Die Versorgung mit Butter und Schweinefleisch.
NSV., Ortsgruppe Gießen-Nord.
Belr.: Eintopfsonntag.
Sämtliche Amtswalter und Helfer erscheinen am 13. Oktober, vormittags 9 Uhr, zum Empfang der Sammelbüchsen in der Geschäftsstelle.
Deutsche Arbeitsfront.
Werte Arbeitskameraden!
Am Sonntag, 13. Oktober, vormittags 10 Uhr, findet im Cafe Leib, Gießen, eine große
Bauarbeiterversammlung
statt. Es sprechen: Kreiswalter der DAF. Pg. Wagner, Gaufachgruppenwalter Pg. Mayer- Hofer, Frankfurt a. M.
Wir bitten alle im Bauhandwerk tätigen Kameraden, sowie Betriebsführer, an dieser Versammlung teilzunehmen, da Fragen behandelt werden, die für den einzelnen Arbeitskameraden von größtem Interesse sind. Wir erwarten daher stärkste Beteiligung.
Ortsgruppe Gießen-Osi.
Am kommenden Freitag, 11. Oktober, findet ein
Appell sämtlicher DAF.-Walter
der O. Gr. der DAF. Gießen-Ost statt. Die Zusammenkunft ist abends pünktlich um 8% Uhr im
Schühenhaus.
Es werden u. a. die Richtlinien für das Winterhalbjahr 1935 bekanntgegeben. Erscheinen der Zellen-, Block-, Betriebszellen- und Blockwalter ist eine selbstverständliche Pflicht.
4 X Die deutsche Rrbcitöfront
V " n.9.=bemcinfchaft „firaft durch freude
Achtung! Wanderwarte!
Am Sonntag, 13. Oktober, findet eine R a d - Wanderung statt nach Braunfels—Sieben-Mühlental—Butzbach—Gießen. Die Abfahrt erfolgt um 7.30 Uhr pünktlich ab Lahnbrücke. Die Heuchelheimer Teilnehmer schließen sich auf der Durchfahrt am Ausgang von Heuchelheim, Richtung Atzbach, an. Verpflegung ist mitzunehmen. Es wird erwartet, daß sich recht viele Kameraden beteiligen. Wer einmal an unseren Wanderungen teilgenommen hat, ist immer wieder dabei. Führung: Kreiswander- wart Richter.
Sportantt „Kraft durch Freude".
Achtung!
Prüfung für das Reichsfportabzeichen!
Die letzte Abnahme der leichtathletischen Gruppen für das Reichssportabzeichen findet am kommenden Samstag, 12. Oktober, pünktlich ab 16 Uhr auf dem Universitätssportplatz statt. Es können nur Inhaber der KdF.-Jahressportkarte daran teilnehmen. Leistungsbuch mit eingeklebtem Lichtbild ist mitzubringen. Das Schwimmen für das Reichssportabzeichen wird am kommenden Dienstag, 15. Oktober, pünktlich um 21 Uhr im Volksbad abgenommen.
heute folgende Kurse:
Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer: Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.
Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen: Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lollar, Kantine der Fa. Buderus.
Schwimmen: Von 20.30 bis 21.30 Uhr, für Frauen und Männer, Volksbad; von 21.30 bis 22.30 Uhr, nur für Frauen.
Reiten: Von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs.
Jeder Deutsche
kann an kdF.-Sportkursen teilnehmen!
„Soldat, Kamerad sein, muß jeder!"
Bl einen am 12. Oktober 1935 ausscheidenden Kameraden gewidmet.
(Nachdruck nur mit meiner Genehmigung!)
Kamerad, nun, so scheide. Leb' wohl Kamerad! Mein Wort dich geleite: bleibt stets Soldat!
Wir schritten zusammen im heißen Gefecht
Und schwitzten nicht wenig, gar oft ging es schlecht.
Der Feind gegenüber im lichten Wald Stritt ebenso tapfer. — Da blies es „Halt"! Mit frohem Gesang dann zogen wir heim, Ein Tag war vorüber. Soldatenreim!
Kamerad, nun, so scheide. Leb' wohl Kamerad!
Wir lernten zusammen den Schritt, Kamerad.
Die Waffe zu führen. Der Schießstand erzählt Wie anfangs zuerst das Ziel wir verfehlt;
Jedoch mit der Zeit, da ward man gewandt Und hielt das Gewehr mit sicherer Hand. — Käm' heute ein Feind uns als Ziel in die Quer, der wär' in der nächsten Sekunde nicht mehr!
Kamerad, nun, so scheide. Leb' wohl Kamerad! Hör' Deutschlands Befehle und folg', Kamerad, So man dich zum Dienst ruft, so stelle dich ein, Wir lernten zusammen gehorsam zu sein!
Wir erprobten die Treu zu Führer und Mann, Die Liebe zur Sache und die Freude am Werke. Ui^d das stolze Bewußtsein erfüllte uns dann: Wir sind erst stark durch jedermanns Stärke!
Kamerad, nun, so scheide. Leb' wohl Kamerad! Mein Wort dich geleite: bleib stets Soldat!
Das Land braucht Soldaten, du brauchst das Land Drum sind wir verbrüdert im ehernen Band!
Drum schwingst du die Axt und ich das Gewehr, Der andre den Spaten — die Feder —!
Und fällt es manchmal auch noch so schwer: „Soldat, Kamerad sein, muß jeder!"
Adolf Müller.
Kinderermäßigung
und Wehrmachtausbildung.
Der Reichskriegsminister teilt u. a. mit: Nach dem Lohnsteuersammelerlaß des Reichsministers der Finanzen vom 5. Juli 1935 stehen den in der Berufsausbildung befindlichen Kindern volljährige Kinder gleich, die sich in der Ausbildung bei der Wehrmacht befinden, solange sie das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. In der Ausbildung bei der Wehrmacht befinden sich Fahnenjunker bis zum Oberfähnrich einschließlich und die anderen Wehrmachtsanqe- hörigen bis zum Gefreiten einschließlich.
Ausleselager für Förderung von Abiturienten aus dem Arbeitsdienstgau 22
Don Donnerstag bis Samstag findet im Gieße- ner Studentenhaus ein Kurzlager für die Abitu- klenten aus dem Arbeitsdienstgau 22 statt, lieber 30 ehemalige Arbeitsdienstmänner traten gestern Morgen vor dem Studentenhaus an, wo das La-
Fwd. Da in einigen Großstädten in den letzten Wochen in der Versorgung mit Butter und Schweinefleisch eine lediglich durch unvernünftige Hamsterei verschärfte Verknappung eingetreten ist, hat das Institut für Konjunkturforschung in seinem neuesten Wochenbericht die Erzeugungsbedingungen für Butter und Schweinefleisch untersucht mit dem Ergebnis, daß
in absehbarer Zeil wieder mit ausreichender Versorgung zu rechnen ist.
Nachdem sich der Butteroerbrauch von 1931 bis 1934 kaum verändert hat, dürfte auch in diesem Jahr die Milcherzeugung, soweit sich das jetzt schon übersehen läßt, etwa ebenso groß sein wie 1934. Die Zahl der Milchkühe hat sich wohl im großen und ganzen nicht verändert. Die Weide- und Wiesenerträge waren — im Durchschnitt für das ganze Reich gesehen — günstiger, als im heißen und trockenen Jahr 1934. Dagegen ist die Einfuhr von Oelfrüchten und Oelkuchen in diesem Jahr geringer gewesen, als im vorigen Jahre. Bekanntlich wurde die Einfuhr an diesen Erzeugnissen, um die heimische Landwirtschaft zur Umstellung auf wirtschaftseigene Futtermittel anzuregen, kontingentiert. Ohne Zweifel sind durch die allgemeine Förderung der Grünlandwirtschaft auf diesem Gebiet schon beträchtliche Erfolge erzielt worden. Sie haben aber den Ausfall an ausländischen Kraftfuttermitteln noch nicht wettmachen können.
Die Buttereinfuhr war im bisherigen Verlauf des Jahres sogar noch größer als 1934. Sie hatte in den ersten acht Monaten 1935 rund 45 000 Tonnen gegen runt\ 30 000 Tonnen in der entsprechenden Zeit des Vorjahres betragen. Wenn trotzdem eine Verknappung eingetreten ist, so ist dies nur daraus zu erklären, daß die Nachfrage gestiegen ist. Der Hauptgrund für die Steigerung der- Nachfrage ist die Besserung der Einkommensverhältnisse; daneben spielt wohl auch der größere Bedarf der Wehrmacht eine Rolle. Nach den Untersuchungen des Instituts für Konjunkturforschung war das Einkommen aus Lohn und Gehalt in den ersten neun Monaten wahrscheinlich um 4 v. H. höher als 1934. Nun ist aber der Butterverbrauch (wie der Fleischverbrauch) ziemlich „elastisch". Erhöhungen des Einkommens wirken sich deshalb — gleiche Preise vorausgesetzt — in einer mindestens ebenso großen, wenn nicht größeren, Steigerung des Verbrauchs aus.
Zu Sorgen gibt die gegenwärtige Lage keinen Anlaß.
Schon die Zuckerrübenernte, die im Oktober beginnt, wird in einzelnen Teilen des Reiches die Milcher-
ger mit einer feierlichen Flaggenhiffung eröffnet wurde. Zweck dieser Tagung, die unter Leitung des Verbindungsreferenten der Deutschen Studentenschaft im Arbeitsgau 22 Pg. Kießling steht, ist der, eine Auslese unter den Abiturienten zu treffen, die auf Grund ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse nicht in der Lage sind, ihr Studium aus eigenen Mitteln zu finanzieren, wohl aber auf Grund ihrer hervorragenden Begabung würdig erscheinen, aus Reichsmitteln gefördert zu werden. Die Referate, Prüfungen und Beobachtungen haben Gießener Professoren, Vertreter der Studentenschaft und des NSDStB., der Hitler-Jugend und Vertreter des Studentenwerks übernommen. Nach den Einleitungsvorträgen über die Aufgabe der Hochschule und über die Aufgaben des Studenten an der Hoch- chule, ferner über Förderung und Auslese finden dann die praktischen Prüfungen der beruflichen und körperlichen Eignung statt. Den Abschluß dieses Treffens bildet ein Ausflug nach dem Gleiberg und dann ein Kameradschaftsabend im Gießener Studentenhaus.
Nie HZ.-Flagge auf Schulen.
Nach einer Mitteilung des Pressedienstes der Reichsjugendführung find zum Führen der Hitler- Jugend-Fahne nur die Formationen der Hitler- Jugend berechtigt. Das Recht zum Hissen der HJ.- Flagge kann auch Schulen erteilt werden, an denen mehr als 90 v. H. der Schülerschaft der Hitler- Jugend anaehören. Diese Berechtigung soll ein An- porn für die Schulen sein, im Sinne der Hitler- Jugend zu arbeiten, ferner eine Anerkennung der Leistungen für die Schulen, deren Schülerschaft zum größten Teil in der HI. erfaßt ist.
Tanzabend Harald Kreuhberg.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Samstag, 12. Oktober, findet im Stadttheater Gießen ein einmaliger Tanzabend des weltberühmten deutschen Tänzers Harald Kreutzberg tatt. Kreutzberg ist wohl der einzige Tänzer überhaupt, der alle Länder der Welt bereist hat und mit Recht als bedeutendster männlicher Tänzer der Gegenwart angesprochen werden kann. Das Programm bringt eine Anzahl seiner erfolgreichsten Tanze nach Kompositionen von Mozart, Brahms, Scott, Albeniz u. a. Ferner einige Tänze nach Kompositionen von Fr. Wilckens, dem ständigen musikalischen Begleiter des Künstlers.
Errichtung eines Amtes für Kirchenmusik der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen.
ELP. Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen hat zur Leitung und Förderung aller tirchenmusikalischen Arbeit im Bereich der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen ein Amt für Kirchenmusik der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen mit dem Sitz in Frankfurt am Main errichtet. Das Amt für Kirchenmusik der ruheren Evangelischen Landeskirche Frankfurt am Main geht auf das neu errichtete Amt über. Die Geschäftsstelle des Amtes für Kirchenmusik befindet ich m Frankfurt a. M., Brentanostraße 21. Das Amt für Kirchenmusik ist zuständig für alle Fragen des kirchenmusikalischen Lebens und der kirchen- musikalischen Arbeit im Bereich der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen. Das Amt für Kirchenmusik umfaßt folgende Organisationen des kirchen- musikalischen Lebens:
1. den Landesverband der eo. Kirchenmusiker,
2. den Landesverband der eo. Kirchenchöre,
3. den Landesverband der ev. Posaunenchöre,
4. den Orgel- und Glockensachverständiaen der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen,
5. den Rundfunkbeauftragten,
6. die Vertretung des Reichsverbandes für evangelische Kirchenmusik.
Das Amt für Kirchenmusik ist zugleich die Geschäftstelle der vorgenannten Organisationen. Es wird von dem Landeskirchenmusikwart geleitet, der dem Landesbischof untersteht.
zeugung steigern, da dann das Rübenblatt als Futter zur Verfügung steht. Auf der anderen Seite wird in den nächsten Wochen und Monaten der Verbrauch zurückgehen, da die Landwirte in der Zeit der Hausschlachtungen weniger Butter verbrauchen. Schließlich wird in absehbarer Zeit der saisonübliche Tiefpunkt der Milcherzeugung aus natürlichen Gründen, wie in jedem Jahr, überwunden werden. Für eine bessere Versorgung der Großstädte sind inzwischen durch den Reichsnährstand Maßnahmen ergriffen worden.
Auch beim Schweinefleisch ist die Versorgung in keiner Weise bedroht: wie bei der Butter sind die Grundlagen der heimischen Produktion unangetastet.
Allerdings hat sich auch bei der Schweinezucht die schlechte Futtermittelernte des Jahres 1934 insofern bemerkbar gemacht, als sich vorübergehend die Bestände verringert haben. Wie sich aber aus der Vorausberechnung des Schweinebestandes ergibt, wird der Bestand schon wieder im März 1936 die Höhe der Jahre 1933 und 1935 erreicht haben. Nun wird, wie bei der Butterversorgung, auch bei der Versorgung mit Schweinefleisch, wenn die Nachfrage allgemein steigt, zuerst der Bedarf in den Dörfern und Landstädten voll gedeckt. Verknappt sich das Angebot, so macht sich das zuerst auf den Märkten der Großstädte bemerkbar. Die Verringerung des Angebots an Speck, Schmalz und Talg hat sich auf den Märkten besonders deshalb bemerkbar gemacht, weil gleichzeitig auch das Angebot auf dem Buttermarkt gesunken ist.
Die gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Schweinefleischversorgung dürften in absehbarer Zeit überwunden sein.
Einmal ist noch ein Rückgriff auf die Vorräte an „Fleisch im eigenen Saft" usw. möglich. Außerdem werden in den nächsten Wochen im Wege des Kompensationsverfahrens wöchentlich 5000 Schweine, sowie zusätzliche Mengen an Speck und Schmalz ein geführt werden. Ferner läßt sich — und das ist au lange Sicht besonders wichtig — eine beginnende Vermehrung des Schweinebestandes feststellen, der bald auch eine Zunahme des Angebots auf den Märkten folgen muß.
Zusammenfassend stellt der Bericht fest: Die deutsche Landwirtschaft steht mitten in der Erzeu- ghngsschlacht. Ihr Ziel ist es, die Selbstversorgung mit den lebensnotwendigen Nahrungsmitteln zu sichern. Dieses Ziel kann jedoch infolge der Witte- rung und der dadurch bedingten Ernteschwankungen von Jahr zu Jahr nicht in gleichförmigem Anstieg erreicht werden.
Verschönerung des Stadtbildes.
Das städtische Hoch- und Tiefbauamt hat zur Verschönerung des Stadtbildes gegenwärtig einige Wiederherstellungsarbeiten an städtischen Gebäuden im Gange bzw. abgeschlossen. In erster Linie ließ man es sich angelegen sein, dem großen Gebäude der Alten Klinik an der Liebigstraße ein besseres Aussehen zu geben. Der bisherige rötliche Verputz, der sehr unansehnlich geworden war und zum Teil abfiel, wurde völlig entfernt und das Haus so bearbeitet, daß der natürliche Sandstein bei entsprechendem Verputz der Fugen zutage trat und
13. Oktober! HI. zieht nach Limburg!
Der Reichsjugendführer spricht!
13. Oktober, Limburg!
Deutsche Jungen, denkt daran:
Ab 14. Oktober ist der Eintritt in die HI.
Hessen-Nassaus gesperrt!
nun dem Gebäude nicht nur ein freundliches, sondern auch ein sehr gutes Aussehen gibt. Die Alte Klinik bietet sich nun weit repräfenfabler dar, als es bisher geschah. Durch einen frischen Anstrich der Fensterrahmen wurde der Gejamteindruck weiter gehoben.
Nachdem im Frühjahr die Torhäuschen an der Neuen Säue neu hergerichtet worden waren, wurden nunmehr auch die Torhäuschen am Selterstor, Walltor und am Neustadter Tor zur Ueberholung in Angriff genommen. Die Torhäuschen erfahren die gleiche Behandlung wie die Torhäuschen an der Neuen Säue.
Am Ludwigsplatz sind gegenwärtig Pflasterer an der Arbeit. Das dortige Anlagenstück wurde an dem nach der Kaiserallee zu spitz auslaufendem Ende abgekürzt und der Rasen und dessen Einfassung entfernt. Das dadurch gewonnene Stück Gelände wird gegenwärtig gepflastert. Es wird damit mehr Platz für die auf die Straßenbahn wartenden Fahrgäste geschaffen.
Sturm und Unwetter über dem Kreise Gießen.
Nachdem am gestrigen Donnerstagoormittag und -Mittag bereits lebhafte Winde geweht hatten, steigerte sich am Donnerstagnachnuttag kurz nach 15 U^jr der Wind zu einem plötzlichen heftigen Wirbelsturm, der von sehr starkem Regenfall begleitet war. Mit großer Gewalt peitschte der Sturmwind die Säume, die sich unter seinem Drucke weit über ihre normale Haltung hinaus der Erde zu beugten. Dabei wurde von den Säumen mancherlei morsches Holz abgerissen und zu Boden geschleudert, aber auch an gesunden Stämmen wurde durch Abreißen von Aesten mehrfach Schaden anaerichtet; u. a. wurden in einem Garten am Ludwigsplatz von einem mächtigen Stamme starke Zweige herniedergerissen, die zum Glück in den Garten fielen, so daß Personen nicht zu Schaden kamen. Der Fährverkehr in den Straßen wurde unter diesem Sturmwetter natürlich beeinträchtigt, zumal der Regen in außerordentlich heftigem Guß niederging, so daß man auch unter den Wassermassen allerlei Schwierigkeiten beim Fahren auszustehen hatte. Von weiteren Nachteilen in der Stadt Gießen durch diesen plötzlichen Wirbelsturm, der zum Glück schon nach kurzer Zeit sein Ende fand, ist uns bis jetzt nichts bekannt geworden.
Aus dem südlichen Kreise Gießen liegt uns heute früh folgender Bericht vor: Nach anfänglichem Sonnenschein brach Donnerstag gegen 15 Uhr ganz plötzlich ein sehr starker orkan- artiger R e g e n st u r m los, der mit solcher Heftigkeit wütete, wie wir ihn in den letzten Jahren nicht erlebt haben. Der Sturm brachte in kurzer Zeit ungeheure Regenmassen, die wolkenbruchartig niedergingen. Die überall auf den Feldern mit Kar- toffelausmachen beschäftigten Bauern waren im Augenblick bis auf die Haut durchnäßt. Das Vieh war kaum zu halten vor Unruhe. An eine Fort-
Einzahlungen für das Winter, Hilfswerk 1935/36
sind auf das Konto 2938 bei der Deutschen BanC und Diskonto-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen, oder auf unser Postscheckkonto Frankfurt a. 2R. 16114 zu tätigen.
Kreisamtsleitung Gießen der 21 SB.
setzung der Arbeit war nicht mehr zu denken. Don allen Seiten fuhren die leeren Wagen in beschleunigtem Tempo in die Dörfer. An zahlreichen Gebäuden hat der Sturmwind Ziegel abgedeckt und Bretter abgerissen. Größere Schäden sind bis jetzt noch nicht bekanntgeworden. Dagegen sind sehr viele Ob ft bäume vom Sturmwind entwurzelt worden, überall wurden Aeste abgebrochen. Auf manchen Baumstücken blieb auch nicht ein Saum vom Sturm verschont. Nicht nur ältere Säume, sondern auch ganz junge kamen zu Schaden. Die stärksten Aeste wurden oft 50 Meter und weiter vom Sturmwind getragen. Gartenzäune lagen wie gemäht auf der Erde, und fast alle Bohnenstangen in den Gärten waren an den Boden gedrückt. Auch in den Wäldern hat der Sturm erheblichen Schaden verursacht. Gegen 14.30 Uhr ließen Sturm und Regen plötzlich nach. Die Sonne schien wieder.
Zur Wiedereinbürgerung des LlhuS im hessischen Vogelsberg.
Wie wir erfahren, hat der Reichsstatchalter in Hessen — Landesregierung — Abteilung Id durch amtliche Erhebungen alle bis jetzt bekannten Unterlagen über die seit einigen Jahren begonnenen Versuche, die größte Eulenart Deutschlands in unseren Wäldern wieder heimisch zu machen, durch die Ministerialforstabteilung zusammenstellen lassen, m der Absicht, über das bisherige Ergebnis dem Reichsjägermeister Bericht zu erstatten. Nach diesen Unterlagen, die nicht nur durch einwandfreie Beobachtungen dargestellt werden, sondern auch durch Beweisstücke in Gestalt von Federn und Gewöllen erhärtet sind, kann der in Zusammenarbeit mit dem Grafen Georg zu Solms-Laubach von dem wissenschaftlichen Beauftragten des Forst- zoologischen Instituts der Landesuniversität, Dr. Karl Rudolf Fischer, unternommene Versuch als geglückt bezeichnet werden. Dr. Fischer, den es in letzter Minute noch zu gewinnen gelang, wird in einem Vortrag auf der Hauptversammlung des Vogelschutzvereins für Hessen am kommenden Sonntag in Büdingen das Referat für den Reichs- jägermeister der Oessentlichkeit bekanntgeben und zum ersten Male ein lückenloses Bestandsverzeichnis des Uhus und damit einen Rechenschaftsbericht über die Versuche bieten.
*
** Eine Riesenkartoffel. Bei der Kartoffelernte in dem Gartengrundstück der Frau Ww. Petri, Asterweg, das auf dem Gelände am Loh- mühlsbach bei der Puloermühle liegt, wurde gestern gleich bei dem ersten Kartoffelstock, dessen Früchte die Hacke zutage brachte, eine Riesenkartoffel geerntet. Das Gewicht dieser Kartoffel, die uns als Seltenheit gezeigt wurde, beläuft sich auf 2V< Pfund. Man kann also schon mit dieser einzigen Knollenfrucht ein Mittagessen bestreiten. Erwähnenswert ist dabei noch, daß der 80 Jahre alte Großvater der Familie, der im Dezember seinen 80. Geburtstag begehen kann, in erfreulicher Rüstigkeit die Kartoffelernte im Garten besorgt.
Kleine Strafkammer Gießen.
Wegen Uebertretung der Reichsstraßenverkehrs, ordnung in Tateinheit mit einem Vergehen der fahrlässigen Körperverletzung wurde der E. D. aus Essen vorn hiesigen Amtsgericht zu 35 Mark Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil ver- folgte der Angeklagte das Rechtsmittel der Bern- fung. In der gestrigen Hauptverhandlung ergab ßch, daß der Angeklagte mit seinem Auto in Gießen mit großer Geschwindigkeit die Ludwigstraße hinauffuhr und durch unvorschriftsmäßiges Fahren an der Ecke Wilhelmstraße mit einem Motorradfahrer zusammenstieß, wobei dieser erheblich ner- letjt und die Maschine schwer beschädigt wurde. Die Beweisaufnahme ergab keinerlei Umstände, die zur Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils geeignet gewesen wären. Das Gericht wies daher die Berufung als unbegründet zurück und belastete den Angeklagten mit den Kosten.
In einer weiteren Sache erschien der Angeklagte nicht, so daß sein Rechtsmittel verworfen wurde.
5484 Erbhöfe in Hessen anerkannt.
Die Arbeiter der Anerbengerichte an der Erbhöferolle, über die wir im Gießener Anzeiger Nr. 127 vom 3. Juni nach dem Stande vom 1. Januar 1935 berichtet haben, sind nach einer in der , Deutschen Justiz" vom 13. September d. I., S. 1324 von Erbhofgerichtsrat im Reichsjustizministerium' Dr Hopp gegebenen Uebersicht während des ersten Halbjahres 1935 in sämtlichen Bezirken erheblich fortgeschritten. Im Oberlandesgerichts, bezirk Darmstadt beträgt die Zahl der aus dem Gemeindeverzeichnis in das Gerichtliche Der- zeichnis übernommenen Höfe nunmehr 8456- nur bet 23 Hofen war bis zum l.Juli über die Auf- nähme in das Gerichtliche Verzeichnis noch nicht entschieden. Die Zahl der als zur Zeit — z B wegen Miteigentums mehrerer Personen — nicht eintragungsfähig befundenen Höfe, die beim Weq- all des Hinderungsgrundes Erbhöfe werden, be- laust auf 2246. Einspruch gegen die Aufnahme bzw. Nichtaufnahme in das Gerichtliche Verzeichnis ist in 1876 Fällen eingelegt worden; 715 Ein- sprachen ist stattgegeben und 736 sind zurück- gewiesen worden; nur in 142 Fällen steht die Cntscheldung noch aus. In die Erbhöferolle, die am 1. Januar 1935 1624 Erbhöfe enthielt, sind bis zum ' S.U r fitere 3860 Erbhöfe eingetragen worden, o daß die Zahl der als Erbhof anerkannten Höfe im Oberlandesgerichts, bezirk Darmstadt nunmehr 5484 betragt.
3n den 26 Oberlandesgerichtsbezirken des Deut« djen Reiches ist die Zahl der in das Gerichtliche Derzeichnis aufgenommenen Höfe auf 703 769 ae- uegen; nur bei 15 519 (am 1. Januar 65 372) Höfen war am 1. Juli 1935 über die Aufnahme noch nicht entschieden, und in 8250 (am 1. Januar 76 695) Fällen war noch über Einsprüche zu entscheiden. In die Erbhofrolle, die am 1. Januar 322 437 Erbhöfe aufwies, sind weitere 205 266 Höfe eingetragen worden, so daß die Zahl der bis zum l.Juli 193 5 als Erbhof anerkannten Höfe 527 703 b e t r ä g t, das sind 75 Prozent der in das Gerichtliche Verzeichnis aufgenommenen Hofe, §


