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anderen Gebieten Objekt einer Politik ist, die in ihm nur das Arbeitsvieh sieht.

In diesen Tagen fanden in Moskau die ersten allrussischen Beratungen der sogenannten S t a ch a- now-Bewegung statt. In hohen und höchsten Tönen wurde dort von sämtlichen Mitgliedern der Regierung und den Spitzen der Partei das Loblied jener Arbeiter der Sowjetindustrie gesungen, die sich durch besondere Leistungen hervorgetan und b e - sondere Rekorde erzielt" hätten. Stalin selbst trat auf und erklärte die Stachanow-Bewegung ,<u der neuesten Erfindung des marxistischen Bol­schewismus, mit deren Methoden er allen kapitali­stischen Staaten um mehrere Nasenlängen voraus sei und demnächst die ganze Welt zu schlagen ge­denke.

Inzwischen kommen auch aus dem Lande täglich und stündlich Meldungen, die von einer großen Begeisterung für das neue System wissen wollen und in denen von immer neuen unerreichten und auch unerreichbaren Rekorden in der Arbeit die Rede ist. Es werden angeblich je Mann und Schicht Hunderte von Tonnen Kohle gefördert, Tausende von Paar Stiefel besohlt, Hunderte von Kühen ge­molken usw. Man braucht hier auf die Frage: Wie"? nicht näher einzugehen. Die Zukunft wird lehren, ob diese neue Arbeitsmethode auch nur im entferntesten das hält, was man sich in Kreml an­scheinend davon verspricht. Zweierlei verdient aber hervorgehoben zu werden: Im gleichen Schritt mit der Propaganda dieserneuen Methoden" wächst auch trotz jener Begeisterungsmeldungen der Widerstand gegen sie! Es vergeht kaum ein Tag, an dem es nicht zu neuen blutigen Kämpfen gegen die Einpeitscher dieser unmenschlichen Arbeits­weise kommen würde. Mit Knüppel und Kugel, mit Ueberfällen und dem roten Hahn gehen die Arbeiter vor, um sich vor der neuen Ausbeutung zu schützen. Und wenn man berücksichtigt, daß die Sowjetpresse kaum ein Zehntel dessen bekanntzugeben pflegt, was sich wirklich ereignet, so kann man an­nehmen, daß es auf den Werken und den Fabriken zu einem regelrechten Kleinkrieg gegen die Stacha- now-Leute gekommen ist.

Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß der Sowjetarbeiter physisch und psychologisch gar nicht in der Lage ist, das zu leisten, was von ihm verlangt wird. Unterernährt, ja halbverhungert, in elenden Wohnungsverhältnissen lebend, von der Regierung immer aufs Neue bedrängt, fühlt er, daß er der Ausgebeutete ist und daß er die neuerdings von der Regierung festgestellten Produktionssätze, die, wie Stalin sagte,zwischen der jetzigen Norm und den höchsten der neuen Rekorde liegen sollen", gar nicht wird erreichen können. Die Knute der GPU. zwingt ihn aber, und die Regierung läßt keinen Zweifel daran, daß es ihr mit der Durch­führung der neuen Befehle bitterernst ist. Dekrete Über Dekrete regnen, eine Verordnung jagt die andere, in Reden und Zeitungsartikeln wird der Arbeiter gefeiert, aber auch ermahnt, bedroht, ge­warnt ... Oder, wenn er sich auflehnt: kalt ge­macht!

Inzwischen geht die Differenzierung der Sowjetgesellschaft weiter, und ihr höchster Ausdruck ist die Ernennung der roten Marschälle und der Kommandeure in der Ar­mee. Gleich fünf Marschälle hat die Rote Sowjet­armee erhalten. Man fragt sich mit Erstaunen: Warum diese Menge? Es galt aber, Getreue zu belohnen und keinen vor den Kopf zu stoßen. Nur einer von ihnen, Woroschilow, stammt übri­gens aus Arbeiterkreisen. Der Reitergeneral Bud- j e n n y ist Sohn eines Bauern, während Blü­chers Herkunft unbekannt ist, Jegorow aber und Tuchatschewski aus der alten Zarenarmee kommen. Sie haben allesamt noch keinen Sieg er­fochten, und ihre Ernennung entsprach nur dem Bedürfnis, mit höchsten Titeln aufwarten zu kön­nen. Denn der Zug der neuen gesellschaftlichen und sozialen Schichtung geht durch das ganze Leben Sowjetrußlands! Hier sind es rote Leutnants, Kom­mandeure, und Marschälle dortvornehme" Ma­schinenschlosser und Kuhmelker, hier Ober- und Un­terkommissare dortStoßtruppler", Stachanow- leute undAbzeichenmänner". Der Arbeiter und Bauer aber, dernichts als Sowjetbürger", ist heute wie ehedem ein Arbeitsvieh, der nur eines darf: densozialistischen Aufbau" bezahlen.

(Sin Ehrenführerring der Kinderreichen.

Berlin, 10. Dez. (DNB.) Am 12. Dezember wird in einer Kundgebung in der Weimarhalle in Weimar der Ehrenführerring der Kinderreichen ver­kündet. Auf Anregung des RDK. (Reichsbundeslei­ter Wilhelm S t ü w e) und unter Mitwirkung des Massenpolitischen Amtes der NSDAP., haben sich 44 führende deutsche Männer zusammen- geschloffen, um durch i h r Beispiel und ihren Einfluß der erbgesunden kin­derreichen Familie wieder zu dem ihr ge­bührenden Ansehen und Verständnis zu verhelfen. Kinderreich fein, darf nicht länger ein A r - muts- oder Fürsorgebegriff bleiben; das gehässige Vorurteil, daß die erbtüchtigen Kin­derreichen es an Verantwortung fehlen ließen, muß ausgetilgt werden. Denn sie sind es ja gerade, die allein in voller Verantwortung gegenüber der deutschen Zukunft unter Opfer und Sorgen ihre Elternpflicht erfüllen. Die gefährlichen Irrmeinungen, die in der Nachkriegszeit das bevöl­kerungspolitische Denken verwirrt haben, müssen endlich besserer Einsicht weichen, es muß wieder Gemeingut aller werden, daß gesunde Kin­der das wertvollste Volksgut sind, aber auch ein berechtigter Stolz für d i e Eltern.

Die Verkündung des Ehrenführerrings der Kin­derreichen, dem sechs kinderreiche Reichs­minister angehören und an dessen Spitze Reichs­statthalter Gauleiter Sauckel steht, ist deshalb ein bedeutsamer Schritt und soll uns Mahnung fein, der erbgesunden deutschen Vollfamilie wieder die Ehre zu geben, die ihr gebührt.

Entwicklung des Arbeits­einsatzes im November 1935.

Berlin, 10. Dez. (DNB.) Nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung gingen mit dem Abbau d e r Außenarbeiten, zu dem die Jahreszeit mehr und mehr zwingt, die Beschäftigungs­möglichkeiten zurück und die Zahl der Ar­beitslosen bei den Arbeitsämtern nahm im No­vember um 156 000 zu. Ende November waren 1 985 000 Arbeitslose bei den Arbeitsämtern einge­tragen. Am gleichen Stichtag des Vorjahres wur­den rund 370 000 Arbeitslose mehr gezählt und auch in dem Jahre 1929, in dem der Besthäftigungs- höhepunkt der Nachkriegszeit erreicht worden war, war die Arbeitslosenzahl Ende November mit über

Besuch Schuschniggs in Prag.

Der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg wird demnächst einen Besuch bei der tschechoslowa­kischen Regierung in Prag abftatten. Als äußeren Rahmen und Anlaß dazu hat man einen Vor­trag gewählt, den der österreichische Staatsmann in Prag halten soll. Es ist jedoch keine gewagte Kombination, wenn man in dieser Veranstaltung die diplomatische Verschleierung einer politischen Absicht erblickt, die Beziehungen der beiden Regie­rungen wir sagen absichtlich nichtder beiden Völker" enger zu gestalten oder dies wenigstens nach außen tu betonen. Das Verhältnis Oesterreichs zur Tschechoslowakei war seit der Loslösung dieser alten habsburgischen Gebiete aus dem historischen staatlichen Zusammenhang zwar korrekt und nor­mal, aber doch belastet durch die für Oesterreich schmerzlichen Erinnerungen sowohl, als auch durch die starken Gegensätze in den Anschauungen über die künftige politische und wirtschaftliche Regelung der mitteleuropäischen Fragen, die man mit dem Begriff desD o n a u r a u m e s" zusammenfaßt. Die früheren österreichischen Regierungen hielten dabei eine Linie, die sich in dem Wort des ehe­maligen Bundeskanzlers Dr. Seipel erschöpfend ausdrückte, daßkeine Kombination ohne Deutschland" für Oesterreich in Betracht kom­men könne.

Demgegenüber arbeitete Prag beflissen an allen jenen verschiedenen Projekten mit, die im Laufe der letzten zehn Jahre, zumeist von der Pariser Diplo­matie ersonnen, zur Debatte gestellt wurden, ohne daß sie freilich außer des großen diplomatischen Lärms, den sie verursachten, weitere Spuren hinter­ließen. Die prinzipielle Umstellung, die die österreichische Außenpolitik seit drei Jahren, nament­lich in ihrem Verhältnis zu Deutschland, vorgenom­

men hat, läßt es nun der Regierung Schuschnigg wünschenswert erscheinen, die Beziehungen zu dem tschechoslowakischen Nachbarstaat zu vertiefen, dessen Politik trotz der von Benesch immer wieder betonten korrekten Einstellung zu Deutschland doch an allen Versuchen und Kombinationen beteiligt ist, den wachsenden Einfluß des Reiches auf die Gestaltung der europäischen Verhältnisse einzudämmen und zu beschränken. In diesem allgemeinen europäi­schen Zusammenhänge gesehen, kann also der Pra­ger Besuch nicht anders gedeutet werden denn als eine Betonung jener neuen Richtung der österreichi­schen Politik, derjede Kombination ohne Deutschland" willkommen ist.

Es mögen jedoch für das Wiener Anlehnungs­bedürfnis auch noch andere aktuelle Gründe mitge­sprochen haben. Die Weigerung Oester­reichs, an den Sanktionen gegen Ita­lien teilzunehmen, haben es in einen Gegen- s a tz zum Völkerbund gebracht, auf dessen finanzielle Hilfe es angewiesen ist; namentlich die englische Verstimmung ist in Wien ängst­lich vermerkt worden. Im Völkerbund aber ist Herr Benesch ein einflußreicher, mächtiger Mann, von dessen Unterstützung man in Wien vielleicht einen Genfer Generalparoon zu erreichen hofft. Für diese aktuellen Sorgen Oesterreichs kann man auch in Deutschland ein gewisses Verständnis aufbringen. Daß ihre Beseitigung in stärkerer Anlehnung an Mächte und Mächtegruppen gesucht wird, die alle europäischen Fragen unter dem Gesichtspunkt der Schwächung Deutschlands betrachten, ist für das Gesamtdeutschtum ein trüber Anblick. Mit diesem Gefühl wird zweifellos auch in nationalen Kreisen Oesterreichs der Besuch Schuschniggs in Prag be­urteilt werden.

parlamentarische Wirren in Spanien.

Die neue Kabmettskrisis.

Madrid, 10. Dez. (DNB.) Der Präsident der Republik hat den bisherigen Außenminister und Führer der Landwirte Martinez de Velasco mit der Kabinettsneubildung beauftragt, und zwar auf der Grundlage der bisherigen Parlamentszusammensetzung und der bisherigen Wirtschaftspolitik. Mar­tinez de Velasco hat sich Bedenkzeit ausgebeten bis Mittwoch früh.

*

Mit dem Rücktritt des Kabinetts Chapaprieta er­lebt Spanien die neunte Regierungskrise seit den Oktoberwahlen von 1933. Dieser anormale Ver­brauch von Ministern belastet nicht nur die Staats­kassen, die in Spanien meist leer sind, sondern er ist auch ein bedenkliches Zeichen der politischen Unrast, in der sich das Land seit der Vertreibung des Königshauses im Jahre 1931 befindet. Schon vier Jahre besteht diese Republik mit ihren demo­kratisch-parlamentarischen Einrichtungen, aber noch immer hat sie nicht beweisen können, daß sich das Volk in ihr glücklicher fühlt als in der Monarchie. Zweifellos hat 1931 der größte Teil des spanischen Volkes die Revolution begrüßt und unterstützt, aber Jahr um Jahr wurde die Begeisterung für das neue Regime geringer. Schon bei den ersten Cor­teswahlen nach Ausrufung der Republik erhielt die Katholische Volkspartei des Gil Rob- l e s bei weitem die meisten Stimmen, also jene Partei, in der die im Königreich führenden Ge­walten auch heute noch den Ton angeben. Die Stel­lung dieser Partei, genannt Ceda, hat sich dank einer taktisch überaus glücklichen Führung immer mehr g e f e ft i g t. Gil Nobles ließ erst zahlreiche Kabinette stürzen, bevor er sich selbst bereit erklärte, in eine Regierung einzutreten. Dann aber besetzte er sofort denjenigen Posten im Kabinett, der in Spanien die tatsächliche Herrschgewalt über Land und Volk verleiht: nämlich das Kriegsmini-

fterium. Dort blieb Gil Nobles, mochten auch die übrigen Minister wechseln wie die Jahreszeiten.

Die Verlagerung des politischen Schwergewichts nach rechts ist also offenbar. Der Versuch der Marxisten, Syndikalisten und Kommunisten, diese Entwicklung durch einen revolutionären Hand st reich umzubiegen, wurde im Oktober vorigen Jahres durch Armee und Polizei blutig niedergeschlagen. Aber auch die parlamen­tarische Mitte, die vor allem durch die bürgerliche Radikale Partei des einstigen Ministerpräsi­denten Cerrouj vertreten wird, hat schwer ge­litten. Vor allem durch die Skandalserie, die in den letzten Monaten aufgedeckt wurde und durch die viele hochgestellte Persönlichkeiten aus der unmittel­baren Umgebung Lerroux' bloßgestellt wurden. Auch der Ausbruch der letzten Kabinettskrise dürfte durch eine solche Unterschlagungsaffäre beschleunigt wor­den sein. Dazu tarnen allerdings innerhalb des Ka­binetts bestehende Meinungsverschiedenheiten grund­sätzlicher Natur, die sich vor allem darin äußerten, daß der in der Katholischen Volkspartei sehr stark vertretene Großgrundbesitz eine landwirt­schaftliche Anleihe von 200 Millionen Pese­ten fordert, während Chapaprieta an der rigorosen Durchführung feines Sparprogramms fest­hielt.

Aus der langen Reihe der spanischen Kabinetts­stürze hebt sich jedoch die jetzige Regierungskrise durch einen besonderen Umstand hervor. Am 9. De­zember waren es vier Jahre her, seit die neue s §anische Verfassung in Kraft trat. Nach vier Jahren aber genügt zur Einführung von V e r- faffungsreformen statt der bisherigen Zwei­drittelmehrheit schon eine einfache Mehrheit in den Cortes. Wird eine neue Rechtsregierung diese Reformen einbringen, wird sie das Risiko der Par- lamentsauflöfung und der Neuwahlen wagen? Der Kampf zwischen rechts und links tritt in ein neues, vielleicht entscheidendes Stadium.

2 Millionen noch etwas höher als in diesem Jahr.

Das Ansteigen der Arbeitslosenzahl machte sich überwiegend bei den saisonabhängigen Berufsgruppen bemerkbar. In ihnen stieg die Arbeitslosenzahl um rund 97 000 oder 21,1 v. H. des Bestandes, während in den übrigen Berufs­gruppen nur eine Steigerung um rund 59 000 oder 4,3 v. H. eingetreten ist. Insbesondere die Land­wirtschaft, die Industrie der Steine und Erden und die Bauwirtschaft setzten Arbeitskräfte frei. In den mehr konjunktur- abhängigen Berufsgruppen war der Be- schäftigungsstand im allgemeinen gut, soweit er nicht, wie z. B. im Nahrungs- und Genußmittel­gewerbe, im Bekleidungsgewerbe und im Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe, durch Saifonein- f l ü f f e oder wie in der Textilindustrie durch besonders gelagerte Absatz- und Rohstoff­schwierigkeiten betroffen ist. Eine gewisse Erhöhung der Arbeitslosenzahl in den meisten der mehr konjunkturabhängigen Berufsgruppen hatte ihren Grund ganz oder überwiegend in der Rück­kehr von Angehörigen dieser Gruppen aus berufs­fremder Tätigkeit, insbesondere Außenarbeiten. Vielfach fehlte es bezirklich sogar an Fach­kräften. Es mußten deshalb im Wege des Aus- gleichsverkehrs der Arbeitsämter zahlreiche Fach­kräfte aus anderen Bezirken jeweils herangezogen werden.

Zu iatkräfiigerMiiarbeii bereit

Landesbischof D. Marahrens an den Reichskirchenausschutz.

Berlin, 10. Dez. (DNB.) Die vorläufige Kir­chenregierung der Evangelisch-Lutheri­schen Landeskirche Hannover hat, wie der Evangelische Pressedienst erfährt, an den Neichs- kirchenausschuß ein von Landesbischof D. M a - ratens unterzeichnetes Schreiben gerichtet, in dem sie dem Reichskirchenausschuß ihre Bereitschaft zu tatkräftiger Mitarbeit erklärt.Die vorläu­fige Kirchenregierung", so heißt es u. a. in dem Schreiben,begrüßt aufrichtig die Ziel­setzung, die gegenwärtige Zerstörung in der Deutschen Evangelischen Kirche $u beseitigen und es der geordneten Kirche möglich zu machen, die bestehenden Streitfragen aus eigener kirch­licher Kraft und auf Grund kirchlicher Entscheidung zu lösen. Sie ist dankbar, daß der Herr Minister den Gedanken einer Staats- kirche in deutlichen Worten wiederholt a b ge­lehnt hat und daß die Aufgabe des Ausschusses als Treuhänderaufgabe bezeichnet wor­den ist. Die vorläufige Kirchenregierung der Evan­gelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover hat zu den Männern des Reichskirchenausschusses das Ver­

trauen, daß sie ihr Amt in Treue gegen Schrift und Bekenntnis führen und aller Bedrohung der Kirche von innen und außen tatkräftig entgegentreten werden."

Das endgültige Ergebnis desTages der Nationalen Solidarität".

Berlin, 10. Dez. (DNB.) Das endgültige Er­gebnis desTages der nationalen Solidarität 1935" beträgt 4 162 286,05 RM. Das Ergebnis desTages der Nationalen Solidarität 1934" wurde im Rechen­schaftsbericht des Winterhilfswerkes 1934/35 mit 4 021 593,71 RM. ausgewiesen. Das diesjährige Er­gebnis liegt also um 14069 2,3 4 RM. höher als das Ergebnis des Jahres 19 34.

Im folgenden geben wir eine Zusammenstellung der Ergebnisse in den einzelnen Gauen des Reiches mit den Vergleichszahlen vom Jahre 1934:

Gau

1934 RM.

1935 RM.

Groß-Berlin

300 000,

319 193,21

Magdeburg-Anhalt

165 000,

167 975,57

Hamburg

54 000,

103 351,50

Pommern

144 000,

111702,57

Sachsen

284 000,

293 486,97

München-Oberbayern

123 000,

150 000,

Württemberg

200 000,

187 000

Thüringen

159 000,

117 427,81

Weser-Ems

76 000.

119 132,

Südhannover-Braunschweig 107 000,

100 576,39

AZestfalen-Sud

99 000,

101 235,85

Schleswig-Holstein

221 000,

204 000,

Franken

50 000,

88 172,19

Baden

148 000,

141 500,

Kurhessen

77 000,

65 116,69

Osthannover

136 000,

175 000,

Ostpreußen

134 000,

169 000,

Bayerische Ostmark

110 000,

94 228,

Pfalz-Saar

61 000,

94 687,73

Halle-Merseburg

89 000,

69 977,03

Hessen-Nassau

220 000,

185 000,

Westfalen-Nord

127 000,

117 736,03

Mecklenburg-Lübeck

90 000,

110 582,17

Düsseldorf

104 000,

119 633,17

Koblenz-Trier

50 000,

43 827,76

Kurmark

180 000,

175 000,

Schwaben

85 000,

67 912,

Schlesien

232 000,

250 000,

Mainfranken

48 000,

44 682,35

Köln-Aachen

102 000,

120 000,

Essen

46 000,

55 149,06

Endsumme

4 021000,

4162 286,05

Vertrauensvotum für das Memeldirektorium. Memel, 11. Dez. (DNB.) Der Memelländische Landtag trat am Dienstag zu feiner dritten Sitzung zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung er­bat der Präsident des Direktoriums Baldszus auch formell das Vertrauen des Landtages für fein Direktorium. Darauf wurde dem Direktorium Baldszus mit 21 Stimmen bei Stimmenthal­tung der fünf litauischen Abgeordneten und der drei Direktoriumsmitglieder, die als Landtagsabge­ordnete hier nicht in eigener Sache mit abstimmen wollten, das Vertrauen ausgesprochen. Die eingebrachten Gesetzesvorlagen wurden ange­nommen. Dann wurde d i e Geschäftsord­nung über d i e Beschlußfähigkeit des Landtages abgeändert.Wird die Beschluß­unfähigkeit des Landtages dadurch herbeigeführt, daß anwesende Abgeordnete b z n Sit­zungssaal verlassen, ober ist trotz ord­nungsgemäßer Ladung die für die Be­schlußunfähigkeit erforderliche Anzahl von 20 Ab­geordneten von vornherein nicht erschienen, so kann der Präsident eine Sitzung mit der glei­chen Tagesordnung frühe st ens auf den n ä ch- ft e n Tag anberaumen, in welcher der Landtag bei Anwesenheit von 15 Mitgliedern beschlußfähig ist. Die Einberufung muß er­folgen, wenn mindestens drei Mitglieder es ver­langen."

Die von den Direktorien Reisgys und Bruwe- laitis getroffenen gesetzwidrigen Kürzungen der Unterstützungen für Kriegsbeschädigte und Arbeits­lose sowie die ungesetzliche Kürzung von Beamten­bezügen wurden rückgängig gemacht.

Angelsächsische Zusammen­arbeit aus der Floüenkonserenz.

London, 11. Dez. (DNB.-Funkspruch.)Daily Telegraph" begrüßt die Haltung Englands und der Vereinigten Staaten auf der Flottenkonfercnz. Beide Mächte hätten klargemacht, daß sie geschlossen unabänderlich gegen öie japanische For­derung nach allgemeiner Gleichheit der Flotten für die fünf Konferenzmächte seien. Die Japaner hätten anscheinend auf die Unter- stützung Frankreichs und Italiens ge­rechnet, aber diese sei ausgeblieben. Infolge­dessen habe sich Admiral Nagano mit Tokio in Ver­bindung gesetzt. Englands Vorschlag auf Ver­minderung der Tonnage der Kriegsschiffe fei von den Amerikanern unterstützt worden. Die Vereinigten Staaten seien bereit, beim Bau von Schlachtschiffen eine Verminderung der Tonnage um mehrere tausend Tonnen und eine Herabsetzung des Kalibers ihrer Geschütze von 40 cm auf 35 cm in Betracht zu ziehen. Dies würde eine Erspar- nis von 7 50000 Pfund Sterling bei je­dem neuen britischen Schlachtschiff bedeuten. An Unterseebooten fordere Frankreich 126 000 t, also eine Flotte von ungefähr 150 U-Booten. Von französischen Marinefachleuten werde jedoch zu­gegeben, daß Frankreich bereits soviel U-Boote fjabe, wie es in Betrieb hal - t e n könne. Die britischen und amerikanischen De­legierten würden sich bemühen, den französischen Anspruch auf 7 2 7 0 0 t herunterzuschrau­ben.

Einheitsfront aller ägyptischen Parteien.

Kairo, 10. Dez. (DNB.) Alle ägyptischen Par­teien haben sich geeinigt. Sie wollen an den König eine Petition richten mit der Bitte auf Wieder­einführung der Verfassung von 1923. Dem britischen Oberkommissar soll die Forderung auf Unterzeichnung des zwischen Nahas Pascha und Henderson im Jahre 1930 festgelegten englisch-ägyptischen Vertrages unter­breitet werden. Dabei will man den englischen Wünschen in der Sud anfrage entgegenkommen. Das würde die Loslösung des Sudans von Aegypten bedeuten.

Die Erregung in der Stadt hält weiter an. Die städtischen Verkehrsmittel sind jetzt fast völlig st i l l g e l e g t. Dienstag ereigneten sich wieder ver­schiedentlich Zusammenrottungen. Die Eisenbahn­linie Alexandrien Fuka soll um 100 Kilo­meter bis Mersa Matru verlängert werden. Der Verlängerungsbau soll innerhalb von zwei Monaten fertiggeftellt werden. Für diesen Zweck ist eine halbe Million Mark bereitgestellt worden. Die­ser Verlängerungsbau bedeutet schon rein militä­risch eine wichtige Vereinfachung der Nachschubfrage nach Mersa Matru, dem für Aegypten strategisch bedeutenden Mittelmeerhafen.

Addis Abeba in Erwartung eines Fliegerangriffs.Panik in der Stadt.

Addis Abeba. 11. De;. (BUB. Junffpr.) 3n der Nacht zum Mittwoch trafen in Addis Abeba Nachrichten ein, die für die Morgenstunden des Donnerstag einen Bombenangriff italie­nischer Flieger auf die Hauptstadt ankundig- ten. Um 3.30 Uhr morgens begann die Räu­mung b er Stabt durch die Bevölkerung. Zu Tausenden und aber Tausenden flüchteten die Ein­wohner in langen Zügen und begleitet von Wa­genkolonnen in die Umgebung von Addis Abeba und in die umliegenden Berge. Europäer und Eingebo­rene wurden von der von haus zu Haus gehenden Polizei aus dem Schlaf geweckt und aufge­fordert, sich in Sicherheit zu bringen. Eine panikartige Stimmung hat Platz gegriffen. Alle verfügbaren kra f twagen werden zu Prei­sen von 10 0 bis 2 0 0 Mark gemietet, um aus der bedrohten Stadt zu gelangen.

Kunst und Wistenschast.

Aufruf zu einer winterhilfsspende der Reichsschrifttumskammer.

Der Präsident der Reichsschrifttumskammer, Staatsrat Hanns I o h st, erläßt folgenden Aufruf:

Ich fordere alle Mitglieder der Reichsschrifttums­kammer, Dichter, Schriftsteller, Verleger und Sorti­menter, den Jung-Buchhandel und die Buchvertreter auf, an einer besonderen Winterhilfsaktion der Reichsschrifttumskammer mitzuwir- ken. Wir wollen unseren notleidenden Volksgenossen B ü ch er spenden, um ihnen zu zeigen, daß im deutschen Volk nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige und seelische Not gelindert werden soll. Wir wollen ihnen zeigen, daß alle Stände unseres Volkes, auch der Dichter mit seinem geistigen Gut. der Verleger mit seinen Werken, der Buchhandel mit seinen Büchern zum Ganzen stehen müssen. Gespen­det werden soll das gute Buch, nicht wertlose Laden-