Einzelbild herunterladen

Hüter und vergilbte Ware von vorgestern; gespendet werden soll so, daß es als Opfer empfunden werden darf, nicht aber als Almosen aus der Fülle des Besitzes. Ich erwarte vom deutschen Schrifttum in seiner Gesamtheit regsten Anteil und Opferwillen. Kein Mitglied der Reichsschrifttumskammer darf bei dieser Aktion fehlen oder nur schwächlich Mitwirken. Die Winterhilfe des deutschen Schrifttums muß eine Tat des geistigen Deutschlands werden.

(gez.): Staatsrat Hanns I o h st , Präsident der Reichsschrifttumskammer." Oie Tlobel-Ieier in Stockholm.

In Anwesenheit König Gustavs V. und mehrerer Mitglieder des schwedischen Königshauses fand in Stockholm die feierliche Verteilung der dies­jährigen Nobelpreise statt. Im Gegensatz zum vorigen Jahr war unter den Empfängern des Preises diesmal auch die deutsche Wissenschaft durch Hans S p e m a n n vertreten.

Die Feier wurde eröffnet durch eine Ansprache des Vorsitzenden der Nobelpreisstiftung, Landes­hauptmann Hammarskjöld, der das Werk und die Stiftung Nobels würdigte. Dann überreichte der König in feierlicher Zeremonie die vier Nobelpreise. Den Preis für Physik erhielt der englische Gelehrte Hans Chadwick, die Preise für Chemie fielen an das französische Ehepaar Joliot-Curie, und als vierter Preisträger empfing Professor Hans S p e m a n n (Freiburg i. Br.) den Preis aus den Händen des Königs. Der Nobelpreis besteht aus einer goldenen Medaille, einer Urkunde und einem Scheck über 170 000 schwedische Kronen.

Am Abend fand im Goldenen Saal des Stock­holmer Stadthauses, ebenfalls in Anwesenheit des Königs, das traditionelle Nobel-Bankett statt, in dessen Verlauf der deutsche Preisträger Professor S p e m a n n folgende kurze Ansprache hielt:

Wenn ich heute die höchste wissenschaftliche Ehrung, die die nioberne Kulturwelt kennt, aus der Hand des Schwedenkönigs mit einem tiefen Ge­fühl der Dankbarkeit empfing, so tat ich es nicht für mich allein; ich stehe hier als Führer eines Freundeskreises, welche in kameradschaftlicher Ver­bundenheit die Kenntnisse des Lebens zu erweitern und zu vertiefen strebt. Ich stehe hier als Sohn meines Volkes, welches sich nichts Höheres wünscht, als in seinem Bestand gesichert und geachtet im Kreise der Kulturvölker am Aufbau einer besseren Menschheitszukunft mitzuarbeiten. Als Sohn dieses Volkes grüße ich meine Kollegen aus England und Frankreich, die mit mir mit der gleichen Ehre ge­würdigt wurden. Ich grüße das gastfreie und ritter­liche Schweden Möge es unter seinem hohen Herr­scherhause blühen und gedeihen bis in die fernsten Zeiten." An dem Festessen im Stadthause nahm u. a. auch der deutsche Gesandte Prinz zu Wied teil.

Zur Frage der Krebserkennung und -behandlung.

Das DNB. teilt mit: Durch die Tageszeitungen wurden Mitteilungen bekanntgegeben, die das Problem der Krebsdiagnose nach von Brehmer behandelten. Diese Veröffentlichungen könnten den Anschein erwecken, als ob differen­zierende Meinungen der Wissenschaft vor der all­gemeinen Leserschaft zur Debatte gestellt und zu einer Klärung geführt werden sollten. Um einer solchen Auffassung entgegenzutreten, wird mitge­teilt, daß derartige noch nicht endgültig geklärte Fragestellungen und Arbeitsergebnisse in Zukunft nur der Fachpresse zur Verfügung gestellt werden. Damit wird gleichzeitig zum Ausdruck ge­bracht, daß das schwierige Problem der Krebs­erkennung und -behandlung noch keinen Abschluß erfahren hat, sondern von berufener Seite jeder Weg, der einen Fortschritt zur Erkenntnis dieser schweren Erkrankung bedeuten könnte, immer wie­der geprüft und erforscht wird.

Neuerscheinungen im Amalthea-Verlag.

Im Amalthea-Verlag, Zürich, Leipzig, Wien, er­schienen: Band 8 derNeuen österreichi­schen Biographie 1815/1918". Nils Aribert:Das Ende der Philosophie". (Durch­bruch des Nietzsche - Uebermenschen.) Hanna Dauberger.Theatergift". Irene Stef- f e n (das beste Medium Oesterreichs):Es werde Licht". Als reich illustrierte Volksausgaben er­schienen: Max Ronae:Spionage". Karl K o b a l d :Schubert". Oskar von Wert­heimer:Kleopatra". Otto Herfing:U 21 rettet die Dardanellen". Von Buttler:Zep­peline gegen England".Oesterreich-Un­garns Seekrieg 1914 bis 191 8", jetzt mit der 4. Lieferung komplett.

Griegs Witwe f.

Die Witwe des berühmten norwegischen Kompo­nisten Edvard Grieg, Frau Nina Grieg, die vor wenigen Wochen unter großer Anteilnahme der ganzen Welt ihren 90. Geburtstag feiern konnte, ist jetzt in Kopenbaqen gestorben.

Charlotte Niese f.

Im Alter von 80 Jahren ist in Altona die be­kannte Schriftstellerin Charlotte Niese gestor­ben. Charlotte Niese war am 7. Juni 1854 ge­boren. Sie wuchs als Tochter eines Pfarrers und Seminardirektors auf der Insel Fehmarn heran und wirkte dann als Lehrerin im Rheinland. Sie war eine liebenswürdige Erzählerin, eine echte deutsche Frau, die ihre schleswig-holsteinische Heimat über alles liebte. Ihre Romane und Novellen be­handelten Menschen und Schicksale der Wasserkante, aber auch Motive aus der Geschichte Schleswig- Holsteins.

|($lf Tote bei einem Flugzeugunglück in England.

Ein Sabena-Verkehrsftugzeug ist auf dem Fluge von Brüssel nach London bei Tatsfield in der Grafschaft Kent a b g e st ü r z t. An Bord befanden sich ein Flugzeugführer, ein Funker, ein Kellner und sieben Fluggäste, die sämtlich das Leben ein - büßten. Die Maschine, die ein von der belgi­schen Gesellschaft Sabena gekauftes dreimotoriges Savoia-Flugzeug italienischer Herkunft war, ist völ­lig zertrümmert. Unter den verunglückten Flug­gästen befanden sich vier Deutsche und zwei Engländer. Die Deutschen, die aus Köln kamen, sind Frau Schöler, Fräulein Lzeya und die Herren h e i n z m a n n und Zuckermann. Un­ter den Toten befand sich ferner der technische Direk­tor der englischen Rüstungsfirma Vickers Arm­strong Sir John Lardon, der einer der Leiter der Tankabteilung war und sich auch als Konstruk­teur von Flugzeugen einen Namen gemacht hat.

Nach neueren Berichten sind 11 Menschen ums Leben gekommen. Es handelt sich um das schwerste Flugzeugunglück, das sich bisher auf englischem Boden ereignet hat.

Vom Arbeitsplatz

Unter diesem Titel erschien in der Ver­lagsanstalt Otto Stollberg-Berlin ein kleines Büchlein mit einem Geleitwort des Oberbe­fehlshabers des Heeres, des Generals der Artillerie Freiherrn von Fritsch. Die Verfasser, Pressereferenten im Propaganda­ministerium und im Ministerium für kirch­liche Angelegenheiten Alfred - Jngemar Berndt und Kurt K r ä n z l e i n geben darin ihre Erlebnisse als Achtwochenrekruten 3um Besten. Wir veröffentlichen aus dem, frischen soldatischen Geist atmenden Buche das KapitelHaben Sie nie Indianer gespielt?"

Viel gibt es, woran man sich in acht Wochen ge­wöhnt. Man gewöhnt es sich an, früh zu Bett zu gehen und früh aufzustehen. Man lernt es auch, spät zu Bett zu gehen und frühaufzu- t e h e n. Und man kommt langsam dahinter, wie nan es anstellen muß, um nach dem frühen Auf- tehen die Marschstunde zum Exerzierplatz als eine Art Nachkur in Gestalt sanften Morgenschlummers zu gebrauchen. Man gewöhnt sich an die Appelle, denn auch Appelle müssen sein, weil sie einerseits das Reinlichkeitsbedürfnis steigern sollen und an­dererseits ständig Gelegenheit zur Bereicherung jenes militärischen Wortschatzes geben, mit dem der Vorgesetzte den Schützen mehrdeutig zu registrieren, doppeldeutig zu kommentieren und eindeutig zu charakterisieren so sehr liebt.

Woran schon schwerer war sich zu gewöhnen, das waren jene unvergeßlichen Stunden, die man unter dem Sammelnamenformale Ausbildung" zusam- menzufassen versucht. Im allgemeinen sagte man dafür kurz und deutlich: Schliff. AberFormale" hört sich besser an, zumal man nicht sofort auf den Gedanken kommt, daß dieseFormale" acht Wochen lang unser tägliches Morgenbrötchen und unseren mittäglichen Nachtisch bedeuten würde. Noch klingen uns die Ohren von den liebevollen Ermahnungen, von welchen unsere unzureichenden Bewegungen begleitet und beschleunigt wurden. Längst waren wir dasLämmerschwänze" gewöhnt. Längst waren wir damit vertraut, belehrt zu werden, daß der Staat uns die Rockknöpfe zum Zuknöpfen feierlichst überreicht hat und nicht zum Offenlassen. Aber es gab Variationen von ungewohnter Steigerungs- fahigkeit, angefangen vomporösen Keks" und lächerlichen Mündungsschoner" bis zu jenen weit­verbreiteten Wortbildungen, welche seit Erschaffung der Erde die Sprachen würzen und, weniger druck-

Hofprediger in

Zum hundertsten Geburtstag A» von Or. Kai

Von der Parteien Haß und Gunst verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte ..." Auf wen ist dieses Schillerwort mit mehr Recht an­zuwenden als auf Adolf Stoecker. Ein Berliner Hof- und Domprediger begann 1878 seine politische Laufbahn, die alles andere als gewöhnlich war; ein Mann, der sich mit reinem Herzen und ehrlichem Willen, mit echter Hinneigung zu der großen sozia­len Not desvierten Standes", wie man damals sagte, in die politische Kampfarena wagte, ging einen Weg der Siege und Enttäuschungen, der wohl nicht seinem diplomatischen Geschick und seiner

Scherl-Bildmatemdienst

Menschenkenntnis das befte Zeugnis ausstellte, aber durch die Kraft eines Willens, die Glut einer red­nerischen Begabung, die Unbeugsamkeit einer Kämpfernatur eine Bewegung auslöste, die ihre Spuren tief in das politische Geschehen vor dem Kriege grub.

Er war der Sohn eines Wachtmeisters bei den Halberftädter Kürassieren. Nach Vollendung seines Studiums und nach einigen Wanderjahren wurde er Pfarrer einer Landgemeinde, Garnisonpfarrer in dem eben deutsch gewordenen Metz und dann Hof- und Domprediger in Berlin. Berlin wurde sein Schicksal.

Der junge Hofprediaer, dessen gewaltige oolks- rednerische Begabung schnell erkannt wurde, stand bald im Mittelpunkt von Haß und Gunst der Par­teien. In der Reichshauptstadt regierten die Libe­ralen und die Sozialdemokraten. Damals fielen Männer wie Roon und Moltke, die von der Kon­servativen Partei im Wahlkreis Berlin aufgestellt waren, gegen obskure liberale Kandidaten bei den Reichstagswahlen durch. Die Presse war in den Händen des Judentums, in der Kirche machte sich ein aufgeklärter Liberalismus breit, der zugleich offizielle Vertretung der Landeskirche war. Stoecker warf sich mit ganzer Wucht in den Kampf gegen das Judentum. Die jüdischen Jour­nalisten und Parlamentarier erwiderten diese An­griffe mit einem beispiellosen Derleumdungsfeld- >Uqe, der auch nicht an seinem Grabe Halt machen sollte. 1878 fand jene berühmte Eiskeller-Versamm­lung statt, die Geburtsstunde der christlich-sozialen Bewegung, in der es ein Hofprediger wagte, in einer fast nur aus Sozialdemokraten bestehenden Versammlung, die auch unter sozialdemokratischer Leitung stand, den Agitator Most, einen der ge­schicktesten und gefürdjteften sozialdemokratischen Redner anzugreifen. Stoecker wurde 1879 in den preußischen Landtag, später in den Reichstag ge­wählt und hat diese parlamentarische Tätigkeit erst beendet, als seine Kräfte im hohen Alter nachzu­lassen begannen. Er gründete als Seelsorger die Berliner Stadtmission, um der anti- christlichen Propaganda wirkungsvoll zu begegnen, zugleich führte er in den Berliner Generalsynoden einen heftigen Kampf für die Freiheit der evange-

zum MG.-Dreyse.

als ausdrucksfähig, in den Handbüchern des guten Tons kaum zu finden sein dürften.

Später, beim lieben im Gelände lernten wir auch die feinere Art der Kennzeichnung begreifen, jene schmückenden Beiwörter, welche die Unfähig­keit des Einzelnen verständlich machen mit hörens­werten Vergleichen aus Tierwelt und Schöpfungs­geschichte der Menschheit. Die liebevolle Frage Haben Sie nie Indianer gespielt" er­leichterte uns zweifelsohne das Erlernen des Rob­bens oder Wälzens. Die angenehmste Abwechslung bildete jedoch das Scharfschießen. Das waren Tage, an denen uns die Sonne nicht unterging, und mit seltener Spannung verfolgte jeder Schütze eifersüchtig die Treffer des anderen und seine eige­nen Ergebnisse. Nie hätten wir gedacht, wie erfin­dungsreich das menschliche Gemüt fein kann, nie geahnt, welche Fülle von Phantasie der einfache Soldat gerade dann besitzt, wenn es gilt, für schlechte Schüsse gute Gründe zu finden. Es gab Schützen, deren Gewehrlauf war stets nach einer anderen Seite hin verzogen. Es gab Männer, die verkündeten und das mit dem Fanatismus eines Propheten daß sie, wenn sie auf drei ge­halten hätten, unfehlbar ins Schwarze getroffen hätten. Diesen blendete das Visier, jenen hatten die Ermahnungen des Unteroffiziers nervös gemacht. Der Dritte hatte ein Gewehr, von welchem er be­hauptete, daß es zwar den Burenkrieg und auch den gesamten Weltkrieg überstanden habe, ohne Schaden zu nehmen, nunmehr aber doch reif sei, einer würdigen Waffensammlung einverleibt zu werden.

Es war noch harmlos beim Gewehrschießen. Es steigerte sich überdimensional, als es ans scharfe M G- Schießen ging. Die Fabulierwut kannte keine Grenzen. Sagenhafte Dinge wurden erzählt von verkanteten Läufen, von Rohren, die gebogen sein sollten und welche, waren sie es vorher nicht, sich bei diesen Erzählungen bestimmt gebogen haben. Ja, völlig harmlose Strohhalme wurden zu Balken, die in den Kammerfang sprangen und die Verriege­lung vereitelten ... Da wir zu Lande und nicht zu Wasser ausgebildet wurden, war es unmöglich, jene Eigenschaften dafür verantwortlich zu machen, die man denollen ehrlichen" Seebären zuschreibt und Seemannslatein nennt. Aber, so sagten wir immer wieder, auch in der trockenen Atmosphäre der Exer­zierplätze muß es Bestandteile geben, welche ver­borgene Kräfte wecken und den Erfindungstrieb auch des einfachsten Schützen zu ungeahnten Lei­stungen anwachsen lassen.

0 Volksmann.

olf Stoeckers om 11. Dezember.

Heidemann.

lischen Kirche, ihre ßostrennung vorn Staat. Er focht gegen die alten Theologen, die eine soziale Tätigkeit der Geistlichen für unvereinbar mit dem Pfarramt hielten und setzte es durch, daß ein evangelisch-sozialer Kongreß jährlich zusammentrat. Stoecker mußte sein Amt als Hofprediger nieder­legen, als er bei dem jungen Kaiser in Ungnade gefallen war, er mußte sich von den Konservativen trennen, er trat aus dem evangelisch-sozialen Kon­greß aus, immer wieder mußte er von neuem an­fangen, aber er setzte sich, zum Erstaunen und zum Aerger seiner Gegner immer wieder durch. Als er 1909 starb, hinterließ er neben der Berliner Stadt- misfion eine große christlich-soziale Arbeiterbewe­gung und konnte mit Genugtuung feftstellen, daß seine Gedanken auch in der evangelischen Kirche au fruchtbaren Boden gefallen waren.

Die Stoeckerschen Freitagsversammlungen wur­den berühmt, und Tausende lauschten dem eindring­lichen Redner. Stoecker stand nicht an, eine Reihe von Forderungen der Arbeiterschaft für berechtigt zu erklären und sich dafür einzusetzen. Was ihn vor allem von den Sozialdemokraten schied, war das Bekenntnis zur Monarchie, zum Christentum und die Ablehnung utopischer Forderungen. Daß sein Vorgehen Mißdeutungen ausgesetzt war, hat ihn in seiner Arbeit unheilvoll gehemmt, war aber wohl in der Unreife der Zeit für diese Probleme begrün­det. Wir urteilen jetzt gerechter, und Untersuchungen wie die des Historikers Walter Frank lassen ihm volle Gerechtigkeit widerfahren.

Daß Stoeckers Vorstoß verpuffte, lag zum Teil in der Stärke des Gegners begründet. Der Haß des liberalen und marxistischen Judentums nahm un­heimliche Formen an, und schleppte ihn durch eine Kette von Prozessen, Verdächtigungen und Verleum­dungen. Es lag aber auch an der Art seiner Mit­kämpfer, nicht zuletzt auch an Stoecker selbst. Wenn einer seiner treuesten Freunde, Dietrich v. O e r tz e n, in seiner Biographie sagt:Die Freude an einem witzigen Einfall war gelegentlich stärker als die bessere Einsicht und als die Sorge vor dem Anstoß", dann ist damit in milder Form eine Seite Stoeckers getadelt, die feinen Freunden immer Sorge gemacht hat. Das Temperament ging mit ihm durch, er ließ sich in Dinge ein, die er nicht übersah, machte Ver­sprechungen, die ihn in schiefe Lagen brachten, war unglücklich in der Wahl seiner ersten Mitarbeiter und von einer erstaunlichen Vertrauensseligkeit. Aber immer blieb er ein wahrer Seelsorger, ein Freund der Armen und Bedrängten, dessen Schlagfertigkeit von seinen Gegnern gefürchtet, des­sen Gedankentiefe und Warmherzigkeit von seinen Freunden mit Dank empfunden wurden. Der große starke Mann blieb bis zuletzt von Freunden um­geben, und feine Volkstümlichkeit hörte mit seinem Tode nicht auf. Das Beste, was einem Manne ge­schehen kann, daß er zum Vorbild für eine lebendige Bewegung wird, geschah Adolf Stoecker. Er fand keinen ebenbürtigen Nachfolger, und das war viel­leicht der Grund, daß die christlich-soziale Bewegung nie die Katholische Aktion an Stärke und intensiver Wirkung erreichte. Aber in den Kamps der Parteien des Bismarckreiches war er einer der edelsten Männer, von denen man sagen konnte, daß sie wirk­lich Volksmänner waren ein Leben, das in die Geschichte eingegangen ist.

Adolf Stoecker, der deutsche Dolksmissionar

Von den Anhängern geehrt und geliebt, von den Gegnern geschmäht und verfemt, ist derpoliti­sierende Hofprediger" Adolf Stoecker nach seinem Tode fast in Vergessenheit geraten. Erst unsere Zeit beginnt ihn wieder zu entdecken, sie erkannte zu­nächst, daß er auf politischem Gebiet Großes er­strebte, das erst in der Gegenwart der Verwirk­lichung entgegenreist: die Vereinigung von Sozialismus und Nationalsozialis­mus, die Ausschaltung des jüdischen Einflußes auf

den deutschen Lebensraum in Politik, Wirtschaft und Geistesleben. Schon vor einem halben Jahr­hundert sah dieser Mann klar, daß von der Lö­sung dieser beiden Aufgaben das Schicksal des Rei­ches abhinge. So gewaltig aber diese Leistung auch ist, in die Herzkammer seines Wirkens, zum inner­sten Antrieb auch feiner politischen Tätigkeit drin« gen wir von ihr allein aus nicht vor. Denn dieser Antrieb war kein anderer als der Auftrag, der ihm als Prediger geworden war: die Verkündigung des Wortes Gottes an das deutsche Volk. Erst wenn man das sieht, versteht man ihn wirklich, erkennt man, daß er keinpolitisierender Priester", fein ehrgeiziger Demagoge gewesen ist, sondern der deutsche Volksmissionar schlechthin. Sein Ziel war Durchdringung des gesamten Volkslebens mit christlichem Geist, Verkündigung des Evange­liums in einer an Bekenntnis und Wort gebunde­nen Volkskirche. Um dieses Zieles willen kämpfte er der Hofprediger! gegen das Staatskirchentum und den landesherrlichen Summ- epifkopat, die das kirchliche Leben lähmten. Bei der Wiederentdeckung des Politikers Stoecker blieb diese Seite seiner Wirksamkeit zunächst im Hintergrund; heute beginnen wir zu erkennen, daß er auch auf kirchlichem Gebiet Forderungen erhob, die erst in der Gegenwart wieder lebendig aufgegriffen wurden.

Gerade zu seinem 100. ©ebrtstag am 11. De­zember 1935 kommt dieses neue Stoeckerbild zum Durchbruch. Man kann es kennenlernen aus dem Dezemberheft der MonatsschriftZeitwende" (im Wichern-Verlag, Berlin-Spandau), das dem Andenken Adolf Stoeckers und der Erneuerung des von ihm ausgehenden Lebensantriebs gewidmet ist. Neben einem temperamentvollen Aufsatz von Prof. D. Dr. Helmuth Schreiner überAdolf Stoecker, ein deutscher Führer im (Befolge Christi" enthält es eine Reihe vonZeugnissen aus Adolf Stoeckers Lebenskampf", darunter eine kraftvolle Advents­predigt über Johannes den Täufer, die eindring­licher noch als jedes Wort über Stoecker von der Art und Größe des Mannes, von feinem prophe­tischen Blick, seiner unmittelbaren Bedeutung für die deutsche Gegenwart zeugen.

Aus aller Mell.

Ein dritter schwimmender Flugstützpunkt.

Die Deutsche Lufthansa hat zur Zeit bei der Howaldt-Werst in Kiel einen dritten schwim­menden Flugstützpunkt, der für den Luft­postdienst im Südatlantik bestimmt ist, im Bau. In dem jetzt fast zwei Jahre durchgeführten, regel­mäßigen Luftpostdienst von Deutschland nach Süd­amerika wurden Erfahrungen gesammelt, die diesen Neubau notwendig machten. Es ist erforderlich, wenigstens drei Schisse einsatzbereit zu haben, um jeweils einen der Flugstützpunkte in der Heimat überholen zu können. Das im Bau befindliche Schiff wird eigens für den Atlantikflug erbaut. Es hat eine Wasserverdrängung von 200 Tonnen und bekommt 2 MAN.-Diesel-Motoren von 10 000 PS, die dem Schiff eine Geschwindigkeit von 15 See­meilen in der Stunde verleihen. Zum Abschuß der Flugzeug wird eine Heinkel-Großflugzeugschleuder dienen; der Hebekran zum Anbvrdnehmen der Flugzeuge wird von Kampnagel geliefert. Die Indienststellung des neuen Schiffes wird etwa im Mai 1936 erfolgen.

Beim Spiel tödlich verunglückt.

In Sobernheim an der Nahe ereignete sich ein Unglücksfall. Das fünfjährige Söhnchen des Hotelbesitzers Reichard! lief beim Spielen vor dem Haufe in ein mit zwei schweren Pferden be­spanntes Mühlenfuhrwerk hinein. Der Knabe wurde zu Boden geschleudert; eines der Pferde trat ihm dabei mit dem Huf auf die Brust. Mit schweren Verletzungen wurde das Kind ins Haus gebracht. Kurz nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus zu Kirn ist es infolge der inneren Verletzungen gestorben, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben.

Großfeuer in einem pommerschen Schloß.

In dem geschichtlich und künstlerisch wertvollen Schloß von Pansin (Kreis Saatzig) in Pommern brach ein Brand aus. Das Feuer entstand im Dachstuhl und verbreitete sich mit rasender Geschwin­digkeit in die unteren Räume, die bis auf die Um­fassungsmauern ausgebrannt sind. Nur wenige Räume konnten gerettet werden. Zahlreiche Kunst- gegenstände, darunter solche von geschichtlichem Wert, wurden ein Opfer der Flammen. Hingegen konnte die wertvolle alte Bibliothek und der historische Krö­nungsstuhl König Friedrichs I. gerettet werden. Der alte Teil des Schlosses, der etwa 700 Jahre alt ist, wurde dagegen nicht erheblich vom Feuer be­troffen. lieber die Entstehungsursache ist noch nichts bekannt; der Schaden ist sehr groß.

Schwere Sturmschäden in Griechenland.

Ganz Griechenland ist von schweren Stürmen und Ueberschwemmungen heimgesucht wor­den, die große Schäden verursachten. In Jtea bei Delphi wurden 130 Häuser zerstört. In Langada (Thessalien) wurden die Einwohner plötzlich von der Flut überrascht und mußten sich auf Bäume retten. Auf dem Strymon (Mazedonien) sind Ret­tungsboote entsandt worden. Die entstandenen Schäden sind insbesondere für die Landwirtschaft außerordentlich groß. Man befürchtet auch, daß Menschen ums Leben gekommen sind. In Saloniki wurden die Straßenmasten und viele Bäume um­gelegt. Das jugoslawische Konsulat ist von Wasser­massen eingeschlossen. Ein Wehr des Aliakman- Flusses hielt den Fluten nicht mehr stand und barst. Die ganze Umgebung wurde überschwemmt. Die schweren Stürme haben auch die Schiffahrt stark behindert. Mehrere Dampfer sind bisher an ihren Bestimmungshäfen nicht eingetroffen. Aus Maze­donien wird starke Kälte und außergewöhnlicher Schneefall berichtet. Viele Einwohner sind in dem meterhohen Schnee erfroren.

Sechzehn kanadische Bergleute durch eine Explosion getötet.

lieber ein großes Bergwerksunglück, bei dem 16 Mann ums Leben tarnen, wird aus Lethbridae im Staate Alberta (Kanada) berichtet. Als 30 Bergleute in einen 200 Meter tiefen Schacht eingefahren waren, wurde das Bergwerk durch eine gewaltige Explosion erschüttert. Nur 14 Mann konnten die Oberfläche lebend erreichen. Don ihnen mußten drei schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Die Ursache der Explosion ist noch nicht bekannt. Es ist möglich, daß sich Gase ent­zündet haben. Wenige Stunden vor der Explosion

Ronnefel^e

das beliebte Weihnachtgeschenk