Nr. 238 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-AnzetgerfürGberhe^en)
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Heimat der Kaiserin Tai tu war und somit der I unterminiert unser Land und unser Volk
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tend genug, um selbständig zu bleiben ..
Rom hatte über dieses Rundschreiben gelacht wie die übrige Welt. Jetzt aber erließ Menelik eine neue Proklamation: „Ein Feind ist übers Meer gekommen, er hat unsre Grenzen geschändet, um unser Volk zu vernichten und unfern Glauben. Ich habe alles versucht, und ich habe fünf Jahre verhandelt, viel zu lange verhandelt, weil ich mein Land schonen wollte, das so sehr , unter der Seuche litt. Der Feind aber dringt immer weiter vor. Er
Maulwurf. Mit Hilfe der Dreifaltigkeit will ich mit Gewalt diesen Eindringling besiegen, der nicht hören will. Daß jeder, der Kraft hat, mich begleiten möge! Daß der, der zu schwach ist, für uns bete ..."
Jetzt lachte Rom nicht mehr, denn von überall her kamen die Krieger. Mit ihren Schildern aus Büffelhaut und den Schwertern in roten Scheiden und den uralten Lanzen kamen sie zu Menelik Mit den Gras-Gewehren, die die Franzosen ihnen verkauft hatten, und den Flinten, die die Italiener selber ihnen geliefert hatten. Tausende kamen, Zehntausende, fast Hunderttausend. Die Würdenträger hatten ihre Kriegsmäntel aus Leopardenfellen an, Löwenmähnen auf dem Kopf. Und während die Italiener fieberhaft Verstärkungen kommen ließen, stellte Menelik den Ras Makon- n en, seinen Detter, Gouverneur der Provinz Har-
Die Jungmannschaft eines Volkes wird von neuen Dingen stets besonders angezogen. So war es mit dem Auto, dem Radio und dem Flugzeug; so ist es heute mit dem Luftschutz. Schon in der Schule wird die Heranwachsende Generation über die Entwicklung der Flugzeugwaffe, der Bomben und der Giftkampfstoffe belehrt, und jugendliche Phantasie hat sich rasch dieses neuen Gebietes bemächtigt.
Immer mehr Jungens und Mädels finden sich zu den Ausbildungskursen des Reichsluftschuhbundes ein, werden mit den Fragen der Abwehr von Fliegerangriffen praktisch vertraut gemacht und in die große Gemeinschaft derer eingereiht, die in der Stunde der Gefahr zum Schuhe der Zivilbevölkerung eingesetzt werden muß.
Zweiflern und Miesmachern, die nicht recht an die Brauchbarkeit der jungen Menschen glauben, muß
man sagen, daß gerade die Jugend mit starkem Interesse dem Lehrgang folgt, und im übrigen von ihr nichts verlangt wird, was sie nicht leisten kann.
Eine wachsende Zahl von Schülern, Schülerinnen und Lehrlingen steht heute dem Reichsluftschutzbund zur Verfügung. Alle wissen, daß es ohne ihre Mitarbeit nicht geht, und insbesondere d i e noch nicht militärpflichtige Jugend ist gerne bereit, ihren Willen, der Volksgemeinschaft zu dienen, unter Beweis zu stellen.
Schon in der Zett der Vorbereitung des Selbstschutzes der Bevölkerung kann ein Junge, oder ein Mädel nützliche Arbeit leisten.
Der Luftschutzhauswart kann von ihnen in tausend Dingen unterstützt werden, sie können bei der Entrümpelung der Dachböden helfen, sie müssen den Eltern bei den vielen kleinen und doch wesentlichen Maßnahmen zur Hand gehen, die zur Vorbereitung der Abwehr in der Wohnung dienen. Sie dürfen
lienilchen Hoffnungen werden sollte.
Wenn man heute unvoreinaenommen und leidenschaftslos diesen ersten radikalen Versuch, das „letzte ungelöste Problem Afrikas" zu lösen, betrachtet, so scheint es, als ob damals niemand in Italien sich daran erinnert hätte, daß Rom selber Menelik modernst bewaffnete. Als ob niemand die Berichte Sir Robert Rapiers gelesen hätte, die voll von Einzelheiten über die ungeheuren Schwierigkeiten eines abessinischen Feld- 'zuas sind, es scheint, als ob niemand in Rom gewußt habe, daß die Provinz Tigre sozusaaen die Mitgift der Gemahlin Meneliks darstellte, die
der Zeitpunkt des Angriffs schlecht gewählt worden war, daß Italien keine Aussichten hatte, das wilde Bergland zu erobern, Menelik zu fangen, wie die Engländer Theodoros gefangen hatten. Er warnte Rom Rom aber konnte nicht zurück. Italiens Finanzlage war seit langem mehr als bedrohlich. Die Steuern waren so drückend geworden, daß sozialistische Landarbeiterunruhen in Sizilien ausbrachen, daß die „Fasci rivoluzionari" von Crispi nur durch die Verhängung des Belagerungszustandes, durch blutige Unterdrückung zur Ruhe gebracht werden konnten. Fast 12 0 Millionen Lire waren schon für Rüstungen in Ery- thräa, für den abessinischen Feldzug ausgegeben worden, man konnte einfach nicht diese Riesensummen abschreiben, den Vormarsch aufgeben. Und so bekam der General Baratieri den Befehl, nicht nachzugeben, so telegraphierte Crispi ihm auf seine neuerlichen Warnungen: „Du hast Angst, weil du lungenkrank bist.. " Das Schicksal nahm darauf seinen Lauf.
„Ich habe nicht die Absicht", hatte Menelik 1891 an alle Großmächte geschrieben, „ruhig zuzusehen, wenn weit weg von hier man Afrika aufteilen will. Vierzehn Jahrhunderte war Aethiopien eine Insel der Christen im Meer der Heiden, und wenn Gott der Allmächtige mein Land bis heute beschützte, so wird er es wohl auch in Zukunft schützen und vergrößern. Er wird Aethiopien nicht unter andere aufteilen. Früher war das Meer unsere Grenze. Wir wollen nicht mit Gewalt diese alten Grenzen zurückerobern, wir vertrauen darauf, daß die christlichen Mächte, von unserm Erlöser Jesus Christus beraten, uns von selber Zugang zum Meer geben werden. Aber Aethiopien ist seit undenklichen Zeiten selbständig. Und es ist bedeu-
Die Einnahme Aduas durch die italienischen : Truppen weckt die Erinnerung an die Schlacht 1 von Adua am 1. März 1896, in der die jetzi- gen Eroberer vernichtend geschlagen und die i Unabhängigkeit Abessiniens gesichert wurde. ! Dem im Wilhelm Goldmann Verlag, Leip- ! zig, erschienenen Buch „Abessinien — Das ungelöste Problem Afrikas" entnehmen wir : den folgenden Abschnitt.
Wenn Italien 1881 begonnen hatte, sich in Ery- < thräa festzusetzen, wenn England 1881 mit der Besetzung Zeilas und Berberas die Gründung seiner Kolonie Somaliland begann, so sicherte im ' gleichen Jahr auch Frankreich sich Einfluß auf das durch den Suezkanal so wichtig gewordene Rote Meer: Es besetzte Obok, dehnte seinen Einfluß zwischen 1884 und 88 bis Djibuti aus. Während Italien mit viel Lärm daranging, Aethiopien zu erobern, sicherte Frankreich 'sich still und ohne Prestigereklame Einfluß im Lande des Regus. Viel länger schon mit Menelik in Verbindung als Rom — Louis Philippe bereits Hatje mit Sahle Selassie, dem Großvater Meneliks, einen Freundschaftsvertrag geschlossen und 1843 das Abkommen von Angolala unterzeichnet —, hielt Frankreich Menelik nicht nur ständig über die Absichten Roms auf dem laufenden, schadete es nicht nur Italien und Englands, wo immer es konnte, sondern sicherte sich vor allem selbst wirtschaftliche Vorteile.
Diese wirtschaftlichen Vorteile wurden ausgiebiger, je gespannter die Beziehungen Meneliks zu seinen zwei andern Nachbarn, zu England und Italien, wurden. Sie erreichten ihren Höhepunkt, als der Negus auf feine Protestbriefe an König Humbert einfach keine Antwort mehr bekam, als Italien, gestützt auf Londons Versprechungen, Ab-sifinien immer offener als Kolonie behandelte. Während Italien in Erythräa Truppen konzentrierte, verhandelten der Schweizer Ingenieur Illg und sein Teilhaber Chefneux im Aul- trag ejner Pariser Gruppe mit Menelik über den Bau einer Eisenbahn Djibuti—Entotto (die damalige Hauptstadt) — Harrar — Weißer Nil. Während Crispi in Rom abessinische Münzen mit dem B'ld Hönig Humberts und der Devise „Italien beschützt Aethiopien" prägen ließ, vermittelte 1894 Paris den Beitritt Abessiniens zum Weltpostverein, ließ es Briefmarken mit dem Bildnis M".neliks drucken. Während in Rom feuriae Krieas- reben gehalten wurden, bekam am 9. März 1894 Frankreich eine Konzession: das Monopol zu Bahnbauten in Abessinien. Das schlug dem Faß den Boden aus. England sah seine Pläne vereitelt. Italien betrachtete sich als vor der ganzen W-llt lächerlich gemacht. Zwei Taae nach dem Bekanntwerden des franko - äthiopischen Eisenbahn- abkomm-ns, am 19. Avril, reiften italienische Delegierte nach London, am 5. Mai 1894 wurde ein dritter italienisch-englischer Aufteilungsvertrag geschlossen, zum drittenmal das Ende der athiovischen Selbständigkeit erklärt. Italienische Truppen begannen die Provinz Tigre zu besetzen, drangen bis Adua vor, das bald darauf das Grab aller ita-
Das Drama von Adua
Der erste Abessinien-Feldzug Italiens.
Don Anton Zischka
ungünstigste Punkt für einen Angriff. Niemand schien sich mehr daran zu erinnern, daß es 1889 aus Italien in Massaua eingeführtes Vieh war, das Seuchen einschleppte, die zuerst die Herden Tigres und bald darauf fast 98 v. H. aller Rinder Abessiniens vernichteten, daß — wenn auch sicher ungewollt — Italien es gewesen war, das Aethio- piens reichste — und einflußreichste — Leute, die „Männer der tausend Kühe" wie die „Männer der zehntausend Kühe", arm und damit sich zu erbitterten Feinden machte.
Vor der schweren Tierseuche feierten die Besitzer der großen Herden alljährlich ein Fest, bei dem ein künstlicher See mit Milch gefüllt wurde, in dem man sich dann badete. Die Herden waren zugrunde gegangen, alle Bittgottesdienste, die Menelik hatte abhalten lassen, konnten die Seuche nicht aufhalten, längst gab es keine Milchbäder mehr. War es da erstaunlich, 'roenn man die Italiener als fremde Teufel betrachtete? War es da schwer, das ganze Land gegen sie aufzubringen, den Krieg gegen die Italiener zu einer wilden, erbitterten Rache werden zu lassen? Wenn Theodoros von seinen Vasallen verlassen worden war, Menelik hatte keine Mühe, 80 000 Krieger zu finden und wie der Blitz über die Eindringlinge herzufallen.
Als im Dezember 1895 bei Amba-Alaghi die Truppen des Majors T o s e l l i vollständig vernichtet worden waren, als im Februar 1896 die italienische Garnison von Makkalle niedergemetzelt wurde, erkannte der Generalstab in Erythräa, daß
rar und seinen intimsten Mitarbeiter, der nach der Unterzeichnung des Vertrags von Uccialli in Rom gewesen war, an die Spitze der Armee. Dann drängte er die Italiener in das wasserlose, von kahlen Felskuppen umgebene Tal von Adua und schlug eines nach dem andern die Korps, die Baratieri ihm entgegenwarf. Zwölf Stunden lang, den ganzen 1. März 1896, dauerte die Schlacht, dann waren die Kolonnen der Generäle Art« mondi, Bormi^a und A l b e r t o n e vernichtet. Was von der erythräaischen Armee Italiens übrig war, mußte fliehen. Baratieri kam vor ein Kriegsgericht, Crispi mußte augenblicklich abdanken. Der Traum Italiens von einem großen afrikanischen Reich, von fruchtbaren Hochebenen, von Goldminen und Elfenbein war zu Ende geträumt.
JnderDeutschenVersuchsanstaltfürLuftfahrt in Berlin-Adlershof fand die feierliche Einweihung mehrerer für die Erforschung der Luftfahrt wichtiger Baulichkeiten statt. Im Rahmen der Feier ehrte man zwei Bahnbrecher der deutschen Fliegertruppe, den Oberst a. D. Thomson und Oberstleutnant a. D. ©iegert, durch Aufstellung ihrer Bronzebüsten in den Raumen der Versuchsanstalt. — Unser Bild zeigt denblindenOberst Thomson, der, von Generalleutnant Milch geführt, die Front der Fliegertruppe abschreitet. — (Weltbild-M.)
Junge Menschen im Luftschutz.
(Scherl-Bilderdienst-M.)
jene Zeiten unerhörten Schritte folgern, zu dem er sich entschloß: er ließ sich heimlich mit ihr trauen und nahm sie mit sich auf seine Schlösser ... Wahrscheinlich liegt also die Sache so, daß Agnes eben durch ihre sittsame Weigerung, dem Fürsten cknders denn als Gattin zu willen zu sein, das Verhängnis über sich heraufbeschwor; sie wäre ihm entgangen, wenn sie, wie Hunderte ihres Geschlechts, sich damit
Agnes Bernauer. ■ 1
Zu ihrem 500. Todestage am 12 Oktober.
Daß 500 Jahre das Gedächtnis der Agnes Bernauer nicht zu löschen vermochten, daran mögen auch die dichterischen Gestaltungen, die ihr Schicksal gefunden hat, Anteil haben. Schon im 18. Jahrhundert hat ein Graf Tönung ein Agnes- Bernauer-Dramei geschrieben, und aus der großen Zahl dramatischer Darstellungsversuche, die der Stoff im vorigen Jahrhundert gefunden Hat, ragt über alle (über Otto Ludwig, Martin Greif u. a) Friedrich Hebbels Tragödie. Aber neben dieser literarischen Gestaltung blieb doch auch das Ge-„ chehen selbst in der Überlieferung des Volkes bestehen, es wurde zur Sage und zum Mythos, und gelegentlich kann man deutlich erkennen, wie die Volksübellieferung von der Auffassung der Dramatiker abweicht. Ihr entspricht am ersten noch das Gedicht, das König Ludwig I. von Bayern de Agnes Bernauer gewidmet hat, und das um Jo bedeutsamer ist, als hier ein Nachsahre d^ bayerischen Herzöge des 15. Jahrhunderts das Wort ergriffen hat „Der Liebe Glück ist nicht für die e Oßelt", wird darin gesagt — das ist aufs genaueste die Empfindung, die auch das Volk angesichts des traurigen Schicksals der Augsburger Baderstochter
^Es ist eine romantische Empfindung, denn es ist eine romantische Liebesgeschichte^ Albrechtz der einzige Sohn des regierenden Herzogs Ernst von Bayern, hat sich zu Augsburg — gelegentlich emer Festlichkeit — in ein einfaches, ungewöhnlich schönes Mädchen aus dem Volke verliebt er haf.sie. Agnes Bernauer, die Tochter eines Baders Mit sich auf fein Schloß genommen, hat sie gegen den Willen eines Vaters geheiratet und ist nut fernem Vater desweaen in Streit geraten; denn Herzog Ernst kann a$us dynastischen Gründen diese Liebe unddiese
Planes Bernauer wird in Abwesenheit ihres Ge mahls zu Straubing in die Donau gestürzt und er- ‘r®k 6<Wfallkagit'biefcs OefcWns wird viel- Sali vor fünfzig j Akademie der Wissen- SBS&ss LP- fawÄ» -sm'ch had man aus dem ....
zufrieden gegeben hätte, nach kurzer Zeit verstohlenen Liebesgenusses, von ihrem fürstlichen Liebhaber anständig ausgestattet, einem Standesgenossen die Hand zu reichen; darin liegt die erschütternde Tragik ihres Schicksals."
Agnes Bernauer ist also nach dieser Auffassung das Opfer ihrer Sittenstrenge, die Märtyrerin ihrer Tugendhaftigkeit geworden. So Großes und Bestechendes dieser Gedanke hat, darf doch nicht übersehen werden, daß durch nichts seine Richtigkeit bewiesen ist. Wir stehen auch hier vor völligem Dunkel, "... denn die Akten schweigen sich über den Fall aus, hem für ' s'nd moM vernichtet worden — was an Doku
menten vorhanden ist, vermag indessen eher zu Ungunsten der Agnes Bernauer ausgelegt zu werden, es belastet sie empfindlich, ohne freilich auch hier die notwendige Eindeutigkeit walten zu lassen. Kurz, man könnte das Wort, das Ferdinand Raimund 1824 seinem Geisterkönig (in „Der Diamant des Geisterkönigs") unter Hinweis auf Törrings Drama in den Mund legte, auch als Motto über den „Fall Bernauer" stellen: „... und dann das Buch von der Agnes Bernauerin; das Stück les' ich jetzt schon vierzehnmal, und ich weiß noch immer nicht, warum sie V denn eigentlich ins Wasser geworfen haben!"
Aber das Volk braucht zur Lösung solcher Rätsel weder Akten noch Dokumente, es verfügt über sein Herz und Gemüt, das ihm auch in diesem Falle die Lösung diktiert, und gerade in diesem Falle! Denn bis zu einem gewissen Grade ist die Sache der Agnes Bernauer eine Sache des Volkes, weil Agnes Bernauer selbst ein Kind des Volkes gewesen ist. Fürstenliebe bedeutet dann unter diesem besonderen Aspekt nichts anderes, als die Liebe des Fürsten zu feinem Volk überhaupt; darin betrachtet das Volk die Geschichte der Agnes Bernauer anders als etwa Hebbel sie in seiner Tragödie gesehen hat, der vor allem „das Verhältnis, worin das Individuum zum Staat steht", mit ihr gestaltet hat. Im Volk wird die unsterbliche Liebesgeschichte — ungeachtet aller archivalischen oder wissenschaftlichen Forschungsergebnisse — fortbestehen und das Volksgemüt wird keinen Augenblick an der tragischen Unschuld der Liebe zwischen Agnes und Albrecht zweifeln. Sie besteht jenseits und neben der geschichtlichen Wirklichkeit, sie ist wie ein Volkslied schwermütig und ergreifend, sie ist selbst nur noch Sage und Mythos: Bernauerin ist ertrunken.
Wilhelm Kunze.
Zeitschriften
— „Die Kunst als prophetische Kraft" heißt ein interessanter Aufsatz, den Otto Andreas Schreiber für das soeben erschienene Oktoberheft der „K u n ft« tammer" (Propyläen-Verlag) schrieb. Diese schöne illustrierte Monatsschrift, die der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste herausgibt, bringt außerdem Aeußerungen von Dehio, Schinkel und Vasari über berühmte Kunstwerke, Walter Greischel schreibt über die deutschen Kunstvereine, Kurt Wehlte erklärt die Technik des Silberstift-Zeichnens und zeigt dazu als Beispiele Werke von Dürer und Rembrandt. Ein Bildaufsatz von der Hamburger Gartenschau, Kunstnachrichten aus dem Reich und der ausführliche Ausstellungs-Kalender beschließen das reichhaltige Helf
„ßin ganzer Kerl."
Man merkt diesem Bavaria-Film zwar stellenweise, besonders zu Anfang, die Abstammung von einem Romanmanuskript („Karl der Große" von Wolfgang Marken; Drehbuch: Walter Wassermann und C. H. Silier) deutlich an, aber der Regisseur Carl B o e s e hat es im Laufe der Handlung doch verstanden, aus dem Stoff auch filmisch eine brauchbare lustspielhafte Unterhaltung zu machen, deren optimistischer Grundton einen erfreulichen Eindruck hinterläßt. Man hat auch in Hermann Speelmans den richtigen Darsteller für die Hauptrolle gefunden, der mit seiner ruhigen Energie, seinem frischen Draufgängertum und seinem gesunden Humor in der Tat ein ganzer Kerl ist, ein Mann des Erfolges, der sich durchsetzt, geschäftlich und persönlich, der sich nicht unterliegen läßt, mit allen Schwierigkeiten fertig wird, am Ende alles zum Besten wendet und zur Belohnung die Braut heimführt, die eigentlich einem andern zugedacht war. Das ist Lien D e y e r s, die im Laufe des Abends, ihrer Rolle entsprechend, sympathische Verwandlungen durchmacht, auch äußerlich übrigens, und so gerade die angemessene Partnerin für „Karl den Großen" wird. Vom Ensemble sind außerdem Joe Stöckel, Steinbeck, Erika Gläßner, Wernicke, Schur, Meyerinck und Otto Eduard Hasse zu nennen. —
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Auf der Bühne sieht man eine tüchtige Variete- Nummer: Fresco und Camillo, die ihre sehr saubere akrobatische Arbeit mit allerhand Hokuspokus ausstaffieren. Im filmischen Beiprogramm bringt das Lichtspielhaus neben der neuen Wochenschau Ausschnitte aus der „Zauberflöte" mit guten Berliner Opernkräften. —r—
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Franz Gutmann, Ordinarius für wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität Göttingen, ist auf Antrag zum 1. April 1936 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.
Professor Dr. Michel Martin Arnold Schröer, der entpflichtete Ordinarius für englische Philologie an der Universität Köln, ist dieser Tage im 78. Lebensjahre geworben.
Professor Dr. Fritz Reuter, Ordinarius für gerichtliche Medizin an der Universität Graz, ist als Nachfolger des verstorbenen Professors Dr. Haberda auf dessen Lehrstuhl an der Universität Wien berufen worden


