Hr.289 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Mittwoch, 11. Dezember 1955
Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Giegener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle
Monats-Bezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte w 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen
Postscheckkonto:
Frankfurt am Main 11686
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitSts Such- und Steindruckerei R. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 1
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^Uhr des Vormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite
50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/g mehr.
Ermäßigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
England handelt im Auftrag des Völkerbundes
___ irischer Seite wird erklärt, es sei h öckstunwah
Nächtliche Aussprache im englischen ilnierhaus. - Baldwm an» Eden setzen sich mii der ff*
Opposition über die Friedensvorschläge auseinander
Er-
nur eine legungen sächlichen
matzen annehmbaren Preisen.
Aber die Torgsingeschäfte haben eigentlich ihren Namen zu unrecht geführt, da ihr Hauptzweck tatsächlich weniger in dem verhältnismäßig schlechten Geschäfte der Gewinnung der Valuta von den Aus- ländern, als vielmehr darin bestand, die r e st - lichen Bestände an Edelmetallen und Wertsachen zu erfassen, die noch aus einer besseren Zeit von der Bevölkerung über Revolution, Bürgerkriege und bolschewistische Herrschaft in die heutigen Tage hinübergerettet wurden. Als eine der größten Aufkaufsorganisationen für Wertgegenstände, die die moderne Geschichte kennt, stellte also der Torgsin eine außerordentlich raffinierte Einrichtung dar, die sich entsprechend bewährt hat. Was in der Bevölkerung noch an Edelmetallen in altem Familiensilber, Andenken, Schmuck oder auch Trauringen vorhanden war, was noch an wertvollen Kunstgegenständen verborgen gehalten wurde, wanderte aus den Verstecken hervor und kam in den 290 Torgsingeschäften zusammen. Selbstredend wurde dafür ein Preis gezahlt, der dem wirklichen Wert der Gegenstände nicht im entferntesten entsprach, — aber Hunger tut eben weh, und wenn der Volkskommissar für den Handel kürzlich den Verdienst des Staates aus dem Torgsinhandel mit 270 Millionen Rubel angab, so dürfte mehr als die doppelte Zahl eher der Wirklichkeit nahekommen. Sowjetrußland hat durch den Torgsin vielleicht mehr als durch andere Maßnahmen zur Verelendung und Auspowerung der Bevölkerung beigetragen. Besonders die ehemals wohlhabenden Kreise, denen allein dos Vorhandensein alter Werte einen gewissen moralischen Halt bot, sind erst jetzt endgültig auf die Stufe des Proletariers herabgedrückt und den Sowjets auf Gedeih und Verderb ausgeliefert!
Demgegenüber ist es eine bloße Fiktion, wenn die Sowjetregierung durch die Beschränkung des Intourist auf Rubelgefchäfte und durch die Herstellung einer künstlichen Parität d e s Rubels zum französischen Franken den Anschein zu erwecken versucht, als sei der Rubel ein stabiles Zahlungsmittel. Allein das Verhältnis: Ein Rubel gleich 3 Franken, bedeutet schon das Eingeständnis einer Entwertung im Ausmaß von 75 bis 80 v. H. Nicht im geringsten reicht aber dieses künstlich geschaffene Verhältnis an den Preisstand heran, wie er in Wahrheit auf dem innerruffifchen Markt besteht. Freilich könnte in die- fer Maßnahme der erste Schritt zu einer beabsichtigen Schaffung einheitlicher Preise gesehen wer- den. Es scheint aber, daß die Gründe für die Regierung vorderhand auf dem Gebiet der auswärtigen Kreditverhandlungen zu suchen sind. Offensichtlich wollte Moskau mit dieser Maßnahme in London Eindruck machen und um gut Wetter für die Kreditgewährung bitten.
Wie dem auch sei, diese sowjetrussische Maßnahme wird im Innern des Landes selbstverständlich nur zu einer Verstärkung der bisherigen Tendenz, nämlich zu einer Angleichung des allgemeinen Preisstandes nach oben, d. h. also zu einer weiteren Verteuerung des Lebens führen. Denn feit der Aufhebung der Lebensmittelkarte befinden sich die Preise in einer unaufhaltsamen Aufwärtsbewegung, — während aber die Löhne und Gehälter noch immer auf einem Stande verharren, der selbst von der Regierung als absolut ungenügend bezeichnet wurde. Und dieser neue Angriff auf den Sow- : jetbürger wirkt um so schwerer, als er auch auf
der Pariser Presse verbreiteten. Die riesigen Abtretungen abessinischen Gebietes entsprechen gar nicht der gegebenen Lage. „Italien", so schreibt das Blatt, „hat im Felde keine so hervorragenden Erfolge erzielt, daß die abessinische Regierung geneigt sein würde, derartige Bedingungen in Erwägung zu ziehen. Abessinien hat keine schwere Niederlage erlitten und seine Widerstandskraft ist ungebrochen. Anderseits sind die Italiener im Besitz eines sehr ausgedehnten abessinischen Gebietes, aus dem sie von den Truppen des Negus nicht vertrieben werden können. Diese beiden Tatsachen beherrschen.die Lage und jeder von den vermittelnden Mächten vorgeschlagene und vom Völkerbund bekräftigte Plan muß dem Rechnung tragen." Der Friedensplan schlage für die Grenzen zwischen Eritrea und Tigre im äußer ft en Westen nur geringe Berichtigungen vor, die kleine Unebenheiten beseitigen sollten. Im Osten werde die Tatsache praktisch anerkannt, daß Teile von Tigre bereits von den Italienern besetzt seien,
britischen Gesandten Sir Sidney B a r t o n aufgesucht und ihn gefragt, ob er Nachricht über den Inhalt des Pariser Friedensplanes habe. Die Antwort lautete verneinend. Von maßgebender abessi-
lung dem Völkerbund aufnöligen, wenn der Völkerbund nichts davon wissen will. Ebenso wenig kann er sie Italien oder Abessinien aufnötigen. Wir wissen nicht, was jede dieser drei Parteien beschließen wird. Wenn nichts dabei herauskommt, müssen wir es später wieder versuchen. Wir werden wiederum die ganze Frage zu erwägen haben, wie weit Sühnemahnahmen gehen können.
Die Opposition hat es so hingestellt, als wäre es eine ganz einfache Sache, die Oelzufuhr nach Italien zu unterbinden.' Es handelt sich aber um eine außerordentlich verwickelte Frage. Wenn wir den Schritt tun, müssen wir sicher sein, daß er wirksam ist. In den letzten drei Monaten haben wir sehr viel darüber in Erfahrung gebracht, was gegenwärtig in der Welt möglich ist und was
nicht möglich ist. Die Zeit wird kommen, wo man im Stande fein wird, dem Unterhaus alle seine Erfahrungen mitzuteilen, und das Unterhaus und das Land werden dann zu erwägen haben, was sie im Lichte dieser Erfahrungen künftig zur Förderung der Arbeiten des Völkerbundes tun können. Abgesehen hiervon kann ich heute abend wirklich nichts förderliches sagen. Wir setzen genau dieselbe Politik w i e bisher fort. Eden reift am Mittwoch nach Genf und wir werden fehr bald wissen, welche Rückwirkungen der von uns gesteuerte Kurs Hervorrufen wird.
Hierauf fetzte zu später Nachtstunde die Arbeiteropposition zum Zeichen des Protestes eine Abstimmung über d i e Antwortadresse auf die Thronrede durch. Die Adresse wurde mit 281 gegen 139 Stimmen angenommen.
denen die dort ansässigen Häuptlinge Treue geschworen hätten. Im übrigen habe der Negus noch im letzten Sommer seine Bereitschaft ausgedrückt, Teile des Danakil-Gebietes abzutreten. Auf dieser Grundlage hätten die britischen und französischen Sachverständigen und Staatsmänner eine Grenzberichtigung ins Auge gefaßt. Der Hvare- Laval-Plan sehe ausdrücklich vor, daß Italien, falls es sich vor den Friedensverhandlungen weiterer ausgedehnter Gebiete Abessiniens bemächtigte, um Räumung dieser Gebiete ersucht werden wird. Um aber dem anerkannten Bedürfnis Italiens nach Raum für koloniale Ausdehnung im geeigneten Gebiete zu entsprechen, werde in Süd- Abessinien ein Mandatssystem in Er-
Die OppoWvli seht die Kritik fort
Konservative Blätter erklären, daß der englisch - französische Jriedensvorschlag für beide kriegführende Teile vorteilhaft sei.
Ministerpräsident Baldwin erklärte: Manche Leute sprechen vom Völkerbund, als ob es sich um eine Art englische Einrichtung handelt, die ganz besondere Wege geht als ob der Völkerbund immer im Recht ist, wahrend er eine sehr menschliche Körperschaft fehlbarer Nationen darstellt, die von ehl- baren Staatsmännern in einer Ratsversammlung vertreten werden, deren Bestreben es ist, womöglich einen Völkerbund aufzubauen der l m L a u feder Zeit vielleicht der Menschheit alle die Dienste leisten kann, von denen wir bei der G r u n- düng des Völkerbundes träumten. Ich beabsichtige angesichts der Abwesenheit gewisser großer Nationen nicht, heute abend irgendetwas über seine Verfassung und seine Mangel zu sprechen, aber ich möchte die Abgeordneten daran erinnern daß wir, so viel sie auch die Regierung kritisieren und soviel sie auch sagen, was der Völkerbund alles tun sollte, schließlich nicht den Volke r b u nd in unserer Macht haben können. Wir gebrauchen ihn und werden dies auch weiter tun, aber schließlich befinden sich fünfzig Rationen ,m Völkerbund. Es ist nicht leicht, einen Beschluß ober einen stetigen Kurs bei einer Körperschaft von fünfzig Nationen durchzusetzen. Wenn die Geschichte des Völkerbundes geschrieben wird, wird jeder es bemerkenswert finden, einen wie weiten Weg der Völkerbund zurückgelegt und wieviel er geleistet hat.
Baldwin fuhr fort: Die Schwierigkeiten, von denen wir jetzt umgeben find, lassen sich infolge ihres Wesens im Augenblick nicht im Unterhaus erörtern, damit nicht die Zukuntt m jeder Hinsicht beträchtlich gefährdet wird. Die Macht irnalands fei nicht vollkommen, wenn auch fern Ansehen groß fei. Vielleicht werde dieses Ansehen durch die Aussprache geschädigt werden, aber er hoffe, baß dies nicht der Fall sein werde.
Wir hatten Auftrag, diese Untersuchung mit den Franzosen anzustellen. Eden wird dem Völkerbund seinen Bericht erstatten. Er wird und kann gar nicht bte Annahme der Rege-
Paris, 11. Dez. (DNB. Funkspruch.) In einer Besprechung Lavals mit Unterstaatssekretär Sir Robert Dansittart und dem britischen Botschafter in Paris wurden Bedingungen zur Beilegung des italienisch-abessinischen Streitfalles festgelegt. Die Vorschläge sollen im Laufe der Nacht den' Botschaftern bzw. Gesandten Italiens und Abessiniens übermittelt worden sein. Man erklärt, die Londoner Regierung habe in Ruhe die Vorschläge prüfen wollen. Das britische Kabinett habe die Friedensoorschläge vollkommen gebilligt. Einwände hätten nur Einzelheiten im Wortlaut betroffen.
Es bleibe jetzt lediglich die Frage d e s V e r- fahrens offen. Laval der am Mittwochabend nach Genf reife, werde darüber eine Besprechung mit Eden haben. Da Madariaga sich im gleichen Zuge befinden werde wurden die Minister Gelegenheit haben, sich mit dem Vorsitzenden des Fünfer-Ausschusses zu besprechen. Man fei daher der Ansicht, daß in Anbetracht der britisch- französischen Einigungsbemühungen der Achtzehner- Ausschuß dazu gebracht werden könne, seine Entscheidung über d i e Oelfrage t) i na u s z u- Sieben Auf Grund der Pariser Vorschläge dürfte der'Fünfer-Ausschuß seine Arbeiten wieder auinehmen nur falls die beiden kriegführenden Staates sich bereit erklärten, daran teilzunehmen. Aus diesem Grunde hänge die Wiederaufnahme normaler wirtschaftlicher Beziehungen und eine Schichtung des Streites von Rom und Addis Abeba in erster Linie allerdings von M u f f o l i n i ab. Sowohl England wie Frankreich hätten die a u 6 er ft e Grenze d e r Z u g e st ä n d n i f f e und politischen Möglichkeiten erreicht.
London, 10. Dez. (DNB.) Trotz einer Erklärung Baldwins, daß zur Zeit keine Einzelheiten über die im Gange befindlichen Friedenserörterungen im Abeffinienkonflikt bekannt- gegeben werden konnten, bestand die Opposition auf einer Aussprache über den italienisch-abessinischen Streit. Der arbeiterparteiliche Abgeordnete Lee Smith wies vor vollbesetztem Hause darauf hin, daß der Ministerpräsident die zuerst in der französischen Presse erschienenen Nachrichten über die Vorschläge keineswegs als müßige Annahme bezeichnet habe. Es fei klar, daß diese Berichte auf einer Indiskretion beruhten und mancherlei Andeutungen über die Absichten des Außenministers enthielten. Wenn die Berichte auch nur zur Hälfte richtig feien, fo würde das bereits im Widerspruch zu den Genfer Satzungen stehen. (Beifall der Opposition,) Der einfache Grundsatz, den England unterstützen sollte, laute, daß kein Angreifer aus seinem Angriff Nutzen ziehen darf. Italien solle aber sogar von der Provinz Ogaden Teile erhalten, die zu erobern es bisher nicht in der Lage gewesen sei. Das Dilemma der britischen Regierung bestehe offenbar darin, daß die Regierung den Völkerbund zu unterstützen wünsche und gleichzeitig Mussolini und das italienische Regime nicht gefährden möchte. Unmöglich könne der Negus diese Bedingungen annehmen, es sei denn unter der Drohung von Bomben und Gas.
Minister Eden
erwiderte, daß der Verbindungsausschuß des Völkerbundes ausdrücklich englisch-französische Versuche gebilligt habe, eine Erörterungsgrundlage zu finden. Die drei Hauptgrundsätzs, auf die die Vorschläge sich stützen sind:
1. Ein Gebietsaustausch, der beiden
Seiten bestimmte Vorteile bietet.
2. Völkerbundsunter st ützung für Abessinien zum Zwecke sozialer, wirtschaftlicher und verwaltungsmäßiger Entwicklung.
3. Besondere Erleichterung für italienische Siedler und italienische Gesellschaften in Verbindung mit der wirtschaftlichen Entwicklung.
Verschiedene Pressegerüchte enthielten schwerwiegende Ungenauigkeiten. Eine Veröffentlichung der Vorschläge komme erst dann in Frage, wenn die zuständigen Dölkerbundsorgane sie erwogen und einen Beschluß hierüber gefaßt haben. Zur Opposition gewandt erklärte Eden, es würde Sachedes Völkerbundes fein, zu sagen, ob die Grundsätze der Genfer Satzung verletzt worden feien. England werde dieses Urteil annehmen, ebenso wie es bereit gewesen fei, feine Rolle bei dieser sehr unwillkommenen Aufgabe zu spielen. Er werde sich am Mittwoch nach Genf begeben, weil Die Politik der britischen Regierung sich auch weiterhin auf die Mitgliedschaft beim Völkerbund stütze
Die weiteren Ausführungen der Oppositionsred- ner zeigten, daß sie durch Edens Erklärung keineswegs beruhigt worden sind, sondern befürchten, daß die französischen Pressemeldungen über den Inhalt des Friedensplanes nicht völlig auf Erfindung beruhen. Es ist bemerkenswert, daß nicht em e i n- ziges Mitglied der Regierungsparteien das Wort ergriff.
noch ein einziger italienischer Soldat auf abessinischem Boden steht. Der angebliche Vorschlag einer Abtretung der Pro - vinz Ogaden an Italien wird in Addis Abeba als lächerlich bezeichnet, da die Italiener im Süden seit Ausbruch des Krieges k a u m F o r t- chritte gemacht hätten.
Der Angriff auf den Sowjetbürger.
Äon unserem 71 -Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Moskau, 25. November 1935.
Die fowjetrussische Innenpolitik hat in der zweiten Novemberhälfte eine Reihe von Maßnahmen gezeitigt, die einschneidende Wirkungen auf das Leben des Sowjetbürgers und auf feinen Kampf um das tägliche Brot haben werden. Mitte des Monats wurde ein Dekret der Regierung veröffentlicht, das die allmähliche Auflösung der fogenannten Torgsingeschäfte, eine Einschränkung der geschäftlichen Tätigkeit der In tour ist- Organisation und schließlich die Schaffung einer neuen Grundlage für die Rubelumrechnung in ausländische Zahlungsmittel vorsieht. Die sowjetamtliche Presse hat sich offenkundig gescheut, zu dieser Maßnahme Stellung zu nehmen, und in offiziösen Moskauer Kreisen hat man die im Ausland verbreitete Meinung, es handle sich hier um eine Maßnahme, die sich in erster Linie gegen Die Ausländer richte, unwidersprochen gelassen. In der Tat: Torgsin heißt „Handel mit den Ausländern". Die Geschäfte des Torgsin sind jedem Ausländer, der in Sowjetrußland lebt ober auch nur einmal in Moskau gewesen ist, bekannt. Es sind Verkaufsgeschäfte, in denen man gegen Gold oder Valuta alles haben konnte, was das Herz begehrte, und zwar zu einiger-
Mr die Verfahrensfrage noch offen.
Genf soll die Oelsanktionen hinausschieben und der Fünfer-Ausschuß soll wieder seine Arbeit aufnehmen.
London 11. Dez. (DNB.) Obwohl der genaue Inhalt der Pariser Vereinbarungen noch nicht bekannt ist, hat die stark beunruhigte Opposition s p re s s e bereits einen erbitterten Feldzug gegen ihn eingeleitet. Die liberale „News Chro- nicle" behauptet, daß sogar unter den Anhängern der Regierung tiefe Empörung herrsche. Es bedeute nichts gutes, daß man in Rom die Pariser Vorschläge vielleicht als annehmbar betrachte. Wenn Mussolini siegreich wäre und sich der Völkerbund als machtlos erwiese, dann würden diese schlechten Bedingungen wohl als unvermeidlich angesehen werden müssen. Tatsächlich aber mißlinge der Feldzug und der Völkerbund halte f eft zusammen. Diesen Augenblick hätte die französische und die britische Regierung anscheinend für geeignet gehalten, um Mussolini einen Sieg zuzusprechen, den er mit den Waffen niemals hätte erringen können. Die kleinen Völkerbundsstaaten würden sich einem von England angenommenen Plan kaum widersetzen können, aber für die britische Regierung müsse es eine schwere diplomatische Niederlage bedeuten. Um ein solches Mandat habe Baldwin bei den Parlamentswahlen nicht ersucht. Der sozialisttsche „Daily H e r a l d" hält es für sicher, daß dem Angreifer eine große Belohnung für feinen Angriff durch den Friedensplan zugefprochen werde. Das Blatt verlangt, daß Baldwin den ganzen Plan zurückziehen und Laval anheimstellen solle, nach eigenem Ermessen zu handeln.
Die konservativen Blätter heben hervor, daß der Pariser Plan nicht den ihm in der französischen Presse gegebenen Bilde entspreche. Er sei für beide Teile vorteilhaft und bilde Erörterungsgrundlage. Nach den Dar- des „Daily Telegraph" lauten die tat-1 wagung gezogen. Vorschläge ganz anders als die von I
Genugtuung in Paris.
Die französische Presse erwartet versöhnliche Haltung Mussolinis.
Paris, 11. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Tatsache, daß die am Sonntag zwischen Sir Samuel Hoare und Laval erzielte Uebereinftimmung über einen Lösungsvorschlag zur friedlichen Regelung des abessinisch-italienischen Streitfalles nunmehr zu einer Uebereinftimmung der beiden Regierungen geführt hat, wird von der Pariser Presse mit G e - n u g t u u n g vermerkt. Allerdings fehlt es in einigen Blättern nicht an unfreundlichen Bemerkungen über das lange Zögern d e s englischen Kabinetts, bevor es den Vorschlägen mit einigen Abänderungen feine Zustimmung gehoben hat. Das Gefühl einer tatsächlichen Entspannung wird jedoch deutlich. Man rechnet in Paris mit Bestimmtheit auf eine versöhnliche Haltung Mussolinis. Man hält es für gewiß, daß der Achtzehner-Ausfchuß sich auf unbestimmte Zeit vertagen und keinen Beschluß über die Oelsanktionen treffen wird. Man glaubt schließlich mit aller Deutlichkeit gerade in den Blättern, die dem Quai d'Orsay nahestehen, zu erkennen, daß nicht nur England an die äußerste Grenze seiner Zugeständnisse gegangen ist, sondern daß auch Frankreich die äußer st e Grenze seiner Dersöhnungsmaßnahmen erreicht habe.
Abessinien und der Friedensvorschlag.
London, 11. Dez. (DNB. Funkspruch.) Wie aus Addis Abeba gemeldet wird, hat der abessinische Außenminister am Dienstag den


