Nr. 2^8 Drittes Blatt
Gießener Anzerger (General--21 njeiger sUl Gderyeßen»
Sreitag, U Oktober (935
Aus Oer provinzialhaupistaOt.
Das welke Blatt.
Als ich heute morgen an meinen Schreibtisch trat, sah ich mitten auf der Briefmappe ein welkes Blatt liegen. Der Wind mochte es beim Lüften hereingetrieben haben, und eigentlich hätte ich es sofort in den Papierkorb fegen sollen. Denn ein geordneter Schreibtisch ist keine Laubablage. Ich tat indes nichts dergleichen, sondern betrachtete vielmehr diesen dürren Eindringling mit aufmerksamer Sorgfalt
Recht unansehnlich sah das Blatt eigentlich aus, zerschlissen und faltig, mit aufgerollten Rändern und abgerissenem Stiel. Und doch verriet es deutlich Spuren von einstiger Schönheit Klar zeichnete sich noch das anmutige Geflecht seiner Adern vom braungelben Grunde, und zierlich wirkte noch immer die eigenwillige Zähnung seiner Umrisse
Es liegt nahe, beim Betrachten eines welken Blattes wehmütig zu werden. Der Herbst und die Melancholie stehen ja nach ehrwürdigem Brauch m mmgem Zusammenhang. Roch gar nicht so lange ist es her, da rauschte dieses Blatt, saftig und grün, mit seinen viertausend Brüdern im Sommerwind, und sicher hielt es der mächtige Baum am geschmeidigen Stiele fest. Singende Vögel sahen neben ihm auf dem schmalen Ast, und fröhliche Menschen blickten dankbar in das kühl schattende Laub empor. Vielleicht sogar schwebte gerade dieses Blatt dicht über einer Bank, auf der am Abend die alten Leute sitzen, oder die jungen Liebespärchen. Und- das Blatt hätte somit viel Weisheit und viel lyrisches Gefühl unter sich belauscht und hätte beides prüfend miteinander vergleichen, können. Niemand weiß, ob es dabei nicht einen philosophischen, oder einen sentimentalen Charakter bekommen hat.
Der Herbststurm jedenfalls hat vor solchen Erwägungen nicht Halt gemacht. Er hat das Blatt abgerissen, rauh umheraewirbelt und zerschlissen. Das ist die bekannte Vergänglichkeit alles Irdischen, sinnfällig verkörpert in einem bräunlichen Blattfetzen.
Ich wurde indes durchaus nicht melancholisch. Ich saß ganz versunken, und wunderhübsche Erinnerungen stiegen in mir auf. Mit einem Mal war ich wieder ein kleiner Junge und spielte im Park mit welkem Laub. Die Nachbarskinder waren dabei, und wir schleppten die Blätter in dicken Packen, soweit unsere kurzen Arme nur irgend greifen konnten. Wir bauten eine machtvolle, raschelnde Burg mit Wällen und unförmigen Mauern, wir wühlten und schichteten, wir riefen selig durcheinander und wurden ganz heiß von unserer schweren Arbeit. Zum Schluß aber, wenn weit und breit fein Fitzelchen Laub mehr zu finden war, setzten wir uns hoch oben auf unser schwankendes, sinkendes Gebäude. Wie rechte, außerordentlich würdige Könige fühlten wir uns dabei, denen nach des Tages Plage ein Mußeftündchen wohl zu gönnen ist.
Dann nahm mich die Erinnerung wieder bei der Hand und führte mich weiter in alle herbstlichen Wälder, durch die ich gegangen. Ganz deutlich horte ich das bunte Laub rascheln, durch das ich genießerisch schlurfte, wie über goldenen Schnee. Ein herber, köstlicher Geruch lag in der Luft, jener einzigartige, unvergeßliche Geruch feuchter Blätter im Herbstwald. Einchhörnchen schlüpften fernab, und umgestürzte Schwämme moderten neben den schwarzgrünen Stämmen. Flammend leuchtete die Sonne in dem silbrigen Geäst und ....
„Sag mal, was starrst du eigentlich so lange auf das alte Blatt?" sagt hinter mir meine Frau sehr verwundert. Ich murmelte Unverständliches und ließ schuldbewußt das welke Ding rasch in den Papierkorb gleiten. Dann schlug ich mit gerunzelter Stirn die große Arbeitsmappe auf,
H. B. v. M.
Sornofnen.
Tageskalender für Freitag.
DAF., Ortsgruppe Gießen-Ost: 20.30 Uhr im Schützenhaus Appell sämtlicher DAF.-Walter. — NSG. „Kraft durch Freude": 20.45 bis 22 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum, Dammstraße; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule
Bildbericht vom Fischzug im Albacher Teich
Links oben: Der abgelassene große Albacher Teich. Im Vordergrund die Abflußgräben, in denen sich Tausende von Fischen sammelten. — Rechts oben: Auf dem Sortiertisch werden die Fische nach Arten und Größen getrennt. — Links unten: Auf der Suche nach allerlei interessantem Getter am Ufer des leeren Teiches. — Rechts unten : Wohlverdiente Ruhe- und Frühstückspause nach anstrengendem Fischzug.
(Aufnahmen [4]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Schombs, Brandplatz; 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.15 Uhr (nur für Frauen) Schwimmen im Volksbad. — Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr: „Hau, ruck". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ein ganzer Kerl". — Cafe Leib: 20 Uhr Lichtbildervortrag „Von Avusrekorden und Afrika".
Stadttheater Gießen.
Heute, Freitag, um 20 Uhr als zweite Vorstellung im Freitag-Abonnement Wiederholung des erfolgreichen Lustspiels „Hau, ruck" von Vulpius und Roberts. Spielleitung: Kurt Lüpfe. Ende 22.15 Uhr.
Reit- und Fahrturnier in Gießen.
Der Verkehrsverein Gießen lädt in unserem heutigen Anzeigenteil noch einmal zu dem Reit- und Fahrturnier am Samstag und Sonntag, 12., und 13. Dftober, auf dem Turnierplatz an der Rod- Heimer Straße in Gießen ein. Die Wettbewerbe werden von Angehörigen der Wehrmacht, der SA. und der Reitervereine bestritten. Neben den reit- fportlichen Ereignissen dürften das Schaufahren und die Fahrkonkurrenzen, die zum größten Teile von der Wehrmacht gezeigt werden, noch besonderem Interesse begegnen. Der Eintrittspreis wird es allen Volksgenossen möglich machen, die Veranstaltung zu besuchen. Näheres in der Anzeige.
Oeffentliches
Preisschiehen bei der Schühengesellschaft.
Die Schützengesellschaft 1926 in Gießen lädt in unserem heutigen Anzeigenteil zu einem öffentlichen Preisschießen am fommenden Sonntag auf ihrem Waldschießstand ein. In Verbindung damit findet ein Schießen z u Gun st en der N S.- Volfswohlfahrt statt. Man darf wohl hoffen, daß für den edlen Zweck der NSV. bei diesem Schießen rege Beteiligung zu verzeichnen ist. (Siehe heutige Anzeige.)
Schau- und Werbefrisieren der Friseure.
Am fommenden Sonntag, 13. Oktober, veranstaltet die Friseur-Innung für Stadt und Kreis Gießen im Caf6 Leib in Gießen ein Schau- und Werbe- frifiren, das die Vielseitigkeit des Friseurs und seine Fähigkeit, als fachmännisch durchgebildeter Friseur beste Arbeit seines Handwerkes zu leisten, zeigen soll. Dabei soll sich das Frisieren auch auf den modernen Haarschnitt des Mannes erstrecken. Auf die heutige Anzeige fei besonders hingewiesen.
„kreuz und quer durch das Schlesierland."
Der Bund heimattreuer Schlesier (Deutscher Ostbund) veranstaltet am kommenden Montag im Stu
dentenheim einen Lichtbildervortrag von Hans U l - r i ch S i e g e r t, Hirschberg (Schlesien), der über das Thema „Kreuz und quer durch das Schlesierland" sprechen wird. Zu dem Abend sind a l l e Volksgenossen eingeladen. (Siehe heutige Anzeige.)
Eine Büfle des Führers in der Chirurgischen Klinik aufgestellt.
Im Treppenhaus des Hauptgebäudes der Chirurgischen Klinik unserer Universität wurde gestern vormittag eine Büste des Führers feierlich aufgestellt. Dabei hielt der Direktor der Chirurgischen Klinik, Prof. Dr. Fischer, in Gegenwart des dienstfreien Personals der Klinik eine kurze Ansprache, in der er die großen Verdienste des Führers Adolf H i t» (er um das deutsche Volk und Vaterland eindringlich vor Augen stellte und alle Volksgenossen ermahnte, bei all ihrem Wirken und Streben stets im Geiste des Führers zu handeln. Er schloß seine Ansprache mit dreimaligem Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler. Anschließend wurden die ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes gesungen.
Nachdruck verboten!
14 Fortsetzung
Bettina mußte am Frühstück teilnehmen, Hans Syden aber entschuldigte sich, er hätte noch etwas zu besorgen, doch mittags wäre er bestimmt zurück.
Bettina fühlte, er ging ihretwegen. Sie schämte sich, daß sie ihn gedrängt, er solle abreisen, sie hatte kein Recht dazu gehabt, er bewies es ihr durch sein Bleiben. Sie besaß kein Recht, sich um ihn zu ängstigen.
Gräfin Jutta lud sie ein, heute den ganzen Tag im Schlößchen zu bleiben. Sie dankte und erklärte: „Mutter fühlte sich heute morgen nicht wohl, Kopfweh plagte sie und ich möchte sie doch etwas im Laden entlasten."
Sie sprach die Wahrheit, doch hatte die Mutter zu ihr gesagt, sie solle ruhig im Waldschlößchen mitfeiern, durch ein paar Tabletten würde sie das Kopfweh sicher vertreiben.
Der angegebene Grund genügte, niemand hier versuchte, Bettina zurückzuhalten.
17. Kapitel.
E i n gefährliches Zusammentreffen.
Bettina fuhr auf dem Fahrrad nach der Stadt zurück. Ihr war sehr traurig zumute, Hans Syden hatte sie heute behandelt wie einen Störenfried, er war nur fortgegangen, am nicht mit ihr zusammen am Tisch sitzen zu müssen. Das war der Dank für ihre Einmischung dafür, daß sie Unheil hatte verhüten wollen.
So war sie vielleicht ein paar Minuten durch den Wald gefahren, als sie Graf Syden aus einem Seitenweg kommen sah. Er kam ihr entgegen und sie bog nach links hinüber. Ausweichen wollte sie.
Er "aber winkte herrisch: „Steigen Sie ab, Bettina. Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen, weil ich nicht auf Sie gehört habe."
Sie wollte trotzdem vorüber, aber er hielt ihr Rad fest, das jetzt leicht schwankte. Sie mußte hinunter.
Er lächelte. „Sie waren enttäuscht, weil ich nicht abgereist bin, na ja, gut. Aber sehen Sie, warum soll ich ausreißen? Wenn Dr. Diendorf mich trifft, bann werde ich ihm Rede stehen. Die Welt ist groß und man müßte Benennungen vermeiden können, aber wenn es mal ernstlich darauf anfommt, daß sie groß sein soll, ist sie sehr klein. Beweis, daß Dr. Diendorf aus Berlin ausgerechnet in unserem alten Städtchen im Laden Ihres Vaters auftauchte und meine Photographie dort sah. Zweiter Beweis, daß er ausgerechnet ein Verwandter des alten Wilderling ist. Lassen Sie'- gut sein, Bettina, aber es war schon richtiger von mir, zu bleiben. Wie es auch kommt, ein Skandal wird und muß sich ver
Sie schwang sich aufs Rad und überhörte, daß er ihren Namen rief. Sie fuhr schnell und schneller, kein Rus von ihm sollte sie mehr erreichen. Sie dachte nur: Jetzt war voraussichtlich alles gut. Hans Syden würde ja die Gegend verlassen und Dr. Diendorf konnte ihm nicht mehr begegnen. Sie dachte weiter, jetzt war auch sonst alles in Krönung, denn in ihrem törichten Herzen hatte sie gründlich aufgeräumt. Sonderbar nur, daß sich plötzlich heißes Naß unter ihren Wimpern hervor- orängte.
Sie fuhr sich fast heftig mit dem Taschentuch über Augen und Gesicht und wäre babei fast vom Rade gefallen, weil sie für den Bruchteil et^r Sekunde vergessen hatte, daß sie auf ihrem Fahrrad saß. |
16. Kapitel.
Geburtstagskind.
Hand Syden hatte wirklich gleich fortgeroollt, aber plötzlich ward es ihm wieder leib. Töricht unb feige schien es ihm boch, einfach auszureißen. Er brauchte ja nicht ins Stäbtchen zu gehen unb m bie Nahe des Schlößchens würbe Dr. Dienborf kaum kommen. Wally war tot, unb verlangte Diendvrf Rechenschaft von ihm, dann sollte er sie haben. Man würde bas unter sich abmachen, wie es sich für Männer gehörte. Ein Skanbal war wohl zu umgehen.
Großchen Jutta wäre ja außer sich gewesen, wenn er so dicht vor ihrem Geburtstag wieder wegfahren wollte. .
Er blieb al(o, erzählte ©retrf, er war- ,m Städtchen gewesen und hätte den Rahmen gleich mitge- ^‘freute sich, daß er hier allmählich dach etwas innere Ruhe zurückgewonnen hatte und so kam der Geburtstag der Gräfin Jutta heran.
Im Frühstückszimmer standen die Fenster wett affen und die Sonnenstrahlen schoben sich wie viele dünne qoldene Scheinwerfer über ^n Gabentisch, den Gretel schon in aller Frühe aufgebaut Groß chen Jutta war noch imm-r schlank, unb ihr. Ju
gend hatte noch nicht völlig Abschied von ihr genommen wie von Großchen Leonore, und sie liebte Dinge, die Großchen Leonore längst nicht mehr interessierten.
Inmitten des Tisches, zwischen Blumen in schönen Vasen stand die Photographie ihres Enkels Hans in dem geschmackvollen breiten Silberrahmen.
Zu Ehren ihres Geburtstages hatte sich Jutta Syden besonders festlich gekleidet. In dunkelbraunem neuen Seidenkleid, in dem sie sehr schmal und schlank aussab. betrat sie das Frühstückszimmer. Alle hatten schon auf sie gewartet, und es wurde Glück gewünscht und geküßt und gedankt.
Auf dem Frühstückstisch wartete die Geburtstagstorte, unb ber frische Kaffee buftete verlockenb.
„Heute ist er extra stark", lächelte Gretel. Man setzte sich, um zu frühstücken, als bas Hausmädchen meldete: „Fräulein Hochwald ist gekommen und möchte der Frau Gräfin gratulieren."
Das pflegte Bettina jedes Jahr zu tun, ebenso wie sie Großchen Leonore und Gretel an deren Geburtstag besuchte.
Hans Syden war der Besuch unangenehm, an Bettinas Kommen heute hatte er gar nicht gedacht. Er hatte ihr doch versprochen, abzureisen und saß nun hier. Um feine Sippen zuckte es. Wozu brauchte er aber so ein Versprechen zu halten. Er wollte nicht ausreißen. Schließlich dachte Bettina doch noch er wäre ein schlapper Kerl! Obgleich es ihm eigentlich gleichgültig sein könnte, was Bettina Hochwald non ihm dachte.
Als Bettina eintrat, einen Strauß Blumen in der fianb, erhob er sich. Sie zuckte förmlich zusamrnen bei feinem Anblick, unb er merkte wie sehr sie fi£ zus°mm-nn-hm°n mußte, um ihren Muckwunfch vorbringen zu können. So em dummes Madel, War ernstlich verliebt in ihn, es hatte sie nicht genügend ,ur Vernunft gebracht, baß er ihr anvertraut, rote ehr er eine andere geliebt. Er glaubte ihr n.chft daß LV nur Sorge trug, bie Großchens unb Gretel könnten in Kummer kommen.
Wally Walb! Stanb sie nicht plötzlich mitten in spm sniblinaslauen, von Milliarben Sonnenstaub- chen durchs,imm°rt°n Zimmer? Stand sie nicht neben Bettina Hochwald, übertrumpfte mit ihrer Schönheit die weißblonde Bettina und ine reizende ® S*on schwand die Erscheinung die er von Zeit ... oL und die ihm noch nach ihrem Tode den Kops wirr machte und tolle heiße Sehnsucht we-kt-
Er reichte Bettina, die schon alle anderen begrüßt hatte, die Hand, ihre fragenden Augen begegneten einem kühlen Blick
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meiden lassen, bei einer möglichen Auseinandersetzung zwischen Dr. Diendorf und mir."
Seine Augen blitzten. „Jetzt erst fühle ich es so recht, daß mir der Aufenthalt daheim doch gut tut. Also, wozu ihn abbrechen."
Bettinas Augen sahen an ihm vorbei.
„Weshalb halten Sie mich überhaupt auf? Sie haben doch gar keine Veranlassung dazu, mir das alles zu sagen. Sie sind geblieben und ich sehe ein, meine Einmischung war töricht und lächerlich — gut. Sie haben auch keine Veranlassung, mich um Verzeihung zu bitten, sondern ich muß Sie um Verzeihung bitten, weil ich mich um Dinge gekümmert, die mich nichts kümmern durften."
Wie blaß das ebenmäßige Gesicht Bettina Hochwalds war und wie dunkel ihre Augen schimmerten im Kranz der tiefbraunen Wimpern. Ihr flockig- weiches lichtes Haar bauschte sich über der Stirn in matter Bernsteinfarbe und Hans Syden fiel es heute eigentlich zum ersten Male auf, Bettina Hochwald war keine Durchschnittserscheinung.
Bettina liebte ihn! Obwohl jeder Gedanke feines Herzens der Geliebten galt, die auf einem Kirchhof der Millionenstadt Berlin im letzten Schlummer ruhte, empfand er es heute doch fast wie eine kleine Freude, sich der Liebe Bettinas bewußt zu sein. Abkühlen, vernichten hatte er die Liebe wollen, jetzt dachte er nicht daran, ihre Liebe rührte ihn eher.
Er nahm Bettinas Hand, sagte leise: „Wollen doch wieder gute Freunde fein wie früher, Bettina!"
Ein lauer Wind strich durch die Buchen und die Sonne lachte: Es ist Frühling!
Als Hans Syden ihre Hand gefaßt, war es Bettina, als müsse sie sich jetzt aufs Rad schwingen und vor einer großen Gefahr fliehen. Doch sie besaß nicht die Kraft, ihre Hand zu befreien.
„Armes kleines Mädel!" flüsterte Hans Syden. Es klang fast zärtlich, und ehe sich Bettina besinnen konnte, was geschehen, hatte er sie geküßt.
Im nächsten Augenblick erschrak er. Lieber Himmel, der Frühling verführte ihn zu Dingen, die ihm bei nüchternem lleberlegen unmöglich dünkten. Er bat: „Nicht böse sein, Bettina, ich weiß nicht, warum ich das eben tun mußte."
Bettinas Gesicht war stolz und abweisend. Ohne ein Wort zu sprechen, sie hätte ja auch nicht eine Silbe über die Lippen gebracht, schob sie ihr Rad zurecht und sah, mit plötzlich angstgeweiteten 2luqeiL Dr. Diendorf unweit von ihnen stehen. Sein Büro haftete an Hans Syden, der ihn noch nicht bemerkt hatte.
(Fortsetzung folgt!)


