Dauer von 19.30 bis 22 Uhr.
Heute von 15—17.45 Uhr das Weihnachtsmärchen „Der kleine Muck" von W. Burggraf. Die Spielleitung hat Märchenonkel Karl V o l ck. Die Vorstellung ist außer Abonnement.
NSLB., Kreis Gießen.
Fachschaft: „körperliche Erziehung".
1. Betr.: Handball - Lehrgang vom 12. bis 14. Dezember. Laut Verfügung der Hessischen Landesregierung findet vom 12. bis 14. Dez in Gießen für die Lehrerschaft des Kreises ein Handball-Lehrgang statt. Jede Schule soll möglichst eine Lehrkraft entsenden. Uebungszeiten: Donnerstag, 12. und Freitag, 13. Dezember, von 14.30 bis 16.30 Uhr. Samstag, 14., von 9 bis 12.30 Uhr. Die praktische Vorführung des Spieles geschieht in erster Linie durch Schulmannschaften, doch wird den Teilnehmern auch selbst Gelegenheit gegeben, Handball zu spielen. Die Teilnehmer -treffen sich Donnerstag,
Gebt Kinder-
eihnachtspäckchen!
Das „Knusperhäuschen" der Kreisführung des Winterhilfswerkes am Selterstor hat bei den Kindern begeisterte Aufnahme gefunden. Auch die Erwachsenen bringen ihm freundliches Jntersse entgegen und betrachten dieses Märchenhäuschen der Kleinsten mit freudiger Erinnerung an die eigene Jugendzeit. Aber der Zweck des „Knusperhäuschens" ist nicht nur der, daß dort Schokoladenherzen oder Lebkuchenherzchen ausgeteilt werden, sondern es stehen bei diesem Knusperhäuschen auch zwei riesige Truhen, in denen kleine Weihnachtspäckchen für arme und bedürftige Kinder gesammelt werden.
Venn die Hausfrauen jetzt vielbeschäftigt ihr Weihnachtsgebäck zubereiten, wenn sie Tüten voller Jtüffe mit Heimbringen und im Keller nach den Weihnachtsäpfeln schauen, dann sollen sie herzlich gebeten sein, von allen diesen
schönen Sachen eine Kleinigkeit beiseite zu legen, es in eine handfeste Tüte zu stecken und dann ihr Töchterchen oder ihren Jungen zum Knusperhäuschen zu schicken, um es dort ab- zugeben.
Sie bereiten damit sich selbst nicht nur eine große Freude, sondern ihrem Kinde wohl noch eine viel größere und sie verschönern durch ihre Gabe einem armen Kinde, dessen Eltern nicht in der Lage sind, ihm alle diese Freuden zu beschaffen, einen goldenen Weihnachtsabend. Drum seid
alle unsere Hilfe,
vor allen Dingen ihr Kinder müßt zusammenstehen und dafür sorgen, daß alle etwas bekommen und nicht nur ihr.
Die Kreisführung des WHW. Gießen.
Zeder Hilst dem Winterhilfswerk!
Eine neue Liste der Kreisführung Gießen des Winterhilfswerks.
Gesamtsumme der bisher eingegangenen Spenden 23113,17 Mark.
Weitere Geldspenden gingen ein:
3. Dez.: Verein ehemal. 116er Gießen 10 Mark; Kriegerverein Villingen 5; Schützengesellschaft Lich 10; Altersvereinigung 1864—1914 Gießen 5; Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Gießen 10; Marineverein Gießen 7,23; Obst- und Gartenbauverein Dder-Bessingen 3; Altersvereinigung 1876—1926 Gießen 15; Gesangverein Eintracht Leihgestern 4; Firma F. Heimer & Co. 200; Altersvereinigung 1877—1927 Gießen 20; Freiwillige Feuerwehr Wieseck 10; Prof. Georg Börstel, Gießen 5 Mark.
4. Dez.: Sängerkranz Bersrod 5 Mark; Gesangverein Heiterkeit Annerod 5; Hangelsteiner Höhenklub Wieseck 10; Turnverein Langsdorf 10; Turnverein Beuern 5; Kaninchenzuchtverein Gießen 5,50; Gesangverein Männerchor Rüddingshausen 8; Dr. Emil Vogt Wwe. 5; Kleinkaliberschützenverein Rodheim 5; Altersvereinigung 1873—1923 Gießen 10; Skiklub Gießen 10; Stempel-Kreuter, Gießen 70; Jean Bullmann (Rednergebühr) 5; Aus einer amerikanischen Versteigerung im Restaurant Hindenburg von verschiedenen Volksgenossen, die von der Molkereieinweihung in Wetterfeld kamen, 15 Mark.
Lohnspenden von Arbeitnehmern:
3. Dez.: DAF. Ober-Bessingen 17,90 Mark; Krankenkasse der Deutschen Angestellten 4,54; Höhere Privatschule Gießen 13,75; Bäuerliche Hauptgenossenschaft Gießen 5,25; H. W. Rinn, Gießen 32,71; Photo-Winterhoff, Gießen 10,40; Barnaß, Gießen 5,25; Verwaltung der Heilstätte Seltersberg, Gießen 17,42; Genossenschaft für Häute- und Fettoerwertung, Gießen 17,50; Kaufhaus Kerber, Gießen 27,50; Poppe & Co., Gießen 105,70; Höhere Privatschule Gießen 13,75 Mark.
4. Dez.: Vogt & Co., Gießen 31,15 Mark; Arbeiter, Angestellte und Beamte der Stadt Gießen 662,65; Rinn & Cloos, Heuchelheim (Arbeiter der Firma) 77,25; Rinn & Cloos, Heuchelheim (Angestellte der Firma) 50,10; Gg. Phil. Gail, Gießen 23,10; Biebertalbahn 8,40; Denninghoff, Gießen 37,08 Mark.
Insgesamt bisher 24 747,30 Mark.
Weiterhin ein Bild des Führers zur Ausschmückung des Speiseraumes der Kreisführung des WHW., gestiftet von der Kunsthandlung I. Hirz, Gießen, Seltersweg.
Oie Berufsschulung in der DAF.
Erfolgreicher Kursus für Radio-Fachleute.
Die Rundfunk-Industrie hat in letzter Zeit außerordentliche Fortschritte zu verzeichnen; besonders auf dem Gebiete des Radioempfängerbaues wurden in den letzten Jahren bedeutende Neuerungen erzielt. Wollte der mit dem Handel bzw. der Reparatur von Empfängern sich befassende Elektroinstallateur seinen Kunden in allen Anforderungen gerecht werden, so mußte er selbst die Notwendigkeit einer Spezialschulung auf dem Gebiete der Radiotechnik erkennen. Die Möglichkeiten einer weiteren Fortbildung wurden zwar durch Vorträge geboten, diese waren aber nicht so allumfassend, daß mit der Heranbildung eines Fachmannes der Radiotechnik aus diesen Einzelvorträgen zu rechnen war. Solche Vorträge wurden von den Elektro-Jnnungen und auch von einigen Herstellerfirmen in die Wege geleitet. Auch das Selbststudium war ein Weg, die fehlenden Kenntnisse aufzuholen. Doch ist auch- dieser Weg zur Heranbildung eines geeigneten Fachmannes nicht als vollkommen anzusehen, zumal sich bald Herausstellen mußte, daß ohne grundlegende Kenntnisse in der allgemeinen Elektrotechnik ein tieferes Eindringen in die Hochfrequenztechnik dem Elektro-Jnstal- lateur unmöglich war. Es stellte sich das unbedingte Bedürfnis nach geeigneten Lehrgängen, die sich über längere Zeit erstrecken, heraus.
Die Abteilung für Arbeitsführung und Ber,ufs- erziehung der DAF. in der Kreiswaltung Gießen entschloß sich deshalb, einen Lehrgang in „Hochfrequenztechnik" in Friedberg durchzuführen und forderte die in den umliegenden Orten ansässigen Elektro-Jnstallateure, die sich mit dem Radiohandel, sowie Gerätereparatur befaßten, zur Teilnahme auf. Mit der Durchführung des Lehrganges wurde Pg. Dipl.-Jng. W. Brinkmann, Gießen, beauftragt. Der Lehrgang dauerte 30 Wochen, wöchentlich 4 Stunden, und behandelte folgenden Lehrstoff: Der Widerstand im elektrischen Stromkreis — Schaltung von Widerständen — Ohmsches Gesetz — Kapazität — Selbstinduktion — Die Elektronen und ihre Bewegung — Schwingkreis — Ausstrahlung magnetischer und elektrischer Energie — Modulation — Detektor-Empfänger — Die Elektroröhren und ihre Kennlinien — Hochfrequenzoerstärkung — Niederfrequenzverstärkung — Audionschaltungen — Empfänger-Schaltungen — Netzanschluß — Besondere Behandlung des Volksempfängers und Zweikreis- Dreiröhrenempfängers — Lautsprecherarten. Besprechung von Fehlern und deren Beseitigung. Meßtechnik: Die elektrischen Meßinstrumente — Messungen von Widerständen und Kapazitäten —
Hebungen am Röhrenprüfgerät — Messungen am Empfänger.
Sollte der Lehrgang zu dem gewünschten Erfolg führen, so durfte er nicht bei der Vermittlung theoretischer Kenntnisse stehen bleiben, sondern es mußte besonderer Wert darauf gelegt werden, die behandelten Themen praktisch zu untermauern. Die letzten zehn Wochen waren deshalb besonders der praktischen Seite gewidmet. Dank dem Entgegenkommen einer Friedberger Radiohandlung, die die entsprechenden Empfänger und Meßinstrumente in großzügiger Weise zur Verfügung stellte, war die Durchführung des praktischen Teiles gesichert.
Selbstverständlich legt die Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung Wert darauf, daß sich die Lehrgangsteilnehmer nach Abschluß des Lehrganges einer Prüfung unterziehen, um dadurch in den Besitz eines Zeugnisses zu kommen, welches ihnen bescheinigt, daß sie die erforderlichen Kenntnisse für den Rundfunkhandel, als auch die Gerätereparatur nachweifen können. Am Mittwoch, 27. November, fand in der Arbeitsschule der Deutschen Arbeitsfront Gießen diese Prüfung statt. Neben dem Lehrgangsleiter waren in dem Prüfungsausschuß der Obermeister der Elektro-Jnnung des Kreises Friedberg, ein Vertreter des Elektrogroßhandels in Friedberg und der Vertreter der Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, Gießen, tätig. Nach übereinstimmendem Urteil des Prüfungsausschusses waren die Leistungen der Prüfung im ganzen als gut anzusehen. Insgesamt hatten sich acht Prüflinge gestellt, die Elektromeister Fritz Hau, Rendel, Karl Scheuermann, Stammheim, Karl Seipp, Büdesheim, ferner die Elektro-Jnstallateure W. Brüder, Gambach, Heinr. Hof, Ober- Wöllstadt, Hch. L e ch h o r n , Wölfersheim, Wilh. Schäfer, Bönstadt, Wilh. Ludw. Wagner, Ober-Mörlen. Bei einem Teilnehmer konnte die Prüfung mit „sehr gut", bei 6 Teilnehmern mit „gut" und bei einem mit „fast gut" bewertet werden.
Die Arbeitsschule der Deutschen Arbeitsfront in Gießen fjat, gestützt auf die Erfolge des letzten Lehrganges in Gießen, weitere Lehrgänge in „Hochfrequenztechnik" ausgeschrieben. Diese konnten auf Grund der eingegangenen Teilnehmermeldungen bereits eingesetzt werden. Auch in den übrigen oberhessischen Kreisgebieten wird mit der Durchführung solcher Lehrgänge in Kürze begonnen werden. Damit sorgt die Deutsche Arbeitsfront im Interesse des Rundfunkhörers für den entsprechend ausgebildeten Fachmann im Rundfunkhandel. W. M.
mehrfach führende Männer des Staats- und Wirtschaftslebens Gelegenheit genommen, darauf hinzuweisen, welche Rolle bei dieser dauerhaften Gestaltung des deutschen Wirtschaftsneubaues dem Spar- gedanken und der Spartätigkeit zukommt. In anschaulicher Weise verglich kürzlich Reichsbankpräsi- denk Dr. Schacht in einer Rede in Sachsen die Rücklagen, die jeder aus eigener Kraft in möglichst starkem Umfange bilden müsse, mit dem Rückgrat des Wirtschaftslebens. Ohne solche Rücklagen könne eine Wirtschaft auf die Dauer schwerlich bestehen. Diese Gedanken treffen sich völlig mit Darlegungen, die seit Jahren von den Sparkassen in dem erfreulicherweise überholten Streit „Sparen oder kaufen?" immer wieder gemacht worden sind. Die Erkenntnis, daß Spartätigkeit auf breiter Front nicht nur für den ganzen Verlauf des Wirtschaftslebens nicht schädlich, sondern sogar höchst nützlich ist, ist heute wohl Allgemeingut geworden. Es ist ja nicht so, daß Sparguthaben dem Geschäftsleben entzogen wurden, sondern sie wandern auf dem Wege über die Sparkassen und sonstigen Kreditinstitute in die produktive Wirtschaft und wirken dort unermüdlich an der Schaffung von Arbeit und Verdienst mit. Auch für die Geschäftswelt selbst ist demnach eine geregelte Spartätigkeit nützlicher als etwa eine vorübergehende hohe Kaufwelle, der dann ein Rückschlag folgt. Zum Beweis braucht man nur an die Sparguthaben zu denken, die im Laufe dieses Jahres für Weihnachtskäufe zurückgelegt worden sind, und ohne deren Einsatz das Weihnachtsgeschäft zweifellos wesentlich geringer sein würde. Derjenige, der aus seinem Einkommen laufend Rücklagen bildet, auch wenn sie noch so klein sind, nützt also nicht nur sich und seiner Familie, sondern vollbringt damit eine auch volkswirtschaftlich wertvolle Leistung.
Prämiierung beim Kanarien- nnd Bogekznchtverein Gießen.
Anläßlich der Generalversammlung am vergangenen Sonntag ließ die Bezirksgruppe Oberhessen der Vereinigung Deutscher Kanarienzüchter durch die Preisrichter I ü n g e r-Wiesbaden und R i ch a r d t- Frankfurt eine Prämiierung vornehmen, die folgendes Ergebnis hatte:
Selbstzuchtklasfe: 1. Kaspar Schmidt (Marburg) 345 Punkte, 1. Ehrenpreis, Bezirksmeisterschaftsplakette; 2. Daniel Schmidt (Sterzhausen) 330 Punkte; 2. Ehrenpreis, Große goldene Medaille; 3. Wilh. Weidmann (Friedberg) 318 Punkte, 3. Ehrenpreis, Kleine goldene Medaille; 4. Heinr. Schmidt (Gießen) 297 Punkte, 4. Ehrenpreis, Große silberne Medaille und Vereinswanderpreis; 5. Rich. Frenzel (Gießen) 288 Punkte, 5. Ehrenpreis, Kleine silberne Medaille; 6. Friedr. Förder (Friedberg) 288 Punkte, 6. Ehrenpreis, Kleine silberne Medaille; 7. August Hatz (Gießen) 285 Punkte, Kleine silberne Medaille; 8. K. Schmidt (Wetzlar) 267 Punkte, Kleine silberne Medaille; 9. P. Dietzel (Gießen) 255 Punkte, Kleine silberne Medaille; 10. Heinr. Becker (Gießen) 252 Punkte, Kleine silberne Medaille.
Allgemeine Klasse: 1. Heinrich Schmidt (Gießen) 309 Punkte, 1. Ehrenpreis, Große goldene Medaille; 2. Rich. Frenzel (Gießen) 300 Punkte, 2. Ehrenpreis, Kleine goldene Medaille; 3. Heinrich Becker (Gießen) 297 Punkte, 3. Ehrenpreis, Große silberne Medaille; 4. Reinh. Barth (Wetzlar) 294 Punkte, 4. Ehrenpreis, Kleine silberne Medaille; 5. Aug. Hatz (Gießen) 291 Punkte, Kleine silberne Medaille; 6. Karl Becker (Gießen) 270 Punkte, Kleine silberne.Medaille.
Von einer öffentlichen Ausstellung wurde diesmal abgesehen. Durch Generalversammlungsbeschluß wurden sowohl von der Bezirksgruppe Oberhessen, als auch von dem Kanarienzuchtverein Gießen dem Winterhilfswerk je 5 Mark überwiesen.
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** Eine Siebzigjährige. Am morgigen Donnerstag, 12. Dezember, kann die Witwe Frau Josefine Vogel, Neustadt 39, in körperlicher und geistiger Frische ihren 70. Geburtstag feiern.
** Die Abgabe von Abfallholz auf dem Flugplatzgelände ist beendet. Weiteres Sammeln von Holz ist dort verboten. Man beachte die heutige Bekanntmachung der Bürgermeisterei.
** Kameradschaftsabend der Aluminiumgießerei Zimmer. Am Tage der nationalen Solidarität veranstaltete — wie man uns berichtet — die Aluminiumgießerei und Kupferschmiede W. Zimmer GmbH., Bahnhofstraße, im Hotel „Bayerischer Hof" einen Kameradschaftsabend, der 50 Gefolgschaftsmitglieder und den Betriebsführer zu einigen unterhaltsamen Stunden vereinigte. Der Betriebsführer, Herr Zimmer, begrüßte die Teilnehmer des Abenbs, sprach kurz über die Entwicklung des Unternehmens und gedachte der Aufbauarbeit des Führers Adolf Hitler, die vielen Volksgenossen wieder zu Arbeit und Brot verhalf. Seine Ansprache klang in einem „Sieg-Heil!" auf den Führer aus. Nach gemeinsamer Abendmahlzeit sang man einige schöne alte Volkslieder und Marschweisen des Dritten Reiches, Arbeitskameraden unterhielten mit musikalischen Darbietungen auf der Hand- und der Mundharmonika, Gedichtvorträge und Mundartdichtungen trugen ferner zur Ausgestaltung des Abends bei. Vertrauensratsmitglied Karber dankte der Betriebsfübrung für diesen Abend und sprach kurz und grundsätzlich über den Segen, der von der Arbeit ausgeht, und tpm Sinn der werteschaffenden Arbeit für Volksgemeinschaft und Vaterland. Der Abend, der einen prächtigen Verlauf nahm, war ein Zeichen herzlicher Kameradschaft in der Betriebsgemeinschaft.
12. Dez., um 14.15 Uhr am Schützenhaus in Gießen. Alle Anfragen anW. Mohr, Gießen, Wilsonstr. 8.
2. Betr.: Arbeitsgemeinschaft. Die Arbeitsgemeinschaft der Lehrer fällt am Mittwoch, 11., aus.
Aus parteiamtlichenBekaliuimachungen
Die Ortsgruppe der NSDAP Gießen- Dft gibt bekannt, daß alle Angehörigen der SA., SA.-R., SS. und NSKK., die im Bereich der Ortsgruppe wohnen, ihre Hilfskassenbeiträge für die Monate Januar, Februar und März am heutigen Mittwoch und am morgigen Donnerstag jeweils in der Zeit von 20 bis 22 Uhr im Saale der Restauration „Germania", Kaiserallee 141, zu entrichten haben. Es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß eine spätere Annahme von Beiträgen nicht möglich ist.
Schule und Berufsberatung.
Die Landesregierung — Abteilung II — hat an die Direktionen der höheren Schulen, der gewerblichen Unterrichtsanstalten und die Kreis- und Stadtschulämter folgende Verfügung gerichtet:
„Nach einer Mitteilung des Präsidenten des Landesarbeitsamtes Hessen in Frankfurt a. M. werden von einigen Schulen an die Schüler, die Ostern 1936 entlassen werden, sogenannte „Zwischenzeugnisse zur Bewerbung um eine Lehrstelle" ausgehändigt, damit die Jugendlichen gelegentlich persönlicher Rundfragen bei den Lehrherren einen Leistungsausweis besitzen.
Durch die Herausgabe solcher Zwischenzeugnisse entsteht für die Schule nicht nur eine unter Umständen große Belastung, sondern es wird auch dadurch die wilde Lehrstellensuche begünstigt.
Es wird darauf hingewiesen, daß durch die Berufsberatungsstellen des Bezirks des Landesarbeitsamts Hessen nicht nur die Schulentlassenen nahezu in ihrer Gesamtheit berufsberaterisch erfaßt werden, sondern daß auch die Vermittlung in industrielle, kaufmännische und handwerkliche Lehrstellen beinahe restlos durch die Berufsberatungsstelle erfolgt. Die Ausstellung von Zwischenzeüg- niffen erscheint deswegen nur in solchen Fällen ae- rechtfertigt, in denen die Schulen von den Berufsberatungsstellen darum gebeten werden.
Ich weiße Sie daher an, Zwischenzeugnisse zur Bewerbung um eine Lehrstelle nur dann an die Schulentlassenen auszuhändigen, wenn die entsprechende Befürwortung der Berufsberatungsstelle des zuständigen Arbeitsamtes vorliegt."
„Rückgrat des Wirtschaftslebens."
Aus den vielen Erörterungen darüber, wie es am besten gelingt, den beispiellosen Aufschwung des deutschen Wirtschaftslebens feit der Machtübernahme zu untermauern und zu einem möglichst dauerhaften 3u machen, schalt sich immer deutlicher heraus, daß solche Ziele einem Volke nicht wie Geschenke des Himmels in den Schoß fallen, sondern durch zähe, unermüdliche Arbeit und durch Sparsamkeit errungen werden müssen. Gerade ht der letzten Zeit haben
Amtsgericht Gießen.
Der bereits achtmal wegen Bettelns vorbestrafte W. D. aus Leipzig hatte am 23. November 1935 wiederum in Gießen gebettelt. Er wurde zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt, wovon 15 Tage der erlittenen Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Außerdem wurde gegen den Angeklagten gemäß § 42 d und f StGB, zum wiederholten Male die Unterbringung in einem Arbeitshaus angeordnet.
Der A. M. von Heuchelheim hatte sich weaen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Unter Annahme mildernder Umstände wurde er in eine Gefängnisstrafe von einem Monat genommen und zur Kostentragung verurteilt.
Die jüdischen Viehhändler Berthold Wetter- ha h n aus Utphe, Ludwig Bamberger aus Ach, Berthold Oppenheimer und Julius Goldstein, beide aus Langsdorf, trieben anfangs August 1935 mehrere Stücke Rindvieh durch Lich nach dem Nutzviehmarkt in Gießen, ohne einen Begleitschein bei sich zu führen. Wegen Uebertretung des Reichsviehseuchengesetzes wurden die Angeklagten durch Strafbefehle des Amtsgerichts Gießen zu te 2 5 Mark Geldstrafe, Hilfsweise fünf Xagen Hast verurteilt. In der auf ihren Einspruch r)in gestern geführten Verhandlung waren die Angeklagten geständig. Es verblieb daher bei der im Strafbefehl ausgesprochenen Strafe, unter Belastung der weiter entstandenen Kosten des Ve»» fahrens.


